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  • Gesetzliche Zahlungsmittel für zehn Wochen – die Zinskupons der deutschen Kriegsanleihen

    Im Sommer 1918 nahm die personelle und materielle Überlegenheit der Alliierten stetig zu, sodass immer weitere Kreise der deutschen Bevölkerung an einem deutschen Sieg zweifelten. Das mangelnde Vertrauen in die künftige Gestaltung des politischen und wirtschaftlichen Lebens nahm ein ungeahntes Ausmaß an. In ihrer Abendausgabe vom 22. Oktober schrieb die „Berliner Börsen-Zeitung“: „Gegen die wahllosen Angstverkäufe von Effekten und die dadurch bedingte Deroutierung[1] des Effektenmarktes ist in diesen Spalten wiederholt Stellung genommen worden. Hand in Hand mit dieser Umwandlung des Effektenbesitzes in bares Geld geht aber eine Hamsterei von Banknoten, die zu schweren wirtschaftlichen Störungen führen und daher auf das Entschiedenste verurteilt werden muß. Die letzten Reichsbankausweise werfen ein grelles Licht auf diese Dinge. In der letzten Septemberwoche schwoll der Notenumlauf um nicht weniger als 905 Mill. Mark an, und der Ausweis vom 7. Oktober ebenso wie der letzte vom 15. Oktober zeigen eine neue Vermehrung des Notenumlaufs um 464 Mill. Mark bzw. 281 Mill. Mark auf insgesamt mehr als 16 Milliarden Mark, während sonst um diese Zeit nach dem Oktoberquartalstermin regelmäßig erhebliche Rückflüsse von Banknoten zu erfolgen pflegen. Auch an Darlehnskassenscheinen wurden um diese Zeit ganz erhebliche Beträge neu in Verkehr gesetzt, so daß sich der Gesamtumlauf an Darlehnskassenscheinen am 15. Oktober auf 8992 Mill. Mark bezifferte.“ Trotz der enormen Geldmengen-Zunahme machte sich im ganzen Land ein empfindlicher Mangel an Zahlungsmitteln bemerkbar. Papiergeld und Münzen wurden in immer größerem Umfang dem Geldkreislauf entzogen und gehamstert, ohne dass dazu ein wirtschaftliches Bedürfnis bestanden hätte. Im Verwaltungsbericht der Reichsbank heißt es: „Handel- und Gewerbetreibende, kleinere und größere Kapitalisten hoben namentlich seit etwa Anfang Oktober Guthaben bei Banken, Bankfirmen, Sparkassen und Genossenschaften ab, um das bare Geld aufzubewahren.“[2] Die „Berliner Börsen-Zeitung“ merkte in diesem Zusammenhang an: „Alle diese Geldhamsterer scheinen überdies zu vergessen, daß die öffentlichen Sicherheitsverhältnisse derzeit keineswegs dazu angetan sind, ein Verstecken der Ersparnisse im eigenen Hause besonders empfehlenswert erscheinen zu lassen. Es mehren sich denn auch schon die Fälle, wo größere Summen baren Geldes Einbrechern und Dieben in die Hände gefallen sind.“[3] Obwohl die Reichsbank zur Nutzung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs aufrief und ihre Reservebestände an Papiergeld und Reichssilbermünzen in Umlauf setzte, hielt der Mangel an. Es war ein besonders unglückliches Zusammentreffen, dass der Geldbedarf gerade in dem Moment so stark anstieg, als die Reichsdruckerei infolge verschiedener Ereignisse nicht in der Lage war, die von der Reichsbank erteilten Druckaufträge, annähernd zu erfüllen, und dies obwohl täglich 40 Mio. neue Banknoten die Druckerei verließen: Eine größere Anzahl ihrer Drucker waren zum Militärdienst eingezogen worden und weitere Hunderte Beschäftigte waren an der Spanischen Grippe[4] erkrankt. Notgedrungen beauftragte die Bankleitung eine Anzahl von Privatdruckereien mit der Herstellung von 50-Mark-Hilfsbanknoten. Bereits am 31. Oktober machte das Reichsbankdirektorium die Ausgabe der in kürzester Zeit im Buchdruckverfahren gefertigten Noten bekannt. Da diese Noten unter den gegebenen Umständen gegen Fälschungen nicht so gut gesichert werden konnten wie die übrigen Reichsbanknoten, wurde ihr Aufruf und ihre Einziehung unter Umtausch gegen andere gesetzliche Zahlungsmittel zum 1. März 1919 ausdrücklich vorbehalten. Noten im Wert von 2085 Mio. Mark wurden im November und 1661 Mio. Mark im Dezember geliefert. Abb. 1.1: DEU-44, Reichsbank, 20. Oktober 1918, 50 Mark, Vorderseite. Abb.1.2: DEU-44, Reichsbank, 20. Oktober 1918, 50 Mark, Rückseite. Wegen der dicken schwarzen Umrahmung hieß der Schein im Volksmund Trauerschein bzw. Todesanzeige. Schon in den ersten Oktobertagen schwante der Reichsbank nichts Gutes. Sie forderte wegen des sich abzeichnenden Mangels Zahlungsmitteln die Kommunen auf, mit möglichster Beschleunigung Notgeldscheine bis zum Nominalwert von 50 Mark vorzubereiten. Sie erklärte sich bereit, die Hälfte der Herstellungskosten sowie auftretende Schäden durch Fälschungen zu übernehmen. Bis zum 1. November hatten Städte und Kreise bereits Notgeld im Betrag von mehr als 400 Mio. Mark ausgegeben. Um den augenblicklichen Mangel sofort zu beheben, erklärte der Bundesrat durch Verordnung vom 22. Oktober 1918 die am 2. Januar 1919 fälligen Zinsscheine der 5-prozentigen Kriegsanleihen (nicht Reichsschatzanweisungen) bis zu ihrem Fälligkeitstag zu gesetzlichen Zahlungsmitteln. Abb. 2: Bekanntmachung über die Zinsscheine der Reichskriegsanleihen (RGBl. 1918 S. 1257). Dieses Vorgehen bot sich an, da die Kriegsanleihen über ganz Deutschland verteilt abgesetzt wurden und die Zinsscheine dadurch unter der Bevölkerung weit gestreut waren. Die Umlaufmittel konnten so auf einen Schlag um rund 800 Mio. Mark erhöht werden.[5] Die Reichsschuldenverwaltung legte insgesamt neun Kriegsanleihen auf: Die 1. Auflage wurde mit den Ausfertigungsdaten 18. September und 15. Oktober 1914 ausgegeben, die 2. Auflage trägt das Datum 17. April 1915 und 18. Februar bzw. 25. März 1915 für die „Globalurkunde“ der 50.000-Mark- und 20.000-Mark-Anleihen. Die 3. Anleihe datiert vom 24. September 1915, die 4. Anleihe vom 4. April 1916, die 5. vom 31. Oktober 1916, die 6. vom 15. März 1917 und die 7. vom 1. November 1917. Die beiden Anleihen von 1918 sind vom 26. März (8. Anleihe) bzw. 15. Oktober (9. Anleihe). Nominal folgten die Anleihen den Serienbuchstaben und Kennnummern der vorhergehenden Anleihen des Deutschen Reichs:[6] Die Bevölkerung beäugte die ungewöhnlichen Zahlungsmittel argwöhnisch und es kam vor, dass sie bei Lohnzahlungen von den Arbeitern zurückgewiesen wurden. Die „Bergische Arbeiterstimme“ vom 11. November 1918 wies daher ausdrücklich daraufhin, dass die Zinsscheine „gleichwertig und gleichberechtigt sind mit allen anderen anerkannten Zahlungsmitteln […]. Sie sind besonders erkenntlich durch einen grünen Unterdruck und durch ein deutlich lateinisches ‚q‘ in der rechten oberen Ecke, sowie durch den Vermerk: ‚Halbjährige Zinsen zahlbar am 2. Januar 1919 mit 2 Mark 50 Pf[enni]g‘ oder 5 Mark, 12 Mark 50 Pf[enni]g, 25 Mark, 50 Mark, 125 Mark, 250 Mark, 500 Mark. Die oberste Reihe des Aufdrucks lautet bei allen diesen Zinsscheinen: ‚5prozentige Anleihe des Deutschen Reiches von 1915‘ oder 1916, 1917, 1918 ‚(uk. 24)‘.“ Ferner haben alle Kupons in der Mitte einen Prägestempel mit dem Reichsadler und der Umschrift „REICHSSCHULDENVERWALTUNG“ sowie als Wasserzeichen einzelne Buchstaben des Bogenwasserzeichens „REICHSSCHULDENVERWALTUNG“ in hell und dunkel. Ihre Größe beträgt ca. 102 x 42 mm. Die im Zeitungsbericht genannten Kupons zu 250 und 500 Mark wurden nach Keller nicht als Zahlungsmittel verwendet.[7] Bei den zu Zahlungsmitteln erklärten Zinsscheinen handelt es sich um die zu den Frühjahrs-Anleihen gehörenden Kupons, also der 2., 4., 6. und 8. Kriegsanleihe, deren Zinszahlungen jeweils am 2. Januar und 1. Juli erfolgten. Bei den anderen Kriegsanleihen haben die Zinsscheine eine gelbe Farbe; die Zinszahlungstermine lauten auf den 1. April und 1. Oktober. Abb. 3: Zinskupon der Anleihe 1918, 2,50 Mark, Vorderseite. Abb. 4: Zinskupon der Anleihe 1916, 5 Mark, Vorderseite. Abb. 5: Zinskupon der Anleihe 1918, 12,50 Mark, Vorderseite. Abb. 6: Zinskupon der Anleihe 1918, 25 Mark, Vorderseite. Abb. 7: Zinskupon der Anleihe 1918, 50 Mark, Vorderseite. Abb. 8: Zinskupon der Anleihe 1918, 125 Mark, Vorderseite. Es kam wohl immer wieder vor, dass Käufer versuchten, ihre Rechnungen mit noch nicht fälligen Zinsscheinen der Kriegsanleihen oder auch mit Zinsscheinen sonstiger Wertpapiere zu bezahlen. Dies nahm der „Nassauer Bote“ am 16. November 1918 zum Anlass, hiervor zu warnen. Abb. 9: Zinskupon der Anleihe 1916, 2,50 Mark, Vorderseite. Da die Zinsen am 01.10.1922 fällig waren, handelt es sich um kein Zahlungsmittel. Nicht nur die Zinsscheine der Kriegsanleihen wurden zu Zahlungsmitteln erklärt. Die Regierung des Volksstaats Bayern bestimmte am 20. November 1918, u.a. alle bis einschließlich 1. April 1919 fällig werdenden Zinsscheine sämtlicher bayerischer Staatsanleihen (Allgemeine Anleihen, Staatseisenbahnanleihen einschließlich der Prioritätsanleihen der Pfälzischen Ludwigsbahn, der Pfälzischen Maximilianbahn und der Pfälzischen Nordbahn, Grundrentenschuldverschreibungen und Landeskulturrentenscheine) zu gesetzlichen Zahlungsmitteln.[8] Auch einige Kommunen griffen auf Zinsscheine ihrer Anleihen zurück, um sie als Notgeld zu verwenden. Die Stadt Crefeld überdruckte die Zinsscheine zu 10, 20 und 40 Mark der Anleihe von 1913, die am 1. März bzw. 1. September 1918 fällig wurden, mit einem roten Stempelaufdruck „Notgeld“. Ähnlich verfuhr die Stadt Düsseldorf, die abgelaufene Zinsscheine ihrer Anleihe vom 1. November 1913 durch violetten Stempelaufdruck zu Notgeld machte. Nicht nur Zinskupons dienten als Geld, sondern auch die Kriegsanleihen selbst: Um den Mangel an Zahlungsmitteln zu begegnen, erklärten sich mehrere Kaufleute in Halle/Saale bereit, bei Zahlungen Kriegsanleihen zum Kurs von 98 % in Zahlung zu nehmen, und zwar bis zur Höhe des Kaufpreises.[9] Dies scheint kein Einzelfall gewesen zu sein, denn die „Berliner Börsen-Zeitung“ schrieb in dem eingangs erwähnten Bericht, dass die Kriegsanleihen „schon seit langem gemäß stillschweigender Vereinbarung in gewissem Umfange als Zahlungsmittel verwendet [wurden].“ Abb. 10: 1. Kriegsanleihe vom 15. Oktober 1914, 1000 Mark, Vorderseite. Uwe Bronnert [1] [Anm. d. Verf.] Deroutierung bedeutet so viel wie: einen Preisverfall bewirken, preislich ruinieren bzw. verunsichern, mutlos machen. [2] Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1918. Vorgelegt in der Generalversammlung am 31. März 1919, S. 4. [3] Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 496 vom 22. Oktober 1918, Abendausgabe. [4] [Anm. d. Verf.] Wie viele Opfer die Spanische Grippe insgesamt forderte, ist nicht leicht zu beziffern: „Die höchsten Schätzungen gehen von 20 bis 30 Millionen Toten aus – zwei- bis dreimal mehr, als Soldaten im Ersten Weltkrieg fielen. Allein in Europa zählte man 2,3 Millionen Todesfälle, davon 250.000 in Deutschland.“ (Bruno Cabanes und Anne Duménil [Hrsg.], Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Katastrophe. Darmstadt 1913, S. 357). [5] Vgl. Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1918, S. 4 f. [6] Angaben nach: Hans Jörg Springer, "Die Kriegsanleihen im Weltkrieg 1914 – 1918", in: money trend, 10/2016, S. 176. [7] Arnold Keller, Das Deutsche Notgeld, Katalog Großgeldscheine 1918 – 1921. Unveränderter Nachdruck der 3. Auflage von 1955. München 1976, S. 31. [8] Verordnung, betreffend die gesetzlichen Zahlungsmittel. Vom 20. November 1918. Abgedruckt in: Joh. Notzke, Das Bankgesetz und das Statut der Reichsbank in neuester Fassung mit Gesetzen, Verordnungen, Bekanntmachungen von 1876 bis heute nebst Darlehnskassen-, Rentenbank-, Golddiskontbankgesetz. 2. Auflage, Berlin 1924, S. 71. [9] Kurt Biging, Geldscheine in Halle an der Saale 1915 – 1992, Geldgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Heimatgeschichte. Katalog, Halle 2003, S. 81.

  • Macau: Neujahrs-Gedenkbanknoten von 2021

    Auch in diesem Jahr 2021 gaben der Banco Nacional Ultramarino und der Banco da China Neujahrs-Gedenkbanknoten über 10 Patacas aus. Seit 2012 wird diese Tradition fortgesetzt, wobei sich in der Gestaltung der Scheine nur das entsprechende Tierkreiszeichen – diesmal der Büffel – auf beiden Seiten sowie das jeweilige Bankgebäude auf der Rückseite unterscheiden. Im Jahr 2023 wird sich der Tierkreis und somit auch diese Serie vervollständigen. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)

  • Gärtner: 50. Jubiläums-Auktion am 9. Juni 2021 (Banknoten)

    Unsere 50. Jubiläumsauktion findet unter Einhaltung der Hygienevorschriften wie gewohnt in den eigenen Räumlichkeiten statt. Erneut wird ein äußerst umfangreiches numismatisches Angebot an Münzen und Medaillen, Orden und Ehrenzeichen sowie an nationalen und internationalen Banknoten offeriert. Die Auktion startet am Mittwoch mit einem hochwertigen Angebot an Banknoten aus Deutschland und aus aller Welt, das Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Besonders zu erwähnen ist ein Mustersatz der Saarmark Ausgabe 1947 von 1 Mark bis 100 Mark mit Perforation „Muster“ (Ro.867M - 872M) sowie Danzig 10 Gulden 1923 Muster (Ro.820M), allesamt in fantastischen Erhaltungen. Aus dem Ausland sind unsere Highlights einige Raritäten aus Finnland wie 500 Markkaa 1898, 5 Markkaa 1897. Fortgesetzt wird die Auktion am Donnerstag und umfasst ein breit gefächertes, hochwertiges Angebot an Münzen und Medaillen von der Antike bis zur Neuzeit. Dies ist nur ein kleiner Einblick in das umfassende Angebot unserer 50. Auktion. Wie immer wird es auch dieses Mal möglich sein alle Angebote auf unserer Live-Bidding Plattform mit verfolgen zu können bzw. Gebote live abzugeben. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Durchstöbern unserer Auktionskataloge und viel Erfolg beim Bieten. Die Kataloge sind auf unserer Internet-Seite www.auktionen-gaertner.de einzusehen. Für detaillierte Auskünfte steht Ihnen das Team des Auktionshauses Christoph Gärtner jederzeit gerne zur Verfügung. Los-Nr.: 2945 – Ausruf: 1.100 Euro Finlands Bank 5 Markkaa 1897, P.2a with signatures: Wegelius / Ahlfors, great original shape with tiny dent at lower left and upper right, otherwise perfect, Condition: XF+/aUNC. Rare! Los-Nr.: 2950 – Ausruf: 2.300 Euro Finlands Bank 500 Markkaa 1898, P.8c with signatures: Stenius / Landtman, highest denomination and very popular banknote, great original shape with tiny margin splits and a few border tears, small grafitti on back, but still nice with strong paper and bright colors, Condition: F. Very Rare! Los-Nr.: 3782 – Ausruf: 2.500 Euro Danzig: 10 Gulden 1923 MUSTER Ro.820M, KN 00000, nicht im "Rosenberg" als Muster gelistet, Erhaltung: aUNC. ¸ Danzig: 10 Gulden 1923 Specimen Ro 820 with zero serial number #00000, not listed as Specimen in "Rosenberg", condition: XF+ to aUNC. Los-Nr.: 3791 – Ausruf: 12.000 Euro Mustersatz der Saarmark Ausgabe 1947, Ro.867M û 872M, mit 1 Mark MUSTER (minimaler Abdruck einer Büroklammer am oberen Rand mit winzigem Rostfleck sonst einwandfrei, Erhaltung: XF+), 2 Mark MUSTER (minimaler Abdruck einer Büroklammer am oberen Rand mit winzigem Rostfleck sonst einwandfrei, Erhaltung: XF+), 5 Mark MUSTER (minimaler Abdruck einer Büroklammer am oberen Rand, sonst einwandfrei, Erhaltung: aUNC/UNC), 10 Mark MUSTER (minimaler Abdruck einer Büroklammer am oberen Rand, sonst einwandfrei, Erhaltung: aUNC/UNC), 50 Mark MUSTER (winziger Fleck am oberen Rand und minimale Stauchung im Papier am rechten Rand, Erhaltung: aUNC) und 100 Mark MUSTER (winziger Fleck und minimaler ca. 3 mm langer Einriss am oberen Rand, Erhaltung: XF). Sehr selten! (6 Noten) ¸ Saar û Specimen set 1947, P.3s-8s with 1 Mark SPECIMEN (tiny traces of a paperclip at upper margin and tiny rusty stain otherwise perfect, condition: XF +), 2 Mark SPECIMEN (tiny traces of a paperclip at upper margin with tiny rusty stain otherwise perfect, condition: XF +), 5 Mark SPECIMEN (tiny traces of a paperclip at upper margin, otherwise perfect, condition: aUNC / UNC), 10 Mark SPECIMEN (tiny traces of a paperclip at upper margin, otherwise perfect, condition: aUNC / UNC), 50 Mark SPECIMEN (tiny spot at upper right and a little bit frizzy paper at right border, condition: aUNC) and 100 Mark SPECIMEN (tiny spot and minimal tear (approx. 3 mm) at upper margin, condition: XF). Very rare! (6 notes) Auktionshaus Christoph Gärtner, Bietigheim-Bissingen www.auktionen-gaertner.de

  • Yangming Auktion am 8.5.2021 in Shanghai

    Am 8.5.1921 fand im Huátínghotel in Shanghai wieder eine Versteigerung chinesischer Banknoten durch die Auktionsfirma Yángming statt. Der Auktionskatalog umfasste 1256 Lose. Abb.1: Auktionskatalog Und wieder gab es einige sehr seltene Angebote. Für mich persönlich waren die Lose 269 und 270 am interessantesten. Es handelt sich um zwei hölzerne Druckplatten von bisher unbekanntem Notgeld. Sie stammen aus der Sammlung des in China sehr bekannten Numismatikers Chen Aguang aus Macao. Abb. 2: Druckplatte 1 (Los 269). Abb.3: Druckplatte 1 horizontal gespiegelt. Die erste Druckplatte ist 10,5 cm lang, 5,8 cm breit und 3,0 cm dick (Abb.2). Da die Zeichen auf der Druckplatte nicht einfach zu lesen sind, habe ich Platte horizontal gespiegelt (Abb3). Mit dieser Platte hat man 2-Yuan-Noten gedruckt, ausgegeben von der „Nationalschule No.6“, das war eine Organisation, die ihren Sitz in der Provinz Guǎngdōng, genauer im Kreis Dàbù, Gemeinde Yáoyuán (大埔縣, 姚源鄉) hatte und die Gründung neuer Schulen betrieb, Schulen in Anfangsschwierigkeiten finanziell unterstützte und dafür Spenden sammelte. Eine Jahreszahl ist leider nicht angegeben, aber vom Stil her sollte die Note aus den allerletzten Jahren der Chinesischen Republik stammen (ca. 1945/46). Abb. 3: Druckplatte 2 (Los 270). Abb. 4: Druckplatte 2 horizontal gespiegelt. Die zweite Druckplatte (Abb.4, in horizontal gespiegelter Form Abb.5) ist 8,2 cm lang, 4,0 cm breit und 1,8 mm dick. Mit dieser Druckplatte konnte man 2-Hao-Scheine herstellen. Sie wurden ebenfalls in Guǎngdōng ausgegeben, augenscheinlich in Jùnyún (俊雲), denn der Gesamttitel lautet 俊雲溪堡 (Xībǎo in Jùnyún). Welche Firma oder Organisation hinter „Xībǎo“ steckt, ist heute von meiner Seite aus nicht mehr zu ermitteln. Der Druck wird wie zahlreiche andere Notgeldscheine der republikanischen Zeit als „Gutschein“ (信用券) bezeichnet. Die Wertbezeichnung „Háo“ (毫, für „10 Cent“) war damals besonders in der Provinz Guǎngdōng beliebt. Man bezog sich auf eine Silberwährung, 10 Háo entsprachen 1 Yuán. Im restlichen China benutzte man statt „Háo“ fast nur Jiǎo (角) Auch die zweite Druckplatte zeigt kein Datum, stammt aber höchstwahrscheinlich ebenfalls aus den letzten Jahren der Chinesischen Republik. Die beiden Druckplatten sind in der Auktion für jeweils 3000 Yuan Renminbi (das entspricht etwa 383 €) ausgerufen worden, ein recht moderater Preis. Die Platten wurden schließlich zu jeweils 3450 Yuan Renminbi zugeschlagen, mit 15% Zuschlag sind das 3967 Yuan, das entspricht 507 €. Am erstaunlichsten: die beiden Notgeldscheine, die auf der Vorderseite des Auktions-Katalogs abgebildet sind, kosteten (wieder mit Zuschlag) jeweils 16.899 €! Erwin Beyer

  • Die Kreditscheine der estnischen Zementfabrik "Port-Kunda" im Zweiten Weltkrieg

    Die baltischen Staaten hatten eine sehr wechselvolle Geschichte. Unter der Herrschaft des Deutschen Ordens christianisiert, erlebten sie auch durch die Hanse eine große Blütezeit, fielen dann aber 1721 an Schweden und später an das russische Zarenreich. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs waren Deutschland und Russland Nachbarn, die baltischen Länder und Polen existierten nicht als selbständige Staaten, sondern waren Teile Russlands. Bereits nach der russischen Februarrevolution von 1917 war ein Estnischer Nationalrat gebildet wurden, der am 24. Februar 1918 die Unabhängigkeit des von deutschen Truppen besetzten Landes proklamierte. Diese bestand jedoch nur auf dem Papier und musste erst in einem zweijährigen Freiheitskrieg erkämpft werden, an dessen Ende Sowjet-Russland 1920 die Unabhängigkeit Estlands „auf alle Zeiten“ anerkannte. Estland erlebte in den 1920er Jahren eine Blütezeit. Die Wirtschaftskrise von 1929 bis 1932 führte jedoch 1934 zu einem faschistischen Umsturz. Der Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 bot der Sowjetunion freie Hand für deren Interessen im Baltikum. Nach dem gemeinsamen Sieg über Polen kam es zum Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939, der vorerst die Interessen beider Diktaturen gegeneinander absicherte. Am 16. Juni 1940 wurde Estland von sowjetischen Truppen besetzt. Am 6. August 1940 erfolgte unter sowjetischem Druck der Beitritt zur Sowjetunion als Estnische SSR. Bereits kurz darauf setzten die ersten Deportationen ein. Vom 8. bis 21. Juli 1941 wurde Estland von deutschen Truppen besetzt. Während der deutschen Besatzung nahmen nationale Kräfte Estlands aktiv am Kampf gegen die Rote Armee teil. Die Kreditscheine der Zementfabrik „Port-Kunda“ waren vom 20. August bis zum 1. Oktober 1941 im Umlauf und konnten von Monat zu Monat bis zum 1. Januar 1942 eingelöst werden. Der Name „Port-Kunda“ ist eine Wortschöpfung aus „Portlandzement“ und dem Standort der Fabrik in Kunda, einer kleinen estnischen Stadt zwischen der Hauptstadt Tallinn (Reval) und Narva. Die Scheine wurden von den lokalen deutschen Besatzungs-Behörden genehmigt, damit die Zementfabrik in Kunda nach der Besetzung schnellstmöglich wieder ihre Arbeit aufnehmen konnte. Alle Scheine tragen auf der Rückseite einen runden Siegelstempel, die Verlängerung der Einlösung wurde zusätzlich durch Gummistempel mit zweizeiligem Firmennamen und einer Unterschrift bestätigt. Es sind drei Unterschrifts-Kombinationen auf der Vorderseite bekannt. Die Scheine liefen ebenfalls in der Brennschieferfabrik Ubja um (eine Stadt, ca. 100 km von Kunda entfernt), die die Zementfabrik mit Rohstoffen versorgte. Für die dortige Umlauffähigkeit wurden sie mit einem zusätzlichen zweizeiligen Stempel „Ubja Pölevkivi Kaevandus“ versehen. Gerdruckt wurden die zweisprachig Deutsch/Estnisch ausgefertigten Scheine auf farbigem Kartonpapier. Auf den Rückseiten kommen je drei Stempelvarianten vor: Nur ein Siegelstempel der Zementfabrik "Port-Kunda" Zusätzlicher Zeilenstempel "A/S Tsemendvabrik | "Port-Kunda" bei vertagtem Einlösungstermin mit Handunterschrift (siehe Abb. zu 5 und 25 Rubel) Zusätzlicher Zeilenstempel „Ubja Pölevkivi Kaevandus“ Die Scheine sind auch bei deutschen Sammlern begehrt, weil sie ein Stück deutscher Besatzungsgeschichte im Baltikum dokumentieren. Man findet sie zusammen mit anderen interessanten Belegen im Katalog "Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg". Hans-Ludwig Grabowski

  • Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 13

    Fortsetzungsreihe, Teil 29 Die Herstellungstechniken falscher Banknoten, Teil 1 Diese Handzeichnung der 50-DM-Note aus der Währungsreformserie ist erstaunlich gut gelungen und dürfte im damaligen Zahlungsverkehr durchaus zur Täuschung geführt haben. Handzeichnung Kommen wir zu den Herstellungsverfahren, die die Fälscher hauptsächlich anwenden bzw. in früheren Zeiten angewendet haben. Die simpelste Methode, eine Banknote nachzuahmen, ist sicherlich die Handzeichnung, aber auch die mühsamste. Der Täter versucht hier, mittels entsprechender Farbstifte, oft auch mit feinsten Pinseln und Aquarell-Farben, Feder und Tusche oder mit speziellen Stiften, die im grafischen Gewerbe und bei Architekten gebräuchlich sind, das Notenbild möglichst zeichnerisch korrekt wiederzugeben. Meist verwendet er dabei herkömmliches Papier, von dem er glaubt, dass es dem Sicherheitspapier der echten Banknote am ehesten entspricht. Verschiedentlich haben Fälscher versucht, das Papier durch verschiedene Techniken einzufärben, um ihm die Tönung des Originalpapiers zu verleihen. Die Fälscher Ninger und Hopfinger bedienten sich dazu dünnen schwarzen Kaffees oder Tees, um den gewünschten chamoisfarbenen Ton des Dollarnotenpapiers bzw. desjenigen der 1000-DM-Scheine zu imitieren. Verzeichnungen des Notenbildes, insbesondere des Gesichtsausdrucks des Porträts, sind bei dieser Methode vergleichsweise häufig. Dem aufmerksamen Betrachter fallen handgezeichnete Falsifikate hierdurch und durch die nie ganz dem Original entsprechende Farbgebung auf. Wasserzeichen und Sicherheitsfaden, so sie beim echten Schein vorhanden sind, werden ebenfalls handzeichnerisch nachgestellt, meist durch blassgraue oder hellgelbliche Farben. Durch die in die Banknoten der meisten Länder heute eingebrachten, neuentwickelten Sicherheitsmerkmale, die durch Handzeichnung nicht oder nur sehr unvollkommen imitiert werden können, kommt diese Fälschungsvariante kaum noch vor. Und wenn, dann von Einzeltätern, die bisweilen aus der puren Not heraus handeln. So wie die biedere Hausfrau, die im Jahr 1968 die soeben vom Geldbriefträger erhaltenen 300 DM zusammen mit alten Zeitungen versehentlich im Ofen verbrannte. Aus Angst vor ihrem Mann zeichnete sie mit Kugelschreiber die 100-DM-Noten nach und kolorierte sie mit Buntstiften. Dabei hatte sie allerdings wenig Geschick bewiesen, schon beim ersten Versuch, eine ihrer Eigenproduktionen in einem Lebensmittelladen einzuwechseln, scheiterte sie. Der Richter hatte Verständnis und verhängte lediglich eine Bewährungsstrafe. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Leserpost: Bedruckter Geldschein von 1923

    Entschuldigen Sie bitte meine Anfrage, aber vielleicht können Sie uns mit Ihrem Wissen ein wenig auf die Sprünge helfen, wenn Ihre Zeit es zulässt. Es geht um folgendes: Bei einer Haushaltsauflösung kamen auch einige historische Geldscheine aus der Inflationszeit hervor. Die meisten Scheine waren wenig interessant, aber in einem Fall bin ich auf eine offensichtlich nachbedruckte Rückseite gestoßen. Es handelt sich dabei um eine antisemitische Parteienwerbung einer „Deutschen Partei“. Die sagt mir auch nichts, kann aber natürlich auch nur Chiffre für die nationale politische Rechte insgesamt sein. Es handelt sich um einen 1-Million-Mark-Schein von 1923 (in der mir vorliegenden Ausgabe Ihres Katalogs auf Nr. 92). Kennen Sie denn einen solchen Geldschein und können uns so bei der Einordnung helfen? Über Ihre Nachricht würden wir uns sehr freuen. Vielen Dank schon einmal! Mit besten Grüßen aus dem Schwarzwald Museen und Archiv der Stadt Schiltach Dr. A. Morgenstern Antwort der Redaktion Ja, ich kenne solche Scheine und verweise in diesem Zusammenhang auf mein Buch "Der Jude nahm und Silber, Gold und Speck …“ https://www.battenberg-gietl.de/sammeln/buch/der-jude-nahm-uns-silber-gold-und-speck Vor allem in den Wahlkämpfen der „Weimarer Republik“ wurden durch die Inflation wertlos gewordene Geldscheine genutzt, um sie mit politischen und antisemitischen Parolen zu überdrucken. Ich gebe in meinem Buch eine umfangreiche Einleitung zum Thema Geld als Kommunikationsmittel von der Antike bis in die Gegenwart und natürlich auch zum historischen Kontext solcher Propagandascheine. Daneben werden in dem angefügten Katalog viele solche Scheine abgebildet und beschrieben. Es handelt sich dabei um eine Dokumentation der Sammlung Haney. Ihr Schein wurde wahrscheinlich von der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), die sich in ihrem Selbstverständnis auch einfach „Deutsche Partei“ nannte und sich in den alten Reichsfarben des Kaiserreichs Schwarz-Weiß-Rot inszenierte, im Wahlkampf zu den Reichstagswahlen vom Mai bis Dezember 1924 überdruckt und für antisemitische Propaganda genutzt. Es gab ja durchaus mehrere rechte Parteien (nicht nur die NSDAP), die solche Wahlkampfmittel und Parolen nutzten. Die Karikatur zeigt einen erschrockenen, stereotypen Juden vor der aufgehenden Sonne der „Deutschen Partei“ nebst Propaganda-Spruch. Solche Scheine kommen immer wieder auch im Handel vor (leider auch sehr viele moderne Manipulationen bei ebay). Ihrer Abbildung nach, sollte Ihr Schein aber ein zeitgenössischer Überdruck sein. Ich hoffe, dass ich Ihnen damit helfen konnte. Hans-Ludwig Grabowski

  • Ein alter Werbeschein der Kaffeesurrogatfabrik Otto E. Weber, Berlin

    „Der Pro-Kopf-Verbrauch von Kaffee summierte sich in Deutschland zuletzt auf rund 164 Liter im Jahr, damit ist Kaffee das beliebteste Heißgetränk der Deutschen.“[1] Es wird angenommen, dass die Region Kaffa im Südwesten Äthiopiens das Ursprungsgebiet des Kaffees ist. Er gelangte im 14. Jahrhundert durch Sklavenhändler auf die Arabische Halbinsel und eroberte im 16. Jahrhundert das persische Safawiden-Reich sowie das Osmanische Reich. Die heute übliche Zubereitung, geröstete, gemahlene oder zerstampfte Kaffeebohnen aufzubrühen, kam erst Mitte des 15. Jahrhunderts auf. Der Siegeszug des Kaffees als Genussmittel begann in Europa im 17. Jahrhundert am französischen Hof Ludwig XIV. und Ludwig XV. Der Genuss des Kaffees war zunächst nur dem Adel und den gut betuchten Bevölkerungsschichten vorbehalten. Von ärmeren Bevölkerungsschichten und in Krisenzeiten wurde der Kaffee durch kaffeeähnliche Getränke wie Muckefuck, Malzkaffee, Stragelkaffee oder Zichorie ersetzt bzw. der „echte Bohnenkaffee“ durch Kaffee-Ersatzmittel gestreckt. Otto E. Weber (1840 – 1914) erkannte den Zahn der Zeit und fügte seiner 1864 gegründeten Tee-Fabrik 1873 die Kaffeesurrogatfabrik in Berlin hinzu. Das auf Herstellung und Vertrieb spezialisiert Unternehmen stellte nun nicht nur Tee in Presswürfeln her, sondern war auch der erste und lange Zeit größte Hersteller von Feigen-Kaffee.[2] Das Unternehmen exportierte seine preisgekrönten Produkte, darunter „Weber’s Carlsbader Kaffeegewürz“ und „Weber’s Prima Feigen-Kaffee“ bis nach Russland, Südafrika und in die USA. Ferner war es preußischer Hoflieferant. Abb. 1.1: Werbenote der Kaffeesurrogatfabrik Otto E. Weber, Berlin, Vorderseite. Abb. 1.2: Werbenote der Kaffeesurrogatfabrik Otto E. Weber, Berlin, Rückseite. Abb. 2.1: GK-314, Preußische Hauptbank, 1. Mai 1874, 100 Mark, Vorderseite. Abb. 2.12 GK-314, Preußische Hauptbank, 1. Mai 1874, 100 Mark, Rückseite. Quelle: Hans-Ludwig Grabowski / Manfred Kranz, Das Papiergeld der altdeutschen Staaten, Geldscheine der Staaten auf dem Gebiet des 1871 gegründeten Deutschen Reiches von den Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, Regenstauf 2020, Kat.-Nr. 314, S. 183. Aus den 1870er Jahren dürfte der abgebildete Werbeschein stammen. Die Vorderseite zeigt eine vereinfachte Darstellung der 100-Mark-Banknote der Preußischen Haupt-Bank vom 1. Mai 1874: rechts das umkränzte Brustbild der Minerva[3] und links das große preußische Wappen. Der mittlere Teil des Scheins wurde als Banderole gestaltet. Sie trägt den folgenden senkrechten, siebenzeiligen Aufdruck: „3000 Mark / zahle ich sofort Demjenigen, welcher mir nachweist, daß ich / meinen Prima Feigen-Kaffee nicht ausschließlich aus orien- / talischen Feigen fabricire. / Jeder mit meinem Fabrikat gefüllte Carton ist mit / nebenstehender Schutzmarke geschlossen und mit meinem Fac- / simile versehen.“ Es folgt die Faksimile-Unterschrift „Otto E. Weber. Hoflieferant“. Die ovale, rot-weiße Schutzmarke ist neben dem Text angebracht. Die Rückseite enthält in einem schmalen Rahmen die Werbebotschaft, in der Weber Qualitätsmerkmale seines Feigen-Kaffees herausstellt und sich gegen minderwertige Produkte und Plagiate der Konkurrenz wehrt: Weltberühmt ist das in Wien, Carlsbad, Teplitz und in anderen böhmischen Bädern bereitete Kaffeegetränk. Das Recept zur Herstellung desselben besteht einfach darin, daß man Bohnen-Kaffee eine Kleinigkeit Otto E. Weber’s Feigen-Kaffee zusetzt. Mit einem solchen Zusatz verbessert man aber nicht allein den Geschmack und die Farbe des Kaffee-Getränkes, sondern dasselbe wird dadurch auch nahrhafter und gesünder, da die geröstete Feige die aufregenden und erhitzenden Eigenschaften des Bohnenkaffees beseitigt. Mein Prima Feigen-Kaffee besteht nur aus sorgfältig gerösteten und gemahlenen Calamata Feigen.[4]– Im frischen Zustand ist er ein trockenes Pulver, ähnlich dem Bohnenkaffee-Pulver. – Erst nach längerem Lagern wird er feucht, klebrig und dunkel, da er infolge seines reichen Caramel-Gehaltes die Feuchtigkeit aus der Luft anzieht. Diese hygroskopische Eigenschaft des Feigen-Kaffee’s wird indeß von mehreren Fabrikanten bereits dahin ausgebeutet, daß sie ihr Fabrikat künstlich mit Wasser und Dampf anfeuchten. – Wasser kostet nichts, macht aber die Waare schwer und dadurch billiger, außerdem läßt sich auch bei einem derartig gefälschten Fabrikat schwer erkennen, ob dasselbe von ordinären Feigen hergestellt, oder gar noch mit anderen Substanzen gemischt ist. Man kaufe daher Feigen-Kaffee immer nur von anerkannt renommirten Fabriken und möglichst frisch und pulvrig, um sicher zu sein, kein künstlich angefeuchtetes oder zu altes, möglicher Weise verdorbenes Fabrikat zu erhalten. Wer aber an dunklen, klebrigen Feigen-Kaffe gewöhnt ist, der lege frische, pulvrige Waare einige Tage an einen feuchten Ort, (in den Keller) sie wird da sehr bald von selbst dunkel und klebrig werden. – Zu beachten ist, daß von frischem, trockenem Feigen-Kaffee beim Verbrauch stets etwas mehr genommen werden muß als von feuchtem. Mein Fabrikat, welches ich nur frisch, d. h. trocken und pulvrig versende, ist in allen renommirten Colonialwaaren-Handlungen zu haben. Beim Einkauf verlange man aber jedesmal ausdrücklich Otto E. Weber’s Prima Feigen-Kaffee, und überzeuge sich auch, daß auf dem Carton meine volle Firma steht, denn es haben bereits einige gewissenlose Fabrikanten die von mir erfundene gelbe Carton-Verpackung nachgemacht, um damit das Publikum zu täuschen. Otto E. Weber, [großes preußisches Wappen] Hoflieferant Hamburg Berlin S.W., Altona, Zollvereins-Niederlassung 18. Junkerstr. 18 Lerchen-Straße No. 65 Die Maße des Werbescheins entsprechen der Originalnote: 157 mm x 100 mm, die ab 1. Januar 1876 als Note der neugegründeten Reichsbank galt. Bereits am 1. Juni 1878 wurden sie ungültig. Auch nach diesem Termin wurden sie von der Hauptkasse der Reichsbank eingelöst. 1878 verlegte Weber aus zollrechtlichen Gründen seinen Betrieb nach Hamburg und 1881 nach Radebeul. 1894 wurde das Unternehmen in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt und die Firma lautete nun „Otto E. Weber GmbH“. Hauptgesellschafter wurde der Augsburger Bankier August Gerstle (1854 – 1899), der 70 % des Stammkapitals übernahm. Sein Schweizer Schwager, Friedrich Guggenheim, wurde Geschäftsführer und beteiligte sich mit 10 % am Gesellschaftskapital. Gerstle starb am 1. Mai 1899 in Augsburg und hinterließ seiner Witwe Anna die Anteile. Nach Webers Tod 1914 ging auch dessen Firmenanteil vertragsgemäß an Anna Gerstle. Als Guggenheim nach kurzer, schwerer Krankheit 1923 starb, übernahm der Sohn von August und Anna Gerstle, Hans-Jakob (1884 – 1942) die Geschäftsführung. Als die Mutter 1924 starb, übernahmen ihre Kindern Hans Jakob und Grete die Geschäftsanteile. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich das politische Klima in Deutschland. Das Unternehmen der jüdischen Eigentümer wurde zur Zielscheibe des "Stürmers"[5], sodass Gerstle am 2. November 1937 die Geschäftsanteile weit unter Wert an den Dresdner Kaufmann Johannes Wilhelm Löhr und die Kathreiner GmbH in Berlin verkaufte. Löhr wurde zum alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführer ernannt. Gerstle gelang am 31. Dezember 1937 die Ausreise nach London, nachdem er auf Druck der Behörden nicht nur die Reichsfluchtsteuer bezahlt, sondern auch sein deutsches Vermögen auf ein nicht transferierbares Inlandskonto eingezahlt hatte. Die Gesellschafter des „arisierten“ Unternehmens wurde nach Kriegsende 1946 enteignet und die Firma in „VEB Otto E. Weber“ umbenannt. Das Stammhaus der heutigen Teekanne GmbH wurde 1952 mit „VEB Otto E. Weber“ zur „VEB Kaffee-Weber-Teekanne“ zusammengelegt. Nach der Wende wurde das Unternehmen privatisiert und 1991 als „Teehaus GmbH“ von der Düsseldorfer Teekanne-Gruppe übernommen. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] (22.04.2021) [2] Feigen-Kaffee ist ein Ersatzkaffee, der meist dem normalen Bohnenkaffee beigemengt wurde, um dem Kaffee einen volleren und etwas süßeren Geschmack zu verleihen. Zur Herstellung des Feigenkaffees wurden die Früchte zunächst in eine kochende Salzlösung getaucht und anschließend 24 Tage in der Sonne getrocknet. Es folgten zwei weitere Monate in sogenannten Trockenkästen. Zur Weiterverarbeitung wurden die getrockneten Feigen noch einmal mit kaltem Salzwasser abgewaschen und anschließend geröstet. Die abgekühlten Früchte wurden dann in einer Mühle zu Pulver zermahlen und verpackt. Der geröstete Feigenkaffee dürfte seinen Ursprung in Oberitalien haben, wo er seit Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt ist. [3] Römische Göttin. Beschützerin der Handwerker und des Gewerbes. [4] Anm. d. Verf.: Die Kalamata-Feigen stammen aus der griechischen Region Kalamata. Die ganze Frucht wird, ohne geschlitzt zu werden, in der Sonne ohne jegliche chemischen Zusätze natürlich getrocknet. [5] Die antisemitische Wochenzeitung "Der Stürmer", Untertitel ab 1932 "Deutsches Wochenblatt zum Kampfe um die Wahrheit", erschien vom 20. April 1923 bis 2. Februar 1945 in Nürnberg.

  • Leserpost: Keine Neuheit, aber dennoch etwas Besonderes

    Dülmen, Stadt: Serienschein zu 2,50 Mark vom 1.12.1921, Vorder- und Rückseite. Hallo Herr Grabowski, keine Neuigkeit, aber dennoch etwas Besonderes. Es ist wohl wirklich ein seltener Glücksfall, eine Seriennummer 1 zu finden – (fast) egal von welchem Geldschein. Wollte ich Ihnen einfach nur mal zeigen :-) Herzliche Grüße, T. Neldner Antwort der Redaktion Ja, super Kontrollnummer! Eigentlich so einmalig wie jede andere auch und trotzdem von den Chancen her, so einen Schein zu bekommen, fast wie ein Lottogewinn. Ich weiß nicht, ob es Ihnen bekannt ist, aber das war eine Marotte von Holger Rosenberg. Er hat möglichst Scheine mit Nummer 000001 gesammelt. Gerne stelle ich den Schein im Blog vor. Vielleicht melden sich noch andere Sammler und senden Abbildungen von Scheinen mit solchen Kontrollnummern. Hans-Ludwig Grabowski

  • SINCONA AG, Zürich, Auktionen 69 und 70 vom 17. bis 19. Mai 2021

    Diesen Frühling auch mit einem großen Kapitel Banknoten von China in Auktion 69 am 18. Mai. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass uns die Corona-Pandemie auch 2021 noch so stark beschäftigt, dass sich die Vorbesprechung zuerst mit dem Umstand befassen muss, ob wir die Sammler und Händler im Mai auch wirklich im Auktionssaal von SINCONA in Zürich begrüßen können oder ob das Bieten nur schriftlich, telefonisch und via Internet erfolgen wird. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir Ihnen nur raten, die Einträge auf unserer Homepage www.sincona.com regelmäßig zu studieren, denn die werden bei Bedarf täglich aktualisiert. Üblicherweise versteigert SINCONA Banknoten in der Oktober-Auktion. Eine umfangreiche und alte Sammlung chinesischer Banknoten vom 19. Jahrhundert bis in die neuste Zeit, veranlasste das Zürcher Auktionshaus, den ersten Teil dieser Sammlung (Scheine bis 1949) ausnahmsweise bereits im Mai anzubieten und im Oktober dann, in einem zweiten Teil, die Banknoten der Volksrepublik ab 1949 zu versteigern. So groß wie das Land China ist, so umfangreich ist auch seine Papiergeldgeschichte. Ab dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gaben viele einheimische Finanzinstitute ihre eigenen Banknoten aus. Bald gab es auch ausländische Banken, allen voran britische Kreditinstitute, die für den länderübergreifenden Warenaustausch ihre Geldscheine drucken ließen. Es folgten deutsche, französische und andere europäische, russische und japanische Banken. Sie alle hatten bedeutenden Einfluss auf die nationale und internationale Handelstätigkeit. 1911 wurde die heute noch existierende Bank of China gegründet. Nationale Banken emittierten unzählige Ausgaben, aber auch lokale Institute gaben Noten aus, die nur in einzelnen Provinzen umliefen, es gab Ausgaben für Gebiete mit Völkern anderer ethnischer Herkunft, Banknoten unter den japanischen Besetzern, Ausgaben von Kommunisten und solche für Militärangehörige; wir treffen diese Unterkapitel in mehr als 560 Losen an. Die drei Bände des „Pick“ (World Paper Money) zählen mehrere tausend Nummern chinesischer Banknoten. Eine große Anzahl der Nummern finden sich auch in dieser Banknoten-Auktion China, 1. Teil, wieder. Neben bedeutenden und natürlich einzeln angebotenen Raritäten veranlasste die große Stückzahl an Noten das Auktionshaus SINCONA, viele Exemplare in Lots zusammenzufassen und mit moderaten Schätzpreisen anzuschreiben. Damit haben sowohl Sammler mit ansehnlichem Geldbeutel, aber auch diejenigen mit kleineren Budgets alle Chancen, das eine oder anderen Schnäppchen machen zu können. Hier ein paar herausragende Exemplare dieses speziellen Teils von Katalog 69. Lot 2009: Imperial Bank of China, Peking Branch. 1 Tael 1898. Sehr selten und gutes sehr schön. Taxe 1.500 CHF. Lot 2111: Central Bank of China (National). 100 Yuan 1936. Ausgaben für Tibet. Überdrucke mit tibetanischen Schriftzeichen. Sehr selten, besonders in dieser gut vorzüglichen Erhaltung. Taxe 750 CHF. Lot 2225: Central Reserve Bank of China. Eine sog. Japanese Puppet Bank. 50 Cents 1940. Taxe 50 CHF. In diesem Lot, bestehend aus 19 Exemplaren verschiedener Nominale, finden sich drei unterschiedliche Farbtypen der 50-Cent-Noten (Pick J5–J7), deren Rückseiten eine versteckte, politisch brisante Mitteilung aufweisen. Wer genau mit einer Lupe im Ornament beim Banknamen nachschaut, findet die verborgenen Buchstaben C G W R (oberhalb) und ein S (unterhalb). Man glaubt, dass dies eine versteckte Botschaft gegen das japanische Regime bedeutete, nämlich die Worte: «Central Government Will Return – Soon» (Die Zentral-regierung wird zurückkehren – bald!). Lot 2229: Central Reserve Bank of China. Eine sog. Japanese Puppet Bank. 200 Yuan 1944. Taxe 100 CHF. Auch in diesem Lot, bestehend aus acht verschiedenen Ausgaben findet sich eine Banknote mit einer geheimen Botschaft. Die 200-Yuan-Note (Pick J30) hat auf der Rückseite die versteckten Buchstaben U und S und auf der Vorderseite ein A und ein C. Dieser Protest gegen japanischen Besetzer sollte bedeuten «United States Army (is) Comming» (Die Armee der USA wird kommen!). Es heißt, dass der Graveur der Druckplatten, ein Mr. Chung Kue-jen, nach der Entdeckung der Geheimbuchstaben, um der Strafe der Japaner zu entgehen, nach Hong Kong fliehen und dort das Ende der Zweiten Weltkriegs abwarten musste. Übrigens finden sich auch im Lot 2234 gleich bei zwei verschiedenen Ausgaben eine weitere, politisch "unanständige" Besonderheit, welche Insidern der chinesischen Banknotengeschichte bekannt ist, man achte auf die Fingerstellung der Hände. Mehr soll an dieser Stelle nicht gesagt sein. Lot 2249: Ausländische Banken, Chartered Bank of India, Australia & China, Shanghai Branch. 5 Dollars 1927. Selten und fast vorzüglich. Taxe 500 CHF. Lot 2260: Ausländische Banken, Bank of East Asia Ltd. Shanghai Branch. 100 Dollars 1924. SPECIMEN der englischen Notendruckerei Waterlow & Sons Ltd. Sehr selten und vorzüglich. Taxe 5.000 CHF. Lot 2322: Provinziale Ausgaben. Kiangsu Province. 5 Yuan o. J. (um 1940). Sehr selten, fast vorzüglich. Taxe 200 CHF. Lot 2377: Provinziale Ausgaben. Hunan Treasury. 10 Yuan 1920. Sehr selten, v.a. in gut vorzüglicher Erhaltung. Taxe 500 CHF. Lot 2421: Provinziale Ausgaben. Pei-Yang Tientsin Bank. 3 Dollars o. J. (ca. 1910). Bankfrisch. Taxe 3.000 CHF. Lot 2475: Kommunistische Banken. Bank of Chinan. 500 Yuan 1943. Kontrollabschnitt zu einem einseitigen, sog. Emergency Circulating Cashier’s Check. Gutes vorzüglich. Taxe 150 CHF. Lot 2533: Militärische Banknotenausgaben. Kwangtung Republican Military Government. 1 Dollar 1912. Sehr schön. Taxe 300 CHF. Wir hoffen sehr, dass wir Sie am 17. – 19. Mai 2021 persönlich in Zürich begrüßen dürfen; andernfalls sind wir stets für Sie da, am Telefon, per E-Mail oder online an den Auktionstagen. Unsere Homepage www.sincona.com informiert Sie jederzeit. So finden diese Frühjahrsauktionen von SINCONA einen schönen Abschluss – diese Vorbesprechung jedoch noch nicht! Man kann es kaum glauben! SINCONA AG ist inzwischen 10 Jahre alt geworden und hat in dieser Zeit 70 interessante Kataloge an die Kunden versenden können. Wir feiern dieses Jubiläum mit großem Stolz, und wer die Kataloge bereits erhalten hat, weiß auch weshalb wir dies speziell erwähnen. Auch die Newsletter werden darauf hinweisen; lassen Sie sich überraschen! Ruedi Kunzmann SINCONA AG

  • Lebensbitter – Die „größte Erfindung der Neuzeit“

    Ein Werbeschein der Firma Anton Hellmich aus den Anfangstagen des Deutschen Reichs in Form eines Reichskassen-Scheins In der Zeit des Deutschen Kaiserreichs nutzten Unternehmen recht häufig Werbung, die in Form von Geldscheinen daherkam. Papiergeld war auch Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland noch nicht weit verbreitet und man konnte sicher sein, dass dieses „exotische“ Geld die Aufmerksamkeit des Publikums weckte. DEU-46: Reichskassenschein über 20 Mark vom 11. Juli 1874, Vorderseite. Anton Hellmich aus Dortmund nutzte dieses Medium und warb mit dem Reichs-Kassen-Schein zu 20 Mark vom 11. Juli 1874 (ungültig ab 30. Juni 1885) für sein Produkt „Lebensbitter“. Dieser Werbeschein weist mit 140 mm x 86 mm fast die genaue Größe des Originals (140 mm x 90 mm) auf. Während die Rückseite im Hochformat das Brustbild des Unternehmers abbildet, gibt die rechte Hälfte der Vorderseite den vereinfachten Druck des Kassenscheins wider und die linke Seite enthält die Werbebotschaft: LEBENSBITTER. Die größte Erfindung der Neuzeit. Derselbe beseitigt die Brechruhr sofort, die rothe Ruhr innerhalb drei Tagen (die Gefahr ist schon in 10 – 12 Stunden vorüber), den augenblicklichen Magenkrampf bei Frauen und Mädchen in 5 Minuten, wofür ich garantire. Auch ist derselbe das unfehlbarste und unschädlichste Abführungsmittel, besonders bei schwangeren Frauen, Kindern und Wöchnerinnen, wofür garantirt wird. Auch gegen allerhand Magenleiden, besonders Magenkrampf hat sich derselbe auf’s glänzendste bewährt, was ich durch 27 amtliche, sowie auch mit über 210 Attesten von Privatpersonen und 7 Attesten aus Amerika beweisen kann. Wenn mir alle Genesende ein Attest eingesandt hätten, so würde ich deren Tausende aufweisen können. 10.000 Mark zahle ich Demjenigen, welcher mir die Unrichtigkeit meiner Atteste beweist, die gratis eingesandt werden. – Mit Verp. ½ Ltr. 3,90, ¼ Ltr. 2,40, 1/8 Ltr. M. 1,65. Man achte genau auf meine blauen Flaschen mit 4maligem Namen incl. Siegel und Bleikapsel. A. Hellmich. Dortmund (Königr. Preussen) Typisch für die Zeit ist die marktschreierische Art der Werbung für das Produkt, weshalb man hier auch von Reklame spricht. Der Werbeschein dürfte aus einer Zeit vor 1885 stammen, da einige Angaben fehlen, auf die Hellmich sicherlich nicht verzichtet hätte, die auf einer Rechnung vom 30. Juni 1892 hervorgehoben werden: Auf dem Rechnungsbogen weist der Unternehmer auf die bei der Pariser Gewerbeausstellung 1885 erhaltene Goldmedaille hin. Vielleicht noch wichtiger scheint die Erwähnung, dass er von Fürst Otto von Bismarck im gleichen Jahr ein Dankschreiben erhielt. Abb. 1.1: Werbenote des Anton Hellmich, Dortmund, Vorderseite Abb. 1.2: Werbenote des Anton Hellmich, Dortmund, Rückseite In einem Fachbuch über Arzneimittel werden die Inhaltsstoffe folgendermaßen angegeben: „Hellmichs Lebensbitter von Anton Hellmich in Dortmund ist ein alkoholischer Auszug aus aromatischen und bitteren Drogen, der mit Zucker versüßt ist. Nach Angaben des Fabrikanten wird der Lebensbitter hergestellt aus: Weinsprit 61 %, Wein 2,6 %, Fenchel, Faulbaumrinde, Alikanteanis, Schlangenwurzel je 1,5 %, Angelikawurzel, Kalmuswurzel, Tausendgüldenkraut, Galgantwurzel, Dreiblatt je 2 %, Enzian 4 %, Baldrianwurzel, Zitwerwurzel, Zimt, Eisenvitrol je 0,7 %, Kardamonen 0,3 %, Aleo 1 %, Honig 2,3 %, Zucker 9,0 %.“[1] Sucht man im Internet unter dem Stichwort „Gesundheit und Bitterstoffe“, so stößt man auf eine Fülle entsprechender Einträge. In ihnen wird die positive Wirkung genießbarer Bitterstoffe auf die Verdauung hervorgehoben, auch würden die Gallen- und Leberfunktionen unterstützt, der Cholesterinspiegel gesenkt sowie die Darmflora reguliert.[2] Unsere Vorfahren wussten schon seit Jahrhunderten, wie wichtig Bitterstoffe für unseren Organismus sind. Hippokrates (um 460 – 370 v.u.Z.) empfahl bittere Kräuter bei Beschwerden, ebenso wie Hildegard von Bingen. „Wir kennen heute hauptsächlich […] die Geschmacksrichtungen süß, salzig, sauer und umami [würzig]. Dies liegt auch an dem Einsatz der vielen Geschmacksverstärker, welche heutzutage in sehr vielen Lebensmitteln zu finden sind. […] Bitterstoffe sind durch die industrielle Herstellung von Nahrungsmitteln weitgehend aus unserer Ernährung verschwunden. Aus Geschmacksgründen wurden viele bitter-schmeckende Nahrungsmittel [weg]gezüchtet, wie z.B. Ruccola, Chicorée, Radicchio, und viele weitere. All diese Bitterstoff-reichhaltigen Nahrungsmittel schmecken heute längst nicht mehr so bitter wie früher.“[3] Da heute kaum noch Bitterstoffe durch die Nahrung aufgenommen werden, empfehlen viele Naturheilkundler die Verwendung entsprechender Lebensmittelergänzungs-Produkte. Ein Blick auf die Beipackzettel der in den Apotheken angebotenen Präparate bestätigt, dass diese die meisten Inhaltsstoffe des Lebensbitters enthalten. Uwe Bronnert [1] G. Arends, Spezialitäten und Geheimmittel aus den Gebieten der Medizin, Technik, Kosmetik und Nahrungsmittelindustrie, Ihre Herkunft und Zusammensetzung, Eine Sammlung von Analysen und Gutachten. Achte, vermehrte und verbesserte Auflage des von E. Hahn und Dr. J. Holpert begründeten gleichnamigen Buches. Berlin 1924, S. 233. [2] https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/lebensmittel/inhaltsstoffe/bitterstoffe (24.04.2021). [3] https://bitterliebe.com/pages/bitterliebe-set?msclkid=d0d75f95936612547d723f16603b8542&utm_source=bing&utm_medium=cpc&utm_campaign=MOFU_Search_DE%2BAT_Generic_Bittertropfen&utm_term=bitterstoffe%20wirkung&utm_content=MOFU_DE%2BAT_Bitterstoffe%2FKr%C3%A4uter (24.04.2021).

  • Einführung eines europäischen Bezahlsystems geplant

    Sowohl beim bargeldlosen Zahlungsverkehr als auch beim digitalen Bezahlen im Internet sind europäische Kunden bisher auf marktbeherrschende Tech-Größen angewiesen, die zumeist in den USA beheimatet sind. Bisher 31 europäische Banken und zwei Zahlungsdienstleister aus insgesamt sieben europäischen Ländern setzen sich daher mittlerweile für die sogenannte European Payments Initiative, kurz EPI, ein. Dabei handelt es sich um den Versuch, ein europäisches Bezahlsystem basierend auf einer eigenständigen Infrastruktur zu etablieren, das für Geldkarten, das Bezahlen in Geschäften mittels einer App, den Onlinehandel sowie den Geldtransfer von einer Person zu einer anderen gleichermaßen greifen soll. Ziel ist es unter anderem, den Bürgern Europas zu ermöglichen, auf dem gesamten Kontinent Bargeld abheben und bargeldlos mit Karte oder App zahlen zu können. Dies soll unter Einhaltung strikter europäischer Sicherheitsstandards geschehen, wobei die dabei entstehenden Daten für einen Verbleib in Europa vorgesehen sind. Weiterhin sind niedrigere Gebühren als bei privatwirtschaftlichen Zahlungsdienstleistern geplant. Die EPI wird von der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Kommission unterstützt. Einer dazugehörigen Pressemitteilung der Firma Giesecke+Devrient zufolge soll die EPI die geplante Einführung des digitalen Euro als souveräne digitale Zentralbankwährung ergänzen. Die EPI und der digitale Euro seien zwei wichtige Leuchtturmprojekte, um die Innovationsfähigkeit und Unabhängigkeit Europas sichtbar zu machen. Mirko Schöder

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