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  • Geld als Kommunikationsmittel: Serienscheine politischer Vereinigungen und Parteien

    Es könnten an dieser Stelle noch zahlreiche andere Beispiele für Serienscheine aufgeführt werden, die sich patriotisch und propagandistisch zeigen, so etwa von ostpreußischen Städten, die die sog. „Russeneinfälle“ zu Beginn des Ersten Weltkriegs thematisieren oder zur „Oberschlesierhilfe“. In der zeitgeschichtlichen Sammlung von Wolfgang Haney finden sich neben klar antisemitischen deutschen und österreichischen Notgeldmotiven aber auch Ausgaben rechter Vereinigungen, die Anfang der 1920er Jahre ebenfalls eigene Serienscheine ausgaben und an Sammler oder Anhänger verkauften, um auf diese Weise Geld in die Kassen zu bekommen. Serienschein des Gaues Schlesien von „Der Stahlhelm“ – Bund der Frontsoldaten (Stahlhelm-Bund) über 50 Pfennig vom 2. Mai 1922. (Sammlung des Autors) Der Stahlhelm-Bund war bereits kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs gegründet worden. Er galt als bewaffneter Arm der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und stellte vielfach bei Parteiversammlungen den Saalschutz. Die Ausgabe des Gaues Schlesien aus Görlitz umfasst sechs verschiedene Motive. Auf der Rückseite des abgebildeten Scheins sehnt der Text bereits eine starke Führerfigur herbei: „Was denkst du, Stahlhelmmann?“ – „Nur dass ein Mann – so wie der alte Fritz, stahlhart und wetterfest – uns aus der tiefen Schmach erretten kann!“ Die Rückseite eines Serienscheins des Deutsch­völkischen Schutz- und Trutzbunds zum Rheinischen Gautag in Honnef am Rhein über 10 Mark vom April 1922 zeigt einen Reichsadler, der den jüdischen Einfluss auf die Politik in der „Weimarer Republik“ karikieren soll. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Der Deutsche Schutz- und Trutzbund war im Februar 1919 vom Alldeutschen Verband mit der Aufgabe der Bekämpfung des Judentums gegründet worden. Aus ihm ging durch Zusammenlegung mit dem Deutschvölkischen Bund am 1. Oktober 1919 der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund hervor, der in der jungen „Weimarer Republik“ im Jahr 1922 mit rund 180.000 Mitgliedern zur größten antisemitischen Bewegung wurde. Zu den prominenten Mitgliedern zählten u.a. der spätere Himmler-Stellvertreter Kurt Daluege, der spätere Chef des Reichssicherheitshauptamts Reinhard Heydrich, der spätere Gauleiter von Thüringen und Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz Fritz Sauckel sowie Julius Streicher, der 1923 das antisemitische Hetzblatt „Der Stürmer“ gründete. Im Ostermond (April) 1924 wurden zum Rheinischen Gautag des Schutz- und Trutzbunds in Honnef am Rhein insgesamt 42 verschiedene Serienscheine ausgegeben, die neben den alten deutschen Farben des Kaiserreichs Schwarz-Weiß-Rot (die Farben der „Weimarer Republik“ Schwarz-Rot-Gold waren damals in breiten Kreisen der Bevölkerung unbeliebt und in national gesonnenen sogar verpönt) auch das Hakenkreuz zeigen. Die Scheine galten nicht als Zahlungsmittel, sondern dienten den Teilnehmern des Gautags zu Sammlerzwecken. Sie sind heute durchaus selten, da man den kompletten Satz mit gut 5000 Euro Sammlerwert ansetzen kann. Serienschein der Ortsgruppe Rudolstadt des Schutz- und Trutzbunds über 50 Pfennig ohne Datum (1922) mit dem deutschen Recken, der sich gegen eine mehrköpfige feindliche Schlange wehrt. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Im thüringischen Rudolstadt gab die Ortsgruppe des Schutz- und Trutzbunds 1922 drei Gutscheine aus, von denen hier einer mit Vorder- und Rückseite vorgestellt werden soll. Ein Stern wird hier nur als uraltes Zunftzeichen der Brauer und Gastwirte akzeptiert. Werbeschein der Bruderschaft Eisenach des Jungdeutschen Ordens über 25 Mark ohne Datum. (Fotoarchiv Gietl Verlage) Neben dem Stahlhelm-Bund gab es eine ganze Reihe von deutschen Kriegerverbänden, die eigenes Propaganda-Notgeld ausgaben. Der größte von ihnen war der Kyffhäuserbund, der 1900 als Dachverband deutscher Kriegervereine gegründet worden war. Auch der Verband national gesinnter Soldaten, Kriegsbeschädigtenverbände, Jugendorganisationen wie der Jungdeutsche Orden und Parteien wie die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) gaben eigene Serienscheine aus. Gutschein der Werbewoche der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) in Emden, gültig vom 4. – 11. November 1921. (Fotoarchiv Gietl Verlage) Dass Geld als Propagandamittel nicht nur von rechtsgerichteten Organisationen und Parteien eingesetzt wurde, belegt der hier abgebildete Gutschein der Sozialdemokratischen Werbe­woche der SPD in Emden vom 9. November 1921 mit Porträt von Karl Marx und dem Reim „Und immer weiter breitet sich die Wahrheit – Zum Strome wird des Lichtes gold’ner Fluß – Dank dir, Karl Marx! denn du gabst uns die Wahrheit: Das Volk wird siegen, weil es siegen muß!“ Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski / Wolfgang Haney (Hrsg.): "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …" Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-122-2 Auflage: 1. Auflage 2015 Format: 17 x 24 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seiten: 280 Preis: 29,90 Euro Mehr lesen …

  • Geld als Kommunikationsmittel: Abstimmungsscheine

    Auch wenn man einige in der letzten Folge gezeigten österreichischen Scheine auch als „Abstimmungsscheine“ bezeichnen könnte, so werden unter dem – bei Geldscheinsammlern bekannten – Begriff doch nur die deutschen Serienscheine zusammengefasst, die zu den im Frieden von Versailles und danach für verschiedene Gebiete des Deutschen Reichs (Nordschleswig, Oberschlesien sowie Teile West- und Ostpreußens) festgelegten Volksabstimmungen Bezug haben. Rückseite eines Serienscheins der westpreußischen Stadt Marienburg über 25 Pfennig zur Volksabstimmung vom 11. Juli 1920 mit einer Menschenmenge vor der Stadt­silhouette und dem Spruch „Die Heimat rief – und alle-alle kamen!“ (Sammlung des Autors) Vorder- und Rückseite eines Serienscheins der ostpreußischen Stadt Marggrabowa über 50 Pfennig zur Erinnerung an die Volksabstimmung vom 11. Juli 1920. Rückseite mit preußischem Adler über der Stadt, patriotischen Texten und „Die Stadt stimmte nur deutsch!“. (Sammlung des Autors) Serienscheine wurden damals schon zum Verkauf an Sammler hergestellt, nur wenige Ausgaben waren auch im Zahlungsverkehr. Die meis­ten „Abstimmungsscheine“ wurden deshalb auch z.B. „zur Erinnerung an die siegreiche Abstimmung“ hergestellt. Die Stadt Marggrabowa lag im Abstimmungsgebiet Allenstein/Masuren und hatte allen Grund, eine kleine Serie von Scheinen zur Erinnerung an die Abstimmung über die Zugehörigkeit zu Deutschland oder Polen vom 11. Juli 1920 auszugeben. Immerhin war sie im ganzen Reich bekannt geworden, weil 100% der Bevölkerung für Deutschland votierten. 1933 wurde sie deshalb in Treuburg umbenannt. Sich mit den Volksabstimmungen und Ergebnissen in den verschiedenen Regionen vollständig auseinanderzusetzen, würde den Rahmen dieser Dokumentation sprengen und ist auch nicht ihr Thema. Für jeden geschichtsinteressierten Sammler bietet sich hier jedoch ein überschaubares, informatives und erschwingliches Sammelgebiet. Rückseite eines Serienscheins der Stadt Landsberg in Oberschlesien über 1 Mark vom 24. Mai 1921 mit einer Szene, in der deutsche Freikorps-Männer polnische Aufständische vertreiben. (Sammlung des Autors) Im Zusammenhang mit der Volksabstimmung in Oberschlesien, das 1919 vom Rest Schlesiens abgetrennt, von alliierten Truppen besetzt und zum Abstimmungsgebiet erklärt worden war, gaben einige Städte auch Serienscheine zur Erinnerung an die Kämpfe gegen polnische Frei­scharen aus, die Oberschlesien trotz einer Mehrheit, die sich am 20. März 1921 für den Verbleib bei Deutschland entschieden hatte, mit Gewalt vom Reich abtrennen wollten. Während französische Truppen die Polen unterstützten, duldeten die Briten die Mobilisierung aufgelöster deutscher Freikorps, die die polnischen Insurgenten bezwingen konnten. Oberschlesien wurde dennoch geteilt und Polen erhielt das bedeutende oberschlesische Industriegebiet. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski / Wolfgang Haney (Hrsg.): "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …" Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-122-2 Auflage: 1. Auflage 2015 Format: 17 x 24 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seiten: 280 Preis: 29,90 Euro Mehr lesen …

  • Geld als Kommunikationsmittel: Deutschnationale Propaganda auf Geldscheinen

    Auf deutschen wie auch auf österreichischen Notgeld- und Serienscheinen der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg kommen neben antisemitischen Motiven und Texten auch zahlreiche patriotisch geprägte Ausgaben vor, die z.B. an die Gebietsverluste beider deutscher Staaten entsprechend der Friedensschlüsse von Versailles und St. Germain erinnern. Als Beispiele deutscher Serienscheine werden zwei verschiedene Ausgaben zu je 1 Mark des Nordseebads Wittdün auf Amrum gezeigt, die an abgetrennte deutsche und österreichische Gebiete erinnern. Der erste Schein zeigt die Marienkirche in Danzig. Rückseite eines Serienscheins des Nordseebads Wittdün über 1 Mark ohne Datum (1921) mit Darstellung der berühmten Danziger Marienkirche und der Losung „Heil den unerlösten Brüdern“. (Sammlung des Autors) Danzig war bis 1919 Hauptstadt der preußischen Provinz Westpreußen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Stadt und Umland durch die Alliierten vom Deutschen Reich abgetrennt und als „Freie Stadt“ unter den Schutz des Völkerbunds gestellt. Diese Lösung stellte einen Kompromiss zwischen der von Frankreich unterstützten polnischen Forderung zur Einverleibung Danzigs einerseits und dem von Großbritannien befürworteten Selbstbestimmungsrecht der zu über 95% deutschen Bevölkerung andererseits dar. Es versteht sich von selbst, dass das Selbstbestimmungsrecht der deutschen Bevölkerung Danzigs nicht so weit ging, dass diese sich für einen Verbleib beim Deutschen Reich entscheiden durfte. Der deutsch-polnische Konflikt um Danzig sollte schließlich 1939 in den Zweiten Weltkrieg führen. Rückseite eines Serienscheins des Nordseebads Wittdün über 1 Mark ohne Datum (1921) mit Darstellung des Andreas-Hofer-Denkmals in Meran im „geraubten Tirol“ und der Losung „Heil den unerlösten Brüdern“. (Sammlung des Autors) Der zweite 1-Mark-Schein von Wittdün zeigt das Andreas-Hofer-Denkmal in Meran in Tirol, das nach dem Krieg ab dem Brenner Italien zugeschlagen wurde und heute als Südtirol bekannt ist. Italien erhielt das deutsch besiedelte Land nach dem Krieg, weil es 1915 – obwohl mit Österreich-Ungarn und Deutschland verbündet – durch seinen Einmarsch in Österreich auf der Seite der Entente in den Krieg eingetreten war. Wie bereits berichtet, konnte Italien zwar sein Kriegsziel, auf kurzem Weg bis nach Wien vorzudringen, nicht erfüllen und wurde sogar besiegt, es wurden aber am Isonzo über Jahre erhebliche österreichische und deutsche Truppenkontingente gebunden, die damit an anderen Fronten fehlten und Franzosen, Briten und Russen Entlastung brachten. Wie mit dem Londoner Vertrag von 1915 zugesagt, verschenkten die Alliierten nach dem Krieg deshalb Land, das ihnen nicht gehörte, an Italien für dessen Bündnisbruch. Es gibt mehrere Notgeldausgaben von Gemeinden aus Tirol, die an die Teilung erinnern und die Einheit des Landes anmahnen. Als Beispiele sollen hier Scheine aus Innsbruck und Jochberg gezeigt werden. Die Gemeinde Gries am Brenner zeigte auf ihren Notgeldscheinen eine Umrisskarte Tirols mit einem roten Herz und einer Trennlinie. Rückseite eines Serienscheins des Innsbrucker Notgeldsammlerbunds über 75 Heller vom 1. Juni 1920 mit der Losung „Tirol den Tirolern! – Von Kufstein bis Salurn“. Vorderseite mit Tiroler Adler und der Forderung „Tirol deutsch und ungeteilt!“ (Sammlung des Autors) Die Rückseite eines Notgeldscheins der Gemeinde Jochberg über 20 Heller ohne Datum (gültig bis 31. Januar 1921) zeigt einen Tiroler, der mit gesenkter Fahne nach Südtirol blickt, mit dem Spruch „Deutsche Brüder, ach, wie brennt die Seele uns in tiefen Schmerzen – Doch sind wir auch von Euch getrennt, so bleiben wir doch eins im Herzen.“ (Sammlung des Autors) Rückseite eines Notgeldscheins der Gemeinde Eggelsberg in Oberösterreich über 75 Heller ohne Datum (Bewilligung vom 19. Juni 1920) mit Darstellung eines Mannes, der mit einer Axt ein Grenzschild beseitigt, und dem Spruch „Nehmt die verfluchte Grenze fort – Was deutsch ist will zusammen“. (Sammlung des Autors) Rückseite eines Notgeldscheins der Gemeinde Gries über 25 Heller vom 15.10.1920 mit Darstellung des geteilten Tirols. (Sammlung des Autors) Besonders von österreichischer Seite gab es Bemühungen zur Wiedervereinigung mit Deutschland, was auch beim Notgeld jener Zeit Spuren hinterlassen hat. Auf nicht wenige Leser, die Geschichte allein aus der heutigen Sicht vermittelt bekommen haben, mag dieser Umstand vielleicht befremdlich wirken, aber hier handelt es sich nicht etwa um „rechte Propaganda“ einiger weniger Gemeinden oder von Nazi-Vereinen, die 1920/1921 in Österreich Notgeld ausgaben, sondern um den Ausdruck des allgemeinen Volkswillens jener Zeit. Man bedenke, dass Österreich bis zur 1806 durch das napoleonische Frankreich erzwungenen Abdankung den Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation stellte und noch 1866 den Deutschen Bruderkrieg gegen Preußen anführte. Erst danach kam es in der sog. „kleindeutschen Lösung“ zur Bildung des Norddeutschen Bunds ohne Österreich als Vorläufer des 1871 gegründeten Deutschen Reichs, während Österreich nach dem „Ausgleich“ mit Ungarn 1867 die Doppelmonarchie begründete, die nach dem Ersten Weltkrieg zerfallen sollte. Nach dem Zusammenbruch der k.u.k. Monarchie wurde am 12. November 1918 eine Republik ausgerufen, die sich durch ihre Nationalversammlung den Namen „Deutschösterreich“ gab. Damit drückte man nicht nur nationale Identität aus, sondern in Artikel 2 des Gründungsgesetzes wurde außerdem festgeschrieben: „Deutschösterreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik...“. Deutschösterreich beanspruchte den gesamten zusammenhängend deutsch besiedelten Raum des ehemaligen Österreich-Ungarns, darunter auch das Sudetengebiet sowie Südtirol. Mit dem Frieden von St. Germain wurde Deutschösterreich jedoch die Führung dieses Landesnamens untersagt und Österreich wurde – wie auch Ungarn und Deutschland – zerstückelt und territorial amputiert. Millionen Deutsche gerieten so als Minderheiten unter fremde Herrschaft, was – durchaus von Frankreich beabsichtigt – neue Konflikte schuf, die eine starke europäische Mitte verhinderten, allerdings auch ungewollt die deutschnationale Bewegung förderten. Als bekannt wurde, dass die Alliierten in den Friedensverhandlungen den Staatsnamen „Deutsch­österreich“ verbieten würden, wurden in Österreich zahlreiche Vorschläge für einen neuen Staatsnamen unterbreitet, darunter „Südost-Deutschland“, „Alpen-Germanien“ oder „Donau-Deutschland“. Die Alliierten wollten jedoch jeden Bezug Österreichs zur deutschen Nation, wie auch einen einheitlichen deutschen Nationalstaat, verhindern. Mit dem Frieden von St. Germain legten sie den Staatsnamen „Republik Österreich“ fest. Selbst österreichische Monarchisten, die einen Zusammenschluss früher abgelehnt hatten, strebten nun gemeinsam mit den Deutschnationalen die deutsche Einheit an. Gutschein der Landesregierung von Salzburg aus dem Jahr 1921 über 5 Kronen mit der Losung „Wir Deutsche wollen Deutsche sein!“. Ausgegeben zur teilweisen Deckung der Kosten für den Volksentscheid über den Anschluss an das Deutsche Reich. Bei der Volksabstimmung vom 29. Mai 1921 stimmten 99,3% für den Anschluss Österreichs. (Sammlung des Autors) Spendenschein der Verkaufsabteilung Wien des Bunds der Deutschen zur Erhaltung ihres Volkstums im In- und Ausland über 2 Kronen von 1921 mit der Forderung einer Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich. (Sammlung des Autors) Im April 1921 ließ der Tiroler Landtag eine Volksabstimmung durchführen, bei der sich 98,8% der Bevölkerung für den Anschluss an Deutschland aussprachen. Eine am 29. Mai 1921 im Land Salzburg durchgeführte Abstimmung ergab sogar eine Zustimmung von 99,3% aller abgegebenen Stimmen. Der oben abgebildete Spendenschein – wegen der umseitigen Bezeichnung „Südmark“ (Bezeichnung für Österreich als deutsche Südmark) auch als „Südmarkspende“ bekannt – forderte eine Volksabstimmung für ganz Österreich. Auf der Rückseite wird der damalige Präsident des Nationalrats der Republik Österreich, Dr. Franz Dinghofer, vom Mai 1921 zitiert: „Das Wort vom Selbstbestimmungsrecht der Völker, in die Welt gerufen als Friedensbotschaft, dann verleugnet und schändlich miss­braucht, es durchhallt weiter die Welt und wird nicht früher verklingen, bis nicht wahr wird, was es ausdrückt. Wie trotz aller Ränke und Schliche Lüge nicht in Wahrheit umgefälscht, Knechtschaft und Vergewaltigung nicht als Freiheit und Recht ausgegeben werden kann, so kann nie das Recht der Völker auf Selbstbestimmung zu einem Recht einzelner Völker auf Unterdrückung anderer Völker werden. Noch glaubt die Welt, das heilige Recht des deutschen Volkes mit Füßen treten zu können, doch: ‚Die Zeit eilt, teilt und heilt‘ und ‚Nur wer sich wehrlos aufgibt, wird zum Knecht.‘ So ist auch die Volksabstimmung über den Anschluss nur ein Schritt auf dem Weg zur Erkämpfung unseres Rechtes.“ „Südmark“-Spende über 2 Kronen von 1921 mit Dar­stellung eines von feindlichen Schlangen umgebenen deutschen Recken, der ein Hakenkreuz erhebt. (Sammlung des Autors) Weitere Volksabstimmungen wurden jedoch durch die alliierten Garantiemächte des Friedensvertrags, die eifrig im „Völkerbund“ das Selbstbestimmungsrecht aller Völker propagierten – allen voran durch Frankreich – unterbunden. Für den Fall, dass in Österreich weitere Abstimmungen folgen sollten, wurde u.a. mit dem Ende von Auslandskrediten an das wirtschaftlich geschwächte Land gedroht. Selbst eine gesamtdeutsche Zollunion, die 1931 gebildet werden sollte, wurde von den Alliierten verhindert. Andere „Südmark“-Spendenscheine erinnern an Städte und deutsche Siedlungsgebiete, die von Österreich abgetrennt wurden, wie Ödenburg in Deutschwestungarn (heute: Sopron in Ungarn), Marburg an der Drau in der Südsteiermark (heute: Maribor in Slowenien), an Brünn, Troppau und Eger in Böhmen und im Sudetenland (heute: Brno, Opava und Cheb in der Tschechischen Republik), Bozen in Südtirol (heute: Bolzano in Italien) oder Pontafel in Kärnten (heute: Pontebba in Italien). Zu den patriotischen Ausgaben zählen auch „Abstimmungsscheine“, Kolonial-Gedenkausgaben sowie Protestausgaben gegen die Folgen der Friedensschlüsse von 1919. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski / Wolfgang Haney (Hrsg.): "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …" Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-122-2 Auflage: 1. Auflage 2015 Format: 17 x 24 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seiten: 280 Preis: 29,90 Euro Mehr lesen …

  • Geld als Kommunikationsmittel: Antisemitische Propaganda nach dem Ersten Weltkrieg

    Der Erste Weltkrieg wird immer wieder zu Recht als „Urkatastrophe“ des Zwanzigsten Jahrhunderts bezeichnet. Ihm fielen nicht nur Millionen Menschen zum Opfer, er führte auch zum Sturz von drei bedeutenden Reichen (Russland, Deutschland und Österreich-Ungarn) sowie zu revolutionären Umwälzungen und in den Kampf der Weltanschauungen. War der Antisemitismus schon zu Beginn des Jahrhunderts deutlich angewachsen, nicht zuletzt wegen der bis heute umstrittenen „Protokolle der Weisen von Zion“, die eine angebliche jüdische Weltverschwörung durch den jüdischen Einfluss in der Finanzwelt, den Medien, in Kunst und Kultur, in Industrie, Handel und schließlich auch Politik heraufbeschworen, so wuchs dieser nach Ende des Kriegs noch einmal deutlich an. Juden wurde nicht nur die Mitschuld im Rahmen der „Dolchstoß-Legende“ gegeben, sie wurden auch als Kriegsgewinnler dargestellt. Nicht zuletzt warf man den deutschen Juden vor, sich vor dem Kriegseinsatz „gedrückt“ zu haben. Wenn denn überhaupt deutsche Juden im Krieg gewesen wären, so hätten sie es sich lieber in der Etappe gut gehen lassen, als an der Front zu kämpfen. Der mit dem höchsten deutschen Orden, dem Pour le Mérite, ausgezeichnete deutsche Kampfflieger Leutnant Wilhelm Frankl (1893 – 1917) war Jude. Er zählt zu den rund 12.000 deutschen Juden, die im Ersten Weltkrieg für ihr Vaterland fielen. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) In dieser Zeit nimmt antisemitisch motivierte Propaganda drastisch zu, sowohl auf Postkarten als auch auf Geldscheinen. Dass auch deutsche Juden im Krieg für ihr Vaterland gekämpft haben und sogar mit höchsten Orden dekoriert wurden, beweist mit 19 Feindabschüssen einer der erfolgreichsten deutschen Kampfflieger des Ersten Weltkriegs und Träger des Pour le Mérite, der Jude Wilhelm Frankl. Im „Dritten Reich“ wurde die Erinnerung an ihn vermieden. Er hatte sich gleich zu Kriegsbeginn freiwillig gemeldet und fiel am 8. April 1917 im Luftkampf über Nordfrankreich. Jüdisches Ehrenmal auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Verdun in Frankreich. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Ein primitives Beispiel antisemitischer Propaganda auf einer Reichsbanknote des zusammengebrochenen Kaiserreichs ist der hier abgebildete handschriftliche Zusatz „Hängt die Juden auf!“. Durch handschriftliche Zusätze manipulierte Geldscheine sind die einfachste Art zur Zweckentfremdung des Gelds im Sinne von – egal wie gearteter – Werbung und Propaganda. Interessant ist, dass sich in der zeitgeschichtlichen Sammlung von Wolfgang Haney noch ein weiterer Geldschein mit einer antisemitischen Handschrift befindet und in beiden Fällen durch kriminaltechnische Untersuchung zweifelsfrei festgestellt werden konnte, dass es sich um denselben Schreiber gehandelt haben muss. Ein Schein stammt jedoch aus einer deutschen Sammlung und der andere aus einer Sammlung in den USA. Rückseite einer Reichs­banknote über 50 Mark vom 21. April 1910 (gesetzliches Zahlungsmittel bis 5. Juli 1925, durch die Inflation praktisch wertlos ab Mai 1923) mit handschrift­lichem Zusatz: „Hängt die Juden auf!“. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) In der Tat gab es wohl nicht viele derart einfach agierende „Propagandisten“, was die große ­Seltenheit solcher Stücke unterstreicht. Da die benutzte Banknote nach dem Ersten Weltkrieg weiter im Zahlungsverkehr blieb und erst im Mai 1923 durch die voranschreitende Inflation praktisch wertlos wurde, muss man davon ausgehen, dass die Note immerhin eine gewisse Zeit mit dieser Parole zirkulierte. Das war denn auch der angestrebte Zweck. Für den massenhaften Einsatz als Propagandamittel waren handschriftliche Zusätze aber untauglich. Man muss also von „Einzeltätern“ sowie geringen Stückzahlen aus­gehen. Auf die verschiedenen Herstellungsarten von propagandistischen Zusätzen, wie Stempel, Überdrucke usw., wird später noch ausführlicher eingegangen. Rückseite eines Serienscheins der Gemeinde Tostedt bei Harburg über 50 Pfennig aus dem Jahr 1921 mit Darstellung zweier erhängter jüdischer „Schieber“. Dieses Motiv findet sich später als Propaganda-Aufdruck rechter Parteien auf wertlos gewordenen Banknoten der Inflation in den Wahlkämpfen der „Weimarer Republik“. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Das oben abgebildete Beispiel zeigt die Rückseite eines Serienscheins der Gemeinde Tostedt aus dem Jahr 1921 mit zwei erhängten jüdischen „Schiebern“ und dem plattdeutschen Text „So muess dat all de Schiebers gahn, denn kunnt uem Deutschland baetter stahn.“ Das hier verwendete Motiv und der ins Hochdeutsche übersetzte Spruch wurden später oft von rechten Parteien als Propagandaaufdruck auf wertlos gewordenen Inflationsscheinen verwendet. Vorder- und Rückseite eines 50-Heller-Scheins der Ortsgruppe Amstetten des „Schutzvereins Antisemitenbund“ vom 16. April 1920. Vorderseite mit Zeitungsverbrennung. Rückseite mit Hakenkreuz und antisemitischem Spruch. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) In Österreich, wo der Antisemitismus eine lange Tradition hatte, gab es im Rahmen der hier 1920 im ganzen Land einsetzenden Notgeldflut auch verschiedene Notgeldaus­gaben mit Motiven und Aussagen, die sich gegen Juden richteten. Am bekanntesten sind die Scheine der Ortsgruppe Amstetten des „Schutzvereins Antisemitenbund“ vom 16. April 1920. Auf der Vorderseite aller Nominale (10, 20 und 50 Heller) wird die Buchverbrennung der Nationalsozialisten vom Mai 1933 im Deutschen Reich praktisch schon vorweggenommen. Hier brennen symbolisch für den jüdischen Einfluss in der Presse verschiedene Zeitungen, wie das „Wiener Journal“, der „Morgen“, die „Volks-Zeitung“, das „Tagblatt“ oder die „Freie Presse“. Auf der Rückseite aller Werte finden sich antisemitische Sprüche und auf der des 50-Heller-Scheins sogar eine der ganz frühen Darstellungen des Hakenkreuzes auf deutschem und österreichischem Geld. Die Scheine dienten als Spendenquittungen und wurden nicht durch den Emittenten eingelöst. Die Notgeldscheine von Meggenhofen aus dem Jahr 1921 zeigen als Ursache der Hartgeldnot in Deutschösterreich und der daraus resultierenden Papiergeldschwemme einen Juden mit einem Koffer voller Hartgeld, das er während des Kriegs in die Schweiz trägt. Andere österreichische Notgeldscheine warnen vor jüdischen Wucherern und Schleichern oder vor „Isak Schleich“ als schlimmstem Feind. Allen voran sind es in Deutschland wie im damaligen Deutschösterreich die Serienscheine, also in ganzen Serien für Notgeldsammler ausgegebene und oft hübsch gestaltete Pseudogeldscheine, die für antisemitische wie auch patriotische Werbung aller Art dienten. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski / Wolfgang Haney (Hrsg.): "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …" Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-122-2 Auflage: 1. Auflage 2015 Format: 17 x 24 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seiten: 280 Preis: 29,90 Euro Mehr lesen …

  • Geld als Kommunikationsmittel: „Kriegsgeld“ und Symbolik

    In der Zeit des Ersten Weltkriegs kam es zu zahlreichen Notgeldemissionen. Waren die gleich zu Beginn des Kriegs 1914/1915 von vielen Städten und Gemeinden ausgegebenen Notgeldscheine noch sehr schlicht ausgeführt, so kamen ab 1916 sog. Kleingeldscheine über Pfennig-Beträge und ab 1918 Großgeldscheine über Mark-Beträge in den Umlauf, die nicht nur überwiegend aufwendig gestaltet waren, sondern zum Teil auch patriotische Motive zeigen. Als besonders markantes „Kriegsgeld“ sei an dieser Stelle auf Kleingeldscheine der bayerischen Städte Füssen und Neu-Ulm verwiesen. Vorder- und Rückseite eines Kleingeldscheins der Stadt Füssen über 50 Pfennig vom 1. April 1918. (Sammlung des Autors) Die Rückseiten der Füssener Kleingeldscheine vom 1. April 1918 zeigen einen deutschen Recken mit Stahlhelm, Schwert und germanischem Lendenschurz im Kampf gegen einen mehrköpfigen feindlichen Drachen, dem bereits einige Köpfe abgeschlagen wurden. Das alles vor der Alpenkulisse mit dem Hohen Schloss von Füssen. Der Drache steht für die sog. Feindbundmächte der Entente und deren Assoziierte und hatte ursprünglich acht Köpfe. 1904 entstand die Entente cordiale als Bündnis zwischen Frankreich und Großbritannien. Aus diesem wurde 1907 die Triple Entente, als Frankreich Russland als Verbündeten gewinnen konnte, um Deutschland im Kriegsfall einen Zweifrontenkrieg aufzuzwingen. In Deutschland sprach man zu jener Zeit deshalb auch von der „Einkreisungspolitik“. Hinzu kamen die assoziierten Mächte der Triple Entente, die in den Krieg einbezogen waren bzw. auf Seiten der Entente in den Krieg eingriffen. Zu ihnen gehörte von Anfang an Belgien, das rasch besetzt werden konnte und deshalb für einen abgeschlagenen Drachenkopf steht. Bei Ausbruch des Kriegs war Italien noch mit Deutschland und Österreich-Ungarn im sog. „Dreibund“ verbündet, ohne jedoch seiner Bündnispflicht nachzukommen und den Achsenmächten beizustehen. Als die Entente, allen voran Frankreich, es mit dem Londoner Abkommen vom 26. April 1915 geschafft hatte, Italien durch Versprechungen neuer Kolonien und österreichischen Landes, darunter Südtirol, Triest und die gefürstete Grafschaft Görz, zum Angriff auf den eigenen Verbündeten zu drängen, kam es auch zum Krieg an der Isonzo. Die italienischen Truppen, die schnell in das Herz der Donaumonarchie bis nach Wien vorstoßen wollten, blieben nur kurz hinter der österreichischen Grenze stecken und es kam zum blutigen Stellungskrieg in schwer zugänglicher Bergwelt mit insgesamt zwölf Isonzo-Schlachten und rund einer Million Toten. Nach einer gewaltigen deutsch-österreichisch-ungarischen Gegenoffensive im Oktober 1917 wurden die feindlichen Truppen bis in die italienische Tiefebene hinein vertrieben. Italien symbolisiert deshalb einen weiteren abgeschlagenen Drachenkopf. Nach einer erfolgreichen russischen Offensive, bei der im August 1916 dem k.u.k. Heer schwere Verluste zugefügt worden waren, stellte sich Rumänien in Aussicht auf Gebietserweiterungen auf die Seite der Entente und erklärte am 27. August 1916 Österreich-Ungarn den Krieg. Rumänische Truppen drangen in das ungarische und haupt­sächlich deutsch besiedelte Siebenbürgen ein. Nur eine Woche zuvor hatte die Entente Bulgarien und das österreichisch besetzte Serbien angegriffen. Zur Erinnerung: Auslöser des Ersten Weltkriegs war ein Attentat serbischer Nationalisten auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Gemahlin Sophie am 28. Juni 1914 in Sarajevo sowie die daraus resultierenden österreichischen Forderungen an Serbien und deren Nichterfüllung. Die Offensive der Entente 1916 sollte durch den rumänischen Kriegseintritt entlastet werden. Nach Eingreifen der Heeresgruppe Mackensen, die aus deutschen, bulgarischen und türkischen Divisionen bestand, konnte Rumänien jedoch bis Dezember 1916 geschlagen werden. Rumänien steht damit für das dritte gefallene Drachenhaupt. Die beiden anderen abgeschlagenen Drachenköpfe stehen sicher für Russland, dessen Truppen gleich zu Kriegsbeginn in das deutsche Ostpreußen eingefallen waren und wahrscheinlich für Serbien. Nur kurz vor Ausgabe des Füssener „Kriegsgelds“ kam es am 2. März 1918 zur Unterzeichnung des Friedens von Brest-Litowsk. Mit den so an der Ostfront frei gewordenen Truppen sollte nun an der Westfront in Frankreich durch eine Gegenoffensive endgültig der Krieg für Deutschland und Österreich-Ungarn entschieden werden. Der deutsche Recke sieht sich deshalb Anfang April 1918 auf dem Geldscheinmotiv einem fast geschlagenen feindlichen Drachen gegenüber, der jetzt nur noch vier Köpfe hat. Zwei davon sollen zweifellos Frankreich und Großbritannien verkörpern. Ein dritter Kopf symbolisiert die USA, die ab März 1918 Monat für Monat eine Viertelmillion frischer und gut ausgerüsteter Soldaten in den Kampf schickte. Der vierte Kopf dürfte Japan darstellen, das sich auf die Seite der Entente geschlagen hatte und im Ersten Weltkrieg das deutsche Pachtgebiet Kiautschou in China besetzte. Wenn an dieser Stelle so ausführlich auf die Symbolik der Darstellung eingegangen wird, dann nur, um deutlich zu machen, dass eine Interpretation immer auch im historischen Kontext zu sehen ist. Vorder- und Rückseite eines Kleingeldscheins der Stadt Neu-Ulm über 50 Pfennig vom 1. August 1918. (Sammlung des Autors) Darstellungen von Putten hatte es auf Geldscheinen – besonders im 19. Jahrhundert – schon sehr oft gegeben, kriegerischere als die vom Neu-Ulmer „Kriegsgeld“ vom 1. August 1918 aber kaum. Auf der Vorderseite wirft ein Putto links eine Stiel-Handgranate, während ein weiterer Putto rechts mit einer Granate in den Händen beim Laden eines Artilleriegeschützes dargestellt wird. Die Rückseite zeigt einen behelmten deutschen Soldaten hinter einem Stacheldrahtverschlag sowie links den Reichsadler und rechts den bayerischen Löwen. Im Hochsommer 1918 war der Kampf schon fast aussichtslos geworden, die großen Offensiven steckengeblieben und sinkende Kriegsmoral und Kriegsmüdigkeit waren weit verbreitet. Zwar waren die deutschen und österreichischen Truppen immer noch nicht im Felde besiegt, doch nach vier langen Jahren Krieg und Leid sehnten sich viele Soldaten nur noch nach Frieden. Neu-Ulm schickte nun auch noch eigentlich friedliche Putten in die Schlacht ums Vaterland. Eine Botschaft, die Tragik und Komik in sich vereint. Rückseite eines Großnotgeldscheins der Stadtsparkasse Bielefeld über 20 Mark vom 1. November 1918 mit einem Auszug des berühmten Luther-Zitats „Und wenn die Welt voll Teufel wär’ – Es muss uns doch gelingen.“ sowie „Feinde ringsum! Zahlreich ist die Übermacht. 11.000 Bielefelder kämpfen in Feindesland, tapfer und treu.“. Nur zehn Tage nach Ausgabe des Scheins wurde der Waffenstillstand geschlossen. (Sammlung des Autors) Am Ende des Kriegs stellten sich auch Politiker und Medien auf Seiten der Befürworter eines Waffenstillstands. Linke Parteien schickten sogar Propagandisten an die Front, die deutsche Soldaten zur Aufgabe bewegen sollten. Zum Waffenstillstand kam es am 11. November 1918. Doch einen gerechten Frieden gab es nicht. Daraus entwickelte sich schließlich die sog. „Dolchstoß­-Legende“, mit der die Schuld am missglückten Kriegsausgang hauptsächlich der Politik (vornehmlich der SPD), der Kirche und den Medien in jüdischer Hand zugewiesen wurde. Tatsächlich war der Waffenstillstandsvertrag schon kaum annehmbar, die Bestimmungen der folgenden Friedensschlüsse von Versailles mit Deutschland, von St. Germain mit Österreich und von Trianon mit Ungarn waren dies erst recht nicht. Die Verhandlungen führten die Entente-Mächte und ihre Verbündeten, darunter das 1916 mit deutscher Hilfe neu entstandene Polen, unter sich. Deutschland, dessen Vertreter von den Verhandlungen ausgeschlossen waren, und seinen Verbündeten wurde die Schuld am Ausbruch des Kriegs als Grundlage für immense Gebiets- und Reparationsforderungen zugewiesen, die Deutschland schließlich in die Hyperinflation führten. Deutsche Propaganda-Postkarte „Deutschlands Toten­gräber“ zur sog. „Dolchstoß-Legende“ von 1918. Verantwortlich gemacht für unehrenhaften Waffenstillstand, aus dem quasi eine Kapitulation wurde, und den ungerechten Friedensschluss wurden Kirche, Politik und Judentum. (Sammlung Wolfgang Haney, Berlin) Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski / Wolfgang Haney (Hrsg.): "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …" Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-122-2 Auflage: 1. Auflage 2015 Format: 17 x 24 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seiten: 280 Preis: 29,90 Euro Mehr lesen …

  • Geld als Kommunikationsmittel

    Da ein wesentlicher Geldcharakter neben der allgemeinen Akzeptanz auch im Geldumlauf, also der Zirkulation, besteht, geht Geld im wahrsten Sinne des Wortes von Hand zu Hand. Schon frühe Münzen erfüllten deshalb nicht nur Geld-, sondern auch Symbol- und Propagandafunktionen. Durch sie konnten Herrscher sich mit ihrem Bildnis erstmals all ihren Untertanen zeigen und so ihren Machtanspruch dokumentieren und festigen. In ihren Motiven spiegelte sich aber auch weltliche und religiöse Symbolik wider, womit Geld bereits in einer Zeit ohne die uns bekannten modernen Medien zu einem wichtigen Mittel von Kommunikation und Propaganda wurde. Im Dreißigjährigen Krieg gab der auf protestantischer Seite als „toller Christian“ bekannt gewordene Feldherr Herzog Christian von Braunschweig und Lüneburg 1622 diesen „Pfaffenfeindtaler“ aus. Die Botschaft dieses Geldstücks war klar „Gottes Freundt – Der Pfaffen Feindt“. (Fotoarchiv Helmut Kahnt) Thüringen, Sachsen-Gotha: Friedrich II., 1691 – 1732, sog. „Kornjuden-Medaille“ von 1695, Stempel von Chr. Wermuth. In einer Landschaft mit Scheune und reichen Feldern steht ein Baum, an dem der Kornjude erhängt wurde oder sich erhängt hat; über seinem Kopf sitzt ein Teufelchen im Baum, das den Strick festzurrt oder nach dem Juden greift, um ihn zu holen. In der Scheune links hinten steht: LUC 12, Umschrift DU KORN IUDE, im Abschnitt WOLFEILE ZEIT 1695 / Ein waagerecht stehender Getreidescheffel, dessen Flächen beschriftet sind: Oben (hinten innen): ABER SEEGEN / KOMMT ÜBER DEN DER ES VERKAVF, unten SPRUCHE SALOMO XI 26, Umschrift: WER KORN INNHAELT DEM FLUCHEN DIE LEUTHE. Als Kornjuden bezeichnete man Wucherer, die Korn aufkauften, zurückhielten und sogar Hungersnöte in Kauf nahmen, um den Preis dafür in die Höhe zu treiben. (Fotoarchiv Helmut Kahnt) Musternote der Rostocker Bank über 100 Mark vom 1. Januar 1874. Die Vorderseite zeigt links Allegorien und Symbole für die Seefahrt und den Handel (Merkur bzw. Hermes), rechts Allegorien und Symbole für die Landwirtschaft und mittig unten eine weibliche Allegorie mit einem Buch als Verkörperung der Wissenschaften. (Sammlung Manfred Kranz) Waren die frühen Geldscheine in Europa meist noch sehr schlicht, nahm mit deren Bedeutung und dem wirtschaftlichen Aufschwung auch die künstlerische Gestaltung und Symbolik zu. Häufig wurden Allegorien dargestellt, die etwa für Landwirtschaft, Handel, Handwerk, Industrie, Bergbau, Verkehr, Wissenschaft, das Bauwesen, Militär oder den durch ein Füllhorn symbolisierten Überfluss im Sinne von wirtschaftlichem Erfolg und Reichtum standen. Mit der Herausbildung von Nationalstaaten wurde die Darstellung meist weiblicher Allegorien wie der Germania, der Britannia, der Helvetia oder der Marianne (Frankreich) auf Geldscheinen gleichsam zur stolzen Botschaft nationalen Selbstbewusstseins. Geldscheine werden deshalb bis heute auch Visitenkarten einer Nation und deren Kultur genannt. Selbst deutsche Territorialstaaten schufen sich eigene „National-Allegorien“, die sich auch auf historischen Geldscheinen wiederfinden, wie die Askania für Anhalt, die Badenia für Baden, die Bavaria für Bayern, die Borussia für Preußen, die Brema für Bremen, die Hammonia für Hamburg oder die Saxonia für Sachsen. Deutsche Reichsbank, Reichsbanknote über 100 Mark vom 7. Februar 1908, sog. „Flotten-Hunderter“, Rückseite mit der gekrönten Germania in Rüstung, mit Schwert und Reichsschild unter einer Eiche am Meer, auf dem Schiffe der kaiser­lichen Flotte fahren sowie mit Symbolen der Industrie (Zahnrad), der Landwirtschaft (Pflug), des Handwerks (Amboss und Hammer) und des Handels (Merkur- bzw. Hermesstab und Warenballen). (Sammlung des Autors) Das wohl beeindruckendste und symbolträch­tigs­te Beispiel einer deutschen Banknote des Kaiserreichs ist der sog. „Flottenhunderter“ von 1908. Er zeigt auf der Rückseite eine gerüstete und selbstbewusste Germania, an der Schiffe der kaiserlichen Flotte vorüberziehen. Der schon bei seiner Ausgabe im Reichstag – und nicht nur dort – umstrittene Schein bezieht sich auf das sog. Flottenprogramm Kaiser Wilhelms II., mit dem Deutschland sich seinen „Platz an der Sonne“ sichern wollte. Viele Historiker sehen in der damaligen deutschen Flottenrüstung mit einen Grund für die Zuspitzung der Konflikte, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führten. Fakt ist jedoch, dass Deutschland Überseekolonien hatte, die es zu verteidigen galt, die Flottenrüs­tung des Osmanischen Reichs bedeutend umfangreicher war und Großbritannien sogar jederzeit über viermal so viele Kriegsschiffe verfügen wollte, wie jede andere Macht der Welt, um sein Weltreich zu erhalten und auszudehnen. Bekanntlich wurde Britannia als Herrscherin der Meere (Britannia rule the waves) besungen. Silbermedaille von August Hummel auf die Befreiung des zu Beginn des Ersten Weltkriegs von russischen Truppen besetzten Ostpreußens in den Schlachten bei Tannenberg und in den Masuren. Avers wird der „Sieger von Tannenberg“, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, geehrt und revers erschlägt der nackte deutsche Recke den russischen Bären. (Fotoarchiv Helmut Kahnt) Kaiser, Könige und Fürsten, aber auch Universitäten, Vereine, Firmen und Privatpersonen ließen sich schon seit Jahrhunderten Medaillen zu besonderen gesellschaftlichen und politischen Ereignissen und Gegebenheiten, zu Jubiläen und vielfältigsten Anlässen prägen. In Kriegszeiten wuchs die Medaillenflut noch an, beschwor man mit ihnen doch eingegangene Bündnisse, verwies auf gewonnene Schlachten und ehrte siegreiche Feldherrn. Das war auch im Ersten Weltkrieg nicht anders, in dem zahlreiche Medaillen der Propaganda dienten – egal von welcher Seite. Einseitiger Fantasieschein mit deutscher Kriegspropaganda aus dem Jahr 1915 über „Ein Hundert Markige Deutsche Hiebe“. In der Umschrift „Immer feste druff!“ und das bekannte Bismarck-Zitat aus dem Jahr 1888 „Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt!“. (Sammlung des Autors) Interessant ist, dass man sogar Fantasiegeld für Propagandazwecke benutzte und bis heute benutzt. Während des Ersten Weltkriegs gestaltete man z.B. 1915 einen „Kriegsschein“ nicht über Einhundert Mark, sondern über „Ein Hundert Markige Deutsche Hiebe – zahlbar durch unsere feldgrauen und blauen Jungen, sowie durch unsere Verbündeten“. Geld übt als Propagandamittel einen ganz besonderen Reiz aus, da sich der Geldcharakter mit der politischen bzw. der Werbe-Botschaft verbindet. Uneingeschränkt trifft dies natürlich auf kursgültiges Geld zu, das bis in die jüngste Zeit in den verschiedensten Ländern der Welt von Parteien, Revolutionären und politischen Aktivisten immer wieder auch mit handschrift­lichen Parolen oder Stempeln versehen wurde und so zirkulieren sollte, um möglichst viele Menschen mit der Botschaft zu erreichen. Der Sinn dahinter ist simpel. Menschen beachten kaum ein Flugblatt oder werfen es nach dem Lesen weg, es ist eben nur bedrucktes Papier. Das ebenfalls bedruckte Papier „Geldschein“ ist dagegen auch richtiges Geld, das man nicht wegwirft. Dieser Umstand macht einen Geldschein sogar noch dann als Propagandamittel interessant, wenn er schon längst nicht mehr gültig ist. Auch dann wird er immer noch als „Geld“ erkannt. Das gleiche trifft auf Fantasiescheine zu, die Merkmale echten Gelds kopieren, um als „Geld“ wahrgenommen zu werden. Gültige Zahlungsmittel zu beschreiben oder in anderer Form zu verändern ist nicht ohne Grund unter Strafe gestellt. Werden solche Stücke auf der Bank entdeckt, dann werden sie aus dem Verkehr gezogen, ausgetauscht und vernichtet. Dass eine Verbindung von Geld und politischer Aussage schon allein durch die Gestaltung des Gelds selbst gegeben sein kann, dafür wurden bereits einige Beispiele gezeigt. Bei Geldscheinen kann man in diesem Zusammenhang auch an typische Motive sog. „Volksdemokratien“ sozialistischer Prägung denken, wie Nordkorea. Hier wurden und werden Geldscheine als staatliches Propagandamittel missbraucht. Propagandageldscheine – egal ob bereits vom Emittenten politisch motiviert, nachträglich manipuliert oder fantasievoll kreiert – sind ganz besondere Belege zur Geld- und Zeitgeschichte. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski / Wolfgang Haney (Hrsg.): "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …" Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-122-2 Auflage: 1. Auflage 2015 Format: 17 x 24 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seiten: 280 Preis: 29,90 Euro Mehr lesen …

  • Die deutsche Besetzung der Ukraine im Ersten Weltkrieg von März bis Dezember 1918

    Im Ersten Weltkrieg waren weite Teile der Ukraine, die damals noch zum russischen Zarenreich gehörte, von den Truppen der Mittelmächte besetzt worden. Eine nach der bürgerlichen russischen Revolution im Frühjahr 1917 gebildete Zentral-Rada unter Prof. Michajlo Gruschewski rief am 20. November 1917 die Autonomie als Ukrainische Volksrepublik im Bestand der Russischen Föderation und am 22. Januar 1918 die Unabhängigkeit der Ukraine aus. Der neuen Regierung der unabhängigen Ukraine stand jedoch eine pro-sowjetische Regierung gegenüber, die sich im Dezember 1917 in Charkow gebildet hatte und den Anschluss des Landes an die Russische Sowjetrepublik verfolgte. Als Ende Januar 1918 die Rotgardisten kurz vor der Einnahme Kiews standen, fuhr eine ukrainische Delegation unter Leitung von Gruschewski zu Verhandlungen nach Brest-Litowsk und schloss am 9. Februar 1918 einen Separatfrieden mit den Mittelmächten. Der Friedensvertrag beinhaltete die Anerkennung der Selbständigkeit der Ukraine unter dem Schutz deutscher und österreichischer Truppen. Im Gegenzug sollte Deutschland umfangreiche Getreidelieferungen erhalten. Ukraine 1918: Brennendes Munitionsdepot vor der Festung Kiew (unten links). Mit Unterstützung deutscher und österreichischer Einheiten unter Führung des Feldmarschalls von Eichhorn konnte die Ukraine im April 1918 von den Bolschewisten befreit werden und die Macht wurde erneut der Zentral-Rada übergeben, die jedoch nicht mehr lange bestand. Die militärische deutsche Intervention dauerte vom 1. März bis Ende April 1918. Als man am 29. April 1918 die Verfassung beschloss und Gruschewski zum Präsidenten wählte, forderte zeitgleich der Bauernkongress der Ukraine eine Politik gegen die Zentral-Rada sowie die Wiedereinführung des Hetmanats. Das letzte ukrainische Hetmanat (ein Hetman war ein gewählter Führer aus den Reihen der Kosaken) war 1764 durch die Russen beseitigt worden. Innerhalb weniger Tage ergriff das Hetmanat unter Führung des in Wiesbaden geborenen, ehemaligen zaristischen Generals Pawlo Skoropadski ohne nennenswerten Widerstand und mit Unterstützung der Deutschen die Macht über die gesamte Ukraine. Die Mitglieder der Zentral-Rada verweigerten eine Zusammenarbeit mit dem Hetmanat und wurden vollständig entmachtet. Skoropadski erklärte die alte Regierung als abgelöst und rief den „Staat Ukraine“ aus. Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 mussten die Truppen der Mittelmächte auch die Ukraine räumen und die „Herrschaft der Kosaken“ wurde schon Ende 1918 gestürzt. Es bildete sich ein kurzlebiges sog. Direktorium unter Simon Petljura, das der Entente nahestand. Die meisten deutschen Truppen verließen von Dezember 1918 bis Januar 1919 das Land, das nun praktisch ohne Schutz war, während in anderen Teilen Russlands französische, britische, kanadische, US-amerikanische und japanische Truppen den Kampf der Konterrevolution gegen die Bolschewiki unterstützten. Ende Dezember 1918 wechselten aber auch deutsche Arbeiter in Uniform die Seiten und kämpften für die Rote Armee in Charkow. Im Januar 1919 zogen die Roten Garden in Kiew ein und proklamierten die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik. Ende 1922 wurde die Ukraine Teil der Sowjetunion. Als deutsche „Besatzungszeit“ ist quasi nur die Zeit des unabhängigen ukrainischen Hetmanats anzusehen, in der deutsche Truppen nach Abschluss des Separatfriedens das Land besetzt hielten. Neben der kompletten Ukraine waren auch kleinere Teile Russlands und die Krim besetzt. Die ersten eigenständigen ukrainischen Geldscheine waren staatliche Kreditscheine und Schatzscheine der Ukrainischen Volksrepublik, die vom 20.11.1917 – 29.4.1918 bestand. Der auf den Zahlungsmitteln abgebildete Dreizack (Wappenornament) ist ein Symbol des Kiewer Rus, das am 1. März 1918 zum Staatsemblem der Ukraine erhoben wurde. УKPAÏHCЪKA HAPOДHЯ PECПУЬЛIKA / УKPAÏHCЪKA ДEPЖABA (Ukrainische Volksrepublik / Ukrainischer Staat, Hetmanat) 1918 Das unter deutschem Einfluss errichtete Hetmanat bestand vom 29. April – 14. Dezember 1918. In dieser Zeit kam es zu verschiedenen Geldschein-Ausgaben. Die ersten Ausgaben tragen noch die Staatsbezeichnung „Ukrainische Volksrepublik“, sie waren zum Teil noch von der Zentral-Rada in Auftrag gegeben. Die letzten Scheine (UA 10 – 12) sind mit der Landesbezeichnung „Ukrainischer Staat“ ausgeführt. Während man anfangs dem Kleingeldmangel mit Briefmarkengeld begegnete und ab August 1918 staatliche Obligationen als Staatskassenscheine in Umlauf gab und sogar deren Kupons zu Geld erklärte (es handelt sich eigentlich um verzinsliche Wertpapiere), folgten schließlich in Berlin gedruckte staatliche Kreditnoten sowie Schatzscheine. Ukraine: Briefmarkengeld zu 30 Schagiw ohne Datum (1918), Vorderseite mit Kopf der Demeter (Ceres), Rückseite mit Wappen und Gültigkeitsvermerk. Briefmarkengeld 1918 Als Kleingeldersatz druckte man nach russischem Vorbild ukrainische Briefmarken auf Papier ohne Wasserzeichen. Die Rückseiten sind mit einem Wappenornament (Dreizack) und Text (übersetzt: „Im Umlauf gleichberechtigt mit metallischer Münze“) versehen. Die gesetzliche Grundlage zum Druck der Kleingeldmarken stammt vom 18. April 1918 und wurde noch von der Zentral-Rada beschlossen. Hergestellt wurden die Marken, von denen es auch viele zeitgenössische Fälschungen gibt, in Kiew. In den Umlauf kamen sie ab Mai 1918. Es gab Werte zu 10, 20, 30, 40 und 50 Schagiw. Ukraine: Kreditschein über 100 Griwen von 1918, Vorderseite links Bäuerin mit Ährenbündel, rechts Arbeiter und Mitte Dreizack, im Blumenkranz, Rückseite mit Dreizack und Blumenkränzen (Abb. Sammlung Grabowski). Ukraine: Kreditschein über 500 Griwen von 1918, Vorderseite mit Kopf der Demeter (Ceres) i n der Mitte sowie dem ukrainischen Dreizack links in einem Getreide- und rechts in einem Blumenkranz, Rückseite mit Dreizack (Abb. Sammlung Grabowski). ДEPЖABHИЙ KPEДИTOBИЙ БIЛET – Staatliche Kreditscheine 1918 Von der Reichsdruckerei in Berlin hergestelltes Staatspapiergeld für die Ukraine. Die ersten Scheine trafen im Oktober 1918 in der Ukraine ein und wurden am 17. Oktober 1918 in Umlauf gegeben. Ausgehend von der Inflation im Land, hatte das Finanzministerium die Bestellung der Volksrepublik abgeändert und statt einer hohen Anzahl niedriger Werte zu 5 und 20 Griwen mehr Tausender und auch einen zusätzlichen Wert über 2000 Griwen mit der neuen Staatsbezeichnung in Auftrag gegeben. In Umlauf waren Werte zu 2, 10, 100, 500, 1000 und 2000 Griwen. Eine in Österreich für das Hetmanat gedruckte Ausgabe mit der Jahreszahl 1920 (UKR-26 – 28, SCWPM) kam durch die politische Entwicklung nicht mehr zur Ausgabe. Ukraine: Schatzschein über 1000 Griwen ohne Datum (1918), Vorderseite mit Ornamenten, rechts ukrainischer Krieger, Rückseite links und rechts weibliche Allegorien in Tracht mit Zepter und Füllhorn (Abb. Sammlung Grabowski). ЗHAK ДEPЖABHOÏ CKAPБHИЦI – Staatliche Schatzscheine 1918 Die noch unter dem Hetmanat ausgegebenen Schatzscheine über 1000 Karbowantziw hat man in Kiew und Warschau gedruckt. Sie wurden auch unter dem Direktorium von Petljura weiter in Umlauf gegeben. Scheine mit Wasserzeichen Wellenlinien, violettem Druck der Vs. und Serien AH oder AO sind Kiewer Drucke, die aber erst 1919 in Umlauf kamen. 1920 wurden dann in Kiew noch Scheine mit Sternwasserzeichen sowie ohne Wasserzeichen gedruckt. Aus Warschau kamen die ebenfalls erst 1920 ausgegebenen Scheine mit Wz. Zickzacklinien. Hans-Ludwig Grabowski Literatur-Empfehlung Grabowski / Huschka / Schamberg: Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg Verlag: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-505-3 Auflage: 1. Auflage 2006 Abbildungen: zahlreiche farbige Abbildungen Broschur: 320 Seiten Format: 14,8 x 21 cm Preis: 14,90 Euro Zum Buch!

  • Notausgaben von 1919 für den oberschlesischen Industriebezirk

    Politisch gehörte Oberschlesien bereits seit dem Hoch-Mittelalter zu Schlesien. Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte den Versailler Vertrag, welcher zunächst die vollständige Abtretung Oberschlesiens an das erst 1916 durch den deutschen ­Kaiser ausgerufene und damit von Russland unabhängig gewordene Königreich Polen vorsah. 1919 wurde Oberschlesien vom restlichen Schlesien (Provinz Niederschlesien) getrennt, zu ­einer eigenen Provinz erhoben, zum Abstimmungsgebiet erklärt und von alliierten Truppen besetzt. Vor und während der Volksabstimmungen, in der sich 60% der Gesamtbevölkerung für den ­Verbleib beim Deutschen Reich aussprachen, versuchten polnische Freischärler Oberschlesien mit Gewalt vom Reich abzutrennen. 1919 kam es in Zeiten des Klein- und Großgeldmangels zu einer Gemeinschaftsausgabe von Notgeld der Stadt- und Landkreise des Oberschlesischen Industriebezirks, umfassend die ­Kreise Beuthen-Stadt, Beuthen-Land, Gleiwitz-Stadt, Hindenburg, Kattowitz-Stadt, Kattowitz-Land, Königs­hütte-Stadt, Pless, Rybnik und Tarnowitz (bei Kleingeldscheinen ohne den Landkreis Pless). Die Scheine wurden von allen Reichsbankstellen und öffentlichen Kassen im Ausgabebezirk in Zahlung genommen. Oberschlesisches Industriegebiet Das oberschlesische Industriegebiet wurde ausschließlich aus Kreisen des schlesischen Regierungsbezirks Oppeln gebildet und war etwas größer als das heutige Saarland oder das Großherzogtum Luxemburg. Der Oberschlesische Industriebezirk war jedoch keine politische Verwaltungseinheit, sondern ein lockerer Zusammenschluss von Kreisen im oberschlesischen Industriegebiet zum Zwecke der Ausgabe von gemeinsamen Notgeld. Wegen ihres überregionalen Charakters werden die Ausgaben dennoch im Katalog zum Papiergeld der deutschen Länder, Provinzen und Bezirke aufgeführt. Die Notausgaben von 1919 Ausgegeben wurden Großnotgeldscheine über 5, 10 und 20 Mark ohne Datum (gültig bis 1. April 1919) in Drucken auf verschiedenen Wasserzeichenpapieren sowie zwei verschiedene Kleingeldausgaben über je 25 Pfenning ohne Datum (gültig bis 30. September bzw. 31. Dezember 1919). Der Druck aller Ausgaben erfolgt bei der auch von anderen Notgeldausgaben bekannten Firma Carl Flemming AG in Glogau und Berlin. Auf den Vorderseiten aller Scheine findet man die Unterschriften der Vertreter der an der Ausgabe beteiligten Stadt- und Landkreise. Wegen der Verwendung verschiedener Wasserzeichen und Nummeratoren kommen bei den Großnotgeldscheinen eine ganze Reihe von Varianten vor. OSL-10g: Oberschlesischer Industriebezirk: 5 Mark ohne Datum (gültig bis 1. April 1919), Vorderseite mit Trockenstempel, Rückseite mit Darstellung einer Industrieanlage sowie Symbolen für die Industrie (Abb. Sammlung Grabowski). OSL-11e: Oberschlesischer Industriebezirk: 10 Mark ohne Datum (gültig bis 1. April 1919), Vorderseite mit Trockenstempel, Rückseite mit Darstellung einer Industrieanlage mit Bahnhof und Holzlager (Abb. Sammlung Grabowski). OSL-12e: Oberschlesischer Industriebezirk: 20 Mark ohne Datum (gültig bis 1. April 1919), Vorderseite mit Trockenstempel, Rückseite mit Darstellung von Arbeitern in einem Stahlwerk nach einem berühmten Monumentalgemälde des schlesischen Malers Adolph von Menzel (Abb. Sammlung Grabowski). Adolph von Menzel (1815–1905): Das Eisenwalzwerk (1872–1875). Abb. wikipedia. "Das Eisenwalzwerk" befindet sich heute in der Alten Nationalgalerie in Berlin und ist ein Hauptwerk von des schlesischen Malers Adolph von Menzel. Es zeigt die Fabrikhalle der oberschlesischen Königshütte, einem Walzwerk für Eisenbahnschienen, das zur Zeit der Entstehung des Bildes etwa 3.000 Arbeiter beschäftigte. OSL-13: Oberschlesischer Industriebezirk: 25 Pfennig ohne Datum (gültig bis 30. September 1919), Vorderseite und Rückseite mit Ornamenten (Abb. Sammlung Grabowski). OSL-14: Oberschlesischer Industriebezirk: 25 Pfennig ohne Datum (gültig bis 31. Dezember 1919), Vorderseite mit stilisierten Industrieanlagen, Rückseite mit Symbolen der Industrie. (Abb. Sammlung Grabowski). Nach der Volksabstimmung kam es im Mai 1921 erneut zu militärischen Versuchen polnischer Freischaren, das Resultat der Volksabstimmung zu Polens Gunsten zu verändern. Nach Empfehlung des Völkerbunds wurde 1921 die Teilung Oberschlesiens beschlossen. Hierdurch fiel der überaus größte Teil des bedeutenden oberschlesischen ­Industriegebiets sowie weitere Gebiete (insgesamt 3.213 qkm mit 893.000 Einwohnern), welches neben dem Ruhrgebiet eine wesentliche Rolle in der deutschen Wirtschaft gespielt hatte, an Polen. Ein kleinerer Landesteil ("Hultschiner Ländchen" mir 316 qkm und 48.500 Einwohnern) wurde der neu gebildeten Tschechoslowakei angegliedert. Die seit 1919 bestehenden Provinzen Nieder- und Oberschle­sien (das bei Deutschland verbliebene Restgebiet) waren von 1933 bis 1938 zur ­Provinz Schlesien zusammengelegt. Nach dem deutschen „Polenfeldzug“ wurden 1939 die an Polen gefallenen oberschlesischen Gebiete wieder dem Reich angegliedert, und 1941 wurde Schlesien erneut in die Provinzen Nieder- und Oberschlesien getrennt. Nach dem Zweiten Weltkrieg polnischer Verwaltung unterstellt, wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben. Mit dem Grenzvertrag von 1990 erkannte das wiedervereinigte Deutschland die Grenzen des Potsdamer Abkommens völkerrechtlich an. Oberschlesien bildet heute einen eigenen Verwaltungsbezirk in Polen. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Das Papiergeld der deutschen Länder 1871 – 1948 Die Banknoten und Notgeldscheine der deutschen Länder, Provinzen und Bezirke Verlag: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-500-8 Auflage: 2. Auflage 2006 Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Broschur: 640 Seiten Format: 14,8 x 21 cm Preis: 39,80 Euro Nur noch wenige Bücher verfügbar! Zum Buch ...

  • Aus privaten Sammlungen: 500 Griwen der ersten ukrainischen Republik von 1918

    Objekttyp: Kassenschein (Geldanweisung) Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Im Ersten Weltkrieg waren weite Teile der Ukraine, die damals noch zum russischen Zarenreich gehörte, von den Truppen der Mittelmächte besetzt worden. Eine nach der bürgerlichen russischen Revolution im Frühjahr 1917 gebildete Zentral-Rada unter rief am 20. November 1917 die Autonomie als Ukrainische Volksrepublik im Bestand der Russischen Föderation und am 22. Januar 1918 die vollständige Unabhängigkeit der Ukraine aus. Der neuen Regierung stand jedoch eine pro-sowjetische Regierung gegenüber, die sich im Dezember 1917 in Charkow gebildet hatte und den Anschluss des Landes an die Russische Sowjetrepublik verfolgte. Als Ende Januar 1918 die Rotgardisten kurz vor der Einnahme Kiews standen, fuhr eine ukrainische Delegation zu Verhandlungen nach Brest-Litowsk und schloss am 9. Februar 1918 einen Separatfrieden mit den Mittelmächten. Der Friedensvertrag beinhaltete die Anerkennung der Selbständigkeit der Ukraine unter dem Schutz deutscher und österreichischer Truppen. Im Gegenzug sollte Deutschland umfangreiche Getreidelieferungen erhalten. Mit Unterstützung deutscher und österreichischer Einheiten konnte die Ukraine im April 1918 von den Bolschewisten befreit werden und die Macht wurde erneut der Zentral-Rada übergeben, die jedoch nicht mehr lange bestand, weil die Macht im Land vom sog. "Hetmanat" übernommen wurde. Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 mussten die Truppen der Mittelmächte auch die Ukraine räumen und die „Herrschaft der Kosaken“ wurde schon Ende 1918 gestürzt. Es bildete sich ein kurzlebiges sog. Direktorium, das der Entente nahestand. Die meisten deutschen Truppen verließen von Dezember 1918 bis Januar 1919 das Land, das nun praktisch ohne Schutz war. Im Januar 1919 zogen die Roten Garden in Kiew ein und proklamierten die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik. Ende 1922 hörte die eigenständige Ukraine auf zu bestehen und wurde Teil der Sowjetunion. Wegen Kleingeldmangels wurde 1918 zuerst Briefmarkengeld ausgegeben. Es folgten staatliche Kreditscheine, die von der Reichsdruckerei in Berlin gedruckt worden waren. Siehe auch: Die deutsche Besetzung der Ukraine im Ersten Weltkrieg von März bis Dezember 1918 https://www.geldscheine-online.com/post/die-deutsche-besetzung-der-ukraine-im-ersten-weltkrieg-von-m%C3%A4rz-bis-dezember-1918 Ukraine: 30 Jahre Unabhängigkeit https://www.geldscheine-online.com/post/ukraine-30-jahre-unabh%C3%A4ngigkeit Ukraine: 30 Jahre Unabhängigkeit – Die Gedenkbanknoten unter UV-Licht https://www.geldscheine-online.com/post/ukraine-30-jahre-unabh%C3%A4ngigkeit-die-gedenkbanknoten-unter-uv-licht Neue Galerie im Museum: Noten der Nationalbank der Ukraine https://www.geldscheine-online.com/ukraine Land/Region/Ort: Ukrainische Volksrepublik, Kiew Emittent: Ukrainischer Staat, Staatliche Kreditscheine Nominal: 500 Griwen Datierung: 1918 Umlauf: ab 17. Oktober 1918 Vorderseite: Kopf der Demeter (Ceres) in der Mitte sowie dem ukrainischen Dreizack links in einem Getreide- und rechts in einem Blumenkranz. Rückseite: Mitte und in den Ecken Dreizack (ukrainisches Wappen). Wasserzeichen: Kreuz-Ringel-Muster Format: 185 x 120 mm Material: Papier Nummerierung: A • 2448518 Authentizität: Original Zitate: UKR-23 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) UA 9 (Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Lexikon: Deutsche Reichsbank

    Die dezentralisierte Notenbankentwicklung Deutschlands bis 1871 war die natürliche Folge der politischen Zersplitterung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation sowie des Deutschen Bunds. Nach der Reichsgründung beschritt man den direkten Weg zur zentralen Notenbank. Die Preußische Bank, die bereits im größten deutschen Land die Rolle einer Zentralnotenbank übernommen hatte (in Preußen gab es daneben noch weitere Notenbanken), kam wohl als einzige bestehende Bank für diese Aufgabe in Frage. Gebäude der ehemaligen Deutschen Reichsbank in der Jägerstraße in Berlin, Holzschnitt nach 1873. So wurde auch die Organisation der Preußischen Bank in ihren Grundzügen von der am 1. Januar 1876 gegründeten und von dem bisherigen Präsidenten der Preußischen Bank, Hermann von Dechend geleiteten Deutschen Reichsbank übernommen. Neben den von der Reichsbank ausgegebenen Reichsbanknoten zirkulierten Reichskassenscheine (später auch Darlehnskassenscheine) der Reichsschuldenverwaltung sowie zahlreiche Noten der verschiedenen Privatnotenbanken. Die erste Reichsbanknote: 100 Mark vom 1. Januar 1876 (in Umlauf ab August 1876) übernahm das Klischee von der 100-Mark-Note der Preussischen Haupt-Bank vom 1. Mai 1874. Vorder- und Rückseite. Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 50 Mark vom 23. Juli 1920, Vorder- und Rückseite. Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 5 Billionen Mark vom 7. November 1923, Vorderseite, Druck einseitig. Den Währungsverfall des Jahres 1923 überstand die Reichsbank mit Hilfe der Deutschen Rentenbank; sie erlebte 1924 ihre Wiedereinsetzung als zentrales Noteninstitut (Bankgesetz vom 30. August 1924). Als die Notenrechte der vier letzten großen Ländernotenbanken von Baden, Bayern, Sachsen und Württemberg mit Wirkung zum 31. Dezember 1935 erloschen, war sie die einzige Notenbank Deutschlands. Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 10 Reichsmark vom 11. Oktober 1924, Vorder- und Rückseite. Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 10 0Reichsmark vom 24. Juni 1935 (Kriegsdruck 1941/42), Vorder- und Rückseite. Mit dem Ruin der deutschen Währung nach dem Zweiten Weltkrieg sowie dem Zerfall des Deutschen Reichs und der Aufteilung Restdeutschlands in vier Besatzungszonen verlor die Reichsbank praktisch ihre Funktion als zentrale Notenbank. Lediglich in der britischen Zone existierte sie noch als sog. "Reichsbankleitstelle" in Hamburg. In der Behandlung der Währungs- und Bankfragen vertraten die vier Besatzungsmächte unterschiedliche Standpunkte. Während die US-Amerikaner eindeutig die Dezentralisation förderten, wollten die Briten die Beibehaltung der Reichsbank-Organisation. Die Franzosen behielten zunächst auch die Reichsbank-Organisation bei, schlossen sich aber später dem Standpunkt der USA an und errichteten am 1. März 1947 in den drei Ländern ihrer Besatzungszone (Baden, Rheinland/Pfalz und Württemberg-Hohenzollern) je eine Landeszentralbank. In der sowjetischen Besatzungszone wurden die ehemaligen Reichsbankstellen von neu gegründeten Banken (so von der Sächsischen Landesbank, später von den Emissions- und Girobanken) übernommen. In den drei Westzonen akzeptierte man schließlich den US-amerikanischen Plan, so dass Anfang 1948 in den elf Ländern Westdeutschlands elf Landeszentralbanken existierten. Den vorläufigen Abschluss dieser Entwicklung brachte die Gründung der Bank deutscher Länder am 1. März 1948, die als Koordinierungsinstitut mit Bankfunktion eingesetzt wurde. Die Reichsbank besaß eine große Papiergeldsammlung. Ein Teil dieser Sammlung ging 1945 durch Kriegseinwirkung verloren, der Rest ist jetzt im Besitz des Münzkabinetts Berlin innerhalb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-183-3 Auflage: 22. Auflage 2020 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 928 Preis: 39,90 EUR

  • Lexikon: Deutsche Reichspost

    Ähnlich wie bei der Deutschen Reichsbahn und ihren Direktionen, so haben auch das Reichspostministerium und einige Oberpostdirektionen nach dem Ersten Weltkrieg eigenes Notgeld ausgegeben, das jedoch längst nicht so große Bedeutung erlangte wie das der Reichsbahn. Siehe auch: https://www.geldscheine-online.com/post/lexikon-deutsche-reichsbahn Deutsche Reichspost: Reichspostministerium, Abteilung München: Gutschein über 10 Millionen Mark vom 22. August 1923 auf Überweisungsformular, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Deutsche Reichspost: Reichspostministerium, Abteilung München: Gutschein über 1,05 Mark Gold = 1/4 Dollar vom 8. November 1923, Vorder- und Rückseite, Sammlung Grabowski. Deutsche Reichspost: Oberpostdirektion Halle (Saale), Gutschein über 20 Milliarden Mark vom 27. Oktober 1923, Vorderseite, Druck einseitig, Sammlung Grabowski. Auch hier wurden fast ausschließlich Inflationsausgaben bis hinauf zu Billionen-Werten hergestellt. Lediglich des Reichspostministerium Abteilung München gab 1923/24 auch wertbeständiges Notgeld aus. Einige Ausgaben wurden auf Post-Zahlungsanweisungen und Überweisungsformularen gedruckt und sind damit als "Notgeld besonderer Art" anzusehen. Folgende Ausgabestellen wurde bis heute bekannt: Reichspostministerium, Abteilung München Oberpostdirektion Berlin Oberpostdirektion Chemnitz Oberpostdirektion Dresden-A. (Altstadt) Oberpostkasse Dresden-A. (Altstadt) Oberpostdirektion Halle (Saale) Oberpostdirektion Hamburg Oberpostdirektion Leipzig Oberpostdirektion Magdeburg Oberpostdirektion Nürnberg Oberpostdirektion Stettin Oberpostdirektion Stuttgart Deutsche Postgewerkschaft: Hauptvorstand München, Gutschein über 1000 Mark vom 1. August 1923, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Daneben kam es zu Ausgaben untergeordneter Dienststellen der Reichspost wie z. B. durch Postämter, Postscheckämter, Telegraphen-Ämter und Kantinen sowie zu einer Ausgabe der Deutschen Postgewerkschaft als der Reichspost nahestehende Organisation. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Literaturempfehlung: Sämtliche Ausgaben der Deutschen Reichsbahn sowie nicht der Reichsbahn unterstellter deutscher Eisenbahngesellschaften, der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner und Staatsbediensteter sowie der Deutschen Reichspost finden Sie hier: Anton Geiger / Manfred Müller / Hans-Ludwig Grabowski: Das Papiergeld der deutschen Eisenbahnen und der Reichspost Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-580-0 Auflage: 2. Auflage 2016 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 344 Preis: 39,90 EUR

  • Das Kölner Provisorium

    Am 11. Januar 1923 begannen belgische und französische Truppen das Ruhrgebiet zu besetzen. Die Besatzer riegelten das Rheinland und das besetzte Ruhrgebiet vom übrigen Reichsgebiet vollkommen ab. Auch die Geldversorgung der Reichsbank wurde dadurch nicht nur behindert, sondern in vielen Fällen unmöglich. So ließ die Reichsbank im besetzten Gebiet verstärkt von verschiedenen Druckereien Reichsbanknoten drucken. Französische Besatzungssoldaten bedrohen einen alten deutschen Mann. Die Unternehmen J. P. Bachem, Köln (Firmenzeichen: BK), A. Bagel, Düsseldorf (Firmenzeichen: DB) und M. DuMont Schauberg, Köln (Firmenzeichen: DK) waren z. B. an der Herstellung der 20.000-Mark-Reichsbanknote vom 20. Februar 1923 mit dem Wasserzeichen Ringe beteiligt. Abb. 1.1: Reichsbank, 20. Februar 1923, 20.000 Mark, Wasserzeichen: Ringe, Firmenzeichen: DB, Vorderseite. Abb. 1.2: Reichsbank, 20. Februar 1923, 20.000 Mark, Wasserzeichen: Ringe, Firmenzeichen: DB, Rückseite. Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871, 22. Überarbeitete und erweitere Auflage 2020/21, Regenstauf 2020, S. 86, Kat.-Nr.: DEU-95f. Mitte Juli 1923 beschleunigte sich der Wertverlust der Mark erheblich, sodass unter dem Datum des 25. Juli 1923 eine Anzahl neuer Banknoten (100.000 Mark bis 50 Millionen Mark) emittiert wurden, darunter eine Note zu einer Million Mark, die auffallend dem 20.000-Mark-Nominal ähnelt, auch sie auf Wasserzeichenpapier „Ringe“ gedruckt und ebenfalls 160 mm x 95 mm groß. Abb. 2.1: Reichsbank, 25. Juli 1923, 1.000.000 Mark, Wasserzeichen: Ringe, Firmenzeichen: BK, Vorderseite. Abb. 2.2: Reichsbank, 25. Juli 1923, 1.000.000 Mark, Wasserzeichen: Ringe, Firmenzeichen: BK, Rückseite. Abb. 3.1: Reichsbank, 25. Juli 1923, 1.000.000 Mark, Wasserzeichen: Ringe, Firmenzeichen: DB, Vorderseite. Abb. 3.2: Reichsbank, 25. Juli 1923, 1.000.000 Mark, Wasserzeichen: Ringe, Firmenzeichen: DB, Rückseite. Abb. 4.1: Reichsbank, 25. Juli 1923, 1.000.000 Mark, Wasserzeichen: Ringe, Firmenzeichen: DK, Vorderseite. Abb. 4.2: Reichsbank, 25. Juli 1923, 1.000.000 Mark, Wasserzeichen: Ringe, Firmenzeichen: DK, Rückseite. Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, 22. Überarbeitete und erweitere Auflage 2020/21, Regenstauf 2020, S. 92, Kat.-Nr.: DEU-105. Diese Banknote wurde mit umgeänderten Platten des 20.000-Mark-Scheins von den bereits oben genannten drei rheinischen Druckereien gedruckt. Sie wurden früher oftmals als Fehldruck bezeichnet, „weil auf dem Abschnitt am linken Rand noch die alte Wertziffer zu sehen ist. Aber von einem Fehldruck kann hier keine Rede sein; die Not zwang eben dazu, die alte Platte schnellstens umzuarbeiten und diese Änderung sollte weder, noch konnte sie bemäntelt werden. Viel auffälliger als das Vorhandensein der ursprünglichen Wertleiste ist die mit der Hand vorgenommene unbeholfene Änderung der Wertziffer auf der Rückseite, [deutlich zu erkennen an den unterschiedlich ovalen ‚Nullen‘. Auch die beiden Wertangaben in Buchstaben wirken wie nachträglich aufgeklebt. Anm. d. Verf.] die jeden Beschauer glauben lässt, eine ganz primitive Fälschung vor sich zu haben. Dass die Änderung der Wertleiste vergessen worden und sie erst nachträglich überdruckt worden sei, ist reine Phantasie.“[1] Die Ausführung fiel in den einzelnen Druckereien recht unterschiedlich aus: Gedruckt wurden die Noten in Bögen von 3 x 7 Scheinen nur in den drei Druckereien in Köln und Düsseldorf, daher auch die Bezeichnung „Kölner Provisorium“. Sie waren im ganzen Reich umlauffähig und die entsprechende Bekanntmachung des Reichsbankdirektoriums datiert vom 14. August 1923. Abb. 5: Bekanntmachung betreffend die Ausgabe von Reichsbanknoten zu 1 000 000.- Mark mit dem Datum vom 25. Juli 1923. IV. Ausgabe, Abb. Original-Scan. Bleibt noch anzumerken, dass die Reichsbank nach der Inflation auch diese Noten an Sammler abgab, entweder beidseitig oder nur auf der Vorderseite mit einem 82 mm großen roten Aufdruck „Muster“ versehen. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Dr. Arnold Keller, Das Papiergeld des Deutschen Reiches von 1874 bis 1945, 5. Auflage, Berlin-Wittenau 1956, S. 109.

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