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  • Reiner Kammerl: Krisenjahr und Inflation 1923 in Weißenburg

    "… in der insbesondere auch für unsere Hausfrauen schrecklichen Inflationszeit" in: Weißenburger Blätter; Geschichte, Heimatkunde, Kultur; villa nostra 1/2023; 35 Seiten, farbig illustriert, Format 200 x 210 mm, Softcover mit Klammerheftung; Kostenlose Abgabe durch die Stadtverwaltung: https://www.weissenburg.de/kontakt/ Kostenloser PDF-Dowmload: https://www.weissenburg.de/villa-nostra/ Vor 100 Jahren erreichte die deutsche Inflation ihren Höhepunkt. Seit Kriegsbeginn 1914 verringerte sich der Wert der Mark kontinuierlich und ab August 1923 befand sie sich im freien Fall. Erst im November gelang die Währungsstabilisierung mithilfe der Rentenmark. Der Weißenburger Stadtarchivar Reiner Kammerl erinnert im Rahmen der „Weißenburger Blätter“ an die deutsche Hyperinflation 1923. Dabei steht zunächst die wirtschaftliche Situation der Weißenburger Bürger im Fokus seiner Darstellung. Er erinnert an die Ursachen der Inflation, den enormen Kriegskosten, die Finanzierung durch Kriegsanleihen, berichtet über das Leben mit der Inflation. Aus Stadtratsprotokollen erfährt der Leser über die Bemühungen der Stadt die Lebensmittelversorgung zu gewährleisten, z. B. von den enormen Schwierigkeiten, die der Kartoffeleinkauf im Herbst 1923 in Stettin bereitete. Eine Übersicht über Preisentwicklungen, eine Zeitungsanzeige über den wöchentlichen Abonnementspreis der Weißenburger Zeitung, ein Zeitungsbericht über die Wirtschaftszahlen vom 12. Dezember 1923 usw. machen das ganze Ausmaß der Inflation sichtbar. Kammerl beschränkt sich nicht nur auf das Jahr 1923, sondern berichtet auch über Maßnahmen seitens der Stadt und von Organisationen, mit denen Bedürftige unterstützt wurden: Volksküche, Weißenburger Hilfswerk, Suppenküche des Roten Kreuzes. Den größten Teil des Heftes nimmt natürlich das Notgeld ein. Zunächst erklärt der Autor, was unter Notgeld zu verstehen ist und gibt anschließen einen kurzen Überblick über die verschiedenen Notgeld-Epochen. Danach behandelt er die Notgeldausgaben der Stadt Weißenburg, beginnend mit den Kriegsnotgeldscheinen mit dem Ausgabedatum vom 11. Dezember 1916 und der Kriegsmünze zu 50 Pfennig aus den Jahren 1918/19. Es folgt ein Bericht über ein gescheitertes Notgeldprojekt von 1921 und den Notgeldscheinen des Jahres 1922. Es folgen die verschiedenen Ausgaben der Hyperinflation. Die letzte Gruppe des Stadtnotgeldes umfasst die auf Goldmark lautenden Scheine, die lt. Stadtratsbeschluss vom 18. Dezember 1923 in erster Linie zum Einzug des alten Papiernotgelds und zur Auszahlung von Gehältern und Löhnen an die städtischen Beamten und Arbeiter dienen sollte. Abschließend wird über die Einlösung des städtischen Notgeldes berichtet. Sozusagen als Anhang werden die Notgeldscheine Weißenburger Unternehmen vorgestellt. Kammerl bemerkt dazu, dass die städtischen Kassen angewiesen wurden, keine Firmenscheine anzunehmen und dass dies wohl der Grund dafür sei, dass sich in den städtischen Sammlungen nur wenige Ausgaben erhalten haben. Den Abschluss bildet das Lagergeld des Offiziersgefangenenlagers auf der Festung Wülzburg. Der Autor will mit diesem Heft keinen Notgeld-Katalog ersetzen. Es wendet sich in erster Linie an interessierte Bürger der Stadt Weißenburg, aber auch der Sammler wird sich über die farbigen Abbildungen der Scheine und den detaillierten Hintergrundinformationen freuen. Das Heft erschien in einer Auflage von 2.500 Stück und wird von der Stadtverwaltung kostenlos abgegeben, es kann aber auch kostenlos als PDF heruntergeladen werden. Uwe Bronnert

  • Wie die Deutsche Notenbank den Banknotendruck für Syrien verhinderte

    Die Konferenz von Bandung/Indonesien im April 1955 gilt als Gründungsereignis der Bewegung der "Blockfreien Staaten" und Ausgangspunkt der Dekolonisierungsbewegung. In den darauffolgenden Jahren erlangten zahlreiche Staaten in Afrika und Asien ihre Unabhängigkeit. Auch die DDR war bestrebt, diplomatische sowie Handelsbeziehungen mit den neu entstandenen Staaten aufzunehmen. Denn diese schufen als Zeichen staatlicher Souveränität ihre eigene Währung und gaben neue Geldscheine heraus. Vielleicht lag darin ein Ansatz für Handelsgeschäfte, hatte man doch in Leipzig den VEB Deutsche Wertpapierdruckerei (DWD) – hervorgegangenen aus der 1948 verstaatlichen Banknotendruckerei Giesecke & Devrient, die vor dem Krieg Geldscheine für diverse Länder gedruckt hatte? Könnte man hier Exportaufträge an Land ziehen? Am 29. Mai 1956 besuchte ein Vertreter der DWD die Deutsche Notenbank in Berlin und legte eine Aufstellung nebst Musterscheinen aus Leipziger Produktion vor; die DWD setzte schriftlich am 8. Juni 1956 nach: Man stehe in Verhandlungen mit dem (seit 1946 unabhängigen und der Bewegung der Blockfreien angehörigen) Staat Syrien über den Druck von Banknoten. Daher habe man Mustermappen mit Druck-Erzeugnissen aus Leipzig zusammengestellt, die man zugleich den Vertretern der Deutsche Buch Export- und Import in Leipzig[1] an die Hand geben wolle als Referenz für das drucktechnische Können der DWD. Die Deutsche Notenbank möge hierzu bitte ihr Einverständnis erteilen. Dort schrillten die Alarmglocken. Denn nicht etwa Scheine der Deutschen Notenbank Serie 1948 aus Leipziger Produktion hatte die DWD als Musterstücke ausgewählt. Neben Banknoten zu 100 RM vom 11. Oktober 1924[2] sowie zu 50 RM vom 1.9.1925[3], Scheinen zu 2 und 5 Valuta-Mark der Messeschecks zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949, Gutscheine zu 10 Pfennig, 1 und 10 DM des "Internationalen Basars", Inlandreiseschecks der DDR und anderen Wertpapierdrucken wollte man – ausgerechnet – diverse Exemplare der von Giesecke & Devrient 1936 und 1938 für die Banco de España Filiale Burgos gedruckten Noten zu 5 bis 1000 Pesetas[4] der Mustermappe beifügen. Bayerische Notenbank, BAY-24: Muster zu 100 RM vom 11. Oktober 1924, Vorder- und Rückseite. Abb. Battenberg Gietl Verlag. Sächsische Bank zu Dresden, SAX-27: Muster zu 100 RM vom 11. Oktober 1924, Vorder- und Rückseite. Abb. Battenberg Gietl Verlag. Bayerische Notenbank, BAY-25: Muster zu 50 RM vom 1. September 1925, Vorder- und Rückseite. Abb. Battenberg Gietl Verlag. Deutsche Notenbank: Muster zu Messe-Scheck über 1 Valuta-Mark zur Frühjahrsmesse 1949, Vorder- und Rückseite. Abb. Henning Huschka. Messeschecks in verschiedenen Nominalen waren in einem Gutscheinheft im Wert von insgesamt 100 Valuta-Mark zusammengefasst und dienten als Zahlungsmittel für westliche Messebesucher. Sie wurden an diese im Tausch gegen Devisen ausgegeben. Banco de España Filiale Burgos, ESP-101a: Banknote zu 100 Pesetas vom 21. November 1936, Vorder- und Rückseite. Abb. Hans Worbes, www.worbes-verlag.de. Dieses Vorhaben war aus verschieben Gründen überaus pikant: Zum einen waren die Scheine nunmehr fast 20 Jahre alt und weder drucktechnisch noch grafisch herausragend. Sie waren wie die 1956 umlaufenden Banknoten der DDR im Buchdruck hergestellt; die grafische Gestaltung der Ausgabe 1936 der Banco de Españia Filiale Burgos war auf der Vorderseite mit den umlaufenden Scheinen der Deutschen Notenbank vergleichbar. Zudem waren die Scheine von Giesecke & Devrient produziert worden – und zwar für die Regierung von Francisco Franco während des Spanischen Bürgerkriegs von 1936 bis 1939, die ihren Sitz in Burgos hatte. Banknoten gedruckt für einen faschistischen Diktator als Referenzen für die Leistungen eines volkseigenen Betriebes! Wie konnte man die DWD von diesem Vorhaben abbringen, ohne an höherer Stelle unangenehm aufzufallen? Direktor Johannes Weissflog von der Deutschen Notenbank wurde mit der Sache beauftragt, die Rechtsabteilung um Stellungnahme gebeten sowie die Falschgeldabteilung (Ag 45) hinzugezogen. In einem internen Vermerk wies man zunächst darauf hin, dass die betreffenden Scheine aus Spanien nach dem Interpol-Referenzwerk „Contrefacons et Falsifications“[5] in Spanien noch im Umlauf seien. Das stimmte nur bedingt: Zwar waren die von der Banco de Españia Filiale Burgos ausgegeben Scheine nach dem Sieg Francos allein gesetzliche Zahlungsmittel in Spanien. Sie waren nicht eingezogen worden und damit noch gültig, jedoch Mitte der 1950er Jahre nicht mehr im Umlauf anzutreffen und durch andere Scheine mit Ausgabeort Madrid[6] ersetzt worden, die in der staatlichen Wertpapierdruckerei Fábrica Nacional de Moneda y Timbre gedruckt und von denen die höheren Werte im Stahlstich-Tiefdruck ausgeführt waren. Das konnte man in Ost-Berlin wahrscheinlich nicht wissen, dennoch war das Argument tauglich: Musterscheine aus anderen Staaten erhalte man nur auf vertraulicher Basis, man müsse diese sicher verwahren und dürfte sie ohne Genehmigung der herausgebenden Bank nicht weiterverwenden. Diese Genehmigung habe die Notenbank für die betreffenden spanischen Banknoten nicht und hätte sie angesichts der Umstände auch nicht erhalten können. Denn gedruckt wurden die Noten ja noch von Giesecke & Devrient, und die Notenbank hätte schon aus politischen Gründen kaum in Madrid um Erlaubnis zur Verwendung in der Mustermappe bitten können. Auch eine Anfrage bei Giesecke & Devrient in München kam nicht in Betracht, nachdem das Unternehmen 1948 verstaatlicht und in die DWD überführt worden war. Hier lag eine weitere Pikanterie des Falles: Unbekannt war auch, ob sich Giesecke & Devrient die Schutzrechte an den Scheinen gesichert hatte. Einer Auseinandersetzung darüber wollte man in jedem Fall aus dem Weg gehen. Politisch verklausulierte man, dass die DWD nicht offiziell in den Besitz dieser Scheine gelangt sei – eine in der Sache durchaus zutreffende Feststellung. Für die HO-Kaufberechtigungen des "Internationalen Basars", die noch in Gebrauch seien, sei man als Notenbank nicht verantwortlich und könne keine Entscheidung treffen. Gegen die Verwendung von außer Kurs gesetzten Reichsmarknoten habe man dagegen keine Bedenken. Dabei konnten neben den spanischen Banknoten auch die anderen für die Mustermappe vorgesehenen Scheine nicht unbedingt als Erzeugnisse von Spitzenqualität gelten: Die Messeschecks zur Leipziger Frühjahrsmesse 1949 waren in einfachem Offsetdruck hergestellt und grafisch wenig ansprechend. Die ausgewählten Scheine der deutschen Privatnotenbanken aus den Jahren 1924 und 1925 waren über 30 Jahre alt und konnten auch mit viel gutem Willen im Ausland nicht mehr als Druck-Erzeugnisse von zeitgemäßer Ausführung durchgehen, insbesondere wenn man sie mit den Produkten englischer Wertpapierdruckereien wie Thomas de la Rue oder Bradbury Wilkinson & Co. aus der Mitte der 1950er Jahre vergleicht, mit denen man in Wettbewerb treten wollte. Nachdem alle Argumente zusammengetragen und besprochen waren, antwortete die Deutsche Notenbank mit Schreiben vom 20. Juni 1956 direkt an das Ministerium der Finanzen. Dabei trug man in gesetzter Form die dargestellten Argumente vor. Auch wies man darauf hin, dass eine Werbung im Ausland mit Erzeugnissen des verstaatlichten Privatunternehmens Giesecke & Devrient dem nunmehr volkseigenen Betrieb DWD kaum gedient sei. Die Messe- und Basarschecks sowie die Inlandreiseschecks der DDR hielt man als Werbeerzeugnisse für ungeeignet. Jedenfalls insoweit hatte man wohl auch aufgrund des Umgangs mit ausländischen Zahlungsmitteln bei der Notenbank in Berlin eine realistische Einschätzung von der Qualität dessen, was die DWD anbieten konnte. Schreiben des stellvertretenden Finanzministers der DDR vom 8. Dezember 1956 an die Präsidentin der Deutschen Notenbank. Abb. des Autors. Doch diese ließ nicht locker und eskalierte den Konflikt. Im Dezember 1956 wandte sich der stellvertretende Finanzminister der DDR schriftlich an die Präsidentin der Deutschen Notenbank, Greta Kuckhoff[7], und drängte angesichts der politischen Bedeutung auf rasche Genehmigung. Nunmehr war (ohne nähere Beschreibung) auch von luxemburgischen Banknoten die Rede[8], die dieser Mustermappe beigefügt werden sollten. Dabei zeigte auch der stellvertretende Finanzminister ein erstaunliches Maß an Realismus, was die Beurteilung der Qualität der von der DWD für die Deutsche Notenbank produzierten Scheine betraf: Mit den Banknoten der DDR könne keine Exportwerbung betrieben werden, weil bei diesen Noten nicht die besten Papiere und nicht der Qualitätsdruck verwendet wurde, der heute bei Banknoten gefordert sei. Deutlicher hätte man auch auf ministerieller Ebene kaum sagen können, auf welchem Niveau die DWD 1956 zu produzieren imstande war. Vom angestrebten „Weltstandard“ waren die Druck-Erzeugnisse der DWD weit entfernt. Doch politisch wollte man im Ausland Flagge zeigen. Die Präsidentin der Notenbank blieb trotz direkter Intervention des Finanzministeriums standhaft – eine Genehmigung wurde weiterhin versagt. Das Projekt Mustermappe verschwand schließlich in der Schublade. Bei dem angestrebten Druckauftrag für Syrien ging DWD leer aus: Die Banknoten der Ausgabe 1958 der Syrischen Zentralbank wurden für die kleineren Wertstufen zu 1, 5 und 10 Pfund[9] von der Pakistanischen Staatsdruckerei und für die Werte 25, 50, 100 und 500 Pfund[10] von der niederländischen Wertpapierdruckerei Joh. Enschede & Zn. gedruckt. Beide Druckereien lieferten grafisch ansprechende Scheine in zeitgemäßer Gestaltung und von hoher drucktechnischer Qualität. Peoples Bank of Burma, BUR-54: Banknote zu 10 Kyats ohne Datum (1965), Vorder- und Rückseite. Abb. Sammlung Grabowski. Einige Jahre später kam die DWD dann doch noch zum Zug, nämlich beim Druck der Scheine der Ausgabe 1965 von Burma[11]. Anfang des Jahres 1964 unternahm der Stellvertretende Vorsitzende des Ministerrats der DDR, Bruno Leuschner, eine ausgedehnte Reise nach Südostasien, die ihn unter anderem auch nach Burma führte. Dort hatte die DDR schon 1961 ein Generalkonsulat eingerichtet. Es wurden politische Beziehungen zu der 1962 errichteten sozialistischen Regierung unter General Ne Win aufgebaut, die dann – vielleicht unabhängig von der Qualität der Druckleistung – zu einer Beauftragung der DWD führten. Da die Scheine Burmas allein im Inland zirkulierten und sich das Land zunehmend handelspolitisch isolierte, kam es auf einen Vergleich mit dem „Weltstandard“ nicht an. Ob Leuschner eine Mustermappe der DWD mit sich führte und welche Scheine sie enthielt – wer weiß? Dr. Sven Gerhard Anmerkungen [1] Der 1953 gegründete Außenhandelsbetrieb Deutscher Buch-Export und -Import war zuständig für den Export und Import von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, Kunstdrucken, Noten, Briefmarken, Kalendern, Schallplatten u. a. Er war dem Ministerium für Außenhandel und dem Ministerium für Kultur der DDR unterstellt. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv Leipzig. [2] Es könnte sich um den Schein BAY-24 der Bayerischen Notenbank oder SAX-27 der Sächsischen Bank zu Dresden gehandelt haben. [3] BAY-25 der Bayerische Notenbank. [4] ESP-99, 100, 101, 110, 111, 112, 113, 114 und 115 (World Paper Money). [5] Contrefaçons et falsifications: Revue internationale des marques caractéristiques de billets de banque et autres valeurs authentiques et de leurs falsifications – diverse Jahrgänge. [6] ESP-116 ff. [7] Greta Kuckhoff war von 1950 bis 1958 Präsidentin der Deutschen Notenbank. Im April 1958 trat sie von ihrem Amt zurück. [8] Giesecke & Devrient hatte diverse luxemburgische Banknoten hergestellt, zuletzt die Kassenscheine zu 1000 Franken mit Datum 1.9.1939 (LUX-40) sowie zu 10 Franken mit Datum 20.4.1940, die unter deutscher Besatzung ausgegeben wurden. [9] SYR-86-88. [10] SYR-89-92. [11] BUR-52-55.

  • Besuchen Sie uns auf der NUMISMATA vom 4.-5. März 2023 in München!

    Nach drei Jahren Corona-Zwangspause findet am 4. und 5. März 2023 im MOC in München mit der NUMISMATA endlich wieder eine der renommiertesten internationalen Münzbörsen überhaupt statt. Es werden zahlreiche Händler aus vielen Ländern erwartet und auch der Battenberg Gietl Verlag ist natürlich wieder mit seiner Fachliteratur für Sammler vertreten. Muenzen- und Geldscheine-Online haben je drei Dauerkarten verlost und die Gewinner und den Veranstalter bereits benachrichtigt. Besuchen Sie uns auf der NUMISMATA am Stand E3 und sprechen Sie mit uns persönlich, wir freuen uns auf Sie! Hans-Ludwig Grabowski Redakteur

  • Barter Unit Certificates

    Der Tauschhandel beherrscht das Wirtschaftsleben der ersten Nachkriegsjahre Deutschland lag bei Kriegsende am Boden. In den Städten überall Ruinen, Schuttberge, Trümmerfelder, geborstene Fabrikhallen und zerstörte Brücken. Unermesslich war das Wohnungselend. Durch den Luftkrieg waren in den Westzonen von den 10,7 Millionen Wohnungen (1939) 2,3 Millionen total zerstört oder unbewohnbar. Einen Teil des stark dezimierten Wohnungsbestandes beanspruchten darüber hinaus die Besatzungsmächte und zusätzlich waren neun Millionen Flüchtlinge aus den Ostgebieten unterzubringen. So vegetierten Millionen in Gartenhäusern, Schuppen, Baracken, in Kellern unter zerstörten Häusern, ohne ausreichende Heizung und Ernährung. 1947/48 gab es für „Normalverbraucher“, also jene die keine Zulagen erhielten, wie Schwerarbeiter und Schwangere, ganze 150 Gramm Fett in der vierwöchigen Zuteilungsperiode und etwa alle drei Monate ein Ei. Im Schnitt kam man nur auf ca. 1500 Kalorien pro Tag. „Zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben.“ Täglich zogen daher Städter scharenweise aufs Land, um bei den Bauern Lebensmittel einzutauschen oder zu erbetteln. Mit Rucksäcken, Koffern und Körben drängten sich die „Hamsterer“ in die Eisenbahnwaggons, andere waren mit dem Fahrrad oder zu Fuß, einen alten Kinderwagen vor sich herschiebend, unterwegs. Alles Essbare war gefragt. Der Einsatz war meist „happig“. Die Bauern nahmen die entwertete Reichsmark nicht an, sie verlangten Sachwerte.[1] So wechselte vieles von dem, was noch in letzter Sekunde aus den brennenden Häusern gerettet werden konnte die Besitzer, z. B. Essbestecke, Kaffeeservices, Betttücher, Schmuck, Kunst usw. Damals kam die böse Floskel vom „Perserteppich im Kuhstall“ auf. Abb. 1: Auf zur Hamsterfahrt aufs Land: ein völlig überfüllter Zug im Bahnhof von Remagen im Jahr 1947. Foto: Bundesarchiv/B 145 Bild-F080295-0003/Vollrath/CC-BY-SA 3.0. Fehlende Lebensmittel waren nur eine Seite. Nach Berechnungen standen jedem Einwohner der Westzonen jedes Jahr 343 Gramm an Textilien, alle zwei Jahre ein Wasserglas, alle vier Jahre ein Stück Porzellan, alle fünfzehn Jahre ein Kochlöffel und alle 150 Jahre ein Waschbecken zu und in alle Ewigkeit keine Zahnbürste und kein Rasierpinsel.[2] Bei dieser Mangellage behielten die Alliierten das NS-Rationierungssystem mit Warenbezugsscheinen und Lebensmittelkarten bei.[3] Geld spiele praktisch keine Rolle mehr. Es hatte nur noch bei staatlichen Transaktionen, wie der Zahlung von Steuern und Beamtengehältern seine Bedeutung. Dies wird auch daran deutlich, dass ein Normalverbraucher für alle ihm zustehenden Lebensmittel einer vierwöchigen Kartenperiode gerade einmal 9,56 Reichsmark zu zahlen hatte. Viele wären verhungert, hätte es nicht neben diesem zwangsbewirtschaften und seit 1936 preisgestoppten Bereich nicht auch noch den Tauschhandel auf dem Schwarzmarkt gegeben. Hier wurden vorwiegend Waren gegen Waren getauscht oder gegen weit überhöhte Preise verkauft, die um das Dreißig-, Fünfzig- und Hundertfache höher lagen als die amtlich verordneten Preise. So kostete z. B. eine US-amerikanische Zigarette 6 RM, ein Pfund Kaffee 400 RM, eine 50-Watt-Glühbirne 50 RM oder ein Radio 3.000 RM. Das Nachkriegsdeutschland funktionierte wie eine währungslose Wirtschaft. In den Großstädten gab es Tag und Nacht geöffnete „Börsen“, in der Regel in der Nähe der Bahnhöfe, auf denen alles gehandelt werden konnte, von Bahnfahrkarten bis hin zu gefälschten Dokumenten. Zigaretten wurden hier in gewisser Weise zu einer Art staatenloser Währung, die den Schwarzmarkt dominierte. 1946 gingen Schätzungen davon aus, dass bis zu 50 % des Handels mit bestimmten Waren in illegalen Tauschbörsen stattfanden und sogar zwischen einem Drittel und der Hälfte aller geschäftlichen Transaktionen über Tauschgeschäfte abgewickelt wurden. Abb. 2: Schwarzhandel am Potsdamer Platz in Berlin. Foto: Bundesarchiv_Bild_183-19000-3293, Berlin, Schwarzmarkt_-Zigaretten. Der Verkauf von Zigaretten auf dem Schwarzmarkt bot US-amerikanischen Soldaten ungeahnte Verdienstmöglichkeiten. So importierten viele GIs Zigaretten aus den USA. Geschätzt wird, dass die Hälfte der Millionen von Paketen, die jeden Monat mit der Militärpost in Deutschland ankamen, Zigarettenlieferungen waren. In den PX-Läden[4] kostete eine Stange Lucky Strikes einen US-Dollar. Auf dem Schwarzmarkt erzielte man dafür über 1000 Reichsmark. Dieses Geld tauschten die US-Soldaten wie ihren Sold, den sie in Marknoten der Alliierten Militärbehörde ausbezahlt bekamen, zum Kurs von 10 Mark pro US-Dollar. Ein GI lebte nicht nur gut in Deutschland und hatte praktisch keine Ausgaben, sondern schickte auch enorme Summen nach Hause. In einem einzigen Monat im Jahr 1945 überwiesen die in Berlin stationierten US-Soldaten allein 3.163.519 US-Dollars, über 100.000 Dollars mehr als ihren Sold und dies selbst, nachdem sie etwa 300.000 US-Dollars in den PX-Läden ausgegeben hatten! Die in Deutschland stationierten Soldaten überwiesen eine halbe Milliarde US-Dollars, euphemistisch „Pokergewinne“ genannt, nach Hause.[5] Natürlich war dies aus unterschiedlichen Gründen bei der US-amerikanischen Militärverwaltung unerwünscht. Verschiedene Maßnahmen sollten den Schwarzmarkthandel der GIs einschränken. Ab November 1945 war der unbeschränkte Umtausch von Reichsmark nicht mehr in US-Dollar und Überweisungen nur noch in Höhe des Soldes möglich. Ab 16. September 1946 erfolgte die Soldzahlung in auf US-Dollars lautende „Militär Payment Certificates“ und am 26. Mai 1947 verbot die US-Armee die kostenlose Einfuhr von Zigaretten aus den USA durch ihre Soldaten in Deutschland. Abb. 3.1: Military Payment Certificate, Series 461, o. D. (1946), 1 Dollar, Vorderseite. Abb. 3.2: Military Payment Certificate, Series 461, o. D. (1946), 1 Dollar, Rückseite. Wenn man den Schwarzmarkthandel schon nicht beseitigen konnte, so wollte man ihn zumindest regulieren. Der Plan des kommandierenden Generals der US-Streitkräfte in Berlin, Lucius D. Clay, sah die Eröffnung einer Tauschzentrale vor, in der Waren aus legalem Besitz getauscht werden konnten, indem der Verkäufer nach Begutachtung der Ware spezielles „Ladengeld“ – Barter Units – erhielt, mit dem er seinerseits Waren erwerben konnte. Am 20. Juni 1946 wurde in Berlin ein Tauschhandelszentrum eröffnet, in dem Barter Units mit den Wertstufen 1, 5, 10, 25, 50 und 100 Einheiten (Units) benutzt wurden. Die Scheine, die mit „O.M.G.U.S. Barter Center“ überschrieben sind, wurden in einer lokalen Druckerei hergestellt. Nur wenige Exemplare haben die Zeit überdauert und gelangten in Sammlerhände. Anfangs wurde die Stange Zigaretten mit 20 Einheiten bewertet, später stieg der Wert auf 45 und schließlich auf 95 Einheiten. Im September 1946 legte das Office of Military Government for Germany (U.S.), kurz OMGUS[6], den Wert auf 55 Einheiten fest.[7] Dieser willkürliche Versuch einer Währungspolitik mit einem Zigarettenstandard brachte die Barter-Mart-Werte in etwa auf das Niveau des Schwarzmarktes, hatte aber grundsätzlich den Vorteil, dass die Tauschtransaktionen legal waren, anders als die der Schwarzmarktwirtschaft. Weder US-Amerikaner noch Deutsche liefen Gefahr, dass ihre Waren von der Polizei beschlagnahmt wurden. Der kommandierende U.S.-General in Frankfurt am Main, Joseph T. McNarney, griff die Berliner Idee auf und ließ in einem leerstehenden Ladenlokal in der Kaiserstraße 48-50 (Ecke Weserstraße), nur wenige Straßen vom Bahnhof entfernt, auf zwei Etagen eine Tauschzentrale unter dem Namen „Barter Mart“ einrichten. Die Leitung übernahm Robert D. Branagan, Leutnant des Transportkorps. Die Einrichtung nahm am 14. Oktober 1946 ihre Arbeit auf.[8] Der Frankfurter Barter Mart nutzte ebenfalls ein eigenes Ladengeld, das auf B.U.T.E. lautete. Die Wertstufen waren die gleichen wie in Berlin. In Frankfurt am Main kostete ein Pfund Butter 16 BUTEs, ein Pfund Kaffee 18, die in den USA besonders geschätzte Leica-Kamera hatte den Gegenwert von 5.000 Zigaretten, etwa 22 US-Dollars und 50 Cent, die dann in den USA für 600 US-Dollars verkauft wurde. Für 600 US-Dollars bekam man 134.000 Zigaretten, also 26 4/5 Leicas. Ein lukratives Geschäft für die GIs. Zur Ausgabe gelangten vier Serien von „Barter Unit Certificates“: Die Scheine der ersten Ausgabe tragen auf der Vorderseite den roten Aufdruck „Series 1946“ und eine sechsstellige Kontrollnummer mit angefügtem Stern. Bis auf die Wertangabe in Deutsch ist der Schein in englischer Sprache ausgeführt. Emittent ist das „Headquarters Command Barter Center“. Die Rückseite zeigt nur einen fünfzackigen Stern mit einem Wappenschild mit einem Schwert vor einer Flamme. Die Scheine wurden auf überschüssigem Kartenpapier von einer lokalen Druckerei gedruckt. Abb. 4.1: Headquarters Command Barter Center, Series 1946, 1 B.U.T.E., Vorderseite. Abb. 4.2: Headquarters Command Barter Center, Series 1946, 1 B.U.T.E., Rückseite. Die zweite Serie ist bis auf die Serienbezeichnung „Series 1947“ mit der vorherigen identisch. Sie wurde nötig, weil die Vorräte der 1946er Serie zur Neige gingen. Beide Ausgaben wurden am 16. Juli 1947 durch die dritte Serie – „Series 1947“ – in neuer Zeichnung ersetzt. Auf der Rückseite sind die Initialen von Leutnant Branagan (R.D.B.) in Ecken der Verzierung eingraviert und auf der Vorderseite die Jahreszahl 1947. Abb. 5.1: Headquarters Command Barter Center, Series 1947, 1 B.U.T.E., Vorderseite. Abb. 5.2: Headquarters Command Barter Center, Series 1947, 1 B.U.T.E., Rückseite. Als Fälschungen auftauchten, wurden die Scheine durch die vierte Serie ersetzt. Sie trägt die Serienbezeichnung „Series 1947 A“. Auf ihr findet sich erstmals die Unterschrift von Robert D. Branagan über seiner Dienstbezeichnung „1st. Lt. T. C. and Barter Center Mgr.“. Der Druck dieser Ausgabe ist anspruchsvoller, so wird der Nennwert und die Bezeichnung sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite genannt. Beim Papier verwendete man nun sogar solches mit einem Wasserzeichen. Abb. 6.1: Headquarters Command Barter Center, Series 1947 A, 1 B.U.T.E., Vorderseite. Abb. 6.2: Headquarters Command Barter Center, Series 1947 A, 1 B.U.T.E., Rückseite. Eine „Series 1947 B“ wurde zwar für eine mögliche Verwendung vorbereitet, aber nicht mehr ausgegeben. Anfang Januar 1948 gab Clay bekannt, dass die Tauschzentralen in Berlin und Frankfurt am Main nach dem 1. April keine Waren mehr annehmen und am 1. Mai ganz schließen würden. Danach würden die ausstehenden Scheine wertlos. Nach Schwan und Boling wurde der Markt in Frankfurt aber erst im Oktober 1948 geschlossen, womit auch die Scheine der Serie 1947 A ungültig wurden.[9] Die Lagerbestände wurden in einem großen Ausverkauf aufgelöst. Die verbliebenden Bestände konnten von den Angehörigen des Militärs gegen Militärscheine zum Preis von 5 Cent pro BUTE erworben werden. Der Erlös belief sich auf 38.000 US-Dollars, die zur Förderung der deutschen Jugend verwendet wurden. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Die deutsche Geldmenge stieg während des Krieges sprunghaft an; Bargeld und Einlagen, die 1938 bei 56,4 Milliarden Reichsmark lagen, erreichten zum Zeitpunkt der Kapitulation im Mai 1945 etwa 300 Milliarden Reichsmark. Hinzu trat nun noch die in Umlauf gesetzte Alliierte Militärmark. [2] Vgl. Hans Roeper, Geschichte der D-Mark, Frankfurt am Main und Hamburg 1968, S. 11. [3] Am 28. August 1939, wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurden im Deutschen Reich Lebensmittelmarken und Bezugsscheine für Benzin ausgegeben. Nur wenig später folgte die Reichskleiderkarte. Z. B. berechtigten Lebensmittelkarten und Bezugsscheine zum Empfang bestimmter Warenmengen, soweit die Waren zur Verfügung standen. Die Warenbewirtschaftung sollte eine „gerechte“ Warenverteilung gewährleisten. Dieses System behielten die Alliierten nach Kriegsende bei. Die letzten Lebensmittelkarten wurden in der Bundesrepublik am 1. Mai 1950 abgeschafft und in der DDR im Mai 1958. [4] „PX“ steht für „Post Exchange“ und bezeichnet ein Einkaufszentrum mit US-amerikanischem Angebot, das nur von US-Soldaten und deren Angehörigen mit speziellen Ausweisen besucht werden konnte. [5] Loren Gatch, From Black Market to Barter Mart in Postwar Germany, (20.12.2022) [6] Das Office of Military Government for Germany (U.S.) war die höchste Verwaltungseinrichtung der US-amerikanischen Besatzungszone Deutschlands und des US-amerikanischen Sektors von Berlin in den ersten vier Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Hauptsitz von OMGUS war Berlin, zusätzlich gab es auch Außenstellen in Frankfurt am Main. [7] Vgl. Loren Gatch. [8] Weitere Zentren sollen in München und Heidelberg existiert haben. [9] C. Frederick Schwan u. Joseph E. Boling, World War II Remembered, history in your hands – a numismatic study, Port Clinton 1995, S. 269 f.

  • Ukraine: Gedenkbanknote zum Jahrestag des Russisch-Ukrainischen Kriegs

    Am 24. Februar 2023, ein Jahr nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, gab die Nationalbank der Ukraine 20-Griwen-Gedenkbanknoten mit dem Titel "WE WILL NOT FORGET! WE WILL NOT FORGIVE!" aus. Die Scheine sind mit Sicherheitsmerkmalen wie Wasserzeichen, OVI- und SPARK-Elementen, einem 12 mm breiten Sicherheitsfaden und irisierenden Teilen ausgestattet und gelten als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Vorderseite der vertikal gestalteten Papierbanknote, die 165 x 80 mm misst und von Volodymyr Taran gestaltet wurde, zeigt Soldaten mit der ukrainischen Flagge vor dem Hintergrund einer Umrisskarte des Landes. Diese Darstellung ist einem Foto von Oleksandr Smirnov nachempfunden. Links daneben finden sich die Flaggen der hauptsächlichen Unterstützer der Ukraine im Kampf gegen die russische Aggression: Großbritannien, die Europäische Union, die USA und Kanada. Auf der Vorderseite findet man ganz oben auch zwei Textblöcke, links in Ukrainische und rechts in Englisch: Am 24. Februar 2022 begann eine neue Phase der bewaffneten Aggression gegen die Ukraine mit einem umfassenden Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine. Der Volkskrieg für die Unabhängigkeit und Souveränität der Ukraine dauert bereits seit 2014 an. Dies ist auch ein Krieg um eine zivilisatorische Entscheidung: Die Ukraine verteidigt ihren Platz in der europäischen Zivilisation und kämpft gleichzeitig für die Grundwerte, Rechte und Freiheiten, auf denen die westliche Welt beruht. Auf der Rückseite sind hinter dem Körper zusammengebundene Hände und eine durch eine Mohnblume symbolisierte Schusswunde, entworfen von Serhii Mishakin, abgebildet. Die Note ist in den Nationalfarben der Ukraine gehalten und weist auf beiden Seiten patriotische Aufschriften sowie stilisierte Mohnblumen zu Ehren der getöteten Soldaten auf. Beidseitig findet man außerdem einen Lorbeerkranz, der die Siegesgewissheit der Ukraine zum Ausdruck bringt. Die Ausgabe erfolgte in einer Auflage von 300.000 Exemplaren, davon 200.000 in einem Folder und 99.900 in einem Umschlag. Kana Totsuka Abb. Owen W. Liinizmayer (www.banknotebook.com)

  • Das Geldwesen Niederländisch-Indiens während der Zeit der japanischen Besetzung

    Am 11. Januar 1942 erklärte das Kaiserreich Japan den Niederlanden den Krieg. Zwischen Januar und April 1942 eroberte die Kaiserlich-Japanische Armee Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien. Tokio hatte es auf die reichen Bodenschätze der Kolonie abgesehen, vor allem auf Erdöl und Kautschuk, das Japan seit dem Embargo der Westmächte dringend benötigte. Das Mutterland, die Niederlande, war 1940 von deutschen Truppen überrannt worden und konnte seiner Kolonie nicht helfen. Trotz der Unterstützung Großbritanniens, Australiens und der USA waren die Truppen vor Ort für die kampferprobte japanische Kriegsmaschine kein wirklicher Gegner. Die Japaner trieben über 100.000 niederländische Zivilisten – zwei Drittel unter ihnen Frauen und Kinder – zusammen und internierten sie in mehr als fünfzig Lagern, die über den ganzen Archipel verteilt waren. Hunger und Unterernährung waren in den Lagern weit verbreitet. Auch Gewalt und Erniedrigung durch die Wachen gehörten in den japanischen Lagern zum Alltag. Schätzungsweise 13.000 Lagerinsassen und -insassinnen starben an Erschöpfung, Krankheit und Hunger. Die Männer im kampffähigen Alter verschwanden in Kriegsgefangenenlagern. Sie wurden, wie Kriegsgefangene anderer Nationen, von den Japanern nach Südostasien verschifft und mussten als Zwangsarbeiter Japans Kriegsanstrengungen unterstützen, etwa beim Bau von Eisenbahnen. Tausende schufteten sich zu Tode, Hunderte wurden hingerichtet. Zahllose andere starben an Krankheiten und Hunger. Niederländisch-Indien wurde von den Japanern verwaltungsmäßig nicht als Einheit behandelt. Die 16. Armee besetzte Java und Madura und schlug ihr Hauptquartier in Batavia (Djakarta) auf, während die 25. Armee Sumatra zusammen mit Malaya verwaltete. Im Mai 1943 wurde das Hauptquartier von Singapur nach Sumatra verlegt. Die anderen Gebiete der niederländischen Kolonie wurden von der japanischen Marine besetzt, die ihr Hauptquartier in Makassar auf Celebes einrichtete. Gleich nach Besetzung des Archipels ging die japanische Militärverwaltung daran, die Wirtschaft umzugestalten. Umgehend wurde die Liquidation der ausländischen Banken und die Herausgabe aller Vermögenswerte verfügt. An ihre Stelle traten japanische Banken, die Yokohama Specie Bank operierte auf Java und die Taiwan Bank außerhalb von Java. Angesichts der japanischen Bedrohung hatte Dr. van Butingha Wichers, der Präsident der „De Javasche Bank“, die Goldreserven in Höhe von 104 Millionen Gulden nach Südafrika und Australien evakuieren lassen.[1] Schon vorher waren Gold im Wert von 378 Millionen Gulden in die USA und 273 Millionen Gulden nach Südafrika verlagert worden, sodass die japanischen Soldaten als sie am 28. Februar 1942 auf Java landeten nur noch Gold im Wert von 501.000 Gulden in den Tresoren in Batavia vorfanden.[2] Der japanische Angriff auf die südostasiatischen Gebiete war schon länger geplant, so hatte die japanische Regierung Gulden-Militärscheine für Niederländisch-Indien, Straits-Dollar-Militärscheine für die malaiische Halbinsel und Nordborneo, Rupien-Militärscheine für Burma, Peso-Militärscheine für die Philippinen und Pfund-Militärscheine für die Australischen Treuhandgebiete drucken lassen. Die Parität wurde meist mit 1:1 festgelegt, d. h. ein Gulden, ein Dollar, eine Rupie und ein Peso entsprachen jeweils einem Yen. Nur das Pfund wurde mit zehn Yen bewertet. Zur Ausgegeben in Niederländisch-Indien gelangten: Abb. 1.1/2: 1 Cent, o. D. (1942), Vorder- und Rückseite, Größe: 95 x 45 mm, Papier ohne Wasserzeichen, Serienbuchstaben: SA bis SZ und S/AA bis S/GR. Abb. 2.1/2: 5 Cent, o. D. (1942), Vorder- und Rückseite, Größe: 100 x 48 mm, Papier ohne Wasserzeichen, Serienbuchstaben: SA bis SZ; S/AA bis S/DB und S1 bis S41. Abb. 3.1/2: 10 Cent, o. D. (1942), Vorder- und Rückseite, Größe: 105 x 50 mm, Papier ohne Wasserzeichen, Serienbuchstaben; SA bis SZ; S/AA bis S/EX, S1 bis S31. Abb. 4.1/2: ½ Gulden, o. D. (1942), Vorderseite mit der Abbildung einer Fächerpalme und Rückseite, Größe: 120 x 60 mm, Serienbuchstaben: SA bis SB, Papier ohne Wasserzeichen und Serienbuchstaben: SB bis SM, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume. Abb. 5.1/2: 1 Gulden, o. D. (1942), Vorderseite mit Abbildung von Brotfrüchten und Rückseite, Größe: 140 x 66 mm, Serienbuchstaben: SA bis SB mit 6-stellige Kontrollnummer, Papier ohne Wasserzeichen und Serienbuchstaben: SB bis SN, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume. Abb. 6.1/2: 5 Gulden, o. D. (1942), Vorderseite mit Abbildung von Kokospalmen und Rückseite, Größe: 150 x 70 mm, Serienbuchstaben: SA bis SB mit 6-stelliger Kennnummer, Papier ohne Wasserzeichen und Serienbuchstaben: SB bis SG, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume. Abb. 7.1/2: 10 Gulden, o. D. (1942), Vorderseite mit Abbildung von Bananen, Brotfrüchten und Durianfrüchte und Rückseite mit Abbildung von Palmen und Schiff am Horizont, Größe: 161 x 77 mm, Serienbuchstaben: SA mit 6-stelliger Kennnummer, Papier ohne Wasserzeichen und Serienbuchstaben: SB bis SL, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume. Abb. 8: Wasserzeichen Vierpass-Blume, 22 x 22 mm. Sieht man von den japanischen Schriftzeichen – „Dai Nippon Teikoku Seihu“ [Regierung des Großjapanischen Kaiserreichs] – auf der Vorderseite im Rahmen der Scheine und im Siegel des Finanzministers ab, sind sie vollkommen in niederländischer Sprache abgefasst. Die Cent-Noten sind mit „DE JAPANSCHE REGEERING“ und die Werte ab ½-Gulden mit „DE JAPANSCHE REGEERING BETAALT ANN TOONDER“ überschrieben. Abb. 9: Randschrift mit japanischen Schriftzeichen. Abb. 10: Siegel des Finanzministers. Das Umlaufgebiet der jeweiligen Militär-Geldzeichen ergibt sich aus dem der Kontrollnummer vorangestellten Buchstaben bzw. dem ersten Buchstaben der Blockbuchstaben-Kombination. Dabei steht S für Niederländisch-Indien, B für Burma, M für Malaya, P für die Philippinen und O für die australischen Treuhandgebiete (Ozeanien). Es wird angenommen, dass bei jeder Serienbuchstaben-Kombination eine Million Banknoten gedruckt wurden. Allerdings scheinen nicht alle Kombinationen verwendet worden zu sein, auch ist es möglich, dass komplette Serien während oder nach dem Krieg vernichtet wurden. Da die Geldversorgung aus dem fernen Japan während des Kriegs immer schwieriger wurde, druckte „NV Kolff Offsetdrukkerij“ in Batavia ab Oktober 1943 die 5- und 10-Cent-Scheine.[3] Die Ausgabe des 1-Cent-Scheins wurde entbehrlich, da sie aufgrund der hohen Inflation nicht mehr benötigt wurde. Am 30. September 1942 fand ein Treffen zwischen dem australischen Finanzminister Joseph Benedict Chifley und dem Geschäftsführenden Direktor der Javaschen Bank Dr. R. E. Smits in Canberra statt. In dem Gespräch, über das absolute Geheimhaltung vereinbart wurde, ging es um den Nachdruck – sprich die Fälschung – japanischer Invasionsgeldscheine. Die „Niederländische Kommission für Australien und Neuseeland“ trat dann am 5. Oktober 1942 an den Gouverneur der Commonwealth Bank of Australia, der heutigen Reserve Bank of Australia, in Sydney heran, um 12.000 Scheine zu ½ Gulden 30.000 Scheine zu 10 Cent 10.000 Scheine zu 5 Cent 10.000 Scheine zu 1 Cent drucken zu lassen. Die australische Bank muss dem Ansinnen entsprochen haben, den am 20. Januar 1943 wandte sich die Kommission erneut an die Commonwealth Bank und bat um eine weitere Lieferung von Scheinen.[4] Wahrscheinlich wurden noch weitere Noten geliefert. Die Commonwealth Bank fälschte während des Zweiten Weltkrieges Hunderttausende von japanischen Invasionsnoten. Das Falschgeld diente den Soldaten bei Kommandounternehmen im Feindesland zur Zahlung bei einheimischen Händlern. Darüber hinaus sollten die besetzten Gebiete mit Falschgeld überschwemmt und die Besatzungswährung entwertet werden. Am 1. April 1943 gründete die japanische Militärbehörde die „Nanpo Kaihatsu Ginko“ (Entwicklungsbank für den Süden). Sie übernahm die Aufgabe einer Notenbank in den besetzten Gebieten. Die Bank wurde allgemein „Nanpatsu“ genannt. Ab September 1944 gab sie in Niederländisch-Indien die sog. „Nanpatsu-Serie“ aus, wobei der Wert zu 100 Rupien erst 1945 folgte. Ihr Druck erfolgte bei Kolff. Die Scheine sind mit „DAI NIPPON TEIKOKU SEIHU“ – Kaiserlich Japanische Regierung – überschrieben und lauten auf Roepiah (Rupien), wobei der Wert der Roepiah dem Wert des Guldens entsprach. Bemerkenswert ist das Design dieser Noten, da bei ihnen auf regionale Motive zurückgegriffen wurde; vielleicht ein Hinweis darauf, dass man auf die Unterstützung einer kollaborierenden einheimischen Regierung hoffte. Abb. 11.1/2: ½ Roepiah, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildung mythologischer (hinduistischer), gekrönter Riesenschlangen mit verschlungenen Schwänzen sowie Rückseite, Größe: 120 x 58 mm, Papier mit eingestreuten Seidenfäden, Serienbuchstaben: SP. Abb. 12.1/2: 1 Roepiah, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildungen von Bauern auf dem Reisfeld und Rückseite mit Abbildung von Banyan-Bäumen,Größe: 139 x 67 mm, Papier mit eingestreuten Seidenfäden, Serienbuchstaben: SN. Abb. Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de. Abb. 13.1/2: 5 Roepiah, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildung eines regionalen, strohgedeckten Hauses und Rückseite einer einheimischen Frau mit Hut, Größe: 150 x 71 mm, Papier mit eingestreuten Seidenfäden, Serienbuchstaben: SM. Abb. 14.1/2: 10 Roepiah, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildung eines einheimischen Tänzers und Rückseite mit Abbildung mit Buddha und Löwenwächter, Größe: 159 x 77 mm, Papier mit eingestreuten Seidenfäden, Serienbuchstaben: SL. Abb. 15.1/2: 100 Roepiah, o. D. (1945), Vorderseite mit Abbildungen: links Löwenwächter und rechts geflügelte Statue des Königs Airlangga und Rückseite mit einer Abbildung einer Schattenspielfigur (Arjuna Wayang Kulit), Größe: 174 x 83 mm, Papier mit eingestreuten Seidenfäden, Serienbuchstaben: SK. Die japanische Militärverwaltung ließ für Sumatra 1945 noch zwei zusätzliche Noten über 100 und 1000 Roepiah drucken, die im Design den Straits-Dollar-Militärscheinen zu 100 und 1000 Dollars entsprechen. Es ist umstritten, ob der Wert zu 1000 Roepiah überhaupt noch in Umlauf gesetzt wurde. Abb. 16.1/2: 100 Roepiah, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildung von Hütten am Flussufer und Rückseite mit Abbildung eines Mannes mit zwei Büffeln, Größe: 166 x 80 mm, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume, Serienbuchstaben: SO. Beim 100-Roepiah-Schein können deutlich zwei Ausgaben unterschieden werden. Zunächst wurden Scheine in hoher Qualität in Japan gedruckt, während die späteren von schlechter Qualität sind. Neben den genannten Scheinen waren auch Ausgaben aus anderen besetzten Gebieten gesetzliche Zahlungsmittel in Niederländisch-Indien. Vor allem auf Sumatra war viel malaiisches Geld im Umlauf. Abb. 17.1/2: Malaya, 100 Dollars, o. D. (1944), Vorderseite mit Abbildung von Hütten am Flussufer und Rückseite mit Abbildung eines Mannes mit zwei Büffeln, Größe: 170 x 82 mm, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume, Serienbuchstaben: MT. Abb. 18.1/2: Malaya, 1000 Dollars, o. D. (1945), Vorderseite mit Abbildung: Büffel ziehen einen Wagen, im Hintergrund eine Hütte und Rückseite mit Abbildung eines Mannes mit zwei Büffeln, Größe: 170 x 82 mm, Papier mit Wasserzeichen Vierpass-Blume, Serienbuchstaben MA. Im Gegensatz zu den zahlreichen Papiergeldausgaben sind nur wenige Münzen bekannt. Die japanische Münzanstalt in Osaka prägte mit den Jahreszahlen 2603 und 2604 drei Münzwerte für Niederländisch Ostindien:[5] 300 Millionen 1-Sen- und 180 Millionen 10-Sen-Münzen. Die Prägezahl der 5-Sen-Münze ist nicht bekannt. Alle Nominale sind ausschließlich japanisch beschriftet und zeigen Arjuna als Schattenspielfigur, der Wert zu 1 Sen allerdings nur den Kopf.[6] Mit der Jahreszahl 2603 wurden auch Stücke aus Silber geprägt. Für wenige Wochen zirkulierten nach der Besetzung auch japanische Münzen zu 1, 5, 10 und 25 Sen.[7] Abb. 19: 1 Sen, 2604 (1944), Aluminium, Ø 16 mm, 0,6 g. Abb. 20: 5 Sen, 2603 (1943), Aluminium, Ø 19 mm, 0,8 g. Abb. 21: 10 Sen, 2604 (1944), Zinn, Ø 22 mm, 1,0 g. Da die alliierten Truppen beim Vorgehen gegen die Japaner die bevölkerungsreichen Inseln Java und Sumatra umgingen, war der größte Teil Niederländisch-Indiens zum Zeitpunkt der Kapitulation Japans am 15. August 1945 noch besetzt. Über die Menge des von den Japanern in Umlauf gebrachten Papiergelds ist nicht viel bekannt und die Angaben in der Literatur sind sehr widersprüchlich. Die Javasche Bank schätzte 1947 die Umlaufmenge des Militärgelds für Java auf 2,4 Milliarden und für Sumatra auf 1,6 Milliarden Gulden. Nach der japanischen Kapitulation kamen noch weitere 2 Milliarden Gulden in den Verkehr, ohne dass die niederländischen Behörden oder das alliierte Kommando dies genehmigt hätten. Die Scheine gelangten zum Teil in betrügerischer Weise von japanischen Banken auf Sumatra und teilweise auch durch Raub aus den Tresoren der Javasche Bank in Umlauf. Darüber hinaus finanzierte die Regierung von Niederländisch-Indien von September 1945 bis März 1946 große Ausgaben mit Invasionsgeld. Der Gesamtumlauf schwoll auf etwa 8 Milliarden Gulden an. Ende Dezember 1945 befanden sich in den Tresoren der Banken außerdem noch etwa 1,8 Milliarden japanisches Papiergeld. Dabei handelte es sich vor allem um die durch die Inflation unbrauchbar gewordenen kleinen Scheine von 1 bis 50 Cent.[8] Van Gelder nennt einige interessante Zahlen und beruft sich dabei auf eine Veröffentlichung von Spinosa Catella vom November 1945. Danach waren Ende März 1943 an japanischem Militärgeld 97 Millionen Gulden im Umlauf. In den letzten acht Monaten des Jahres 1943 seien weitere 36 Millionen Gulden ausgegeben worden, im Jahr 1944 etwa 532 Millionen, vom 1. Januar bis zum 1. August 1945 etwa 606 Millionen und schließlich vom 1. bis 31. August 1945 nochmals rund 395 Millionen Gulden.[9] An gleicher Stelle finden sich die folgenden Zahlen, die allerdings von den oben genannten erheblich abweichen: Das niederländisch-indische Geld der Vorkriegszeit wurde von den Japanern nie aus dem Verkehr gezogen und behielt seinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Nach dem Krieg stellte sich heraus, dass die Japaner zu den am 8. März 1942 im Umlauf befindlichen 367 Millionen Gulden, weitere 87 Millionen Gulden aus den Beständen der Javaschen Bank in Umlauf gebracht hatten. Der Befehlshaber der alliierten Landstreitkräfte in Niederländisch-Indien, Generalleutnant Stopford, gab am 6. März 1946 bekannt, dass an die Stelle des Vorkriegsgeldes die Scheine der Netherlands Indies Civil Administration (NICA) treten würden. Diese Staatsnoten wurden bei der American Banknote Company gedruckt. Gleichzeitig ordnete er an, dass die japanische „Invasions“-Währung bis auf Weiteres gültig bliebe – aber bereits gegen die NICA-Noten umgetauscht werden könnten. Ein „japanischer Gulden“ entsprach drei NICA-Cent, also 1 ¼ d.[10] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Die Javasche Bank hatte auch eine Niederlassung in Amsterdam. Als die Deutsche Wehrmacht in die Niederlande einmarschierten, gelang ihr zwischen dem 10. und 14. Mai 1940 alle hier gelagerten Goldmünzen nach England zu verschiffen und die vorhandenen Banknoten zu entwerten. Darüber hinaus wurden bei der Druckerei Joh. Enschedé & Zonen die Druckmaterialien für die Wajang-Serie vernichtet. Die Wajang-(Java-Tänzer)-Serie wurde zwischen 1934-1939 in Umlauf gesetzt und ist benannt nach den Wajang-Wong-Tänzern, Prinzen und Prinzessinnen aus den Fürstentümern Solo (Soerakarta) und Djokjakarta, die auf den Scheinen abgebildet sind. [2] Shibata Yoshimasa, The monetary policy in the Netherlands East Indies under the Japanese administration, in: Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde, Japan, Indonesia and the War Myths and realities 152 (1996), no: 4, Leiden, S. 699-724. (24.07.2022). [3] Wie beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs hortete die Bevölkerung auch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die großen silbernen ½-, 1- und 2 ½-Gulden-Münzen. Daher mussten schnell Maßnahmen ergriffen werden. NV Kolff Offsetdrukkerij in Batavia druckte Schatzscheine zu 1 und 2 ½ Gulden. Der 1-Gulden-Schein war bereits 1937 von Lion Cachet als Reserveschein entworfen worden. [4] Gregory Hale, Japanese Invasion Money, Includes photos, descriptions and values of Japanese Invasion Money from World War II, Second Edition, Albany Creek Qld, Australien 2019, S. 30 ff. [5] Am 1. Januar 1873 übernahm die Meiji-Regierung den gregorianischen Kalender. Jedoch wollte man nicht die Jahreszählung nach Christi Geburt einführen. Start der Zählung wurde das Jahr, in dem der erste Tennō Jimmu den japanischen Thron bestieg. Bei dieser Kōki (皇紀) genannten Zählweise fängt die Zeitrechnung im Jahr 660 v. Chr. mit Kōki 1 an. Kōki 2600 bezeichnet demnach das Jahr 1940 der christlichen Zählweise. Die Kōki-Zählweise wurde bis zur Kapitulation Japans beibehalten. [6] Arjuna ist der Sohn des Himmelsgottes Indra und der Königin Kunti, welche mit dem Fürsten Pandu und dessen Nebenfrau Madri in einer polygamen Ehe lebt. Pandu kann aufgrund eines Fluches keine Kinder zeugen; darum gebären seine beiden Frauen Söhne, die von Göttern gezeugt wurden. [7] Gregory Hale, S. 26. [8] Hans P. Weeren, The circulation of paper money in the Netherlands Indies and Indonesia, 1940 – 1950. (17.07.2022). [9] Ed van Gelder; De Japansche Regeering haar papieren betallmiddelen uitgegeven in Nederlandsch-Indie 1942 – 1945, Eigenverlag, Heerlen 1986, S. 29. [10] Hans P. Weeren.

  • Aus privaten Sammlungen: 50-Reichsmark-Banknote der Bayerischen Notenbank von 1925

    Objekttyp: Länderbanknote Sammlung: Uwe Bronnert Historischer Kontext: Als es im November 1923 gelang, die deutsche Währung mithilfe der Rentenmark zu stabilisieren, blieben die Banknoten und das Notgeld aus der Inflationszeit mit den großen Zahlen weiterhin im Umlauf. Die Reichsbank gab Anfang 1924 sogar nochmals Noten über 5, 10, 20, 50 und 100 Billionen Mark aus. Das neue Bank- und Währungsgesetz vom 30. August 1924 schuf dann die Möglichkeit für die Neuausgabe von auf Reichsmark lautenden Banknoten durch die Deutsche Reichsbank und die vier großen verbliebenen deutschen Ländernotenbanken von Baden, Bayern, Sachsen und Württemberg. Die Bayerische Notenbank gab mit Datum vom 11. Oktober 1924 Noten über 50 und 100 Reichsmark aus. Mit Datum vom 1. September 1925 folgte dann die hier abgebildete Note über 50 Reichsmark. Das Recht zur Notenausgabe erlosch mit Wirkung zum 31. Dezember 1935. § 2 der Verordnung über den Aufruf, die Einziehung und die Vernichtung von Noten der Privatnotenbanken vom 21. Dezember 1935 (R.Anz. Nr. 298 S. 2) bestimmte, dass diese mit Wirkung des 2. April 1936 ihre Zahlungsmitteleigenschaft verloren, jedoch noch bis zum 2. Juli 1936 bei allen Kassen der Privatnotenbanken in Zahlung genommen werden mussten. Land/Region/Ort: Deutschland, Freistaat Bayern, München Emittent: Bayerische Notenbank Nominal: 50 Reichsmark Datum: 1. September 1925 Vorderseite: Porträt des Hieronymus Holzschuher von Albrecht Dürer in einem Medaillon. Rückseite: Viergeteiltes bayerisches Wappen. Material: Bläuliches Papier mit eingelegten Seidenpapier-Streifen am linken Schaurand. Wasserzeichen: Vertikal "BAYERN"; hergestellt von Louis Staffel, Witzenhausen. Druck: Giesecke & Devrient, Leipzig. Format: 170 mm x 85 mm Nummerierung: F 2404325 Authentizität: Original, Umlaufbanknote Zitate: BAY-25 (Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871) P/R-738 (Pick/Rixen, Papiergeld-Spezialkatalog Deutschland) GER-S943 (Standard Catalog of World Papar Money, Vol. I – Specialized Issues) Uwe Bronnert Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • 75 Jahre alte CIA-Dokumente sagen aus

    Wahr oder nicht wahr – das ist hier die Frage. Eine Überraschung bringen Geheimpapiere des US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA zutage: In einem im August 2002 freigegebenen Bericht finden sich ungeheuerliche Behauptungen. So liest man in sieben Punkten: Seit langem wird berichtet, dass die bekannte Druckerei Giesecke & Devrient in Leipzig im Auftrag der Sowjets in die Fälschung ausländischer Währungen einbezogen wurde. Es ist bekannt, dass diese Firma während des Krieges gefälschte Gelder für den deutschen Geheimdienst gedruckt hat. Die Fabrik wurde von den Russen demontiert und die besten und modernsten Maschinen wurden entfernt und zur Reparation nach Russland geschickt. Ein guter Teil des ehemaligen Personals wurde ebenfalls außer Landes gebracht. Einige Monate später planten die Russen, die Fälschungsarbeit wieder aufzunehmen und ein Teil der Fabrik kam für diese Arbeit in Frage. Mehrere Pressen wurden aus Russland zurückgebracht, aber die meisten Spezialausrüstungen fand man nicht mehr. Die Kisten mit Maschinenteilen kamen zurück, aber es war eine große Mühe, genügend Ausrüstung zusammenzustellen, um das Gravieren und Bedrucken von Falschgeld durchzuführen. Derzeit liegt der Schwerpunkt auf der Reproduktion von US-Schatzscheinen zu 10 Dollars, US-Militärgeldscheinen zu 10 Dollars und englischen Ein-Pfund-Banknoten. Die Geldfälschungsabteilung arbeitet mittlerweile mit acht Mitarbeitern, davon vier Deutsche und vier Russen. Die Deutschen wurde bei der Arbeit und außerhalb streng bewacht. Sie bringen die für die Arbeit notwendigen technischen Fähigkeiten mit, während die Russen die Aufsichtsfunktionen haben. Über alle Papiervorräte und sonstigen Vorräte sowie über fertige Scheine und sämtlichen Abfall wird streng Buch geführt. Das Produktionsziel für die vier Monate ab Oktober 1948 war wie folgt: USA-Schatzscheine zu 10 Dollars 100.000 USA-Militärgeld-Scheine zu 10 Dollars 85.000 Englische Banknoten zu 1 Pfund 10.000 Am 23. Oktober 1948 wurden folgende Stückzahlen fertiggestellt und geliefert: USA-Schatzscheine zu 10 Dollars 10.000 USA-Militärgeld-Scheine zu 10 Dollars 20.000 Dies waren etwa zwanzig Prozent weniger als die geplante Lieferung für diesen Zeitraum, und die Lieferung erfolgte zwei Tage später als erwartet. Das Papier für die Geldfälschung wird von einer kleinen Firma in der russischen Zone hergestellt, die ausschließlich für Giesecke & Devrient arbeitet. Die Druckfarben sollen amerikanische Produkte sein. Die Behältnisse dafür übernehmen nur russische Mitarbeiter, die die Farben bei Bedarf in kleinen Gefäßen an die deutschen Handwerker abgeben. In anderen Abteilungen des Werks werden verschiedene gefälschte Papiere gedruckt. Dazu gehören Personalausweise, Ausweise, Frachtbriefe, Kfz-Briefe und Führerscheine, wie sie in den Vereinigten Staaten, England, Frankreich, den Niederlanden, Schweden und den drei westlichen Zonen Deutschlands verwendet werden. Die niederländischen Pässe werden jetzt hergestellt und sollen Visastempel für die niederländischen Kolonien tragen. Die Vollmachten für die Polizei des Westsektors in Berlin wurden kürzlich ausgestellt. Abb. 1 und 2: unter der Nr. CIA-RDP-83-00415R001600090010-3 wurden am 14. August 2002 die beiden Seiten des CIA-Reports über die angeblichen Fälschungen der Sowjets freigegeben. Schenkt man dem CIA-Bericht Glauben, wurden jedoch nur 10 Prozent der Treasury Notes gedruckt und ausgeliefert ... und dann wären den Angaben zufolge die 10-Dollars-Noten von 1890/1891 gefälscht worden. Das waren aber die großformatigen Scheine, die sog. Large Size Notes; vermutlich wurden aber Small Size Notes gedruckt. Und da kämen wiederum unterschiedliche Ausgaben infrage: Gold Certificates, Silver Certificates, Federal Reserve Notes oder National Bank Notes. Abb. 3: Warnung der U.S. Army, European Command (EC), vom 16. Januar 1947. Die großformatigen Schatzscheine wären drucktechnisch eine sehr große Herausforderung für die Leipziger Fälscher gewesen und es ist fraglich, ob man den im Stahlstichdruck hergestellten Originalen nahe gekommen wäre. So wurden vermutlich – wenn überhaupt – Scheine mit dem Datum 1934 und mit unterschiedlichen Unterschriften gefälscht. Eine Warnung des Oberkommandos der US Army vor falschen US-Geldscheinen betraf 18 Fälle innerhalb von 6 Monaten schon im Jahr 1946. Das berichtete ein Militär-Kriminaloffizier in der Armeezeitung „Stars and Stripes“. Abb. 4: 10 Dollars 1891, Vs., USA-Schatzschein, ausgegeben vom 25. April 1891 bis 30. Juni 1897 (mit Unterschrifts-Varianten). Abb. 5: 10 Dollars 1934, Vs., Silver Certificate, Julian/Morgenthau Jr. Abb. 6: 10 Dollars 1934, Vs., FR Note, Chicago, Julian/Morgenthau Jr. Auch bei den gefälschten 10-Dollars-Scheinen des US-Militärgelds kann man nur vermuten, dass als Vorlage die Ausgabe der Serie 472, SBst. C...C, verwendet wurde. Die dritte MPC-Serie war vom 22. März 1948 bis zum 20. Juni 1951 bei US-Einheiten im Umlauf. Die in Westdeutschland angehaltenen Fälschungen stammen angeblich aus Italien oder Frankreich. Abb. 7: Meldung der U.S. Army, European Command (EC), in ihrer Armeezeitung „Stars and Stripes“ vom 7. August 1948. Abb. 8: 10 Dollars (1948-1951), Vs., Military Payment Certificate, echt. Abb. 9: 10 Dollars, Vs., Fälschung – bei genauer Betrachtung ist die schlecht gemachte Nachahmung leicht als Falsifikat erkennbar. Die Serien A...A galt vom 16. September 1946 bis zum 9. März 1947 und die Serien B...B vom 10. März 1947 bis zum 21. März 1948 und kämen aus diesen Gründen nicht infrage. Zeitgenössische 10-Dollars-Fälschungen der Serie 472 sind äußerst selten, belegt ist nur ein Exemplar. Hingegen sind von der Vorgängerserie 471 (B...B) einige Fälschungen italienischer oder französischer Herkunft aus dem Jahr 1948 bekannt. Die von dieser Serie angehaltenen Falschstücke sind wesentlich besser gelungen, auf den ersten Blick jedoch als solche nicht sofort erkennbar; aber diese sind auf keinen Fall den Leipziger Fälschern zuzuordnen. Von den geplanten 10.000 1-£-Noten, die angeblich gefälscht werden sollten, wurde nicht wieder berichtet; aus den 1940er Jahren sind solche Falschnoten bekannt – Herkunft bisher ungeklärt. Abb. 10: 10 Dollars, Vs., Fälschung – mit Stempelaufdruck COUNTERFEIT. Abb. 11: 10 Dollars, Rs., Fälschung – ebenfalls mit Stempelaufdruck COUNTERFEIT. Abb. 12: 10 Dollars (1947/48), Vs., Military Payment Certificate, echt, Vergleichsstück zu der o. a. Fälschung. Vier Jahre nach Freigabe der ersten CIA-Papiere zum Fälschungsvorwurf wurde im November 2006 ein weiteres Dokument vom 15. März 1949 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In fünf Punkten wurde von einem bisher unbekannten CIA-Mitarbeiter über die Aktivitäten der Sowjets berichtet: Die Firma ist zur Zeit voll ausgelastet mit dem Druck der neuen zwölfseitigen Ausweise für die Bevölkerung der SBZ und des Sowjetsektors von Berlin. Die Arbeiten an diesem Projekt begannen vor mehr als zwei Jahren, wurden zweimal unterbrochen, aber schließlich im Herbst 1948 wieder aufgenommen. Das Werk bezieht den größten Teil seines Bedarfs an Banknotenpapier von der Freiberger Papierfabrik zu Weißenborn, Weißenborn (Sachsen). Weder vor noch während des Krieges hat sich die Firma an der Fälschung ausländischer Währungen beteiligt; es gab jedoch mehrere Fälle von rechtmäßigen Aufträgen ausländischer Regierungen an das Unternehmen zum Drucken von Fremdwährungen. Die für das Drucken von Fremdwährungen erforderlichen Fach- und Spezialgeräte sind jedoch in der Anlage verfügbar, und es wäre möglich, Fremdwährungen in relativ geringem Umfang zu fälschen. In den Jahren 1945–1946 stellte die Firma Platten für die Besatzungswährung der Alliierten her und druckte anschließend eine unbekannte Anzahl von Besatzungsgeld. Die Banknoten waren nicht nummeriert und wurden lange in den Tresoren der Firma aufbewahrt. Die endgültige Hinterlegung dieser Banknoten ist unbekannt. Es stellte auch die Platten für die heutige Währung der Sowjetzone her und druckte anschließend eine unbekannte Menge der Sowjetzonen-Geldscheine. Die Firma ist kürzlich von einem vorübergehenden Standort in der Karl-Heine-Straße, Leipzig, an ihren alten Standort in der Nürnberger Straße, nahe dem Karl-Marx-Platz, Leipzig, zurückgekehrt. Abb. 13: unter der Nr. CIA-RDP-83-00415R002400080008-8 wurde am 13. November 2006 diese Seite des CIA-Reports über die angeblichen Nachdrucke von alliierten Militärmark-Scheinen in Leipzig freigegeben. Abb. 14: 1 Deutsche Mark 1948, Vs., in der Deutschen Wertpapier-Druckerei in Leipzig gedruckte Nachfolgeserie; Banknoten mit 6-st. Kontrollnummern wurden in Moskau hergestellt und die neue Währung war in neun Wertstufen für die sowjetische Besatzungszone und den sowjetischen Sektor Berlins bestimmt. Im Punkt 3 wird dem CIA-Dokument vom 21. Dezember 1948 widersprochen und festgehalten, dass sich G&D weder vor noch während des Kriegs an Geldfälschungen beteiligte. Einem Schreiben des sowjetischen Finanzministers A. G. Zwerew an den sowjetischen Außenminister W. M. Molotow kann man entnehmen, dass unter der Verantwortung der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) im Frühjahr 1946 sowjetische Militärmark-Scheine von der Traditionsfirma Giesecke & Devrient in Leipzig hergestellt werden sollten. Unklar ist, ob der Druck tatsächlich stattfand und unbeantwortet bleibt auch die Frage, ob das Papier mit dem in den USA hergestellten Wasserzeichen-Papier identisch sein sollte. Tatsächlich sind in der Literatur Militärgeldscheine zu 1, 100 und 1000 Mark ohne Kontrollnummern bekannt; man kann heute nicht mehr feststellen, ob es sich hierbei um Fehldrucke oder um Beispiele der erwähnten Scheine handelt. Abb. 15: 1 Mark 1944, Vs., Alliierte Militärbehörde, ohne Kontrollnummer. Im Frühjahr 1948 erlangte der US-Militärgeheimdienst auch Kenntnisse über den Druck von „currency stamps“ in Leipzig – ein Vierteljahr vor der Währungsreform in der sowjetischen Besatzungszone und Ostberlin. Gemeint waren die Spezialkupons, die am 23. Juni 1948 auf die bisherigen Reichs- und Rentenmark-Scheine aufgeklebt wurden. Karl Steinhoff, seinerzeit amtierender Ministerpräsident des Landes Brandenburg, sagte in einem Interview schon vor Bekanntgabe des Termins einer Währungsreform in den Westzonen: „... die Ostzone sei vollständig vorbereitet und es sei alles soweit fertig, dass unsere Maßnahmen sofort einsetzen können, wenn eine separate Währungsreform im Westen durchgeführt würde. ...“ Also auch schon die vorhandenen Bögen mit den Wertmarken zum Aufkleben auf die umzuwechselnden Geldscheine der Renten- und Reichsbank? Die Militärmark-Scheine der Alliierten sollten zwar umgetauscht, aber nicht beklebt werden. Abb. 16 und 17: Spezialkupons zu 2 und 10 Mark neuer Währung, auf 2-RentM-Scheinen/ 10-RM-Banknoten im Juni 1948 aufgeklebt; es wurden Kupons der neuer Währung in Höhe von 4,115 Mrd. gedruckt, aber nur etwa 2,0 Mrd. ausgegeben. Abb. 18: 20 Reichsmark 1939 mit aufgeklebtem Spezialkupon zu 20 Mark neuer Währung, perforiert MUSTER, Vorlageschein für Vergleichszwecke beim Geldumtausch in neue DM-Banknoten der Deutsche Notenbank Ostberlin im Juli 1948. Vielen Dank an die US-Autoren und Sammler: Jim Downey und Joe Boling für Hinweise und Abbildungen. Schriftliche und Online-Anfragen an das CIA-Archiv in Washington wurden bisher nicht beantwortet und wichtige Teile der Dokumente wurden leider abgedeckt ... Michael H. Schöne

  • Lexikon: Fraktur

    Fraktur ist eine Schriftart, die auch als "gotische" oder "deutsche" Schrift bezeichnet wird und im Gegensatz zu Antiqua eine sog. gebrochene Schrift ist (von lateinisch fractura „Bruch“). Sie war bis 1941 in Deutschland die im Buch- und Zeitschriftendruck gebräuchliche Schrift und findet heute fast nur noch als Zierschrift Verwendung. DEU-37b: Reichsbanknote der Deutschen Reichsbank über 20 Mark vom 21. April 1910 komplett in Fraktur. Abb. Sammlung Grabowski. Geiger 10.1c: Kassenschein des Stadt- und Landkreises Allenstein in Ostpreußen über 50 Mark vom 1. November 1918 komplett in Fraktur. Abb. Sammlung Grabowski. GBR-368c: Note der Bank of England über 10 Shillings ohne Datum (1955-1960) mit Banknamen und Wertangabe in Fraktur. Abb. Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de. Beispiele für Papiergeld mit Frakturschrift: zahlreiche Scheine der altdeutschen Staaten, Reichsbanknoten, deutsche Notgeldscheine aber auch alte Banknoten vieler anderer Länder, so von England. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Des Kaisers "Piraten"

    Die SMS Emden auf Kaperfahrt und die glückliche Heimkehr der Männer der Ayesha Die Stadt Emden in Ostfriesland erinnerte mit einem 50-Pfennig-Schein an den deutschen Kreuzer SMS Emden. Der Geldschein, der das Datum 15. Dezember 1918 trägt, wurde in typischer Manier der Dürener Druckerei Carl Schleicher & Schüll ausgeführt. Er zeigt auf der Vorderseite das Wappen und das Rathaus der Seehafenstadt, das 1574 – 1576 nach Plänen des Antwerpener Stadtbaumeister Laurens van Steenwinckel errichtet wurde. Nach fast völliger Zerstörung durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde es in moderner Form wiederaufgebaut. Auf der Rückseite pflügt die SMS Emden durch die raue See. Bei Ausgabe des Geldscheins lag das Kriegsschiff seiner Majestät bereits mehrere Jahre in der Nähe der Kokos-Inseln auf dem Grund des indischen Ozeans und auch Kaiser Wilhelm II. hatte abgedankt und verbrachte seinen Lebensabend im niederländischen Exil. Emden, Stadt, 15. Dezember 1918, 50 Pfennig, Vorderseite. Emden, Stadt, 15. Dezember 1918, 50 Pfennig, Rückseite. Der Bau des kleinen Kreuzers wurde am 23. Dezember 1905 genehmigt und am 1. November 1906 wurde er auf der Kaiserlichen Werft in Danzig auf kielgelegt. Die Schiffstaufe nahm der Emdener Oberbürgermeister Leo Fürbringer am 26. Mai 1908 vor. Dabei folgte man der Tradition, Schiffe auf Städtenamen zu taufen. Es dauerte nach dem Stapellauf noch ein Jahr, bis die SMS Emden, das zweite Schiff der Dresden-Klasse, am 10. Juli 1909 in dienstgestellt wurde. Die Baukosten des 118,3 m langen und 13,5 m breiten Schiffs mit einem Tiefgang von 5,5 m und einer maximalen Verdrängung von 4.268 Tonnen betrugen 5.960.000 Mark. Die zwei Zweizylinder-Dreifachexpansionsmaschinen sorgten mit ihren 16.350 PS für eine Höchstgeschwindigkeit von 24 Knoten (etwa 44 km/h). Die Reichweite des Schiffs betrug bei optimaler Reisegeschwindigkeit von 12 Knoten 3.760 Seemeilen. Kleiner Kreuzer SMS Emden. Die SMS Emden sorgte in den ersten Monaten des Ersten Weltkriegs für Schlagzeilen in den deutschen und ausländischen Zeitungen. Im Frühjahr 1910 war sie ins Chinesische Meer befohlen worden. Mit „großem Bahnhof“ wurden am 17. September das Schiff und die 361 Besatzungsmitglieder (18 Offiziere und 343 Unteroffiziere und Mannschaften) in Tsingtau im deutschen Pachtgebiet Kiautschou empfangen. Zwei deutsche Kriegsschiffe in der Bucht von Tsingtau vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Abb. Sammlung Reinhard Selzle, München. Die Schiffsbesatzung nutzte für Zahlungen in der Schiffskantine besondere Wertmarken. Das entsprach der damaligen Praxis auf den Schiffen der kaiserlichen Marine. § 15 der „Vorschriften für die Verwaltung der Schiffskantinen“ – enthalten als Anlage 3 in den 1909 vom Reichs-Marine-Amt herausgegebenen „Bestimmungen über den Dienst an Bord“ (DE Nr. 49) – regelte die Ausgabe von Schiffskantinen-Wertmarken.[1] Danach erfolgte der Verkauf von in der Kantine vorrätig gehaltenen Ware im Inland gegen Barzahlung und im Ausland gegen Wertmarken.[2] Von der SMS Emden sind die folgenden Schiffskantinen-Wertmarken bekannt:[3] 5 (Pfennig) o. D., Zink vernickelt, Ø 17,3 mm 10 (Pfennig) o. D., Messing, Ø 19,0 mm 10 (Pfennig) o. D., Kupfer-Nickel, Ø 19,0 mm 20 (Pfennig) o. D., Zink, Ø 22,1 mm 50 (Pfennig) o. D., Messing, Ø 25,1 mm 100 (Pfennig) o. D., Zink vernickelt, Ø 28,8 mm 200 (Pfennig) o. D., Messing, Ø 29,8 mm Kantine SMS Emden, o. D., 10 Pfennig. Kantine SMS Emden, o. D., 20 Pfennig. Kantine SMS Emden, o. D., 50 Pfennig. Fregattenkapitän Karl von Müller (1873–1923). Nur wenige Tage vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs verließ das Ostasiatische Kreuzergeschwader unter dem Befehl von Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee Tsingtau. Zurück blieb die SMS Emden und veraltete Kanonenboote. Um 19:00 Uhr des 31. Juli 1914 gab Fregattenkapitän Karl von Müller den Befehl „Leinen los“ und die SMS Emden steuerte auf nordöstlichen Kurs die Straße von Korea und die Schifffahrtsrouten Wladiwostok – Nagasaki an. Am 4. August – inzwischen herrscht Krieg – sichteten Matrosen in den Ausgucken die Konturen eines Dampfers, wie sich später herausstellte, handelte es sich um die 3.522 BRT große „Rjasan“. Zwar gehörte das Schiff der Freiwilligen Flotten-Vereinigung, einem zivilen Unternehmen, das jedoch in Kriegszeiten Transportleistungen für die russische Kriegsmarine erbrachte und deshalb entsprechende Vorrichtungen zum Einbau von Geschützen auf dem Oberdeck hatte. Sie wurde die erste Prise, die die SMS Emden einbrachte. Die Fahrt der SMS Emden 1914 (SM CC BY-SA 3.0). Nach kurzem Aufenthalt in Tsingtau gingen Schiff und Besatzung auf Kaperfahrt in den Indischen Ozean. Die Bilanz: Zwischen dem 1. August und 9. November 1914 versenkte sie fünfzehn Handelsschiffe und zwei Kriegsschiffe (66.023 BRT sowie 3.461 ts), zerstörte am 23. September die Öltanks der Burmah Oil Company im Hafen von Madras. Auch wenn der Angriff auf Madras nur geringe Schäden anrichtete, war er eine Sensation, deren psychologische Wirkung nicht zu unterschätzen ist. Ein weiteres Husarenstück war der Angriff am 28. Oktober 1914 auf den russischen Kreuzer „Jemtschug“, der im Hafen von Penang vor Anker lag. Um 05:28 Uhr schlug ein Torpedo vor der Brücke ein und entzündete die Munitionskammern. Von den 350 russischen Besatzungsmitgliedern wurden 91 getötet und 108 verwundet. Der kleine Kreuzer "Emden" beschießt am 23. September 1914 Öltanks im indischen Madras. Zeitgenössisches Gemälde. Die "Emden" vernichtet den russischen Kreuzer "Jemtschug" und den französischen Torpedobootzerstörer "Mousquet" auf der Reede von Pulo Pinang (Penang, Malaya) am 28. Oktober 1914. Zeitgenössisches Gemälde. Im November 1914 wurde es dringend erforderlich, der Besatzung eine Ruhepause zu gönnen. Daher entschloss sich Fregattenkapitän von Müller die kaum bevölkerte Direction Island der Cocos (Keeling) Inselgruppe anzulaufen und dort die Funk- und Kabelstation bei Port Refuge zu zerstören. Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke (1881–1957), Foto von 1916. Unter Führung des I. Offiziers, Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke landeten 49 Mann auf der Insel. Doch bevor das Landungskommando die Station erreichte, hatte diese einen Notspruch „SOS. Strange ship in harbour“ gefolgt von „SOS. Emden here“ abgesetzt. Der Funkspruch wurde von der HMAS Melbourne aufgefangen, die einen Konvoi von Truppentransportern begleitete und nur 60 Seemeilen entfernt war. Der Kommandant entsandte umgehend den leichten Kreuzer "Sydney", der die SMS Emden überraschte. Gegen die überlegende Feuerkraft und stärkere Panzerung vermochte sie nichts auszurichten. Nach heldenhaftem Kampf setzte Kapitän von Müller sein brennendes und völlig zusammengeschossenes Schiff auf das Riff der North Keeling Island. 135 deutsche Seeleute waren gefallen. Die Überlebenden wanderten als Kriegsgefangene in das Lager „Trial Bay“ in New South Wales (Australien). Das Wrack der SMS Emden. Abb. aus "Der Weltkrieg 1914–1918 in seiner rauhen Wirklichkeit – Originalaufnahmen des Kriegs-Bild- und Filmamtes und des Kriegsphotographen Hermann Rex im Dienste der Obersten Heeresleitung". Zeitgenössische Bildunterschrift (Ergänzung der Redaktion): Nachdem der deutsche kleine Kreuzer "Emden" unter seinem Kommandanten, Kap. von Müller, in den asiatischen Gewässern länger als drei Monate die dort anwesenden Flottenteile der gesamten Entente durch Vernichtung von feindlichen Kriegs- und Handelsfahrzeugen sowie Beschießung von Küstenplätzen in Atem gehalten hatte, wurde er bei einer Unternehmung gegen die Radiostation auf den Cocos-Inseln von überlegener englischer Übermacht am 9. November 1914 gestellt. Kap. von Müller sah sein Schiff verloren, und da er die offene See nicht gewinnen konnte, ließ er es auf den Strand laufen, wo es von den Engländern mit ihren weittragenden Geschützen vernichtet wurde. Die überlebende Mannschaft der "Emden" auf dem von ihr besetzten Dreimastschoner "Ayesha". Zeigenössische Zeichnung. Der Landungstrupp konnte das Seegefecht nur untätig beobachten. Abgeschnitten von ihrem Schiff und auf sich gestellt kaperten die Männer kurz entschlossen den vor Anker liegende Drei-Mast-Schoner „Ayesha“. Am 27. November erreichte die Crew Padang an der Westküste Sumatras, das damals zu Niederländisch Indien (heute Indonesien) gehörte. Die Niederländer machten jedoch ernsthaft Schwierigkeiten, da sie die "Ayesha" nicht als Kriegsschiff anerkannten, sondern als Prise behandeln wollten. Letztendlich wurde der Kriegsschiffsstatus der „SMS Ayesha“ akzeptiert. Dies hatte allerdings zur Folge, dass die Mannschaft nur eingeschränkt versorgt wurde, weil nach den Neutralitätsbestimmungen die „Wehrkraft dadurch nicht gesteigert werden durfte“. Auch musste der Segler innerhalb von 24 Stunden den Hafen wieder verlassen. Die nächsten zwei Wochen segelte die "Ayesha" in der Hoffnung an der Küste Sumatras entlang, auf einen deutschen Dampfer zu treffen. Am 14. Dezember sichtete man die "Choising" des Norddeutschen Lloyds. Wegen des schlechten Wetters und starken Seegangs war ein Umsteigen auf den Dampfer erst zwei Tage später möglich. Nach einer Reise von 1709 Seemeilen wurde der Schoner am 16. Dezember 1914 um 16:58 Uhr versenkt. Da die militärische Lage Deutsch-Ostafrikas aussichtslos war, nahm die "Choising" Kurs auf das Rote Meer. Obwohl hier die Briten die Straße von Bab el Mandeb blockierten, gelang der Durchbruch und der Dampfer legte im Hafen von Hodeidah im heutigen Jemen an. Die Besatzung der Ayesha kam bei der türkischen Garnison unter, litt aber unter dem ungesunden Klima und der ungewohnten türkischen Kost. Trotz der bestehenden Waffenbrüderschaft setzte der türkische Befehlshaber alles daran, die deutsche Truppe in Hodeidah festzuhalten und sie bei der Abwehr der aufständischen Araber einzusetzen. Am 14. März 1915 gelang es von Mückes Truppe mit zwei Zambuks, 12 bis 14 Meter lange, mit Dhau-Segeln ausgerüsteten Booten, heimlich den von englischen Kriegsschiffen blockierten Hafen zu verlassen. Leider ging schon bald ein Boot verloren, sodass auf dem nun überladenen Boot, die Fahrt fortgesetzt werden musste. In Konfidda wechselte der Truppe auf einen größeren Zambuk. Doch endete in Lidd die Fahrt, da der Hafen von Dschidda von englischen Kriegsschiffen blockiert wurde. Es blieb nichts anderes übrig, die Truppe musste durch die wegen der Überfälle räuberischer Nomaden berüchtigte Wüstenregion ziehen. Von Mücke berichtet in seinem Buch ausführlich über diesen Teil der Reise und die Schwierigkeiten, mit denen man zu kämpfen hatte. Mit 110 Kamelen, begleitet von einem türkischen Offizier und sieben Gendarmen brach die Truppe auf. Für die ungeübten Reiter waren 14 bis 18 Stunden im Sattel sehr anstrengend. „In der Regel marschierten wir nachmittags gegen 4 Uhr ab und kamen am nächsten Tag gegen 9 bis 10 Uhr da an, wo wir rasten wollten. … Die Wasserstellen, die wir passierten, waren etwa 12 bis 14 Meter tief, in den Wüstensand gegrabene Löcher, aus denen man mit Lederbeuteln, die man herunterließ, das Wasser heraufholte. Der Ausdruck Wasser trifft für europäische Verhältnisse nicht zu. Auf dem Grunde der Wasserstellen lagen häufig Hundeleichen, Hammelleichen und Ähnliches. Das Wasser war eine übelriechende, braune bis schwarze, von Tieren wimmelnde Jauche.“ Und über einen Angriff feindlicher Nomaden heißt es: „Jedermann mußte .. wissen, daß es sich bei uns nicht um eine gewöhnliche Handelskarawane mit geringer Bedeckung handelte, sondern, daß wir fünfzig bewaffnete Leute waren, die außerdem vier Maschinengewehre bei sich führten. … Als es hell wurde, konnte man sehen, daß im ganzen Umkreise herum auf nächster Entfernung die Sandhügel schwarz von Beduinen waren. … Trotz der erheblichen Übermacht des Gegners, der auf mindestens 300 Menschen angesprochen werden mußte, war bei keinem auch nur das geringste Zeichen von Unsicherheit zu bemerken. Ohne daß Befehl gegeben worden war, erschienen mit einemmal überall auf den Mündungen der Gewehre die Bajonette. … Unter kräftigen Hurras stürmten wir gegen die feindliche Linie vor. Ein derartiges Verhalten war bei Karawanenüberfällen wohl etwas neu. Jedenfalls fielen von der feindlichen Seite kaum noch Schüsse. Als die blinkenden Bajonette ihm näher kamen, ergriff der Gegner schleunigst die Flucht.“[4] Nach siegreichem Kampf erreichte man Dschidda. Wie sich herausstellte, war der Hafen nicht blockiert, sodass die Reise mit einem Zambuk weiter nach El Ula ging und der Anschluss an die Hedschas-Bahn erreicht wurde. Im Mai 1915 trafen die Männer in Konstantinopel ein, wo sie als Helden gefeiert wurden. Von dort ging es weiter nach Berlin, wo sie trotz eines großen Empfangs bald wieder an die Front geschickt wurden. Die Hälfte der Überlebenden der "Emden" verlor ihr Leben dann doch noch im Krieg. Erst am 6. Dezember 1919 trat das Gros der Kriegsgefangenen der SMS Emden die Heimreise an. Die großen Erfolge der SMS Emden bei ihrer Kaperfahrt und vor allem die dabei dem Gegner erwiesene Ritterlichkeit fanden nach der Zerstörung des Kreuzers in der internationalen Presse ein breites Echo. Der Kleine Kreuzer wurde rasch zu einem der bekanntesten Schiffe des gesamten Ersten Weltkriegs. 2012 inszenierte Berengar Pfahl unter dem Titel „13.000 Kilometer“ einen Spielfilm über die Männer der SMS Emden und die Odyssee des Landungszuges. Silbermedaille 1914 von Lauer, Nürnberg. Avers: Porträt von Fregattenkapitän von Müller, Revers: SMS "Emden" im Eichenlaub- und Lorbeerkranz. Oben Eisernes Kreuz, Unten Texttafel "DER DEUTSCHEN STOLZ, DER FEINDE SCHRECK. S.M.S. EMDEN 1914". Durchmesser ca. 33,3 mm, Gewicht 17,9 g. Zitat: Zetzmann 4051. Die "Emden" im Namen „1920/21 verfügte die preußische Regierung in Übereinstimmung mit dem Reichswehrminister, den noch lebenden preußischen ehemaligen Besatzungsangehörigen des Kleinen Kreuzers Emden und deren direkten Nachkommen auf bis 1931 gestellten Antrag zu genehmigen, den Schiffsnamen als Zusatz zum Familiennamen zu führen. Weitere deutsche Landesregierungen schlossen sich diesem Vorgehen an. Das Namensänderungsverfahren erfolgte nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Die Antragsfrist wurde am 8.6.1933 durch den Reichsminister des Innern bis zum 31.12.1933 verlängert. Am 16.3.1934 verordnete der Reichspräsident, daß diese Genehmigung auf Antrag auch auf Angehörige verstorbener Besatzungsangehöriger auszudehnen ist. Die in der Literatur z.T. enthaltene Angabe, Kaiser Wilhelm II. hätte diese Hinzufügung des Beinamens „Emden“ durch AKO veranlaßt, findet in den offiziellen Unterlagen keine Bestätigung. Es handelte sich tatsächlich um eine Einzelgenehmigung nach den Hausgesetzen der Hohenzollern in Ergänzung des Ministerial-Erlasses, die der Kaiser aus dem Exil für Oberleutnant z. S. Prinz Franz Joseph v. Hohenzollern erteilt hat. Nachweisbar ist diese auch durch einen Erlaß des Preußischen Ministers des Innern vom 18.11.1933.“[5] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Peter Hannes Lehmann, Das deutsche Flottengeld, in: Norddeutsches Jahrbuch für Münzkunde und verwandte Gebiete, Band I, Hamburg 1979, S. 249. [2] Ebenda, S. 263. [3] Peter Menzel, Deutschsprachige Notmünzen und Geldersatzmarken im In- und Ausland 1840 bis 2002, Band II, Ausgabeorte Naabeck bis Zywiec, Unbekannte Ausgabeorte, Marken der deutschen Kriegsflotte, 2. Aktualisierte Auflage, Gütersloh 2005, S. 1560, Kat-Nr. 34033. [4] Kapitänleutnant Hellmuth v. Mücke, „Emden“ und „Ayesha“ in einem Band, Berlin 1915, S. 101 ff. [5] Hildebrand, Röhr, Steinmetz, Die Deutschen Kriegsschiffe, Bd. 2, S.70, Koehler, 1.Auflage, 1980). Zitiert nach: (16.01.2023)

  • Beendet: Messe-Gewinnspiel: 3 x 2 Dauerkarten für die NUMISMATA München

    Update vom 23. Februar 2023: Vielen Dank für Ihr großes Interesse an einem Besuch der NUMISMATA München! Wir haben die Gewinner/innen ermittelt und per E-Mail informiert. Wir wünschen allen viel Spaß auf der Messe! Wir verlosen 3 x jeweils 2 Dauerkarten für die NUMISMATA am 4. und 5. März 2023 in München. Wenn Sie gewinnen möchten, senden Sie uns eine E-Mail an info@geldscheine-online.com mit dem Betreff "München". Einsendeschluss ist der 22. Februar 2023. Später eingehende E-Mails nehmen nicht an der Ziehung teil. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt und erhalten einen Gutschein, den Sie am Veranstaltungstag an der Kasse gegen Eintrittskarten eintauschen können. Bitte geben Sie Ihren vollständigen Namen an, dieser wird im Gewinnfall dem Messeveranstalter mitgeteilt. Verlagsmitarbeiter, deren Angehörige und Gewinnspielservices dürfen nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Datenschutzbestimmungen finden Sie hier. Wir wünschen Ihnen viel Glück!

  • Neue Notgeldscheine aus Erkrath aufgetaucht

    Erkrath, eine Gemeinde mit heute ca. 45.000 Einwohnern zwischen Düsseldorf und dem Neandertal, bietet aus der Inflationszeit keine überbordende Vielfalt an Ausgaben. Neben diversen Notmünzen lokaler Firmen und Gaststätten waren bislang nur vier Notgeldscheine der Gemeindesparkasse bekannt. Es handelt sich um die Scheine zu 500.000, 1 & 2 Millionen sowie 50 Milliarden Mark, welche van Eck unter 568.1-4[1] listet. Bei Keller findet man unter der Nummer 1395[2] nur die Ausgaben 500.000 sowie 1 & 2 Millionen Mark und ebenso bei Meyer[3]. Trotz rund 40 Jahren numismatischen Sammelns, davon 23 als Vereinsvorsitzender und 15 als Chefnumismatiker eines Düsseldorfer Auktionshauses, ist es mir bislang nur gelungen zwei der vier existenten Nominale für meine Sammlung zu bekommen. Die Scheine sind gedruckte Schecks der Gemeindesparkasse mit dem Wasserzeichen „Stern-Sechseckmuster“. Die drei kleinen Werte wurden jeweils am 20. August 1923 und der 50-Milliarden-Schein am 29. Oktober 1923 herausgegeben. Vorder- und Rückseite des Scheins zu 2 Millionen Mark (van Eck 568.3)[4] Vorder- und Rückseite des Scheins zu 50 Milliarden Mark (van Eck 568.4)[5] Gebäude der Gemeindesparkasse Erkrath als Anbau an das Rathaus, genutzt von 1913-1957, auf alter Ansichtskarte[6] Sparkassen-Rendant Franz Lohn (hier mit Familie) hat das Amt 1926 von seinem Vorgänger Peter Gummersbach übernommen[7] Aber bereits im Jahr 2002 tauchten Informationen über einen weiteren Notgeldschein auf[8]. Dies hatte mich bereits damals elektrisiert, aber mehr war nicht herauszubekommen. Der Schein wurde wie ein „Staatsgeheimnis“ gehütet und bis auf eine schlechte s/w-Abbildung und die Beschreibung des Scheins, war es mir nicht möglich, mehr darüber in Erfahrung zu bringen. „Gut Ding will Weile haben“ und so kam nun die Tochter eines verstorbenen Sammlers auf mich zu, um sich wegen des Nachlasses ihres Vaters beraten zu lassen. Da sich dabei auch drei Ordner mit heimatbezogenen Unterlagen fanden, vermachte sie mir diese zur weiteren Bearbeitung. Welche Freude und Überraschung, als ich darin den 2002 veröffentlichten Schein in gleich zwei, wenngleich schlecht erhaltenen Exemplaren, entdecken konnte. Vorder- und Rückseite des 1. Scheins zu 500.000 Mark mit handschriftlicher Nummer 82 in Erhaltung V[9] Vorder- und Rückseite des 2. Scheins zu 500.000 Mark mit handschriftlicher Nummer 10 in Erhaltung IV[10] Beide Scheine sind in Umlauf gewesen, dafür spricht die Erhaltung und die Geschichte. Die Scheinnummern sind zwar verblasst, aber bei genauer Betrachtung immer noch sichtbar. Die beiden Scheine kamen aus Bremen zurück nach Erkrath. Der Zusender war der Enkel eines gewissen Edmund „Heinrich“ Brück, welcher in den 1920er Jahren in Erkrath einen Konsum-Laden führte und die Scheine dort erhalten hatte. Da diese ursprünglich, wie auf der Vorderseite zu lesen ist, „lediglich zur Behebung des Kleingeldmangels anlässlich der Einweihung eines Eigenheims der Sozialdemokraten von Erkrath ausgegeben wurden, dürften sie eigentlich nicht groß im Umlauf gewesen sein. Der Hinweis auf der Rückseite „Dieser Schein eignet sich vorzüglich zur Aufbewahrung als Andenken oder in Notgeldsammlungen“ hat vielleicht dazu geführt, dass Herr Brück ihn in seinem Geschäft in Zahlung nahm und dann aufhob. Schließlich waren 500.000 Mark Mitte September 1923 keine große Summe mehr, wie die nachfolgende Übersicht[11] zeigt. Wie man sehen kann, hätte man mit einem solchen Schein gerade einmal 5 Gramm Butter kaufen können! Herausgeber der Scheine war die V.S.P.D. zu der die Internetseite des Deutschen Historischen Museums folgendes ausführt: „…Zum Schutz der jungen Republik gegen Angriffe von rechts sahen beide sozialdemokratischen Parteien über die einstigen existentiellen Auseinandersetzungen hinweg. Am 14. Juli 1922 schlossen sich die Reichstagsfraktionen von USPD und SPD zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Damit ebneten sie den Weg für die Wiedervereinigung beider Parteien am 24. September auf einem gemeinsamen Parteitag in Nürnberg. Der offizielle Parteiname lautete nun Vereinigte Sozialdemokratische Partei Deutschlands (VSPD), der aber 1924 wieder auf SPD verkürzt wurde…“[12]. Die beiden Geldscheine sind ca. 105 mm x 164 mm groß und bestehen aus sämischem Papier ohne Wasserzeichen. Die Druckfarbe des ersten Scheins ist auf der Vorderseite rostbraun und auf der Rückseite hellrot, während das zweite Exemplar einen dunkelgrauen Vorderseiten- und einen rostbraunen Rückseitendruck aufweist. Beide Stücke sind aus der Reihe „A“. Sie sind auf den 16. September 1923 datiert und konnten laut Angabe bis zum 30. September 1923 eingelöst werden. Die Unterschrift des Kassierers ist mitgedruckt und entworfen hat sie der „Genosse Beigeordn.(eter) Wilhelm Kiepert, Erkrath“. Auf der Vorderseite ist jeweils das „EIGENHEIM DER VSPD ERKRATH“ zu sehen, während die Rückseiten das Hinterhaus jenes Eigenheimes, d. h. die Damen- und die Herrentoilette zeigen. In Erkrath war zu jener Zeit bereits seit 16 Jahren Franz Zahren Bürgermeister und nachdem die Revolutionsunruhen der Nachkriegszeit abgeklungen waren, konnte er sich auf die Unterstützung der starken Zentrumsfraktion im Rat verlassen. SPD und USPD waren selbst zusammen in der Minderheit[12]. Zudem waren seit 1921 französische Besatzungstruppen im Ort einquartiert und am Ortsrand Richtung Hochdahl verlief die Grenze zum besetzten Ruhrgebiet. Insofern spiegelten sich die Zustände in der "Weimarer Republik" im Erkrather Mikrokosmos durchaus wider. Dass nun, fast genau 100 Jahre nach ihrer Schaffung diese „neuen“ Scheine wieder an das Licht der Öffentlichkeit gelangen, erfüllt mich mit großer Freude. Sollte in der Leserschaft noch weiteres Material dieser Art vorhanden sein, so wäre ich für Hinweise oder Scans überaus dankbar (E-Mail: feuser-weyrich@t-online.de). Peter B. Feuser Anmerkungen der Redaktion In ihrer Ausführung und wahrscheinlich auch Bestimmung erinnern die beiden Scheine der Vereinigten Sozialdemokraten aus Erkrath an solche von Vereinen und Parteien aus der Zeit der sog. "Serienscheine", die 1922 endete. Nur ein Jahr später gab nun also die Ortsgruppe der damaligen VSPD diese Scheine "ohne jede Ermächtigung des Reichsfinanzministeriums" anlässlich der Eröffnung ihres Eigenheims in Erkrath wegen "Kleingeldmangel" aus. Aus meiner Sicht dürfte es als ziemlich sicher gelten, dass diese Scheine nie für den Geldumlauf bestimmt waren. Für 500.000 Mark konnte man sich im September 1923 gerade einmal ein halbes Brot leisten und als die angegebene Einlösungsfrist nur zwei Wochen später am 30. September 1923 endete, kostete ein Gramm Brot schon über 1 Million Mark. So gesehen, kann man tatsächlich von "Kleingeld" sprechen. Sie dienten auch nicht als "Bausteine", zumal der Bau des Gebäudes bereits vollendet war und es "nur noch" um dessen Einweihung ging. Wahrscheinlich dienten die Scheine lediglich als eine Art Wechselgeld bei der Einweihungsfeier des Parteiheims, von dem man nicht zuletzt wegen des Hinweises „Dieser Schein eignet sich vorzüglich zur Aufbewahrung als Andenken oder in Notgeldsammlungen“ sowie des damals "kleinen" Nennwertes annehmen konnte, dass es höchstwahrscheinlich nie zur Einlösung präsentiert werden würde. Ein kleiner Gewinn für die Genossen! Viele Scheine dürften nicht genutzt worden sein, wofür auch die sehr niedrigen Nummern stehen. Warum die Scheine trotzdem so stark gebraucht sind, kann auch einen ganz anderen Grund als der übliche Umlauf im Geldverkehr haben. Viele Geldscheine, die durch die Inflation völlig entwertet waren, wurden schon damals zu beliebtem Spielzeug bei Kindern, in deren Kaufmannsläden nun die Millionen und Milliarden über die Tresen gingen. Wann wurde Kindern davor oder danach schon einmal so viel "echtes" Geld zum spielen überlassen? Der Erhaltungszustand kann also auch hier so stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Wir kennen das von sog. "Dachbodenfunden" mit Geldscheinen, die oft über Generationen von Kinderhand zu Kinderhand gingen. Ich würde die Scheine der Sozialdemokraten aus Erkrath von 1923 als späte "Serienscheine" bezeichnen. Zu prüfen bliebe, ob genannter Kaufmann Brück aus Erkrath vielleicht selbst Mitglied der VSPD, womöglich an der Bereitstellung von Speis und Trank zur Einweihungsfeier beteiligt oder einfach nur ein Besucher der Veranstaltung war. Fest steht wohl, dass er die beiden Scheine aufbewahrt hatte und damit Numismatikern und Freunden der Heimatgeschichte interessante historische Belege hinterlassen hat. Hans-Ludwig Grabowski Anmerkungen [1] Thomas van Eck, Das Papiernotgeld der preußischen Rheinprovinz 1914-1948, Düsseldorf, 2000, Band 1, Seite 336. [2] Arnold Keller, Deutsches Notgeld, Band 7, Das Notgeld der deutschen Inflation 1923, Reprint, Regenstauf, 2004, Seite 310. [3] Hans Meyer, Das Papiernotgeld der preußischen Rheinprovinz 1914-1924, 2. Auflage, Berlin, 1975, Seite 73. [4] Sammlung Feuser. [5] Sammlung Feuser. [6] Sammlung Feuser. [7] Sammlung Stadtarchiv Erkrath. [8] Bringfried Metzner, Erkrather Geldschein über 500.000 Mark aufgetaucht, Ein Andenken an die Inflation 1923, in: usser Dorp, Vereinszeitschrift der Ercroder Jonges 1982 e.V., Nr. 19 vom Dezember 2002, Seiten 16-18. [9] Sammlung Feuser. [10] Sammlung Feuser. [11] https://www.geldscheine-online.com/post/lebensmittelpreise-von-mitte-1914-bis-ende-1923 [12] https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/uspd.html [13] Erika Stubenhöfer, Die Erkrather Bürgermeister 1898-1999, Erkrath, 2004, Seite 48 ff.

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