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Zur Papiergeldgeschichte von Thailand, Teil 1


 

Matthias Böhme

WORLD PAPER MONEY

Papiergeldgeschichte


Thailand, Teil 1



 

​Lage:

Südostasien

Fläche:

513.115 qkm

Einwohner:

69.950.000 (2020)

Hauptstadt:

Bangkok

Staatsform:

Erbmonarchie

Amtssprache:

Thai

Währung:

1 Baht = 100 Satang

Papiergeld in Siam / Thailand

Seit der Regierungszeit von König Mongkut (Rama IV.) 1851 bis 1868 versuchte man sich im damaligen Siam an der Ausgabe und Verwendung von Papiergeld. Seit etwa 1853 existiert Papiergeld in Siam. Zuerst und über einen längeren Zeitraum versuchsweise und immer wieder abgelehnt und verworfen, dann neu emittiert in den kleinsten Werten vom Fuang (1⁄8 Tikal oder Baht) bis zu hohen Werten von 3 bis 6 Tamlung (12 – 24 Baht), sowie zu 20 und 80 Tikal bzw. Baht.



THA-A5: 20 Tikal/Baht ohne Datum (1850er Jahre), Grand Treasury, Zweite Ausgabe.


Später wurde ein weiterer Versuch mit den sog. „Royal Rewards Maii“ in 13 verschiedenen Wertstufen bis zu 10 Tamlung (80 Baht) unternommen.

Sie sollten die bisherigen, nicht sehr fälschungssicheren, Scheine ersetzen und sich endgültig durchsetzen, was jedoch wieder nicht gelang!







Der Nachfolger im Regierungsamt, König Rama V. begab sich unter dem ständig steigenden Druck wachsender ökonomischer Bedeutung der siamesischen Wirtschaft im damaligen Hinter-Indien und über dessen Grenzen hinaus, auf neue Wege. Er gestattete drei ausländischen, aber in Bangkok mit Niederlassungen vertretenen, Banken, die Ausgabe von Papiergeld in den Stückelungen von 1 bis zu 400 Baht zu übernehmen. Zu den Direktoren dieser Bankniederlassungen in Bangkok gehörten damals größtenteils auch deutsche Ökonomen.


SIA-S101: 5 Tikal/Baht vom 19.12.1898, Banque de l’Indochine.


Die Noten dieser Banken kamen von der Hongkong & Shanghai Banking Corporation von 1889 bis 1899, von der Chartered Bank of India, Australia & China von 1898 und von der Banque de l’Indochine von 1898. Erst diese Emissionen wurden von den vorsichtigen siamesischen und anderen Kaufleuten eine Zeitlang akzeptiert.


THA-1: 1 Tikal/Baht ohne Datum (1892), Royal Siamese Treasury, Druck: Giesecke & Devrient, Leipzig.


1892 ließ der König oder dessen Beauftragter von der deutschen Firma Giesecke & Devrient in Leipzig neue Tresorscheine in den Stückelungen von 1 bis 800 Tikal/Baht entwerfen und drucken. Diese Auflage landete seltsamerweise in den Tresoren des Finanzministeriums, nur eine ganz geringe Anzahl gelangte im April 1893 in den Umlauf. Die Scheine trugen siamesische, chinesische, burmesische, malaiische und englische Inschriften und Nominalbezeichnungen. Sie zeigen am unteren Ende einen Druckerei-Vermerk.


Im täglichen Geldverkehr war es in den 1870er Jahren zu einer spürbaren Verknappung der kleinen Münzen gekommen. Diese waren aus Zinn oder aus guter Kupferlegierung ausgeprägt und als der Zinn-und der Kupferpreis am Weltmarkt und auch an der Börse in Bangkok ungewöhnlich stark in die Höhe ging, zogen Spekulanten große Mengen der Kleinmünzen aus dem Verkehr um sie illegal einzuschmelzen. Die Münzen der Prägejahre 1862 – 1865 von 1⁄16 bis ½ Fuang wogen immerhin zwischen 3,6 und 7,7 g Zinn pro Stück bzw. die kupfernen sogar zwischen 7,4 und 14,9 g. Obwohl 1865 das Gewicht der Kupfer-Nominale ¼ und ½ Fuang auf die Hälfte reduziert wurde, floss weiterhin jede Menge dieser Kleinmünzen aus dem Verkehr ab. Entsprechend wenige Stücke haben daher die Zeiten überdauert.


THA-NL: 1 Att ohne Datum (ab 14.07.1874), Druck: Akson Pimpakarn Printing Press.


Um diesem Übel abzuhelfen, gab die Regierung unter König Rama V. ab 14. Juli 1874 Papierscheine zu einem Wert von 1 Att (als „Att Kradat“, das ist 1⁄64 Baht oder ⅛ Fuang) in einer sehr einfachen Gestaltung und mit handgeschriebener Kontrollnummer (links oben)

in den Umlauf, aus dem sie aber bereits nach ca. acht Monaten wieder verschwanden.

Im Standard-Katalog „World Paper Money“ sucht man diese Scheine vergebens.

Der abgebildete 1-Att-Schein wird im „Thai Banknotes Catalogue“ von Somchai Saeng-ngern als TB1 aufgeführt.


THA-9a: 5 Tikal/Baht vom 01.04.1902 (1902–1925), Government of Siam, Druck: TDLR.


Im Jahr 1902, oder kurz zuvor, scheinen nun endgültig alle denkbaren Widerstände und sonstigen Schwierigkeiten für eine dauerhafte Emission von Geldscheinen mit größeren Nominalen ab 1 Baht ausgeräumt zu sein. Durch die britische Druckerei Thomas De La Rue & Co. Ltd. in London wurde für Siam eine 1. Serie des Government of Siam mit einseitigem Druckbild hergestellt. Diese Serie erlebte nun bis Mitte der 1920er Jahre mit unterschiedlichen Varianten in Farbgebung, Papier, Wasserzeichen und Datierung mehrere Auflagen. Diese Geldzeichen waren auch ihrem Charakter nach Staatsnoten, der sich in den Inschriften in siamesischer, chinesischer, malaiischer & englischer Sprache offenbarte.


THA-16b: 1 Baht vom 05.11.1931 (1928–1933), Government of Siam, Druck: TDLR.


Seit 1925 wurden von der selben britischen Druckerei neu gestaltete Banknoten, diesmal auch mit bedruckter Rückseite, geliefert, die das buddhistisch-königliche Zeremoniell des ersten Reiskorns, das Pflügen mit einem Büffel, in sehr schöner Szene zeigen.


THA-25: 20 Baht vom 29.01.1935, Government of Siam, Druck: TDLR.


Erst wieder ab 1934, in der Regierungszeit von Rama VII., lieferte die bekannte britische Druckerei eine sehr ansprechend gestaltete 3. Banknotenserie mit dem Königsporträt und der königlichen Barke „Suphanahongse“ auf einer Seite, wechselnd mit Abbildungen vom Tempel des Smaragd-Buddhas, einer typischen Fluss­-Szene und dem Chao-Phraya-Fluss bei Bang Pa-in. Auf der Rückseite erscheint bei allen vier Nominalen von 1 bis 20 Baht das Phra Samut Chedi in Paknam.





Der Garuda: Das Staatswappen Thailands.



Weitere gestalterische Merkmale dieser Serie sind die Verwendung traditioneller buddhistischer Symbole wie der „Garuda“ und der dreiköpfige Elefant, der „Erawan“.





THA-30: 1 Baht ohne Datum (1938), Government of Siam, Druck: TDLR.


Nach dem Regierungsverzicht von Rama VII. trat ab 1938 bei der 4. Banknotenserie auf den Vorderseiten das Porträt des neuen Kindkönigs Rama VIII. im gleichen Bildrahmen auf. Nennwerte, Farben und sonstige Gestaltungsmerkmale blieben, bis auf aktuelle Jahresangaben, die gleichen. Bis Januar 1940 entstanden neue Scheine von 1 bis 1000 Baht. Neben dem Königsporträt mit kindlichen Zügen erscheint auf der Vorderseite bei 1 Baht das Phra-Samut-Chedi in Paknam, bei 5 Baht das Phra Pathom Chedi in Nakhorn Pathom, bei 10 Baht ein Teil des Mahagal-Forts in Paknam, bei 20 Baht die Chakri Maha Prasat-Thronhalle und schließlich bei 1000 Baht der Phrang des Wat Arun in Bangkok (Tempel der Morgenröte). Bei allen diesen Nominalen zeigt die Rückseite die Anandha-Samakhom-Thronhalle in Bangkok.


THA-41: 20 Baht ohne Datum (ab 1943), Government of Thailand, Serie 4B.


Seit 1902 wurden die siamesischen Banknoten in London gedruckt. Nun machte sich auf der politischen Bühne Ostasiens immer mehr der aggressive Einfluss Japans bemerkbar.

Als japanische Einheiten bereits tief in Thailand eingedrungen waren, ging man Ende 1941 auf ein Bündnisangebot der Japaner ein und erklärte 1942 sogar den Alliierten den Krieg. Druck und Lieferung von Geldzeichen aus Großbritannien, jetzt Feindesland der Japaner, an die mit ihnen in einem sogenannten Bruderbund verbundenen Siamesen, war nun nicht mehr möglich. Verschiedene staatliche Druckereien in SIAM und in Japan lieferten dafür von Juni 1942 bis Mai 1945 eine Anzahl schlecht gedruckter Geldscheine mit mangelhaften Farben und Papieren, wechselnd mit dem Kleinkind- und dem Knabenporträt des Königs.


THA-43: 50 Satang ohne Datum (1942), Government of Thaild, 5. Serie.


Drei weitere Serien (5., 6. und 7. Serie), eine sog. Spezialserie und provisorische Ausgaben am Ende des Kriegs brachten vom Januar 1942 bis Juni 1946 noch einmal eine ganze Reihe verschiedener Typen, dabei auch Ausgaben für die 1943 besetzten britischen Kolonialgebiete der vier Malayen-Staaten Kedah, Perlis, Kelantan und Trengganu, die 1909 dem Königreich Siam von den Briten abgepresst worden waren. 1946 mussten diese Gebiete wieder an die britischen Kolonialherren abgetreten werden und gehören heute zu Malaysia. Diese Noten trugen Inschriften in Thai, Chinesisch und Malaiisch, sowie Wertangaben in Malaya-Dollars.


THA-63: 1 Baht ohne Datum (1946), Military Authority, Druck: Tudor Press, Boston.


Ende 1946 erschienen auch in Thailand (der neue Landesname bedeutet „Land der Freien“ und wurde unter japanischem Einfluss eingeführt) als 8. Serie Geldscheine der Alliierten Militärbehörde (MILITARY AUHTHORITY).


Wie in allen von den West-Alliierten besiegten und besetzten Ländern, emittierten diese zu den bereits in großen Mengen kursierenden alten Geldscheinen nach dem Krieg zusätzliche eigene Geldscheine in der uns auch von den Scheinen in West-Europa bekannten US-amerikanischen Machart.


Erst im Januar 1948 wurden alle alten Noten, auch die der Alliierten für ungültig erklärt und neue, nur in Thai beschriftete Staatsnoten, ausgegeben.




THA-68/69/75 50 Satang sowie 1 und 5 Baht ohne Datum (1948/1948 und 1956 ), Government of Thailand, Druck: TDLR.


Der Tradition folgend, bleibt die Gestaltung der 9. Serie – mit Ausnahme eines 50-Satang-Scheins – wie bei ihrem königlichen Vorgänger, dem inzwischen tödlich verunglückten Rama VIII. Das nun eingesetzte Porträt des neuen Königs Rama IX. wechselt lediglich von einem sehr jugendlichen, mit einfacher Uniform bekleideten, zu dem Porträt eines etwas älteren Königs in der Uniform eines Kommandierenden der Armee.

Die 9. Serie besteht aus Werten zu 50 Satang sowie 1, 5, 10, 20 und 100 Baht und wurde, wie bereits vor dem Krieg, von der britischen Druckerei Thomas De La Rue gedruckt und geliefert.


Fortsetzung folgt …


Matthias Böhme

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