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  • Teutoburger Münzauktion: Vorschau auf die Banknoten-Auktion am 15. September 2023

    Am Freitag, den 15. September 2023, findet mit der Auktion 160 eine neue Spezialauktion zum Thema Papiergeld mit über 600 Losen der Teutoburger Münzauktion statt. Hier geht es direkt zur Banknoten-Auktion 160! Nachstehend möchten wir einige Beispiele aus der Auktion zeigen. Los 4126: 1 Thaler Courant 10.6.1848 Städtische Bank zu Breslau. IV-, teils hinterklebt, äußerst selten, Ausruf: 900 Euro. Los 4135: Fehldruck, Vs. „Zwei Mulionen Mark“ statt 2 Millionen Mark 23.7.1923. Entstanden durch Plattenbeschädigung. II- bis III+, sehr selten, Ausruf: 500 Euro. Los 4149: Ukraine, 2 und 5 Karbowanez 10.3.1942. Junge mit Pelzmütze, Serie 6 und Mädchen mit Kopftuch Serie 31. II- bis III+ und I, Ausruf: 1.500 Euro. Los 4154: 25 Gulden Danziger Banknote 10.2.1924. Marienkirche und Danziger Wappen/Brunnenfigur Neptun. KN 6-stellig rot, Wz. Maske. III bis III-, äußerst selten, Ausruf: 2.500 Euro. Los 4169: 6x 500 Deutsche Mark 1.6.1977. Fortlaufende KN. V 3776601 H - V 3776606 H. I-II, teils wellig, Ausruf: 3.000 Euro. Los 4194: Kalendermann, 2 komplette Sätze mit je 6 Scheinen zu 1/2, 1, 2, 2 1/2, 5, 7 1/2 Groschen o.D. 6 x weißer Karton, violetter Rand und 6 x dünnes, sämisches Papier brauner Rand. Dazu Banderole. I- bis II+, teils äußerst selten, Ausruf: 650 Euro. Los 4266: Kreissparkasse Brilon, 5 Bio. Mark 30.10.1923. I- bis II+, Ausruf: 150 Euro. Los 4478: Stolp in Pommern, Kaffeehaus Reinhardt, 5 Scheine zu 50, 75 Pfg., 1, 1,50 und 2 Mark o.D. Konto A. Überdrucke auf Scheinen der Sparkasse der Stadt Stolp. meist II, Ausruf: 500 Euro. Los 4479: Stolp in Pommern, Kaffeehaus Reinhardt, 5 Scheine zu 50, 75 Pfg., 1, 1,50 u. 2 Mark o.D. Überdrucke auf Scheinen der Sparkasse der Stadt Stolp. meist II, 1x Büroklammerflecken, Ausruf: 500 Euro. Los 4556: Serienscheine, Sammlung von ca. 690 überwiegend sehr seltenen Scheinen. Alle in Steckkarten gesammelt und nach Lindman bestimmt. Darunter viele seltene und komplette Serien, gesuchte Varianten etc. Katalogwert nach Lindman ca. 37.000€. Ein Geschenk für den Wiederverkäufer. Unbedingt besichtigen. unterschiedlich erhalten. Ausruf: 18.000 Euro. Hier geht es direkt zur Auktion 160 (Banknoten): https://www.teutoburger-muenzauktion.de/de/suche/9458/seite/1/?lot_range=4001-4641 Teutoburger Münzauktion www.teutoburger-muenzauktion.de

  • Lexikon: Goldkernwährung

    Eine Goldkernwährung ist eine Währungsform, bei der Goldmünzen nicht im Umlauf sind. Gold wird zur Deckung der umlaufenden Banknoten zurückgehalten und wird evtl. als Zahlungsreserve im internationalen Handelsverkehr, meist zur Stabilerhaltung der Devisenkurse, benutzt. Abb. KI-generiert. Wenn die Währungsreserve nicht aus zurückgehaltenen Goldmünzen, sondern aus Goldbarren besteht, spricht man auch von einer Goldbarrenwährung. Heute sind die meisten Währungen nicht mehr durch Gold, sondern durch Valutareserven in Fremdwährungen (z. B. US-Dollar oder Euro) gedeckt. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Druckdaten der Reichsbanknoten zwischen 1930 und 1945

    Auf den Reichsbanknoten (RBN) der Ausgaben 1898 bis 1942 wurde – mit Ausnahme der Inflationsausgaben – ein auffälliger Großbuchstabe gedruckt. Und diese Buchstaben geben schließlich Auskunft über den Zeitpunkt der Ausfertigung der betreffenden Noten. Zeigten die Reichsbanknoten bis zu den 1896er-Ausgaben keinen Unterdruckbuchstaben (UdrBst), so wurden diese seit 1898 hinzugefügt.1) Das Verzeichnis der Reichsdruckerei begann mit dem Buchstaben A für den Juli 1898; da begann der Druck der RBN mit UdrBst. Diese wurden jedoch erst im August 1898 mit B ausgefertigt; C stand dann für September 1898, Z für Juli 1900 usw. Dabei entsprachen die Buchstaben den entsprechenden Monaten, in denen die Banknoten ausgefertigt, gültig und an die Reichsbank ausgeliefert wurden. Abb. 1: oben 1000 Mark 1896, Vs., Druckprobe, ohne UdrBst. – unten 1000 Mark 1898, Vs., mit UdrBst. sowie im selben Druckgang erstmals hinzugefügte Großbuchstaben RBD (= Reichsbankdirektorium). Deshalb sind Katalog-Angaben2) demzufolge falsch. Neueste Recherchen3) ergeben andere Zuordnungen und die Reihenfolge wurde über den Ersten Weltkrieg hinweg bis 1944 fortgesetzt. Die Gründe der Einführung der Unterdruckbuchstaben liegen in der Auswertung der sog. Grünenthal-Affäre4). Die Reichsdruckerei entschied sich für weitere und bessere Sicherheitssysteme beim Druck der Reichsbanknoten. Die fertigen Reichsbanknoten wurden ab 1930 abschließend mit einem „AUSFERTIGUNGS / KONTROLL / STEMPEL“ in Blindprägung versehen.5) Erst danach waren die Banknoten gültig und konnten nach Maßgabe der Deutschen Reichsbank in Umlauf gegeben werden. Die Musterscheine zeigen oft die Perforation „DRUCKPROBE“ – mitunter eine zusätzliche Perforation „БНБ“ (= Българска Народна Банка = Bulgarische Nationalbank); das kyrillische Kürzel weist auf die Abgabe von RBN-Musternoten nach Sofia hin. 20 Reichsmark vom 22. Januar 1929 Ausgegeben ab 22. Dezember 1930 – ungültig seit 21./29. Juni 1948; gedruckte Gesamtmenge: 864,9 Mio. Scheine. Abb. 2: 20 Reichsmark 1929, Vs., Druckprobe/Muster mit UdrBst. L, mit Iris-Druck (Veröffentlichung der Ausgabe im DRPSA Nr. 296/1930 vom 19. Dezember 1930). Abb. 3: Monats-Ausfertigungen 20 Reichsmark 1929, möglich sind leichte Abweichungen der Zahlenkreise. 10 Reichsmark vom 22. Januar 1929 Ausgegeben ab 17. Februar 1931 – ungültig seit 21./29. Juni 1948; gedruckte Gesamtmenge: 766,7 Mio. Scheine. Abb. 4: 10 Reichsmark 1929, Vs., Druckprobe/Muster mit UdrBst. P, mit Iris-Druck (Veröffentlichung der Ausgabe im DRPSA Nr. 39/1931 vom 16. Februar 1931). Abb. 5: Monats-Ausfertigungen 10 Reichsmark 1929, möglich sind leichte Abweichungen der Zahlenkreise. 50 Reichsmark vom 30. März 1933 Ausgegeben im Frühjahr 1934 – ungültig seit 21./29. Juni 1948; gedruckte Gesamtmenge: 767,4 Mio. Scheine. Abb. 6: 50 Reichsmark 1933, Vs., Druckprobe/Muster mit UdrBst. E, mit Iris-Druck (Veröffentlichung der Ausgabe im DRPSA Nr. 71/1934 vom 24. März 1934) Abb. 7: Monats-Ausfertigungen 50 Reichsmark 1933, möglich sind leichte Abweichungen der Zahlenkreise. 100 Reichsmark vom 24. Juni 1935 Ausgegeben ab 30. Mai 1936 – ungültig seit 21./29. Juni 1948; gedruckte Gesamtmenge: 260,5 Mio. Scheine. Abb. 8: 100 Reichsmark 1935, Vs., Druckprobe/Muster mit UdrBst. C, mit Iris-Druck (Veröffentlichung der Ausgabe im DRPSA Nr. 123/1936 vom 29. Mai 1936). Abb. 9: Monats-Ausfertigungen 100 Reichsmark 1935, möglich sind leichte Abweichungen der Zahlenkreise. 1000 Reichsmark vom 22. Februar 1936 Ausgegeben ab 25. September 1944 – ungültig seit 21./29. Juni 1948; gedruckte Gesamtmenge: 2,2 Mio. Scheine. Abb. 10: 1000 Reichsmark 1936, Vs., Schein mit Null-Nummerierung und UdrBst. G (Bekanntmachung des Reichsbankdirektoriums vom 1. Oktober 1936, veröffentlicht im DRPSA Nr. 231/1936 vom 3. Oktober 1936). Abb. 11: Monats-Ausfertigungen 1000 Reichsmark 1936. 5 Reichsmark vom 1. August 1942 Ausgegeben ab 17. Juni 1943– ungültig seit 21./29. Juni 1948; gedruckte Gesamtmenge: 500,0 Mio. Scheine. Abb. 12: 5 Reichsmark 1942, Vs., Druckprobe/Muster mit UdrBst. P, (Veröffentlichung der Ausgabe im DRPSA Nr. 137/1943 vom 16. Juni 1943). Abb. 13: Monats-Ausfertigungen 5 Reichsmark 1942. 20 Reichsmark vom 16. Juni 1939 ausgegeben im Februar 1945 – ungültig seit 21./29. Juni 1948; gedruckte Gesamtmenge: 189,0 Mio. Scheine. Abb. 14: 20 Reichsmark 1939, Vs., Muster mit UdrBst. W, (Veröffentlichung der Ausgabe im DRPSA Nr. 27/1945 vom 19. Februar 1945) Abb.: © Geldmuseum der OeNB. Abb. 15: Monats-Ausfertigung 20 Reichsmark 1939, möglich sind leichte Abweichungen der Zahlenkreise. Durch die vor und nach Beginn des Zweiten Weltkriegs ins Deutsche Reich eingegliederten Gebiete und durch Kriegsschäden machte sich ein erheblich größerer Bargeldbedarf an Reichsbanknoten notwendig. Aufgrund der teilweisen Zerstörungen in der Reichsdruckerei konnte der Banknotendruck dort nur bedingt fortgesetzt werden. Deshalb wurden die Scheine nur noch in stark vereinfachter Form hergestellt und der Druck außerdem ausgelagert. So wurden 1944 Druckauflagen komplett oder nur für einzelne Druckgänge wie z. B. für Rückseiten an Lohndruckereien ins Reich vergeben: nach Leipzig, München, Regensburg, Reichenbach und Berlin – außerhalb der Reichsdruckerei. Diese oft als sog. "Kriegsdrucke" bezeichneten Banknoten hatten ein Ornament- statt ein Kopf-Wasserzeichen, fehlende Unterdruckbuchstaben und keine Nummerierung auf den Rückseiten; der Ausfertigungsstempel fehlte ebenfalls. Fremdfirmen waren auch schon beim Druck der Banknoten zu 1000 RM (Giesecke & Devrient Leipzig) und der 5-RM-Noten (Albert Frisch Berlin, Friedrich Pustet Regensburg, R. Oldenbourg München) beteiligt. Druckaufträge oder Lieferlisten ließen sich aber bis heute nicht finden. Vereinfachter Druck der Reichsbanknoten 1944 10, 20, 50 und 100 Reichsmark Ausgegeben im Februar 1945 – ungültig seit 21./29. Juni 1948; gedruckte Gesamtmenge: 10 RM/49,0 Mio., 20 RM/37,1 Mio., 50 RM/79,3 Mio. und 100 RM/36,0 Mio. Scheine. Abb. 16: 20 Reichsmark 1929, Vs., Druckprobe/Muster ohne UdrBst., ohne Iris-Druck (Veröffentlichung der Ausgaben im DRPSA Nr. 16/1945 vom 25. Januar 194512) sowie Informationen des BBC vom 25. Januar 1945 und des DNB-Presseschreibfunks vom 7. Februar 1945 über die Ausgabe dieser schon 1944 gedruckten Banknoten). Abb. 17: Ausfertigung 10, 20, 50 und 100 Reichsmark, 1944 in vereinfachter Form gedruckt, möglich sind leichte Abweichungen der Zahlenkreise. Abb. 18: 10 Reichsmark 1929, Vs., ohne UdrBst., als Druckfirmen kommen neben der Reichsdruckerei von ihr beauftragte Lohndruckereien infrage: R. Oldenbourg München, Ernst Steininger Berlin, Carl Werner Reichenbach i. V., Erich Zander Berlin. Abb. 19: 20 Reichsmark 1929, Vs., ohne UdrBst., ohne Iris-Druck, Druckfirma: Erich Zander Berlin, im Kontrollnummern-Bereich der Serien A bis G, von 00300001 bis 00600000 gedruckt; als Druckfirmen kommen neben der Reichsdruckerei auch die von ihr beauftragte Lohndruckerei infrage: Carl Werner Reichenbach i. V. Abb. 20: 50 Reichsmark 1933, Vs., ohne UdrBst., ohne Iris-Druck, Druckfirma: Ernst Steininger Berlin, im Kontrollnummern-Bereich der Serien A bis G, von 06000001 bis 09000000 gedruckt; als Druckfirmen kommen neben der Reichsdruckerei von ihr beauftragte Lohndruckereien infrage: Förster & Borries Zwickau, Giesecke & Devrient Leipzig, Spechthausen AG Spechthausen b. Eberswalde. Abb. 21: 100 Reichsmark 1935, Vs., ohne UdrBst., ohne Iris-Druck, als Druckfirmen kommen neben der Reichsdruckerei von ihr beauftragte Lohndruckereien infrage: Förster & Borries Zwickau, Adolf Müller & Sohn München, Spechthausen AG Spechthausen b. Eberswalde. Nach der Forderung von Generaloberst L. Rendulic, Befehlshaber der Heeresgruppe Ostmark, sahen sich die Gauleiter von Salzburg, Oberdonau/Linz und der Steiermark/Graz im April 1945 gezwungen, sog. Hilfsbanknoten für Soldzahlungen der Wehrmacht drucken zu lassen. Von drei Originalbanknoten wurden fotomechanische Nachdrucke gefertigt, die an die Reichsbankstellen übergeben wurden: in Salzburg lieferte die Druckerei Kiesel über 21 Mio. RM aus; in Linz stellte die Druckerei Julius Wimmer mind. 75 Mio. RM her; in Graz wurden von der Fa. Leykam insgesamt 139 Mio. RM gedruckt, aber nur ein Teil davon kam in Umlauf und etwa 95 Mio. RM wurden von der Rote Armee beschlagnahmt. Im Gegensatz zum besetzten Deutschland verloren diese Hilfsbanknoten in Österreich schon ab 26. Juli 1945 ihre Umlauffähigkeit. Hilfsbanknoten, Fotomechanische Nachdrucke der Reichsbanknoten10, 50 und 100 Reichsmark 1945 Ausgegeben im April 1945 – ungültig seit 10. August 1945; gedruckte Gesamtmenge: insgesamt mind. 209,0 Mio. RM. Abb. 22: 10 Reichsmark (1945), Vs., einfarbiger Nachdruck der Reichsbanknote mit Datum 1929, Druck 1945. Abb. 23: 50 Reichsmark (1945), Vs., einfarbiger Nachdruck der Reichsbanknote mit Datum 1933, Druck 1945. Abb. 24: 100 Reichsmark (1945), Vs., einfarbiger Nachdruck der Reichsbanknote mit Datum 1935, Druck 1945. Abb. 25: Varianten der 10-Reichsmark-Ausgaben, Vs., drei unterschiedliche Anordnungen der Kontrollnummer und des Strafsatzes sind durch abweichende Montage der Druckvorlagen nachweisbar. Im Reichsgau Kärnten wurden eigene Notgeldscheine ausgegeben. Der Reichsgau Wien wurde schon am 14. März 1945 von sowjetischen Truppen besetzt. Für die Reichsgaue Tirol-Vorarlberg/Innsbruck und Niederdonau/Krems liegen bisher keine Informationen über den dortigen Druck und eine Ausgabe der Hilfsbanknoten vor. In der Reichsbankstelle Innsbruck fand man jedoch Druckplatten für die Herstellung der RBN-Nachdrucke. Es sind amtliche Veröffentlichungen bekannt, die gelaufene Hilfsbanknoten zu 5 RM auflisten. In Wien liegt nur ein 5-RM-Probedruck8) aus der Serie H; aus der Serie G werden die KN 136639329) bzw. 1866393210) genannt. Wahrscheinlich handelt es sich hier um einen Schreib- bzw. Druckfehler. Viele Jahre herrschte Unklarheit über die Druckmengen, die Herausgeber, Ausgabedaten usw.; selbst die wieder eingerichtete Oesterreichische Nationalbank wusste im Mai 1945 keine Einzelheiten: „Zu Punkt 1 der Tagesordnung »Umlauf von Nachbildungen von RM-Banknoten« berichtet Herr Kaniak über das Auftauchen von fotografisch hergestellten Banknoten der Reichsbank, die im Gegensatz zu den normalen Noten statt des Wasserzeichens die Nachahmungsklausel am linken weißen Rand tragen. Es wird der Vermutung Ausdruck gegeben, daß in Linz, von wo solche Noten nach Wien geflossen sind, und auch in Graz die Gauleitungen im letzten Augenblick die Herstellung solcher Noten veranlaßt haben, um nach Erschöpfung der Bestände der Reichsbankanstalten die Barzahlungen dort weiter leisten zu können. Solange nicht feststeht, ob diese Noten im Auftrag der Gauleitung oder über Veranlassung des Reichsbankdirektoriums hergestellt worden sind, können sie von der Nationalbank nur als Fälschungen angesehen und behandelt werden.“11) Michael H. Schöne Anmerkungen: Walz, K.: „Notenausgaben der Reichsbank nach der Inflationszeit“, in: „Der Geldscheinsammler“, Nr. 8/1995. Schöne, M. H.: „Die Varianten der deutschen Reichsbanknoten 1876 bis 1914“, 2008, S. 47, und Grabowski, H.-L.: „Die deutschen Banknoten ab 1871“, 2018, S. 31.ff. o. A., Aufzeichnungen Oktober/November 1983. Bronnert, U.: „Die Affäre Grünenthal (1898)“, Geldscheine-online, 22. Juli 2020, aktualisiert: 26. März 2021. Die Kontrollstempel machten sich aufgrund der Regelung im sog. Dawes-Plan notwendig: „... In der unteren Hälfte des Abschnittes eingebettet ist der durch das Dawes'sche Gesetz vorgeschriebene farblose Kontrollstempel, ohne den die Noten wertlos sind“ – ein alliierter Notenkommissar prüfte die Banknoten-Ausgabe und damit die Überwachung der Deckungsvorschriften des Notenumlaufs. Mit Irisdruck (zusätzlicher farbverlaufender Unterdruck). Ohne Irisdruck. Abgebildet bei H.-L. Grabowski „Die deutschen Banknoten ab 1871“, 2018, S. 546, Kat.-Nr. DEU-254 mit der Kontrollnummer H·16670630. SHAEF-Dokument vom 25. Juli 1945 sowie Presseveröffentlichung der RBst. Regensburg vom 7. August 1945. Amtsblatt des LK Aalen vom 10. August 1945. Protokoll über die 3. Sitzung des Beirates der Oesterr. Nationalbank vom 29. Mai 1945, Aussage von Eugen Kaniak, Einstweiliger Verwalter der Oesterreichischen Nationalbank. https://digi.bib.uni-mannheim.de/viewer2/reichsanzeiger

  • Geldscheinporträts: Henryk Sienkiewicz

    Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. Abbildung 1: Henryk Sienkiewicz, ca. 1880, Fotografie von Stanisław Bizański (1846–1890), Wikimedia Commons, Neubearbeitung: Hans-Ludwig Grabowski. Henryk Sienkiewicz wurde 1846 im russisch beherrschten Kongresspolen in eine adelige, konservative und katholische Familie geboren. Er studierte Geschichte und Literatur an der Universität Warschau und begann seine literarische Karriere 1869 zunächst als Kritiker. Bereits im Folgejahr verfasste er aber schon eigene Werke. Seine ersten (wöchentlich veröffentlichten) Kurzgeschichten und Kolumnen ließ Sienkiewicz unter dem Pseudonym „Litwos“ in verschiedenen polnischen Magazinen publizieren. Zudem betätigte er sich als Übersetzer. In diesen Jahren gelangte er in den Schriftstellerkreisen Polens bereits zu erster kleinerer Bekanntheit. 1876 reiste Sienkiewicz durch Amerika. Essays und Impressionen seines Aufenthalts wurden in der Warschauer Zeitung Gazeta Polska abgedruckt. Im Gegenzug wurden seine Reisen finanziert. Durch diese beliebten Listy z podróży do Ameryki (Briefe von der Reise nach Amerika) stieg das Interesse am jungen Autor und er begann, unter seinem Geburtsnamen zu schreiben. Narodowy Bank Polski, 500.000 Złoty , 1993. Vorderseite: Porträt von Henryk Sienkiewicz Rückseite: Die „Trilogie“, dargestellt durch drei Bücher auf einem Schild, umgeben von Waffen und Bannern. Abb. Sammlung Grabowski. 1881 nahm er eine Stelle als Chefredakteur bei der neugegründeten Warschauer Zeitung Słowo („Das Wort“) an, verlor nach anfänglichem Erfolg jedoch allmählich das Interesse am journalistischen Schreiben und fokussierte sich zunehmend auf das Verfassen historischer Romane. 1884 erschien Ogniem i Mieczem („Mit Feuer und Schwert“). Die Veröffentlichung erfolgte als serieller Feuilletonroman. In den Folgejahren schuf er zwei weitere Romane, die sich mit der polnischen Geschichte des 17. Jahrhunderts beschäftigten: Potop („Die Sintflut“, 1886) und Pan Wołodyjowski („Herr Wołodyjowski, der kleine Ritter“, 1888). Diese Trilogie verhalf ihm zum endgültigen Durchbruch in Polen. Die Bevölkerung liebte seine Werke, noch heute gelten sie als Klassiker und Teil des Schul-Kanons. Sienkiewicz galt fortan als beliebtester polnischer Schriftsteller. Größere internationale Berühmtheit erlangte Sienkiewicz jedoch erst mit Quo Vadis? (1896), einem Roman über das junge Christentum in Rom während Neros Kaiserzeit.[1] Deutlich weniger Anklang fand Sienkiewicz bei vielen Literaturkritikern. In Frankreich und Italien wurde ihm zum Teil Plagiarismus vorgeworfen und auch in seinem Heimatland Polen waren die Kritiken gemischt. 1905 wurde Henryk Sienkiewicz dennoch für seine „großartigen Verdienste als epischer Schriftsteller“ der Nobelpreis für Literatur verliehen. In den folgenden Jahren engagierte er sich zunehmend sozial und politisch. Sienkiewicz war Patriot. Er stellte in seinen Werken oftmals allegorisch die Situation Polens dar, das kaum nationale Souveränität genoss und oftmals Spielball imperialer Interessen seiner Nachbarländer war. Während die frühen Werke noch dem polnischen Positivismus zuzuordnen waren, die mit den Traditionen und Werten der polnischen Romantik brachen, überwog später Sienkiewicz´ Konservativismus. Sienkiewicz wollte trotz der politischen Abhängigkeit Polens (Polen war während seiner Lebenszeit stets zwischen Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt) einen einheitlichen, nationalen Geist und ein Streben nach Autonomie bewahren. Er war Anhänger der nationalistischen, konservativen und antisemitischen Bewegung Narodowa Demokracja („Nationale Demokratie“). Auch christliche Elemente spielten wiederholt zentrale Rollen in seinen Werken. Zweifelsohne spielte sein Werk eine zentrale Rolle für die Bildung eines polnischen Nationalbewusstseins. 1916 verstarb Henryk Sienkiewicz in Vevey in der Schweiz, in die er nach Beginn des Ersten Weltkriegs ausgereist war. Elias Heindl Anmerkungen [1] Bekannt ist einem breiten Publikum Mervyn LeRoys gleichnamige Verfilmung von 1951 mit Peter Ustinov als Nero. Literatur/Quellen: wikipedia.org/wiki/Henryk_Sienkiewicz Kuzmic, T. (2016). Quo Vadis: Polish Messianism and the Proselytizing Heroine. In: Adulterous Nations: Family Politics and National Anxiety in the European Novel (pp. 155–180). Northwestern University Press. De Soissons, S. C. (1902). Henryk Sienkiewicz. The North American Review, 175(549), 176–193. Lednicki, W. (1956). Henryk Sienkiewicz (1846–1946). In: Bits of Table Talk on Pushkin, Mickiewicz, Goethe, Turgenev and Sienkiewicz. International Scholars Forum, Springer, Dordrecht.

  • Strom-, Gas- und Wassergebühren: Leistungs-Gutscheine 1923

    Die für die Bezahlung der Strom-, Gas- und Wassergebühren ausgegebenen wertbeständigen Gutscheine einer größeren Zahl deutscher Städte werden hier zwecks Unterscheidung von dem Sachwertnotgeld als „Leistungs-Gutscheine“ bezeichnet. Diese Gutscheine dienten der Bevölkerung nicht nur im Zahlungsverkehr mit den Versorgungsbetrieben, sondern wurden häufig auch zur Begleichung anderer Verbindlichkeiten in Zahlung gegeben, da sie trotz gewisser Beschränkungen einfach zu übertragen waren. Bereits im Frühstadium der Inflation war allgemein erkannt worden, dass bei nicht sofortiger Bezahlung von Rechnungen Wertverluste beim Lieferanten eintraten. Solange die Mark noch wochen- bzw. monatelang stabil war, konnten solche Verluste durch Höherfakturierung wieder eingeholt werden. Seit dem Frühsommer 1923 und mit dem Beginn eines Halbjahrs ständiger und zuletzt täglicher Kursverschlechterung der Mark war das Einholen von Wertverlusten durch Nach- und Höherfakturierung kaum mehr möglich. Die Privatwirtschaft war wendig genug, sich von der bekannten Entscheidung des Reichsgerichts ,,(gute) Mark = (schlechte) Mark" nicht treffen zu lassen; sie konnte durch Anforderung von Vorauszahlungen oder Sachwerten und durch Anwendung von Goldmark- und Indexrechnung solche Verluste vermeiden oder in einem Ausmaß halten, dass die Existenz der Unternehmungen noch nicht unmittelbar bedroht war. In eine verhängnisvolle Lage gerieten dagegen die Versorgungsbetriebe vieler Städte, die nicht, wie die Privatwirtschaft, in der Lage waren ihre Lieferungen zu verweigern, wenn nicht sofort bzw. wertbeständig bezahlt wurde. Gebunden an die Reichsgerichtsentscheidung, erhoben sie die Gebühren für Strom-, Gas- und Wasserverbrauch bis zum Spätsommer 1923 am Ende der Ableseperioden regelmäßig zu einem Durchschnittskurs der Mark während einer Periode. Sie wussten, dass sie bei einem anhaltenden Kurssturz der Mark einerseits und dem meist verspäteten, bereits weiterer Entwertung unterliegenden Geldeingang andererseits nicht mehr lange in der Lage sein würden, die für die Wiedererzeugung von Strom und Gas benötigten Rohstoffe in erforderlicher Menge einzukaufen. Nach und nach setzten daher auch sie sich über das Grundsatzurteil des Reichsgerichts hinweg und berechneten die Gebühren nach den „Wiedererzeugungskosten“ am letzten Tag der Ableseperiode. Die Versorgungsbetriebe stützten sich dabei auf § 3 des Kommunalabgabengesetzes vom 14.7.1893 und 23.4.1906, in dem es heißt, dass aus den Einnahmen mindestens die gesamten durch die Unternehmung erwachsenen Ausgaben einschließlich der Verzinsung und der Tilgung des Anlagekapitals zu bestreiten sind und auf § 2 der damals nur im Entwurf vorliegenden Städteordnung, wonach die Betriebe darüber hinaus grundsätzlich Überschüsse zur teilweisen Deckung der Haushaltsbedürfnisse der Städte erzielen sollten. Westerland (Schleswig-Holstein), Städtisches Elektrizitätswerk Westerland, Gutschein über 5 Kilowattstunden Lichtstrom, ausgegeben im November 1923. In allen Teilen Deutschlands kam es daraufhin zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Stadtverwaltungen und der Bevölkerung, die ihrerseits kaum Möglichkeiten hatte wertbeständige Rücklagen für die zu erwartenden Nachzahlungen zu bilden. Der Streit ging so weit, dass Vertreter der Bevölkerung den Versorgungsbetrieben Klage androhten bzw. klagten. So heißt es z. B. in der Frankfurter Zeitung, Nr. 794 vom 26. Oktober 1923, dass die Wucherpolizei bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen die Stadtverwaltung Stuttgart am 22. Oktober 1923 Strafanzeige wegen „wucherischer Preistreiberei bei der Preisbildung für Gas und Elektrizität erstattet habe“. Die verzweifelte Lage der Versorgungsbetriebe dagegen ist u. a. einem Bericht der Städtischen Werke Wetzlar zu entnehmen: „Ein Vierteljahr konnte Wassergeld überhaupt nicht berechnet werden, weil die Inflation den Wert dieser Lieferung überholte. Auch das Wassergeld des nächsten Vierteljahres deckte kaum den Botenlohn“. Wo Stadtverwaltungen und Bevölkerung einsichtig genug waren, bürgerten sich nach und nach Zahlungen und Vorauszahlungen in der Weise ein, dass am Ablesetag nicht nur der Verbrauch einer Periode bis zu diesem Tag und zum Preis dieses Tages beglichen wurde, sondern dass auch Vorauszahlungen bis zu 14 Tagen auf den kommenden Verbrauch, ebenfalls zum Preis des Ablesetages, geleistet werden konnten. Erst Ende Oktober 1923 kam es zu einer rechtlichen Bestätigung der neuen Abrechnungsweise. Sie wurde von der Reichsregierung auf Grund des Ermächtigungsgesetzes vom 3. Oktober 1923 mit der „Verordnung über die Berechnung des Preises bei der Lieferung von elektrischer Arbeit, Gas und Leitungswasser“ vom 24. Oktober 1923 erteilt. Neustettin (Pommern), Städtische Licht- und Wasserwerke, Wertbeständiger Gutschein über 2 Goldmark = 10/21 Dollar für geleistete Abschlagszahlungen auf Gas-, Strom- und Wasserverbrauch, ausgestellt in Neustettin am 1. Dezember 1923. Danach waren die Versorgungsbetriebe nunmehr berechtigt, die Strom-, Gas- und Wasserlieferungen im Ende einer Ableseperiode für die letzten 16 Tage der Periode zu dem Preis zu berechnen, der am Tage der Zustellung der Rechnung galt. Bei verspäteter Zahlung musste der höhere Preis des Verspätungstages entrichtet werden. Bis zur vollen Zahlung des Rechnungsbetrags waren die Lieferer berechtigt, Einstellung der Lieferung anzudrohen und weitere Lieferungen nach sieben Tagen seit Zugang der Androhung einzustellen. Die am 24. Oktober 1923 erlassene Verordnung sollte auf alle Lieferungen seit dem 1. September 1923 Anwendung finden. Die rückwirkende Anwendung ist von einigen Städten dann versucht worden, wenn ausnahmsweise für die bis zum 1. September zurückliegenden Zeiträume noch nicht abgerechnet wurde, scheiterte aber am Widerstand der Bevölkerung. Rund 50 Städte in allen Teilen Deutschlands verbesserten das neue Abrechnungsverfahren z. T. schon vor Erlass der Verordnung noch durch die Ausgabe von „Gutscheinen“, die die Verbraucher zu jedem ihnen günstig erscheinenden Zeitpunkt – meist Lohn- und Gehaltszahlungstag – gegen Papiermark erwerben konnten. Sie wurden dadurch von dem Druck befreit, am Ablesetag den Rechnungsbetrag voll in Papiermark zur Verfügung haben zu müssen. Die von Kommunen und deren Versorgungsbetrieben ausgegebenen Leistungs-Gutscheine lauteten auf Verbrauchseinheiten für Licht- oder Kraftstrom (Kilowattstunden), Gas (Kubikmeter), Wasser (Kubikmeter) oder Goldmark mit Dollar-Valutaklausel und wurden auf die Verbrauchsrechnungen angerechnet. Die Versorgungsbetriebe hingegen waren in der Lage, die eingenommenen Papiermark-Beträge ebenfalls sofort an die Kohle-Lieferanten weiterzugeben. Sie befanden sich jetzt in keiner schlechteren Lage mehr als andere Unternehmungen und erlitten wie diese „nur“ die in der Inflation bei Zahlung von Papiermark an nicht am Orte wohnende Lieferanten üblichen Kursverluste. Halle a. S. (Provinz Sachsen), Stadthauptkasse, Abteilung für die Werke, Gutschein über 20 Kubikmeter Gas für November bis Dezember 1923. Solche Ausgaben von Leistungs-Gutscheinen sind schon seit August 1923 bekannt. Es ist bis heute nicht eindeutig nachgewiesen, welche Stadt sie zuerst verwendet hat. Allem Anschein nach war es Kaldenkirchen* im Rheinland. Die Städtische Werke Kaldenkirchen hatten seit August 1923 Leistungs-Gutscheine über 1, 5, 10 und 20 „Einheiten“ Strom, Gas bzw. Wasser eingeführt, die zum Tageskurs der Mark an der Amsterdamer Börse jederzeit und in jeder Menge angekauft werden konnten. Die Gutscheine waren alleiniges Zahlungsmittel für die Gebührenbegleichung. Bei ihrer Einführung kostete 1 Kubikmeter Gas 17 Cents, 1 Kubikmeter Wasser 5 Cents und 1 Kilowattstunde Strom 35 Cents niederländischer Währung. Aus dem ebenfalls linksrheinischen Bitburg in der Eifel sind Gutscheine des Elektrizitätsamtes des Kreises Bitburg über 20 Kilowattstunden* auch schon seit 2. August 1923 bekannt; zwei weitere über 1 und 5 Kilowattstunden** datieren vom 15. November 1923. Diese Gutscheine waren in Bitburg nicht das alleinige Zahlungsmittel für die Begleichung der Stromrechnungen. Der Kreis Bitburg war überwiegend landwirtschaftlicher Natur, und die Stadt lag nahe der Grenze. Das Elektrizitätsamt nahm daher auch luxemburgische, belgische und französische Franken sowie Feldfrüchte aller Art, vorwiegend Kartoffeln und Getreide, zur Bezahlung an. Den Stromablesern wurden Tabellen mitgegeben, die die Preise in den genannten Währungen und Feldfrüchtearten am Ablesetag und in Papiermark, die ebenfalls angenommen wurde, enthielten. Auch in den benachbarten rheinländischen Städten Trier (Gas- und Wasserwerke der Stadt Trier, 23. Oktober 1923: 1, 5 Kubikmeter Wasser*, 1, 5 Kubikmeter Gas**) und Monschau (Städtisches Gas- und Wasserwerk Monschau**, 25 Goldpfennig und 1 Goldmark) wurden Gutscheine verwendet. Aus dem Rheinland sind weiterhin Ausgaben aus Barmen* vom Gaswerk Barmen über 1 bis 150 Kubikmeter Gas, vom Gaswerk Crefeld* vom 1. September 1923 als Gasgutscheine in Form von Registrierkassenbons, Mülheim* a. R. (Gas- und Elektrizitätsversorgung Mülheim a. R., 2 bis 5 Kubikmeter Gas/ 2 bis 20 Kilowattstunden Strom), Solingen** (Städtische Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke Solingen, 20. Oktober 1923, ½ bis 5 Goldmark, Volumen: 3.00.000 Goldmark) und Wesel** (Städtische Wasser- und Lichtversorgung Wesel, 15. Oktober und 15. November 1923, 0.50 bis 10 Goldmark) bekannt geworden. Solingen (Rheinland), Städtische Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, Gutscheine über 2 Goldmark zur Bezahlung von Gas, Wasser und Strom, ausgegeben in Solingen am 20. Oktober 1923. Im September 1923 waren die Leistungs-Gutscheine auch im westfälischen Bielefeld** (Städtische Betriebskasse Bielefeld, 1923, 0,05 bis 100 Goldmark) sowie dessen Nachbarstadt Werther** (Städtisches Elektrizitätswerk Werther, 1923, 0,05 bis 10 Goldmark), im hessisch-nassauischen Frankfurt am Main** (Frankfurter Gasgesellschaft, 1. September 1923 und 16. Oktober 1923, 1 bis 50 Kubikmeter Gas) und in Lübeck** (Städtische Betriebe Lübeck, 28. August 1923, 1 bis 12 Kubikmeter Gas, 5 Kilowattstunden Kraftstrom) gebräuchlich. Am 23. Oktober 1923 führte die Direktion der Städtischen Elektrizitätswerke, Frankfurt am Main**, ein fast gleiches Verfahren wie bei der Frankfurter Gasgesellschaft für die Bezahlung des Stromverbrauchs ein. Die Stromgutscheine lauteten über 1, 2, 5, 10, 50 und 100 Kilowattstunden; der Monat, für den sie Gültigkeit hatten, wurde jeweils aufgestempelt. Sie konnten nur von Abnehmern erworben werden, die im vorangegangenen Monat weniger als 1000 Kilowattstunden verbraucht hatten. Mannheim (Baden), Städtische Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerke, Gutschein nur verwendbar an der Kasse der Städtischen Werke über ½ Rechnungsmark (= Goldmark), ausgegeben in Mannheim am 25. September 1923. Die badische Stadt Mannheim** beschloss am 15. September 1923 die Ausgabe von Leistungs-Gutscheinen durch die Städtische Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerke über ½, 1, 2, und 5 Rechnungsmark (Volumen: 800.000 Goldmark). Im ostpreußischen Königsberg** gaben die Königsberger Werke und Straßenbahn G.m.b.H. am 27. September 1923 Gutscheine über 1 bis 20 Kubikmeter Gas und 1 bis 20 Kilowattstunden Licht aus, jeweils für einen Wochenbedarf zu verwenden. Die Verbrauchsrechnungen wurden, wie vielfach auch in anderen Städten, nur noch auf „Einheiten“, nicht mehr auf Mark ausgestellt. Bis einschließlich 3. November 1923 galt für mehrere Tage ein einheitlicher Preis, ab 4. November erfolgte die Festsetzung der Tarifpreise täglich. Die zur Verausgabung gelangenden Gutscheine wurden zum Schutz gegen Fälschung in der linken Ecke mit einem Trockenstempel versehen. Offenbar war sich die verausgabende Königsberger Werke und Straßenbahn darüber klar, dass beim Verkauf von jeweils nur einem Wochenbedarf ein ständiger Andrang an ihren Schaltern herrschen würde, denn man richtete sofort 18 Verkaufsstellen ein, darunter im Schauspielhaus, im Stadttheater, im Tiergarten und in den Badeanstalten. Trotzdem musste stundenlang angestanden werden. Den Oktober-Nummern der Königsberger Zeitung nach zu urteilen, war der Verkauf der Gutscheine im Oktober 1923 eines der wichtigsten lokalen Ereignisse. Immer wieder wurde die zu geringe Anzahl der Verkaufsstellen und das daraus folgende, oft stundenlange Anstehen bemängelt und schließlich erreicht, dass ihre Zahl bis Ende Oktober auf 31 erhöht wurde. Der Verkauf wurde nach Erscheinen der Rentenmarkscheine mit dem 30. November 1923 eingestellt, noch im Besitz der Konsumenten befindliche Gutscheine konnten zur Bezahlung der Dezembergebühren verwendet werden. Mit den beim Gutscheinverkauf eingenommenen Papiermarkbeträgen konnten in Ostpreußen wegen der größeren Entfernung von den Kohlerevieren nicht immer sofort wieder Kohlen für die Fortführung der Betriebe erworben werden. Hierzu hat die Stadt Königsberg berichtet: „ ... Da aber die sofortige wertbeständige Anlage der eingegangenen Gelder durch die Repartierung der Devisen verhindert wurde, erlitten wir trotz dieser beschleunigten Einziehung der Rechnungsbeträge unter der Einwirkung der immer schneller zunehmenden Inflation erhebliche Substanzverluste. Bis September 1923 waren wir in der Lage, die Kohlenrechnungen mit Wechseln zu bezahlen, wobei uns Inflationsgewinne zuflossen, die schließlich unseren Konsumenten durch erträgliche Preise wieder zugutekamen, dann aber mussten wir in erheblichem Umfange wertbeständige Bankkredite in Anspruch nehmen, die uns wirtschaftlich außerordentlich belasteten …“. Roßwein (Sachsen), Stadtrat Roßwein, Betriebsamt, Frei-Gutschein für 3 Einheiten zur Bezahlung von Gas-, Strom- und Wasserrechnungen, ohne Datum (1923). Aus Süddeutschland ist die ab 13. November 1923 in zwei Reihen erfolgte Ausgabe von Gutscheinen der Stadt Ulm** (Württemberg) bemerkenswert. Die Gutscheine galten auch in Neu-Ulm (Bayern), lauteten über 5, 20, 100, 300 und 1.000 (Gold-) Pfennig und waren auch gültig für Strom und Gas. Wer Gutscheine über den Betrag von sechs Mark hinaus auf einmal erwerben wollte, musste ein Drittel des Betrags in wertbeständigen Zahlungsmitteln leisten. Papiermark-Notgeld der örtlichen Firmen war zum Ankauf von Gutscheinen nicht zugelassen. Minderbemittelte erhielten 25% Ermäßigung. Im bayerischen Augsburg* erfolgte die Gaslieferung durch das Städtische Gaswerk an den größten Teil der Haushaltungen und die kleineren Gewerbebetriebe über Münzzähler. Diese wurden mit Spezialmarken bedient und gaben beim Einwurf das Gas für ½ Kubikmeter frei. Die Münzen wurden anfangs zum Preis von 11 Goldpfennigen, ab 1. Dezember 1923 für 10 Goldpfennige verkauft. „Während der kritischen Zeit der Inflation wurden nur beschränkte Mengen dieser Münzen abgegeben. Die Höchstmenge soll 10 Stück betragen haben“. Verbraucher, die nicht über Münzzähler verfügten, konnten vom Städtischen Gaswerk Gutscheine erwerben, die über 10 Kubikmeter Gas lauteten. Die bayerische Stadt Straubing** nahm wie andere Städte zunächst Vorauszahlungen in Papiermark an, die dem einzahlenden Verbraucher zum Tageskurs wertbeständig gutgeschrieben wurden. Der Verwaltungsrat der Städtischen Betriebe führte dann ab dem 23. November 1923 das Gutscheinverfahren ein. Ausgegeben wurden per 20. November 1923 Gutscheine über 35 und 60 Goldpfennig sowie 1,05, 2,10 und 4,20 Goldmark (= 1/12, 1/7, ¼, ½ und 1 Dollar). Die Scheine galten nicht nur für die Bezahlung der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserrechnungen, sondern auch zum Ankauf von Benzol, Koks, Teer, Holz, Installationseinrichtungen, Glühlampen und anderen Nebenprodukten der städtischen Betriebe. In den Vertrieb der Gutscheine waren auch die Sparkasse, alle Banken und die Bankgeschäfte betreibenden Genossenschaften eingeschaltet. Das hatte den Vorteil, dass der größte Teil des zumeist aus Papiermark bestehenden Verkaufserlöses zum schnellstmöglichen Umtausch in Devisen oder zur Bezahlung von Verbindlichkeiten nicht erst zur Bank gebracht zu werden brauchte, da er gleich dort einging. Straubing (Bayern), Städtische Betriebe, Wertbeständiger Gutschein für entsprechende Sachleistung Elektrizität, Gas, Wasser, Benzol, etc. über 2,10 Mark Gold = ½ Dollar, ausgegeben in Straubing am 20. November 1923. Diese Art der Organisation des Gutscheinverkaufs war auch in anderen Städten Deutschlands anzutreffen, so in Flensburg**, wo Gutscheine nur für eine 14-tägige Ableseperiode verkauft wurden, was die Herausgabe von insgesamt 6 Reihen und einen dementsprechend regen Papiermark-Geldeingang auslöste (Verrechnungs-Amt für Gas, Kraft und Wasser der Stadt Flensburg, 1923, 1, 5, 10 Kilowattstunden Licht bzw. Kraft). Nach der Vereinbarung mit den eingeschalteten Banken wurden die Papiermark-Beträge so schnell wie möglich gegen die in Flensburg öfter zur Verfügung stehenden Dollar, Pfund Sterling und Dänenkronen umgewechselt. Eine weitere Ausgabestelle in Flensburg** war das Kraftwerk Flensburg GmbH, Kreisüberlandanlage. Es erfolgte die Ausgabe von Gutscheinen ohne Datum über 1 bis 10 Kilowattstunden Licht. Die Stromgutscheine des Städtischen Elektrizitätswerkes im bayerischen Burghausen** sind wegen eines besonderen Fälschungsschutzes, den sie genossen, zu erwähnen. Man überdruckte mit Datum vom 5. November 1923 in den Wertstufen 10, 50, 100 und 500 Goldpfennig ältere Reichsbanknoten zu 1, 10 und 20 Tausend Mark und Bayerische Banknoten zu 5 Tausend Mark, deren Verwendungsmöglichkeit als Zahlungsmittel die Inflation am Ausgabetag (5. November 1923) längst überholt hatte. Sodann wurde der Überdruck mit einer Faksimileunterschrift versehen und das Stadtsiegel beigedruckt. Burghausen (Bayern), Städtisches Elektrizitätswerk Burghausen, überdruckte Reichsbanknote (1000 Mark vom 15.9.1922) als Gutschein über 10 Goldpfennige für Stromgebühren, ausgestellt in Burghausen am 8. November 1923. Stadtgemeinde Dingolfing (Bayern), 3% Schuld-Verschreibung über 5 Mark: Die Stadtgemeinde verpflichtet sich den Betrag bis spätestens 15. April 1929 einzulösen, die staatliche Genehmigung zur Ausgabe der Schuld-Verschreibungen wurde erteilt. Ausgegeben in Dingolfing am 15. April 1924. Einen eigenartigen Weg beschritt die Stadtverwaltung der bayerischen Stadt Dingolfing* noch nach Abschluss der Inflation. Auf Grund des Stadtrat-Beschlusses vom 14. April 1924 gab man am 15. April 1924 Gutscheine über 1, 5 und 10 Goldmark = 2, 10 und 20 Kilowattstunden Strom aus. Der Bezeichnung auf den Scheinen nach waren sie Schuld-Verschreibungen. Die Bevölkerung verwendete davon die Scheine über eine Goldmark als wertbeständiges Notgeld. Zur Sicherung der Rückzahlung wurden für die drei Wertstufen 2, 10 bzw. 20 Kilowattstunden Lichtstrom „verpfändet“. Wer diesen Gutscheinen misstraute, konnte sie also zur Bezahlung von Stromrechnungen verwenden. Die Gesamtauflage betrug 60.000 Goldmark, die der Stücke über 1 Goldmark 10.000 Goldmark. Nach dem im April und Mai 1925 erfolgten Aufruf kamen rund 50.000 Goldmark zur Einlösung; die restlichen rund 10.000 Goldmark blieben noch bis teilweise 15. April 1929, dem auf den Scheinen vermerkten letzten Einlösungstag, im Umlauf. Cottbus (Brandenburg), Magistrat für die Städtischen Werke zu Cottbus, Gutschein für 5 Goldpfennige, ohne Datum (1923). Außer den bereits genannten Leistungs-Gutscheinen für Strom, Gas und Wasser sind nach der Doktorarbeit von Rudolf Wilhelmy (1962) noch Scheine aus folgenden Städten bekannt: Bärwalde** (Sachsen), Elektrizitätswerk, 1923. Blankenese* (Schleswig-Holstein), Elektrizitätswerk, Dezember 1923. Land Bremen**, Erleuchtungs- und Wasserwerke, 1923 (Grundmark). Cottbus** (Brandenburg), Magistrat für die Städtischen Werke zu Cottbus, 1923. Erfurt** (Provinz Sachsen), Gaswerk, 1923. Frankfurt an der Oder* (Brandenburg), Gasanstalt, 1923. Freiburg i.B.* (Baden), Städtisches Elektrizitätswerk, 1923. Freiburg i.B.* (Baden), Städtisches Gaswerk, 1923. Halle a. S.** (Provinz Sachsen), Stadthauptkasse, Abteilung für die Werke, September bis Dezember 1923. Karlsruhe** (Baden), Stadt Karlsruhe, November 1923. Leipzig** (Sachsen), Direktion der städtischen technischen Werke, 1923. Magdeburg** (Provinz Sachsen), Städtische Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, 1923/24. Neustettin** (Pommern), Städtische Licht- und Wasserwerke, 1. Dezember 1923. Oldenburg* (in Oldenburg), Städtische Licht- und Wasserwerke, 1923. Pegau* (Sachsen), Stadt Pegau, 1923. Roßwein** (Sachsen), Stadtrat Roßwein, Betriebsamt, 1923. Sonneberg** (Thüringen), Sonneberger Licht- und Kraftwerke G.m.b.H, 1923. Sonneberg** (Thüringen), Städtisches Wasserwerk, 1923. Steinau** (Hessen-Nassau), Stadt Steinau, 20. November 1923 (Goldmark). Tiengen** (Baden), Elektrizitätskasse Bürgermeister und Stadtrechner, 17. November 1923 (Goldmark). Uffenheim** (Bayern), Stadtrat Uffenheim, 1923 (Goldmark). Westerland auf Sylt** (Schleswig-Holstein), Städtisches Elektrizitätswerk, 1923. Steinau (Hessen-Nassau), Gutschein zur Begleichung der Rechnungen für elektrischen Strom über eine Mark Gold, ausgestellt in Steinau (Kreis Schlüchtern) am 20. November 1923. Sonneberg (Thüringen), Sonneberger Licht- und Kraftwerke G.m.b.H, Gutschein über 1 Kubikmeter Gas, ohne Datum (1923). Weiterhin berichtet Wilhelmy (1962) von folgenden Kommunen bei denen Leistungs-Gutscheine vermutlich ausgegeben wurden, aber bis heute kein Nachweis gegeben ist: Cassel, Eisenach, Braunschweig, Gaggenau, Gotha, Königstein und München. In Regensburg sind sie nicht mehr zur Ausgabe gelangt. Ein Abgleich der Ausgabestellen mit dem Katalog von Kai Lindman 2008 zeigt die folgenden zusätzlichen Abgabestellen: Dramburg* (Pommern), Gas- und Elektrizitätswerke Dramburg A.-G., Gutscheine 1923. Freiberg** in Sachsen, Städtische Betriebskasse Freiberg i. Sa., Quittungen 1923. Heidelberg** (Baden), Städtische Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, 30. November 1923. Heidenheim** (Württemberg), Stadtkasse II Heidenheim, 1923. Bad Homburg v.d.H.* (Hessen-Nassau), Städtische Gas- und Wasserwerke, 1923. Kirn** (Rheinland), Städtische Licht- und Kraftwerke, 1. Dezember 1923. Kreuznach** (Rheinland), Kreuznacher Electrizitäts-Werke, 7. November 1923. Laupheim** (Württemberg), Elektrizitäts-Werk Laupheim, 15. November 1923. Limburg** (Hessen-Nassau), Mainkraftwerke AG, Betriebsabteilung Limburg, 1923. Löchgau** (Württemberg), Wilhelm Röcker G.m.b.H., Elektrizitätswerk Besigheim, 7. November 1923. Neckarsulm** (Württemberg), Städtische Gaswerksverwaltung, 1923. Neustadt a.d. Haardt* (Pfalz), Städtische Werke, 1923. Oberursel a.T.* (Hessen-Nassau), Hessen-Nassauische Gas A.-G., Dezember 1923. Schwandorf** (Bayern), Elektrizitätswerk, 1. Dezember 1923. Stuttgart** (Württemberg), Städtisches Elektrizitätswerk, 10. Oktober 1923. Stuttgart** (Württemberg), Städtisches Gaswerk, 10. Oktober und 25. November 1923. Trier* (Rheinland), Stadt Trier, 1923. Wesel** (Rheinland), Städtische Wasser- und Lichtversorgung, 15. Oktober und 15. November 1923 (Goldmark). Worms** (Hessen), Städtisches Gaswerk, 8. Oktober 1923. Kirn (Rheinland), Städtische Licht- und Kraftwerke, Gutschein über 1 Gascubikmeter für 1,20 Franken, ausgegeben Kirn am 1. Dezember 1923. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass per Stand 2008 66 kommunale Leistungs-Gutscheine im zweiten Halbjahr 1923 ausgegeben wurden. Davon sind 19 Scheine bis heute nachgewiesen, aber keine Abbildungen verfügbar (siehe Markierung *). Von 47 nachgewiesenen Scheinen ist mindestens eine Abbildung im Lindman-Katalog verfügbar (siehe Markierung **). Alle Scheine sind nach Katalogangaben in der Regel selten. Hans-Georg Glasemann Erläuterungen * Ausgabe ist nachgewiesen, bisher im Lindman-Katalog keine Abbildungen dieser Leistungs-Gutscheine enthalten. ** Leistungs-Gutscheine mit Abbildung nachgewiesen, in der Regel sehr seltene Scheine. Bildquelle: Privat (7/2023) Literaturhinweis (Daten und Texte teilweise entnommen): Lindman, Kai: Das wertbeständige Notgeld von 1923/24, 2008. Müller, Manfred: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924, Deutsches Notgeld, Band 12, 2011. Wilhelmy, Rudolf: Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro

  • Geldscheinporträts: Alexander der Große – Zwischen Genialität und Größenwahnsinn

    Ein Beitrag aus unserer Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. Abbildung 1: Alexander im Schlachtgetümmel, Detail der berühmten „Alexanderschlacht“ (Mosaik, Pompeji, ca. 150–100 v. u. Z., wohl nach einer Vorlage aus dem 4. Jahrhundert), Neapel, Archäologisches Nationalmuseum. Die unglaublichen Taten von Alexander dem Großen haben die Fantasie der Nachwelt angeregt: In vielen Sprachen und Literaturformen wurde der Ruhm des erfolgreichen Eroberers verkündet. In mittelalterlichen Kirchen wurde Alexanders Himmelfahrt zum beliebten Motiv. Auch für die neuzeitliche Herrscherideologie besaß der große Makedonenkönig Vorbildcharakter: In vielen Schlössern wurden seine Taten in Freskenzyklen und Stuckreliefs vor Augen geführt. Es gibt zahlreiche Münzen und Medaillen mit Porträts des Herrschers. 1956 wurde Alexander der Große auch auf einem Geldschein der Bank von Griechenland verewigt. Abbildung 2: Bank von Griechenland, 1000 Drachmen, 1956 Vorderseite: Mittig Kampfszene aus dem griechischen Mythos mit Herakles. Links Detailausschnitt aus einem Goldmedaillon von Tarsos mit Kopf des Herakles/Alexander dem Großen. Unten Schlachtszene vom Alexandersarkophag aus Sidon. Rückseite: Detailausschnitt aus dem Alexandermosaik (Pompeji, Casa del Fauno): Alexander der Große zu Pferde nach rechts. Alexander wurde im Juli 356 v. u. Z. als Sohn des Makedonenkönigs Philipp II. und seiner aus Epirus stammenden Gemahlin Olympias geboren. Beide führten ihren Stammbaum auf Helden der Mythologie zurück: Sein Vater auf Herakles, seine Mutter auf Achilleus. König Philipp förderte seinen Sohn und begann früh, ihn auf das Herrscheramt vorzubereiten. Von 342 bis 340 war Aristoteles Alexanders Lehrer. Er führte ihn in Naturwissenschaften und Politik ein und machte ihn mit Hauptwerken der griechischen Literatur vertraut. Die Illias war zeitlebens das Lieblingsbuch Alexanders, die er stets wie einen Schatz hütete. Bereits mit 16 Jahren leitete Alexander erste selbstständige militärische Unternehmungen. Philipp II. hatte das bis dahin unbedeutende Makedonien zu einer militärischen Großmacht ausgebaut und Thessalien, Thrakien und alle griechischen Stadtstaaten mit Ausnahme Spartas in ein Bündnis unter seiner Führung gezwungen (Korinthischer Bund). Philipp begann anschließend mit den Vorbereitungen für einen Feldzug gegen die Perser. 337 kam es zu einem Streit zwischen Alexander und seinem Vater, infolgedessen er mit seiner Mutter das Land verließ. Ein halbes Jahr später kehrte Alexander zurück. Kurz darauf fiel sein Vater Philipp II. einem Attentat zum Opfer. Über eine Beteiligung seines Sohnes, der um seine Thronfolge fürchtete, wird noch heute spekuliert. Alexander verlor keine Zeit und sicherte sofort seine Herrschaft über die besetzten griechischen Gebiete. Er hatte ein klares Ziel vor Augen: Die Eroberung des Weltreichs der Perser. Alexander führte damit die Pläne seines Vaters fort. Im Frühjahr 334 begab er sich mit etwa 32.000 Fußsoldaten und 5000 Reitern auf die Reise nach Kleinasien. Im Winter 334/333 v. u. Z. eroberte Alexander das anatolische Binnenland. In der Stadt Gordion zerschlug er der Legende nach den Gordischen Knoten, über den ein Orakel prophezeit hatte, nur derjenige, der diesen Knoten löse, könne die Herrschaft über Asien erringen. Der Eroberungszug war eingeläutet. Die Armee Alexanders fügte den Truppen des achaimedischen Perserkönigs Dareios III. in kurzer Zeit mehrere entscheidende Verluste zu: Die Schlacht bei Issos und die Schlacht bei Gaugamela am Tigris gehören dabei zu den bekanntesten. Er stieß weiter entlang der Mittelmeerküste bis nach Ägypten vor und besetzte strategisch wichtige Häfen wie die phönizische Stadt Tyros. In Ägypten wurde er ehrfurchtsvoll empfangen und wie die alten Pharaonen als Gottkönig verehrt. An der Küste ließ er eine Stadt errichten - Alexandria - die auch heute noch an ihn erinnert. Im Winter 331/330 fielen den Makedonen die achaimedischen Residenzen Susa und Persepolis kampflos in die Hände. König Dareios entkam, fiel jedoch einer Verschwörung in seinem Vertrautenkreis zum Opfer. Alexander hatte den Anspruch, das Erbe des Perserkönigs anzutreten. Er wollte beherrschen, was auch Dareios vor ihm beherrscht hatte. In einem Anflug von Hybris unterwarf Alexander noch Baktrien (im heutigen Afghanistan) und ehelichte die baktrische Prinzessin Roxane. 327 v. u. Z. fiel er in Indien ein und überquerte den Indus, die äußerste Grenze des alten Perserreichs. Alexander starb 323 v. u. Z. plötzlich in Babylon, vermutlich an Typhus. Sein Imperium zerbrach. Alexander der Große wurde bereits direkt nach seinem Tod ein Vorbild für hellenistische Könige, die über Teile seines Reichs herrschten. Später beriefen sich auch römische Kaiser auf Alexander. Seine Person wurde prägend für viele Herrscher bis in die Gegenwart. Die Geschichte seiner Taten wurde in Berichten und Erzählungen immer weiter legendenhaft ausgeschmückt. Elias Heindl Literatur/Quellen Orth, Wolfgang: Alexander der Große. In: Brodersen, Kai (Hrsg.), Grosse Gestalten der griechischen Antike. Verlag C.H. Beck, München, 1999 Dahmen, Karsten: Die Berliner Abukir-Medaillone – Alexander der Große in Gold. Führungsblatt Nr. 13, Münzkabinett Bode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin, 2005 smb.museum-digital.de/object/171374 (zul. aufgerufen am 24.04.2023) de.wikipedia.org/wiki/Alexander_der_Gro%C3%9Fe (zul. aufgerufen am 24.04.2023) Daniels, Patricia: Alexander der Große: Genialer Eroberer oder Größenwahnsinniger? National Geograhics Special – Denker, Herrscher, Macher, 29.04.2022, aufgerufen über www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2022/04/alexander-der-grosse-genialer-eroberer-oder-groessenwahnsinniger (zul. am 25.04.2023) https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/59/Alexander_and_Bucephalus_-_Battle_of_Issus_mosaic_-_Museo_Archeologico_Nazionale_-_Naples_BW.jpg

  • Lexikon: Bogenreihensammlung

    Spezialsammlung deutscher Reichsscheine aus der Zeit von 1898 bis 1923, also aller Reichsbanknoten, Reichs- und Darlehnskassenscheine aus der Vorinflations- und Inflationszeit mit allen Varianten. Da die Reichsbanknoten der Inflation im Auftrag der Reichsbank von zahlreichen privaten Druckereien hergestellt wurden, die ihre verschlüsselten Firmenzeichen auf die Noten druckten (z.B. BK = Bachem, Köln; GD = Giesecke & Devrient, Leipzig; GU = Gundlach, Bielefeld; OM = Oldenbourg, München; P = Preuss, Berlin) und zum Teil auch mit unterschiedlichen Nummerierwerken arbeiteten sowie außerdem Druckpapiere mit verschiedenen Wasserzeichen verwendet wurden, kann ein Sammler, der auch noch die verschiedenen Bogen-Nummern oder Bogen-Buchstaben beachten möchte, eine Sammlung von über 30.000 verschiedenen Varianten zusammentragen. DEU-84e: 1000 Mark vom 15.9.1922, Papier weiß mit Wasserzeichen Mäander, Firmenzeichen HH = Hartung & Co., Hamburg, Bogenzeichen R, Kontrollnummer 5-stellig braun und groß mit 6 strahligem sternförmigem Plunger, Vorderseite. DEU-84i: 1000 Mark vom 15.9.1922, Papier weiß mit Wasserzeichen Gitter mit 8, Firmenzeichen PL = Poeschel & Trepte, Leipzig, Bogenzeichen Bc, Kontrollnummer 6-stellig schwarz und klein ohne Plunger, Vorderseite. DEU-85: 1000 Mark vom 15.9.1922, Papier gelb mit Wasserzeichen Dornen, Firmenzeichen GP = Pass & Garleb, Berlin, Bogenzeichen Wd, Kontrollnummer 6-stellig rot und groß, ohne Plunger, Vorderseite. Der Aufbau einer solchen Sammlung richtet sich nach folgenden Varianten: 1. Wasserzeichen Folgende Hauptarten gibt es bei den Inflationsnoten: Randwasserzeichen mit Einfärbung (Disteln, Eichenlaub, Wertband), Hakensterne (GD-Muster), Gitter mit 8, Ringe, Kreuzblüten, Rauten, Sterne mit S und auch Wellen. 2. Firmenzeichen Als Doppelbuchstaben vom Sekretariat für Banknotendruck oder als Einzelbuchstaben von der Abteilung Hilfsbanknotendruck der Deutschen Reichsbank vergebene Kennungen für die für die Reichsbank mit dem Druck von Banknoten beauftragten privaten Druckereien. Meist in der Nähe der Nummerierung. 3. Bogenzeichen Je nach Bogengröße und Nutzen (Anzahl der Scheine aus einem Druckbogen) fortlaufende Ziffern oder Buchstaben. 4. Kontrollnummern (Nummerierung) Nach Anzahl der Stellen, Zifferntypen und -größen sowie mit oder ohne verschiedene No-Zeichen und mit oder ohne verschiedene Plunger (Sterne) vor oder hinter der Nummerierung. 5. Unterdruckbuchstaben Gesonderte Unterdruckbuchstaben als zusätzliche Serienbezeichnung. Eine solche Spezialsammlung von nur relativ wenigen Haupttypen lässt sich schlechter darstellen als eine Generalsammlung und findet daher bei Nichtsammlern wenig Anklang. Nur mit Hilfe z.B. einer selbst anzufertigenden Tabelle, in die jeder Schein und jede Variante an einer frei gehaltenen Stelle eingetragen werden kann, lässt sich eine solche Sammlung weiter aufbauen und komplettieren, da sonst das Erkennen fehlender Varianten sehr zeitaufwendig werden kann. Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski Abb. Sammlung Hans-Ludwig Grabowski #Lexikon #Varianten #Pick #Grabowski

  • Aus privaten Sammlungen: Unbekanntes belgisches Lagergeld des Zweiten Weltkriegs

    Objekttyp: Lagergeldschein Sammlung: Thomas van Eck Historischer Kontext: In meiner Sammlung befindet sich ein Geldschein der mir Rätsel aufgibt. Der Wert beträgt 5 Francs. Eine KN ist nicht angegeben. Der Druck ist grün auf weißem Papier. Die Rückseite ist leer. Format 76 mm x 51 mm. Unterzeichnet ist der Schein mit der deutschsprachigen Bezeichnung „Der Lagerkommandant“. Leider kann ich die blassrote Unterschrift nicht entziffern. Oben steht als Ausgabebezeichnung „L.B.V. Waterschei“. In Waterschei wurde während des Zweiten Weltkriegs Notgeld des Bergwerks „Charbonnages André Dumont“ (vgl. Keller-Katalog: Das Notgeld des II. Weltkriegs, Nr. 110-126) ausgegeben. Hierunter ist der gesuchte Geldschein nicht aufgeführt. Eine Recherche zur Bezeichnung „L.B.V. Waterschei“ führte zur Internetseite von „wiki-de.genealogy.net – Deutsche Kriegsgefangene in belgischen Bergbaulagern“. Dort ist für das Kohlengebiet Limburg unter Lager-Nummer LB V Waterschei ein entsprechendes Lager des Bergwerks „Charbonnages André Dumont“ gelistet. Es soll im Mai 1945 errichtet worden und mit ca. 3000 Mann belegt gewesen sein. Im Kohlengebiet Limburg gab es insgesamt sieben Lager mit den Bezeichnungen LB I bis LB VII. Vermutlich bestanden diese Lager bis Ende 1946. Seit August 1942 sind Arbeitslager für russische Zwangsarbeiter in den Limburger Kohlengruben bekannt, so u. a. in Waterschei. Diese Lager wurden später für deutsche Kriegsgefangene weiter genutzt. Waterschei ist heute ein Stadtteil von Genk. Das Bergwerk von André Dumont förderte von 1924 bis zu seiner Schließung 1987 Kohle. Die Region war seit den 1920er-Jahren geprägt von Zuwanderung aus Ost- und Südeuropa. Die Gebäude des ehemaligen Lagers in Waterschei wurden ab ca. 1952 mit angeworbenen Minenarbeitern aus Italien belegt. Heute soll sich an dieser Stelle ein Fußballplatz befinden. Ein zweiter entwerteter Schein über 2 Francs ohne Unterschrift ist bekannt. Nicht bekannt ist, ob diese Ausgabe oder ähnliche Scheine anderer Lager bisher katalogisiert wurden. Land/Region/Ort: Belgien / Limburg / Waterschei Emittent: L. B. V. Waterschei (Lager des Bergwerks „Charbonnages André Dumont“) Nominal: 5 Francs Datierung: ohne Datum Vorderseite: Druck grün, einseitig Material: Papier Wasserzeichen: ohne Unterschrift: Faksimile-Stempel, Name unbekannt Format: 76 × 51 mm Nummerierung: ohne Umlauf: wahrscheinlich von Mai 1945 bis Ende 1946 Authentizität: Original Zitate: Nicht katalogisiert! Thomas van Eck Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Aus privaten Sammlungen: Die wahrscheinlich seltenste Ersatznote der Welt

    Passend zu dem Artikel von Herrn Bronnert über die Ersatznoten möchte ich diesen Schein aus meiner Sammlung vorstellen. Objekttyp: Banknote Sammlung: Thomas Neldner Historischer Kontext: Auf den ersten Blick keine Seltenheit, aber die Serie Z verrät, dass es sich um eine sog. Ersatznote (Austauschnote, Replacement Note) handelt, da die Banknote mit der hier vorliegenden 1. Signaturkombination nur in den Serien A bis C (evtl. D?) existiert. Es ist die bislang die einzig bekannte Ersatznote dieser Wertstufe über 10.000 Francs von 2006, für die anderen Nominale ist bislang überhaupt keine entdeckt worden. Es handelt sich also wahrscheinlich um eine der seltensten Austauschbanknoten der Welt. Land/Region/Ort: Komoren Emittent: Banque Centrale des Comores Nominal: 10.000 Francs Datierung: 2006 Vorderseite: Freitags-Moschee in Moroni, Porträt Al-Habib Saïd Omar Bin Soumeit Rückseite: Grüne Vanille-Schoten, grüne Meeresschildkröte, Ylang-Ylang Material: Papier Wasserzeichen: Halbmond mit Sternen und Text BCC Unterschriften: Ahamadi Abdoulbastoi und Remy Rioux Druck: Banque De France Format: 144 x 73 mm Nummerierung: Z004144 Authentizität: Original Referenzen: COM-19a (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. III – Modern Issues) B310az (Linzmayer: The Banknote Book: Comoros) Thomas Neldner Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Lexikon: Golddeckung

    Eine Golddeckung ist die laut Bankgesetz vorgeschriebene Deckung von zirkulierenden Geldscheinen in Gold. Abb. KI-generiert. Das deutsche Bankgesetz vom 14. März 1875 kannte die Dritteldeckung, d.h. 1/3 der Summe der umlaufenden Noten musste in Gold gedeckt sein. DEU-11: Deutsche Reichsbank, Reichsbanknote über 100 Mark vom 10. April 1896, Vorderseite. Die deutschen Reichsbanknoten erhielten erst ab 1. Januar 1910 Zwangskurs und wurden den Reichsgoldmünzen gleichgestellt. Im Umlauf mussten sie damit von jedermann in Zahlung genommen werden. Am 31. Juli 1914, dem Tag der Erklärung des "Zustandes der drohenden Kriegsgefahr" wurde ihre Einlösung in Gold eingestellt. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Paraguay: Neue Banknotenserie soll eingeführt werden

    Bereits am 5. Oktober 2022 gab die Banco Central del Paraguay bekannt, dass sukzessive eine neue Banknotenserie eingeführt werden soll. Die wichtigsten Änderungen zur aktuellen Serie: die Rückseiten werden geändert. Thema werden die Ökosysteme Paraguays sein. Die Vorderseiten mit den Porträts sollen nicht geändert werden; die einheitliche Größe aller Wertstufen (2000, 5000, 10.000, 20.000, 50.000 und 100.000) wird abgeschafft. Die sechs Wertstufen der neuen Banknotenserie werden sich in der Länge unterscheiden; die 10.000-Guarani-Banknote wird nicht mehr aus Papier/Baumwolle sein, sondern, wie schon die 2000 und 5000 Guarani, aus Polymer-Kunststoff; die Anzahl der Nullen bleibt. Die 2009 geplante Streichung von drei Nullen entfällt; Paraguay, Banco Central del Paraguay: 2000 Guaranies (2008) der aktuellen Serie aus Polymer-Kunststoff, Vorder- und Rückseite. Abb. Sammlung Grabowski. Paraguay, Banco Central del Paraguay: 10.000 Guaranies (2015) der aktuellen Serie aus herkömmlichem Banknotenpapier, Vorder- und Rückseite. Abb. Hans Worbes, www.worbes-verlag.de. Sieben Banknotendruckereien gaben im Dezember 2022 Angebote ab. Oberthur Fiduciaire S.A.S. erhielt im Februar 2023 den Auftrag für die Gestaltung und Produktion der Noten. Sie legte mit 270.000 US-$ das deutlich niedrigste Angebot vor und erhielt den Zuschlag. Die neue Banknotenserie könnte im Oktober 2023 zum 80. Jubiläum der Einführung der Guaraní-Währung präsentiert werden. Ralf Faust

  • Provinz Sachsen: Frühes Goldmark-Notgeld der Leuna-Werke 1923

    Ende Oktober 1923 forderten immer mehr Vertreter der Arbeitnehmerschaft in Industriebetrieben die Einführung wertbeständigen Notgelds bei der Lohnzahlung. Ab 23. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung Unternehmen bei Erfüllung bestimmter Bedingungen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld in Goldmark mit Dollar-Valutaklausel (Deckung durch Teile der Reichsgoldanleihe, 1 Dollar = 4.20 Goldmark, formale Erfordernisse). In der Provinz Sachsen waren die Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation (AGFA) in Wolfen, das Ammoniakwerk Merseburg G.m.b.H., die Leuna-Werke und die Stadt Merseburg die ersten, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machten. Wertbeständiges Notgeld ist in der Provinz Sachsen zuerst in den Industriegebieten von Bitterfeld und Merseburg emittiert worden. Am 24. Oktober 1923 gab die Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation in Wolfen, Kreis Bitterfeld, zwei Gutscheine über 42 und 105 Goldpfennig aus; sie tragen dasselbe Datum wie die Berliner Emission der Gesellschaft. Die Ausgabe wurde genehmigt vom Reichsminister der Finanzen. Die Scheine dienten nach Pressemitteilungen zur teilweisen Bestreitung der Lohn- und Gehaltszahlungen. Alle Bankinstitute, Geschäftsleute und Behörden wurden gebeten, sie in Zahlung zu nehmen. Als Einlösungstag war der 31. Dezember 1923 angegeben: Nach Pressebekanntmachung vom 15. Dezember 1923 sollte die Einlösung aber erst am 3. Januar 1924, also auch noch lange vor dem später für die Provinz Sachsen festgesetzten allgemeinen Einlösungstermin für wertbeständiges Notgeld (10. Juni 1924) erfolgen. Ammoniakwerk Merseburg Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Notgeldschein über 0,42 Goldmark = 1/10 Dollar, ausgestellt Leuna-Werke am 27. Oktober 1923. Wasserzeichen: Giesecke & Devrient-Kreuzsternmuster. Die Einführung der Scheine über 0,42 Goldmark = 1/10 Dollar des Ammoniakwerks Merseburg Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Leuna-Werke, vom 27. Oktober 1923 wurde ebenfalls in der Presse bekanntgegeben. Das wertbeständige Notgeld der Gesellschaft wurde auch in Merseburg, Halle, Leipzig, Weißenfels, Naumburg und anderen Orten, in denen Werksangehörige wohnten, in Zahlung genommen. Ammoniakwerk Merseburg Gesellschaft mit beschränkter Haftung, vom 27. Oktober 1923 (Rückseite mit Angabe der Einlösungsstellen). Von dem Notgeldschein existieren zwei verschiedene Ausgaben: Text der Rückseite beginnt mit "Der Umtausch …" Text der Rückseite beginnt mit "Die Einlösung …" Zur Verstärkung des Umlaufs an solchen Zahlungsmitteln gab gleichzeitig die Stadt Merseburg am 26. Oktober 1923 drei Werte wertbeständiges Notgeld über 42 Goldpfennig, 1,05 und 2,10 Mark Gold heraus. Die endgültige Einlösung des Goldmark-Notgelds erfolgte durch Aufruf des Reichsfinanzministers Anfang 1924 für die Provinz Sachsen vom 10. Mai bis 10. Juni 1924. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat (6/2023) Literaturhinweis (Daten und Texte teilweise entnommen): Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro

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