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Geld als Kommunikationsmittel: Abstimmungsscheine

Aktualisiert: 3. März 2022

Auch wenn man einige in der letzten Folge gezeigten österreichischen Scheine auch als „Abstimmungsscheine“ bezeichnen könnte, so werden unter dem – bei Geldscheinsammlern bekannten – Begriff doch nur die deutschen Serienscheine zusammengefasst, die zu den im Frieden von Versailles und danach für verschiedene Gebiete des Deutschen Reichs (Nordschleswig, Oberschlesien sowie Teile West- und Ostpreußens) festgelegten Volksabstimmungen Bezug haben.


Rückseite eines Serienscheins der westpreußischen Stadt Marienburg über 25 Pfennig zur Volksabstimmung vom 11. Juli 1920 mit einer Menschenmenge vor der Stadt­silhouette und dem Spruch „Die Heimat rief – und alle-alle kamen!“ (Sammlung des Autors)


Vorder- und Rückseite eines Serienscheins der ostpreußischen Stadt Marggrabowa über 50 Pfennig zur Erinnerung an die Volksabstimmung vom 11. Juli 1920.

Rückseite mit preußischem Adler über der Stadt, patriotischen Texten und „Die Stadt stimmte nur deutsch!“. (Sammlung des Autors)


Serienscheine wurden damals schon zum Verkauf an Sammler hergestellt, nur wenige Ausgaben waren auch im Zahlungsverkehr. Die meis­ten „Abstimmungsscheine“ wurden deshalb auch z.B. „zur Erinnerung an die siegreiche Abstimmung“ hergestellt. Die Stadt Marggrabowa lag im Abstimmungsgebiet Allenstein/Masuren und hatte allen Grund, eine kleine Serie von Scheinen zur Erinnerung an die Abstimmung über die Zugehörigkeit zu Deutschland oder Polen vom 11. Juli 1920 auszugeben. Immerhin war sie im ganzen Reich bekannt geworden, weil 100% der Bevölkerung für Deutschland votierten. 1933 wurde sie deshalb in Treuburg umbenannt. Sich mit den Volksabstimmungen und Ergebnissen in den verschiedenen Regionen vollständig auseinanderzusetzen, würde den Rahmen dieser Dokumentation sprengen und ist auch nicht ihr Thema. Für jeden geschichtsinteressierten Sammler bietet sich hier jedoch ein überschaubares, informatives und erschwingliches Sammelgebiet.


Rückseite eines Serienscheins der Stadt Landsberg in Oberschlesien über 1 Mark vom 24. Mai 1921 mit einer Szene, in der deutsche Freikorps-Männer polnische Aufständische vertreiben. (Sammlung des Autors)


Im Zusammenhang mit der Volksabstimmung in Oberschlesien, das 1919 vom Rest Schlesiens abgetrennt, von alliierten Truppen besetzt und zum Abstimmungsgebiet erklärt worden war, gaben einige Städte auch Serienscheine zur Erinnerung an die Kämpfe gegen polnische Frei­scharen aus, die Oberschlesien trotz einer Mehrheit, die sich am 20. März 1921 für den Verbleib bei Deutschland entschieden hatte, mit Gewalt vom Reich abtrennen wollten. Während französische Truppen die Polen unterstützten, duldeten die Briten die Mobilisierung aufgelöster deutscher Freikorps, die die polnischen Insurgenten bezwingen konnten. Oberschlesien wurde dennoch geteilt und Polen erhielt das bedeutende oberschlesische Industriegebiet.


Hans-Ludwig Grabowski



Literaturempfehlung:


Hans-Ludwig Grabowski /

Wolfgang Haney (Hrsg.):

"Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck …"


Für politische Zwecke und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs


Titel: Battenberg Verlag

ISBN: 978-3-86646-122-2

Auflage: 1. Auflage 2015

Format: 17 x 24 cm

Abbildungen: durchgehend farbig

Cover-Typ: Hardcover

Seiten: 280

Preis: 29,90 Euro


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