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  • Geld, Geldersatz und Prämienscheine im Konzentrationslager Stutthof

    Zur Geschichte des Lagers Am 3. April 1939 erteilte Hitler der Wehrmacht die Weisung, den „Fall Weiß“ („Polenfeldzug“) vorzubereiten. Damit rückte das kleine westpreußische Dorf Stutthof in den Blickpunkt der Geschichte. Zur Lösung der „polnischen Frage“ wollte die deutsche Seite nicht nur die Wiedereingliederung Danzigs in das Deutsche Reich, sondern auch den Anschluss aller vormals deutschen Gebiete, inklusive der ehemaligen preußischen Teilungsgebiete, und deren völlige Germanisierung durch „ethnische Säuberungen“ und Inhaftierung von „politisch unzuverlässigen Polen“ erreichen. Schon im Juli 1939 wurde hierzu ein Lager geplant, für das dann im August die Vorbereitungsarbeiten begannen. So konnte das Lager Stutthof bereits einen Tag nach Kriegsbeginn am 2. September 1939 eröffnet werden. Hier inhaftierte man nicht nur Polen, sondern auch Juden und Einwohner Danzigs.1) Bis zum Februar 1940 wurden jedoch die meisten Häftlinge aus der Region nach Neufahrwasser gebracht, und erst Ende 1939 wurden in Stutthof die ersten Häftlingsunterkünfte belegt.2) „Sonderlager Stutthof“ bei Danzig, Toreinfahrt des „Alten Lagers“ im Herbst 1941. Mit der Eingliederung des Reichsgaus Danzig-Westpreußen in das Deutsche Reich (überwiegend Gebiete der ehemaligen preußischen Provinz Westpreußen sowie des Freistaats Danzig) wuchs die Bedeutung von Stutthof, das u. a. als „Zivilgefangenenlager“, „Kriegszivilgefangenenlager“ sowie „Gefangen-Sammellager“ geführt wurde und bis 31. März 1941 der Kommandantur der Gefangenenlager in Danzig unterstand. Stutthof war ursprünglich also nicht als Konzentrationslager unter Leitung der Inspektion der Konzentrationslager (IKL) geplant. Freie Stadt Danzig, Note der Bank von Danzig über 25 Gulden vom 2. Januar 1931. (Fotoarchiv des Verlags) Am 28. Mai 1941 hatte Himmler die Schaffung von sog. Arbeitserziehungslagern angeordnet. Der Inspekteur der Sicherheitspolizei in Danzig bestimmte das „Sonderlager Stutthof“ am 1. Oktober 1941 zu einem von vier Arbeitserziehungslagern im Reichsgau Danzig-Westpreußen. Konzentrationslager wurde Stutthof schließlich mit der Unterstellung unter die Inspektion der Konzentrationslager am 7. Januar 1942. Bereits am 10. Dezember 1941 hatte ein Vertreter der IKL Stutthof besichtigt und in seinem Bericht Pläne zum Ausbau des Lagers unterbreitet, wonach die Aufnahmekapazität auf 25.000 Häftlinge, davon 20.000 sowjetische Kriegsgefangene, erweitert werden sollte. Die Lagerwerkstätten wurden durch die SS-eigenen Deutschen Ausrüstungswerke (DAW) übernommen.3) Im Frühjahr 1940 hatte auch die Bewirtschaftung des Lagers begonnen, und bis 1941 wurden hauptsächlich Baracken für die SS und den Wirtschaftsbereich gebaut. Die Kommandantur zog in einem ehemaligen Alters- und Erholungsheim ein. Das bis 1941 entstandene Lager hatte noch vergleichsweise kleine Ausmaße. Von 1942 bis 1944 wurde dann neben dem „Alten Lager“ ein „Neues Lager“ errichtet und schrittweise ausgebaut. Die vom Wirtschaftsverwaltungshauptamt (WVHA) der SS ausgearbeiteten Pläne sahen Unterkünfte für 20.000 Häftlinge vor sowie DAW-Werkstätten, Waschräume, eine Großküche, ein Krematorium, Magazine und Kasernen für die SS-Wachmannschaften. Für die Realisierung der Baumaßnahmen wurde bis Ende 1943 eine Ziegelei gepachtet und den SS-eigenen Deutschen Erd- und Steinwerken (DESt) überlassen. Bis 1943 war der erste Abschnitt des „Neuen Lagers“ für 10.000 Häftlinge fertiggestellt. Daneben entstanden Baracken für Werkstätten der DAW, darunter eine Kürschnerei, eine Sattlerei, eine Weberei, eine Schneiderei und eine Fahrradreparaturwerkstatt. Bis Ende 1943 waren die letzten Baracken im „Neuen Lager“ bezogen. In einem Teil des „Alten Lagers“ waren weibliche Häftlinge untergebracht. Ende Oktober 1943 begann der Bau von Fabrikhallen, in denen Häftlinge für die Kriegswirtschaft arbeiten sollten. Die ersten beiden Hallen wurden im zweiten Halbjahr 1944 durch die Flugzeugwerke Focke-Wulf unter der Tarnbezeichnung „Holzbau AG“ belegt, die hier Teile für Jagdflugzeuge fertigen ließ. Im Frühjahr 1944 begann man mit dem Bau weiterer Baracken, doch als Ende Juni 1944 die ersten 2500 jüdischen Frauen aus Auschwitz eintrafen, war man noch nicht fertig. Es entstand ein sog. „Judenlager“, in dem aber auch polnische Frauen des Warschauer Aufstands interniert wurden. Die Ausbaupläne von 1943 konnten bis zum Ende des Lagers nicht mehr vollständig verwirklicht werden.4) Konzentrationslager Stutthof, erste Seite des Briefs eines polnischen Häftlings an seine Eltern, in dem er den Empfang von Geldsendungen bestätigt. Im Briefkopf befindet sich ein Auszug aus der Lagerordnung mit den Bestimmungen zum Briefverkehr und zu Geldsendungen. Der Poststempel auf dem Briefumschlag trägt das Datum vom 23. August 1942. Sämtlicher Briefverkehr war in den Lagern wegen der Zensur in Deutsch abzufassen, auch wenn es sich um ausländische Häftlinge handelte. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Vom 2. September 1939 bis Ende März 1940 waren in den Lagern der Region Danzig-Westpreußen (Neufahrwasser, Grenzdorf und Stutthof) zusammen mehr als 9.000 Personen inhaftiert gewesen. Ende Januar 1940 befanden sich in Stutthof 1.100 Gefangene. Stutthof blieb bis Ende 1942 hauptsächlich ein Lager für polnische Häftlinge, oftmals Angehörige des Widerstands, aus dem Reichsgau Danzig-Westpreußen. Mit der Übernahme durch das IKL veränderte sich auch die Häftlingsgesellschaft durch die Einbindung in das zentral geleitete System der Konzentrationslager. Bis Mitte 1944 kamen Transporte mit Häftlingen unterschiedlichster Nationalitäten aus Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Mauthausen, Neuengamme und Sachsenhausen nach Stutthof. Allein 3.000 Letten wurden im Lager registriert, die der lettischen Widerstandsbewegung angehörten oder einfach nur der lettischen Intelligenz, wie Professoren, Politiker, Ingenieure, Ärzte und Priester. Von Ende Juni bis Ende Oktober 1944 kamen fast 23.600 Häftlinge aus Auschwitz nach Stutthof, davon über 21.800 Frauen – meist Jüdinnen aus Ungarn, dem „Protektorat“, der Slowakei, Deutschland und anderen Ländern. In der zweiten Jahreshälfte 1944 dürften sich allein etwa 49.000 jüdische Häftlinge in Stutthof befunden haben.5) Mitte 1944 sprach der Chef der Amtsgruppe D des WVHA der SS, Richard Glücks, mit dem damaligen Lagerkommandanten von Stutthof, Theodor Meyer, die Einrichtung einer Gaskammer ab. Neben einigen polnischen Partisanen, die als erste vergast worden sind, und 77 sowjetischen Kriegsgefangenen sollen etwa 300 bis 400 jüdische Frauen, wahrscheinlich Kranke und Schwache, durch Gas erstickt worden sein. Als Ende Oktober/Anfang November 1944 infolge der dramatischen Überbelegung eine Typhusepidemie ausbrach, welche besonders viele Opfer im „Judenlager“ forderte, wurde das Morden in der Gaskammer eingestellt. Aus Stutthof gingen Transporte mit insgesamt über 11.100 jüdischen Häftlingen in andere Lager, aber auch zur Vernichtung nach Auschwitz.6) Hatten sich Anfang 1944 nur etwa 7.000 bis 8.000 Häftlinge im KL Stutthof befunden, so stieg deren Zahl durch den massenhaften Häftlingseinsatz in der Kriegswirtschaft, für den schließlich auch jüdische Häftlinge zugelassen wurden, bis Ende August 1944 auf mehr als 60.000 an. Bis dahin hatte man aber schon fast 9.000 jüdische Häftlinge zum Arbeitseinsatz in andere Lager überstellt. In Stutthof selbst hatten die meisten jüdischen Frauen keine Arbeit, sie waren zur Untätigkeit verurteilt. Nur etwa 3.000 von ihnen waren zur Hilfe in der Landwirtschaft eingesetzt, und einige im Lagerbetrieb. Diese Lage, die zum raschen psychischen und physischen Verfall der Frauen beitrug, änderte sich erst, als in der zweiten Jahreshälfte 1944 zahlreiche Außenlager entstanden, in denen schließlich insgesamt über 26.000 jüdische Häftlinge, darunter mehr als 23.600 Frauen, zur Arbeit eingesetzt wurden. Zur Optimierung des Arbeitseinsatzes von Häftlingen plante die SS die Einführung einer zentralen Häftlingskartei aller Konzentrationslager. Hierzu entstand im August 1944 in Stutthof eine Hollerith-Kartei mit etwa 80.000 Namen von Gefangenen mit mehr als 800 Berufen und Funktionen, die als Grundlage für die im Oktober 1944 eingeführten Richtlinien für den Arbeitseinsatz von Häftlingen in der Rüstungsindustrie und im Bauwesen diente.7) Als am 12. Januar 1945 die Rote Armee ihre Winteroffensive begann, fiel die Entscheidung, die östlichen Konzentrationslager Auschwitz, Groß-Rosen und Stutthof zu räumen. Bereits am 16. Januar wurde der „Fall Eva“ zur Evakuierung der gesamten Bevölkerung Westpreußens befohlen. Das schnelle Vorrücken der Front sorgte für hektische Endzeitstimmung. Am 23./24. Januar 1945 standen die sowjetischen Truppen bereits vor Elbing und Marienburg in nur noch etwa 50 Kilometer Entfernung vom Lager. In dieser Situation erwog man sowohl die Evakuierung der Häftlinge mittels Schiff nach Lübeck als auch die komplette Übergabe an den Feind. Schließlich erfolgte am 25. Januar 1945 der Befehl zur Räumung des Lagers in das 140 Kilometer entfernte pommersche Lauenburg. Die Auflösung der Außenlager hatte bereits Mitte Januar begonnen. Nach einer Meldung vom 24. Januar zählte das Stammlager einschließlich der noch existierenden Außenlager über 46.500 Häftlinge, davon rund 25.000 im Stammlager. Nach einer Selektion sollten nur die Kranken, Pflegepersonal sowie Häftlinge für den Lagerbetrieb zurückgelassen werden. Am 26. Januar verließen jedoch nur zwei Marschkolonnen mit 11.500 Häftlingen das Stammlager. Der Marsch wurde zum „Todesmarsch“ für viele Häftlinge. Die Straßen waren von Flüchtlingen verstopft, es gab kaum Verpflegung und nur mangelhafte Unterkunftsmöglichkeiten in dem eiskalten Winter. Man verteilte die Häftlinge schließlich auf verschiedene Außenlager, die im März 1945 in die Frontlinie gerieten. Nun plante man sie vielleicht über Gotenhafen auf dem Seeweg zu evakuieren, doch Gotenhafen war voll von heimatlos gewordenen Menschen und verwundeten Soldaten. Nach der Torpedierung des Flüchtlingsschiffs „Wilhelm Gustloff“ durch ein sowjetisches U-Boot, bei der etwa 9.000 Menschen umkamen, sollte der Name der Stadt traurige Berühmtheit erlangen. Am 9. und 10. März wurden die Häftlinge dann – teils in Lagern, teils auf dem Marsch – von der Roten Armee befreit. Im Stammlager selbst waren zahlreiche Häftlinge zurück geblieben. Am 30. Januar 1945 waren es fast 11.900, davon über 6.900 Frauen. Nach dem Abmarsch der zwei Kolonnen am 26. Januar war der Lagerbetrieb zusammengebrochen. Häftlinge aus der Effektenkammer und der Geldverwaltung verpackten das Lagerinventar sowie Kleidung und Schuhe. Erst ab Februar nahmen dann wieder wichtige Kommandos ihre Arbeit auf, so auch die Kantine und die Lagerküche. Im Februar kamen aber auch eine Vielzahl von Flüchtlingen aus Ostpreußen, die ihre einzige Rettung auf dem Weg in Richtung des vereisten Haffs gesucht hatten, sowie Fremdarbeiter auf der Flucht vor der Front und Wehrmachtsangehörige, die auf ihrem Rückzug bis an die Weichsel gekommen waren. Da das Lager von sowjetischen Flugzeugen angegriffen wurde, versuchte man sogar noch provisorische Bunker im nahen Wald zu bauen. Insgesamt waren nun 20.000 bis 40.000 Menschen im Lager, die in den teils verlassenen Baracken Schutz suchten. Schließlich versuchte man, auch weitere Häftlinge zu evakuieren. Nur wenige von ihnen konnten Westpreußen auf dem Seeweg verlassen. Da die sowjetischen Streitkräfte ihren Vorstoß auf Danzig und andere Stoßrichtungen konzentrierten, blieb das Lager in der schwer zugänglichen Landschaft der Weichselnehrung noch bis Ende April 1945 in Betrieb. Der letzte Evakuierungstransport verließ Stutthof am 27. April 1945. Ein Major der Wehrmacht, die das Haff noch bis zur bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reichs hielt, gab das Lager kurz vor Mitternacht am 8. Mai 1945 auf. Am 9. Mai trafen sowjetische Truppen ein, die neben 150 Häftlingen rund 20.000 Flüchtlinge aus Ostpreußen und Pommern sowie Kriegsgefangene aus verschiedenen Ländern vorfanden. Von den insgesamt 110.000 Häftlingen, die zwischen 1939 und 1945 in Stutthof waren, sind 63.000 bis 65.000 ums Leben gekommen, davon allein 21.500 auf Evakuierungsmärschen und auf Schiffen. Die Evakuierungsversuche überlebten am Ende nur 2.000 Häftlinge. Konzentrationslager Stutthof, Geldkartei des deutschen Häftlings Hermann Buche (Häftlings-Nummer 21214, geb. 20.11.1907, gest. 8.1.1944) aus dem Jahr 1943. Auffällig sind die regelmäßigen Zugänge und die Abgänge in stets gleicher Höhe zu 15 RM. Nach seinem Tod wurde das Restguthaben in Höhe von 137,50 RM am 13.3.1944 ausgebucht. In aller Regel wurde es an die Angehörigen überwiesen. (Archiv der Gedenkstätte Stutthof) Konzentrationslager Stutthof, Geldkartei des norwegischen Häftlings Leif Reu(f)sch Berg (Häftlings-Nummer 140, geb. 26.10.1907, entlassen 25.8.1944) von Ende Dezember 1943 bis August 1944. Das Restguthaben in Höhe von 5,28 RM wurde ihm am Tag seiner Entlassung ausgezahlt. (Archiv der Gedenkstätte Stutthof) Geld, Geldersatz und Prämienscheine In der Gedenkstätte Stutthof sind erstaunlich viele Unterlagen erhalten, darunter die Daten von etwa 85.000 ehemaligen Häftlingen und rund 300.000 Dokumente, wie Einlieferungsbücher, Transportlisten, Kommandanturbefehle, Häftlingsakten und Schriftverkehr der Lagerverwaltung.8) Dieser glückliche Umstand ist sicher auch dem bis in die letzten Kriegstage laufenden Lagerbetrieb zu verdanken. Vielleicht sind deshalb von Stutthof auch seltene Gutscheine erhalten geblieben, die in ihrer Art sonst nur noch vom Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück in Form der dort verwendeten Waren-Wertkarten belegbar sind. Mit deren Einführung wurde in Ravensbrück die Auszahlung von Bargeld aus Häftlingsguthaben eingestellt. Mit den Abschnitten der nun, anstelle von Bargeld, ausgezahlten Waren-Wertkarten, konnte dann in der Lagerkantine eingekauft werden. Bis zur Einführung von Gut- und Prämienscheinen wurde mit dem Eigengeld der Häftlinge im KL Stutthof verfahren wie in den anderen Konzentrationslagern auch. Mitgebrachtes Geld wurde auf einer Karteikarte bei der Geldverwaltung eingetragen, und die Häftlinge konnten sich Bargeld durch Postanweisungen schicken lassen. Siehe hierzu auch den abgebildeten Brief eines Häftlings mit Auszug aus der Lagerordnung. Hatte man 1942 das Eigengeld der Häftlinge bar ausgezahlt, so wurden wahrscheinlich schon ab Mitte 1943 anstelle von Bargeld nur noch Gutscheine an die Häftlinge abgegeben. Da die Gefangenen in regelmäßigen Abständen über festgelegte Beträge aus ihren Guthaben verfügen konnten, meist waren dies 15 RM, führte man in Stutthof zwei verschiedene Nominale von Gutscheinen ein, und zwar zu 5 und 10 RM. Die Gutscheine enthielten unterschiedliche Wertabschnitte, die zusammen den Nennwert ergaben, und die beim Einkauf abgetrennt werden konnten. Siehe hierzu auch den im Katalogteil abgebildeten Gutschein zu 10 RM. Verfügte ein Häftling über Eigengeld, so konnte er sich dies in Form von Gutscheinen auszahlen lassen. Bei der Auszahlung wurden die Gutscheine mit einem aktuellen Datumstempel vom Tag der Auszahlung versehen. Die einzigen, bisher bekannten Belege aus dem Archiv des Museums Stutthof tragen Daten vom 24. August 1944 (5 RM) und 13. Januar 1945 (10 RM). Auf den Gutscheinen konnten sowohl Name als auch Häftlingsnummer des Eigentümers vermerkt werden. Wie in Ravensbrück, so erfolgte auch in Stutthof die Nutzung der Gutscheine parallel zu der von Prämienscheinen. Mit beiden Ersatzzahlungsmitteln konnte in der Kantine bezahlt werden. Nach dem Erlass der Prämienvorschrift der SS vom 15. Mai 1943 wurden auch im KL Stutthof Prämienscheine zur Prämierung von Arbeitsleistungen für Häftlinge eingeführt. Die erste bekannte Ausgabe stammt vom Juni 1943 mit einer Auflage von einer halben Million Stück zu 0,50 RM und einer Million Scheine zu 1 RM. Kleinere Auflagen folgten dann laut Druckvermerken im März und August 1944. Das Linienraster auf den Prämienscheinen war für den Eintrag der Häftlingsnummer vorgesehen. Der Druck sämtlicher Ersatzzahlungsmittel, Gutscheine wie auch Prämienscheine, erfolgte durch die Druckerei des „Wehrkreises XX“, der seinen Sitz in Danzig hatte. Alle Scheine tragen für ihre Gültigkeit einen Stempel „Akolt“ mit Dienstgrad Ober- bzw. Hauptscharführer (Feldwebel bzw. Oberfeldwebel). Richard Akolt leitete ab 1940 die SS-Kantinengemeinschaft im Lager Stutthof (anfänglich noch als Scharführer), und wurde nach dem Krieg zu drei Jahren Haft verurteilt, in der er 1948 starb. Gutscheine des K.L. Stutthof 5 Reichsmark (Reichsmark 5.–) Vorderseite: Wertabschnitte: 10 x 1, 6 x 5, 26 x 10, 4 x 25 und 2 x 50 RPf. = 5 RM sowie Stempel (Datum und Leiter der Kantinengemeinschaft „Akolt“), mit oder ohne handschriftlichem Namen und Häftlingsnummer Entwurf: unbekannt Format: ca. 115 mm x 100 mm Umlauf bis: April 1945 Wz: Karton braun, ohne Wz Druck: Wehrkreisdruckerei XX Druckvermerk: Wehrkreisdruckerei XX KN: ohne Datum: ohne Datum (1943?) Auflage: unbekannt 10 Reichsmark (Reichsmark 10.–) Vorderseite: Wertabschnitte: 10 x 1, 6 x 5, 16 x 10 und 16 x 50 RPf. = 10 RM sowie Stempel (Datum und Leiter der Kantinengemeinschaft „Akolt“), mit oder ohne handschriftlichem Namen und Häftlingsnummer Entwurf: unbekannt Format: ca. 115 mm x 100 mm Umlauf bis: April 1945 Wz: Karton gelblich, ohne Wz Druck: Wehrkreisdruckerei XX Druckvermerk: Wehrkreisdruckerei XX KN: ohne Datum: ohne Datum (1943?) Prämienscheine des KL Stutthof Da die Gestaltung der Prämienscheine beibehalten wurde, werden die ausgegebenen Werte mit den bekannten Druckvermerken als Varianten aufgeführt. Von Außenlagern sind keine besonderen Ausgaben bekannt, ebenso keine diesbezüglichen Abstempelungen. 50 Reichspfennig (RM. 0,50) Vorderseite: Lagername, und Wertbezeichnung, mit oder ohne Namensstempel „Akolt“ Rückseite: unbedruckt Entwurf: unbekannt Format: ca. 74 mm x 52 mm Umlauf bis: April 1945 Wz: Karton grauweiß bis gelblich, ohne Wz Druck: Wehrkreisdruckerei XX KN: ohne a) o.D. (06/1943) Auflage 500.000 Stück Druckvermerk: KL ST (für Konzentrationslager Stutthof) 1/2-6-43 b) o.D. (03/1944) Auflage 5000 Stück Druckvermerk: Wehrkreisdruckerei XX 760 5000 3/44 c) o.D. (08/1944) 5000 Stück Druckvermerk: Wehrkreisdruckerei XX 2626 5000 8/44 1 Reichsmark (RM. 1.–) Vorderseite: Lagername, und Wertbezeichnung, mit oder ohne Namensstempel „Akolt“ Rückseite: unbedruckt Entwurf: unbekannt Format: ca. 74 mm x 52 mm Umlauf bis: April 1945 Wz: Karton rot, ohne Wz Druck: Wehrkreisdruckerei XX KN: ohne a) ohne Datum (06/1943) 1000.000 Stück Druckvermerk: KL ST (für Konzentrationslager Stutthof) 1-6-43 b) ohne Datum (03/1944) 10.000 Stück Druckvermerk: Wehrkreisdruckerei XX 760 10000 3/44 c) ohne Datum (08/1944) 20.000 Stück Druckvermerk: Wehrkreisdruckerei XX 2626 20000 8/44 Raucherkarten Vom KL Stutthof existiert in einer polnischen Privatsammlung auch eine Raucherkarte für Häftlinge, ähnlich wie sie in Auschwitz verwendet wurden. Leider hat dem Autor kein Vergleichsstück vorgelegen, so dass derzeit keine weiterführenden Angaben möglich sind. Das Thema bietet insgesamt noch ausreichend Forschungsmöglichkeiten für Sammler und Historiker. Hans-Ludwig Grabowski Anmerkungen Danuta Drywa, Die Entstehung des KZ, in: Stutthof – Stammlager, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 6: Natzweiler, Groß-Rosen, Stutthof, S. 477 – 480. Danuta Drywa, Organisation und Bau des Lagers, in: Stutthof – Stammlager, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 6: Natzweiler, Groß-Rosen, Stutthof, S. 481. Siehe Anmerkung 1). Siehe Anmerkung 2), S. 480 – 486. Danuta Drywa, Die Häftlingsgesellschaft, in: Stutthof – Stammlager, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 6: Natzweiler, Groß-Rosen, Stutthof, S. 494 – 499. Danuta Drywa, Die Sonderaktionen, in: Stutthof – Stammlager, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 6: Natzweiler, Groß-Rosen, Stutthof, S. 499 – 502, sowie: Danuta Drywa, Existenzbedingungen der Häftlinge, in: Stutthof – Stammlager, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 6: Natzweiler, Groß-Rosen, Stutthof, S. 504 – 505. Danuta Drywa, Häftlingsarbeit – Das KZ Stutthof als Wirtschaftsbetrieb, in: Stutthof – Stammlager, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 6: Natzweiler, Groß-Rosen, Stutthof, S. 508 – 514. Danuta Drywa, Häftlingsarbeit – Die KZ-Gedenkstätte, in: Stutthof – Stammlager, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors, Band 6: Natzweiler, Groß-Rosen, Stutthof, S. 521 – 522. Literaturempfehlung Hans-Ludwig Grabowski: Das Geld des Terrors Geld und Geldersatz in deutschen Konzentrationslagern und Gettos 1933 bis 1945. Mit Dokumenten aus der Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Hardcover: 456 Seiten Format: 17 x 24 cm ISBN: 978-3-86646-040-9 Preis: 19,90 Euro Mit dem totalen Krieg und dem massenhaften Einsatz von Häftlingen als Arbeitssklaven – vor allem in der Rüstungsindustrie – erreichte die Verwendung von Geldersatz in den Lagern und Gettos des Dritten Reichs ihren Höhepunkt. Schon zuvor hatte es spezielle Zahlungsmittel gegeben, doch nahmen die sogenannten Prämienscheine, die dann in fast allen Konzentrationslagern benutzt wurden, um Gefangene aus ganz Europa zu immer höheren Leistungen zu motivieren, eine herausragende Stellung ein. Die Rolle von Geld und Geldersatz in den Lagern und Gettos wird nun erstmals nicht nur in Form einer umfangreichen Katalogisierung behandelt. Im vorliegenden Band steht sie im Mittelpunkt einer ausführlicheren Arbeit zu den historischen Hintergründen und Fakten, die in dieser Form erstmalig präsentiert werden können. Als Grundlage für die längst überfällige Aufarbeitung dieses Kapitels der deutschen und internationalen Währungsgeschichte diente dem Autor nicht nur die bedeutende zeitgeschichtliche Sammlung des bekannten Berliner Sammlers und Forschers Wolfgang Haney. Zusammen mit historischen Belegen aus weiteren Sammlungen und Archiven konnten zahlreiche neue Erkenntnisse gewonnen werden. Dadurch ist eine völlig neuartige Dokumentation zu einem wichtigen Baustein im System des nationalsozialistischen Terrors entstanden, die für überraschende Einblicke und erschütternde Momentaufnahmen aus den Erinnerungen von Zeitzeugen und der Bürokratie der Vernichtung sorgt. Als Anfang 1945 mit über 700.000 Häftlingen in deutschen Konzentrationslagern der Höhepunkt erreicht war, stand das System bereits vor dem Aus. Das Geld des Terrors blieb als stummes Zeugnis bis heute erhalten.

  • Lexikon: Druckfarben

    Die bei den frühen Geldscheinen verwendeten Farben unterschieden sich nicht von den allgemein verwendeten Druckfarben. Meist waren die Scheine einfarbig und auch nur einseitig bedruckt. Republik Frankreich, Domaines Nationaux: Assignat über 50 Livres vom 14. Dezember 1792, Druck einseitig. Die spätere Verwendung mehrerer Farben beim Geldscheindruck geschah nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch zur Erhöhung des Fälschungsschutzes. Das verdeutlicht vor allem das Farbzusammenspiel in den sog. Guilochen. Deutsches Reich, Königreich Bayern, Bayerische Notenbank: Note zu 100 Mark vom 1. Januar 1900, Vorder- und Rückseite. Die oft empfindlichen Farben bei älteren Scheinen lassen es ratsam erscheinen, sie nicht zu lange intensivem Licht (Sonnen- und künstlichem Licht) auszusetzen (Vorsicht bei Ausstellungen!), da sie sonst verblassen oder die Farben sich zersetzen können. Auch beim Waschen der Scheine ist Vorsicht geboten, vor allem sollte man kein chemisches Reinigungsmittel verwenden. Durch chemische Behandlung lassen sich die Farben älterer und moderner Geldscheine verändern, so dass beim Angebot sog. Farbvarianten oder Farbfehldrucke immer Vorsicht geboten ist. So wurden unter anderem schon US-Dollar-Noten mit blauer statt grüner Rückseite, österreichische 20-Schilling-Noten von 1967 mit grünem Unterdruck, deutsche Reichsbanknoten zu 50 Mark von 1920 in Blau statt Grün und Quittungen des jüdischen Gettos Litzmannstadt über 10 Mark von 1940 ebenfalls in Blau statt Grün angeboten. Alle diese Scheine erwiesen sich als chemische verfärbte Manipulationen zum Schaden der Sammler, die solche Stücke als vermeintliche Raritäten teuer gekauft haben. Deutsches Reich, Deutsche Reichsbank: chemisch manipulierte Note zu 50 Mark vom 23. Juli 1920, Vorderseite. Großdeutsches Reich, Getto Litzmannstadt: chemisch manipulierte Quittung zu 10 Mark vom 15. Mai 1940, Vorderseite. Um den Fälschern die Arbeit zu erschweren, verwenden in neuerer Zeit verschiedene Banknotendruckereien Spezialfarben, wie fluoreszierende Farben, die unter ultrviolettem Licht aufleuchten. Sie wurden oft auch nur für bestimmte Bereiche verwendet, so z.B. für die Nummerierung von deutschen Bundesbanknoten. Auch Aufdrucke in unsichtbarer und nur unter UV-Licht fluoreszierender Farbe wurden bekannt (z.B. Guatemala, Ausgaben ab 1958). Noten verschiedener schottischer Banken erhielten ab 1967 Strichmarkierungen in magnetischer Farbe, die das Sortieren der Noten erleichtert hat. Giesecke + Devrient: "Green Banknote", Vorderseite. Heute spielt neben der Fälschungssicherheit auch der Umweltschutz eine immer größere Rolle bei der Herstellung von Banknoten, so wurde die von der Firma Giesecke + Devrient 2021 entwickelte "Green Banknote" mit Farben auf der Basis pflanzlicher Öle hergestellt. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Sudan: Neues Höchstnominal angekündigt

    Am 6. Juni 2022 gab die Zentralbank von Sudan bekannt, mit einer Umlaufnote über 1000 Sudanesische Pfund ein neues Höchstnominal einzuführen. Grund für diese Maßnahme ist die Inflation: Im vergangenen Jahr erreichte die sudanesische Inflationsrate einen Spitzenwert mit 422,78 %. Zu den Sicherheitsmerkmalen der neuen Banknote zählt ein Wasserzeichen mit einem Vogel sowie der Wertzahl, eine Hibiskusblüte als kinetisches Hologramm und ein Motion-Fenstersicherheitsfaden. Kana Totsuka Abb. Sudan Telegraph

  • Die Entwürfe der ersten Euro-Banknoten, Teil 22

    Bereits im November 1994 hatte der Rat des Europäischen Währungsinstituts (EWI) die Stückelung auf sieben Banknoten-Nominale von 5 bis 500 Euro festgelegt. Im Juni 1995 wurden dann zwei Themen für die Gestaltung der Euro-Banknoten vorgegeben, zum Einen "Zeitalter und Stile in Europa" und zum anderen ein abstraktes, modernes Design. Im Februar 1996 begann der Gestaltungswettbewerb, an dem 29 Grafiker und Grafikerteams teilnahmen, die von 14 nationalen Zentralbanken der EU nominiert wurden. Im September 1996 beurteilte eine Jury aus international renommierten unabhängigen Experten für Marketing, Grafik und Kunstgeschichte die eingereichten Entwürfe und wählte je fünf für beide Themenbereiche aus. Im Oktober 1996 erfolgte eine Umfrage unter insgesamt 2000 Personen aus allen EU-Ländern außer Dänemark und am 3. Dezember 1996 wählte der Rat des EWI schließlich den Vorschlag aus Österreich Nr. T 382 als Gewinner des Gestaltungswettbewerbs. Wie aber hätten die ersten Euro-Banknoten auch aussehen können? Wir setzen hiermit unsere Reihe zu den Entwürfen der ersten Euro-Banknoten fort. Thema Zeitalter und Stile in Europa, Vorschlag T 138 Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato S.p.A. Polygraphisches Institut und Staatliche Münze GmbH, Italien 5 Euro, Vorderseite: Kopf einer klassischen Statue, Interpretation des Aquädukts von Segovia; Rückseite: römisches Mosaik und klassischer Greif. 10 Euro, Vorderseite: Frauenporträt der französischen Romanik und romanische Stilelemente; Rückseite: Abtei von Cluny. 20 Euro, Vorderseite: Porträt eines Mannes aus der Zeit der Gotik und gotische Elemente; Rückseite: Elemente gotischer Architektur nach einem Palast in Venedig und dem Marburger Schloss. 50 Euro, Vorderseite: Frauenporträt aus der Zeit der Renaissance; Rückseite: Renaissance-Schloss. 100 Euro, Vorderseite: Porträt eines Mannes aus der Zeit des Barock und astronomisches Messgerät; Rückseite: Elemente einer Barockkirche. 200 Euro, Vorderseite: Frauenporträt aus dem späten 19. Jahrhundert und Straßenlaternen; Rückseite: Dampflokomotive und architektonische Stahlkonstruktionen. 500 Euro, Vorderseite: Kinderporträts aus dem frühen 20. Jahrhundert und Automobil; Rückseite: modernes Schulgebäude in Cergy-Pontoise in Paris. Fortsetzung folgt … Hans-Ludwig Grabowski Abb. Europäische Zentralbank (EZB)

  • Leserpost: Geldscheine mit der Kontrollnummer 1, Teil 11

    Sehr geehrtes Geldscheine-online Team, als passionierter Sachsen-Sammler möchte ich ihnen gleich drei Stücke sächsischen Notgeldes mit der KN 1 vorstellen. Zum einen ist es einer meiner Lieblingsstücke, 10 Goldpfennig vom 29. Oktober 1923 der Sächsischen Staatsbank in Dresden (Bühn 0014.13.c). Zum anderen (gerade festgestellt) ein noch nicht katalogisierter Kundenscheck von Theodor Hofmann aus Thum im Erzgebirge auf die Commerz- und Privat-Bank AG, Zweigstelle in Ehrenfriedersdorf , über 2 Mio. Mark vom 6.September 1923. (Bühn 1372.AE.0) Ein weiterer KN 1-Schein kommt aus Limbach über 50 Pf, ausgegeben von der Stadt (Bühn 4720.2.a). Das Besondere für mich hier ist noch, dass ich auch den letzten Schein des 10-Pfennig- Wertes (Bühn 4720.1.a) mit der KN 050000 in meiner Sammlung habe. Mit freundlichen Sammlergrüßen aus Freiberg Jan Krutak Wer ebenfalls über Geldscheine mit der Kontrollnummer 1 verfügt und diese gern hier vorstellen möchte, schickt uns einfach Scans per E-Mail an info@geldscheine-online.com. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag. Hans-Ludwig Grabowski

  • 100 RM von 1944: Entwurf eines sowjetischen Militärscheins

    Auf den ersten Blick ähnelt der vorliegende Schein dem sowjetischen Besatzungsgeld mit dem Datum 1944 für Ungarn und Rumänien. Auf den zweiten Blick bestätigt sich die Vermutung, dass er gestalterisch und textlich diesen Übergangsscheinen gleicht. Abb. 1: Farbiger Entwurf, Vorderseite, zu einem für den Druck vorgesehenen 100-Reichsmark-Schein 1944. Was sind die Verdachtsgründe? Neben dem deutlich grafischen Gesamteindruck im Vergleich zu den Pengö- und Lei-Ausgaben sind es der Wortlaut und die Formulierungen. Die Entwürfe für Geldscheine im besetzten Deutschland entstammen dem selben Atelier: Goznak. Wie auf den Besatzungsscheinen für die ungarischen und rumänischen Feindstaaten liest man auch auf der Vorderseite des für Deutschland vorgesehenen Scheins „Oberkommando der Roten Armee“. 100 Pengö 1944: „A VÖRÖSHADSEREG PARANCSNOKSÁGA“ und 100 Lei 1944: „COMANDAMENTUL ARMATEI ROŞII“ (beidemal = Kommandantur der Roten Armee). Das wiederholte sich textlich auch auf den sowjetischen Besatzungsscheinen für die Mandschurei, 100 Yuan 1945 „Kommando der sowjetischen Roten Armee“ und den sowjetischen Scheinen für Korea, 100 Won 1945 „Kommando der Roten Armee“. Abb. 2: Chinesisch = „SŪLIÁN HÓNGJŪN SĪLÌNG BÙ“. Abb. 3: 100 Yuan 1945, Ausschnitt der Vorderseite (Goznak). Abb. 4: Koreanisch = „BULG-EUN GUNDAE SALYEONGBU“. Abb. 5: 100 Won 1945, Ausschnitt der Vorderseite (Goznak). Selbst die kleingedruckten Straftexte und die Hinweise auf den Annahmezwang der drei 1944er Typen sind inhaltlich wieder ähnlich. 100 Reichsmark 1944: „UNBEDINGTE ANNAHME IN JEDEM ZAHLUNGSVERKEHR (...) / IST OBLIGATORISCH / FÄLSCHUNG WIRD NACH DEN KRIEGSGESETZEN STRAF- /RECHTLICH FERVOLGT“ (sic!). Abb. 6: 100 Reichsmark 1944, Ausschnitt der Vorderseite mit retuschiertem Passus „DER REICHSBANK“ und peinlichem Fehler (beide mit weißen Linien unterstrichen). 100 Pengö 1944: „ELFOGADÁSA MINDEN FIZETÉSNÉL KÖTELEZÖ“ (= für alle Zahlungen gilt Annahmepflicht) und „HAMISÍTÁSA HADITÖRVÉNYEK / SZERINT BÜNTETTETIK“ (= Fälschung ist nach Kriegsrecht strafbar); 100 Lei 1944: „PRIMIRE IN TOATE PLĂŢILE ESTE OBLIGATOARE“ (= Annahme bei allen Zahlungen ist zwingend erforderlich) und „FALSIFICATORII ACESTOR / BILETE VOR FI PEDEPSIŢI CONFORM LEGILOR / IN VIGOARE PE TIMP DE RĂZBOIU“ (= Fälschungen dieser Scheine werden gemäß den in Kriegszeiten geltenden Gesetzen bestraft). Abb. 7: 100 Pengö. 1944, Vorderseite (Goznak). Abb. 8: 100 Lei 1944, Vorderseite (Goznak). Einen Unterschied gibt es jedoch bei den Rückseiten. Zeigen die ungarischen und rumänischen Scheine die Wiederholung „A VÖRÖSHADSEREG PARANCSNOKSÁGA“ und „COMANDAMENTUL ARMATEI ROŞII“, so zeichnete man auf der „deutschen“ Rückseite die russische Entsprechung „КОМАНДОВАНИЕ КРАСНОЙ АРМИИ“ (= Kommando der Roten Armee) und das Kleingedruckte wieder in Kyrillisch „ОБЯЗАТЕЛЬНЫ К ПРИЕМУ ВО ВСЕ ПЛАТЕЖИ“ (= obligatorisch für alle Zahlungen) und „ПОДДЕЛКА ПРЕСЛЕДУЕТСЯ ПО ЗАКОНАМ ВОЕННОГО ВРЕМЕНИ“ (= Fälschungsverfolgung nach Kriegsrecht) und in Großbuchstaben „СТО РЕЙХСМАРОК“ (= Hundert Reichsmark). Bei Goznak kannte man noch nicht die schon genehmigten Besatzungsscheine, die nur auf „Mark“ lauteten. Die Reichsmark war 1944 immerhin noch die gesetzliche Währung. Abb. 9: farbiger Entwurf, Rückseite, zum Goznak-Projekt. Abb. 10: auch hier wurden nicht zu entziffernde Korrekturen im Kleingedruckten vorgenommen und nachher mit Ornamenten überzeichnet (rote Linien). Auch die Abmessungen aller Schein sind gleich, etwa 185 mm × 98 mm. Und für den Unterdruck wurden die versetzten 100er-Ziffern von der Pengö-Rückseite wiederverwendet. Abb. 11: 100 Pengö 1944, Ausschnitt Rückseite mit 100er-Unterdruck. Unstrittig stammt der Entwurf aus dem Haus Goznak – das sagt auch der Kopierschutz auf den Zeichnungen aus, der schräg und fortlaufend den Schriftzug „Из собрания Гознака“ (= aus der Sammlung von Goznak) zeigt. Außerdem erkennt man die Handschrift des Moskauer Grafikers Dubasow und die beiden Kontrollnummern weisen auf eine zeitliche Zuordnung seiner Arbeiten hin: ИД 211243 steht für Iwan I. Dubasow 21. Dezember 1943. Abb. 12: 100 RM, Ausschnitt Vorderseite mit Namenskürzel ИД und Kontroll-Nr. als Datum. Abb. 13: Goznak-Chefgrafiker Иван И. Дубасов, seit 1945 Träger des Lenin-Ordens (bis 1991 die höchste Auszeichnung in der UdSSR). Am 24. August 1922 begann Iwan Dubasow (1897–1988) seine Karriere in der russischen Staatsdruckerei. Alexander Suchich hatte ihn anfangs in der 2. Moskauer Schilderfabrik bei Goznak angestellt. Viele Jahre und bis zu seiner Pensionierung 1971 galt Dubasow als Chefdesigner bei Goznak. Er war gestalterisch auch für die 1944er Scheine für die Narodni Bank Polska und für die Republika Československà sowie für die 1945er Lewa-Ausgaben der Bulgarischen National-Bank verantwortlich. Was waren die Hintergründe für die Farbentwürfe zu 100 Reichsmark 1944 durch die Sowjets? Während der bekannten Querelen zwischen den US-amerikanischen und sowjetischen Ministerien aus der Zeit ab 1943 war für die Moskauer Führung die Vorbereitung einer eigenständigen "Kriegsmark" als Okkupationswährung zwingend. Seit dem 30. März 1943 plante man in den USA Besatzungsgeld für die feindlichen und zu befreienden Länder in Europa. Anfangs sollten der Aufdruck „United States Military Authority“ (= Militärbehörde der USA) lauten. Es wurden auch sowjetische Vorschläge diskutiert, die statt der Bezeichnung „Alliierte Militärbehörde“ die genauere „Militärbehörden der alliierten Armeen“ forderten; die Sowjets wollten nicht den Eindruck erwecken, die vier Armeen ständen unter einem gemeinsamen Oberkommando. Die Briten waren mit einem zusätzlichen Aufdruck „Военные Власти Союзных Армий“ durchaus einverstanden. Aber die Vorbereitungen zum Druck waren weit fortgeschritten und die USA sollten ihn allein vornehmen ... und die sowjetischen Verbündeten forderten im Februar 1944 die Übergabe gleicher Druckplatten. Die beauftragte US-Lohndruckerei Forbes lehnte jedoch solch eine Überlassung ab. Aus Moskau drohte man im März 1944 mit der Ausgabe eigener Besatzungsscheine (die Entwürfe waren ja schon vorhanden!). Nach der Beendigung der Konferenz von Teheran am 1. Dezember 1943 hatte man umgehend reagiert und noch im selben Monat den Auftrag zu den Entwürfen an Goznak erteilt. In Boston startete der Druck der alliierten Militärmark-Scheine im Februar 1944. Die US-Amerikaner knickten schließlich ein, ließen Duplikatplatten, Papier, Farbe usw. über Alaska in die Sowjetunion fliegen. In Krasnokamsk/Ural begann Goznak am 8. September 1944 mit dem Druck sowjetischer Militärmark-Scheine in identischer Ausführung. Die Entwurfsarbeiten von „Reichsmark des Oberkommandos der Roten Armee“ wurden gestoppt und ein möglicher Druck war passé. Leider liegt noch keine Antwort vom Goznak-Museum vor, das um Auskünfte zum hier vorgestellten Entwurf und zu möglicherweise anderen Wertstufen gebeten wurde. Michael H. Schöne Quellen: https://vk.com/museum_goznak https://www.facebook.com/hashtag/музейгознака Vielen Dank an Oliver Herzberg für den wertvollen Hinweis zum 100-RM-Entwurf, der in einem russischen Forum am 4. Februar 2022 in einem Beitrag von Goznak (Artefakt) und bei Facebook gezeigt wurde (Неосуществленный эскизный проект денежного знака Командования Красной Армии, предназначенного для обращения на территории Германии, номиналом 100 рейхсмарок. Художник И. И. Дубасов. 1943 год. = Ein nicht realisierter Vorentwurf der für den Umlauf in Deutschland bestimmten Banknote des Kommandos der Roten Armee mit einem Nennwert von 100 Reichsmark. Künstler I. I. Dubasov. 1943).

  • Leserpost: Ich habe da mal eine Frage!

    Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe einen echten 50-€-Schein 2017 mit Unterschrift Christine Lagarde, sehr selten, Fehlprägung, und sie hat einen Top-Zustand, wie neu. Ich möchte meinen 50-€-Schein verkaufen und wissen, was ist der Endwert dieser Banknote? Vielen Dank im Voraus für ihre Antwort. Fotos als Anhang! Mit freundlichen Grüßen M. Bayfiel Antwort der Redaktion Vielen Dank für die Abbildungen. Natürlich handelt es sich nicht um eine Fehlprägung (Wenn schon, dann Fehldruck? Münzen werden geprägt, Scheine werden gedruckt!), sondern es ist ganz normal, dass neu gedruckte Euro-Scheine auch die Unterschrift der neuen EZB-Präsidentin tragen. Nach und nach werden immer mehr Werte mit ihrer Unterschrift in Umlauf kommen. Die ersten Euro-Scheine trugen noch die Unterschrift Duisenberg, dann folgte die von Trichet, dann Draghi und nun eben Lagarde. 5- und 10-Euro-Scheine mit Unterschrift Lagarde waren schon letztes Jahr in Umlauf, nun folgen nach und nach die anderen Werte. Man kann also den Wert Ihres 50-Euro-Scheins mit exakt 50 Euro angeben! Mit was auch sonst? Ausgehend von der Serie UB (Länder und Druckereicode) handelt es sich bei dem Fünziger mit Unterschrift Lagarde um einen Druck der Banque de France. Hans-Ludwig Grabowski

  • Nachbericht zur 147. Teutoburger Münzauktion

    Die 147. Auktion vom 27. Mai 2022 umfasste einen Sonderkatalog für Briefmarken und Banknoten. Hier waren neben interessanten Einzellosen riesige urbelassene Sammlungen vertreten. Der NACHVERKAUF läuft noch bis 24. Juni 2022! Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den Ergebnissen: Los 4176 Ausruf: 2.500 Euro / Zuschlag: 4.600 Euro 500 Gulden Danziger Banknote 10.2.1924. Zeughaus und Danziger Wappen/Brunnenfigur Neptun. KN 6-stellig rot, Wz. Maske. Los 4214 Ausruf: 750 Euro / Zuschlag: 1.100 Euro 500 Deutsche Mark 2.1.1980. Serie V/U. Los 4218 Ausruf: 1.500 Euro / Zuschlag: 1.700 Euro Musterschein 500 Deutsche Mark 1.8.1991. KN 0000000, Serie AA/A. Vs. roter Überdruck diagonal "MUSTER" und zweizeilig MUSTER und Nr. 0212. Rs. roter Überdruck diagonal "SPECIMEN". Los 4221 Ausruf: 2.500 Euro / Zuschlag: 2.700 Euro Musterschein zu 1000 Deutsche Mark 1.8.1991. KN 0000000, Serie AA/A. Vs. roter Überdruck diagonal "MUSTER" und zweizeilig MUSTER und Nr. 0212. Rs. roter Überdruck diagonal "SPECIMEN". Teutoburger Münzauktion GmbH Brinkstraße 9 33829 Borgholzhausen Tel.: 05425/930050 E-Mail: info@teutoburger-muenzauktion.de www.teutoburger-muenzauktion.de

  • "Führergeschenk", "Beschaffungsgeld" und "Goebbels-Spende"

    Viele Geldscheinsammler sammeln neben Banknoten und Notgeldscheinen auch weitere Belege aus Papier, wie z.B. Schecks, Wechsel, Wertpapiere, Lotterielose, Spendenquittungen, Bezugscheine und Rationierungsbelege. Gerade Belege zur Rationierung aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sind historisch wertvolle Zeitdokumente, die eine Geldscheinsammlung sinnvoll ergänzen können. Bereits am 28. August 1939, also noch vor dem eigentlichen Beginn des "Polenfeldzugs", begann mit der ersten Zuteilungsperiode (ZP 1) die Bewirtschaftung von Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern im Großdeutschen Reich. Wie bereits im Ersten Weltkrieg, wurden sog. "Lebensmittelkarten" für die Bevölkerung eingeführt. Angehörige der Wehrmacht – konkret, die dem Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres unterstellten Einheiten im „Heimatkriegsgebiet“ – sowie Reservelazarette, Schutzgliederungen außerhalb der Wehrmacht (z.B. SS, RAD) sowie Gefangene in Strafanstalten und Internierte und Häftlinge in Lagern erhielten ihre Zuteilungen an Lebensmitteln nach den jeweils geltenden Verpflegungssätzen ohne Kartengrundlage. Verpflegungspause. (Abb. "Der Zweite Weltkrieg in Bildern", Sammlung Reinhard Selzle, München). Konzentrationslager Buchenwald, Blick in den Speisesaal der 3. SS-Totenkopf-Standarte Thüringen 1939. (Foto: Archiv der Gedenkstätte Buchenwald) Kantinenkarte der deutschen Wehrmacht aus einer Kaserne im „Heimatkriegsgebiet“ für einen Gefreiten. Solche Karten waren jeweils für einen Monat gültig. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) In den Kasernen erhielten Angehörige der Wehrmacht Essen- oder Kantinenkarten, die jeweils einen Monat gültig und bei der Essenausgabe vorzulegen waren. Spezielle „Reichskarten für Urlauber“ erhielten nach Erlass vom 29. Mai 1941 solche Personen, die über keine eigenen Lebensmittelkarten verfügten, weil sie Gemeinschaftsverpflegung erhielten. Also ebenfalls Angehörige der Wehrmacht, des Reichsarbeitsdienstes (RAD) oder anderer Schutzgliederungen außerhalb der Wehrmacht, wie der SS. Reichskarte für Urlauber (für Angehörige der Wehrmacht, der SS oder des RAD) mit Gültigkeit für sieben Tage bis November 1943. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Die „Reichskarten für Urlauber“ waren jeweils für eine Woche gültig und sind deshalb von den gewährten Rationen direkt mit Wochenkarten für „ausländische Zivilarbeiter“ vergleichbar. Für die Woche vom 30. August bis 5. September 1943 konnte ein Fremdarbeiter auf seine AZ-Karte u.a. beziehen: 1.850 g Brot und zusätzlich 500 g Brot oder wahlweise 375 g Mehl, 150 g Nährmittel, 125 g Butter, 80 g Margarine, 250 g Fleisch oder Fleischwaren, 225 g Zucker, 175 g Marmelade, 62,5 g Kaffee-Ersatz, 62,5 g Quark, Kartoffeln und ein Ei. Ein Soldat auf Heimaturlaub erhielt im November 1943 für eine „Urlaubswoche“ 2.250 g Brot, 250 g Fleisch oder Fleischwaren, 140 g Butter, 70 g Margarine, 175 g Marmelade, 200 g Zucker, 150 g Nährmittel, 60 g Kaffee-Ersatz, 60 g Käse und ein Ei. „Führergeschenk für Fronturlauber“: Lebensmittelkarte mit Sonderzuteilung von Lebensmitteln für Soldaten auf Heimaturlaub. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Insbesondere nach dem Untergang der 6. Armee in Stalingrad war Hitler als „Oberster Befehlshaber der Wehrmacht“ bemüht, die Moral der Truppe auch durch Sonderzuteilungen an Lebensmitteln während eines Heimaturlaubs zu heben. Als „Führergeschenk für Fronturlauber“ erhielten Soldaten eine zusätzliche Lebensmittelkarte, die im weiteren Verlauf des Kriegs in mehreren Auflagen ausgegeben wurde. Auf sie konnten über die Rationen der „Reichskarte für Urlauber“ hinaus 5.000 g Weizenmehl, 1.000 g Zucker, 2.000 g Nährmittel oder Hülsenfrüchte, 500 g Butter und 1.500 g Marmelade bezogen werden, was besonders für die Familien der Soldaten eine große Unterstützung darstellte und den Heimaturlaub verschönen sollte. Anschreiben des Reichskommissars für die Ukraine, Erich Koch, zur Übersendung des „Führerpakets für Osturlauber“ vom März 1943. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Karte zum „Führer-Paket für Ost-Urlauber“. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) 10 Reichsmark „Beschaffungsgeld“ aus dem „Führer-Paket für Ost-Urlauber“. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Kernstück einer Lebensmittelkarte aus dem „Führer-Paket für Ost-Urlauber“ nach Abschnitt aller Marken. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Im „Auftrag des Führers“ verschickte der Gauleiter von Ostpreußen und Reichskommissar für die Ukraine im Frühjahr 1943 sog. „Führerpakete für Osturlauber“ aus dem damals noch sicheren Königsberg. Sie enthielten neben einem pauschalen Anschreiben von Koch eine gedruckte Karte mit geprägtem oder golden gedrucktem Reichsadler und der Widmung: „Ein kleiner Dank des Führers an seine Soldaten“, eine Reichsbanknote über 10 Reichsmark sowie eine zusätzliche Lebensmittelkarte, die bis zum 31. Mai 1943 gültig war. Damit ein Soldat, der im Fronteinsatz sein Leben für nur 50 Reichspfennig Wehrsold am Tag einsetzen musste, sich auch die zusätzlichen Lebensmittel kaufen konnte, lagen dem „Führer-Paket“ die 10 Reichsmark als „Beschaffungsgeld“ bei. Ein Umschlag der Aktion Himmlers zur Kriegsweihnacht 1943 für die Soldaten der Waffen-SS. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Was Hitler „seinen Soldaten“ gönnte, veranlasste Himmler als Reichsführer SS zur Kriegs-weihnacht 1943 zu einer eigenen milden Gabe für „seine tapferen Soldaten der Waffen-SS“. NSDAP Gau Berlin, Gutschein über 250 g Zucker der „Dr. Goebbels-Spende“ vom Januar 1943. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Reichspropagandaminister Goebbels rief bereits im Januar 1943 die „Dr. Goebbels-Spende“ des Gauleiters von Berlin ins Leben. Wohl um ihr „das Leben zu versüßen“ erhielt die deutsche Jugend der Reichshauptstadt pro Kopf 250 g Zucker. Wie „alle Jahre wieder“, so gönnte der Führer beliebten deutschen Künstlern auch zu Weihnachten 1943 Geschenkpakete, deren Inhalt aus Sendungen stammten, die ihm „aus dem Ausland bzw. den besetzten Gebieten zur Verfügung gestellt wurden“. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Zu Weihnachten schickte der Führer gern Geschenkpakete an bekannte deutsche Künstler, die ihn mit Darbietungen erfreut hatten. Der Inhalt bestand aus „Sendungen, die [ihm] aus dem Ausland bzw. den besetzten Gebieten zur Verfügung gestellt wurden.“ Warum werden solche Zeitdokumente hier überhaupt erwähnt und im Bild vorgestellt, wird sich der eine oder andere Leser fragen. Sie haben doch eigentlich nichts mit Geldscheinen oder Rationierungsbelegen im eigentlichen Sinn zu tun! Hat aber nicht in Wahrheit alles mit allem zu tun? Zur selben Zeit, da die Spitzen des Reichs bemüht waren, ihre Beliebtheit durch „milde Gaben“ und die „Kriegsmoral“ durch Lebensmittel-Geschenke für Soldaten und deren Familien zu erhalten, erfroren in Russland die Kameraden der „Ost-Urlauber“ und verhungerten Menschen, die freigiebig „Sendungen zur Verfügung gestellt“ hatten, in den besetzten Gebieten. Zur selben Zeit verhungerten Menschen in den Gettos des Ostens oder wurden in den Vernichtungslagern ermordet. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung Hans-Ludwig Grabowski/ Wolfgang Haney (Hrsg.): Kennzeichen "Jude" Antisemitismus, Entrechtung, Verfolgung, Vernichtung und die Rationierung von Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern für Juden in Großdeutschland und den besetzten Gebieten 1939 bis 1945 Dokumentation basieren auf Belegen der zeitgeschichtlichen Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Hardcover: 351 Seiten Format: 17 x 24 cm ISBN: 978-3-86646-558-9 Preis: 19,90 Euro Mit seinem Buch Kennzeichen »Jude« widmet sich der Autor erneut einer auch unter Historikern kaum erforschten Thematik des Dritten Reichs – nämlich der Rationierung von Nahrungs- und Verbrauchsgütern für die jüdische Bevölkerung im Großdeutschen Reich und in den besetzten Gebieten von 1939 bis 1945. Bereits zwei Wochen vor dem Überfall auf Polen wurden im Deutschen Reich Lebensmittelkarten eingeführt. Bald schon mussten alle Karten, die für jüdische Verbraucher bestimmt waren, besonders gekennzeichnet werden – mit dem Kennzeichen „J“, dem Wort „Jude“ oder mit einem David-Stern. Den Juden im Reich wurden sämtliche Sonderzuteilungen an Lebensmitteln und Kleiderkarten gestrichen, sie erhielten schließlich auch keine Eier und kein Fleisch mehr und viele Menschen in jüdischen Gettos und Konzentrationslagern verhungerten. Dank einer Fülle von Belegen der weltweit einzigartigen zeitgeschichtlichen Privatsammlung von Wolfgang Haney entstand darüber hinaus aber auch eine beeindruckende Dokumentation, die den Leser von den Anfängen des Antisemitismus in der Antike über wichtige Ereignisse der Zeitgeschichte, den Folgen des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung der Nationalsozialisten, über die Juden-Boykotte, die Nürnberger Rassegesetze und die Pogrome der sogenannten Reichskristallnacht sowie den Auswirkungen von Krieg und Judenverfolgung bis hin zum Holocaust führt.

  • Die Entwürfe der ersten Euro-Banknoten, Teil 21

    Bereits im November 1994 hatte der Rat des Europäischen Währungsinstituts (EWI) die Stückelung auf sieben Banknoten-Nominale von 5 bis 500 Euro festgelegt. Im Juni 1995 wurden dann zwei Themen für die Gestaltung der Euro-Banknoten vorgegeben, zum Einen "Zeitalter und Stile in Europa" und zum anderen ein abstraktes, modernes Design. Im Februar 1996 begann der Gestaltungswettbewerb, an dem 29 Grafiker und Grafikerteams teilnahmen, die von 14 nationalen Zentralbanken der EU nominiert wurden. Im September 1996 beurteilte eine Jury aus international renommierten unabhängigen Experten für Marketing, Grafik und Kunstgeschichte die eingereichten Entwürfe und wählte je fünf für beide Themenbereiche aus. Im Oktober 1996 erfolgte eine Umfrage unter insgesamt 2000 Personen aus allen EU-Ländern außer Dänemark und am 3. Dezember 1996 wählte der Rat des EWI schließlich den Vorschlag aus Österreich Nr. T 382 als Gewinner des Gestaltungswettbewerbs. Wie aber hätten die ersten Euro-Banknoten auch aussehen können? Wir setzen hiermit unsere Reihe zu den Entwürfen der ersten Euro-Banknoten fort. Thema Zeitalter und Stile in Europa, Vorschlag T 859 Alain Guérault Studierte an der Ecole Nationale des Beaux-Arts sowie an der Ecole Supéreure d'Art Graphice/Atelier Met de Penninghen. Er entwarf zahlreiche Illustrationen und arbeitete in der Werbung. Seit 1994 entwarf er Banknotenserien und Sicherheitsmerkmale für Banknoten der französischen Zentralbank und für verschiedene afrikanische Länder. 5 Euro, Vorderseite: Porträt eines römischen Würdenträgers und Akanthusblätter; Rückseite: Villa Hadriana in Italien (Jahr 130 u.Z.). 10 Euro, Vorderseite: Porträt einer Adligen aus der Zeit des Mittelalters; Rückseite: Abtei Notre Dame in Bernay, Frankreich. 20 Euro, Vorderseite: Porträt eines Mannes in mittelalterlichem Gewand, Frankreich, 14. Jahrhundert; Rückseite: gotischer Fensterbogen, sowie Strebepfeiler im Mailänder Dom. 50 Euro, Vorderseite: Frau in Renaissance-Mode; Rückseite: Kirche San Michele in Murano, Venedig. 100 Euro, Vorderseite: Porträt eines Mannes aus der Zeit des flämischen Barocks; Rückseite: Säulen der Kirche St. Johann in Prag. 200 Euro, Vorderseite: Porträt einer Französin Ende des 19. Jahrhunderts; Rückseite: Konstruktion der botanischen Gärten, Frankreich. 500 Euro, Vorderseite: Männerporträt aus den 1930er Jahren; Rückseite: moderne Doppelhaushälften in Rotterdam und Schröder-Haus in Utrecht. Fortsetzung folgt … Hans-Ludwig Grabowski Abb. Europäische Zentralbank (EZB)

  • Aus privaten Sammlungen: 10 Thaler des Königreichs Preußen von 1867

    Objekttyp: Banknote Sammlung: Gerhard Reichert ✝︎ Historischer Kontext: Nach gescheiterten Gründungsversuchen einer Notenbank entstand unter König Friedrich II. schließlich die Königliche Giro- und Lehnbank als staatlich geführtes Unternehmen; 1766 erfolgte die Emission der ersten preußischen Banknoten. 1846 wurde die Königliche Giro- und Lehn-Bank reorganisiert: Als Preußische Haupt-Bank gab sie unter der Leitung des Haupt-Bank-Directoriums zunächst Noten über 25, 50, 100 und 500 Thaler in Umlauf; ab 1856 traten noch Scheine über 10 Thaler hinzu. 1868 wurden ein letztes Mal Banknoten in der alten Währung emittiert: Nach der Reichsgründung gab die Preußische Bank Noten über Markbeträge aus, die nach der Umwandlung der Bank in die Deutsche Reichsbank ab 1. Januar 1876 als Reichsbanknoten übernommen wurden. Land/Region/Ort: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Berlin Emittent: Preußische Haupt-Bank / Haupt-Bank-Directorium Nominal: 10 Thaler Datierung: 18. Juni 1867 Vorderseite: Links Preußisches Wappen über gedrucktem Rundstempel, rechts Büste der Borussia mit Helm nach links im Medaillon Rückseite: Sechs antithetisch angeordnete Büsten der Borussia im Medaillon Auflage: 10 Millionen Thaler Format: 143 mm x 94 mm Material: Papier Nummerierung: I. Lit. C.; No 011969 Authentizität: Original Zitate: GK-311 (Grabowski/Kranz: Das Papiergeld der altdeutschen Staaten) A252 (Pick/Rixen: Papiergeld-Spezialkatalog Deutschland) GER-S451 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. I – Specialized Issues) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Lexikon: Dritteldeckung

    Im § 17 des Bankgesetzes vom 14. März 1875 wurde die Dritteldeckung festgelegt: "Die Reichsbank ist verpflichtet, für den Betrag ihrer im Umlauf befindlichen Banknoten jederzeit mindestens ein Drittel in kursfähigem deutschen Gelde, Reichs-Kassenscheinen oder in Gold in Barren oder ausländischen Münzen, das Pfund fein zu 1392 Mark gerechnet, und den Rest in diskontierten Wechseln, welche eine Verfallzeit von höchstens drei Monaten haben, und aus welchen in der Regel drei, mindestens aber zwei als zahlungsfähig bekannte Verpflichtete haften, in ihren Kassen als Deckung bereit zu halten." Deutsches Reich, Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 100 Mark (DEU-1c) vom 1. Januar 1876, Vorder- und Rückseite. Der § 28 des Bankgesetzes vom 30. August 1924 wandelte die Dritteldeckung in eine 40%ige Deckung um, die aus Gold (3/4 der notwendigen Deckung) und Devisen bestehen musste. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

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