Zahlungsmittel der britischen Streitkräfte


Abb. 1: Angehörgen der britischen Streitkräfte an einem Kantinenwagen der NAAFI vor dem zerstörten Brandenburger Tor auf dem ehemaligen Hindenburgplatzin in Berlin im Juli 1945.

Zur Versorgung von Angehörigen der britischen Streitkräfte und deren Familien im In- und Ausland gründete die britische Regierung 1920 durch Zusammenlegung der "Expeditionary Force Canteens" (EFC) und des "Navy and Army Canteen Board" (NAACB)

die "Navy, Army and Air Force Institutes" (NAAFI). Die NAAFI weitete ihre Tätigkeit in der Zeit bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aus und unterstützte britische Militärstützpunkte und Einsätze auf der ganzen Welt, von den Bermudas und Jamaika bis nach Singapur und China.

Die NAAFI war von Anfang an nicht nur für die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs in Geschäften und Supermärkten zuständig, sondern betrieb neben stationären und mobilen Kantinen (u.a. auf Schiffen der Marine) auch Restaurants, Clubs, Bars, Cafés sowie Freizeit-, Sport- und Erholungseinrichtungen und sogar Wäscherein.

Der Zweck der NAAFI besteht bis heute nicht in der Erwirtschaftung von Gewinn, sie ist also eine sog. "Non-Profit-Organisation".

Für den Einsatz in Kriegsgebieten erhalten die Zivilbeschäftigten der NAAFI Uniformen und sind dem Expeditionary Forces Institute (EFI) unterstellt. Auf der Abbildung sehen wir den ersten im besetzten Berlin im Juli 1945 eingesetzten mobilen Kantinenwagen der NAAFI/EFI.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs stieg die Anzahl der NAAFI-Einrichtungen drastisch von 1.350 auf fast 10.000 an. Darunter waren allein 800 Kantinen auf größeren Schiffen und 900 mobile Kantinen. Die Anzahl der Beschäftigten stieg von zuvor 8.000 auf den Höchststand von über 110.000, um die britischen Truppen im aktiven Dienst zu unterstützen. 1942 beschäftigte die NAAFI so allein 4.000 Künstler für die Truppenbetreuung. Die Anzahl der täglich verkauften Zigaretten belief sich während des Kriegs auf etwa 24 Millionen Stück.


Abb. 2, British Armed Forces: 1/2 Penny ohne Datum (1946), Druck auf laminiertem Papier, Hersteller: Thomas De La Rue. Durchmesser: 2,5 cm.

Abb. 3, British Armed Forces: 1 Penny ohne Datum (1946), Druck auf laminiertem Papier, Hersteller: Thomas De La Rue. Durchmesser: 3 cm.

Für die britischen Streitkräfte im besetzten Deutschland und Österreich wurden 1946 erstmals eigene Zahlungsmittel ausgegeben. Zuerst wurden Kunststoff-Münzen zu 1/2 und 1 Penny ohne Datum genutzt, die von der bekannten Londoner Wertpapierdruckerei Thomas De La Rue hergestellt wurden. Sie sind zwar auf den ersten Blick kein Papiergeld, der Druck erfolgte aber auf Papier, das laminiert wurde. Man findet sie deshalb auch im "Standard Catalog of World Paper Money – Specialized Issues" bei Großbritannien unter M7 und M8.


Abb. 4, British Armed Forces: 3 Pence ohne Datum (1946), Hersteller: Thomas De La Rue, Vorderseite.

Abb. 5, British Armed Forces: 3 Pence ohne Datum (1946), Hersteller: Thomas De La Rue, Rückseite.

Am 1. August 1946 wurden sog. "Special Voucher" (Sondergutscheine) der britischen Streitkräfte eingeführt. Auch sie waren Anfangs nur im besetzten Deutschland und Österreich gültig, wurden aber ab 6. Mai 1947 auch für britische Truppen im besetzten Japan freigegeben. Es kommen auch Scheine mit Überdruck für Schiffskantinen vor (ISSUED IN H.M. SHIPS AFLOAT FOR USE IN NAAFI CANTEENS ONLY), deren Besatzungen ebenfalls in Japan eingesetzt wurden.

Von der ersten Serie der Gutscheine gab es Nominale zu 3 und 6 Pence sowie 1 Shilling, 2 Shillings und 6 Pence, 5 und 10 Shillings sowie 1 Pound.


Abb. 6, British Armed Forces: 3 Pence ohne Datum (1948), Hersteller: Thomas De La Rue, Vorderseite.

Abb. 7, British Armed Forces: 3 Pence ohne Datum (1948), Hersteller: Thomas De La Rue, Rückseite.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sank an die Anzahl der Einrichtungen und Beschäftigten rapide. die NAAFI musste ihren Betrieb umstellen und 1947 beschäftigte sie nur noch 65.000 Mitarbeiter. Pro Woche wurden in dieser Zeit etwa 200 NAAFI-Einrichtungen geschlossen.

1948 wurde die zweite Serie Gutscheine der britischen Streitkräfte mit den gleichen Nominalen der Serie von 1946 zuzüglich einem 5-Pounds-Schein ausgegeben.


Abb. 8, British Armed Forces: 1 Pound ohne Datum (1956), Hersteller: Thomas De La Rue, Vorderseite.

Abb. 9, British Armed Forces: 1 Pound ohne Datum (1956), Hersteller: Thomas De La Rue, Rückseite.

Seit den 1950er Jahren unterstützt die NAAFI die britischen Streitkräfte im In- und Ausland, darunter bei Einsätzen im Falkland-Konflikt 1982, wo rund um die Uhr 25.000 Menschen zu versorgen waren, in den beiden Golfkriegen, in Afghanistan und vielen weiteren.

1955 verlegte die NAAFI ihren internationalen Hauptsitz nach Rheindahlen bei Mönchengladbach, wo die Britische Rheinarmee ihr Hauptquartier hatte.

Die dritte Serie der britischen Militär-Gutscheine mit Werten der üblichen Wertstufen bis 1 Pound kam 1956 in Umlauf.


Abb. 10, British Armed Forces: 1 Pound ohne Datum (1962), Hersteller: ohne Angabe, Vorderseite.

Abb. 11, British Armed Forces: 1 Pound ohne Datum (1962), Hersteller: ohne Angabe, Rückseite.

1962 folgte die vierte Serie der Gutscheine, ebenfalls in der Stückelung der ersten Serie von 1946 mit Werten bis 1 Pound. Die vierte Serie wurde zwar hergestellt, aber nie ausgegeben. In den 1960er Jahren wurde dann außerdem eine fünfte Serie geplant,

es sind aber lediglich Musterscheine und einige Druckproben bekannt.


Abb. 12, British Armed Forces: 10 New Pence ohne Datum (1972), Hersteller: Bradbury, Wilkinson & Co., Vorderseite.

Abb. 13, British Armed Forces: 10 New Pence ohne Datum (1972), Hersteller: Bradbury, Wilkinson & Co., Rückseite.

Die sechste Serie der Militär-Gutscheine wurde nicht mehr bei Thomas De La Rue, sondern bei Bradbury, Wilkinson & Co. Ltd. gedruckt und stammt aus dem Jahr 1972. Von dieser letzten Serie gibt es lediglich Gutscheine zu 5, 10 und 50 New Pence.


Heute ist die NAAFI an weitaus weniger Orten tätig, aber in Deutschland, Gibraltar, Brunei, den Südatlantikinseln und an Bord der Schiffe der Marine präsent, was den britischen Streitkräften und ihren Familien im Ausland nicht nur Bequemlichkeit, sondern auch einen "Geschmack von Heimat" bieten soll.

Im Jahr 2006 versorgte die NAAFI Militärangehörige und deren Familien in Großbritannien und Nordirland, Deutschland, Zypern, im Irak, auf den Falkland-Inseln, in Bosnien, im Kosovo, auf der Insel Ascension, in Belize, Brunei, Kenia, Gibraltar und Afghanistan. Mehr als 4.000 Beschäftigte arbeiteten 2006 für die NAAFI, die einen Umsatz von 226 Millionen britischen Pfund in zwölf verschiedenen Währungen erreichte.


Hans-Ludwig Grabowski


Abb. 1: W.wolny - IWMCollections IWM Photo No.: BU 8974, gemeinfrei

Abb. 2, 3, 6 – 13: Hans-Ludwig Grabowski

Abb. 4, 5: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de


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