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- Aus privaten Sammlungen: 100.000 Kronen der Oesterreichisch-ungarischen Bank von 1922
Der Österreichisch-ungarische Ausgleich führte 1878 zur Gründung der Oesterreichisch-ungarischen Bank, die zweisprachige Noten für die beiden gleichberechtigten Reichshälften ausgab. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zerfall der Doppelmonarchie operierte die Oesterreichisch-ungarische Bank vorerst weiterhin unter diesem Namen, sollte jedoch nach dem Vertrag von St. Germain bald aufgelöst werden. Die zunehmende Inflation schlug sich auch in den Notenausgaben der Bank nieder: 1922 stellte der 500.000-Kronen-Schein das Höchstnominal dar; auch waren Noten über 1 Mio. Kronen geplant, jedoch wurden sie nicht mehr in Umlauf gegeben. Nach diesen Inflationsausgaben wurde die Oesterreichisch-ungarische Bank liquidiert. Mit dem Nationalbankgesetz vom 4. November 1922 wurde die Nachfolgerin, die Oesterreichische Nationalbank, gegründet und nahm am 1. Januar 1923 ihre Tätigkeit auf. Neue Kronen-Noten gab die Bank ab 1924 aus; jedoch wurde bereits am 20. Dezember 1924 eine Währungsreform beschlossen: Der Schilling sollte ab 1. März 1925 die Krone ablösen – ein Schilling entsprach 10.000 Papierkronen. Als Übergang wurden am 11.5.1925 die alten 10.000-Kronen-Noten mit dem Datum "2. Jänner 1924" und dem Aufdruck "Ein Schilling" in roter Farbe in Umlauf gebracht; im weiteren Verlauf des Jahres gab die Oesterreichische Nationalbank die erste Banknotenserie der Schillingwährung aus. Aus der Sammlung Hans-Ludwig Grabowski: Republik Österreich, Oesterreichisch-ungarische Bank: Banknote über 100.000 Kronen vom 2. Januar 1922 Vorderseite: weibliche Figur im Medaillon mit zwei Füllhörnern; Legende und Ornamente. Rückseite: Wertangabe und Ornamente. Wasserzeichen: ohne Format: 196 mm x 132 mm Entwurf: Rudolf Junk und Hanns Schramm Druckerei: Druckerei für Wertpapiere, Wien Katalogreferenzen: AUT-81 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) A76 (Grabowski: Kleiner deutscher Papiergeldkatalog) Ri. 237 (Rudolf Richter: Papiergeld-Spezialkatalog Österreich 1759–2010) KK 173 (Kodnar/Künstner: Katalog der österreichischen Banknoten ab 1759) ANK 203 (Herinek: Austria Katalog Münzen und Banknoten) Kana Totsuka Hier noch ein Link zu Österreich-Ungarn im Museum: https://www.geldscheine-online.com/oesterreich-ungarn Hier noch ein Link zur Oesterreichischen Nationalbank im Museum: https://www.geldscheine-online.com/oesterreich
- Aus privaten Sammlungen: 50 Reichsmark des Reichsgaues Kärnten von 1945
Als am Ende des Zweiten Weltkriegs die Versorgung mit Reichsbanknoten kriegsbedingt zum Erliegen kam, gab man in Kärnten zunächst Reichskreditkassenscheine aus. Es folgte eine Notausgabe des Reichsstatthalters in Kärnten (Gauselbstverwaltung), Rainer, die durch Guthaben des Reichsgaues bei der Deutschen Reichsbank gedeckt war. Die Scheine sollten in allen Gebieten Kärntens sowie in den besetzten Gebieten Kärntens und des Krain (heutiges Slowenien) gültig sein. Sie wurden wahrscheinlich im Gesamtwert von 1 Million Reichsmark ausgegeben und waren von Mitte April bis zum 8. Juni 1945 im Umlauf. Der Druck erfolgte bei der Druckerei Kleinmayr oder auch Carinthia in Klagenfurt. Ursprünglich sollten auch Werte zu 5, 10 und 100 RM hergestellt werden. Aus der Sammlung Hans-Ludwig Grabowski: Großdeutsches Reich, Reichsgau Kärnten, Reichsstatthalter (Gauselbstverwaltung): Notgeld zu 50 Reichsmark vom 15. April 1945 Vorderseite: Text und Wappen in einem Rankenrahmen Rückseite: Druck einseitig Wasserzeichen: ohne Format: 155 mm x 85 mm Druckerei: Druckerei Kleinmayr oder Carinthia, Klagenfurt Auflage: 320.000 Stück = 16 Millionen Reichsmark (wahrscheinlich nur 20.000 Stück = 1 Million RM ausgegeben) Umlauf: 04/1945 – 8. Juni 1945 Katalogreferenzen: DEU-263 (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) R 7 (Richter: Papiergeld-Spezialkatalog Österreich) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com
- Aus privaten Sammlungen: 5 Piaster der "Georgischen Legion" in Samsun 1915/1916
Die „Georgische Legion“ wurde 1915 im Auftrag des Deutschen Oberkommandos durch den Diplomaten, Offizier und ehemaligen Konsul in Tiflis, Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, aus rund 1.500 georgischen Kriegsgefangenen der türkischen Streitkräfte in Samsun am Schwarzen Meer im damals verbündeten Osmanischen Reich als Hilfstruppe zusammengestellt und von deutschen Ausbildern betreut. Unterstützt wurde er dabei durch das Komitee für die Unabhängigkeit Georgiens. Erster Kommandeur war der deutsche Leutnant Horst Schliephack. Im Krieg zwischen Russland und dem Osmanischen Reich war die Legion im Gebirge östlich Tirebolu am Schwarzen Meer stationiert. Während die Deutsche Reichsregierung die Legion ausschließlich im Falle einer antirussischen Revolution in Georgien einsetzen wollte, verlangten die Türken auch deren Einsatz als Freiwilligen-Verband im Krieg. Die Legion war deshalb kaum in Kampfhandlungen eingebunden. Im Januar 1917 wurde sie wegen Spannungen zwischen den Türken und dem Komitee für die Unabhängigkeit Georgiens aufgelöst. Die georgischen Offiziere der Legion bildeten später den Kern der Nationalarmee der von 1918 bis 1921 bestehenden Demokratischen Republik Georgien. Unterschrieben wurden alle Scheine von Hans Külzer (ohne und mit verschiedenen Dienstgraden). Aus der Sammlung Hans-Ludwig Grabowski: Osmanisches Reich, "Georgische Legion" in Samsun: 5 Piaster ohne Datum (1916) Vorderseite: Links bekrönter Reichsadler, schwarzer Text auf Ornament-Unterdruck, Handunterschrift ohne Dienstgrad, handschriftliche Kontrollnummer "57". Rückseite: Druck einseitig Wasserzeichen: Mit oder ohne Firmen-Wasserzeichen Format: 87 mm x 65 mm Umlauf: 1916 – Januar 1917 Katalogreferenzen: EWK-102a (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) SCWPM (Nicht im Katalog!) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com
- Geldscheine und Musik: Rakoto Frah
Jahrzehntelang zierte ein namentlich nicht genannter Flötist die malagassischen Banknoten über 1000 Francs = 200 Ariary: Philibert Rabezona (1923–29.9.2001), besser bekannt als Rakoto Frah. Frah wurde in einem Vorort der Hauptstadt Antananarivo geboren und begann im Alter von sieben Jahren, die Sodina-Flöte zu spielen – eine der ältesten traditionellen Instrumente Madagaskars. Bereits in seinen jungen Jahren trat er öffentlich auf und gewann Wettbewerbe. Nach seiner Darbietung vor Charles de Gaulle bei dessen Besuch in Madagaskar 1958 konnte sich Rakoto Frah nun endgültig hautberuflich der Musik widmen. Als einer der Ersten spielte er traditionelle Musik Madagaskars im Ausland: Er gab Konzerte u.a. in den USA, in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Indien, China, Japan und Australien. Nach dem Sturz des ersten Präsidenten im unabhängigen Madagaskar, Philibert Tsiranana, im Jahr 1972 kam Frah, der eine gewisse Nähe zu Tsiranana pflegte, kurzzeitig in Verruf. Bei seinem Tod am 29. September 2001 hinterließ der Künstler, der auch mit zahlreichen Jazzmusikern zusammengearbeitet hatte, mehrere Alben und mehr als 800 Lieder und Stücke. Republik Madagaskar, Banky Foiben'i Madagasikara: 1000 Francs = 200 Ariary o.D. (1983 eingeführt) Vorderseite: Porträt des Rakoto Frah mit Sodina. Rückseite: Pflanzen. Wasserzeichen: Zebukopf. Druckerei: De La Rue Format: 142 mm x 76 mm Katalogreferenzen: MDG-68a (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. III - Modern Issues) Kana Totsuka Abb. Sammlung Josef Gerber Hier geht es zu unserer Galerie zum Thema Banknoten und Musik
- Geldscheine und Musik: Aram Chatschaturjan
Der sowjetisch-armenische Komponist Aram Chatschaturjan (6.6.1903–1.5.1978) war neben Prokofjew und Schostakowitsch einer der wichtigsten Komponisten der Sowjetunion der 1930er bis 1950er Jahre; die Nationalhymne der Armenischen SSR stammte aus seiner Feder. Eine Sensation gelang ihm mit dem weltweit in unzähligen Filmen und Werbungen rezipierten "Säbeltanz" aus seinem Ballett Gayane (1942) – auch wenn er selbst dieses Werk nicht sonderlich mochte. Auch eröffnete die Verwendung des "Adagio" aus demselben Ballett in Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum für ein breiteres Publikum den Zugang zu Chatschaturjans Musik, die sich durch eine direkte, höchst emotionale Tonsprache auszeichnet. In Tiflis als Sohn eines Buchbinders geboren, begann Chatschaturjan 1922 in Moskau ein Biologiestudium, ging jedoch nach wenigen Monaten an das renommierte Gnessin-Institut, wo er zunächst Cello studierte und bald in die Kompositionsklasse wechselte. 1929 setzte er sein Studium am Moskauer Konservatorium fort. Mit seinem ersten großen Werk, der 1. Sinfonie (1934), sowie weiteren Kompositionen, wie dem Klavierkonzert (1936) und dem Violinkonzert (1940), das er für David Oistrach schrieb, erlangte er auch international große Anerkennung. Ab 1951 war er als Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium sowie am Gnessin-Institut tätig. 1948 wurde Chatschaturjan vom Zentralkomitee der KPdSU als "formalistisch" diffamiert und erst nach dem Tod Stalins rehabilitiert. Mit seinem Ballett Spartakus (Uraufführung 1956), das insbesondere in der Choreographie von Jurij Grigorowitsch (1968) Weltberühmtheit erlangte, konnte Chatschaturjan wieder großen Erfolg feiern und wurde in seinen weiteren Lebensjahren mit verschiedenen Orden und Auszeichnungen beliehen. Er starb am 1. Mai 1978 in Moskau. Republik Armenien, Zentralbank der Republik Armenien: Banknote zu 50 Dram von 1998 Vorderseite: Links Porträt des Chatschaturjan, rechts Gebäude des Opern- und Ballett-Theaters der armenischen Hauptstadt Eriwan. Rückseite: Stilisierte Szene aus Chatschaturjans Ballett Gayane und Auszug aus der Partitur vor dem Berg Ararat. Wasserzeichen: Wappen Druckerei: Thomas De La Rue, London. Format: 122 mm x 65 mm Katalogreferenzen: ARM-41 (Standard Catalog of World Paper Money – Vol. III: Modern Issues) Diesen und andere Geldscheine aus der Motivwelt der Musik finden Sie in unserem virtuellen Museum. Kana Totsuka Abb. Josef Gerber
- Menschen zwischen Hoffnung und Angst
Zbigniew Kawka: Menschen zwischen Hoffnung und Angst – Feldpost 1939–1945 319 Seiten, farbig und schwarzweiß bebildert, Format 15,7 x 24 cm, Festeinband, Koło (Polen) 2020, Eigenverlag, Preis: 24,90 Euro, ISBN: 978-83-959080-0-2. Sammler und ihre Sammelobjekte sind nicht aus der Zeit gefallen! Wer z.B. historische Geldzeichen sammelt, der interessiert sich in aller Regel auch für die Geschichte, aus der sie hervorgingen. Wer sich für Geschichte interessiert, insbesondere die jüngere und den Zweiten Weltkrieg, dem stehen eine Vielzahl von Fachbüchern zur Verfügung, in denen diese – meist von Historikern – aus der Sicht der besserwisserischen Nachwelt in der einen oder anderen – zumeist aber immer gleichen – Art und Weise, zeitgemäß und politisch korrekt passgerecht gemacht, interpretiert wird. Wer wirklich mehr wissen will über die Realität des Krieges, der muss die Soldaten selbst zu Wort kommen lassen, der kann sich mit dem Lesen ihrer Briefe aus dem Feld auf eine Zeitreise begeben und viel mehr über eine schreckliche Zeit und den schrecklichsten aller Kriege erfahren, als es trockene und emotionslose Geschichtsbücher je vermitteln könnten. Zbigniew Kawka war seit den 1990er Jahren als Geschäftsmann tätig und ist seit langem begeistert von Geschichte. Er ist Enthusiast des Zweiten Weltkriegs und langjähriger Sammler von Zeugnissen dieser Zeit, wie z.B. Urkunden, Briefe und Fotos. Seit 2015 widmet er sich ausschließlich seiner historischen Leidenschaft. Eines seiner wichtigsten Sammelgebiete sind Feldpostbriefe aus dem Zweiten Weltkrieg, von denen er inzwischen über 25.000 in seiner Sammlung für die Nachwelt bewahrt. Kawka stellt mit dem deutschsprachigen Buch seinen Lesern aus dieser gewaltigen Sammlung eine faszinierende Auswahl von Feldpost-Zitaten deutscher Soldaten zur Verfügung, deren Transkription er zusammen mit Abbildungen verschiedener Briefe und Fotos – meist von Soldatengräbern, Feldbegräbnissen und Gefallenen – in verschiedenen Kapiteln präsentiert: Ostfront – Der Friedhof deutscher Soldaten (Teil 1: Bis zur Schlacht von Stalingrad, Teil 2: Nach der Schlacht von Stalingrad) West- und Südfront – Ein anderes Gesicht des Krieges Luftangriffe: Feuer vom Himmel Partisanen und Deserteure: Außerhalb des Schlachtfeldes Todesbenachrichtigungen: Gute Miene zum bösen Spiel Überlegungen zum Krieg: Mut, Sehnsucht und eine unsichere Zukunft "Herzliche Grüße. Deine Mutter": Geschichten von zwei Familien Rückbriefe und Todesanzeigen Zitat aus dem Klappentext: Wir hier an der Front sind allesamt darüber einig, dass der Krieg gewonnen werden muss. Denn sonst würden wir unsere Heimat, Eltern, Geschwister und Bräute niemals wiedersehen. Gerade ihr junge Mädchen würdet das Schlimmste zu ertragen und erdulden haben. […] Aber solange der deutsche Soldat noch atmet und eine Waffe tragen kann, wird es unseren Feinden niemals gelingen, in unsere alte Heimat einzubrechen. Kawkas Auswahl von Abschnitten aus der Feldpost-Korrespondenz seiner Sammlung vermittelt nicht nur einen authentischen Einblick in das Leben und Sterben deutscher Soldaten an allen Fronten des Zweiten Weltkriegs, insbesondere an der Ostfront, sondern, wie der Titel schon deutlich macht, auch eine fesselnde Teilhabe an den Hoffnungen und Ängsten der Menschen. Aus eigener Erfahrung – ich sammle neben historischen und modernen Geldscheinen auch anderen zeitgeschichtliche Belege wie Fotos, Dokumente und Feldpost aus beiden Weltkriegen – kann ich bestätigen, dass die Transkription historischer Feldpost nicht immer ganz einfach ist. Die Soldaten haben ihre Briefe sehr oft unter schwierigsten Bedingungen geschrieben, in Schützengräben, verdunkelten Unterständen, im eisigen russischen Winter mit kleinen Bleistiftstummeln und unter feindlichem Beschuss und körperlichem und seelischem Leid. Ist das Lesen von Sütterlin heute schon für die meisten Menschen kaum noch in Schönschrift möglich, so wird dies durch die kriegsbedingt weniger sorgfältige Schreibweise noch deutlich erschwert. Es ist dem polnischen Sammler und Herausgeber hoch anzurechnen, dass er nicht nur eine vorurteilsfreie Auswahl getroffen, sondern auch eine bestmögliche Transkription der Feldpost vorgenommen hat. Wie Kawka selbst in seinem Vorwort anmerkt, sind einige der verwendeten Fotos von schlechter Qualität. Er hat sie dennoch veröffentlicht, weil sie mit den gezeigten Soldatengräbern oft nur noch die einzige Spur zu den Gefallenen sind. Man hätte sich allerdings gewünscht, dass die Fotos größer abgebildet worden wären. Das Buch dient im besten Sinne des Wortes dazu, die grausame Realität des Zweiten Weltkriegs besser zu verstehen und die Gefühlswelt unserer Eltern und Großeltern für die Menschen von heute nachempfindbar zu machen. Bestellt werden kann das Buch über die Internetseite www.zkawka.de. Hans-Ludwig Grabowski
- Usbekistan: Neue 5000- und 10.000-Soʻm-Noten
Am 20. August 2021 brachte die Nationalbank der Republik Usbekistan neue Noten zu 5000 und 10.000 Soʻm in Umlauf. Die 5000-Soʻm-Note zeigt auf der Vorderseite die Sher-Dor-Madrasa in Samarkand aus dem 17. Jahrhundert sowie eine Umrisskarte von Usbekistan; auf der Rückseite sind die Ausgrabungsstätte von Afrasiab – dem Vorläuferort von Samarkand – und dort gefundene Keramik-Artefakte aus dem 10. Jahrhundert abgebildet. Auf der Vorderseite des 10.000-Soʻm-Scheins ist hingegen die Kukeldasch-Madrasi in Taschkent aus den 1570er Jahren zu sehen; die Rückseite zeigt Schoschtepa, die Vorgängersiedlung Taschkents, sowie örtliche Keramiken. Beide Banknoten tragen auf der Rückseite die Jahresangabe "2021". Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Leserpost: Notgeld von Hörde
Als langjähriger Sammler (über 50 Jahre) und Händler (30 Jahre) löse ich zur Zeit meine Sammlung auf. Dabei bin ich auf den Notgeldschein Serie Hörde 615.1 gestoßen, in Ihrem Katalog abgebildet mit der Nummer "70532". Die gleiche Nummer liegt mir vor! Haben sie den gleichen Schein, oder sind die Fotos aus älterem Bestand. Ich weiß nur noch, dass ich den Schein in den 1990er Jahren in Hannover auf der Messe gekauft habe. Eventuell können sie Licht in die Sache bringen. Im Voraus besten Dank! E. Cohn Gra./Me. 615.1: Hörde in Westfalen, F. Cuppring, Scherzschein über 50 Pfennig vom 1. Oktober 1921, ohne Wasserzeichen, Vorder- und Rückseite. Antwort der Redaktion Da es sich um keinen echten Notgeldschein, ja nicht einmal um einen durchnummerierten Serienschein, sondern lediglich um einen privaten Scherzschein handelt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass man bei dessen Herstellung auf den Einsatz von Nummerier-Werken verzichtet hat und offensichtlich alle Scheine mit der gleichen Nummer druckte, um den Aufwand gering zu halten. Der Charakter als Scherzschein geht auch aus dem Text auf der Vorder- und Rückseite hervor! Die Abbildungsvorlage für den Katalog (siehe Abb.) habe ich 2003 bei der Cortrie-Auktion in Hamburg gescannt. Hans-Ludwig Grabowski
- 10-Pfennig-Schein der Lüderitzbuchter Zeitung
Wer sich mit den privaten Gutschein-Ausgaben aus der Zeit des Ersten Weltkriegs in Deutsch- Südwestafrika beschäftigt, hat ihn sicher schon einmal gesehen: Den 10-Pfennig-Gutschein der Lüderitzbuchter Zeitung Ges. m. b. H. Die denkbar einfach gestalteten Gutscheine, so klein wie eine Briefmarke, gehören zu den wenigen privaten Ausgaben, die hin und wieder einmal im Handel auftauchen. Ich habe mir oft Gedanken zu den kleinen Scheinen gemacht. Die meisten dieser Gutscheine sind dreiseitig gezähnt, manchmal kommen aber auch zweiseitig gezähnte Eckstücke vor. Diese Ausführung lässt darauf schließen, dass die Gutscheine ich Heftchen-Blätter gedruckt wurden. Eine auch von Briefmarken bekannte Ausgabeform. Eine Frage, die ich mir immer wieder gestellt habe: Warum gab es nur eine Wertstufe zu 10 Pfennig? Für diesen Betrag konnte man in Lüderitzbucht nicht sonderlich viel erwerben, eine einfache Flasche Bier kostete bereits 1 Mark und selbst eine (Friedens-) Ausgabe der Lüderitzbuchter Zeitung musste mit 30 Pfennig bezahlt werden. Also warum diese kleine Wertstufe? An sich war die Wertstufe als Wechselgeld nichts Ungewöhnliches, auch andere Handelsunternehmen gaben Scheine über 10 Pfennig heraus, aber eben nicht ausschließlich, iImmer gab es auch höhere Wertstufen. Oft schaute ich mir die kleinen Scheine an und suchte nach einer Erklärung. Lange Zeit konnte ich keine finden. Bis 2015! Bei einem Besuch in Lüderitz im heutige Namibia suchte ich, wie ich es immer versuche, Kontakt zum dortigen Heimatmuseum herzustellen. Aufgrund der knappen Besuchszeit im Urlaub nicht immer einfach, zudem hatte das Museum in Lüderitz keine Internetpräsenz. Eine Vorankündigung war also nicht möglich. Bei meinem dreitägingen Aufenthalt in Lüderitz wohnte ich im Gästehaus der Familie Hälbich. Herr Hälbich entstammt aus einer Einwanderer-Familie die bereits 1863 als eine der Ersten aus Deutschland nach Südwest kamen. Die Familie betrieb ein Handelshaus in Karibib, stellte dort einige Jahre den Bürgermeister und hatte auch sonst großen Einfluss im Schutzgebiet gehabt. Nach langen Gesprächen über seine Jugenderinnerungen, Herr Hälbich war zum Zeitpunkt meines Besuches bereits weit über 80 Jahre alt, wurde er auf meine Frage nach dem örtlichen Heimatmuseum zum Türöffner für mich. Ein Telefonat später hatte ich eine Besuchserlaubniss für das Archiv des Museums. Welches Glück das für mich bedeutete, erfuhr ich erst später. Doch nun noch einmal zurück zur Lüderitzbuchter Zeitung. Die Zeitungsredaktion und wohl auch die Druckerei waren in der Schinzstraße 1 im damaligen Lüderitzbucht angesiedelt. Die Zeitung wurde 1909 zur Wahrnehmung der Interessen der Diamanten-Gesellschaften und Schürfer gegründet. Sie erschien jeden Freitag und kostete 30 Pfennig. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Gesundheitszentrum mit verschiedenen Fachrichtungen. Wir würden sagen ein Ärztehaus. Ansonsten scheint das Gebäude noch im ursprünglichen architektonischen Zustand zu sein. Ich hatte mir vorgenommen, bei meinem Besuch im Archiv die Dokumente und insbesondere die Zeitungen, eben diese Lüderitzbuchter Zeitung aus der Schinzstraße, nach Hinweisen zu den bekannten Gutscheinen zu durchsuchen. Besonders interessant waren hier natürlich die Ausgaben aus den Kriegsjahren 1914 bis 1918. Erfahrungsgemäß waren Zeitungen für so etwas besonders erfolgversprechend, da sie das Tagesgeschehen in Wort und Bild festhielten. Als der Termin des Besuches näher rückte, machte ich mich auf zum Museum. Dort angekommen, wurde ich freundlich von der ehrenamtlichen Kuratorin Empfangen. Man wies mir einen Stuhl und Tisch im ca. 25qm großen Archivraum zu. Eine kurze Einweisung, was wo zu finden war, und ich war alleine im Raum. Also begann ich gebundene Akten zu sichten und alles, was mir interessant erschien, wurde fotografiert, um es später genauer auf interessante Inhalte zu untersuchen. Die Zeit war knapp. Da das Museum nur halbtags geöffnet hatte und schon einige Zeit verstrichen war, blieben mir nur drei Stunden. Also ging es recht bald an die Ausgaben der Lüderitzer Zeitung. 1914, der fünfte Jahrgang der Zeitung war der erste, den ich unter die Lupe nahm. Ich muss schon sagen, es ist enorm spannend in alten Zeitungen zu lesen, man fühlt sich unmittelbar mit den Nöten, aber auch den Freuden, der Menschen jener Zeit verbunden. Langsam näherte ich mich mit meinen Recherchen den Zeitungsausgaben aus dem September 1914. Der Leser wird jetzt fragen: Warum ist der September 1914 so Interessant? Lüderitzbucht lag im äußersten Südwesten von Südwestafrika, in unmittelbarer Nähe vom britischen Atlantikhafen Walfishbay. Es war naheliegend, dass die Südafrikanischen Unionstruppen mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs von dort aus das Schutzgebiet angrreifen würden. Nach den ersten Schüssen in dem kleinen Grenzort Ramansdrift am Grenzfluss Oranje war Lüderitzbucht die erste Stadt, die im September 1914 von den Unionstruppen angegriffen und kurze Zeit später auch besetzt wurde. Das hatte natürlich Folgen für die zurückgebliebene deutsche Bevölkerung. Alle Ausgaben der Lüderitzbuchter Zeitung waren oben links mit einem blauen Kopierstift durchnummeriert. Als ich zum Ausgabedatum 13.09.1914 kam, stand dort wieder eine 1! Für die Zeitung begann an diesem Tag also eine neue Zeitrechnung. Die Zeitung nannte sich nun „Lüderitzbuchter Zeitung – Kriegsnachrichten des Reuter Büros“. Am spannendsten aber war: Der Preis betrug nun 10 Pfennig je Ausgabe! Nun wurde mir alles klar. Nach der südafrikanischen Besetzung von Lüderitzbucht erschien die Zeitung ab dem 13. September 1914 in einer täglich erscheinenden Kriegsausgabe. Der Informationsgehalt wurde nun weitgehend von den Besatzern bestimmt und bestand hauptsächlich aus Kriegsmeldungen des britischen Reuter-Büros. Durch den jetzt nur noch einseitigen Umfang der Zeitung, sank der Preis von 30 auf 10 Pfennig je Ausgabe. Genau der Wert eines der Gutscheine der Zeitung. Da durch die südafrikanische Besetzung der Kolonie der Münznachschub aus dem Deutschen Reich fehlte und die Besatzer nicht für ausreichenden Ersatz sorgen konnten, mangelte es in Lüderitz, wie im Rest des Schutzgebietes auch, an allen Ecken und Enden an Klein- und Wechselgeld. So kam es, dass die Lüderitzbuchter Zeitung zur Behebung des Mangels an Wechselgeld Heftchen mit 10 Pfennig Gutscheinen herausgab. Wie viele dieser Gutscheine in einem Heftchen waren, konnte ich bisher nicht klären. Auf jeden Fall konnte so durch den Erwerb eines Gutscheinheftchens für einen größeren Betrag der Einsatz von Kleingeld für den Zeitungskauf umgangen werden. Für je einen Gutschein gab es eine Ausgabe der Zeitung. Das waren für mich natürlich höchst erfreuliche Erkenntnisse. Solche Geschichten sind es, die das Sammeln von Geldzeichen zu einer großen Befriedigung für mich machen. An einem späteren Punkt der Reise, in Swakopmund, kam es dann zu einer weiteren interessanten Geschichte. Doch davon berichte ich später … Jörg Zborowska
- Eckehard Gottwald: Zum Umlaufgebiet von Ersatzzahlungsmitteln
Eckehard Gottwald: Zum Umlaufgebiet von Ersatzzahlungsmitteln dargestellt am Beispiel der beiden Gutscheine über 500 Mark und 1000 Mark des Dillkreises vom 15. September 1922. Ein Beitrag zur Geschichte des ehemaligen Dillkreises. 2. Auflage, Hofheim am Taunus 2021. 94 Seiten, durchgehend farbig bebildert, Klebebindung und Papp-Einband, ohne ISBN. Zu beziehen beim Autor zum Preis von 29,00 € + 4,00 € Porto und Verpackung, Brückenstraße 45, 65719 Hofheim a. T. 24 Jahre sind seit der ersten Auflage dieser Studie vergangen. Nun stellt der Autor, der durch seine Bücher über das Frankfurter, Offenbacher und Hanauer Notgeld bekannt ist, der Sammlergemeinde eine überarbeitete Darstellung des auf den ersten Blick recht begrenzten Themas vor. Bereits beim ersten Durchblättern des Buches wird klar, dass der Autor so manches über die 500- und 1000-Mark Scheine des Dillkreises zu sagen hat. Viele Abhandlungen zur Numismatik der Antike, des Mittelalters und der frühen Neuzeit beschäftigen sich mit der Frage des Umlaufgebietes bestimmter Münzen. Beim Papiergeld und hier besonders beim Notgeld wird diese Thematik, wenn überhaupt nur am Rande behandelt, obwohl das Notgeld häufig weit außerhalb des eigentlichen Ausgabebezirks anzutreffen war. Dies ist vielfach durch zeitgenössische Berichte und Zeitungsmeldungen belegt. Erhalten gebliebene Briefe mit Einlösungsbitten auswärtiger Notgeld-Inhaber legen ebenfalls Zeugnis vom Verbreitungsgebiet ab. Alle diese Hinweise stellen jedoch nur Momentaufnahmen dar. Gottwald wählte daher einen anderen Weg bei seiner Studie. Die Notgeldscheine des Dillkreises über 500 und 1000 Mark vom 15. September 1922 geben selbst darüber Auskunft, wo man sie benutzte, denn sie sollten von jedem Inhaber vor Weitergabe auf der Rückseite indossiert werden. Eine Auswertung dieser Indossamente müsste demnach ein genaues Bild ihres Verbreitungsgebietes ergeben. Dem stand jedoch die relative Seltenheit dieser Scheine entgegen. Konnte Gottwald bei der 1. Auflage nur 173 Scheine (97 vom 500er und 76 vom 1000er) auswerten, so sind es nun allein 355 Gutscheine zu 500 Mark von wahrscheinlich ursprünglich 68.854 Exemplaren und 226 Gutscheine zu 1000 Mark von ursprünglich 25.865 Stück. Auf den insgesamt 581 ausgewerteten Scheinen waren 3947 Unterschriften und Firmenstempel vorhanden. Er schreibt: „Überaus schwierig gestaltete sich meist die Auflösung der einzelnen Unterschriften. Das ‚Adressbuch des Stadt- und Landkreises Wetzlar, des Dillkreises sowie der Stadt Weilburg, Ausgabe 1922‘ und das ‚Westerwald Adressbuch, Führer mit Branchen- und Telefon-Verzeichnis für Ober- und Unterwesterwaldkreis und den Kreis Westerburg sowie für die Stadt Altenkirchen und die Bürgermeistereien Dierdorf und Puderbach‘ waren eine unverzichtbare Hilfe“ (S. 30). Wahrlich ein kriminalistischer Kraftakt. Von den 2264 Indossamenten beim Gutschein zu 500 Mark entfielen fast die Hälfte auf den Dillkreis selbst, knapp 17 % auf den Oberwesterwaldkreis, 7 % auf andere Kreise, darunter auch weit entfernte, wie Kassel, Wiesbaden, Siegburg und Limburg. Allerdings konnten ca. 28 % der Vermerke trotz der akribischen Nachforschung örtlich nicht zugeordnet werden. Beim Wert zu 1.000 Mark entfielen fast 70 % auf den Dillkreis, 5 % auf den Kreis Biedenkopf, 23 % konnten örtlich nicht zugeordnet werden und nur 3 % auf Wetzlar, Siegen, Wuppertal und andere. Nach den amtlichen Unterlagen sollten die Gutscheine im Wesentlichen nur an die größeren Werke zu Lohn- und Gehaltsauszahlungen abgegeben werden. Davon ist man wohl abgewichen, denn bemerkenswert ist die große Zahl von privaten und unbekannten Erstnutzern. Bei den 500-Mark-Gutscheinen fällt auf, dass erhebliche Mittel direkt an die Landesbankstelle Marienberg bzw. an die Eisenerzgrube „Eisenkaufte“ im Oberwesterwaldkreis flossen. Der eigentlichen Untersuchung ist eine Geschichte des Dillenburger Notgeldes vorangestellt, die auch das Firmennotgeld nicht ausspart. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der seltene Schein zu 1000 Mark des Hessen-Nassauischen Hüttenvereins in Steinbrücken. Den detaillierten Angaben liegen die Archivalien des Hessischen Hauptstaatsarchivs in Wiesbaden und historische Ausgaben der Dill-Zeitung aus dem Stadtarchiv Dillenburg zu Grunde. Bei seinen Recherchen löste Gottwald auch ein kleines Geheimnis. Zur Verhütung von Fälschungen und zur Kennzeichnung der echten 500-Mark-Scheine, brachte die Druckerei ein Geheimzeichen an, das durch die unmerkliche Zerstörung an irgendeinem Punkte der Umrahmung erfolgte. Er fand bei allen 355 Scheinen, die er untersuchte, den gleichen „Fehler“: Im Rahmen der Vorderseite fehlt links bei der vierten Rosette von unten ein Punkt. Bisher waren vier Varianten beim 1000-Mark-Gutschein bekannt, die sich aus der unterschiedlichen Stellung der Zierstücke bei den Randleisten ergeben. Gottwald fand bei Durchsicht der Scheine zwei weitere Varianten. Bestand die erste Auflage aus kopierten Blättern in einer Klemmmappe, so kommt die neue Auflage als wohlfeil gebundenes Buch im DIN-A4-Format daher. Die Notgeldscheine werden farbig abgebildet, Bekanntmachungen der Notgeldausgaben und amtliche Preisverzeichnisse ergänzen die Ausführungen. Zusätzlich werden viele Indossanten durch die Wiedergabe zeitgenössischer Zeitungsannoncen vorgestellt. Das Buch ist nicht nur für den Heimatsammler wichtig, sondern stellt für jede numismatische Bibliothek eine Bereicherung dar. Uwe Bronnert
- Lexicon: Colonial Bills
"Colonial Bills" waren auf dem Territorium der heutigen USA von den einzelnen Staaten während der Kolonialzeit ausgegebene Scheine. Die Erste Ausgabe von 1690 erfolgte durch den Staat Massachussets, um die Löhnung der von der unglücklich verlaufenen Expedition nach Kanada zurückkehrenden Soldaten zahlen zu können. Weitere Colonial Bills of Credit wurden von Connecticut (ab 1709), Delaware (ab 1723), Georgia (ab 1749), Maryland (ab 1733), New Hampshire (ab 1717), New Jersey (ab 1724), New York (ab 1709), North Carolina (ab 1729), Pennsylvania (ab 1723), Rhode Island (ab 1710), South Carolina (ab 1703) und Virginia (ab 1757) ausgegeben. Pennsylvania, Kolonialverwaltung: Kreditschein über 50 Shillings vom 1. Oktober 1773, Abb. HVB Stiftung Geldscheinsammlung. South Carolina, Staat: Schein über 50 Dollars vom 8. Februar 1779, Vorder- und Rückseite. Abb. HVB Stiftung Geldscheinsammlung. Man war der Meinung, eine Vermehrung des Papiergeldes führe zu einer Hebung des Wohlstands (Benjamin Franklin in seinem Buch "A modeste inquiry into the nature and necessity of an paper money", Philadelphia 1729), doch wurde das Papiergeld gegenüber der Münze immer wertloser, woran auch die englischen "Anti bubble-acts" von 1751 und 1764 nichts ändern konnten. Am 1. September 1773 setzte man die Scheine außer Kurs. Während des Unabhängigkeitskriegs (1775–1783) gab es erneut einzelstaatliches Papiergeld (Revolutionary Bills). Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski
- Fälscher & Falschgeld: Teil 43
Fälschungen ohne Vorbild, Teil 2 Von diesen zeitgenössischen Fälschungen zu unterscheiden sind die in unserer Zeit hergestellten und jüngst vermehrt auftauchenden Machwerke zum Schaden der Sammler. Es sind ebenfalls im weitesten Sinne Fälschungen, wenngleich nicht zur Verwendung im Zahlungsverkehr bestimmt. Hier geht es um nachträglich auf Originalnoten aufgebrachte Aufdrucke oder Perforationen wie „MUSTER“ oder „SPECIMEN“ oder um Aufstempelungen fluoreszierender Merkmale, die es von offizieller Seite nie gegeben hat. Damit soll lediglich den Sammlern das Geld aus der Tasche gezogen werden. Das Paradebeispiel solcher Manipulationen sind die Noten der Bank deutscher Länder mit dem berühmten „B“-Stempel oder der „B“-Perforation. Diese B-Kennzeichnung wurde für die in Berlin kursierenden DM-Noten der westdeutschen Währungsreform nur bis 23. Dezember 1953 praktiziert. Grund für diese Kennzeichnung war gewesen, einerseits das in der Viersektorenstadt umlaufende Geld entsprechend als solches zu kennzeichnen, da die Alliierten Groß-Berlin in die Geldreform der Westzonen ausdrücklich nicht einbezogen hatten. Zum anderen wollte man so einen Überblick über die Geldbewegungen zwischen dem Westen und Berlin erhalten. Ende 1953 wurde die Kennzeichnung dann für nicht mehr erforderlich gehalten und eingestellt. Da diese auch im Westen Deutschlands gültigen, das heißt mit einem Zwangskurs versehenen „B-Scheine“, in der Berliner Bevölkerung wurden sie die „Bären-Mark“ genannt, bereits in den frühen 1950er Jahren mehr und mehr aus dem Verkehr gezogen worden waren, sind sie heute in guter Erhaltung recht selten und entsprechend teuer. Sammler bewilligen hier erhebliche Aufschläge im Verhältnis zu ungestempelten Noten. So kursieren DM-Banknoten der ersten Ausgaben mit nahezu perfekt gefälschten bzw. mit nachträglich mittels Originalstempel aufgebrachten B-Kennzeichnungen. Diese sind so geschickt ausgeführt, dass sie der Normalsammler nicht erkennt und oft viel Geld für eine solche Verfälschung zahlt. Die späteren eigenen Ausgaben der Bank deutscher Länder wurden zwar in den Anfängen ihrer Inumlaufsetzung 1950 bzw, 1951 und 1952 ebenfalls noch B-gestempelt, bei diesen Scheinen ist aber immer dann Vorsicht geboten, wenn eine Note mit hoher Seriennummer und Stempelung auftaucht. So wurden die ab 1949 zunächst in England gedruckten Noten zu 5 DM (Ausgabe II BdL, „Europa mit dem Stier“) erst ab 1956 von der Bundesdruckerei hergestellt. Deren Scheine beginnen mit der Serienbezeichnung 7 A. Tragen Scheine ab dieser Serienkennung einen B-Stempel, ist er mit Sicherheit falsch, da – wie schon erwähnt – die Stempelung zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr praktiziert wurde. Schwieriger ist es bei den Nennwerten zu 10, 20, 50 und 100 DM. Für diese in den USA bzw. in Frankreich gedruckten Banknoten liegen keine Kenntnisse darüber vor, wann welcher Kontrollnummernkreis in den Umlauf gelangte. Damit kann auch die zeitgerechte Zuordnung eines B-Stempels nicht oder nur sehr schwer erfolgen. Vorsicht sollte man aber walten lassen, wenn die sogenannten „Franzosenscheine“ zu 50 und 100 DM aus dünnem Ramiefaserpapier (Ausgabe III BdL bzw. II BdL) mit B-Stempeln auftauchen und eine Reihenbezeichnung im dreistelligen Bereich aufweisen, zum Beispiel X 234; diese stammen garantiert aus der Zeit nach 1953 und der Stempel ist damit sicher falsch! Der B-Stempel auf diesem 5-DM-Schein ist falsch bzw. nachträglich angebracht worden. Die Banknote mit der Serienbezeichnung 12 R wurde erst um 1960 gedruckt und ausgegeben, als die B-Kennzeichnung bereits seit sieben Jahren nicht mehr praktiziert wurde. Große Aufmerksamkeit ist auch vonnöten, wenn sogenannte Muster-Scheine zum Kauf angeboten werden. Auch diese werden meist erheblich teurer gehandelt als die regulären Stücke, da echte Specimen-Scheine meist nur an Zentralbanken oder Strafverfolgungsbehörden (zum Beispiel BKA oder Interpol) als Musterstücke ausgegeben wurden und werden und nur extrem selten in den Markt gelangen. Dies ruft nachgerade zwangsläufig die Fälscher auf den Plan. Wenn eine Muster- oder Specimen-Note keine Null-Nummerierung sondern eine „normale“ Kontrollnummer aufweist, ist für den Sammler die Chance recht groß, für viel Geld einer Manipulation aufzusitzen. Eine „Aufstempelung“ ist mittels der heutigen Möglichkeiten mit PC und Drucker ebenso einfach, wie eine „MUSTER“-Perforation. Eine echte Musternote zu 10 DM der Bank deutscher Länder, Ausgabe BdL II, mit SPECIMEN-Kennzeichnung, zweifacher Durchlochung und fehlender Nummerierung. Solche Musternoten wurden seinerzeit ausländischen Zentralbanken oder Ermittlungsbehörden wie BKA oder Interpol zu Vergleichszwecken zur Verfügung gestellt. Jüngst kommen nun aus China recht gut gemachte Fälschungen hochpreisiger Sammler-noten. Dort hat man sich auf seltene und damit wertvolle Banknoten spezialisiert, die im Original nicht durch Wasserzeichen oder Sicherheitsfaden geschützt sind. Paradebeispiel auch hier wieder: die DM-Währungsreformnoten von 1948, vornehmlich die Nominale zu 20 DM (II BdL, Liberty-Kopf, blau), 50 DM (II BdL, Liberty-Kopf, grün) sowie 50 und 100 DM (jew. Ausgabe I BdL mit der Darstellung allegorischer Figuren in den Farben Violett bzw. Rot). Aber auch seltene chinesische Geldscheine sollen mittlerweile in einer Qualität aufgetaucht sein, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt, und die zwischenzeitlich bereits den Weg in viele Sammlungen gefunden haben dürften. Wenngleich die Nachahmung dieser Scheine keine Geldfälschung im strafrechtlichen Sinne darstellt, da es sich nicht um kursgültige Zahlungsmittel, also nicht um „Geld“ im Rechtssinne handelt, ist der Handel mit diesen Machwerken zu normalen Sammlerpreisen und in dem Wissen, dass sie falsch sind, Betrug und damit strafbar. Speziell der Hongkong-Besucher hat hier gute Chancen, in einschlägigen Touristenläden solchen Machwerken zum Opfer zu fallen. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!












