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- Fälscherkönig Victor Krauthauf
Seit es in Österreich Banknoten gibt, werden diese auch gefälscht. Mal mehr und mal weniger geschickt versuchten zahlreiche Fälscher in den letzten Jahrhunderten ihr Glück und bezahlten das oftmals auch mit dem eigenen Leben. Besonders geschickte, faszinierende oder berüchtigte Fälscherpersönlichkeiten gelangten in wenigen Fällen auch zu großer Bekanntheit. Zu diesem erlauchten Kreis zählte zum Beispiel der adelige Fälscher Peter Ritter von Bohr. Heute im Vergleich dazu ein wenig in Vergessenheit geraten ist eine Fälscherpersönlichkeit, die anno dazumal mindestens ebenso viel Staub aufwirbelte und die Behörden fast zwei Jahrzehnte lang an der Nase herum führte. Zeitgenössische Zeitungen titulierten ihn gar als „Verbrechergenie“ und „Fälscherkönig“. Die Rede ist von Victor Krauthauf. Wir schreiben den 19. Dezember 1895 und es ist gegen 6 Uhr Abends. In ihrem Selcher Laden auf der Landstraßer Hauptstraße, im 3. Wiener Gemeindebezirk geht Selchermeistergattin Emilie Schödl wie gewohnt ihrer Arbeit nach, als eine ältere, etwa 50 bis 60 Jahre alte und gut gekleidete Dame, das Geschäft betritt. Die Kundin macht nur einen kleinen Einkauf zu 20 Kreuzern. Als Frau Schödl eine 10 Gulden Note von ihr entgegen nimmt, kommt ihr diese plötzlich seltsam vor. Sie erinnert sich an Warnungen der Polizei vor Fälschungen und prüft die Note genauer: Tatsächlich hat diese – wie in den Warnungen der Polizei mitgeteilt – auf der ungarischen Seite die Unterschrift „M. Hofer“ statt korrekt "Hofer M." „Sie, der Zehner ist ja falsch!“, entfährt es Frau Schödl. Die Dame reagiert konsterniert: „Ah, den muss i dann irgendwo kriegt hab’n. Übrigens hier habn S‘ ein‘ andern Zehner.“ Fr. Schödl schöpft Verdacht und geht nicht auf das Angebot ein, sondern schickt eine Verkäuferin nach einem Wachmann in der gegenüberliegenden Wachstube. Der Wachmann ist rasch zur Stelle und fordert die protestierende Dame auf, ihm auf die Wachstube zu folgen. Als die beiden das Geschäft verlassen tritt plötzlich ein etwa 30-jähriger Mann, der vor dem Laden gewartet hatte, auf den Wachmann zu: „Gehen S‘, lassen S‘ die Frau los, es ist nichts dahinter, wir haben den Zehner in der Alservorstadt gekriegt!“ Trotz wiederholter Aufforderung, die Amtshandlung nicht zu behindern, sistiert der Mann weiter und wird immer dringlicher. Als der Wachbeamte daraufhin ebenfalls eine Arrestierung gegen ihn ausspricht, eskaliert die Szene: Der Mann reißt sich los und läuft davon. Ein zweiter Wachbeamter, der die Szene beobachtet hat, nimmt sofort die Verfolgung auf. In dem Tumult zieht die Dame blitzschnell ein kleines Fläschchen aus ihrer Rocktasche, führt dieses zum Mund und leert es mit einem Satz. Als der zweite Inspektor den Flüchtenden einholt, tut es dieser der Dame gleich und nimmt ebenfalls den Inhalt eines Fläschchen zu sich. Dem Beamten gelingt es den Mann festzunehmen und auf die Wachstube zu bringen, wo bereits auch die Dame wartet. Als sie ihn erblickt fragt sie: „Rudolf, was ist den los?“ und bricht daraufhin tot zusammen. Die Flüssigkeit war hochgiftiges Zyankali. Gleichzeitig wird auch der Mann bewusstlos. Die von ihm eingenommene Dosis war jedoch deutlich geringer. Und so gelingt es, ihn am Leben zu halten und ins Rudolf Spital zu bringen. Soweit die dramatischen Szenen am Abend des 19. Dezember 1895. In den Tagen darauf wurde nach und nach das wahre Ausmaß des Vorfalls bekannt: Beim flüchtenden Mann fand man, eingenäht ins Rockfutter des Mantels, 22 weitere Zehn-Gulden-Fälschungen. Bei der darauf folgenden gerichtlichen Befragung konnte die Identität der zwei Personen geklärt werden: Beim Mann handelte es sich um den 39-jährigen Victor Heinrich Krauthauf, die vergiftete Dame war seine 64-jährige Mutter Josepha Krauthauf. Man hatte ein seit langem gesuchtes Fälscher-Duo verhaftet. Das Hirn der Operation war Victor Krauthauf, der die Falsifikate herstellte. Die Mutter – nach der auf nationalen und internationalen Steckbriefen – als „vergrämt aussehende, alte Frau“ gesucht wurde, besorgte deren Einlösung. Bei einer Hausdurchsuchung in der gemeinsamen Wohnung der beiden im 15. Wiener Gemeindebezirk fand man in der Zwei-Zimmer-und-Küche-Wohnung eine wahre Fälscherwerkstatt vor. In der ganzen Wohnung herrschte ein regelrechter Überfluss an falschen Noten, praktisch in jeder Tisch- und Kastenlade fanden sich Falsifikate. Insgesamt waren hier weitere 600 Fälschungen des Zehn-Gulden-Scheines von 1880 gelagert, zudem fand man auch umfangreiches Fälscherwerkzeug, Pinsel, litografische Steine und Pressen. Dazu am Stein bereits ausgefertigte Vorlagen und halbfertig ausgeführte Fälschungen von Wertpapiercoupons. Krauthauf war im darauf folgenden Prozess voll geständig. Aus seinen Aussagen vor Gericht und seinem konfiszierten Tagebuch, in dem er seine Machenschaften seit 1884 minutiös festhielt, ergab sich schließlich ein klares Bild: Krauthauf war bei seiner Verhaftung bereits mehr als 15 Jahre als Fälscher tätig. Er fälschte nicht nur Banknoten, sondern in großem Maße auch nationale und internationale Wertpapiercoupons und Staats-Lose (Staatsanleihen, die neben einer Kapitalgarantie und Verzinsung das Recht auf Teilnahme an einer Lotterie verbrieften). Die Behörden im In- und Ausland waren aufgrund der großen Anzahl und hohen Qualität der Fälschungen und deren internationaler Verbreitung jahrelang der Annahme, dass ein internationaler Fälscher-Ring dahinter stecken müsse. Tatsächlich war es aber Krauthauf, der gemeinsam mit seiner Mutter von Zeit zu Zeit Reisen nach Prag, Budapest, Dresden, München und Berlin unternahm, um die gefälschten Wertpapiere unter die Leute zu bringen. Dabei gelang es ihm, aufgrund der hohen Qualität der Falsifikate, diese trotz der vorherrschenden strengen Kontrollen an den Schaltern der großen Banken einzulösen. Um sich den Anschein eines Bankdieners zu geben, setzte er sich dabei eine Kappe auf, wie sie Bankdiener damals trugen. Auch sonst trat Viktor Krauthauf äußert selbstbewusst und kaltschnäuzig auf, wie das folgende Beispiel zeigt: Im Jahr 1880 schlüpfte er in die Identität des Infanterie-Leutnants Paul von Ehrenhaft. In voller Uniform und mit militärischer Haltung und sicherem, gewandten Auftreten gelang es ihm den Hausbesitzer Georg Schmidt zur Gewährung eines Darlehens von 1895 Gulden gegen Ausstellung eines Wechsels zu bewegen. Als Sicherheit für den Wechsel hinterlegte er gefälschte 1864er Prämien-Scheine, die als Pfand für den Falle der Nichteinlösung dienten. Der Wechsel wurde nicht eingelöst und Schmidt erkannte, dass die Prämien-Scheine falsch waren. In der ganzen Armee war nur leider kein Offizier namens Ehrenhaft, mit „auffällig ungarischem Akzent“ bekannt. Der 10-Gulden-Schein mit dem Ausgabedatum 1880 war Krauthauf’s letztes Fälscherwerk. Die Fälschung war von hoher Qualität, nur auf der ungarischen Seite unterlief ihm ein kleiner Fehler beim Namen des Bankengouverneurs („Moser A.“ statt "A. Moser"), der ihm schließlich zum Verhängnis werden sollte. Von dieser Fälschung hatte er vor seiner Ergreifung bereits 1000 Stück in Verkehr gebracht. Weniger gut gelungen war Krauthauf zuvor die Fälschung des 5-Gulden-Scheins von 1881. Da ihm der Text der deutschen Seite misslang, versah er kurzerhand beide Seiten mit dem ungarischen Text. Als er Tausend Stück davon hergestellt hatte, schien ihm das ganze dann doch zu riskant und er vernichtete alle bis auf drei Stück, die er in Umlauf brachte und 30 Stück, die er sich „als Andenken“ behielt. Von solchen Ausnahmen abgesehen, waren die Arbeiten von Krauthauf aber sehr professionell ausgeführt. Sie waren sogar so hochwertig, dass Experten auf dem Gebiet der Grafik noch lange nach der Erfassung Krauthaufs nicht an das Werk eines Einzeltäters glauben wollten und Mittäter vermuteten. Krauthauf zeichnete zuerst die Banknote bzw. das Wertpapier und übertrug die Zeichnung dann auf die Platte, von der weg er die Fälschungen druckte. Dabei hielt er von jedem Falsifikat KN und Serie fest, um nicht versehentlich eine bereits in Verkehr gebrachte Fälschung ein zweites mal zu fabrizieren. Das alles tat er nicht ohne Schöpferstolz und Eitelkeit, wie das folgende Ereignis vor dem Untersuchungsrichter beweist: Auf Geheiß des Richters und in Anwesenheit von zwei Beamten der österreichisch-ungarischen Bank zeichnete er rein aus dem Gedächtnis ohne jegliche Vorlage eine 10-Gulden-Banknote direkt auf einen Litografie-Stein, und das mit einer geradezu unheimlichen Geschwindigkeit und Sicherheit. Als die beiden Fachleute nun wahrheitsgemäß die außerordentliche Geschicklichkeit Krauthaufs und die sehr gelungene Fälschung bezeugten, erhob sich Krauthauf von seinem Sitz, verbeugte sich und triumphierte: „Ich danke Ihnen, meine Herren, das Urteil von so autoritativer Seite macht mich glücklich!“ Wer aber war dieses Fälschungsgenie? Und was bewog ihn zu seinen Taten? Die Familie Krauthauf war ursprünglich in Linz beheimatet. Victor schlug eine solide Laufbahn ein und war ab 1877 als Beamter bei der Bank für Oberösterreich und Salzburg tätig. Allerdings war er für diesen Job etwas zu zerstreut. Die Kasse war oftmals nicht in Ordnung und so wurde er 1883 schließlich entlassen. Zu diesem Zeitpunkt lebte er gemeinsam mit seiner Mutter in einer Wohnung in der Linzer Mariengasse. Der gleichnamige Vater, ein Assekuranz-Beamter, war bereits verstorben. 1884 arbeitete er noch auf Tagesgeldbasis beim Linzer Gemeindeamt, ab diesem Zeitpunkt ging er keiner offiziellen Arbeit mehr nach und war nach außen hin Privatier. Bereits im Jahr 1879, also zu jener Zeit als er noch seinem ehrlichen Beruf als Bankbeamter nachging, begann er er sich an Fälschungen von Coupons zu versuchen, damals war er gerade 22 Jahre alt. Als Grund gab er später jede Nacht wiederkehrende Träume an, in denen er sich als der reichste Mann der Welt sah und Millionen von Banknoten und Coupons um ihn herum wirbelten. In seinem Tagebuch hielt Viktor Krauthauf fortan jede erstellte Fälschung, jede durchgeführte Reise und jede an den Mann gebrachte Fälschung penibel fest. In Linz und Umgebung ging der Name Viktor Krauthauf bereits im Jahr 1887, also lange bevor er als Fälscher entlarvt wurde, durch den Pressewald: Im sogenannten „Mord am Lichtenberg“ war die 25-jährige Josefa Bräuer ermordet worden. Dem Mord ging allem Anschein nach eine Vergewaltigung voran. Die junge Marktgeherin befand sich auf dem Nach-Hause-Weg von Ihrer Arbeit, bereits nahe ihres Elternhauses, als sie der Täter überraschte. Nachdem er sich an ihr verging, erwürgte er sie mit ihrem eigenen Halstuch und raubte ihre Tageslosung von gerade einmal 2 Gulden. Der Verdacht fiel damals schnell auf Victor Krauthauf, der in der Umgebung des Lichtenbergs bereits öfters durch unsittliches Betragen aufgefallen war. Noch in der selben Nacht läuteten Polizeibeamten an seiner Tür um ihn zu verhaften. Es dauerte eine Weile bis Krauthauf öffnete. „Ah, Sie kommen wegen der Geschichte am Lichtenberge“, empfing er die Beamten. Diese durchsuchten seine Wohnung und fanden am Tisch stehend ein Fläschchen mit aufgelöstem Arsen vor, daneben lag noch ein Stück festen Arsens. Es machte den Anschein, als hätten sie Krauthauf gerade beim Versuch eines Selbstmords unterbrochen. Krauthauf wurde festgenommen, jedoch nach einigen Wochen wieder freigelassen. Zeugen hatten ihm für die Tatzeit ein handfestes Alibi beschienen. Aus den Untersuchungen verblieb jedoch eine Anklage wegen Verstoßes gegen die öffentliche Sittlichkeit. Zahlreiche Damen, meist Marktgeherinnen, und einige davon bereits in sehr fortgeschrittenem Alter, sagten aus, von Krauthauf unsittlich attackiert worden zu sein. Das Bezirksgericht Urfahr verurteilte ihn schließlich zu 5 Monaten strengen Arrests. Diese Vorfälle dürften vermutlich der Grund für den Umzug von Mutter und Sohn Krauthauf nach Wien gewesen sein. Im Jahr 1889 bezogen sie ihre Wohnung in Fünfhaus und bauten dort ihre Fälscherhöhle auf. Viktor hing an seiner Mutter und hatte diese längst in seine Pläne eingeweiht. Mutter und Sohn Krauthauf verkehrten mit kaum jemanden und ließen niemanden in die Wohnung. Auch ihre Wirtschafterin durfte die neuralgischen Räume nicht betreten. Zwar ging die ursprüngliche Initiative zur Fälscherkarriere von ihm aus, aber seine Mutter war keineswegs nur willige Erfüllungsgehilfin, sondern bestärkte ihn und war treibende Kraft hinter den Plänen. Sie spornte ihren Sohn an, immer mehr zu fälschen und kritisierte ihn, wenn ihm eine Fälschung misslang. Sie übernahm zudem den führende Part bei der Einlösung der Falsifikate. Für den Fall des Erwischt-werdens hatte sie dabei immer eine Dosis Gift bei sich. Wie ihr Sohn, hatte sie den Traum vom großen Reichtum. Als Witwe war sie mit einem Vermögen von 15.000 Gulden nach Wien gekommen und versuchte dieses an der Börse zu vermehren. Bald war das gesamte Geld verloren. Krauthauf wurden vor Gericht Fälschungen im Ausmaß von 42.000 Gulden nachgewiesen. Ein Teil davon wurde für den Lebensunterhalt benötigt, der größte Teil wurde aber an der Börse verspekuliert. Wie seine Mutter, glaubte Viktor Krauthauf dort das Geld einfach und schnell vermehren zu können. Dabei brachte er es zwischenzeitlich tatsächlich zu einem Depotvermögen von 250.000 Gulden, am Ende verspekulierte er aber wieder alles. Bei Verhaftung war noch ein Vermögen von 17.000 Gulden verblieben. Für Viktor Krauthauf nahm es kein gutes Ende. Versuche seiner Verteidigung, aufgrund Krauthaufs geistigem Zustands auf Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren, misslangen. Die Sachverständigen sahen in ihm vielmehr einen geschickten Simulanten. Am 27. November 1896 wurde er schließlich zu 18 Jahren schweren, durch Fasttage verschärften, Kerkers verurteilt. Noch während des Verfahrens unternahm er einen weiteren Selbstmordversuch durch Verhungern: Er nahm fünf Tage keine Nahrung zu sich und war bereits völlig entkräftet. Erst als man drohte, ihn zu fesseln und zwangsweise zu ernähren, nahm er wieder Nahrung zu sich. Ein weiterer Selbstmordversuch zeugt von seiner ausgeprägten Willenskraft und Energie: In einem kurzen, unbeachteten Moment rannte er in seiner Zelle mit dem Kopf gegen die Wand, um sich den Schädel einzuschlagen. Er ging bewusstlos zu Boden, abgesehen davon war ihm aber nichts passiert. Erst der insgesamt vierte Selbstmordversuch am 2. Jänner 1900 gelang. Victor Krauthauf wurde 44-jährig erhängt in seiner Zelle vorgefunden. Selchermeistergattin Emilie Schödl hingegen, die durch ihr engagiertes Handeln für die Ergreifung von Mutter und Sohn Krauthauf sorgte, durfte sich über 4.500 Gulden an Prämien freuen, die ausgeschriebene Belohnung für die Ergreifung der Fälscher. Zu guter letzt noch eine Anekdote, die anno dazumal am Wiener Landesgericht kursierte und die Victor Krauthauf selbst zum Besten gab: Victor Krauthauf hatte ein Faible dafür, für falsches Geld echte 1864er Staatslose zu kaufen. Eines Tages kaufte er – gemeinsam mit seiner Mutter – für sein Falschgeld wieder einmal einige solche Lose. Zu Hause angekommen sah er sich die Lose genauer an und entdeckte darunter tatsächlich eine von ihm selbst erzeugte Los-Fälschung. Bereits damals wurden die Krauthauf’schen Fälschungen im Polizeimuseum ausgestellt. Heute sind sie – inklusive jener Blüte, die damals zur Festnahme von Krauthauf führte – im Wiener Kriminalmuseum zu bewundern, siehe Quellenangabe. Quellen: Abbildungen aus der Sammlung des Wiener Kriminalmuseums, Webseite: www.kriminalmuseum.at Zeitgenössische Zeitungsartikel aus dem Anno Zeitungsarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek Text und Abb. Johann Kodnar
- Italien: Patriotisches Geld von 1848
Wie das Jahr 1989 in weiten Teilen Europas zu einem Jahr von Revolutionen und nationalem Erwachen wurde, so ging auch das Jahr 1848 als ein Jahr in die Geschichte ein, in dem die Völker aufbegehrten. Nach dem Zerfall des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806 und der napoleonischen Fremdherrschaft ging es den allermeisten Deutschen um die Schaffung eines einigen Vaterlands, dem die Interessen der Fürsten entgegenstanden, die mit dem Wiener Kongress einen lockeren Deutschen Bund schufen. 1848 kämpften die Deutschen für ihren Nationalstaat und in der Frankfurter Paulskirche tagte die erste deutsche Nationalversammlung unter den Farben der Lützower Jäger Schwarz, Rot und Gold. In Europa erhoben sich die Menschen, um überkommene Machtstrukturen und Fremdherrschaft zu überwinden. Die Ungarn kämpften um ihre Unabhängigkeit von Österreich und unterlagen. Wir kennen die frühen ungarischen Scheine aus jener Zeit, auch die der ungarischen Exilregierung aus den USA. Italien war kein zusammengehöriges Staatsgebilde, sondern ein Flickenteppich aus verschiedenen Königreichen und Fürstentümern. Der Papst herrschte über den damals noch viel größeren Kirchenstaat und im Norden Italiens gehörten große Gebiete zu Österreich. Im 19. Jahrhundert entstand eine Bewegung namens Risorgimento, italienisch für "Wiedererstehung". Die nach dem Wiener Kongress 1815 entstandene patriotische Bewegung strebte die Errichtung eines unabhängigen italienischen Nationalstaats an, der schließlich nach revolutionären Erhebungen und drei Unabhängigkeitskriegen mit der Ausrufung des Königreichs Italien im Jahr 1861 durchgesetzt werden konnte. In unserem Online-Magazin berichtete Ruedi Kunzmann bereits über den bekannten Revolutionär und Patrioten Giuseppe Garibaldi und dessen Geldscheine. Vor der nationalen Einheit Italiens gab es, ähnlich wie auch in den vielen altdeutschen Staaten vor der Reichseinigung 1871, eine Vielzahl von regionalen Papiergeld-Ausgaben. Die Republik Venetien gab im Revolutionsjahr 1848 sog. "Patriotisches Geld" (Moneta Patriottica" aus. Es gab Werte zu 1, 2, 3, 5, 50 und 500 Lire Kurrent. Die Vorderseite des abgebildeten 3-Lire-Scheins zeigt zwei Putten mit Werkzeug und Waage. Links oben findet man das Wappen von Venedig und rechts oben das Wappen von Mailand. Der Druck erfolgte auf Papier ohne oder mit Wasserzeichen und ohne Banknamen. Auf der Rückseite wurde ein Siegel der Stadt Venedig aufgebracht. Die Scheine gibt es mit oder ohne Hand-Unterschrift auf der Rückseite. Das "Patriotische Geld" der Republik Venetien gehört zu den interessanten Zeitdokumenten jener Epoche in Geldform, die heute noch relativ günstig zu bekommen sind und deshalb in keiner guten Italien-Sammlung fehlen sollten. Hans-Ludwig Grabowski
- Die Ruhr-Lippe-Bergbau-AG zu Wetter (Ruhr) – Eine Gaunergeschichte
Am 1. August 1923 gab die Ruhr-Lippe-Bergbau-AG in Wetter an der Ruhr Aktien im Nennwert von 5.000 Mark aus. Als Deckung sollten die Anlagen des Schachtes „Heller Mittag“ dienen. Hierbei handelte es sich um einen 10 Meter tiefen Stollen. Acht Belegschafts-Mitarbeiter erwirtschafteten jedoch nur minimale Erträge, so dass eine Deckung der Aktien nie vorlag. Der selbsternannte 24-jährige Generaldirektor Falk mit erfundenem Titel Dr. Ing. war vorher Markscheidergehilfe, also Helfer eines Vermessungsingenieurs im Bergbau. Gemeinsam mit dem „Direktor“ John und einem Lehrling mieteten sie in Bochum auf der Castroper Straße 13–19 in einem abbruchreifen Gebäude ein Büro, für welches sie die Miete schuldig blieben. Zum Wert der nicht genehmigungsfähigen Aktien schrieb die Presse im September 1923: „Bei dem Effektenhunger fanden die Papiere zunächst großen Absatz, wenn auch die Banken den Handel mit diesen Papieren ablehnten. Die Aktien befinden sich auch viel in den Händen kleiner Leute. Wie im Freihandel der Kurs derselben bewertet wird, erweist die Tatsache, dass sie in einem Restaurant für 3 Glas Bier oder 3 Gläschen Kognak gehandelt wurden.“ Ihr Büro verlegten die „Direktoren“ kurz darauf in die Hildegardstraße 6 in Bochum. Nun planten sie die Gründung einer eigenen Bank, da der Aktienbetrieb zum Erliegen gekommen war. Sie bereiteten die Herausgabe von Notgeldscheinen im Gesamtwert von 50 Milliarden Mark vor, in einer Stückelung von 5 Millionen Mark. Ausgabedatum: 15. August 1923. Das Reichsfinanzministerium hatte auf Anfrage der Gesellschaft die Herausgabe der Notgeldscheine genehmigt, unter der Voraussetzung der Hinterlegung des vollen Betrages des Wertes der Scheine. Die „Direktoren“ setzten aber das Notgeld in Umlauf, obwohl eine Deckung nicht gegeben war. Noch am 25. August 1923 wagten sie es, per Annonce in der örtlichen Presse für ihre Machwerke zu werben. Die Banken lehnten die Annahme des Notgelds ab. Dann kam das Ende der Aktivitäten der Ruhr-Lippe Bergbau-AG. Für die Käufer der Aktien und Besitzer der Geldscheine war bereits „Heller Mittag“, für die Direktoren „Dunkler Abend.“ Sie wurden zu je einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Text und Abb. Gerd Wegener
- Banknoten der österreichischen Inflation 1922
Wie in Deutschland, so kam es auch in Österreich nach dem Ersten Weltkrieg zu einer Inflation. Während die deutsche Hyperinflation Ende 1923 sogar Billionen-Beträge hervorbrachte, wurden die höchsten Nominale bei den österreichischen Banknoten zu 5000, 50.000 und 100.000 Kronen mit Datum vom 2. Januar 1922 sowie zu 500.000 Kronen mit Datum vom 20. September 1922 ausgegeben. Mit Datum vom 11. September 1922 hatte die Oesterreichisch-ungarische Bank auch Kassenscheine über 1 und 5 Millionen Kronen ausgegeben, die zwar von allen öffentlichen Kassen und Ämtern angenommen werden mussten, nicht aber im privaten Zahlungsverkehr. Die Oesterreichische Nationalbank trat die Nachfolge der Oesterreichisch-ungarischen Bank an. Eine von ihr geplante Note zu 1 Million Kronen mit Datum vom 1. Juli 1924 wurde wegen der Einführung der Schilling-Währung nicht mehr in Umlauf gesetzt. Das Klischee wurde dann aber für einen 100-Schillinge-Schein vom 2. Januar 1925 verwendet. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Chinesische Zentralbanknote von 1936 mit tibetanischem Überdruck
Central Bank of China: 5 Yuan 1936 Der oben gezeigte Schein ist mit tibetanischen Schriftzeichen überstempelt (davon habe ich übrigens auch ein Exemplar, aber nur in Erhaltung VF). Er ist im Katalog "World Paper Money" (Generell Issues) bei China als Nr. 217d gelistet. Im englischen Text ist in meiner Auflage unterhalb von Nr. 216 nachzulesen, dass wohl eine Menge dieser Scheine nachträglich überstempelt wurden und Vorsicht wegen der Echtheit der Überstempelung geboten ist. Was mich daran grundsätzlich wundert: Die Chinesen besetzten Tibet doch erst im Jahre 1950 und warum sollten solche alten Ausgaben dort schon damals im Umlauf gewesen sein? Jedenfalls hat der ebay-Händler "numis-corner" wohl keine Skrupel diesen Schein mit vermutlicher moderner Nachstempelung so teuer anzubieten. Meine Meinung: Diese 5-Yuan-Scheine von 1936 (217a) sind auch in Erhaltung UNC keine Seltenheit und deshalb wohl auch leicht zu überstempeln. Jedenfalls ist die tibetanische Schrift auf meinem Exemplar etwas anders als bei dem auf ebay angebotenen Schein. Möglicherweise gibt es da auch unterschiedliche Stempel , z. B. wenn in der Überstempelung verschiedene Jahreszahlen enthalten wären. https://www.ebay.com/itm/41701-China-5-Yuan-1936-UNC-63/202215610632?hash=item2f14fd5908:g:~BMAAOSwaC9adYh2 Inzwischen habe ich festgestellt, dass bei meinem Exemplar (Abb. unten) speziell die rote Überstempelung auf der Vorderseite stellenweise pünktchenförmig unterbrochen erscheint und an einer Stelle über ein paar Schriftzeichen hinweg verschmiert ist. Also es könnte durchaus sein, dass mein Schein nachträglich mit einem Handstempel "bearbeitet" wurde. Aber vielleicht wäre das ja auch der Beweis, dass mein Schein eine originale Überstempelung trägt? Das wäre doch eine tolle Denksportaufgabe für Grader. Wie auch immer, dieser 5-Yuan-Schein ist geradezu eine Verlockung um, schnelles Geld zu machen. Der Artikel wurde ebay vorsorglich mal als bedenklich gemeldet. Anmerkung vom China-Experten Erwin Beyer Heute habe ich den Artikel über die tibetanischen Überdrucke von Herrn Futterknecht gelesen. Leider kennt er nicht die chinesische Literatur. Beim 5-Yuan-Schein können nur die Seriennummern mit vorangestelltem E/X, E/Y und E/Z echte Überdrucke tragen, alles andere ist nach einem Artikel von Herrn Bo Wen, dem Nestor der chinesischen Notaphilie, als falsch anzusehen. Dazu muss man sagen, dass die Angaben von Herrn Bo Wen auf Einsicht in die Archive der Central Bank beruhen. Ich sehe keinen Grund, warum sie nicht glaubwürdig sein sollen. Aus den Unterlagen der Central Bank geht (nach Bo Wen) hervor, dass nur Scheine mit den folgenden Präfixen mit tibetanischer Schrift überdruckt wurden: 1 Yuan: G/Z 5 Yuan: E/X, E/Y und E/Z 10 Yuan: mit Unterschrift 李觉 (Lǐ jué) und 黄秀峰(Huáng Xiùfēng):C/D, C/E, C/I, /L, und C/O 10 Yuan: mit Unterschrift 李骏耀 (Lǐjùnyào) und 田亦民 (Tián Yìmín): E/Z, F/A 50 Yuan: keine Info 100 Yuan: A/U Herrn Bo Wen waren, als er den Artikel über die tibetanischen Überschriften schrieb, schon 43 verschiedene falsche Überdrucke bekannt. Falls es von Interesse ist: Herr Bo Wen; der zahlreiche wissenschaftliche Artikel über chinesisches Papiergeld publizierte, wurde am 14.1.1922 in Shanghai geboren. Während der Kulturrevolution publizierte er seine Aufsätze heimlich unter anderen, immer wechselnden, Namen in taiwanesischen Zeitschriften. 1982 gelange es ihm, in die USA auszuwandern, wo seine Tochter lebte. Er starb am 14.2.1999 im Alter von 77 Jahren. Karlheinz Futterknecht
- Silver Certificate „Running Antelope“
Silver Certificates wurden in den USA zwischen 1878 und 1964 ausgegeben. Auslöser der Emission dieser Geldscheine, die für ihren Nennwert in Silberdollar-Münzen getauscht werden konnten, war das US-Münzgesetz von 1873, welches den Goldstandard festlegte und somit den zuvor herrschenden Bimetallismus, also ein Währungssystem, das aus Gold- und Silbermünzen bestand, abschaffte. Der Bimetallismus in den USA basierte auf einer vertragsmäßigen Verankerung eines festen Wertverhältnisses zwischen Gold und Silber. Der vorliegende 5-Dollars-Schein wurde 1899 emittiert. Auf seiner Vorderseite ist, wie leider oft falsch beschrieben, nicht einfach nur ein „Indianerkopf“ abgebildet, sondern es handelt sich um das Porträt des Häuptlings Running Antelope (1821–1896), der zu den Lakota gehörigen Hunkpapa, die einen Stamm der Sioux bilden. Dieser Geldschein ist bis heute einer der wenigen US-Geldscheine, die einen amerikanischen Indianer zeigen. Running Antelope, oder Tatoka Iyanke in Lakota, war einer von vier Beratern Sitting Bulls (um 1831–1890) in der Spätphase der American-Indian-Wars, die sich insgesamt über fast vier Jahrhunderte hinzogen (1540–1924). Er nahm so an einigen wichtigen Treffen zwischen den US-Amerikanern und den Indianerstämmen teil und war 1868 Unterzeichner des Vertrags von Fort Laramie, der der Great Sioux Nation weitreichende Gebiete und Jagdrechte zusprach. Nachdem jedoch 1874 Gold in den für die Lakota-Sioux heiligen Black Hills gefunden wurde, wurde der Vertrag missachtet und es kam, in Kurzform, 1876 zur Schlacht am Little Bighorn. Auch wenn die teilnehmenden Indianerstämme die Schlacht gegen Lieutenant Colonel Custer gewannen, verloren sie den Krieg: die Black Hills wurden 1877 enteignet und sind es bis heute. Ein 1980 erzielter Vergleich mit der US-amerikanischen Regierung brachte zwar das Eingeständnis der unrechtmäßigen Enteignung, jedoch nicht das Land zurück. Vielmehr wurde der Sioux Nation eine Entschädigungszahlung angeboten, die sich mittlerweile auf über 1,2 Milliarden US-Dollars beläuft, welche aber bis heute abgelehnt wird. Running Antelope wuchs in Süd Dakota in den Großen Ebenen der Prärie in einem noch sehr ungestörten Umfeld auf, das heißt, dass es dort nur wenige weiße Siedle gab. Deren Anzahl nahm mit den Goldfunden im Westen und der sich ausdehnenden Frontier durch einwandernde Europäer schnell zu. Übrigens ist der Begriff „Antelope“ also Antilope eine gebräuchliche Fehlbezeichnung, denn schließlich kommen Antilopen nur in Afrika und Asien vor. Im vorliegenden Fall handelt es sich um „Pronghorns“, die aber aufgrund ihrer Gestalt als „American Antelopes“ bezeichnet werden; eine Verwandtschaft besteht nicht. Running Antelope führte die letzten großen Bison-Jagden der Sioux 1882 und 1883 an. Für sie bildeten die Bisons schon immer einen Teil ihres Lebens; als Nahrung aber auch als Ressourcen-Spender für Dinge des täglichen Gebrauchs. Einige Stämme waren mehr Ackerbauern als Jäger, aber mit dem Auftauchen von Pferden, die mit den Europäern nach Amerika kamen, begannen sich die Sioux Büffel zu jagen, die in der Prärie in riesigen Herden auftraten. Es wird geschätzt, dass einmal bis zu 30 Millionen Bisons auf dem Gebiet der Great Plains lebten, das sich heute über das Gebiet von zehn Bundesstaaten erstreckt. Obwohl schon Dekaden vorher Gesetze geschaffen wurden, z.B. 1834, die die kommerzielle Jagd auf Bisons verboten bzw. von Händlern und Jägern Lizenzen verlangt wurden und welche das Indian Country für ihre Bewohner beschützen sollten, wurden diese Gesetzte nicht durchgesetzt und es fanden illegale Jagden statt. So waren die Bisons bereits um 1885 vom Aussterben bedroht. Folgende zeitgenössische Fotos verdeutlichen die schonungslose kommerzielle Jagd auf Bisons, die ihre beinahe Ausrottung verursachte. Beim ersten Bild handelt es sich um Berge von Bisonknochen, die auf ihre Abholung warten, um z. B. in Dünger oder Kleber verarbeitet zu werden. Repro nach: https://www.ndstudies.gov/gr8/content/unit-iii-waves-development-1861-1920/lesson-2-making-living/topic-5-bison-hunting/section-1-bison-hunting (SHSND A3361-1) Auf dem zweiten Bild sieht man Berge von Bisonhäuten bzw. -fellen (1878), wie auf dem Bild angegeben 40.000, die ebenso auf ihre Abholung warten. Repro nach: https://nmnh.typepad.com/rogers_archaeology_lab/2016/11/happy-national-bison-day.html Aber zurück zum Schein. Denn um das Porträt auf der Vorderseite gab es einen Skandal, der schließlich wohl auch dazu führte, dass die Herstellung dieser 5-Dollars-Scheine mit Running Antelope eingestellt wurde. Ein Vergleich des verwendeten Originalfotos Running Antelopes mit dem Porträt auf dem Geldschein macht das Problem deutlich. Dass dieses Foto als Vorlage für das Porträt auf dem Geldschein diente ist ersichtlich. Wie kam es aber zur Umgestaltung des Kopfschmucks? Als Grund für diese Änderung findet sich mehrfach die Angabe, dass die Maße des Originalkopfschmucks zu groß gewesen seien, also die Federn zu lang, sodass sie nicht auf den vorgesehenen Platz auf dem Geldschein gepasst hätten – weshalb man einen anderen Kopfschmuck wählte. Dass für diesen aber ausgerechnet ein Pawnee-Kopfschmuck gewählt wurde, löste den Skandal aus: die Pawnee waren Feinde der Hunkpapa. Ob es sich bei dieser Entscheidung des Bureau of Engraving and Printing um Inkompetenz, Achtlosigkeit oder Gleichgültigkeit gegenüber den Indianern gehandelt hat, ist nicht mehr nachvollziehbar. Silver Certificates konnten noch bis 1967 gegen ihren Nennwert in Silberdollar-Münzen eingetauscht werden. Für das folgende Jahr waren sie dann nur noch gegen Silberbarren (raw silver bullion) eintauschbar und ab 1968 schließlich nur noch gegen US-Banknoten. Zahlen kann man theoretisch noch immer mit ihnen, sie gelten weiterhin als gesetzliches Zahlungsmittel. Sylvia Karges
- Notgeld Erfurt: 20 Mark vom 20.10.1918
Notgeldschein des Magistrats der Stadt Erfurt über 20 Mark vom 20. Oktober 1918 (Geiger 136.02). Vorderseite mit Dom und Severikirche. Rückseite mit Stadtwappen, Ornamenten und zwei Personen. Wasserzeichen Sechseckflechtwerk. Druck: Ohlenroth, Erfurt. Bei dem Schein handelt es sich um sog. Großnotgeld. So wurden in jener Zeit alle Notgeldscheine (auch Kriegsnotgeldscheine) über Mark-Beträge bezeichnet, während solche über Pfennig-Beträge Kleingeldscheine genannt wurden. Der Schein wurde noch mit Datum kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs gedruckt. Im November kam es dann zur Revolution, zum Waffenstillstand und zur Abdankung des Kaisers und aller deutschen Fürsten. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Schulgeld der Bank of China: Schweizer Franken
Die Bank of China (BOC) hat in den 1970er und 1980er Jahren einfache Nachdrucke von Geldscheinen verschiedener bedeutender konvertibler Währungen wie z.B. US-Dollar, Britisches Pfund, Deutsche Mark, Schweizer Franken, Französischer Franc, Japanischer Yen usw. herstellen lassen, um sie als Schulgeld für Auszubildende zu nutzen. Die Vorderseiten entsprachen dabei jeweils den Originalmotiven, hatten aber zusätzliche chinesische Aufdrucke, und die Rückseiten waren einheitlich mit einem Muster mit dem Namen der Bank in Englisch ("BANK OF CHINA") und mit chinesischer Schrift ausgeführt. Das Schulgeld diente den Auszubildenden der Bank sowohl als Hilfsmittel zur Erkennung von Fremdwährungen, als auch als Übungsmittel zum Zählen von Geldscheinen. Ich möchte mit diesem kleinen Beitrag die mit dem Britischen Pfund begonnene Reihe fortführen und die 50-Franken-Note der Schweizerischen Nationalbank von 1978 (bis 1988) als Schulgeld und Original vergleichen. Der Schulgeldschein ist als solcher leicht an den chinesischen Überdrucken und der charakteristischen Rückseite zu identifizieren. Er sollte ja schließlich auch nicht als Nachahmung oder gar Fälschung dienen. Seinen Zweck für Übungen und Schulungszwecke erfüllte er allemal. Natürlich handelt es sich auch nur um einfaches Papier ohne Wasserzeichen. Das Original erkennt man natürlich leicht an dem hervorragenden Stichtiefdruck und der Rückseite mit der Eule. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hans-Ludwig Grabowski/Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de
- Wenn ich dich seh‘: Spottpostkarte 1922
„Wenn ich dich seh‘, dann möcht ich weinen“ – Spottpostkarte auf die Inflation von 1922. Ab Mai 1921 wurden wegen der Geldentwertung 1000-Mark-Scheine aus der Kaiserzeit mit Datum von 1910 einfach nachgedruckt und massenhaft in Umlauf gesetzt. 1910 hatten nur die wenigsten je einen Tausender zu sehen bekommen, jetzt machte ihn die galoppierende Inflation bald zum Kleingeld. 1922 konnte man allerdings noch nicht ahnen, dass es bis Ende 1923 auch noch Millionen, Milliarden und Billionen geben sollte. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Antarktische Geldscheine
Diese Fantasie-Währung bzw. private Ausgabe wurde das erste Mal 1996 herausgegeben und erfreut sich bei Sammlern großer Beliebtheit, denn das Design der Scheine insgesamt ist wirklich außergewöhnlich. Antarktika, der fünftgrößte Kontinent, besteht bekanntermaßen aus dem Südpol sowie dem darum gelagerten Südpolargebiet. Im Sprachgebrauch ist die Bezeichnung Antarktis für dieses Gesamtgebiet gebräuchlicher, obwohl mit diesem Begriff eigentlich nur die Landmasse, also der Kontinent, gemeint ist. Bis heute erheben Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Neuseeland, Norwegen und Großbritannien Gebietsansprüche. Jedoch negiert der Antarktisvertrag von 1959, in Kraft getreten 1961, eben solche. Vielmehr wird allen Nationen für ausschließlich friedliche Zwecke, also zumeist wissenschaftliche Projekte und nicht zur wirtschaftlichen Ausbeutung bzw. militärischer Nutzung, freier Zugang gewährt. Dies leitet auch schon zum vorzustellenden Schein über. Denn der Herausgeber der „Antarctic notes“, die „Antarctica Overseas Exchange Office“, spendete vom Verkauf der Sammelscheine Geld für wissenschaftliche und humanitäre Projekte in Antarktika. Welche Projekte dies jedoch waren, ist zu diesem Zeitpunkt schwer herauszufinden – die Website der Organisation, bankofantarctica.com, existiert nicht mehr und weitere Informationen sind spärlich. Wie dem Schein auf der Rückseite zu entnehmen ist, kann dieser bis zum 31.12.2021 in US-Dollars umgetauscht werden, wird er per Post an die angegebene Adresse eingeschickt. Auch ist eine E-mail Adresse angegeben. Die letzte Ausschüttung fand meinen Recherchen zufolge 2015 statt – diese Scheine weisen nun nicht mehr auf einen möglichen Umtausch in US-Dollars hin; tatsächlich fehlt der gesamte Abschnitt mit Post- und Mailadresse. Der vorgestellte 1-Dollar-Schein aus dem Jahr 2011 greift das 100-jährige Jubiläum des ersten Menschen am Südpol auf, einer Zeit, die auch als goldenes Zeitalter der Antarktis-Forschung, oder „Heroic Age“ bezeichnet wird; in diesem Zeitraum, von 1897 bis 1922, fanden die großen Expeditionen zum Südpol statt. Und hierbei war es der norwegische Seemann und Polarforscher Roald Armundsen (1872–1928) der den Südpol mit seinen Begleitern am 14. Dezember 1911 vor dem Briten Robert Falcon Scott (1868–1912) als erster erreichte. Die Pinguine auf Vorder- und Rückseite bilden beispielsweise neben den Robben eine der charakteristischen Tierarten Antarktikas. Die dargestellten Kaiserpinguine sind die größte Pinguinart (100–130 cm) und auch die bekannteste. 2018 schoben sie sich übrigens auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) von der Stufe „potenziell gefährdet“ zurück auf „nicht gefährdet“. Sylvia Karges Abb. Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de
- Die Weihnachts-Serie aus Kahla in Thüringen von 1921
Kahla (ehemals Sachsen-Altenburg) ist bei Geldscheinsammlern wegen seiner vielen Serienschein-Ausgaben bekannt. Passend zum bevorstehenden Fest stellen wir die Weihnachts-Serie der Stadt Kahla von 1921 vor. Die Gutscheine der sog. "Weihnachts-Serie" waren vom 20. November bis 31. Dezember 1921 gültig und wurden bei der für den Druck von Notgeldscheinen bekannten Druckerei Himmer in Augsburg auf weißem Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Für die Gestaltung steht die Künstler-Signatur GLASS. Die einheitlichen Vorderseiten der sechs zur Serie gehörenden Scheine zu je 50 Pfennig (Gra./Me. 668.9) zeigen in den vier Ecken weihnachtliche Gestecke und zwei Kerzen. Entgegen der Reihenfolge in den einschlägigen Katalogen: Wanderung Krippe Engel Anbetung Heilige Drei König Weihnachtsbaum sollten die Bilder eigentlich nach der biblischen Geschichte wie folgt zu ordnen sein: Bild 1: Geburt Jesu in Bethlehem „Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ (Lk 2,7) Bild 2: Verkündigung an die Hirten „In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ (Lk 2,8–12) Bild 3: Lobpreisung durch die Hirten „Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.“ (Lk 2,16–17) Bild 4: Die Weisen aus dem Morgenland „Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.“ (Mt 2,10–11) Bild 5: Flucht nach Ägypten „ … da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten …“ (Mt 2,13–14) Bild 6: Weihnachten 1921 Der Weihnachtsstern mit einem Christbaum darin, leuchtet über dem Saaletal. Die ovalen Motive der Rückseiten sind jeweils von Ornamenten mit vier betenden Engeln in den Ecken umgeben. Das einheitliche Format der Scheine beträgt ca. 116 mm x 79 mm. Hans-Ludwig Grabowski, Verena Rösch Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Die 1980er und 1990er Jahre in Polen und eine nicht ausgegebene Notenserie
Die 1980er Jahre begannen in der damaligen Volksrepublik Polen unruhig. Nach Streiks im Sommer 1980 entstand die freie Gewerkschaft Solidarność , die bald zur Massenbewegung für mehr Demokratie wurde. In nur wenigen Monaten zählte Solidarność zehn Millionen Mitglieder und in Warschau und Moskau sah man die Protestbewegung als Bedrohung des Machtanspruchs der Kommunisten an. Moskau drängte die polnische Führung bereits im April 1981 dazu, die Proteste gewaltsam niederzuschlagen. Falls notwendig sollten hierfür Verbündete des Warschauer Pakts auch Truppen entsenden. Das lehnten die Polen ab, sie wollten das Problem mit eigenen Mitteln lösen. Der polnische Verteidigungsminister, General Jaruzelski, wurde Regierungs-Chef und übernahm die Führung der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei. Am 13. Dezember 1981 rief er das Kriegsrecht aus. Man ging davon aus, dass die polnische Bevölkerung und der Westen das Kriegsrecht als "kleineres Übel" dulden würde, da die Sowjetunion mit einem Einmarsch drohte. Heute wird zwar von etlichen Historikern angezweifelt, dass es je eine ernste militärische Gefahr gab, tatsächlich war die Lage im Dezember 1981 aber angespannt. Im Osten bereitete sich angeblich nicht nur die Rote Armee auf eine militärische Intervention vor, in der DDR wurde die Nationale Volksarmee in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Ich diente damals als Unteroffizier in der Nachrichtenkompanie des Wehrbezirkskommandos Suhl. Nach Ausrufung des Kriegsrechts in Polen wurden alle Offiziere und Unteroffiziere am Standort über die militärische Lage informiert. Danach hatte die NVA bereits mehrere Brückenköpfe an Oder und Neiße gebildet (darunter bei Frankfurt/Oder und Weißkeißel) und mit einem Einmarsch in Polen war täglich zu rechnen. Dabei sollten auch Nachrichten-Spezialisten des Wehrbezirkskommandos zum Einsatz kommen. In der Nachrichtenkompanie öffnete sich die Waffenkammer. Alle Angehörige erhielten ihre Maschinenpistolen AK-47 sowie je einen Wachsatz mit zwei Magazinen (60 Schuss) Munition und schliefen sogar eine Woche lang in voller Montur und mit ihren Waffen, weil jederzeit der Einsatzbefehl kommen konnte. Es herrschte angespannte Stimmung und Parallelen zum Jahr 1939 drängten sich auf, als schon einmal deutsche Soldaten vom Westen und russische vom Osten her in Polen einmarschierten. Damals löste das einen Weltkrieg aus! In dieser Woche übernahm in Polen ein "Militärrat der Nationalen Rettung" die Macht. Wichtige Einrichtungen, wie Behörden, Rundfunk, Fernsehen und staatliche Betriebe wurden besetzt sowie Tausende Oppositionelle, darunter die komplette Führung von Solidarność, verhaftet. Es herrschte nicht nur Versammlungsverbot und Ausgangssperre, sondern es wurden auch Lebensmittelkarten zur Rationierung der Versorgung eingeführt. Das Kriegsrecht führte zu einer großen Auswanderungswelle hoch qualifizierter Polen, darunter Zigtausende Ingenieure, Ärzte und Wissenschaftler. Die Proteste im Land gingen weiter und forderten schließlich auch Todesopfer. 1983 wurde das Kriegsrecht dann zwar endgültig aufgehoben, aber erst mit Glasnost und Perestroika entspannte sich die Lage in Polen wieder. Während das Kriegsrecht herrschte, begann die Talfahrt der polnischen Währung. Mit Datum von 1982 kam der erste 5000-Zloty-Schein in Umlauf, ein Zehntausender folgte mit Datum von 1987 und Anfang 1989 wurde mit dem 200.000-Zloty-Schein der letzte Wert der Volksrepublik Polen ausgegeben. Im Juni 1989 fanden teilweise freie Wahlen statt. Alle frei wählbaren Sitze im Sejm, dem polnischen Parlament, gewann das Bürgerkomitee Solidarność und Ende 1989 wurde die Dritte Republik gegründet. Neben den nun anstehenden wichtigen politischen Entscheidungen, wie einer Verfassungsänderung und der Auflösung des "Warschauer Pakts", musste man sich rasch um die inflationäre Währung kümmern. Mit Datum vom 1. März 1990 wurde bei der bekannten deutschen Wertpapierdruckerei Giesecke & Devrient in München eine komplett neue Banknotenserie gedruckt, die Motive verschiedener Städte aus den Regionen Polens zeigt. Sie sollte 1990 im Zuge einer Währungsreform in Umlauf kommen. Von den sechs Werten der Serie zwischen 1 und 100 Zloty zeigen zwei Motive der polnischen Städte Warschau in der Region Masowien (10 Zlotych) und Zamosc in der Region Lublin (5 Zlotych). Die anderen vier Werte zeigen Motive der ehemals deutschen Städte Gdingen im einstigen Westpreußen (1939–1945 Gotenhafen, 1 Zloty), Kattowitz im einstigen Oberschlesien (2 Zlote), Danzig, der ehemaligen Hauptstadt Westpreußens (20 Zlotych), Breslau, der ehemaligen Hauptstadt Niederschlesiens und Schlesiens (50 Zlotych) und von Posen, der ehemaligen Hauptstadt der gleichnamigen preußischen Provinz (100 Zlotych). Da die Scheine aufgrund der geringen Vorbereitungszeit und ihrer einfachen Ausführung über nur unzureichende Sicherheitsmerkmale verfügten, befürchtete man eine hohe Fälschungsgefahr und entschied sich dafür, lieber zu einem späteren Zeitpunkt eine neue Notenserie mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen zu emittieren. Die bei Giesecke & Devrient gedruckten Scheine von 1990 wurden später mit einem roten Überdruck "NIEOBIEGOWY" (nicht in Umlauf) versehen und an Sammler abgegeben. Es gibt auch Scheine mit dem Überdruck "WZÓR", dabei handelt es sich um echte Muster der Serie vom 1. März 1990. In der Zwischenzeit ging die Inflation vorerst weiter und mit Datum vom April 1990 bis November 1993 folgten Werte zu 500.000 bis 2 Millionen Zloty. Bei dem 2-Millionen-Zloty-Schein vom 14. August 1992 unterlief der Druckerei ein Fehler. Bei der zuerst ausgegebenen Serie A findet man auf der Rückseite den Hinweis auf die Konstituierung des Sejm 1919 "KONSTYTUCYJY" mit fehlendem Buchstaben N. Der Fehler wurde dann in der folgenden Serie B beseitigt, und hier heißt es dann richtig "KONSTYTUCYJNY". Die Serie A ist deutlich seltener als die Serie B. Erst mit Einführung der sog. "Königs-Serie" 1995 konnte die Inflation gestoppt werden. Von der gibt es Werte zu 10, 20, 50, 100 und 200 Zloty mit Porträts verschiedener polnischer Könige. Am 1. Januar 1995 war der Zloty im Verhältnis 1 neuer Zloty (PLN) = 10.000 alte Zloty (PLZ) umbewertet worden. Der abgebildete Zweihunderter von 1994 entsprach bei seiner Einführung 1995 demnach 2 Millionen alten Zloty. Nach dem Beitritt Polens zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 erlebte der Zloty eine starke Aufwertung. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski












