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  • Geld der 8-Tage-Republik Baranya-Baja 1921

    Im November 1918 begannen serbische Truppen, in den Süden Ungarns einzudringen. Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie hatten die serbischen Truppen – unterstützt durch französische Entente-Streitkräfte – auch Gebiete besetzt, die nach dem späteren Friedensvertrag von Trianon Ungarn belassen wurden.[1] Obwohl der Vertrag die Grenzen nördlich der Drau und des Baranya-Dreiecks zog, zögerte die Regierung des serbisch-kroatisch-slowenischen Königreichs (dem späteren Jugoslawien) den Rückzug des Militärs hinaus. Hierfür dürfte es mehrere Gründe gegeben haben. So lieferten die Kohlegruben wertvolle Brennstoffe ins neue südslawische Königreich, ferner lebten 1919 nach einer serbischen Volkszählung in Péce 14.485 Südslawen, 17.901 Ungarn und 14.549 Deutsche. Diese Zahlen stehen allerdings im krassen Gegensatz zu den einer ungarischen Volkszählung aus dem Jahr 1920, wonach die Bevölkerung aus 45 Serben, 326 Kroaten, 5.034 Deutschen, aber 40.655 Ungarn bestand. Man hoffte in Belgrad, irgendwie die Herrschaft über dieses Gebiet behalten zu können. Im Oktober 1918 übernahm im ungarischen Teil der Habsburger Doppelmonarchie eine bürgerlich-sozialdemokratische Regierung die politische Führung. Der „Ungarische Nationalrat“ begann mit zahlreichen sozialen und gesellschaftlichen Reformen. Den Arbeiterräten in den Betrieben gingen diese jedoch nicht weit genug. Sie forderten die Verstaatlichung von Industrie und Landwirtschaft sowie die Enteignung der Banken. Unterstützung erhielten sie von den rund 100.000 ungarischen Soldaten, die sich in russischer Kriegsgefangenschaft den Bolschewiki angeschlossen hatten. Zurück in der Heimat, bildeten sie das Herz der Kommunistischen Partei Ungarns. Im März 1919 errichtete diese unter Führung des Journalisten und Politikers Béla Kun[2] eine Sowjetrepublik. Im Ausland deutete man dies als Zeichen der bevorstehenden kommunistischen Weltrevolution. Daher wurde die ungarische Entwicklung entschieden bekämpft. Am 1. August 1919 besetzten rumänische Truppen Budapest. Nach nur 133 Tagen fand die Räterepublik ihr Ende. Miklós Horthy [3] übernahm die Führung Ungarns. Tausende Kommunisten und Sozialdemokraten wurden nun Opfer des weißen Terrors, der den roten Terror ablöste. Viele der Verfolgten fanden Unterschlupf im serbisch besetzten Grenzgebiet, dem Komitat Baranya. Die Zuwanderer gründeten mit Zustimmung der serbischen Behörden die Sozialistische Partei von Pécs. Bei den Kommunalwahlen im August 1920 wurde Béla Linder [4] Bürgermeister in Pécs und Sándor Doktor [5] Präsident des Stadtkomitees. Man war hier allgemein überzeugt, dass, trotz aller Pariser Entscheidungen, die jugoslawische Armee den Ungarn das Gebiet nicht übergeben würde. Aber nach Ratifizierung des Trianon-Vertrags im Juli 1921 wendete sich das Blatt. Linder informierte die Sozialisten in Pécs, dass man wohl nicht weiter auf Unterstützung des südslawischen Staates rechnen könne. Grenzgebiet zwischen den Königreichen Ungarn und den Serben, Kroaten und Slowenen (später Jugoslawien). Das von der Baranya-Baja-Republik beanspruchte Gebiet ist in Braun dargestellt. Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Serbian-Hungarian_Baranya-Baja_Republic#/media/File:Baranya-Baja_Republic-EN.svg Den letzten Ausweg, den Einmarsch der Horthy-Truppen zu verhindern, sahen die Verantwortlichen in Pécs in der Gründung eines eigenen Staates mit enger Bindung an das serbisch-kroatisch-slowenische Königreich. Am 14. August 1921 proklamierte Péter Dobrovits [5] vor 15.000 bis 20.000 Arbeitern am Széchenyi-Platz die Serbisch-Ungarische Republik Baranya-Baja (ungarisch: Baranya-Bajai Szerb-Magyar Köztársaság, serbisch: Српско-мађарска република Барања-Баја oder Srpsko-mađarska republika Baranja-Baja). Die internationale Anerkennung blieb der Republik versagt. Am 16. August 1921 erklärte die ungarische Regierung gegenüber dem Hohen Kommissar, dass sie den neuen Staat nicht anerkennen würde. Unter dem sich entfaltenden diplomatischen Druck der Entente zog das südslawische Königreich seine Truppen am 18. August 1921 aus dem Gebiet nördlich von Baranya und der Linie zwischen Gyékényes und Újszeged zurück. Der serbische Generalkommissar von Pécs, Generalmajor Rajcić, bot am 20. August allen Personen einen Pass des südslawischen Königreichs an, die sich nicht der „ungarischen Besatzung“ unterziehen wollten. Am 22. August zog die ungarische Nationalarmee in Pécs ein. Nach 33 Monaten serbischer Besatzung nahm Ungarn das Gebiet wieder in Besitz. Damit war nach nur acht Tagen das Abenteuer der Serbisch-Ungarischen Republik Baranya-Baja beendet. Auch wenn die Republik Baranya-Baja von der Landkarte und weitgehend aus den Erinnerungen verschwunden ist, hat sie doch notaphile Spuren hinterlassen. In den 1960er Jahren fand man im Museum „Janus Pannonius“ in Pécs eine 20-Kronen-Banknote der Oesterreichisch-Ungarischen Bank von 1913 mit dem Handstempel-Aufdruck „PĚCS-BARANYA / KÖZTÁRSASÁG“. Später, in den 1970er Jahren, wurden Dutzende Banknoten mit diesem Stempelabdruck in Wien angeboten. Nach Branko Glišić [6] können die Abdrucke bei allen vor und im Krieg im Umlauf gewesenen Banknoten vorkommen, aber auch bei den späteren Werten zu 10.000, 25 und 200 Kronen. Der Stempel ist jeweils auf der ungarischen Seite angebracht und hat die Abmessung 65 x 16 mm. Verwunderlich ist, dass man in Pécs auf Geldscheine zurückgriff, die in den Ländern der ehemaligen k. u. k. Monarchie bereits nicht mehr umlauffähig waren. Da die Emigranten auch ungarische Noten mitbrachten, wurden auch diese gestempelt.[7] Letzteres gilt auch für einige deutsche Reichsbanknoten. Über die Abstempelungs-Aktion selbst ist nichts bekannt. In jüngerer Zeit werden bei ebay des Öfteren mit „PĚCS-BARANYA / KÖZTÁRSASÁG“ gekennzeichnete Note angeboten. Es ist anzunehmen, dass diese zum Schaden der Sammler neu angefertigt wurden. Ein Nachweis der Echtheit dieser Stempelabdrucke dürfte kaum möglich sein. Ebenso fanden Scheine den Weg zu den Sammlern, die statt des bekannten Stempels einen violetten, runden Abdruck mit der folgenden Randschrift tragen: „* Baranya-Bajai * SZERB-MAGYAR KÖZTÁRSASÁG“; im Innenkreis „1921“. Der Abdruck hat den Durchmesser von 35 mm. Glišić scheint diesen Stempel, wie die gestempelten deutschen Reichsmarkscheine, nicht zu kennen. Beim Erwerb der Noten der Republik Baranya-Baja sollte man daher äußerste Vorsicht walten lassen und den Geldbeutel geschlossen halten. Anmerkungen [1] Im Friedensvertrag von Trianon, unterzeichnet am 4. Juni 1920, musste Ungarn ähnlich harte Bedingungen wie Österreich akzeptieren. Ungarn musste endgültig mehr als zwei Drittel seines Staatsgebiets an die Nachbarn abtreten: Die Slowakei und die Karpato-Ukraine erhielt die neu gebildete Tschechoslowakei, das Burgenland Österreich, Kroatien, Slowenien, Prekmurje, die Regionen Batschka und Süd-Baranya (Drávaköz) sowie Teile des Banats verleibte sich das neu gegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (später Jugoslawien) ein, Siebenbürgen mit Resten des Banats und mit Partium fielen an Rumänien, ein kleines Gebiet mit 14 Dörfern im äußersten Norden wurde Polen zugesprochen. Die Stadt Fiume (Rijeka) bildete zunächst einen eigenen Freistaat, der 1924 von Italien annektiert wurde. So blieben von den 325.411 km² Transleithaniens nur 93.073 km² übrig. [2] Zu Béla Kun, aus Hans-Ludwig Grabowski: "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck ... – Für politische und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs": Béla Kun (eigentlich Béla Kohn) wurde 1886 in Böhmischdorf in Siebenbürgen geboren, 1906 änderte er seinen jüdischen Familiennamen Kohn in die ungarische Form Kun. Im Ersten Weltkrieg diente er in der österreichisch-ungarischen Armee und geriet 1916 in russische Gefangenschaft, wo er zum Anhänger der Bolschewiki wurde. Im Dezember 1918 wurde er nach Budapest entsandt, um hier eine kommunistische Revolution zu entfachen. Er gab die "Rote Zeitung" heraus und wurde 1919 zur wichtigsten Figur in einer von ihm ausgerufenen Räteregierung aus Sozialisten und Kommunisten. Am 25. Juni 1919 verkündete die Räteregierung die "Diktatur des Proletariats" und zahlreiche politische Gegner wurden verhaftet und nach Revolutionstribunalen ermordet. Das Ende der Räteregierung kam mit dem Auseinanderfallen Ungarns und dem Einmarsch rumänischer Truppen. Kun floh zuerst nach Österreich und später in die Sowjetunion, wo er Funktionen in der KPdSU bekleidete. 1936 wurde er im Rahmen der stalinistischen Säuberungen hingerichtet. [3] Miklós Horthy (* 18. Juni 1868 in Kenderes, Komitat Jász-Nagykun-Szolnok, Österreich-Ungarn; † 9. Februar 1957 in Estoril, Portugal) war ein österreichisch-ungarischer Admiral, ungarischer Politiker und nach dem Sturz der Räterepublik als Reichsverweser langjähriges Staatsoberhaupt des Königreiches Ungarn (1920 – 1944). [4] Béla Linder (* 10. Februar 1876 in Majs, Komitat Baranya, Österreich-Ungarn; † 15. April 1962 in Belgrad, Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien) war im Ersten Weltkrieg k.u.k. Oberst des Generalstabs und nach Auflösung der Realunion mit Österreich vom 1. November 1918 an erster Kriegsminister Ungarns. Bereits am 9. November 1918 entließ ihn der Vorsitzenden des Ungarischen Nationalrats Mihály Károlyi. Während der Herrschaft der Ungarischen Räterepublik wurde er von deren Anführer und Volksbeauftragtem für Außenbeziehungen, Béla Kun, als Militärattaché an die ungarische Botschaft in Wien entsandt, wo er vom 2. Mai bis zum 5. August 1919 tätig war. Nach dem Sturz der Räteregierung floh er in das von Serbien besetzte Komitat Baranya. [5] Doktor Sándor (* 4. Januar 1864 in Beregrákos, Österreich-Ungarn, heute Ukraine; † 7. November 1945 in Keszthely, Ungarn) stammte aus einer armen Bauernfamilie mit zehn Kindern. 1889 graduierte er an der Medizinischen Universität. Einige Zeit war er Assistenzprofessor an der Geburtshilfe- und gynäkologischen Klinik der Medizinischen Hochschule und später als Arzt in Pécs tätig. Während des Ersten Weltkriegs war er als Freiwilliger im Sanitätsdienst an der Ostfront. Nach dem Krieg trat er der Sozialdemokratischen Partei bei, um 1920 die Leitung des Redaktionskomitees der Sozialistischen Partei von Pécs zu übernehmen. [6] Péter Dobrovits (* 14. Januar 1890 in Pécs; † 27. Januar 1942 in Belgrad) war ein serbischer Maler und Präsident der kurzlebigen serbisch-ungarischen Republik Baranya-Baja. [7] Branko Glišić, Pečati i pe aćene novčanice notafilije Srbije 1916-1921, Valjevo 2016, S. 160 ff. [8] Ebenda, S. 273 f. Uwe Bronnert

  • Verordnung No. 212 der Hohen Interalliierten Rheinlandkommission

    Im Sommer 1923 versank das Deutsche Reich in einem währungspolitischen Chaos. War im Frühsommer das höchste Nominal noch die Reichsbanknote zu 500.000 Mark, so führte die galoppierende Inflation dazu, dass die Zahlen auf den Banknoten immer größer wurden. Im August rechnete man bereits mit Millionen, Ende September mit Milliarden und ab Anfang November gar mit Billionen Mark. Obwohl die Reichsdruckerei und ihre Hilfsdruckereien Tag und Nacht neue Geldscheine druckten, blieben die Zahlungsmittel knapp, sodass Kreise und Gemeinden wie auch Unternehmen gezwungen waren, eigenes Notgeld auszugeben. Besonders prekär wurde die Lage im besetzten Rheinland, da die französischen und belgischen Besatzungstruppen die Situation noch dadurch verschärften, dass sie Reichsbanknoten in den Reichsbankfilialen und Hilfsdruckereien beschlagnahmten. Andererseits war den Besatzungsmächten die unkontrollierte Notgeldflut ein Dorn im Auge. Die Ausgabe von Notgeld durch Städte, Gemeinden, Banken, Industrieunternehmen und Privatleuten führte zu Unsicherheit und Hindernissen im Wirtschaftsverkehr. Allzu oft weigerten sich Händler, das Notgeld von auswärtigen Emittenten anzunehmen, bzw. nahmen es nur mit einem Disagio in Zahlung. Die Hohe Interalliierte Rheinlandkommission plante, diesen Missstand durch die Verordnung No. 212 „betreffend Regelung der Notgeldausgabe in den besetzten Gebieten“ vom 20. September 1923 zu beseitigen [1]. Das altbesetzte Rheinland wurde gemäß Artikel 1 in neun Notgeld-Ausgabebezirke eingeteilt: die Pfalz, den besetzten Teil Hessens sowie die Regierungsbezirke Wiesbaden, Coblenz, Trier, Cöln, Aachen und Düsseldorf (linkes Rheinufer Crefeld) und schließlich den Bezirk Bonn. Ein aus deutschen Vertretern von Behörden, Banken, Handel und Industrie gebildeter Sonderausschuss für Notgeld erhielt den Auftrag, die Anstalten und Körperschaften zu ermitteln, denen in Zukunft die Notgeldausgabe gestattet werden sollte. Voraussetzung für die endgültige Zulassung war ferner, dass sich diese dazu verpflichteten, das Notgeld jedes anderen zugelassenen Emittenten ihres Bezirks zum vollen Wert an den eigenen Kassen anzunehmen. Alle vor dem 1. Oktober 1923 ausgegebenen Scheine waren innerhalb einer Frist von drei Monaten nach Inkrafttreten der Verordnung einzuziehen. Da dies der 25. September war, blieb den alten Scheinen eine Schonfrist bis zum 25. Dezember. Neuausgaben durften nur noch durch die zugelassenen Emittenten mit einer entsprechenden Kennzeichnung (s. u.) erfolgen. Bei der Sitzung des Sonderausschusses am 1. Oktober 1923 genehmigte der „Comité financier“ der Rheinlandkommission die vorgelegte Liste. Die dort genannten Kreise, Städte und Unternehmen sollten nun beim Oberbürgermeister der Stadt Coblenz, dem ständigen Büro des Sonderausschusses für Notgeldfragen, ihre Erklärung abgeben [2]. Notgeld, das die ausgewählten Emittenten vor dem 8. Oktober gedruckt oder ausgegeben hatten und das nach dem 25. Dezember 1923 umlauffähig bleiben sollte, musste mit einem besonderen Stempel gekennzeichnet werden. Der Stempelabdruck war auf der linken Scheinseite von oben nach unten laufend aufzustempeln oder aufzudrucken. Dieser Aufdruck in roten, lateinischen Lettern beinhaltete folgende Angaben innerhalb eines einfachen Rahmens: "Umlauffähig im ganzen / Regierungsbezirk ... / Gültig bis zum 1. April 1924." Das Notgeld, das nach dem 8. Oktober gedruckt oder ausgegeben wurde, erhielt diesen Zusatz in gleicher Form. Er durfte allerdings auch eine andere Farbe aufweisen sowie an anderer Stelle des Scheins aufgedruckt sein. Stempelaufdrucke mittels Hand-Gummistempel sind nicht so häufig wie die mitgedruckten Zonenstempel. Dies kam sicher daher, dass die Inflationswerte bis zum Oktober relativ niedrig und inflationsbedingt nicht mehr verwendbar waren. Das Notgeld lief häufig selbst auch in entfernten Regionen um. Es wundert daher nicht, dass bei den Stempelaktionen auch Scheine anderer Emittenten einen Abdruck erhielten. In Coblenz wurde beispielsweise ein 100-Millionen-Mark-Schein des Unterwesterwaldkreises (Montabaur) mit diesem Stempel versehen, der damit „Umlauffähig im ganzen Regierungsbezirk Coblenz“ wurde. Korrekt wäre „Umlauffähig im ganzen Regierungsbezirk Wiesbaden“ gewesen. Die Liste des Sonderausschusses teilt die Ausgabeberechtigten in zwei Gruppen: I. Kommunale Körperschaften und andere Anstalten und Körperschaften 1. BEZIRK PFALZ a) Kreisgemeinde Pfalz b) Stadtkreis Ludwigshafen Stadtkreis Frankenthal Stadtkreis Speyer Stadtkreis Neustadt a/d Haardt Stadtkreis Landau Stadtkreis Kaiserslautern Stadtkreis Pirmasens Stadtkreis Zweibrücken. 2. HESSEN a) Stadt Mainz Stadt Worms b) Kreis Alzey Kreis Bingen Kreis Oppenheim Kreis Worms. Anmerkung: Nur bis zum Jahresende, zu welcher Zeit allein das Notgeld der Hessischen Landesbank Umlauf haben wird. 3. BEZIRK WIESBADEN a) Stadt Wiesbaden Stadt Höchst Stadt Bad-Ems b) Landkreis Wiesbaden Landkreis Königstein Unterwesterwaldkreis Untertaunuskreis Rheingaukreis Unterlahnkreis Landkreis St. Goarshausen c) die Nassauische Landesbank 4. BEZIRK COBLENZ a) Stadt- und Landkreis Coblenz Kreis und Stadt Kreuznach b) Landkreis Neuwied Landkreis Mayen Landkreis Simmern mit Zell und Cochem LandkreisSt. Goar Landkreis Meisenheim 5. BEZIRK TRIER a) der Stadtkreis Trier b) alle Landkreise c) Provinz Birkenfeld (die zu Oldenburg gehörte) 6. BEZIRK BONN a) Stadtkreis Bonn (gemeinsam mit der Handelskammer Bonn) Stadt Düren Stadt Euskirchen b) Landkreis Bonn Siegkreis Landkreis Rheinbach Landkreise Euskirchen und Düren gemeinsam mit den Kreisen Jülich und Schleiden aus dem Bezirk Aachen sowie mit der Handelskammer Stolberg und der Vereinigung der Industriellen von Düren und Umgebung. Anmerkung: Da das Gebiet um Bonn zum Regierungsbezirk Köln gehörte, bekamen die Notgeldausgaben den Aufdruck „Umlauffähig im ganzen Regierungsbezirk Köln“. 7. BEZIRK CÖLN a) Stadt Cöln 8. BEZIRK AACHEN a) Stadt- und Landkreis Aachen Städte Eschweiler und Stolberg (gemeinsam) b) Landkreise Heinsberg und Geilenkirchen Landkreis Erkelenz Landkreis Montjoie Landkreise Schleiden und Jülich (gemeinsame mit den Kreisen Euskirchen und Düren aus dem Bezirk Bonn, sowie mit der Handelskammer Stolberg und der Vereinigung der Industriellen von Düren und Umgebung). 9. BEZIRK DÜSSELDORF a) Stadt Düsseldorf (linkes Rheinufer) Stadt Crefeld Stadt Neuss Stadt München-Gladbach Stadt Rheydt (die Städte München-Gladbach und Rheydt sowohl jede für sich wie gemeinsam miteinander und der Handelskammer München-Gladbach) b) Landkreis Crefeld Landkreis Kempen Landkreis Geldern Landkreis Cleve Landkreis Mörs (sic! Es müsste Moers heißen) Landkreis Neuss Landkreis München-Gladbach Landkreis Grevenbroich c) englischer Brückenkopf: Stadtkreis Solingen Landkreis Solingen Landkreis Düsseldorf. 10. DIE LANDESBANK DER RHEINPROVINZ FÜR DIE RHEINPROVINZ (für die Bezirke 4 – 9) II. Andere Anstalten und Körperschaften 1. PFALZ a) Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF), Ludwigshafen. 2. HESSEN a) Adam Opel, Rüsselsheim Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, A. G., Werk Gustavsburg. Anmerkung: Nur bis zum Jahresende, zu welcher Zeit allein das Notgeld der Hessischen Landesbank Umlauf haben wird. 3. BEZIRK AACHEN a) Handelskammer Aachen 4. BEZIRK DÜSSELDORF Verein der Bergwerke des linken Niederrheins Friedrich Krupp, Rheinhausen Handelskammer München-Gladbach Wenn man bedenkt, dass so manche Kommune und manches Unternehmen nicht nur aus Mangel an Zahlungsmitteln Notgeld ausgab, so wird verständlich, dass diese bemüht waren, dies auch weiter tun zu dürfen. Die Emission von Notgeld bedeutete, dass man einen kostenlosen Kredit in Anspruch nehmen konnte, zumal wenn man es „versäumte“, den Gegenwert des Ausgabebetrags bei der Kredit-Gesellschaft m. b. H. in Berlin zu hinterlegen. In diesem Fall kam noch ein stattlicher Inflationsgewinn hinzu, da sich die eigene Notgeldausgabe weiter entwertete. Die Verordnung No. 212 bedeutete daher für die nicht berücksichtigten Kommunen und Unternehmen eine erhebliche Einschränkung ihres finanziellen Spielraums. Die Stadt Montabaur beantragte mit Schreiben vom 3. Oktober 1923 bei der Hohen Interalliierten Rheinlandkommission, weiterhin Notgeld ausgeben zu dürfen mit der Begründung: „Das Notgeld wird gebraucht zur Deckung von Verwaltungsausgaben, Anschaffung von Gefrierfleisch, zum Kartoffelankauf, Bezahlung der Folgearbeit etc. Zu diesen Ausgaben müssen Barmittel vorhanden sein, die der Stadt fehlen. Ausreichende Kredite bei den Banken zu beschaffen ist der Stadt nicht möglich, da die Kosten und Zinsen eine solche Größe erreichen, die es der Stadt schlechterdings unmöglich machen diese aufzubringen. [...] Die Herausgabe von Notgeld ist eine Lebensnotwendigkeit und bitten wir die Hohe Rheinlandkommission ergebenst der Stadt Montabaur die Herausgabe von Notgeld auch fernerhin gestatten zu wollen.“ [3] Das Gesuch des Magistrats wurde wohl abgelehnt, da kein entsprechendes Notgeld bekannt ist. Andere Antragsteller scheinen erfolgreicher gewesen zu sein. So hat z.B. die Stadt Diez, der Kreis Groß-Gerau, die Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz, die Handels-kammer Ludwigshafen entsprechendes Geld ausgegeben. Es ist nicht anzunehmen, dass sich die Verantwortlichen dieser Emittenten über die Bestimmungen der Besatzungsmächte hinweggesetzt haben, denn alle Notgeldausgaben, die gegen Bestimmungen der Verordnung verstießen, waren ungültig und sollten ohne Entschädigung beschlagnahmt werden. Überdies wurde jeder, der entweder unmittelbar oder mittelbar an solchen Ausgaben beteiligt war, mit einer Geldbuße von 1.000 bis 100.000 Goldmark und/oder Gefängnis von 1 Monat bis zu 2 Jahren bedroht. Nachdem mit der Einführung der Rentenmark die Währungsstabilisierung im November 1923 gelang, wurde auch im besetzten Rheinland in der Zeit vom 1. bis 31. August 1924 das Notgeld eingezogen. Viele rheinische Ausgaben wurden bereits im April und Anfang Mai eingezogen [4]. Uwe Bronnert [1] Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 441, Akte 21109, Bl. 355 ff. [2] Ebenda, Bl. 369 – 371. [3] Stadtarchiv Montabaur, Abt. 4, Nr. 761. [4] Vgl. Dr. Arnold Keller, Das Notgeld der deutschen Inflation 1923, Reprint der Originalausgabe von 1958, München, S. 8.

  • Bofoni/Bifoni – Spendenschein zum 20. Jahrestag der Organisation Ukrainischer Nationalisten von 1949

    Als Folge des Ersten Weltkriegs entstand Polen wieder als unabhängiger Staat. Während der Versailler Vertrag die Westgrenze Polens festlegte, war der Verlauf der Ostgrenze noch lange ungeklärt und umstritten, sodass es zu einer Reihe militärischer Auseinandersetzungen kam: Polnisch-Ukrainischer Krieg (1918 – 1919) Polnisch-Litauischer Krieg (1920) Polnisch-Sowjetischer Krieg (1920) Im Frieden von Riga am 18. März 1921 verzichtete die Sowjetunion auf die Westukraine, die Polen angegliedert wurde. Dadurch vergrößerte sich das polnische Staatsgebiet um mehr als 132.000 km². Von den 10 Millionen neuen polnischen Staatsbürgern waren nur ca. 2,5 Millionen Polen, während 64 % ukrainischer, 10 % jüdischer und 1 % anderer ethnischer Zugehörigkeit waren. Obwohl Polen im Vertrag von Riga einem Autonomie-Status für die ukrainischen Gebiete zugestimmt hatte, begannen polnische Polizei und Verwaltungsorgane mit der „Polonisierung“. Vielerorts antwortete die ukrainische Bevölkerung mit passivem und aktivem Widerstand gegen die polnische Herrschaft. 1929 kam es in Wien zum Zusammenschluss verschiedener nationalistischer Organisationen der Westukraine zur „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN). Ihr Ziel war die Errichtung eines großukrainischen Staates unter Einschluss der sowjetischen Ost-Ukraine, dem polnischen Galizien (West-Ukraine) und dem der nach dem Krieg neu entstandenen Tschechoslowakei angeschlossenen Ruthenien. Die OUN organisierte den Widerstand sowohl gegen die polnische als auch die sowjetische Verwaltung. [1] Bereits 1940 spaltete sich die OUN in zwei Flügel: unter Führung von Stepan Andrijowytsch Bandera (* 1. Januar 1909 in Staryj Ugryniw, Galizien, Österreich-Ungarn; † 15. Oktober 1959 in München) in „OUN-B“ und Andrij Atanassowytsch Melnyk (* 12. Dezember 1890 in Wolja Jakubowa, Bezirk Lemberg, Galizien, Österreich-Ungarn; † 1. November 1964 in Köln) in „OUN-M“. Während Bandera (OUN-B) die Selbstständigkeit der Ukraine nur durch die eigene Kraft der Ukrainer zu erreichen meinte, waren die Melnykisten (OUN-M) überzeugt, dies nur durch eine Partnerschaft mit dem Deutschen Reich realisieren zu können. Als 1941 die deutsche Wehrmacht die Ukraine besetzte, proklamierte folgerichtig die OUN-B am 30. Juni 1941 einen eigenen unabhängigen Staat und führte später mit ihrer „Ukrainischen Aufstandsarmee“ (UPA) einen Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer. Im Gegensatz dazu begrüßte die OUN-M die Bildung der ukrainischen SS-Freiwilligen-Division „Galizien“. Nach dem Krieg sammelten Vertreter der OUN-B in den Lagern der Displaced Persons in Deutschland ehemalige ukrainische Zwangsarbeiter in der „Zentralvertretung der Ukrainer in Deutschland“. Die Auseinandersetzung über die Organisation der OUN auf autoritäre oder demokratische Ziele ging in der Emigration weiter. In welchem Umfang die OUN anti-sowjetische Partisanen beeinflusste, die bis Anfang der 1950er Jahre in der Ukraine aktiv waren, ist unbekannt. „Zur Finanzierung der Untergrundaktivitäten wurden bewaffnete Überfälle auf Banken und andere Geldeinrichtungen verübt. Auf diese Weise wurden gültige Zahlungsmittel erlangt. Da aber ein solches Banditentum durch große Teile der ukrainischen Bevölkerung nur geringe Anerkennung und Unterstützung fand, wurde durch die OUN und UPA Geldersatz-Belege für freiwillige und erzwungene Geld- und Sachspenden ausgegeben. Diese Belege sollten den Eindruck vermitteln, Wertgutscheine zu sein. Diese Wertgutscheine wurden allgemein „Bifoni“ oder auch „Bofoni“ genannt.“ [2] Die ersten „Bofoni“, die noch auf keinen konkreten Wert lauteten, sollen bereits 1939 ausgegeben worden sein. Die OUN versprach, nach ihrem Sieg diese gegen Geld einzutauschen. Trillenberg schreibt unter Berufung auf ukrainische Kataloge, dass 223 verschiedene Bofoni von 1939 bis 1952 ausgegeben worden seien, die auf Reichsmark, Zloty, Karbowanez, Rubel, aber auch D-Mark, Schilling und Dollar lauteten. [3] Im Gegensatz zu den im Krieg emittierten Bofoni, die in der Regel im Untergrund mit einfachsten Mitteln – z. B. im Linolschnitt sowie mit Matrizen aus Gummi oder Leder – hergestellt wurden, ist der Schein, der 1949 zum 20. Jahrestag der Organisation produziert wurde, sorgfältig ausgeführt. Der 117 mm x 66 mm große Schein ist vollkommen in ukrainischer Sprache abgefasst und lautet auf 1 Schilling. Er wurde in England auf Papier mit Wasserzeichen gedruckt. Die Vorderseite zeigt holzschnittartig das Wappen der OUN-B sowie auf dem Schaurand die Wertzahl „1“ und die fünfstellige Kontrollnummer. Auf der Rückseite sind zwei Soldaten mit Maschinenpistolen vor dem Hintergrund einer orthodoxen Kirche abgebildet. Das Brustbild auf dem Schaurand dürfte Stepan Andrijowytsch Bandera zeigen. Trotz der geldscheinartigen Ausführung handelt es sich hier um einen Spendenschein. [1] WIKIPEDIA: Organisation Ukrainischer Nationalisten. [2] Wilfried Trillenberg, Die Ukraine heute. Ihr Geldwesen in den weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Umbrüchen des letzten Säkulums, Berlin 2005, S. 233. [3] Ebenda, S. 235. Uwe Bronnert

  • Die Geldzeichen der Autonomen Albanischen Republik Korçë

    Die Geschichte Albaniens wurde viele Jahrhunderte von fremden Herrschern bestimmt. Während sich im 19. Jahrhundert die Nachbarvölker vom türkischen Joch befreiten, blieb Albanien osmanische Provinz. Die Stadt Korça (griechisch Korytsa) entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum der albanischen Nationalbewegung. So entstand hier die erste Volksschule, in der muslimische und christliche Jungen gemeinsam auf Albanisch unterrichtet wurden. Zu Beginn des Ersten Balkankriegs 1912 wurde die historisch griechische Region Epirus von Griechenland besetzt [1] und in Süd-Albanien herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände, die viele albanische Einwohner aus Korça zur Auswanderung in die Vereinigten Staaten veranlassten. Nach der albanischen Unabhängigkeit beanspruchte Griechenland Korça und die Region für sich und ließ seine Truppen im März 1913 in die Stadt einrücken. Im Dezember 1913 legten die Großmächte die Grenzen des Fürstentums Albanien fest und das Gebiet kam zu Albanien, sodass die Griechen auf Druck der Großmächte einige Monate später abziehen mussten. Bereits im Oktober 1914 besetzten jedoch die Griechen das Gebiet erneut und blieben dort bis zum Sommer 1916. Obwohl Albanien während des Ersten Weltkriegs Neutralität wahrte, besetzte eine italienische Expeditionstruppe am 28. Dezember 1914 – noch vor ihrem Eintritt in den Krieg – den Hafen von Vlorë (Valona) und südliche Landstriche des Fürstentums. Die österreichisch-ungarische Armee marscheirte im Frühjahr 1916 in Nord-Albanien ein und das Königreich Bulgarien besetzte die östlichen Teile des Landes einschließlich der Stadt Elbassan, die später an Österreich-Ungarn übergeben wurde. Am 18. August 1916 eroberte die bulgarische Armee auch Korça und vertrieb die griechische Garnison aus der Stadt. Wahrscheinlich versuchten die Bulgaren, sich den österreichischen Truppen zu einem gemeinsamen Angriff auf die italienische Armee anzuschließen. Der französische Befehlshaber der Armée d’Orient, General Sarrail, war im Herbst 1916 besorgt über die Spannungen, die zwischen den Venizelisten [2], den albanischen Banden sowie großen Teilen der Bevölkerung von Korça herrschte. Dies bedrohte seine linke Flanke, die nicht wirklich eine Front war. Um die militärische Aktion im 100 km entfernten Gebiet von Monastir vorzubereiten, musste er auch die Stadt Korça kontrollieren, die etwa 40 km von der griechisch-albanischen Grenze entfernt am Maliksee liegt. Zu diesem Zweck entsandte er Ende November 1916 Colonel Descoins mit dem 242. Infanterie-Batallion nach Korça, das Ende Dezember durch das 13. Territoriale Infanteriebataillon, das 2. Indochinesische Marschbataillon, zwei Staffeln afrikanischer Kämpfer und eine Artillerie-Abteilung abgelöst wurde. Descoins setzte einen einheimischen Verwaltungsrat ein, der unter militärischer Aufsicht arbeitete. So entstand im Laufe des Jahres 1917 die Autonome Albanische Republik Korçë. Zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung bauten die Franzosen eine albanische Gendarmerie auf, führten ein neues Strafgesetzbuch und Gerichte ein; ein Amt für religiöse Angelegenheiten regelte das Verhältnis zwischen der muslimischen und griechisch-orthodoxen Bevölkerung. Einnahmen generierte man durch Einkommen- und Stempelsteuern. Eigene Briefmarken und Geldscheine wurden ausgegeben. Gleichzeitig eröffnete die Militärverwaltung ein Krankenhaus, das sich sowohl um das Militär als auch um die Bevölkerung kümmerte. Am 1. März 1918 erweiterten die Franzosen ihren Herrschaftsbereich um das Gebiet von Pogradec. Von dort aus begann im September 1918 die siegreiche Offensive. Wie bereits erwähnt, wurde eigenes Geld ausgegeben. Die erste Geldschein-Emission datiert vom 1. Februar 1917 und lautete über ½ und 1 Franc (Albanisch: Frange). Ausgegeben wurden Geldscheine im Wert von 30.000 Francs. Beide Nominale sind 117 x 71 mm groß (dies gilt auch für die späteren Ausgaben) und unterscheiden sich lediglich in der Farbe und der Wertangabe. Der Hauptdruck beider Scheine ist braun. Während der Unterdruck zu ½ Franc grün ist, ist der zu 1 Franc hellblau. Überschrieben sind die Nominale mit „SHQIPËRIË VETQEVERITARE“, was so viel wie „Autonomes Albanien“ heißt. In der Scheinmitte befindet sich der doppelköpfige albanische Adler, links und rechts davon in einem Kreis die numerische Wertangabe. Darunter auf der linken Seite ist der fünfzeilige französische Text, gefolgt von einer faksimilierten Unterschrift, zu lesen: „A VUE AU PORTEUR LA DIRECTION DES FINANCES PAIERA LA SOMME DE UN bzw. DEMI FRANC LE DIRECTEUR DES FINANCES“. Rechts neben dem Adler ist der entsprechende albanische Text mit der entsprechenden faksimilierten Unterschrift abgedruckt. Unter dem Adler sind noch „KORÇE“ sowie die Datumsangabe, z. B. „1-2-17“, zu erkennen. Das Ganze ist in einem Schaurahmen eingefasst. Am unteren Rand links ist die Angabe „GRAVEUR. DAVIER“ und rechts für die Druckerei „IMPR. A. A. VANGHELI – KORYTZA“. Letztere verwendete also den griechischen Ortsnamen. Anzumerken ist noch, dass der Soldat Davier, der die Gravur ausführte, ein Schüler des berühmten Louis-Oscar Roty [3] war. Die Kontrollnummern kommen sowohl in schwarzer, wie auch violetter Farbe vor. Die Schein-Rückseite gibt den Wert in Ziffern sowie in französischer und albanischer Sprache wieder. Zusätzlich erhielten die Scheine oben rechts einen runden Stempelabdruck: Doppelköpfiger Adler mit der Umschrift „ZYRA E FINANCES KORÇE“ (= Büro für Finanzen Korçe). Mit Datum vom 25. März 1917 wurden die gleichen Werte mit dem Serienbuchstaben „B“ ausgegeben und am 10. Oktober 1917 folgten Scheine mit dem Buchstaben „C“. Bei dieser Ausgabe wurde der Emittent in „REPUBLIKA SHQIPETARE (Republik Albanien)“ geändert. Der Gesamt-Ausgabebetrag betrug hier 20.000 Francs. Maurice Kolsky schreibt, dass noch eine Ausgabe vom Februar 1918 gemeldet worden ist, die bisher allerdings noch nicht nachgewiesen sei. [4] Kolsky gibt in seinem Katalog noch drei weitere Ausgaben zu Gjysmë (½) und Një (1) Frange in gleichem Format, aber neuem Design an: 1. November 1918 (Serienbuchstabe A), 1. Dezember 1918 (Serienbuchstabe B) und 10. Dezember 1918 (Serienbuchstabe C). Der Textaufdruck ist ausschließlich in albanischer Sprache abgefasst und die Rückseite zeigt eine Ansicht von Tirana. Ferner kennt er eine französische Militärausgabe (Territore de Koritza) vom März 1920 zu „Cinquente Centimes“ und „Un Franc“, die von „Le Lieutenant-Colonel / Commandant du Territoire“ unterzeichnet sind. Außerdem erwähnt er noch zwei weitere Emissionen, deren Existenz jedoch fraglich sind. [5] Bis zum 22. Mai 1920 bestand die französische Militärverwaltung, bevor sie auf die albanischen Behörden übertragen wurde. Die Franzosen verließen die Region endgültig am 15. Juni 1920. [6] --------------------------------- [1] Im Verlauf des Ersten Balkankriegs mussten die Osmanen Makedonien, Adrianopel und Saloniki räumen. Neun Zehntel Albaniens wurden von serbischen, griechischen und montenegrinischen Truppen besetzt. Über die Beute gerieten die ehemaligen Verbündeten in Streit. Als Folge des Zweiten Balkankriegs (1913) musste Bulgarien seine Erwerbungen an Griechenland, Serbien und die Türkei abgeben. Albanien erklärten die Großmächte zu einem unabhängigen Fürstentum. Der deutsche Fürst Prinz Wilhelm von Wied [* 26.3.1876 Neuwied, † 18.4.1945 Predeal, Rumänien] wurde für kurze Zeit albanischer Souverän. Nach nur 200 Tagen verließ er am 3. September 1914 das Land. [2] Der Venizelismus – benannt nach dem griechischen Premierminister Eleftherios Venizelos – war eine der bedeutendsten politischen Strömungen in Griechenland vom 20. Jahrhundert bis etwa 1965. [3] Louis Oscar Roty [* 11. Juni1846 in Paris; † 23. März 1911 ebenda] zählte zu den bekanntesten Medailleuren Frankreichs. [4] Maurice Kolsky, Le Papier-Monnaie de Sièges et de Campagnes de l’Armée Française, Collection Histoire du Papier-Monnaie Français, Volume 9, Paris 1998, S. 121 – 128. [5] Emission vom 1. April 1920 (½ und 5 Francs) sowie vom 1. August 1920 (1 Franc). [6] Nach Kriegsende war Albaniens staatliche Selbständigkeit lange Zeit ungewiss – zu begehrlich waren die Blicke der Nachbarstaaten. Erst die Aufnahme in den Völkerbund am 17. Dezember 1920 sicherte den staatlichen Fortbestand Albaniens, dessen Grenzen die Botschafterkonferenz am 9. November 1921 endgültig festlegte. Die inneren Verhältnisse blieben aber verworren. Seit den Tagen Wieds war es formal immer noch eine Monarchie. Die Nationalversammlung beschloss am 21. Januar 1925, Albanien in eine Republik umzuwandeln. Nur zehn Tage später wählte sie Amet Zogu [*8.10.1885 Burgajet, Albanien; † 9.4.1961 Suresnes, Frankreich] zum Staatspräsidenten. Das Amt war praktisch mit unbeschränkten Vollmachten ausgestattet. Uwe Bronnert

  • Serbische Dinar-Banknoten-Fälschungen Made in USA?

    1990 stieß Herbert A. Friedman zum ersten Mal auf ein Päckchen mit etwa 100 Banknoten zu 50 Dinar der Serbischen Nationalbank vom 1. Mai 1942. Die Verkäuferin, die Witwe eines verstorbenen Fliegers aus dem Zweiten Weltkrieg, behauptete, dass es sich bei den Banknoten um staatliche Fälschungen handele, die ihrem Mann anlässlich eines Einsatzes über Jugoslawien ausgehändigt worden seien. Für den Fall, dass er dort abgeschossen würde, sollten sie dazu dienen, um Einheimische zu bestechen und um Vorräte bezahlen zu können. Allerdings gab es keinen Beweis für eine solche US-Operation. Dann wurde eine weitere Note aus dem Nachlass eines verstorbenen Fliegers angeboten. Wieder wurde die gleiche Geschichte über die Herkunft des Geldscheins erzählt. Ferner hatte nach Friedman der Autor und Historiker John A. Nagy etwa 100 dieser serbischen 50-Dinara-Noten im Nachlass. Er hatte die Originalverpackung mit folgender handschriftlicher Notiz versehen: "Counterfeits printed by U.S. Government to destabilize Yugo. Currency, given to U.S. pilots in case of a crash landing.“ Obwohl nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, dass diese Banknoten von der OSS [Office of Strategic Services (deutsch: Amt für strategische Dienste) war von 1942 bis 1945 ein Nachrichtendienst des Kriegsministeriums der Vereinigten Staaten] oder einem anderen Geheimdienst hergestellt wurden, sprechen einige Indizien dafür. Allerdings wurden noch keine offiziellen Dokumente gefunden, die besagen, dass Behörden der USA die serbische Währung gefälscht haben. Die Fälschungen sind von ausgezeichneter Qualität. Die zuerst angebotenen Scheine hatten die roten Kontrollnummern M.0234/101 bis M.0234/200; das zweite Angebot die Nummer M.234/499, was bedeutet, dass sie aus dem gleichen Druck stammen. Zwischenzeitlich kamen weitere Banknoten ans Licht, die sich innerhalb dieses Nummernkreises bewegen. Die Falsifikate unterscheiden sich von den Originalen nur durch wenige, kaum wahrnehmbare Merkmale. Auf der Vorderseite ist beim Original der horizontale Querstrich im Buchstaben „A“ des Ausgabedatums „1 MAJ 1942“ vollkommen horizontal ausgerichtet, während er bei der Fälschung leicht schräg ist. Ferner ist die Zahl „9“ beim Original leicht gebrochen, bei der Fälschung dagegen vollkommen glatt. Besonders sichtbar ist ein Unterschied auf der Rückseite. Am unteren Ende der Note befindet sich ein kleines Kästchen, in dem der erste kyrillische Buchstabe unten links einen Bruch hat, während der Buchstabe bei der echten Note perfekt ist. Nach Zeljko Stojanovic wurde die Original-Banknote am 28. Juli 1944 in Umlauf gesetzt. Dies würde bedeuten, dass die Falsifikate wohl erst im Herbst zur Verfügung standen. Am 15. Oktober 1944 wurde bereits Belgrad von der Roten Armee befreit. Die Fälschungen dürften daher kaum Bedeutung für den Kriegsverlauf gehabt haben. Text und Abb. Uwe Bronnert Literatur: SGM Herbert A. Friedman (Ret.), WWII Allief Propaganda Banknotes, http://www.psywarrior.com./WWIIAlliedBanknotes.html Zeljko Stojanovic, Papirni Novac Srbije i Jugoslavije – Das Papiergeld Serbiens und Jugoslawiens – Paper Money of Serbia and Yugoslavia, Beograd 1996.

  • Anmerkungen zu einer „Note“ des Tesoría Nacional de Puerto Rico vom 4. Mai 1813

    Tesoreria Nacional de Puerto Rico, 4. May 1813, 25 Pesos, Vorder- und Rückseite Ende des 18. Jahrhunderts wurden in den spanischen Kolonien Amerikas erste Stimmen laut, die eine Loslösung vom Mutterland forderten. Die hier entstehenden revolutionären Bewegungen wurden durch die Schwächung Spaniens während der Napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel begünstigt und führten schließlich zum Zusammenbruch des spanischen Reichs auf dem amerikanischen Kontinent. Einzig Kuba und Puerto Rico verblieben unter spanischer Herrschaft. Als am 16. September 1810 Mexiko die Unabhängigkeit erklärte, hatte dies auch direkte Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben und Geldwesen Puerto Ricos, da die Insel nunmehr nicht mehr von der königlichen Kasse in Mexico finanziell unterstützt wurde. Die Haushaltslage verschlechterte sich dramatisch, da man nicht nur die Ausgaben der spanischen Garnisonen, die an der Eroberung Santo Domingos teilgenommen hatten, tragen musste, sondern weil darüber hinaus Handel, Industrie und Landwirtschaft am Boden lagen. Gouverneur Salvador Meléndez Bruna setzte daher alle Mittel ein, um den völligen Ruin des Landes zu verhindern. Er bat in Caracas, Mexiko und Havanna um finanzielle Unterstützung, verkaufte Staatsgüter und führte neue Steuern ein. Dennoch war der wirtschaftliche Niedergang nicht zu verhindern. In dieser Situation schlug der Contador Puerto Ricos, Juan Patiño, der Real Junta Hacienda (Vorstand des königlichen Schatzamtes) die Schaffung von Papiergeld vor. Dies stieß auf Einwände des Sindico (Treuhänder) Francisco Hernandez, des Fiscal Interino Dr. Juan Oliver, der wichtigen Kaufleute von San Juan und der Militärchefs. Andererseits sprach sich das Rathaus von San Juan, das Kirchenkapitel, Bischof Arizmendi, der Schatzmeister Bacener und der Fiscal de Hacienda Valldejuli für die Papiergeldausgabe aus, während Erstere andere weniger drastische Maßnahmen bevorzugt hätten, darunter die Reduzierung aller im Umlauf befindlichen Münzen, wie dies auf den Kleinen Antillen in Zeiten der Not der Fall war. Das Schatzamt (Junta de Real Hacienda) beschloss schließlich am 13. August 1812 die Ausgabe von Papiergeld. Gemäß Dekret vom 31. August betrug die Erstausgabe 80.000 Pesos in Noten von einem und zwei Reales und vier Pesos. Der Peso wurde hierbei zu acht Reales gerechnet. In der Zeit von September 1812 bis September 1813 wurden insgesamt acht Gutscheinausgaben im Wert von einer halben Million Pesos emittiert: 52.000 Scheine zu 4 Pesos, 233.500 zu 8 Reales, 56.000 zu 4 Reales, 82.008 zu 2 Reales, 63.984 zu 1 Real und 32.500 zu einem halben Real. Sobald die Papierwährung in Umlauf gelangte, begann ihr Wertverfall. Mitte 1814 betrug ihr Wert nur noch ein Drittel des Nominalwerts. Um weitere Einnahmen zu generieren, gab 1813 das Schatzamt (Tesorería Nacional) eine Anleihe zu 25 Pesos mit einer Laufzeit von einem Jahr und vier Monaten und einem Zinssatz von 6 Prozent aus. Die Anleihe wurde auf Büttenpapier gedruckt und hat die Maße 200 mm x 315 mm. Das Dokument wurde handschriftlich mit dem Namen des Anlegers, dem Ausstellungsdatum und laufender Nummer vervollständigt. Der Urkundentext nennt die Rechtsgrundlage der Ausgabe und verbrieft dem Anleger einen Zinsanspruch in Silber. Wie die „Vales Reales de la Península“ des Mutterlandes, konnten sie durch Vermerk übertragen werden, sodass sie in gewisser Weise dem Papiergeld gleichgestellt waren. Obwohl nicht überliefert ist, ob ihre Annahme wie die der „Vales Reales“ unter bestimmten Bedingungen obligatorisch war, kann davon ausgegangen werden, da sie eine entsprechende handschriftliche Verpflichtung des Schatzmeister D. Juan Patiño, des Contador José Bacener sowie des Bürgermeisters D. Alejandro Ramírez tragen. 1814 gab man eine weiter Serie von Geldscheinen zu zwei Reales, drei und fünf Pesos aus und 1815 folgten Scheine zu drei und fünf Pesos, die bei der 1795 gegründeten Druckerei Murray, Draper, Fairman & Co in Philadelphia (Vereinigte Staaten) gedruckt wurden. Das frühe Papiergeld Puerto Ricos ist ausgesprochen selten und erzielt besonders in den USA hohe Preise. Einzig die Anleihe aus dem Jahr 1813, von der in Spanien 2002 ein Lot von etwa 10 Exemplaren aufgefunden wurde, wird manchmal angeboten. Literatur: Luis Antonio Rodríguez Vázquez, Catálogo del Papeö Moneda de Puerto Rico (Emisiones Oficiales y Privadas), (1766 – 1933), Editiorial Arybet, Ponce, Puerto Rico 2006. Uwe Bronnert

  • „Eidgenossen, wacht endlich auf!“

    Propagandaaufdrucke auf deutschen Inflations-Banknoten durch den schweizerischen, nationalsozialistischen Volksbund Ende der 1920er und namentlich in den frühen 1930er Jahren wuchs auch in der Schweiz die Kritik an der herkömmlichen Demokratie und vor allem an der als individualistisch-kapitalistischen empfundenen Wirtschaftsstruktur des Landes. „Die Entwicklung antidemokratischer Bewegungen in den Nachbarländern – italienischer Faschismus, deutscher Nationalsozialismus, autoritäre christlichsoziale Bewegung in Österreich, Action Française – wirkte sich .. stimulierend auf eine solche Kritik aus.“1 Die Weltwirtschaftskrise traf auch die Schweiz schwer, sodass die Exportindustrie bis 1934 auf ein Drittel ihres bisherigen Volumens sank und der Fremdenverkehr schrumpfte etwa auf die Hälfte. Die Zahl der Arbeitslosen stieg bei sinkenden Löhnen und steigenden Preisen bis 1936 auf 124.000. Wie in Deutschland erhielt die extreme Rechte hierdurch Auftrieb. In der Schweiz, insbesondere im deutschsprachigen Teil, fand der deutsche Nationalsozialismus nach Hitlers Machtübernahme durchaus begeisterte Anhänger, die sich in „Fronten“ (politische Gruppierungen, Parteien) zusammenschlossen. Diese Bewegung rekrutierte ihre Anhänger einerseits aus den antikommunistisch und antisozialistisch eingestellten Bürgerwehren, die im Sommer 1919 den Landes-Streik in Basel und Zürich bekämpften und andererseits aus den nationalkonservativen und häufig auch antisemitischen, rechtsstehenden bürgerlichen Parteien. Die einflussreichste Gruppe innerhalb der zersplitterten und sehr vielfältigen Fronten-Bewegung war die Nationale Front, die im Herbst 1933 bei den nationalen Wahlen in Zürich deutlich den Sprung in den Schweizer Nationalrat schaffte und auch in Schaffhausen 27 % der Stimmen bei der Ständeratsersatzwahl errang. Insgesamt gelang es der Frontbewegung 125 Gemeinderatsmandate zu erobern. Am 5. Oktober 1933 lösten sich Teile der Orts-Sektionen von Basel und Solothurn von der Nationalen Front und gründeten den Volksbund, dem sich Gruppen aus den Kantonen Bern, Aargau und Luzern anschlossen. Gauführer von Basel und Solothurn wurde Major Ernst Leonhardt. Der Volksbund vertrat eine besonders deutschfreundliche Politik und war stark antisemitisch. Bereits am 11. März 1934 kam es zur Spaltung des Volksbundes. Zwei führende Aktivisten, Oberst Emil Sonderegger und Hans Bosshard, verließen den Volksbund und schlossen sich der Volksfront an. Im August 1934 traten Mitglieder des Nationalsozialistischen Eidgenössischen Kampfbundes dem Volksbund bei. Im Februar 1935 folgten die Mitglieder der Nationalsozialistischen Eidgenössischen Arbeiterpartei (NSEAP) / Bund Nationalsozialistischer Eidgenossen (BNSE). Daraufhin nannte sich der Volksbund in Nationalsozialistische Schweizerische Arbeiterpartei (NSSAP) um. Im Oktober 1938 verbot der Bundesrat Kundgebungen der NSSAP und am 10. November auch die Parteizeitung, deren Verkauf bereits seit dem 15. November 1935 am Zeitungskiosk verboten war und nur noch per Post verschickt werden durfte. Am 10. Dezember löste Leonhardt die NSSAP auf und flüchtete im März 1939, da ihm ein Prozess vor dem Bundesgericht drohte, in das benachbarte Deutsche Reich.2 Zu Propagandazwecken ließ der Volksbund die Rückseite freier deutscher Reichsbanknoten aus der Inflationszeit überdrucken (siehe Abbildung). Die Abbildungen des 10-Millionen-Mark-Scheins vom 22. August 1923 und des 50-Millionen-Mark-Scheins vom 25. Juli 1923 mit dem Aufdruck sind bei Jürg Richter und Ruedi Kunzmann sicherlich nur als Beispiele anzusehen, wie die hier abgebildete Note zu 5 Millionen vom 20. August 1923 belegt.3 Die beiden erst genannten Werte haben zusätzlich am unteren Rand den Vermerk „Buchdr. Zentrum, Weisse Gasse 5, Basel“. Dieser fehlt beim Wert zu 5 Millionen Mark wegen des fehlenden Platzes. Die zeitliche Zuordnung in die „frühen Zwanziger-Jahre“ im Katalog ist jedoch unzutreffend, da der Volksbund nur von Oktober 1933 bis (Februar?) 1935 bestand. 1) Peter Gilg und Erich Gruner, Nationale Erneuerungsbewegungen in der Schweiz 1925 – 1940, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 14. Jahrgang 1966, S. 6. 2) Nach Wikipedia, Volksbund (Schweiz): https://de.wikipedia.org/wiki/Volksbund_(Schweiz) 3) Jürg Richter und Ruedi Kunzmann, Die Banknoten der Schweiz, Regenstauf 2003, S. 567, Kat.-Nr. KU11 a) und b). Uwe Bronnert

  • Hitlers Tausendjähriges Reich: Mysteriöse 10-Reichsmark-Note (1929)

    Die alliierten Streitkräfte wie auch die deutsche Wehrmacht führten im Zweiten Weltkrieg einen erbitterten Propaganda-Krieg, um Zivilisten und Soldaten der gegnerischen Seite im eigenen Sinne zu beeinflussen. Ein Mittel hierbei waren Flugblätter (engl. Leaflet), von denen Millionen über dem Gebiet des Feindes und an der Front abgeworfen wurden. Für den Papiergeldsammler sind hierbei zweifellos die Flugblätter interessant, bei denen Banknoten Pate standen. Mehr als 100 verschiedene „Geldscheine“ druckten und verteilten beide kriegführenden Parteien. Die Propaganda-Experten setzten auf die psychologische Wirkung des nachempfundenen „Geldes“. Wer bückt sich nicht nach einem Geldschein? Und – warum sollte die Reaktion hier anders sein, dienten nicht Banknoten von alters her in der Werbung dazu, die Aufmerksamkeit beim „Umworbenen“ zu wecken? In den meisten Fällen ist bekannt oder leicht zu erkennen, wer hinter dem Propaganda-Druck steht. Anders bei dem Flugblatt mit der abgebildeten 10-Reichsmark-Banknote vom 22. Januar 1929. Die Vorderseite unterscheidet sich deutlich von der echten Note. Auf den ersten Blick sieht der Betrachter, dass es sich um eine Reproduktion handelt. Das Papier ist grün statt weiß. Der grüne Druck ist unsauber ausgeführt, es fehlt die rote Einfärbung in der Scheinmitte, ferner ist keine Kontrollnummer vorhanden. Allerdings haben sie die gleiche Größe wie die Originale und das feste Papier weist ein Flächenwasserzeichen auf, das wie ein gewebter Stoff erscheint. Statt des bekannten Rückseiten-Designs findet sich ein gedruckter siebenzeiliger Text, dessen Vorlage mit Hilfe einer Schreibmaschine geschriebenen wurde (siehe Abb.). Wegen der schlechten Druckqualität des Flugblatts und natürlich der vielen Rechtschreibfehler zweifeln nicht wenige Forscher und Sammler die Authentizität des Scheins an. Herbert A. Friedman, ein anerkannter US-amerikanischer Experte, meint, dass die Briten das Flugblatt absichtlich auf diese Weise gestaltet haben könnten, um die deutschen Behörden zu verwirren und sie glauben zu lassen, dass hier eine anti-nazistische Untergrundbewegung am Werk gewesen sei. Ferner spräche für eine britische Produktion, dass der Propaganda-Text auf der Rückseite genauso maschinengeschrieben ist wie auf den Behelfsgeldscheinen der deutschen Wehrmacht zu 50 Pfennig, die in der „Fälscherwerkstatt“ der britischen Psychological Walfare Executive hergestellt wurden. Bekanntlich hatte man dort mindestens sechs deutsche Schreibmaschinen zur Verfügung. Auch wenn es dafür keinen Beweis gibt, sollen die Scheine irgendwann 1944 in Deutschland verteilt wurden sein. Literatur:SGM Herbert A. Friedmann (Ret.), Axis Propaganda Currency of WWII. http://www.psywarrior.com./WWIIGermanBanknotes.html Uwe Bronnert

  • Die Wetzelsdorfer Falschmünzerschande

    „VERHINDERT DIE WIEDERHOLUNG DER / WETZELSDORFER FALSCHMÜNZERSCHANDE / WÄHLT / SOZIALDEMOKRATISCH“; dieser mysteriöse, rote, vierzeilige Text findet sich auf der Rückseite eines Scheins, der der tschechoslowakischen Staatsnote zu 500 Kronen vom 6. Oktober 1923 nachempfunden ist. Statt des kleinen Staatswappens ist auf der linken Vorderseite Dr. Ahrer abgebildet und rechts statt des Kopfbildnisses eines Legionärs Dr. Rintelen. Die Vorderseite enthält zusätzlich noch die folgenden roten Aufdrucke: am oberen Rand „§ 118, § 119, § 120, § 121 österreichisches Strafgesetzbuch“ und im unteren Feld „FALSCHMÜNZEREI 5 bis 10, 10 bis 20 JAHRE SCHW. KERKER“. Es werden also die Paragraphen angegeben, nach denen Falschmünzerei in Österreich bestraft wurde und zusätzlich auch das dazugehörige Strafmaß. Die Botschaft dieses 240 mm x 114 mm großen Papiers erschließt sich dem heutigen Betrachter nicht so leicht, weil in ihr mehrere Ereignisse verwoben sind. Zunächst, bei dem Schein handelt es sich um eine sozialdemokratische Wahlpropaganda anlässlich der Wahl des steirischen Landeshauptmanns im Jahr 1926. Auf dem Schein werden drei Personen namentlich genannt. Als Verantwortliche des Flugblattes zeichneten am unteren Rand der Rückseite „Stanek, Graz, Marieng. 16“. Josef Stanek (* 1883; † 17. Februar 1934) war österreichischer Politiker und Metallarbeitergewerkschafter. Er gehört zu jenen neun Personen, die nach den österreichischen Februarkämpfen 1934 zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. Dr. Anton Rintelen (* 15. November 1876 in Graz; † 28. Januar 1946 ebenda) spielte eine oft dubiose und bis heute schwer zu beurteilende Rolle in der Politik der Ersten Republik. Von 1919 bis 1926 und von 1928 bis 1933 war er steirischer Landeshauptmann. Vom 27. Mai 1919 bis 1. Dezember 1924 war sein Stellvertreter Dr. Jakob Ahrer (* 18. November 1888 in Sankt Stefan ob Leoben; † 11. März 1962 in Wien). Was hat es nun mit dem Falschmünzer-Vorwurf auf sich? Dazu muss man einige Jahre zurückgehen. Ebenso wie ein großer Teil der deutschen Bevölkerung mit dem Versailler Vertrag haderte, so empfanden auch viele Österreicher die Bestimmungen des Friedensvertrages von Saint-Germain vom 10. September 1919 als ein Verbrechen am Selbstbestimmungsrecht. Nicht die Siedlungsverhältnisse, sondern geographische und strategische, wirtschaftliche und verkehrspolitische Wünsche der Anrainerstaaten entschieden oft genug über die staatliche Zugehörigkeit. Nicht nur die vielen verstreuten deutschen Sprachinseln wurden den neu gebildeten „Nationalstaaten“ einverleibt, sondern auch geschlossene mit „Deutsch-Österreich“ zusammenhängende deutsche Siedlungsgebiete, wie das Sudetenland. Die Tschechoslowakei vereinnahmte die ehemaligen Kronländer Böhmen, Mähren und Schlesien ungeteilt. Nach der Volkszählung von 1921 lebten hier neben 8,761 Mio. Tschechen und Slowaken auch 3,1 Mio. Deutsche (23 %), die damit die Anzahl der Slowaken überstiegen, sowie große Minderheiten von Magyaren, Roma, Russinen, Ukrainern, Juden und Polen. Der Regierung des neuen Staats, in dem zunächst die Währung der untergegangenen k. und k. Monarchie weiter galt, war bemüht, möglichst schnell die Währungskontrolle zu erlangen. Daher wurden am 25. Februar 1919 um 24 Uhr alle Grenzübergänge für den Personen- und Güterverkehr geschlossen. Auf dem tschechischen Gebiet wurden dann vom 3. bis 9. März und auf dem slowakischen bis zum 12. März die umlaufenden Banknoten bis zum 1000-Kronen-Nominal gestempelt. In der Zeit vom 7. Juli 1919 bis 26. Februar 1920 setzte dann die Bankabteilung des Finanzministeriums neue Geldscheine zu 1, 5, 10, 20, 50, 100, 500, 1000 und 5000 Kronen in Umlauf. Obwohl die Scheine zu unterschiedlichen Terminen emittiert wurden, datieren alle vom 15. April 1919. Sie ersetzten die alten gestempelten Noten der Oesterreichisch-Ungarischen Bank. Die meisten deutsch- und ungarisch-sprachigen Bürger lehnten das neue Staatswesen ab. Einige bekämpften – auch mit Unterstützung von Personen aus den Nachbarstaaten – den künstlichen Vielvölkerstaat. Dr. Julius von Mészáros, Professor an der Universität Budapest, sammelte Studenten und andere Personen um sich, um durch Fälschungen der neuen Noten die Wirtschaft der tschechoslowakischen Republik zu schaden. In Wetzelsdorf unweit von Graz mietete der Professor eine Druckerei an, in der im März 1921 die Produktion falscher 500-Kronen-Scheine begann. Die Falsifikate waren von so ausgezeichneter Qualität, dass ihr Absatz zunächst keine Schwierigkeiten bereitete. Dr. Anton Rintelen berichtet in seinen Memoiren über das Falschgeld das Folgende: „Im Mai 1921 wurde mir spät nachts durch Polizeidirektor Hofrat Kunz fernmündlich gemeldet, daß in Spielfeld ein Polizeischüler, der dorthin einen Ausflug gemacht hatte, bei einer Geldwechselstelle tschecho-slowakische Fünfhundert-Kronen-Noten habe umtauschen wollen. Der Inhaber habe Verdacht geschöpft und den Mann und die Banknoten sicherstellen lassen. Der Verhaftete sei samt den Banknoten der Polizeidirektion Graz überantwortet worden und habe erklärt, daß der frühere Oberleutnant Franz Huber [Sohn des seinerzeitigen Militärbevollmächtigten Huber], der eine führende Stellung in der Heimwehr bekleide, ihm die Banknoten mit dem Auftrage übergeben hätte, ihre Umwechslung zu besorgen. Auf das hin habe der Polizeidirektor Huber verhaften lassen. Dieser habe bei seiner Einvernahme angegeben, daß es sich um eine hochpolitische Angelegenheit handle, die mit dem Kampf der Deutschen gegen die Tschechen zusammenhänge. Da ich Huber, der in geordneten finanziellen Verhältnissen lebte, sehr gut kannte, ebenso auch seine nationale Begeisterungsfähigkeit, schien mir diese Verantwortung glaubwürdig, daher eine delikate Behandlung zweckmäßig, um so mehr, als heikle staatspolitische Gesichtspunkte nahelagen. Für den Fall des Beweises selbstloser nationaler Motive war ich entschlossen, den Mann zu retten. Da die Überprüfung der Noten durch einen Beamten der Zentralbank deutscher Sparkassen den Fälschungsverdacht nicht bestätigte, wurden die beiden Verhafteten entlassen. Kurze Zeit darauf ereignete sich in einem steirischen Landorte ein neuerlicher Versuch, Tschechenkronen umzuwechseln. Da die Wiener Polizeidirektion, wie ich inzwischen erfuhr, wegen einer Reihe ähnlicher Vorfälle Verhaftungen vorgenommen und Erhebungen eingeleitet hatte, ordnete ich an, daß der Verhaftete, namens Fauland, nicht nach Graz, sondern der Wiener Polizeidirektion zu überstellen sei. Spuren wiesen nach Wetzelsdorf in der Umgebung von Graz. Dort hatten die Teilnehmer an der eingangs erwähnten Aktion eine stillgelegte Kunstdruckerei erworben. In dieser waren die Fälschungen hergestellt worden. Die Wiener Polizeidirektion entsandte eine Kommission, um den Sachverhalt zu erheben. Der Mangel des Eigennutzes und national bedingte Motive wurden einwandfrei festgestellt. Nunmehr legte ich Huber, der neuerlich mitverwickelt worden war, nahe, ein Abolitionsgesuch einzubringen. Der Bundespräsident hat sodann die Einstellung des Verfahrens im Gnadenwege verfügt. Ein solcher Gnadenakt wurde auch den anderen Beschuldigten zuteil. Ich hörte später, daß Dr. Seipel im Hinblick auf die nationalen Beweggründe für die Abolition eingetreten sei.“[1] Richard Piermattei berichtet in seinem Aufsatz, dass die Wiener Polizei und Mitarbeiter des tschechoslowakischen Geheimdienstes intensiv den Wiener Finanzmarkt beobachtet haben. Ja, dass man selbst Falsifikate auf dem Schwarzmarkt erworben hätte, um an die Hintermänner heranzukommen. Im Juni 1921 wurden Mitglieder der Fälscherbande im Hotel Germania festgenommen. Bei dieser Aktion wurden in Koffern und Damenhutkästen über 60.000 Falsifikate gefunden und beschlagnahmt. Diese 30 Millionen Tschechoslowakische Kronen hatten einen damaligen Gegenwert von fast einer Million US-Dollars. Die Bankabteilung des Finanzministeriums in Prag sah sich schließlich gezwungen, die 500-Kronen-Scheine am 31. August 1922 vollständig aus dem Verkehr zu ziehen. Die meisten Exemplare der 500-Kronen-Note, die sich heute in Sammlungen befinden, dürften Fälschungen sein.[2] Einige Merkmale lassen auf eine Fälschung schließen. Im Gegensatz zu den Originalen weisen die Falsifikate kein Wasserzeichen auf. Im Text „DNE 10. DUBNA 1919 Č. 187 SB.“ ist der Haken über dem „Č“ unvollständig bzw. fehlt manchmal vollständig. Die Ziffern in der Serienbezeichnung weisen einen anderen Schnitt auf, der besonders bei den Serien 013 - 023, 025 - 029, 031, 039, 041, 066 zu sehen ist.[3] Einer, der bereits an der Fälschungsaktion in Österreich beteiligt war, wurde am 4. Januar 1926 in Ungarn verhaftet und vor ein Budapester Gericht gestellt. Prinz Ludwig Albrecht von Windischgrätz wurde beschuldigt, der Kopf der Fälscher von Banknoten der Banque de France zu 1000 Francs zu sein. Mit ihnen wollten er und seine Komplizen die französische Wirtschaft untergraben. Unterstützt wurde der Prinz von einflussreichen ungarischen Persönlichkeiten: Polizeipräsident, Kriegsminister, selbst der Ministerpräsident waren in den Plan eingeweiht. Gedruckt wurde das Falschgeld in den Räumen des Militär-Geographischen Instituts in Budapest, die Lagerung der fertigen Scheine übernahm der Landesbischof, den Vertrieb sollte der Präsident der Postsparkasse organisieren. Da die erste Prüfung der Falsifikate vernichtend ausfiel, das Papier wich vom richtigen Notenpapier zu stark ab, wollte man versuchen, die Noten in Holland abzusetzen. Generaloberst a. D. Jankovich reiste, im Diplomatengepäck das Falschgeld, nach Amsterdam und vermasselte alles. Bei dem Versuch die Falsifikate in einer Bank umzuwechseln flog er auf und wurde verhaftet.[4] Obwohl man sich in Ungarn bemühte, alle Spuren zu beseitigen, war schnell klar, wer hinter allem stand. Beim Gerichtsverfahren war Fingerspitzengefühl gefragt, musste doch die Regierung unbedingt aus der Sache herausgehalten werden. Angeklagte, die aussagen wollten, wurden von den Richtern zum Schweigen gebracht. Natürlich fielen die Urteile hart aus: Der Prinz musste vier Jahre ins Gefängnis und umgerechnet 600 RM Strafe zahlen. Die anderen Angeklagten erhielten Strafen zwischen einem und vier Jahren. „Bei der Urteilsbegründung versäumt es das Gericht jedoch nicht, den Angeklagten ‚hohe patriotische Gefühle‘ zu bescheinigen. Sie seien keine gemeinen Verbrecher, sondern ‚Opfer jenes katastrophalen Unglücks, dessen Folge die Zerstücklung Ungarns war‘.“[5] Es wundert nicht, dass alle Verurteilten bereits nach kurzer Zeit aus der Haft entlassen wurden. Natürlich griff auch die österreichische Presse die ungarische Falschgeldaffäre auf und berichtete, dass der „Ministerpräsident Graf Bethel im ungarischen parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Zusammenhang mit der Erörterung der Frankenfälschungen von der österreichischen Sokolfälschungsaffäre gesprochen und behauptet habe, daß die in der Sache geführten Erhebungen dargetan hätten, daß der ‚Sekretär‘ Huber des steirischen Landeshauptmannes mitgetan habe und daß die gefälschten Banknoten sogar im Auto des Landeshauptmannes befördert worden seien.“[6] Die Sozialdemokraten brachten daraufhin eine Interpellation im steirischen Landtag ein, um festzustellen, ob der Landeshauptmann und die Landesregierung in die Fälschungsaktion verwickelt seien. Am 19. Februar 1926 wurde schließlich ein Untersuchungsausschuss gebildet, der aus Vertretern aller Parteien bestand. Rintelen schreibt, dass der Ausschuss eindeutig festgestellt habe, dass er weder „persönlich .. [noch] die steirischen Regierungsbehörden als solche an diesen strafbaren Handlungen teilgenommen oder ihnen Vorschub geleistet haben.“[7] Dennoch scheuten die Sozialdemokraten nicht davor zurück, die Verleumdungen auf der besagten Propagandanote weiter zu betreiben. Uwe Bronnert [1] Anton Rintelen, Erinnerungen an Österreichs Weg, Versailles – Berchtesgaden – Großdeutschland, München 1941, S. 76 f. [2] Richard Piermanttei, Professor Dr. Meczarosz, The Patriot Counterfeiter, in: IBNS Journal, Volume 19 (1980), No. 3, S. 67 ff. [3] Vgl. http://www.mojazbierka.sk/index.php?m=bankovka&id=20. Stand: 26.07.2019, 11.30 Uhr. [4] Günter Wermusch, Falschgeldaffären, Frankfurt am Main 1988, S. 162 ff. [5] Ebenda, S. 173. [6] Anton Rintelen, S. 77. [7] Ebenda, S. 80. Quelle der Abbildung des Originals zu 500 Kronen vom 6.10.1923: http://www.mojazbierka.sk/index.php?m=bankovka&id=30 Quelle der Abbildung 500 Kronen vom 15.4.1919: http://www.mojazbierka.sk/index.php?m=bankovka&id=20

  • Die Lohnschecks des Norddeutschen Lloyd (1937/1938) – Scheck oder doch Notgeld?

    Am 31. Dezember 1937 wandte sich das Reichsbankdirektorium an den Reichsminister der Finanzen mit der Bitte zu prüfen, ob es sich bei den beigefügten gezogenen Schecks der Norddeutschen Lloyd um Notgeld im Sinne der Verordnung vom 30. Oktober 1931 (RGBl. I S. 669) handele. Dem Schreiben waren Kopien des Berichtes der Reichsbankhauptstelle Bremen vom 11. Dezember 1937, eine Aktennotiz über ein Gespräch mit Vertretern der Reederei, ein Rundschreiben an die „Gefolgschaftsmitglieder der Fahrgastschiffe“ vom November sowie eine Anzeige vom 3. Dezember in der Nordwestdeutschen Zeitung beigefügt. Vorausgegangen war eine Meldung der Reichsbanknebenstelle Wesermünde an die Reichsbankhauptstelle Bremen, die auf den 6. Dezember 1937 datiert ist. Darin berichtet diese, dass der Norddeutsche Lloyd seit dem 19. November die Heuer des Bordpersonals seiner Dampfer mit Schecks statt mit Bargeld zahle. Bei diesen Lohnschecks handele es sich um Einheitsscheckvordrucke des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes auf die Städtische Sparkasse Bremerhaven, die auf runde, aufgedruckte Beträge von 5, 10, 20 und 50 RM lauten. Diese Formulare habe der Norddeutsche Lloyd im Einvernehmen mit der Städtischen Sparkasse Bremerhaven selbst drucken lassen, wobei der Schecktext zur besseren Unterscheidung bei jedem Wert andersfarbig sei. Beim Scheck über 5 RM grün, bei 10 RM blau, bei 20 RM rot und beim Wert zu 50 RM schwarz. Die Ausstellerunterschrift laute: Norddeutscher Lloyd Bremen Geschäftsstelle Bremerhaven Heuerabrechnungsstelle Zwei Faksimileunterschriften Die Beamten der Reichsbanknebenstelle schätzten, dass beim Eintreffen der großen Dampfer „Bremen“ und „Europa“ mehrere Tausend solcher Schecks ausgegeben würden. Den Gesamtbetrag bezifferten sie dabei auf 50.000 bis 70.000 RM. Bei Ankunft der Ostasiendampfer „Potsdam“, „Scharnhorst“ und „Gneisenau“ wären die Zahlen etwas weniger. Nicht alle Schecks würden unmittelbar von den am Hafen liegenden Nebenstellen der Städtischen Sparkasse Bremerhaven bzw. den anderen Banken am Ort eingelöst. Ein großer Teil der Schecks gelange bei Einkäufen und Gaststättenbesuchen in den Zahlungsverkehr und gingen von dort ziemlich lange von Hand zu Hand, bevor sie eingelöst würden. Daher stelle sich die Frage, ob die (Lohn)schecks als Notgeld anzusehen seien. Nach § 1 Abs. 2 der „Verordnung über Notgeld“ vom 30. Oktober 1931 (RGBl. I S. 669) galten Schecks als Notgeld, wenn sie „bestimmt oder geeignet sind im Verkehr als Zahlungsmittel verwendet zu werden und durch Ausfüllen von Vordrucken ausgestellt werden, wenn in den Vordrucken bereits im Zeitpunkt der Ausgabe ein bestimmter oder bestimmbarer Geldbetrag … angegeben ist.“ Diese Merkmale trafen sicherlich auf die „Lohnschecks“ des Norddeutschen Lloyds zu: Sie waren Inhaberpapiere, konnten, da sie auf keine bestimmte Person ausgestellt waren, ohne Weiteres wie Papiergeld weitergegeben und auch von jeder Person eingelöst werden; sie lauteten auf feste Beträge, die zudem mit den Nominalen der Banknoten übereinstimmten; und schließlich wirkten sie durch die faksimilierten Unterschriften auf den Besitzer wie Ersatzgeld. Letzteres tritt umso deutlicher hervor, vergleicht man sie mit den Notgeldschecks der Städtischen Sparkasse aus dem Jahr 1918. Ihre Ähnlichkeit ist frappierend. Einen zweiten Punkt bemängelte die Reichsbanknebenstelle, nämlich dass sämtliche Geschäftsstellen der Städtische Sparkasse an den Ankunftstagen der großen Dampfer ihre Schalter zwei Stunden länger – bis 19 Uhr – geöffnet hätten, ohne hierfür die Erlaubnis des Reichskommissars für das Kreditwesen eingeholt zu haben. Es sei anzunehmen, dass sich die Sparkasse durch die längere Öffnungszeit einen Wettbewerbsvorteil erhoffe, zumal die übrigen Banken in Bremerhaven keine Notwendigkeit für verlängerte Öffnungszeiten sähen. Der Aktennotiz zum Gespräch mit Reederei-Vertretern am 8. Dezember 1937 ist weiter zu entnehmen, dass man nicht nur mit der Städtischen Sparkasse Bremerhaven sondern auch mit der Dresdner Bank und der Norddeutschen Kreditbank übereingekommen war, entsprechende Lohnschecks auszustellen. Vorgetragene Bedenken der Reederei, dass die nicht handschriftlich – sondern mit Faksimile – unterzeichneten Schecks als Notgeld angesehen werden könnten, zerstreute die Städtische Sparkasse nach Rücksprache mit dem Giroverband und auch Vertreter der beiden Kreditinstitute sahen hierin keinen Hinderungsgrund für eine Ausgabe. An dieser Stelle ist noch anzumerken, dass sich in der Akte des Bundesarchivs nichts Weiters zu einer Beteiligung der beiden Banken an der Scheckemission finden lässt. Es ist daher anzunehmen, dass die Herstellung und Ausgabe dieser Scheck unterblieben. Die Reederei betonte, dass man zur Scheckausgabe nur deshalb geschritten sei, weil die Zollbehörde die Devisenkontrolle in Bremerhaven vom Schiff an den Schiffssteg verlegt habe. Dadurch sei eine Heuerzahlung an Bord in „Noten und Silber“ unmöglich geworden. Die deutschen Devisenbestimmungen würden weder die Ein- noch Ausfuhr von Reichsbanknoten erlauben und bei Münzen sei der Betrag auf 10 Reichsmark beschränkt. Das Schreiben der Reichsbanknebenstelle enthält auch einen Hinweis darauf, warum der Zoll die devisenrechtliche Kontrolle geändert hatte. „Die Maßnahme hat in erster Linie den Zweck, dem Bordpersonal die verbotene Verbringung deutschen Geldes aus dem Auslande in das Zollinland unter dem Vorwande, daß es sich um eben empfangene Löhne handele, unmöglich zu machen. Das Zollamt wiederum ist verschiedentlich von uns vertraulich gebeten worden, die Herkunft eingezahlter 1000 RM-Scheine nachzuprüfen. Die angestellten Ermittlungen der Zollfahndungsstelle haben dann ergeben, daß einige Scheine letzten Endes von Stewards des Norddeutschen Lloyds stammten. Es konnte jedoch nicht der Beweis geführt werden, daß die Scheine unrechtmäßigerweise aus dem Auslande eingeführt worden waren.“ Da die Reederei ein Verbot der Schecks befürchtete, reiste Anfang Januar 1938 ein Vorstandsmitglied des Unternehmens, Dr. Kulenkampff, zu einem Gespräch mit dem zuständigen Beamten im Reichsfinanzministerium nach Berlin, das jedoch nur teilweise Erfolg hatte. Zwar wurden die Schecks als Notgeld angesehen, jedoch wurde „mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten, die die Umstellung des Lohnzahlungsverfahrens mit sich bringt, und in der Erwägung, daß der Norddeutsche Lloyd ein anderes Verfahren nicht ohne weiteres durchführen kann, … von einer sofortigen Einziehung und Beschlagnahme der Scheckvordrucke und der noch umlaufenden Schecks ab[gesehen].“ Der Oberfinanzpräsident Weser-Ems in Bremen wurde angewiesen, eine anderweitige Zahlungsregelung binnen kürzester Frist in die Wege zu leiten. Das Schreiben des berichterstattenden Regierungsassessor Dr. Lietz vom 10. Februar 1938 an den Herrn Reichsminister der Finanzen macht die ganze Misere deutlich, in der sich die Reederei bei Ankunft der großen Fahrgastschiffe „Europa“, „Bremen“ und „Columbus“ befand. Bis zu 1000 Besatzungsmitglieder je Schiff sollten nun nach Überschreiten der Zollausschlussgrenze ihre Heuer bar erhalten, was natürlich mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden wäre. Die Reederei befürchtete dadurch untragbare Störungen des Schiffsbetriebs. Unter Zurückstellung aller Bedenken erklärte sie sich schließlich bereit, die Heuerzahlungen für die Angestellten der oben genannten Fahrgastschiffe an Land hinter die Zollausschlussgrenze zu verlegen. Das neue Verfahren sollte erstmalig am 18. d. Mts. bei der Ankunft der „Bremen“ angewandt werden. Die übrigen Bremerhaven anlaufenden Schiffe des Norddeutschen Lloyd, die etwa der Größenklasse der in Hamburg verkehrenden Schiffe entsprachen, sollten dagegen weiterhin gemäß dem sonst üblichen Verfahren nach Ankunft und vor Abfahrt devisenrechtlich behandelt werden. Damit erübrigte sich die weitere Verwendung der Lohnschecks. Ministerialrat Bayrhoffer untersagte daraufhin mit Schreiben vom 1. März 1938 dem Norddeutschen Lloyd die weitere Verwendung der Schecks. Ferner ordnete er die umgehende Vernichtung der noch vorrätigen Scheckvordrucke sowie den beschleunigten Einzug der noch im Umlauf befindlichen Schecks an. Bis zum 1. April 1938 hatte die Reederei über den Stand der Dinge zu berichten. Dies geschah mit Schreiben vom 31. März 1938. Danach waren nach dem 15. Februar keine Schecks mehr ausgestellt worden. Die noch vorhandenen Scheckformulare hatte die Städtische Sparkasse Bremerhaven vernichtet und 41 Schecks über zusammen 880 RM waren noch nicht eingelöst. Auf eine weiter Anfrage des Reichsfinanzministeriums teilte die Reederei am 22. Juni 1938 mit, dass 7 Schecks á RM 20,- = RM 140,- 2 Schecks á RM 10,- = RM 20,- 10 Schecks á RM 5,- = RM 50,- zusammen: RM 210,- noch ausstünden. Ob diese später noch eingelöst wurden, ist aus den Akten nicht zu entnehmen. Auch ist mir nicht bekannt, ob außer den Schecks im Bundesarchiv noch weitere Exemplare die Zeit überlebt haben. Quelle: Der Abhandlung liegen die Akten des Bundesarchiv Berlin, Bestand R2/14667, Bl. 0003 – 0027 zugrunde. Dies gilt auch für Abbildungen 1 – 8. Uwe Bronnert

  • Turner-Notgeld von Coblenz-Lützel (1921)

    Vor gar nicht langer Zeit erwarb ich eine Schulkladde mit Zeitungsausschnitten. Sie waren von einem Sammler von Serienscheinen aus der Coblenzer Zeitung und der Westdeutschen Sammler-Rundschau ausgeschnitten und fein säuberlich in das Heft geklebt worden. Obwohl die meist kurzen Meldungen nicht datiert sind, dürften sie in der Mehrzahl aus dem Jahr 1921 stammen. Vieles, was heute vergessen ist, wird durch sie wieder lebendig. So erfährt der Leser, welcher Künstler die Scheine entwarf, welche Druckerei sie herstellte, zu welchen Preisen sie abgegeben wurden und manch anderes Wissenswertes. Zwei dieser Meldungen betreffen Gutscheine des Turnvereins Coblenz-Lützel. Der Turnverein wurde im August 1891 gegründet. Geräteturnen, Gymnastik für Männer und Bewegungsspiele standen zunächst auf dem Programm. Wie zu der damaligen Zeit üblich, fand das Training in Sälen von Gaststätten statt. Die Turner des TV Lützel trafen sich in der Gaststätte Suderland. Nach dem Ersten Weltkrieg richtete sich der Turnverein neu aus. Erstmals in der Vereinsgeschichte bildeten Frauen eine eigene Turn- und Gymnastikabteilung. Anfang der 1920er Jahre zeichnete sich Ungemach ab, da Turner und Sportler anderer Sportarten (z.B. von Mannschaftsspielen, wie Fußball) in eigenen Sportverbänden organisiert waren. Diese Sportverbände strebten die Gründung eines gemeinsamen Deutschen Bundes für Leibesübungen an, was die Turnerschaft am 1. September 1923 jedoch ablehnte und sich einseitig für die „reinliche Scheidung“ zwischen Turnen und Sport entschied. Bis zum 1. November 1923 mussten sich die Mitglieder der Spielabteilungen der Turnvereine zwischen einer Mitgliedschaft im Sportverband oder in der Turnerschaft entscheiden. Daraufhin gründeten 1923 in Lützel die Fußballer des Turnvereins Lützel einen eigenen Verein, den „Verein für Bewegungsspiele Lützel“. Da die französische Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg reine Turnvereine verbot, schloss sich der Turnverein Lützel dem VfB Lützel an. Diese Zwangsehe und das Verbot von Turnvereinen hatte jedoch nicht lange Bestand. Am 21. März 1955 wurde der „Turnverein 1955 Koblenz-Lützel e.V.“ neu gegründet. Der höchste Mitgliederbestand wurde in den 1990er Jahren mit 800 Mitgliedern erreicht. Die sportliche Palette des Vereins reicht heute von Gymnastik über Kindersport (Ballschule, Eltern-Kind-Turnen, Erlebnissport) Tischtennis, Volleyball bis hin zum Kampfsport Taek Won Do. Nach diesem Ausflug in die Vereinsgeschichte nun die beiden Meldungen aus der Kladde: Turner-Notgeld von Coblenz-Lützel „Der Lützeler Turnverein gibt Notgeld heraus.“ „Was, ein Verein?“ „Ei, gewiß, der Verein da drüben auf der anderen Moselseite, jener Verein, der usw.“ Solche und ähnliche Gespräche bildeten in den Tagen, in denen der Schleier des Geheimnisses etwas gelüftet, und von den Absichten des Lützeler Turnvereins hier und da vereinzelte Tropfen durchgesickert waren, zum mindesten nicht wenig sensationelle Unterhaltungen. Über die Idee, die Art, die Form und überhaupt die ganze Aufmachung des neuen Notgeldes schwebte ein schwieriges Rätselraten. Gewiß, es scheint eigenartig, daß ein Verein zur Herausgabe von Notgeld Veranlassung nimmt. Kommunen, Wirtschaftsverbände und Kassen kamen ohne die alltäglich gewordenen Notgeldscheine nicht aus. Erwägt man die praktische Seite dieses eigenen Unternehmens, so ergibt sich, daß der Lützeler Verein teils dieserhalb und teils außerdem einen recht guten Gedanken hat zur Tat reifen lassen. Die ersten Scheine liegen jetzt vor. Wirklich nette lokale Motive mit turnerischem und sportlichem Einschlag. Es sind neue Scheine, je drei Serien im Nennwert von 50, 75 und 100 Pfennig. Die 50 Pfg.-Scheine zeigen als Titelbild den Sommersportplatz, darüber befindet sich die Inschrift: „Fönnef Grosche“. Für die 75 Pfg.-Serie, „Siwwwe nn’en halwe Grosche“, wie der Aufdruck sagt, ist als Titel der „Fluzehaafe“ gewählt, während die Nennseite der „Zehn Groschen-Scheine über dem Turnerwappen die Inschrift „Gutschein des Turnvereins Coblenz-Lützel“ besonders hervortreten läßt. Daneben ist die heutige dürftige Turnhalle wiedergegeben und im Gegensatz dazu, wie die Halle der Gegenwart aussehen soll. Auf der Rückseite aller Scheine sind äußerst gelungene Darstellungen aus dem turnerischen und sportlichen Leben festgehalten, die die umfassende Tätigkeit des Vereins auf allen Gebieten der Leibesübungen treffend illustrieren. Das köstliche Bildnis des kleinen Liga-Säuglings mit Schnuller und Windelhose darf als das gelungenste bezeichnet werden und ist auf einem Scheine der Zehn Groschen-Serie verewigt. Die Entwürfe sind eine geschmackvolle, künstlerische Schöpfung des Vereinsmitgliedes A. Regenhard, (sic! Auf den Scheinen wird Regenhardt genannt) während die lithographische Kunstanstalt der Firma Deinhard-Coblenz die Scheine ganz vortrefflich in Vielfarbendruck hergestellt hat." Obige Meldung erweckt den Eindruck, als handele es sich bei den undatierten Scheinen um Notgeld für den allgemeinen Gebrauch. Dies war dem Vereinsvorstand auf der einen Seite sicherlich recht, konnte man dadurch den Verkauf der „Notgeldscheine“ ankurbeln und die Vereinskasse aufbessern, andererseits war ein Verbot durch die zuständigen Behörden zu befürchten, evtl. sogar mit einer Strafanzeige zu rechnen. Deshalb teilte der Vorstand mit: Geldscheine des Turnvereins Coblenz-Lützel "Der Vorstand des Vereins legt Wert auf die Feststellung, daß es sich bei den von Vereinswegen herausgegebenen Zahlungsscheinen nur um Gutscheine des Turnvereins Coblenz-Lützel handelt, die lediglich die Zahlungsweise der Vereinsmitglieder dem Verein gegenüber vereinfachen soll. Die irrtümlicher Weise von den Tages- und Sportzeitungen gebrachten Notizen, die die Vereinsgutscheine als Notgeld für den öffentlichen Verkehr bezeichneten, entsprechen mithin nicht den Tatsachen. Durch ihr gefälliges Aussehen haben die Scheine auch bei Sammlern Anklang gefunden. Der Verein ist bereit, die Gutscheine zum Nennwert in beschränktem Umfang an Interessenten abzugeben." Über den finanziellen Erfolg der Ausgabe aus dem Jahr 1921 ist leider nichts bekannt. Ihre Auflage kann nicht allzu groß gewesen sein, da die Gutscheine heute nicht so häufig angeboten werden. Bleibt noch anzumerken, dass alle Scheine die Größe von 100 mm x 70 mm haben und auf festem Papier ohne Wasserzeichen gedruckt wurden. Katalogisiert sind die Scheine des Turnvereins Coblenz-Lützel in: Grabowski/Mehl: "Deutsches Notgeld, Band 1+2 – Deutsche Serienscheine 1918 – 1922" unter Nr. 234.1. Uwe Bronnert Literatur: https://xn--tv-ltzel-95a.de/verein Stand: 12.11.2019, 11.40 Uhr https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Reinliche_Scheidung&oldid=191970718

  • Die tschechoslowakische "Hunger-Krone" von 1953

    Auf der Konferenz von Jalta Anfang Februar 1945 grenzten die großen Drei – Franklin D. Roosevelt, Winston Churchill und Josef Stalin – ihre Interessensphären ab. Schon bald trennte der Eiserne Vorhang Ost und West. Zwischen den Zielen der Westalliierten und der Sowjetunion bestanden unüberbrückbare Gegensätze. Die Sowjetunion etablierte in ihrem Machtbereich kommunistische Regierungen während der Westen auf Demokratie und Kapitalismus setzte. 40 Jahre lang bestimmte fortan der „Kalte Krieg“ die Politik zwischen den beiden Machtblöcken. Beide Seiten waren bemüht, ihre Vorstellungen durchzusetzen. Der Westen setzte u. a. auf Destabilisierung der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa. Hierzu dienten auch Rundfunksendungen. 1950 nahm „Radio Free Europe“ den Sendebetrieb von der Hauptgeschäftsstelle München aus auf. Der Sender wurde vom „National Committee for a Free Europe“ betrieben, einer US-amerikanischen antikommunistischen Organisation, die 1949 in New York gegründet worden war. Am 1. Mai 1951 begann man, regelmäßige Sendungen für die Tschechoslowakei auszustrahlen. Am 1. Juni 1953 führte die tschechoslowakische Regierung eine umfassende Währungsreform durch. Innerhalb von drei Tagen wurden alle kursierenden Zahlungsmittel gegen neue Banknoten und Münzen ausgetauscht. Jeder Einwohner konnte bis zu 300 Kčs gegen neue Geldzeichen im Verhältnis 5 : 1 umtauschen. Alle Barbeträge, die dieses Limit überschritten, unterlagen einem Umtauschverhältnis von 50 : 1. Darüber hinaus galten für Spareinlagen besondere Regelungen, so wurden z.B. Einlagen bis zu 5000 Kčs im Verhältnis 5 : 1 gutgeschrieben. Große Teile der Bevölkerung fühlten sich um ihre Ersparnisse betrogen. In Prag, Pilsen und Ostrau kam es zu Unruhen mit Toten. Diese Situation nutzte „Free Europe Press“, eine Abteilung des „National Committee for a Free Europe“ und „Radio Free Europe“ zu einer gemeinsamen Aktion unter dem Codenamen „Prospero“. In den Nächten vom 13. – 17. Juli 1953 stiegen 6.512 Ballons mit über 12 Millionen Flugblättern von der bayerischen Kleinstadt Tirschenreuth in den Himmel. Sie gelangten mit dem in den oberen Lagen vorherrschenden West-Ost-Wind in die Tschechoslowakei. Die Ballons transportierten Flugblätter mit drei verschiedenen Motiven: "Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR", "Machtkämpfe in der UdSSR nach Stalins Tod am 5. März 1953" und die sog. "Hunger-Krone", für die die neu ausgegebene Staatsnote zu 1 Koruna von 1953 als Vorlage diente. Free Europe Press beauftrage die Druckerei Reynold Offset, West 31st Street in New York mit der Herstellung der Propagandascheine. Auf den Druckbögen zu 17 x 22 Zoll wurden 40 Flugblätter gedruckt, die in Größe (101 mm x 51 mm) und Farbe den Original-Noten entsprachen. Nach Angabe des beteiligten Druckers Ken Graeber wurden in weniger als drei Tagen ungefähr 75.000 Blätter gedruckt, also 3 Millionen Exemplare. Im Gegensatz zur Original-Note wurde bei dem Propagandaschein auf Vorder- und Rückseite je ein weißes Feld mit einem Text eingefügt. Dieser lautet in der Übersetzung auf der Vorderseite: Hunger-Krone – ein Geschenk der Sowjetunion Das ist ein Beweis für den Bankrott Eurer Regierung und den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Fünf-Jahr-Planes, dies soll Euch daran erinnern, was Euch die Regierung gestohlen hat. Dies ist die Aufforderung zu kämpfen, dies ist die Forderung, die gesamte Kraft des Volkes an der Schwäche des Regimes zu messen und den Widerstand zu leisten so viel und so gut es möglich ist. Die Völker der anderen von der Sowjetunion versklavten Staaten vereinigen sich, und sie werden Euch in Eurem Kampf unterstützen. Die freie Welt steht hinter Euch. Alle Macht dem Volk! Text auf der linken oberen Rückseite lautet in der Übersetzung: Tschechen und Slowaken! Das Regime wird schwächer und ängstlicher vor Euch. Die Macht liegt beim Volk, und das Volk steht gegen das Regime. Vereinigt und mobilisiert Eure Macht! Nieder mit den Kolchosen! Besteht auf dem Recht der Arbeiter! Fordert heute Zugeständnisse, morgen die Freiheit! Im Gegensatz zu den Staatsnoten, die auf Papier mit dem Wasserzeichen „Ringe mit fünfzackigem Stern“ gedruckt wurden, weisen die Propagandascheine kein Wasserzeichen auf. Uwe Bronnert Literatur: SGM Herbert A. Friedman (Ret.), Free Europe Press Cold War Leaflets, http://www.psywarrior.com/RadioFreeEurope.html. Stand: 07.04.2019, 14.00 Uhr. Günter Graichen; Die Geldzeichen der Tschechoslowakei, Berlin (Ost) 1983.

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