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- Kaliwertanleihe Preußens von 1923
Als in der Hyperinflation der Jahre 1922/23 die deutsche Markwährung zusammenbrach, suchten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Finanzierung ihrer Infrastrukturmaßnahmen. Eine aus der Not geborene Finanzinnovation waren zu dieser Zeit sogenannte „wertbeständige Anleihen“. Neben Werten wie Roggen, Weizen, Kohle und Holz wurde 1923 durch den Freistaat Preußen sogar eine Kaliwertanleihe begeben. Der Freistaat Preußen begab 1923 neben einer Roggenwertanleihe in drei Ausgaben eine wertbeständige 5-prozentige Kaliwertanleihe über den Geldwert von 378.000 Tonnen Kali in der Qualitätsstufe 40%-Kali-Düngesalze. Die Schatzanweisungen wurden in den Nominalwerten 100, 500, 1000 und 10.000 kg Kali ausgegeben, Zinstermine waren der 2.1. und der 1.7. eines jeden Jahres. Die Tilgung erfolgte ab Mitte 1928 und war ab 1930 verstärkt möglich. Die Anleihe wurde teilweise erst ab 1957 nach dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz zurückgezahlt. Hauptverwaltung der Staatsschulden, Preußische 5-prozentige Kalianleihe, Schatzanweisung über den Geldwert (in deutscher Reichswährung) von 100 Kilogramm Kali, ausgegeben in Berlin am 15. Juni 1923. Zahlstellen für Zins- und Tilgung waren u.a. die Preußische Staatsschuldenkasse, die Preußische Staatsbank (Seehandlung) und die Reichsbankanstalten. Die Schatzanweisungen hatten eine Börsenzulassung in Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln und Magdeburg. Hans-Georg Glasemann nonvaleurs.de@gmail.com Ich bin für Sammler Historischer Wertpapiere aktiv im EDHAC. Unterstützen Sie uns, werden Sie Mitglied … Besuchen Sie den EDHAC bei … Facebook! Bildquelle: HGG Privat (10/2020)
- 1000 Rubel Prämie für die 10-MDN-Banknote von 1964
Zehn Jahre nach der Oktoberrevolution in Russland wurde der Familie Shaworonkow im Dorf Afanasowo, knapp 30 Kilometer nördlich von Moskau, am 16. Dezember 1927 ein Mädchen geboren: Lidija Fjodorowa. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und niemand konnte damals schon ahnen, dass später ein Ergebnis ihrer Arbeit Millionen von Deutsche in einer sog. DDR in den Händen halten und damit bezahlen würden. Der Zehnmark-Schein der Deutschen Notenbank von 1964, gedruckt in der staatlichen Wertpapierdruckerei MPF Goznak in Moskau, war eines ihrer vielen künstlerischen Produkte. 10 Mark der Deutschen Notenbank 1964, Austauschnote, Vs.: Friedrich von Schiller. Bis vor 30 Jahren [1] war nicht bekannt, wo die 1964er Banknoten der DDR gedruckt wurden; die Staatsbank der DDR antwortete auf eine Anfrage vom 14. April 1973 im Mai: "Die Nennung der Gestalter ist nicht üblich. Auch auf Ihre Frage nach den Kontroll-Buchstaben der z. Zt. umlaufenden Banknoten der DDR können wir Ihnen keine Auskünfte erteilen." [2] Selbst die DDR-Staatsbank wird seinerzeit nicht gewusst haben, dass die Graveurin der 10-MDN-Note für Ihre Arbeit bei Goznak 1000 Rubel als Belohnung erhielt. Lidija Fjodorowa Majorowa – sie heirate 1954 den Künstler Anatoli Iwanowitsch Majorow – erinnerte sich: "Die Arbeit brachte vor allem Zufriedenheit und Freude. Es gab Belohnungen von der Fabrikleitung für eine gute Arbeit. Es war am üblichsten, ein Porträt in der Fabrik oder in einer Ehrenhalle aufzuhängen, um Arbeitserfolge zu zeigen. Dort ,hing‘ ich sehr oft und dreimal in der Fabrik. Es gab Bargeldprämien. Der größte Bonus für die Arbeit in Höhe von 1000 Rubel wurde mir für die Arbeit an Banknoten von 1961 gezahlt. Der Rest der Auszeichnungen betrug bis zu 200 Rubel." [3] Bis dahin war es jedoch ein sehr weiter Weg. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Sowjetunion im Sommer 1941 kam die Wehrmacht im Dezember bis vier Kilometer vor ihr Heimatdorf. Da war sie gerade 14 Jahre alt und ging in die 7. Klasse. In ihren Memoiren erinnerte sie sich, dass das Leben hart und die Nahrungsmittel knapp waren und dass die Tinte, die sie in der Schule verwendete, im Winter gefroren war. Zwei Jahre später gab es den wichtigen Moment in ihrem Leben, als sie einen Studienplatz in der von der Druckerei Goznak neu eingerichteten Lehranstalt SRU-35 in Moskau erhielt. Die Produktion des Staatsbetriebes wurde noch vor der Doppelschlacht von Wjasma und Brjansk und der folgenden sog. „Moskauer Panik“ auf Befehl Stalins ins Uralvorland ausgelagert. Ab dem 21. August 1941 wurden sämtliche Maschinen und Anlagen sowie Hunderte Fachleute nach Krasnokamsk gebracht und auf dem Gelände der dortigen Papierfabrik neu zu beginnen. Lidija F. (Shaworonkowa) Majorowa, Graveurin bei Goznak von 1943 bis 1983. 1943 suchte Goznak nach geeigneten jungen Leuten, die als Graveure für die Zukunft ausgebildet werden sollten. Viele Beschäftigte waren zur Roten Armee eingezogen worden und es war fraglich, wie viele davon wieder unversehrt zurück kommen würden. So begann Lidija F. Shaworonkowa ihre Lehrjahre – ohne künstlerische Vorbildung, aber mit Talent. Für sie war es der „Eintritt in den Himmel“. Sie bekam neue Kleider und erhielt zweimal am Tag zu essen, was sich wie Luxus anfühlte. Trotz des Kriegs hatte die Bildungseinrichtung einen hohen Standard. Die Behörden erkannten die Bedeutung des Kollegs und stellten sicher, dass es an nichts mangelte. SRU-35 wurde 1946 geschlossen und sie wurde Studentin der Moskauer Technischen Sonderschule des Finanzministeriums der UdSSR. Nach dem fünfjährigem Studium legte sie ihre Diplomarbeit vor: „Davids Kopf“, ein klassischer Kupferstich. Iwan Iwanowitsch Dubasow, leitender Graveur bei Goznak, bewertete diese Arbeit mit einer Fünf-minus (in Deutschland: 1–), da er fand, dass Davids Hals nicht hundertprozentig gelungen war. Nach ihrem Abschluss im Jahr 1948 begann sie als Graveurin bei Goznak in der Werkstatt Nr. 63 unter der Leitung Dubasovs zu arbeiten, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 1983 angestellt war. Anfang der 1960-er Jahre erhielt sie den Auftrag, für die spätere 1964er Banknoten-Serie das Porträt Friedrich v. Schiller zu gravieren; das Ergebnis ist bekannt. Neben den mehr als 80 Briefmarken für die sowjetische Post schuf sie die Sujets zu den 5- und 10-Rubel-Noten von 1961 (5 R. = Spasski-Kreml-Turm/10 R. = Lenin) und auch Banknoten für Bulgarien oder Afghanistan. "Seit fast einem halben Jahrhundert habe ich niemandem erzählt, welches andere Geld ich geschaffen habe. Seit dem Interview des Goznak-Generaldirektors, Arkady Trachuk, mit der Zeitschrift ,Profile‘ wurde bekannt: Vor zwanzig Jahren druckte Goznak nicht nur Geld für die UdSSR, sondern auch für Vietnam, Korea, China, Laos, Kambodscha und andere Länder des sozialistischen Lagers ... Bis 1989 wurden die Banknoten Iraks von Goznak hergestellt. Dann wollte der Irak selber Geld drucken, aber die Qualität hielt der Kritik nicht stand. Jetzt haben die Amerikaner die Herstellung des Dinars aufgenommen. Ähnliches geschah in Afghanistan, dessen Geld bis Ende der achtziger Jahre von Goznak gedruckt wurde. Jetzt macht es Giesecke & Devrient." 5 Rubel 1961, Sowjetunion, Gravur: L. F. Majorowa. 10 Rublel 1961, Sowjetunion, Gravur: L. F. Majorowa. 1 Lew 1962, Bulgarien, Gravur: L. F. Majorowa, Nachdruck 1974. 100 Afghanis 1979 (SH 1358), Afghanistan, Gravur: L. F. Majorowa. 1000 Afghanis 1991 (SH 1370), Afghanistan, Gravur: L. F. Majorowa. 25 Dinars 1986 (AH 1406), Irak, Druck: MPF Goznak. Frau Majorowa beklagte während ihrer Anstellung bei Goznak: "... dass Banknoten anderer Länder oft ein Graveurzeichen tragen. Dies kann der vollständige oder abgekürzte Name des Graveurs unter der Zeichnung sein, Buchstaben, deren Größe kaum wahrnehmbar sind. Abkürzungen oder ein Symbol – ein geheimes Zeichen. Wir bei Goznak haben dies zu Sowjetzeiten nicht akzeptiert, obwohl der frühere Werkstattleiter P. Ljuledshan dieses Problem ansprach. Dann begründeten man, dass die Gestaltung von Banknoten die Frucht kollektiver Arbeit sei. Also habe ich keine Spuren auf meinen Arbeiten hinterlassen." Ihr großes künstlerisches Vorbild war der deutsche Lithograf, Landschaftsmaler und Zeichner Gustav Frank (1819–1888). Sie starb am Silvestertag 2008. Schautafel mit Arbeiten von Lidija Majorowa auf ihrem Stand bei der "PostCard Expo 2008", 21.–27. Januar 2008: "Veteranen-Künstler von Goznak". Lidija Fjodorowa Majorowa beim Signieren der von ihr geschaffenen 10-Rubel-Note auf der »PostCard Expo 2008« in Moskau. Schautafel auf der »PostCard Expo 2008« in Moskau, mit Banknoten, die bei Goznak gedruckt wurden. Schon ab Februar 2009 organisierte Galina A. Anisimova, die Tochter von Lidija Majorowa und damals Zeichenlehrerin an einer Moskauer Schule, Ausstellungen mit Arbeiten, die bei Goznak entstanden. Auch in Deutschland: Die Vernissage „Verborgene Künstler“ fand vom 5. bis 29. Juni 2012 im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin statt. Veranstaltungen gab es auch beim Deutsch-Russischen Kulturinstitut e. V. in Dresden oder bei der Berliner Philatelisten-Gesellschaft. Logischerweise müssten die vier anderen Banknoten der Serie der Deutschen Notenbank von 1964 ebenfalls aus dem Goznak-Atelier stammen; wer sie geschaffen hat, ist bis heute unbekannt. Eine Antwort aus Moskau steht bis heute aus. [4] Berlin, Tresorraum der Staatsbank am 23. April 1990. Die Staatsbank hatte begonnen, aus den zentralen Tressor-Anlagen im Hause der Parlamentarier (dem ehemaligen ZK-Gebäude, früher Reichsbank) eingelagerte Banknoten planmäßig auszusondern. Es handelte sich dabei um Geldscheine, die aus dem Verkehr gezogen und nicht mehr umlauffähig waren. Die Banknoten wurden in einem außerhalb Berlins befindlichen Objekt vernichtet. Die Transporte im Umfang von Hunderten Tonnen erfolgten mit Technik der NVA unter polizeilichem Schutz. (Bundesarchiv, Bild 183-1990-0423-035 / CC-BY-SA 3.0; Foto: Gabriele Senft, ADN) Michael H. Schöne Anmerkungen: [1] „Das Papiergeld im anderen Teil Deutschlands“ in „Der Geldscheinsammler“ Heft 5/1990 [2] Antwortschreiben der Staatsbank der DDR vom 23. Mai 1973 an den Verfasser [3] www.simvolika.org („Geheime sowjetische Künstler“) [4] Anfrage an Goznak vom 7. September 2020: Запрос в ваш архив: Лидия Фёдорова Майорова 1943-1983 гг. Quellen: https://ru.wikipedia.org http://muzeydeneg.ru https://www.liveinternet.ru https://munz.ucoz.ru https://stampengravers.blogspot.com
- Fälscher & Falschgeld: Der Dollar – das Lieblingskind der Fälscher
Fortsetzungsreihe, Teil 6 Der Dollar war viele Jahrzehnte lang aufgrund seiner mangelhaften drucktechnischen Sicherung und seiner Eigenschaft als Leitwährung der westlichen Welt das Lieblingskind aller Fälscher und ist es immer noch. Denn trotz mittlerweile völlig neu gestalteter Noten mit erheblich verbesserten Sicherheitsmerkmalen werden die Altausgaben nicht aufgerufen. Dies hat Tradition in den USA, so sind alle Dollarnoten seit den 1861 ausgegebenen sogenannten Demand-Notes rein rechtlich noch gültige Zahlungsmittel, mit Ausnahme der Privatbanknoten sowie der Noten der Südstaaten (1861 – 1864). Wenngleich die alten Emissionen im Zahlungsverkehr natürlich nicht mehr vorkommen und einen erheblich höheren Sammlerwert als ihr Nominalwert besitzen. Als eine mögliche Reaktion auf das Auftauchen der „Superdollar“ genannten Fälschungen hatte das Schatzamt zunächst tatsächlich überlegt, alle Altausgaben außer Kurs zu setzen. Im Wesentlichen zwei Gründe waren ausschlaggebend dafür, dass man dann aber davon abgesehen hat: erstens der immense Aufwand und die hierdurch anfallenden Kosten, zweitens der unweigerlich eintretende Vertrauensverlust in die wichtigste westliche Währung. Von den insgesamt umlaufenden 1,03 Billionen Dollar (Stand: Juli 2011) werden Schätzungen der US-amerikanischen Notenbank zufolge zwischen 50 und 65 % im Ausland gehalten, das heißt, nur etwa die Hälfte des gesamten Dollarbargeldes läuft in den USA selbst um. Über genaue Zahlen verfügt die Fed allerdings nicht. Bei der ehemaligen Deutschen Mark war es ähnlich. Hier schätzte man, dass sich ständig ca. 40 % der seinerzeit in Umlauf befindlichen DM-Noten im Ausland befunden haben, davon der größte Teil in den Ländern des ehemaligen Ostblocks, und dort als Reservewährung genutzt worden waren. In der gesamten Euro-Zone befinden sich derzeit rund 855 Milliarden Euro Bargeld im Umlauf. Von den in Deutschland emittierten rund 367 Milliarden Euro (kumulierte deutsche Nettoemission) befinden sich Schätzungen zufolge rund 65 bis 70 % außerhalb Deutschlands, meist in Ländern außerhalb der Euro-Zone. Genaue Zahlen sind aber auch hier nur schwer zu ermitteln. Der Bargeldumlauf in Deutschland beträgt Stand Juli 2011 rund 360 Mrd. Euro. Der Dollar ist also sozusagen der „Klassiker“ der Fälschungen: leichter zu fälschen als der Euro, aber schwerer abzusetzen, selbst über Großverteiler. Diese Tatsache trifft zumindest für Deutschland zu. Das schlägt sich auch im Preis für Dollar-Falsifikate nieder. Selbst gute Fälschungen der amerikanischen Währung kosten hierzulande selten mehr als 10 bis 15% des Nennwerts. Der US Secret Service schätzt, dass jährlich weltweit mehrere hundert Millionen falsche US-Dollars gedruckt werden, der überwiegende Teil, nämlich rund 70 %, außerhalb der USA. Davon werden zwar mehr als 90 % sichergestellt, bevor sie in den Umlauf gelangen, dennoch gehen Experten davon aus, dass die Summe aller umlaufenden falschen Dollarscheine mittlerweile den Betrag von 50 Millionen Dollar weit überschreitet. Von der primitiven Farbkopie auf herkömmlichem Schreibpapier über die zahllosen mehr oder minder guten Offsetdruck-Fälschungen bis hin zum perfekten Superdollar, den wir im nächsten Kapitel näher kennenlernen werden. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Tschechische Republik: Werbenoten der Staatlichen Wertpapierdruckerei
Die Staatliche Wertpapierdruckerei STC (Státní tiskárna cenin) in Prag hat einen eigenen Gedenkhunderter ausgegeben. In Format und Farbe orientiert er sich am bekannten Gedenk-Hunderter zum Anlass "100 Jahre Tschechische Kronen", auch ist auf der Vorderseite Alois Rašín abgebildet. Als Sekundärmotiv ist daneben die Statue des Fackelträgers bzw. des Löwen zu sehen, die sich hoch über dem Eingang der tschechischen Zentralbank in Prag befindet, diese wurde vor etwa 100 Jahren von Antonín Popp gestaltet. Der Schein ist vermutlich nicht ein unrealisierter Wettbewerbsentwurf, jedenfalls habe ich das Design nicht unter den verworfenen Entwürfen gefunden. Die Rückseite zeigt das gleiche Gebäude wie die Gedenknote sowie drei goldene Wenzels-Dukaten aus der frühen Zeit der tschechoslowakischen Krone, wie sie in den 1920er und 1930er Jahren geprägt wurden. Das Format (194 mm x 84 mm) ist identisch mit der bekannten Gedenkbanknote. Das Wasserzeichen besteht aus einem periodischen Lindenblattmuster. Auf der Vorderseite – sozusagen als Sicherheitselement – ist ein irisierender Stern zu sehen. Auch wenn es so scheint, es ist keine Banknote, sondern eher unter der Kategorie Werbeschein einzuordnen. Der Text auf der Vorderseite lautet lediglich 100 let česko-slovenské koruny (100 Jahre tschechoslowakische Krone 1919 – 2019), eine Wertangabe „Hundert Kronen“ ist in dieser Form aber nicht zu finden. Auf dem Folder sind als Autoren Karel Zeman, Martin Srb und Michal Šindelář angegeben. Die Auflage beträgt 2000 Stück. Gedruckt wurde der Schein in der STC Prag, das Papier aber wurde – anders als bei der Gedenkbanknote – nicht in Louisenthal hergestellt, sondern von Drewsen Spezialpapiere GmbH, einer Papierfabrik in Lachendorf, Niedersachsen. Die Zeiser GmbH war für die Aufbringung der Nummerierung verantwortlich. Werbeschein der SCT: 1000 von 2020, Vorder- und Rückseite Werbeschein der SCT: 2000 von 2019, Vorder- und Rückseite Ebenfalls von der Staatlichen Wertpapierdruckerei in Prag sind die beiden abgebildeten Werbenoten mit den Wertzahlen 1000 und 2000 (ohne Währungsangaben) von 2019 und 2020. Manfred Dietl
- Berliner Pfandbrief-Anleihe 1922
Als in der Inflation des Jahres 1922 die deutsche Mark-Währung immer weiter zusammenbrach, mussten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Finanzierung ihrer Infrastrukturmaßnahmen suchen. Da Markanleihen aufgrund der galoppierenden Inflation immer schwerer zu platzieren waren, gab es Finanzierungsangebote aus dem Ausland – auch aus den Niederlanden. Auf Beschluss des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung von Groß-Berlin nahm die Stadt Berlin am 1. Februar 1922 von der Amsterdamer Nederlandsche Grondcredietbank ein Darlehen in Höhe von 500.000 Niederländischen Gulden auf. Auf Grundlage dieses Darlehens wurden von der Nederlandsche Grondcredietbank 5-prozentige Pfandbriefe, welche auf den Inhaber lauten, in Stücken von 1000 (Litera A) und 10.000 Mark (Litera B) ausgegeben. Die Zinsen wurden in Mark gezahlt und waren in halbjährlichen Raten am 1. Februar sowie am 1. August fällig. Das Darlehen wurde auf 40 Jahre gewährt. Der Stadt Berlin stand das Recht zu, das Darlehen vor Ablauf ganz oder teilweise nach vorheriger vierteljähriger Kündigung zurückzuzahlen. Zur Sicherheit für Kapital und Zinsen wurden der Nederlandsche Grondcredietbank von der Stadt Berlin bei einem deutschen Treuhänder hinterlegt: die ihr gehörigen 1000 Kuxe der Gewerkschaft Röchling bisher in Völklingen an der Saar betreffend die Steinkohlenfelder nördlich von Werne in Westfalen (Anschaffungspreis seinerzeit 8,5 Millionen Goldmark); vom Deutschen Reich für die Verzinsung und Tilgung garantierte Stadtanleihen; Die Stadt Berlin haftete außerdem mit ihrem Gesamtvermögen. Ferner haftete die Nederlandsche Grondcredietbank, Amsterdam. Zum Zeitpunkt der Ausgabe der Pfandbriefe am 1. Februar 1922 hatten 10.000 Mark einen Wert von 49 US-Dollars (1 Dollar = 204 Mark). Ein Jahr später, zum Zeitpunkt der Einlösung des Kupons No. 2 am 1. Februar 1923, hatten 10.000 Mark einen Wert von nur noch 0,24 US-Dollar (1 Dollar = 41.500 Mark). Die Inflation hatte in einem Jahr das Anleihekapital in Mark um das rund 200-fache entwertet. Insofern hat die Anleihe wohl nicht die Gewinnvorstellungen der niederländischen Bank erfüllt. Das Anleihekonstrukt wurde – wie an den Zinsscheinen und dem entwerteten Pfandbrief erkennbar – Ende 1923 aufgelöst. Naamlooze Vennootschap Nederlandsche Grondcredietbank, 5% Pfandbrief-Anleihe auf Grund einer der Stadt Berlin gewährten Anleihe von 500.000 Holländischen Gulden; entwerteter Pfandbrief No. 4174 über 10.000 Mark, Amsterdam und Nebenstelle Berlin am 1. Februar 1922. Naamlooze Vennootschap Nederlandsche Grondcredietbank, 5% Pfandbrief-Anleihe; Erneuerungsschein und Zinsscheine zum Pfandbrief No. 4174 über 10.000 Mark. Die beiden Kupons No. 1 und 2 vom 1. August 1922 und 1. Februar 1923 wurden abgetrennt. Hans-Georg Glasemann nonvaleurs.de@gmail.com Ich bin für Sammler Historischer Wertpapiere aktiv im EDHAC. Unterstützen Sie uns, werden Sie Mitglied … Besuchen Sie den EDHAC bei … Facebook! Bildquelle: HGG (10/2020)
- Spuren der Arbeiter- und Soldatenräte in der deutschen Geldgeschichte (1918/19) – Teil II
Besonders bewegt waren die Verhältnisse in Bayern. In München kamen am 7. November 60.000 Menschen zu einer Kundgebung auf der Theresienwiese zusammen. Kurt Eisner, Erhard Auer und zehn weitere Redner forderten in einer Resolution die Abdankung des Kaisers, den sofortigen Friedensschluss und die Einführung des Achtstunden-Arbeitstages. Noch in der Nacht proklamierte der USPD-Politiker Kurt Eisner im Landtag den „Freien Volksstaat Bayern“. Die bayerischen Soldaten waren zu kriegsmüde, um noch Kraft und Interesse zu haben, die Monarchie zu verteidigen, sodass der Bayernkönig Ludwig III. in einer Nacht- und Nebelaktion aufs Land floh und am 12. November die Beamten vom Treue-Eid entband, was einer Abdankung gleichkam. Bis zur Einberufung der Nationalversammlung übernahm der Provisorische Nationalrat die Regierung. Ihm gehörten außer Vertretern der Räte auch Landtagsabgeordnete der Sozialdemokraten, des Bauernbundes sowie der Liberaler Vereinigung an. Von München aus griff die Revolution rasch auf die übrigen industriellen Zentren Bayerns über. Im Dezember 1918 gab es in ganz Bayern etwa 7000 Räte. Bayern wurde nicht nur Freistaat, sondern die „Königlich Bayerische Bank“ wurde durch eine Bekanntmachung des Finanzministeriums vom 15. November 1918 auch zur „Bayerischen Staatsbank“. „Um der Zahlungsmittelnot zu begegnen, gab die Bank Mitte November auf Anforderung der neuen Regierung für 120 Millionen Mark Gutscheine in einer Stücklung von einer halben Mark bis zwanzig Mark aus; die Gutscheine erhielten die Eigenschaft eines gesetzlichen Zahlungsmittels.“[1] Auf den Vorderseiten der Nominale zu einer halben, einer, zwei und fünf Mark wird im Unterdruck in der Scheinmitte ein großer fünfzackiger Stern gezeigt – ein Zeichen, das seit der Oktoberrevolution in Russland als bolschewistisches Symbol gilt und für den Arbeiter-und-Bauern-Staat beziehungsweise die Diktatur des Proletariats steht. Ferner wurden Gutscheine zu 10 und 20 Mark emittiert. Bei allen Werten kommen verschiedene Schraffuren bei den Rauten im Siegel vor. Als Ausgabedatum nennen die Scheine den 15. November 1918 und als Ausgabeort Nürnberg. Erst mit der Bankverordnung vom 24. März 1920 wurde der Sitz des Direktoriums und der Hauptsitz von Nürnberg nach München verlegt. Franz von Coluzzi (Bankpräsident von 1915 bis 1927) und Kohlmüller unterschrieben die Geldscheine. Vom Nominal zu 20 Mark sind auch solche ohne Wasserzeichen bekannt; hierbei handelt es sich um Fälschungen. Noten, die aus der Druckerei gestohlen wurden und bei denen noch die Kontrollnummer fehlte, wurden von den Dieben häufig von Hand vervollständigt. Bleibt noch anzumerken, dass bis Ende Dezember die Hälfte der umlaufenden Gutscheine bereits wieder eingezogen war. Abb. 1: Bayerische Staatsbank, 15. November 1918, eine halbe Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 2: Bayerische Staatsbank, 15. November 1918, 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 3: Bayerische Staatsbank, 15. November 1918, 2 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 4: Bayerische Staatsbank, 15. November 1918, 20 M. (Fälschung), Vorder- und Rückseite. Bei den Wahlen zur bayerischen Nationalversammlung am 12. Januar 1919 musste die USPD eine vernichtende Niederlage hinnehmen. Sie erreichte gerade einmal 2,5 Prozent der Stimmen. Stärkste Partei wurde mit 35 Prozent die erst am 12. November 1918 gegründete Bayerische Volkspartei (BVP) vor der SPD mit 33 Prozent. Enttäuscht vom Wahlausgang wollte Eisner am 21. Januar der Verfassungsgebenden Versammlung seinen Rücktritt anbieten. Hierzu kam es nicht mehr. Auf dem Weg zum Landtag wurde er von dem 22-jährigen Anton Graf von Arco auf Valley, einem Mitglied der völkischen, republikfeindlichen und antisemitischen Thule-Gesellschaft, erschossen. Nach Eisners Ermordung radikalisierte sich die politische Lage in Bayern. Im April wurden schließlich kurz hintereinander zwei Räterepubliken ausgerufen – die erste dominiert von Literaten, Pazifisten und Anarchisten, die zweite von Kommunisten. Als im Frühjahr die Räteherrschaft ausgerufen wurde, erklärte diese die Bayerische Staatsbank sofort zur „Staatsbank der Räterepublik“. „Für die Leitung der Bankanstalten im Herrschaftsbereich der Räte, hauptsächlich München, war es keine leichte Aufgabe, ja geradezu mit Lebensgefahr verbunden, in diesen Tagen die Ordnung in der Bank aufrecht zu erhalten. Glücklicherweise ließen sich die Gewalthaber durch ruhige und bestimmte Haltung immer wieder ablenken. Einer der Hauptträger der Bewegung, der Russe Axelrod, stürmte zweimal in Begleitung von Matrosen mit aufgepflanztem Seitengewehr in das Vorstandszimmer, forderte Geld – und ließ sich mit der Bemerkung abspeisen, nach der Dienstvorschrift dürfe Geld nur gegen ordnungsgemäß ausgefüllte Schecke der Staatshauptkasse abgehoben werden. Und als der Volksbeauftragte Maenner, ein ehemaliger Buchhalter der Pfälzischen Bank, von der Staatsbank die Ausgabe neuen Notgeldes verlangte und die Vorstandsbeamten ihre Unterschrift verweigerten, begnügte sich das Volksfinanzhaus, von den Novembergutscheinen Lichtbilder und davon Druckstöcke für neue Gutscheine herstellen zu lassen.“[2] Diese fotochemischen Fälschungen des 20-Mark-Gutscheins haben eine Kontrollnummer über 800.000 und den Buchstaben B. „Die Scheine wurden hauptsächlich zu Soldzahlungen an die vor Dachau und Freising liegende Rote Armee verwendet. Die rechtmäßige bayerische Regierung, die bei Ausrufung der Räteherrschaft nach Bamberg geflüchtet war, erkannte das Notgeld nicht an und ließ durch Flugzeuge Zettel abwerfen, in denen vor der Annahme gewarnt wurde; die Staatsbank löste jedoch die Gutscheine auch nach Beseitigung der Räteherrschaft anstandslos ein, bis sie angewiesen wurde, die Einlösung auf gutgläubig erworbene Beträge bis zu 100 Mark zu beschränken.“[3] Historisches Foto: Revolutionstage in München 1.-2. Mai 1919, Volkswehr am Stachus, Abb. Zeitgeschichtliche Sammlung Hans-Ludwig Grabowski Historisches Foto: München nach den Straßenkämpfen vom 1. bis 3. Mai 1919, eine durch einen Artillerie-Volltreffer zerstörtes Zimmer. Abb. Zeitgeschichtliche Sammlung Hans-Ludwig Grabowski Mit Unterstützung von Reichswehr- und rechtsradikalen Freikorps-Truppen versetzten die bayerische und Berliner SPD-Regierung der Räterepublik den Todesstoß. Im Mai war München von „Weißgardisten“ eingenommen. Es folgte eine Woche des „weißen“ Terrors mit Mord und Totschlag und Hunderten von Opfern. Wenn auch nicht von Arbeiter- und Soldatenräten ausgegeben bzw. initiiert, stehen die folgenden Notgeldausgaben im direkten Zusammenhang zu den Ereignissen. Keller fasste dieses Notgeld in seinem Katalog zu den Großgeldscheinen in einer eigenen Gruppe zusammen, die er mit „B. Grossgeld der Kommunistenwirren Frühjahr 1919“ überschrieb.[4] Während der Rätewirren stellte die Reichsbank in Berlin am 13. April 1919 die Versorgung Münchens mit Banknoten ein. Zudem war die Verbindung verschiedener Orte in Bayern und an der Unterweser mit ihren Wirtschaftsmittelpunkten (München bzw. Bremen) unterbrochen. Einzelne kommunale Verwaltungen und Unternehmen schritten daher zur Selbsthilfe und emittierten Notgeld: Der Distrikt Berchtesgaden gab mit dem Datum 29. April 1919 1-, 2-, 5-, 10- und 20-Markscheine aus; die Marktgemeinde Diessen Notgeld mit Datum vom 22. April 1919 zu 1, 2 und 5 Mark; das Bezirksamt Sonthofen in Immenstadt am 23. April 1919 die Nominale 20, 50 und 100 Mark; die Stadt Landsberg am Lech im April 1919 Scheine zu 10, 20 und 50 Mark; die Stadt Traunstein am 20. April 1919 Geldzeichen zu 5, 10, 20, 50 und 100 Mark. Im Gegensatz zu den Originalen wurden später Neudrucke mit „S.B.“ gekennzeichnet. Ferner emittierte in Penzberg die Bergwerksdirektion mit Datum vom 23. April 1919 Notgeld über 10, 20 und 50 Mark. Diese Scheine gab die Stadt später mit einem entsprechenden rückseitigen Stempelabdruck, Stadtsiegel und Unterschrift an Sammler ab. „Die Penzberger Ausgabe entstand, weil ein angeblicher Volksbeauftragter die aus München zu holenden Lohngelder des Bergwerks unterschlug und damit verschwand.“[5] Bereits mit Datum vom 16. April 1919 gab die Oberbaier. A.-G. für Kohlenbergbau, Bergwerks-Direktion Hausham einen Schein zu 20 Mark aus. Abb. 5: Berchtesgaden, Distrikt, 29. April 1919, 2 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 6: Berchtesgaden, Distrikt, 29. April 1919, 20 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 7: Diessen a. A., Marktgemeinde, 22. April 1919, 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 8: Immenstadt, Distrikt Sonthofen, 23. April 1919, 50 Mark, Vorder- und Rückseite Abb. 9: Landsberg a. Lech, Stadt, April 1919, 10 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 10: Traunstein, Stadt, 20. April 1919, 100 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 11: Traunstein, Stadt, 20. April 1919, 100 Mark, Neudruck, Vorder- und Rückseite. Abb. 12: Penzberg, Bergwerksdirektion, 23. April 1919, 10 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 13: Oberbaier. A.-G. für Kohlebergbau, Bergbau-Direktion Hausham, 16- April 1919, 20 Mark, Vorder- und Rückseite. Der einzige Emittent außerhalb Bayerns war die Bremer Woll-Kämmerei in Blumenthal, die Notgeldscheine mit Datum vom 22. April 1919 emittierte, und zwar die Werte zu 1, 5 und 20 Mark. Sie sind mit "Serie 2" gekennzeichnet. Das Unternehmen gab bereits im November 1918 Gutscheine mit gleichen Werten aus. Abb. 14: Blumenthal, Bremer Woll-Kämmerei, 22. April 1919, 20 Mark, Vorder- und Rückseite. Obwohl die 1918er Großnotgeld-Ausgaben selbst Kinder der revolutionären Umwälzungen sind, finden sich bis auf die wenigen Beispiele kaum unmittelbare Hinweise auf die politischen Vorgänge. Manchmal sind es nur winzige Änderungen, wie beim Münchener Stadtnotgeld, die den politischen Wandel andeuten. Unterzeichnete der Oberbürgermeister bei der Ausgabe vom 25. Oktober 1918 noch als „Dr. v. Borscht“, so verschwand das „von“ über Nacht. Am 28. November heißt es auf den Scheinen nur noch „Borscht“. Bei der Reichsbank dauerte es bis Ende Dezember 1920, bis die ersten Banknoten – 10 Mark vom 6. Februar 1920, 50 Mark vom 23. Juli 1920 und 100 Mark vom 1. November 1920 – mit republikanischen Insignien ausgegeben wurden. Der gekrönte kaiserliche Adler im Banksiegel wurde durch den republikanischen Adler ersetzt. Uwe Bronnert [1] Franz Steffan, Die Bayerische Staatsbank 1780-1930, Geschichte und Geschäfte einer öffentlichen Bank, Zur 150. Wiederkehr des Gründungstages, hrsg. vom Staatsbankdirektorium, München und Berlin 1930, 185. [2] Ebenda, 186. [3] Ebenda, Fußnote 2. [4] Arnold Keller, Katalog Großgeldscheine 1918 – 1921, Unveränderter Nachdruck der 3. Auflage von 1955, München 1976, 90f. [5] Ebenda, 10.
- Roggengeld und Roggenwertanleihen in der Weimarer Republik
Im November 1923 hatte die Weimarer Republik zahlreiche Notgeld- und Inflationsphasen durchlebt. Die schwerwiegendste Phase gipfelte in einer Hyperinflation im Herbst 1923, die praktisch jeden Lohn oder Geldschein in kurzer Zeit wertlos machte. Die Nominalwerte auf den Banknoten kletterten über die Million bis hin zu Werten von Billionen Papiermark. Zur Stabilisierung des Geldwertes gab es mehrere Ansätze, von denen die Zugrundelegung einer wertstabilen Recheneinheit der gemeinsame Nenner war: Goldmark und Dollar. Abb. 1: Niederlausitzer Landbund-Genossenschaft e.G.m.b.H, Roggengutschein über 10 Pfund Roggen von 1923. In einem Notgeld-Erlass vom 23. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung in der späten Phase der Hyperinflation allen industriellen Werken die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld, das durch die Reichsgoldanleihe vom 14. August 1923 gedeckt sein musste und bis auf 4,20 Goldmark oder kleiner lauten sollte. Teile dieser Anleihe wie Zwischenscheine und Teilstücke liefen als Zahlungsmittel um, trugen aber nichts zur Entspannung der Lage bei. Oft wurden Teile der Reichsgoldanleihe zur Schaffung von Notgeld hinterlegt. Notgeld, das auf diese Weise gedeckt war, galt ebenso als gesetzliches Zahlungsmittel. Neben der Reichsgoldanleihe gaben weitere 600 Emittenten im Deutschen Reich solche Anleihen in Mark Gold aus. Es wurde von zahlreichen Betrieben, Städten und Gemeinden in Anspruch genommen. Eine weitere Alternative zur Schaffung beständiger Sachwerte bildete sich bereits ein Jahr zuvor heraus: Im Herbst 1922 waren einige Bauern nicht bereit, ihre Ernte gegen das bereits wertlos werdende Papiergeld abzugeben. Die Abgabe von Getreide wurde daher durch Schuldverschreibungen, die in diesem Fall auf Roggen lauteten, „bezahlt“. Die erste Roggenanleihe gab es deshalb 1922 in Oldenburg und wurde von der Roggenrentenbank AG in Berlin verausgabt. Von staatlicher Seite griff der Freistaat Mecklenburg-Schwerin zuerst auf dieses Kapitalmarktinstrument zurück und gab im Spätherbst Zwischenscheine seiner Roggenwertanleihen aus. Abb. 2: Oldenburgische Staatsbankdirektion, Anteilschein über 1/30 Anteil Roggen gleich 5 Kilogramm Roggen, ausgegeben in Oldenburg am 26. Oktober 1923. Die Staatliche Kreditanstalt Oldenburg emittierte Roggenanweisungen und generierte bzw. garantierte daraus wertbeständige, als Notgeld umlaufende Anteilscheine über 1/3, 1/30, 1/150 und 1/300 Anteile. Die Anteilscheine konnten bis zum 1. April 1927 in ganze Oldenburgische Roggenanweisungen (Wertanleihe) umgetauscht werden. Die Idee, Anleihen auf Sachwerte auszugeben, die nicht dem rasanten Verfall des Geldes unterlagen, verbreitete sich schnell. Nicht nur Roggen war die Grundlage, sondern auch Produkte anderer Hersteller: Butter, Zucker, Mehl, Weizen, Kartoffeln, Schmalz, Bier, Fett, Kilowattstunden Strom, Kubikmeter Wasser, Licht, Gas, Kohle, Holz, Teer, Ziegelsteine, Flachs, Zündhölzer, etc. Abb. 3: Roggenrentenbank AG, Berlin, 5% Roggenrentenbrief vom 1. Juni 1923 über den Geldwert von 1 Zentner Roggen und Bescheinigung der Deckung über Reallasten. Abb. 4: Landbundgenossenschaft Angermünde e.G.m.b.H. (Brandenburg), Gutschein über 5 Zentner Roggen, undatiert. Über das Thema „Roggengeld und Roggenwertanleihen in der Weimarer Republik“ hat der Marburger Historiker Niklot Klüßendorf 2013 einen hochinteressanten Vortrag im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank gehalten. Klüßendorf beschreibt darin die Inflationszeit und die Notgeldproblematik ab 1918 und zeigt auf, wie zu dieser Zeit Sachwerte das Geld verdrängten und wie Roggenwertanleihen ab 1922 bis 1924 als Innovationen den Kapitalmarkt verändern sollten. Da die drei Funktionen des Geldes als Zahlungsmittel, Wertaufbewahrung und Wertmesser – so Klüßendorf – durch die Inflation zerstört wurden, seien als Ausweg verstärkt sogenannte "Sachwertanleihen," zumeist Roggenanleihen, ausgegeben worden, die im Gegensatz zum Geld weiterhin die Illusion der Wertbeständigkeit vermittelt hätten. Manche Roggenscheine waren darauf angelegt, zunächst als Geld zu zirkulieren, boten aber die Möglichkeit des späteren Umtausches in Roggenrentenbriefe bzw. Roggenwertanleihen (ausgegeben von 1922–1924 in 89 Emissionen). Diese Fundierung von wertbeständigem Notgeld durch Sachwertanleihen und die daraus resultierenden Roggenscheine werden detailliert besprochen. Eine gesetzliche Annahmepflicht für diese Geldsurrogate bestand nicht. Wer auf gesetzliche Zahlungsmittel bestand, musste sich mit der hochinflationären Papiermark begnügen. Zum Schluss wird das weitere Schicksal der Roggenwertanleihen und des Roggengelds von 1924 bis zur Umwandlung der Anleihen in Reichsmark-Titel abgehandelt. Klüßendorf stellt fest: „Abschließend sei nochmals betont, dass ein Roggenschein im strengen Sinne der Gesetze kein Geld war, doch als solches umlaufen konnte, mithin als Surrogat zu gelten hat. Die äußere Form solcher Scheine war eine Seite, ihre rechtliche Stellung eine andere. Die Hochinflation war nun einmal eine Zeit der Grenzfälle, in der die Praxis vieles durcheinander brachte, was sich in der Theorie anders ausnahm. Geld ist, was gilt.“ Abb. 5: Central-Landschafts-Direktion für die Preußischen Staaten, Berlin, 5% Roggenpfandbrief über 10 Zentner Roggen vom 30. April 1923. Ein wirklich lesenswerter Beitrag zur Geldgeschichte der Weimarer Republik, sowohl für Sammler „historischer Wertpapiere“ als auch für involvierte Geldscheinsammler. Illustrierend zeigt der Referent verschiedene Beispiele für Sachwertanleihen in Hessen auf. Er beschreibt gekonnt die Entwicklung der deutschen Inflation und zeitlich passend dazu die Finanzstrategien mithilfe von Sachwerten. Abb. 6: Gutschein für 10 Roggenmark der Bremer Festmarkbank vom August 1923. Diese Scheine fungierten als Quittungen für Spareinlagen des etwas dubiosen Kreditinstituts. Abb. 7: Stadt Burg (Preußische Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Magdeburg), 5%-Inhaber-Schuldverschreibung über 1 Zentner Roggenwert vom 10. November 1923 mit aufgestempeltem Konvertierungsvermerk von 1934. Literaturhinweise für Sammler Roggengeld und Roggenwertanleihen in der Weimarer Republik Der 2013 im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank gehaltene Vortrag von Niklot Klüßendorf zum Thema „Roggengeld und Roggenwertanleihen in der Weimarer Republik“ ist auf 49 Seiten mit 25 farbigen Abbildungen abgedruckt in der Publikation „Vorträge zur GeldGeschichte 2013“ der Bundesbank. Weitere Literatur zu Roggengeld bzw. -anleihen: Glasemann, Hans-Georg/Wanner, Eckhardt: Fünfzig Zentner Roggen, Geschichte und Katalog der wertbeständigen Anleihen in Deutschland, Schriftenreihe des Ersten Deutschen Historic-Aktien-Club e.V., Heft 2, 2006, Katalogteil mit 250 deutschen wertbeständigen Sachwert-Emissionen aus den Jahren von 1922 bis 1924. Keller, Arnold: Das wertbeständiges Notgeld (Goldnotgeld) 1923/24, unveränderter Nachdruck der zweiten Auflage von 1954. Müller, Manfred: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924, Deutsches Notgeld, Band 12, 2011. Lindman, Kai: Das wertbeständige Notgeld von 1923/24, 2008. Der Katalog enthält 32 verschiedene Roggengeld-Surrogate (Roggenmark, Roggenscheine, Roggenanweisungen, Zinsscheine). Hans-Georg Glasemann nonvaleurs.de@gmail.com Ich bin für Sammler Historischer Wertpapiere aktiv im EDHAC. Unterstützen Sie uns, werden Sie Mitglied … Besuchen Sie den EDHAC bei … Facebook! Bildquellen: HGG und Privat (9/2020)
- 50 Mark vom 23. Juli 1920 unter dem Primat des Reichskunstwartes
Am 2. März 1920 wandte sich das Reichsbank-Direktorium in einem Schreiben folgenden Inhalts an den Reichskanzler: „Durch Erlaß des Stellvertreters des Reichskanzlers vom 12. August 1914 – C.B.864 – wurde die Drucklegung neuer Reichsbanknoten zu 50.- M nach dem von Professor Artur Kampf herrührenden Entwurf genehmigt. Während des Krieges sind jedoch nur 100.000 Stück von diesen Noten gedruckt worden, die indes nicht zur Ausgabe gelangten, sondern noch in unseren Tresoren lagern. Da der Entwurf als besonders gelungen gelten darf und die Note – eine Kupferdrucknote – gegen Fälschungen sehr gut geschützt ist, haben wir beschlossen, sie später als Ersatz für die jetzt umlaufende im Buchdrucke hergestellte Hilfsbanknote in den Verkehr zu geben.[1] Die auf der Vorderseite befindlichen drei Adler sind nach dem Muster des neuen Reichsadlers abgeändert. Wir beabsichtigen, die Banknote als neue Note mit dem Datum vom 27.2.20 herstellen und die früher angefertigten Drucke vernichten zu lassen. In den Anlagen beehren wir uns zwei abgeänderte Probedrucke mit der Bitte zu übersenden, sie genehmigen und uns geneigtest umgehend wieder zurücksenden zu wollen.“[2] Der Unterstaatssekretär in der Reichskanzlei leitete dieses Schreiben am 12. März 1920 an den Reichsminister des Innern mit der Bitte weiter, die Stellungnahme des Reichskunstwarts herbeizuführen. Abb. 1: Reichskunstwart Prof. Dr. Edwin Redslob (1929), Quelle: Bundesarchiv, Bild 102-08205/CC-BY-SA 3.0 Das Amt des Reichskunstwartes war von der Reichsregierung geschaffen und organisatorisch dem Innenministerium unterstellt worden. Es sollte für alle staatlichen Kunst- und Kulturfragen zuständig sein und für ein einheitliches Erscheinungsbild aller staatlichen Symbole, also des Reichsadlers, der offiziellen, staatlichen Dokumente, Briefmarken, Münzen, Banknoten, Plaketten und Staatsfeiern sorgen. Heute würde man von „corporate design“ der Republik sprechen. Am 29. Dezember 1919 wurde Prof. Dr. Edwin Redslob [* 22. September 1884 in Weimar; † 24. Januar 1973 in West-Berlin] zum ersten und einzigen Reichskunstwart ernannt. Dieses Amt bekleidete er, bis ihn die Nationalsozialisten im April 1933 entließen. Obwohl die Reichsbank den Reichskunstwart darauf hinwies, dass eine Neuausgabe der 50-Mark-Banknote wegen der häufigen Fälschungen der Hilfsbanknote schnellstens erfolgen müsse und bei Nutzung der alten vorhandenen Entwürfe erheblich beschleunigt würde, lehnte dieser die geänderte Banknote ab. Er erklärte, „dass er dem Entwurf in keiner Form seine Zustimmung geben könne. Die Öffentlichkeit würde es nicht verstehen, wenn jetzt noch eine Banknote in Umlauf gegeben würde, die keinerlei Besserung gegen frühere aufzuweisen hat. … Die Note ist zweifellos eine gute saubere Leistung des Künstlers in seinem Stil, aber es ist unerträglich, dass immer wieder gerade dieser Stil, der in der kaiserlichen Zeit zum Überdruss anderen künstlerischen Auffassungen vorgezogen wurde, jetzt weiter in den graphischen Leistungen der Republik verkündet wird.“[3] Abb. 2: Druckprobe, 50 Mark, 16. Dezember 1916, Vorderseite, Quelle: Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine, 21. Vollständig neu erstellte Auflage, Regenstauf 2018, S.49, Kat.-Nr. DEU-43. Abb. 3.1: 50 Mark, 23. Juli 1920, Vorderseite, Kat.-Nr. DEU-74 Abb. 3.2: 50 Mark, 23. Juli 1920, Rückseite Im Antwortschreiben vom 29. April 1920 an den Reichskanzler betonte das Reichsbank-Direktoriums, dass sie selbstverständlich den Wünschen des Reichskunstwartes Rechnung tragen würden.[4] Aber – dann folgten eine Reihe von Einwendungen, warum man an der Ausgabe der 50-Mark-Note festhalten müsse. Ende 1918 habe sich die Reichsbank aufgrund des enormen Papiergeldbedarfs genötigt gesehen, von der bisherigen Praxis abzuweichen, ausschließlich Kupferdrucknoten herzustellen. Um den Anforderungen gerecht zu werden, habe man Noten im Buchdruck herstellen lassen. „Dabei hat sich indessen herausgestellt, daß im Wege des reinen Buchdrucks eine auf die Dauer brauchbare Note nicht hergestellt werden kann. Die erste Buchdrucknote wurde alsbald so gefälscht, daß wir uns nach einigen Monaten entschließen mußten, sie unverzüglich aufzurufen. Aber auch von der zweiten Buchdrucknote kamen bald so zahlreiche Fälschungen vor, daß wir uns gezwungen sahen, sie möglichst aus dem Verkehr zu ziehen, die Durchführung ihrer Einziehung ist bisher nur durch den immer wachsenden Zahlungsmittelbedarf verhindert worden. Wir haben darauf in Wien eine neue 50-M-Note entwerfen lassen, die teils in Wien, teils in Berlin zur Ausführung gelangte und die nach Auffassung von Sachverständigen Fälschungen, wenn auch nicht ausschließen, so doch aufs äußerste erschweren sollte. Tatsächlich haben sich auch in den ersten drei Monaten Fälschungen dieser Note nicht gezeigt. Seit einigen Wochen jedoch sind im Verkehr Fälschungen hervorgetreten, die in wachsendem Maße als gefährlich angesehen werden müssen. Von den zuletzt aufgetauchten Fälschungen sind einige derart geschickt hergestellt, daß das Publikum schwerlich imstande sein dürfte, sie von den echten Noten zu unterscheiden. Es leuchtet ein, daß unter diesen Umständen unsere gesamte Geldwirtschaft und das jetzt besondere sorgsam zu hütende Vertrauen zum Papiergeld auf das äußerste gefährdet ist, solange es nicht gelingt, die umlaufenden, vor Fälschung zu wenig geschützten Noten durch neue Stücke zu ersetzen, welche die Fälschung in wesentlich stärkerem Maße erschweren.“ Dies könnte nur erreicht werden, wenn die neue 50-Mark-Noten im Kupfertiefdruck hergestellt würden. Wegen der Dringlichkeit habe man auf die bereits 1914 genehmigte Kupferdrucknote zurückgegriffen, deren Herstellung wegen des Kriegsausbruchs vorrübergehend ausgesetzt wurde, weil die Reichsdruckerei wegen des außerordentlich großen Bedarfs an Darlehnskassenscheinen und der verminderten Leistungsfähigkeit voll ausgelastet war. „Da diese Note bereits genehmigt und in gewissen Mengen sogar schon hergestellt war, kam für sie die Begutachtung durch den Reichskunstwart nicht mehr in Frage. Nur weil die Form der Hoheitszeichen – der drei Adler auf der Vorderseite – sich inzwischen geändert hatte, erschien es uns, obwohl für die Adler die Gestaltung vorgeschrieben ist, doch geboten, die Euer Exzellenz zur Genehmigung und zwar lediglich wegen dieser unwesentlichen Abänderung vorzulegen.“ Das Direktorium betonte, dass Sachverständige den Entwurf in technischer Hinsicht gegen Fälschungen als mustergültig geschützt ansehen würden. Dann führte man ins Feld, dass für Entwurf und Druckvorbereitungen erhebliche Kosten entstanden seien, auch große Papiermengen seien bereits mit dem Andruck dieser Note versehen worden. Und schließlich führte man an, dass „in einer Zeit, in der Sparsamkeit allenthalben unbedingt geboten ist, [diese Kosten] nicht unberücksichtigt bleiben dürfen.“ Der Reichskunstwart beharrte auf seinem Standpunkt. In seiner Stellungnahme zum Schreiben der Reichsbank heißt es: „Es ist mir durchaus unmöglich, da es dem Sinne der Stelle des Reichskunstwarts schädigend widerspricht, der Note zuzustimmen. Ich würde dadurch den bei Gründung der Stelle von der Regierung geplanten Absichten entgegenarbeiten, denn keine Presseerklärung kann verhindern, dass ein neu herauskommender Schein als erstes Ergebnis der Reichskunstwartstelle angesehen und entsprechend beurteilt wird.“[5] Ferner vertrat er die Meinung, dass die Reichsdruckerei sehr wohl in Lage sei, „einen der jetzt vorhandenen 50-Markscheine zum mindesten kurzfristig mit entsprechenden Schutz gegen Fälschungen herauszubringen.“ Auch bezweifelte er, dass die Herstellung eines neuen Geldscheins mindestens 1 ¼ Jahre dauern würde. Seine Ausführungen gipfelten in der Kritik an der kunstfeindlichen Auffassung der Reichsbank. Die bisher übliche Trennung zwischen künstlerischen und technischen Gesichtspunkten widerspreche dem künstlerischen Gefühl und eröffne „dem geradezu heiligen Bedürfnis nach Durchsetzung von Geschmacklosigkeiten Rechnung zu tragen.“ Da die Fronten zwischen Reichsbank und Reichskunstwart unüberbrückbar schienen und eine weitere Verzögerung nicht zu verantworten war, entschied der Reichskanzler am 26. Juni 1920 salomonisch:[6] „Da die in dem Schreiben des Reichsbank-Direktoriums vom 29. April angeführten schweren Schäden durch Fälschungen eine längere Verzögerung nicht verantworten lassen, will ich der Herausgabe des mir vorgelegten fertigen Entwurfs nicht weiter widersprechen.“ Dem Reichsbank-Direktorium wurde jedoch aufgetragen, vor der tatsächlichen Ausgabe der Noten, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass die Verhältnisse dazu gezwungen hätten, den seit 1914 vorliegenden Notenentwurf auszuführen und in Verbindung mit dem Reichskunstwart alsbald neue Noten ausgegeben würden. Auch die Direktion der Reichsdruckerei meldete sich zu Wort, als sie von dem Schreiben des Reichskunstwartes erfuhr.[7] Sie reagierte mit völligem Unverständnis darüber, dass dieser die Zeitspanne von 1 ¼ Jahr für die Herausgabe einer neuen, den zeitgemäßen Anforderungen auf Sicherheit genügenden Kupferdruckbanknote anzweifele, beruhe doch diese Angabe auf jahrelanger Erfahrung. Auch die angedeutete Möglichkeit, eine der jetzt vorhandenen 50-Mark-Noten kurzfristig mit entsprechendem Schutz gegen Fälschungen zu versehen, würde den tatsächlichen Verhältnissen in keiner Weise Rechnung tragen. „Eine solche Umarbeitung wäre auch, wenn etwas brauchbares entstehen soll, nicht kurzfristig auszuführen, da sie gleichbedeutend ist mit einer völligen Neuarbeit der Platten.“ Dann „belehrte“ die Direktion der Reichsdruckerei den Herrn Professor, dass bei dem gegenwärtigen Arbeitsniveau der Fälscher auf allen Gebieten der Reproduktion und Grafik eine Trennung zwischen Kunst und Technik beim Banknotendruck nicht denkbar sei. „Dies führt zu der unabweisbaren Forderung, die Widerstandsfähigkeit eines Druckverfahrens gegen Reproduktionen bis auf die letzte Möglichkeit zu erschöpfen. Kein noch so vollendeter reiner Kupferstich erfüllt diese Forderung, sondern bedarf dazu der Ergänzung durch komplicierte Maschinenarbeit und Aetztechnik, neben einer weiteren Sicherung durch besondere Schutzdrucke. Damit die Sicherungen genügend wirken, und ihnen auf dem Entwurf ein angemessener Raum gewährt werden. Von dieser Forderung läßt sich nicht abgehen. Sie beengt allerdings den Künstler in der freien Entfaltung einerseits durch den Umfang, andererseits durch die Sprödigkeit der Materie und wird stets einen Trennstrich ziehen zwischen seinem Wollen und Können, selbst wenn es ihm gelingen sollte, sich selbst vollkommen in die verwickelten Arbeiten hineinzufinden. Da starke künstlerische Naturen derartige Einengung ihrer Entfaltung ablehnen werden, so möchte es sich empfehlen, bei weiteren Verhandlungen auf diesen Punkt besonders hinzuweisen, damit keine Verzögerung eintritt. Die Direktion bittet nunmehr um Namhaftmachung geeigneter Künstler, damit ungesäumt die technischen Vorbesprechungen stattfinden können.“ Gerade die letzten Sätze machen deutlich, wen die Reichsdruckerei für die Verzögerung bei den Arbeiten bei den neuen geplanten Banknoten zu 1000, 100 und 20 Mark verantwortlich machte. Ins gleiche Horn blies auch das Reichsbank-Direktorium in einem Schreiben an den Reichskanzler am 7. August 1920.[8] Die Reichsbank beschwerte sich darüber, dass der Reichskunstwart bewährte Künstler der Reichsdruckerei von den Arbeiten an Entwürfen zu neuen Reichsbanknoten ausgeschlossen habe, die Entwürfe der neuen Künstler jedoch völlig ungeeignet seien, da es ihnen an Kenntnissen der Sicherungstechnik fehlen würde. Der Briefabsatz schließt mit den Worten: „Wenn der Reichskunstwart auf seinem Standpunkt beharrt, so steht zu befürchten, daß brauchbare Vorlagen in absehbarer Zeit nicht zustande kommen.“ Den Vorwurf, dass die Reichsbank eine „kunstfeindliche Auffassung“ vertrete, wies das Direktorium zurück und erklärte, dass dies nur an der völligen Unkenntnis des Reichskunstwarts läge, der die Anforderungen, die an eine brauchbare Banknote in technischer Hinsicht gestellt werden müssen, und von deren Erfüllung die Sicherheit unseres Papiergeldumlaufs abhinge, nicht sehe. Der Brief gipfelte schließlich in der Aussage, dass die Reichsbank auf Grund der Vorschriften des Bankgesetzes für die Ordnungsmäßigkeit des Notenumlaufs verantwortlich sei und hiernach auch die Verantwortung dafür trage, „daß die umlaufenden Noten technisch so gut, als es nach Lage der Verhältnisse irgend möglich ist, hergestellt werden. … Von dieser Verpflichtung kann uns die Rücksichtnahme auf den Reichskunstwart nicht befreien, dessen Tätigkeit überdies zwar bestimmungsgemäß die vom Reich ausgegebenen Wertzeichen (Reichskassenscheine) umfaßt, unseres Erachtens aber sich nicht auf die von der Reichsbank in Umlauf gebrachten Wertzeichen erstreckt.“ Daher habe das Direktorium die Reichsdruckerei mit der Herstellung neuer Noten (zu 1000 Mark) beauftragt. Zum Entwurf der Note sollten ausschließlich solche Künstler herangezogen werden, „die mit der Notenherstellungstechnik genau vertraut und demzufolge imstande sind, in kürzester Zeit einen technisch einwandfreien Entwurf anzufertigen.“ Ministerialrat Arnold Brecht reichte eine Abschrift der beiden Schreiben an Redslob weiter.[9] Gleichzeitig bedauerte er, dass die bisherigen Banknoten-Entwürfe nicht von Erfolg gekrönt waren, versuchte aber gleichzeitig auch die Wogen zu glätten. Brecht bat dringend zu überlegen, was er (Redslob) in dieser Sache machen könne. Und dann heißt es im Brief: „Sie sind meiner Unterstützung, wie Sie wissen, sicher, wenn sich ein gangbarer Weg zeigt. In einem Punkt wird jeder Widerstand gegen die Reichsbank zwecklos sein; das ist die Frage, welche technischen Mittel und Scherze bei der Herstellung der Noten verwendet werden müssen. Ich nehme als Laie an, daß sich das z.B. auf die Verwendung der kreisförmigen, ineinanderlaufenden Linien bezieht, die mechanisch hergestellt werden, ferner auf die Verwendung von Bildnissen mit einem schwer nachzuahmenden leicht im Gedächtnis haftenden Bildnisdrucks usw.“ Der Ministerialrat betonte ferner, dass es bei der schwierigen Finanzlage des Reiches wichtig sei, Banknotenfälschungen zu verhindern, um den Wert der Währung zu schützen. „Die Reichsbank löst jetzt schon stillschweigend sehr große Summen (Millionen!) falscher Noten ein, weil sie so gut nachgeahmt sind, daß die Ablehnung der Einlösung eine Beunruhigung der Öffentlichkeit zur Folge hätte, deren finanzielle Rückwirkung größer ist als die Ausgaben für die Einlösung.“ Ministerialrat Brecht stand der Arbeit Redslobs wohlwollend gegenüber und vermutete, dass die ablehnende Haltung der Reichsbank genereller Art sei. „Als alter Skeptiker habe ich persönlich bis zur eigenen vollen Durchdenkung meine Zweifel, ob wirklich gerade die und nur die technischen Bedingungen zur Verhütung von Fälschungen in Frage kommen, die die Reichsbankführung fordert. Aber soviel ist sicher, daß wir im Moment gegen das Gewicht dieser Erfahrung nicht ankommen, und daß es vergebliche Kraftverschwendung ist, wenn wirs versuchen würden.“ Er fragte deshalb, ob der Reichskunstwart in der Lage sei, einen geeigneten Künstler namhaft zu machen, der die Absicht habe, „innerhalb aller dieser technischen Bedingtheiten eine brauchbare Leistung herzustellen,“ und an anderer Stelle, „ob man nicht einen Künstler der ‚impressionistischen Epoche‘ bitten könnte, sich den Wünschen der Reichsbank in seinem Entwurf genau zu fügen. Ich denke, diese etwas alten Köpfe werden vielleicht eher eine sowohl künstlerisch wie bankmäßig brauchbare Lösung schaffen.“ Brecht brachte hier den Maler und Grafiker Max Slevogt ins Spiel. In seiner Antwort[10] stellte Redslob zunächst fest, dass das Reichsbankdirektorium am 19. Dezember 1919 seine Zustimmung zu seiner Mitwirkung bei der Herstellung neuer Banknoten gegeben und dies am 29. April 1920 ausdrücklich wiederholt habe. Er verteidigte seinen Vorgehen damit, dass er versucht habe „eine Lösung der Banknotenfrage herbeizuführen, die nicht mehr wie bisher unkünstlerische Scheine unter dem Vorwand ihrer technischen Vorzüglichkeit ausgeführt sehen wollte, sondern die von der Absicht ausgeht, Mitarbeiter zu gewinnen, die in Zusammenarbeit mit der Reichsdruckerei die technischen Grundbedingungen in einer künstlerisch hochstehenden Weise erfüllen sollten.“ Er habe der Reichsdruckerei die Grafiker Hadank, Behmer und Buhe vorgeschlagen und Entwürfe von Rössing vorgelegt, die allesamt abgelehnt wurden. Schließlich habe er im Juni mit Rücksicht auf die eingeleiteten Vorarbeiten der Ausführung des vorhandenen Scheins zugestimmt, „der freilich nur als Ersatzstück gedacht war.“ Redslob warnte eindringlich davor, dieses Zugeständnis nun dazu zu benutzen, seine Dienststelle in der Frage der Banknotengestaltung übergehen zu wollen. Schließlich räumte er ein, dass er seinerseits erst Erfahrungen habe sammeln müssen. Ferner empfahl er der Reichsdruckerei die Künstler Hermann Tiebert und Willi Geiger. Nach einem Treffen von Vertretern des Reichsbank-Direktoriums, dem Direktor der Reichsdruckerei und dem Reichskunstwart wurde eine Einigung dahingehend erzielt, dass die Reichsdruckerei die beiden Künstler einarbeiten sollte und dass außer der Fünfzigmarknote neue Zehnmarkscheine und eine Hundertmarknote in allernächster Zeit druckfertig vorlägen. Ferner sollten weitere Künstler gewonnen und eingearbeitet werden.[11] Am 24. Dezember 1920 wurde dann die Ausgabe der neuen Banknoten zu 10, 50 und 100 Mark in den Zeitungen gemeldet. Abb. 4: Die neuen Reichsbanknoten, Quelle: Berliner Tageblatt und Handelszeitung, Nr. 589 vom 24. Dezember 1920, Morgenausgabe Abb. 5.1: 10 Mark, Reichsbanknote, 6. Februar 1920, Vorderseite, Kat.-Nr. DEU-73 Abb. 5.2: 10 Mark, Reichsbanknote, 6. Februar 1920, Rückseite Abb. 6.1: 100 Mark, Reichsbanknote, 1. November 1920, Vorderseite, Kat.-Nr. DEU-75 Abb. 6.2: 100 Mark, Reichsbanknote, 1. November 1920, Rückseite Die 50-Mark-Note war die letzte im doppelseitigen Kupferdruck hergestellte Banknote der alten Reichswährung. Von ihr wurden gerade einmal 21.670.000 Stück gedruckt. Zum Vergleich: Allein die Reichsdruckerei stellte 483.108.402 Noten der dritten Hilfsbanknote (24. Juli 1919) her. Daneben produzierten verschiedene Privatdruckereien sowie die Druckerei der Oesterreichisch-Ungarischen Bank in Wien die Note. Letztere schuf auch die Urdruckplatten. Die beiden anderen Noten wurden von der Reichsdruckerei im schneller und billiger arbeitenden Buchdruck hergestellten: 241.301.000 Stück von der 10-Mark-Banknote und 603.314.185 vom 100-Mark-Schein.[12] Die neue Note zu 1000 Mark ließ weiter auf sich warten und gelangte erst 1922 zur Ausgabe. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Anm. d. Verf.: Hierbei handelte es sich um die 50-Mark-Banknoten vom 30. November 1918, den sog. Eierschein, der wegen der vielen Fälschungen am 21. Januar 1921 für ungültig erklärt wurde. Er war aber noch bis zum 31. Juli 1921 einlösbar. [2] BA Berlin, R43-I/629, Bl. 91. [3] Ebenda, Bl. 94, Schreiben des Reichskanzlers an das Reichsbank-Direktorium vom 13. April 1920. [4] Ebenda, Bl. 138 – 140. [5] Ebenda, Bl. 149 f., Schreiben des Reichskunstwarts an die Reichskanzlei vom 18. Mai 1920. [6] Ebenda, Bl. 153. [7] Ebenda, Bl. 163 f., Schreiben der Direktion der Reichsdruckerei an den Reichskunstwart vom 7. August 1920. [8] Ebenda, Bl. 161 f. [9] Ebenda, Bl. 166 f., Schreiben vom 21. September 1920. [10] Ebenda, Bl. 189 f., Schreiben des Reichskunstwartes an den Staatssekretär in der Reichskanzlei vom 27. September 1920. [11] Ebenda, Bl. 191 f., Schreiben des Staatssekretärs in der Reichskanzlei an das Reichsbankdirektorium vom 11. Oktober 1920. [12] Vgl. Direktion der Reichsdruckerei (Hrsg.), Fünfzig Jahre Reichsdruckerei 1879 – 1929, Berlin 1929, S. 161.
- Fälscher & Falschgeld: Wie erkennt man Falschgeld?
Fortsetzungsreihe, Teil 5 Zugegeben: für den Normalbürger, der sich für die Materie Falschgeld und das Thema Geld nicht oder nur insofern interessiert, als ihm letzteres zur Bestreitung der Ausgaben des täglichen Lebens dient, ist es manchmal nicht einfach, einen falschen von einem echten Geldschein zu unterscheiden. Bei Münzen kommt hinzu, dass sie im Zahlungsverkehr so gut wie nie geprüft werden, da im Publikum die Meinung vorherrscht, es gäbe keine Münzfälschungen, denn deren Herstellung lohne sich ja ohnehin nicht für den Fälscher. Doch es befanden und befinden sich Falschmünzen von so außerordentlich guter Qualität im Verkehr, die von einem Laien kaum noch als Fälschung zu erkennen sind. Das größte Problem in Deutschland aber ist, dass sich aufgrund des jahrzehntelangen sehr niedrigen Niveaus von im Umlauf befindlichen falschen Banknoten ein sehr sorgloser Umgang mit Bargeld eingebürgert hat. Angenommene Geldscheine werden so gut wie nie auf Echtheit geprüft, da man mit Falsifikaten einfach nicht rechnet. Bei Kassiererinnen und Kassierern in den verschiedenen Branchen des Einzelhandels kommt neben einem gewissen Desinteresse die Zeitnot hinzu. „Die Prüfung auf Falschgeld kostet Zeit – Zeit, die wir an der Kasse nicht haben“, ist das am häufigsten gehörte Argument von Verkäufern und Kassiererinnen, wenn es um die Prüfung angenommener Geldscheine geht. Wer als Supermarktkassiererin am Freitag Abend kurz vor Ladenschluss Banknoten prüft und damit Zeit „vergeudet“, zieht sich unweigerlich den Unmut der in der endlosen Schlange an der Kasse wartenden Kunden zu, die das Wochenende herbeisehnen und möglichst rasch nach Hause wollen. Zumal sich der Kunde, dessen Schein geprüft wird, einem aus seiner Sicht ungerechtfertigten Verdacht und den hämischen Blicken der hinter ihm Wartenden ausgesetzt sieht. Also lässt man es lieber. Unlängst hat eine Kassiererin in einem Baumarkt dem Autor auf eine entsprechende Frage, warum sie lediglich die UV-Eigenschaften, ansonsten aber keine weiteren Sicherheitsmerkmale prüfe, eben mit diesem Argument „Zeitmangel“ geantwortet. Ergänzend hat sie sogar gestanden, „sie mache diese UV-Prüfung nur alibihalber, weil es von der Geschäftsleitung so angeordnet worden sei, ansonsten wäre ihr das Thema Falschgeld völlig egal, es käme ja sowieso kaum welches vor.“ Auf die Frage, welche Merkmale sie denn sonst noch prüfen könne, wusste sie denn auch keine Antwort. Wer genau hinschaut, erkennt, dass die drei feinen Linien in der Mitte der spiegelbildlichen Darstellung der Brückenabbildung der Rückseite des 10-Euro-Scheines aus der Währungsbezeichnung in Mikroschrift bestehen. Die kleinen verstreut angeordneten Kreise sind ein Kopierschutz, der sogenannte OMRON-Code. Die Plattenbezeichnung führt den Buchstaben „J“ als Erkennungszeichen der Druckerei der Banca d’ Italia. Die mangelhafte Aufklärung und Schulung des Kassenpersonals in den meisten Bereichen des Einzelhandels kommt also erschwerend hinzu. Die Deutsche Bundesbank hat dies erkannt und will nun verstärkt Schulungen für Handel und Gewerbe anbieten, aber insbesondere auch in die Berufsschulen gehen, um die künftigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer frühzeitig mit der Materie vertraut zu machen. Permanente Präventionsarbeit, das heißt, die ständige Aufklärung der Bevölkerung und insbesondere der Personen, die beruflich ständig mit Bargeld umgehen, über das Aussehen echten Geldes und die Sicherheitsmerkmale sowie über die Erkennungsmöglichkeiten von Falschgeld ist so wichtig wie nie zuvor. Allerdings wird dies nur in dem Maße Früchte tragen, wie sich die am baren Zahlungsverkehr Beteiligten gleichzeitig bemühen werden, Geldscheine unter Nutzung der vorhandenen Echtheitserkennungsmerkmale auch tatsächlich zu prüfen und nicht kritiklos alles anzunehmen, was auch nur halbwegs nach Banknote aussieht. Wichtig in diesem Zusammenhang ist stets, nicht nur ein einzelnes Merkmal zu prüfen, das unter Umständen vom Fälscher durchaus täuschungsfähig reproduziert werden kann, sondern immer mehrere Sicherheitsmerkmale. Zusätzlich muss beim Vergleich einer verdächtigen mit einer unzweifelhaft echten Note nach den Unterschieden zwischen beiden gesucht werden, nicht nach vorhandenen Übereinstimmungen. Die Prüfung von Euro-Banknoten nach dem bewährten System Fühlen Sehen Kippen ist sehr einfach und erlernbar. Jeder ist damit ohne weitere Hilfsmittel in der Lage, falsch von echt zu unterscheiden. Zusätzlich besteht bei Bedarf die Möglichkeit, unter Zuhilfenahme von Lupe und UV-Lampe die Mikroschrift und die fluoreszierenden Eigenschaften zu prüfen. Fühlen Zunächst achte man auf die Papierbeschaffenheit. Echtes Banknotenpapier besteht aus reiner, kurzfaseriger Baumwolle. Es ist fest im Griff und hat einen ganz eigenen, unverkennbaren Klang. Erfahrene Bankkassierer erkennen Falschgeld bereits, wenn sie einen Schein in die Hand nehmen. Das Papier weist zum Schutz vor schneller Abnutzung eine Oberflächenleimung auf. Die eine Seite des Scheins ist dabei relativ glatt, die andere etwas rauer. Dies ist herstellungsbedingt: Im ersteren Fall handelt es sich um die sogenannte Filzseite, meist die Vorderseite des Geldscheins, im zweiten Fall um die Siebseite. Deutlich fühlen kann man auf der Notenvorderseite den Stichtiefdruck. Die einzelnen Bildteile, die in diesem Druckverfahren ausgeführt sind, weisen durch den hohen Farbauftrag ein deutlich fühlbares Relief auf. Besonders gut erkennen kann man das am Hauptmotiv (Tor oder Fenster), am EZB-Schriftzug und an dem sogenannten ISARD-Code. Bei den Wertstufen zu 200 und 500 Euro sind auch die Erkennungszeichen für Sehbehinderte in diesem Verfahren gedruckt. Der Stichtiefdruck wird in einem späteren Kapitel noch näher erläutert. Diese Nachahmung der 50-DM-Banknote der Ausgabe BBk IA wurde Ende 1989 erstmals angehalten. Die Bundesbank vergab die Klasse C10 für diese recht gute Eindrucksfälschung. Das Druckbild lässt aber die plastische, kontrastreiche Wirkung der echten Banknote vermissen, Folge des fehlenden Stichtiefdrucks. Diese Falsifikate wurden im Offsetdruck hergestellt. Im Gegensatz zur Fälschung ist der Druck der echten 50-DM-Note prägnant und klar, nicht flächig und vergröbert wirkend. Sehen Die Wasserzeichen der Euro-Noten haben zwar im Vergleich mit denjenigen der ehemaligen DM-Scheine qualitativ deutlich gelitten. Denn ein relativ steriles, neutrales Architekturmotiv lässt sich eben nicht so gekonnt und detailreich in ein Halbton-Wasserzeichen umsetzen wie eine Porträtabbildung. Dennoch ist und bleibt das Wasserzeichen ein erstrangiges Sicherungsmittel für Wertdrucke. Die Übergänge von Hell nach Dunkel sind stets fließend und weich, nie abrupt. Die Helligkeitsumkehr eines echten Wasserzeichens ist ein weiteres Echtheitsmerkmal, das besonders gut an dem sogenannten Wertwasserzeichen, es wird auch Drahtwasserzeichen genannt, zu erkennen ist. Aufgedruckte Wasserzeichen bei Fälschungen sind dagegen bereits in der Aufsicht deutlich zu erkennen, in der Durchsicht aber vielfach zu blass und unscharf. Meist weicht auch die Zeichnung des Motivs von derjenigen des echten Wasserzeichens ab. Der in das Papier während dessen Herstellung eingebettete Sicherheitsfaden ist metallbeschichtet und lässt sich mit einem spitzen Gegenstand, etwa mit einer Nadel, freilegen. Durch entsprechende Aussparungen der Beschichtung befinden sich Wert- und Währungsbezeichnung auf dem Faden, alternierend seitenrichtig und seitenverkehrt. Bei Fälschungen ist der Faden durch Kniffen des Papiers oder durch Aufdruck, meist auf der Rückseite, nur vorgetäuscht. In der Durchsicht ist er daher nur sehr schlecht zu erkennen. Vielfach fehlt auch die Wertbeschriftung, oder sie ist nur mangelhaft reproduziert und schlecht lesbar. Die grafische Entwicklung der Dollar-Noten hatte keinen Einfluss auf die Nachahmungs-häufigkeit, Dollars wurden gerne gefälscht – zu allen Zeiten. Kippen Durch das Kippen der Banknote in einem bestimmten Winkel kann auf der Vorderseite der Stückelungen zu 5, 10 und 20 Euro der Hologrammstreifen, bei den Werten ab 50 Euro das Hologramm-Element geprüft werden. Hier bewegen sich Wertzahl und €-Zeichen bzw. Architekturmotiv in ganz bestimmter Weise. Zudem ist das €-Symbol als mikrofeine Perforation erkennbar. Bei Fälschungen bewegt sich nichts, die Abbildungen sind rein statisch bzw. es wurde eine Folie aufgebracht, die völlig andere Abbildungen, etwa die Sterne eines Weihnachts-Geschenkpapiers, enthält. Die Rückseite der kleineren Stückelungen weist in der Mitte der Brückenabbildung einen vertikalen sogenannten Perlglanzstreifen auf, der bei Bewegen des Scheins goldfarben glänzt und als Aussparung Wert und €-Zeichen zeigt. Ab 50 Euro aufwärts befindet sich im unteren Teil des Weißfeldes eine große Wertzahl. Diese weist beim Kippen der Banknote einen Farbumschlag von Purpur nach Braun bzw. Olivgrün auf. Bisher ist es keinem Fälscher gelungen, diese sogenannte Optically Variable Ink perfekt nachzustellen. Die Echtheitserkennungsmerkmale und ihre Herstellung werden ebenfalls in einem späteren Kapitel näher erläutert. Über die geschilderten Sicherungsmerkmale hinaus kann eine weitergehende, aber zeitaufwendigere Prüfung mittels Lupe oder Fadenzähler (Mini- und Mikroschrift) und UV-Lampe (Fluoreszenzeigenschaften) erfolgen. Die Euro-Banknoten weisen trotz ihrer Herstellung in den Druckereien mehrerer Länder eine erstaunlich gleichmäßige Qualität und Identität je Wertstufe auf und unterscheiden sich nur in absolut unbedeutenden Nuancen, die für den Barzahlungsverkehr und für die Echtheitserkennung von keinerlei Bedeutung sind. Erkennen kann man die Druckerei an der im Vorderseiten-Druckbild versteckten Plattennummer, die ausgebende nationale Zentralbank an dem Buchstaben der Notennummer. Der Buchstabe „X“ steht hier für die Deutsche Bundesbank. Der Interessierte kann sowohl die Decodierung der Notennummern als auch die Druckereien der Euro-Teilnehmerländer auf der Homepage der Bundesbank einsehen. Sogenannte Austauschnoten, das heißt, Scheine, die für unbrauchbare Urdrucke in die Serie eingeschoben worden waren und die man zu DM-Zeiten an einer bestimmten Buchstabenkombination der Nummerierung erkennen konnte, gibt es bei den Euro-Banknoten nicht mehr. Wegen irgendwelcher Mängel ausgesonderte Scheine werden in den Druckereien durch herkömmliche, fortlaufend nummerierte Stücke ersetzt. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Spuren der Arbeiter- und Soldatenräte in der deutschen Geldgeschichte (1918/19) – Teil I
Nach der gescheiterten deutschen Märzoffensive 1918 verschlechterte sich die militärische Lage rasant. General Erich Ludendorff, Erster Generalquartiermeister und Stellvertreter Paul von Hindenburgs, des Chefs der Obersten Heeresleitung (OHL), zeichnete am 29. September 1918 im Stabsquartier im belgischen Spa ein düsteres Bild der Lage. Seiner Meinung nach stand die deutsche Front kurz vor dem Zusammenbruch. Er forderte daher die Bildung einer parlamentarischen Regierung, die der Entente einen Waffenstillstand anbieten sollte. Am 3. Oktober bildete Max von Baden die erste parlamentarische Regierung des deutschen Kaiserreichs und ersuchte US-Präsident Woodrow Wilson um Friedensverhandlungen. Bereits Anfang Januar 1918 hatte Wilson mit seinem 14-Punkte-Programm Grundsätze für ein europäisches Friedensprogramm benannt. Trotz der aussichtslosen militärischen Lage beabsichtigte die deutsche Admiralität, die Kriegsflotte ohne strategischen Sinn zu einer letzten verzweifelten Schlacht gegen die britischen Seestreitkräfte zu führen. Seit dem 28. Oktober wurde die deutsche Kriegsflotte auf Schillig-Reede, der äußeren Einfahrt zum Jadebusen, zusammengezogen. Als die Matrosen in Wilhelmshaven erkannten, dass es sich hierbei nicht – wie gesagt wurde – um ein Flottenmanöver handelte, verweigerten sie am 30. Oktober den Gehorsam, und auch in Kiel löschten die Heizer die Feuer unter den Schiffskesseln und widersetzten sie sich so dem Befehl zum Auslaufen. Am 4. November übernahmen in Kiel die Matrosen die Macht in der Stadt. Die revolutionäre Bewegung griff schnell auch auf andere deutsche Städte über. Arbeiter schlossen sich den Soldaten an. Ging es bei ihren Forderungen zunächst nur um die Beendigung des aussichtslosen Kriegs, richtete sich die Stimmung zunehmend gegen die regierenden Fürsten und den Kaiser selbst. Reichskanzler Prinz Max von Baden begriff, dass er schnell handeln musste. In seinen Erinnerungen schrieb er: „Ich sagte mir: die Revolution ist im Begriff, siegreich zu sein; wir können sie nicht niederschlagen, vielleicht aber ersticken. Jetzt heraus mit der Abdankung, mit der Berufung Eberts, mit dem Appell an das Volk, durch die Verfassungsgebende Nationalversammlung seine eigene Staatsform zu bestimmen. Wird Ebert mir als Volkstribun von der Straße präsentiert, dann kommt die Republik, ist es Liebknecht, auch der Bolschewismus. Aber wenn der abdankende Kaiser Ebert zum Reichskanzler ernennt, dann besteht noch eine schmale Hoffnung für die Monarchie. Vielleicht gelingt es, die revolutionäre Energie in die legalen Bahnen des Wahlkampfes zu lenken."[1] Noch bevor Wilhelms II. Antwort vorlag, übertrug Max von Baden die Regierungsgeschäfte auf den Sozialdemokraten Friedrich Ebert, der sich bereit erklärte, das schwere Amt zu übernehmen. Am Nachmittag des 9. Novembers um zwei Uhr verkündete Philipp Scheidemann von einem Fenster im Reichstagsgebäude: „Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt. Das alte Morsche ist zusammengebrochen; der Militarismus ist erledigt. Die Hohenzollern haben abgedankt! Es lebe die deutsche Republik!“[2] Damit kam er Karl Liebknecht nur wenige Stunden zuvor, der am Nachmittag am Berliner Schloss die „Sozialistische Räterepublik“ nach dem Vorbild der russisch-bolschewikischen ausrief. Trotz ihrer gegenüber Parteien eigenständigen Organisationsform gehörten die Arbeiter- und Soldatenräte in den kleineren Städten überwiegend den örtlichen Vorständen von SPD und USPD an, während in Großstädten die Arbeiterräte in Vollversammlungen gewählt wurden, zu denen die einzelnen Betriebe Delegierte entsandten. Die nach Zusammenbruch der militärischen Ordnung gebildeten Soldatenräte schlossen sich in der Regel mit den örtlichen Arbeiterräten zu gemeinsamen lokalen Arbeiter- und Soldatenräten zusammen. Sie sahen ihre wichtigste Aufgabe in der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit sowie der Bewältigung der katastrophalen Lebensmittelversorgung. Obwohl sie kein einheitliches Programm untereinander verband, traten nahezu alle für die Beseitigung des monarchischen Obrigkeitsstaats und für die Republik auf parlamentarischer Grundlage ein. Nur eine kleine radikale Minderheit der Räte sympathisierten mit dem Spartakusbund, der eine Rätediktatur nach sowjetischem Vorbild errichten wollte. Nach der Wahl am 19. Januar 1919 verloren die Räte an Einfluss und nach der Verabschiedung der Weimarer Verfassung lösten sich im Spätherbst die letzten Arbeiterräte auf. Ungeachtet ihrer enormen Bedeutung für die politische Entwicklung Deutschlands finden sich nur wenige geldgeschichtliche Spuren der Arbeiter- und Soldatenräte. Die sichtbarsten Zeugnisse stammen aus Braunschweig. Hier hatte der linke Parteiflügel der Sozialdemokratie während des Ersten Weltkriegs bereits eine relativ große Bedeutung gewonnen und 1917 hatte sich die Mehrheit der Mitglieder der USPD zugewandt. In Braunschweig herrschte Anfang November große Unruhe. Hier fielen die revolutionären Ideen auf einen besonders fruchtbaren Nährboden; Matrosen, aus Kiel und Wilhelmshaven kommend, verstärkten die revolutionäre Bewegung. Am 8. November erzwangen Arbeiterrat und Soldatenrat die Abdankung des letzten braunschweigischen Welfen-Herzogs Ernst-August, der die Stadt am folgenden Tag zusammen mit seiner Familie ins Exil verließ. Der Arbeiter- und Soldatenrat proklamierte am 10. November die „Sozialistische Republik Braunschweig“, deren Präsident August Merges (* 3. März 1870; † 6. März 1945) wurde. Zur Finanzierung ihrer Ausgaben nutzt die neue Regierung die bereits gedruckten „Herzoglich Braunschweigischen Staatskassenscheine“ über 5, 10, 20 und 100 Mark mit Datum vom 15. Oktober 1918. Diese erhielten auf der Vorderseite am linken bzw. rechten Rand den roten Aufdruck „A. S. R. BR.“ (für Arbeiter- und Soldatenrat Braunschweig). Als verantwortliche Behörde nennen die Scheine dennoch weiterhin das „Herzoglich Braunschweigisch-Lüneburgische Finanzkollegium Abt. für Leihhaussachen“. Abb. 1, BRS-4b: Braunschweig, A. S. R. BR., 15. Oktober 1918, 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 2, BRS-5f: Braunschweig, A. S. R. BR., 15. Oktober 1918, 10 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 3, BRS-6fE: Braunschweig, A. S. R. BR., 15. Oktober 1918, 20 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 4, BRS-7bE: Braunschweig, A. S. R. BR., 15. Oktober 1918, 100 Mark, Vorder- und Rückseite. Die bürgerliche Gesellschaft stand den Räten distanziert bis ablehnend gegenüber. Dies zeigt sich beispielsweise an der Wortwahl in einer zeitgenössischen Sammlerzeitung, die zu diesem Papiergeld folgendes schrieb: „Als deutsches ‚Bolschewistengeld‘ wird der seltene Satz Großnotgeld bezeichnet, der im Jahre 1918 vom Herzogtum Braunschweig herausgegeben wurde; er war gerade fertig, als die Revolution ausbrach [und] wurde dann sofort vom Arbeiter- und Soldatenrat, an dessen Spitze der Schneider Merges als erster Präsident der Republik Braunschweig und die Waschfrau Auguste Faßbauer als Kultusministerin standen beschlagnahmt und mit einem entsprechenden roten Aufdruck versehen. Die schönen Staatsnotgeldscheine in den Werten von 5, 10, 20 und 100 M, von dem Graphiker Günter Clausen entworfen und in Vielfarbendruck hergestellt, sind inzwischen von der Braunschweiger Staatsbank wieder eingezogen und entwertet.“ Die Bilanz der Staatsbank wies am 31. März 1919 eine Verbindlichkeit in Höhe von 8,71 Millionen Mark für ausgegebenes Kriegsnotgeld aus.[3] In diesem Betrag dürften allerdings nicht nur die noch nicht eingelösten Staatskassenscheine des Arbeiter- und Soldatenrats enthalten sein, sondern auch die des unverzinslichen Kriegsnotgelds der Herzoglich Braunschweigischen Sparkasse vom 1. November 1918. Bei den Staatskassenscheinen kommen diverse Varianten bezüglich der Kontrollnummern vor; im Handel werden sie meist mit der Entwertungslochung „NICHT GÜLTIG“ angeboten. Am 22. Dezember 1918 fanden in Braunschweig Wahlen zum Landesparlament statt,[4] deren Ausgang für die USPD vollkommen unerwartet waren. Sie errang lediglich 14 der 60 Sitze – und dies, obwohl sie in den vorangegangenen Wochen die dominierende Kraft gewesen war. Am 10. Februar 1919 trat der Landtag zusammen, in dem die Mehrheitssozialisten (SPD), die Deutsche Demokratische Partei (DDP) und die Bürgerliche Einheitsliste (BEL) die Mehrheit stellten. Am 22. Februar bildeten die USPD und SPD eine Koalitionsregierung und der Landtag verabschiedete die vorläufige Verfassung. Art. 14, der den Arbeiter- und Soldatenrat als oberste Gesetzgebende Gewalt vorsah, wurde von der Mehrheit im Parlament abgelehnt. Daraufhin legte Merges am 22. Februar 1919 sämtliche parlamentarischen Ämter nieder und verzichtete damit auch auf das Präsidentenamt, weil er die Revolution durch den Parlamentarismus verraten sah. Der Arbeiter- und Soldatenrat war nicht gewillt, seine Machtbefugnisse an das demokratisch gewählte Parlament abzutreten und am 4. März riefen die Spartakisten schließlich die Räterepublik in Braunschweig aus. Da sich die Lage in Braunschweig zuspitzte, verhängte die Reichsregierung am 13. April den Belagerungszustand über den Freistaat und entsandte das Freikorps Maerker, das die Stadt am 17. April besetzte. Erst am 5. Juni 1919 wurde der Belagerungszustand aufgehoben. Etwa zur gleichen Zeit wie in Braunschweig bildete sich auch in Wolfenbüttel ein Arbeiter- und Soldatenrat. Nach dem Vorderseitentext des Notgelds der Stadt Wolfenbüttel vom November 1918 wurde es „ausgegeben auf Grund des Beschlusses der städt. Behörden mit Genehmigung des Volkskommissars für die Finanzen“, also mit Genehmigung der Räte. Die Notgeldserie umfasst die Werte 50 Pfennig sowie 1, 5, 10 und 20 Mark. Diese Scheine werden meist mit dem Stempelaufdruck „Ungültig“ in der oberen linken Ecke der Vorderseite angeboten. Abb. 5: Wolfenbüttel, Stadt (Volkskommissar für die Finanzen), im November 1918, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Abb. 6: Wolfenbüttel, Stadt (Volkskommissar für die Finanzen), im November 1918, 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 7: Wolfenbüttel, Stadt (Volkskommissar für die Finanzen), im November 1918, 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 8: Wolfenbüttel, Stadt (Volkskommissar für die Finanzen), im November 1918, 10 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 9: Wolfenbüttel, Stadt (Volkskommissar für die Finanzen), im November 1918, 20 Mark, Vorder- und Rückseite. Im Zuge der Novemberrevolution wurde am 10. November auch die Räte-Republik in Bremen ausgerufen, die am 4. Februar 1919 von der Division Gerstenberg und dem Freikorps Caspari blutig niedergeschlagen wurde. Vorausgegangen war die Machtübernahme durch einen Arbeiter- und Soldatenrat am 6. November 1918. Dieses Datum tragen auch die 20-Mark-Scheine der Atlas-Werke Aktiengesellschaft. Auf der Rückseite bescheinigt der Arbeiter-Ausschuss, dass „die Atlas-Werke Aktiengesellschaft in Bremen 5000 Stück Gutscheine über je Mk. 20.-, mit den fortlaufenden Nummern 1-5000 versehen, ausgegeben haben und daß als Sicherheit für diese Gutscheine ein Betrag von Mk. 100 000.- bei der Deutschen Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien in Bremen hinterlegt ist, welcher ausschließlich zur Einlösung dieser Gutscheine dient.“ Die Scheine kommen sowohl mit als auch ohne Unterschrift vor. Abb. 10: Bremen, Atlas-Werke Aktiengesellschaft (Arbeiter-Ausschuß), 6. November 1918, 20 Mark, Vorder- Rückseite. Die Atlas-Werke waren ein Maschinen- und Schiffbauunternehmen in Bremen, das 1902 als Norddeutsche Maschinen- und Armaturenfabrik zur Herstellung von Schiffs-Hilfsmaschinen wie Rudermaschinen, Winden, Pumpen, Trinkwasser-Erzeuger sowie Schotten-Schließanlagen in Bremen vom Norddeutschen Lloyd gegründet wurde. 1905 verlegte es ihren Sitz auf das Gelände der AG Weser, wo nun die alten Werftanlagen zur Verfügung standen. Nun kam auch der Schiffsneubau hinzu. 1911 erfolgte dann die Umbenennung in Atlas-Werke. Auch auf Rückseite des 20-Mark-Gutscheins des Unternehmens Carl Francke in Bremen bestätigt einen Arbeiterausschuss: „Wir bestätigen, daß als ausschließliche Deckung gegen diesen Gutschein ein getrenntes Depot bei der ‚Deutschen Nationalbank K. G. a. A.‘, Bremen, vorhanden ist.“ Der Schein trägt das Datum vom 1. November 1918. Abb. 11: Bremen, Carl Franke (Arbeiterausschuß), 1. November 1918 20 Mark, Vorder- und Rückseite. Carl Francke wurde 1843 in Magdeburg als Sohn eines Klempnermeisters geboren. Er erlernte den Beruf des Vaters und ging 1871 nach Bremen. Dort richtete er 1872 eine Installationswerkstatt für Wasser- und Gasleitungen sowie Wasser- und Dampfheizungen ein. 1875 gründete er die Francke-Werke, die Gasanlagen in zahlreichen Städten anlegten. Daneben produzierte das Unternehmen chemische Produkte wie Ammoniak und Salmiak. Die Francke-Werke hatten in Bremen zeitweise mehr als 1000 Beschäftigte. 1921 wurde die offene Handelsgesellschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien umgewandelt. Das Unternehmen wurde 1957 liquidiert und die Anlagen von der Maschinenfabrik Friedrich Kocks übernommen. In der Stadt Weißenfels bildete sich am 9. November 1918 ein Arbeiter- und Soldatenrat. Auf dessen Veranlassung ließ der Landkreis eine 10 Pfennig-Münze aus Eisen prägen. Die Rückseite zeigt (zum ersten Mal auf einer deutschen Münze?) das Emblem Hammer und Sichel als Symbol der revolutionären Rätemacht. Abb. 12: Weißenfels, Landkreis, 1918, 10 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Auch eine zweite Münze bildet Hammer und Sichel ab. Diese Münze aus Zink zu 50 Pfennig gab die Stadt Gummersbach aus. Eine zweifelsfreie Zuordnung zum Arbeiter- und Soldatenrat ist jedoch nicht möglich, da auf ihr eine Jahresangabe fehlt. Es wäre daher auch denkbar, dass die Münze im Zusammenhang mit dem Kapp-Lüttwitz-Putsch im März 1920 steht, gegen den sich die Arbeiter des Ruhrgebiets zur Wehr setzten und mit einer "Roten Armee" vorging. Abb. 13: Gummersbach, Stadt, o. J., 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Das Notgeld der Stadt Wilhelmshaven, von wo alles seinen Anfang nahm, weist weder im Text noch in Abbildungen auf eine Verbindung zum Arbeiter- und Soldatenrat hin. Keller schreibt in seinem „Katalog der Großgeldscheine 1918–1921“, dass es „auf Veranlassung des Arbeiter- und Soldatenrates von der Stadt und der Marine-Intendantur zur Löhnung der entlassenen Matrosen [ausgegeben wurde].“[5] Emittiert wurden undatierte Nominale zu 1, 2, 5, 20, 50 und 100 Mark. Wegen Lohnerhöhungen mussten mehrfach neue Scheine gedruckt werden. Hieraus sind die verschiedenen Varianten zu erklären. In Sammlungen finden sich sowohl ungestempelte wie auch mit rotem Stadtstempel versehene Scheine. Bei letzteren sind zwei unterschiedliche Siegel verwendet worden: 1. mit ausladender und 2. mit gerader Mauer-Krone. Keller vermerkt ferner, dass ein Mitglied der „Regierung“ Kuhn von diesen Notgeldscheinen 120.000 Mark stahl. Abb. 14: Wilhelmshaven, Stadt, o. D., 1 Mark, vorder- und Rückseite. Abb. 15: Wilhelmshaven, Stadt, o. D., 20 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 16: Wilhelmshaven, Stadt, o. D., 100 Mark, Vorder- und Rückseite. Auch in Posen wurden im Oktober 1918 die Zahlungsmittel knapp, sodass der Magistrat die Ausgabe von Notgeld bei der Druckerei Carl Flemming A.-G., Glogau und Berlin, in Auftrag gab. Da aber zwischenzeitlich der Arbeiter- und Soldatenrat die Macht übernommen hatte, fand sich in der Stadtverwaltung nun niemand bereit, die noch fehlende Unterschrift der Druckerei zu übermitteln, sodass diese die Gutscheine zu fünf und zehn Mark mit Datum vom 1. November 1918 ohne Unterschrift druckte und auslieferte. Abb. 17: Posen, Stadt, 1. November 1918, 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Aufgrund der besonderen ethnischen Bedingungen war der Arbeiter- und Soldatenrat in Posen paritätisch mit je fünf polnischen und fünf deutschen Vertretern besetzt. Anfang Dezember 1918 forderte ein sogenannter Teil-Sejm in Posen den Anschluss der Provinz an Polen und am 28. Dezember kam es zu einem Aufstand der polnischen Bevölkerung in der Stadt. Vorausgegangen war ein Besuch des patriotischen Pianisten und späteren polnischen Regierungschef Ignacy Jan Paderewski am 26. Dezember. Die Kampfhandlungen weiteten sich auf die gesamte Provinz aus und dauerten über anderthalb Monate an, bis am 16. Februar 1919 die Alliierten eine Waffenstillstandslinie zogen und den größten Teil der Provinz Polen zusprachen. Wer die Serienschein-Kataloge von Grabowski/Mehl durchblättert, stößt auch auf diverse Scheine des Arbeiter- und Soldatenrates Ebstorf (Kr. Uelzen).[6] Sie lauten auf Beträge zwischen 1 Pfennig und 20 Mark. Die Echtheit dieser einseitig bzw. doppelseitig bedruckten Scheine war schon immer mehr als zweifelhaft. So haben einige Scheine ein Gültigkeitsvermerk bis „Juli 1918“, also einem Zeitpunkt, als es Arbeiter- und Soldatenräte noch gar nicht gab. Auch die Vielzahl der unterschiedlichen Sorten bei einzelnen Nominalen sprach gegen die Authentizität. Je nach Betrachtung kommen mehr als 30 Typen zusammen. Die Schwindelausgabe kreierte Kreisschulrat Böse, ein ehemaliges Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates. Abb. 18: Ebstorf (Kr. Uelzen), Arbeiter- und Soldatenrat, o. D., 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Prinz Max von Baden, Erinnerungen und Dokumente, Stuttgart 1927, S. 630 ff., zitiert nach: Wolfgang Michalka und Gottfried Niedhart (Hrsg.), Die ungeliebte Republik, Dokumentation zur Innen- und Außenpolitik Weimars 1918–1933, München 1980, 19. [2] G. A. Ritter, S. Miller (Hrsg.), Die deutsche Revolution 1918–1919, Dokumente, 2. Aufl. Hamburg 1975, 77 f., zitiert nach Wolfgang Michalka und Gottfried Niedhard (Hrsg.), 23. [3] Erich Achterberg, Braunschweigische Staatsbank, Zwei Jahrhunderte Zeitgeschichte, Braunschweig o. J (1965), 191. [4] Sie waren die ersten Wahlen in Deutschland nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs. [5] Arnold Keller, Katalog Großgeldscheine 1918–1921, Unveränderter Nachdruck der 3. Auflage von 1955, München 1976, S. 86, Kat-Nr. 518. [6] Hans L. Grabowski und Manfred Mehl, Deutsche Serienscheine 1918–1922 (A–K), 3. überarb. und erw. Aufl., Regenstauf 2009, S. 204 ff., Kat.-Nr. 304.1–304.22.
- Fälscher & Falschgeld: Die Verteilung
Fortsetzungsreihe, Teil 4 Falschgeld, das bandenmäßig produziert worden ist, wird durch ein ganzes Netz von Großhändlern, Mittelsmännern, Einzelhändlern und Kleinverteilern unter die Leute gebracht. Auch hierbei wird wieder das Dreiecksystem angewandt. Jeder Verteiler in diesem Netz kennt nur die Person, die sich mit ihr in Verbindung setzt und das Falschgeld überbringt und die Person, mit der er selbst Kontakt aufnimmt, um das Falschgeld zu einem höheren Kurs weiterzugeben. Die kriminalistische Regel, dass die Preise für Falschgeld in dem Maße steigen, wie sich die Falsifikate von ihrem Ursprungsort entfernen, hilft der Polizei bei ihren Ermittlungen. Wenn der Kaufpreis für Falschgeld hoch ist, wird davon ausgegangen, dass sein Entstehungsort weit entfernt ist. Werden dagegen große Mengen von Falsifikaten bei einzelnen Personen gefunden oder zahlt ein Verteiler relativ wenig dafür, ist im Regelfall die Herstellungswerkstätte oder zumindest das Verteilungszentrum in unmittelbarer Nähe zu suchen. Der „Verkaufspreis“ berechnet sich dabei prozentual, je nach Qualität. So bezahlt ein Hauptverteiler, der die falschen Scheine direkt von den Herstellern übernimmt, zum Beispiel für einen 50-Euro-Schein mittlerer Qualität etwa 10%, also 5 Euro pro Stück. Bei weniger guten Fälschungen kann dieser Preis noch etwas darunter liegen, bei guten auch darüber, bei etwa 12 oder 15%. Die Fälscher kennen die Güte ihrer Produkte meist sehr genau und wissen, was sie verlangen können. Je weiter vom Herstellungsort das Falschgeld angeboten wird, desto mehr zwischengeschaltete Verteiler haben mitverdient und desto teurer ist es. Der letzte Kleinverteiler bezahlt die genannte 50-Euro-Fälschung mittlerer Qualität mit etwa 25 bis 30%, also mit ca. 12,50 bis 15 Euro für das Stück. Eine sehr gute Fälschung ist teurer und kostet bis zu 20 Euro. Beim Zwanziger ist die Relation noch ausgeprägter. Hier kostet selbst eine nur durchschnittlich gut gefälschte Note mindestens 25% des Nennwerts, wobei sich dieser Kaufpreis für exzellente Fälschungen auf bis zu 50%, also 10 Euro, steigern kann. Der Durchschnittspreis für eine gefälschte 20-Euro-Banknote mittlerer Qualität liegt derzeit bei etwa 8 Euro. Wie bereits erwähnt gilt in den meisten Fällen: Je höher der Nennwert einer falschen Note, desto besser ist die Qualität der Fälschung und umso höher ihr Preis. In der Mehrzahl finden sich als Verbreitungsschwerpunkte Städte ab 50.000 Einwohner aufwärts. Diese wechseln recht häufig, da es sich bei den Verbreitern in vielen Fällen um reisende Tätergruppen handelt, die so lange von Stadt zu Stadt ziehen, bis sie ihren mitgebrachten Vorrat verausgabt haben. Die Strafverfolgung muss in einem Europa der offenen Grenzen und mit zunehmender Globalisierung heute mit anderen, subtileren Mitteln arbeiten, um Erfolge zu erzielen. International kooperierende und über Ländergrenzen hinweg mit weitreichenden Befugnissen ausgestattete Ermittlungsbehörden, V-Leute, verdeckte Ermittler, die – im wahrsten Sinne des Wortes – Scheinaufkäufe einfädeln und durchführen sowie der Lauschangriff gehören ebenso dazu wie der Einsatz modernster Technik und die noch engere Zusammenarbeit aller einschlägiger Behörden der EU-Mitgliedsländer. Doch diese obgleich wichtige Materie soll nicht Thema dieses Buches sein. Das Buch soll aber auch nicht der Glorifizierung der Spezies der Geldfälscher dienen, wenn es auch durchaus sympathische und manchmal sogar tragische Figuren unter den Einzeltätern vergangener Zeiten gegeben hat. Die Öffentlichkeit bringt gerade dem Thema Falschgeld großes Interesse entgegen, entsprechend aufgemachte Berichte im Fernsehen und in den Printmedien zeugen dafür. So soll das Buch informieren und unterhalten. Es soll Hintergründe und kriminalistische Details aufzeigen und uns in die äußerst interessante, spannende und mit einem eigenartigen Reiz behaftete Welt des falschen Geldes führen. Ein Schlag gegen den internationalen Falschgeldhandel gelang 1989 dem Bayerischen Landeskriminalamt: Bei der Verhaftung von sechs „Blüten-Händlern“ wurden 6439 falsche 100-Dollar-Noten im Wert von damals umgerechnet rund 1,2 Millionen Mark sichergestellt. Foto Süddt. Verlag Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Gedenkserie zum 70. Jahrestag des Sieges im "Großen Vaterländischen Krieg"
Zum 70. Jahrestag des sowjetischen Sieges im "Großen Vaterländischen Krieg" 1941 bis 1945 gab der gemeinnützige Verein "Союза бонистов" (Union der Bonisten) mit Sitz in Moskau 2015 eine Serie von insgesamt sechs Gedenkscheinen über 1, 2, 3, 5, 10 und 20 Tscherwonzen aus. Der Verein, der auch bereits andere Bons, so. z.B. zum Thema 200 Jahre Russlandfeldzug Napoleons 1812 – 2012 herstellen ließ, hat sich offiziell der Erforschung historischen Papiergelds verschrieben und betreibt eine eigene Internetseite mit Forum. Die vier ersten Werte sind je einer Waffengattung der "Roten Armee" und einem dazu gehörigen Soldaten gewidmet, der als "Held der Sowjetunion" ausgezeichnet wurde. Alle Scheine zeigen links im Schaurand ein Porträt von Stalin und sind auf Papier mit einem Wasserzeichen aus stilisierten Blättern gedruckt. Hergestellt wurden sie angeblich bei GOZNAK. Der 1-Tscherwonez-Schein zeigt auf der Vorderseite rechts das Porträt von Pjotr Michailowitsch Gawrilow (17.6.1900 – 26.1.1979) mit einem Orden "Held der Sowjetunion" und auf der Rückseite eine Kampfszene mit Infanterie in einer zerstörten Stadt. Die Szene stammt aus einem Monumentalgemälde, das die Schlacht um die Stadt und Festung Brest zeigt. Die Brester Festung war der erste Ort größeren Widerstands nach der deutschen Invasion vom 22. Juni 1941 in der damaligen Sowjetunion. Sie wurde bald von deutschen Truppen eingeschlossen, doch noch bis Ende Juli hielten sich kleinere Widerstandsgruppen. Gawrilow erhielt den Orden für seinen Einsatz im Kampf um Brest. Zu erwähnen ist, dass Brest erst 1939 mit dem erfolgreichen deutschen "Polenfeldzug" und dem Einmarsch der Roten Armee in den Westteil Polens ("Russisch-Polen") an die Sowjetunion gefallen war. Der 2-Tscherwonzen-Schein zeigt auf der Vorderseite rechts das Porträt von Igor Pawlowitsch Dolschenkow (14.4.1914 – 8.8.1980) mit einem Orden "Held der Sowjetunion" und auf der Rückseite eine Schlachtszene mit Artillerie im Feuergefecht. Die 3 Tscherwonzen zeigen auf der Vorderseite links ein Porträt von Iwan Timofejewitsch Ljubuschkin (20.7.1918 – 30.6.1942) mit einem Orden "Held der Sowjetunion" und auf der Rückseite ein Gefecht mit den legendären russischen Panzern T-34. Die Szene erinnert an die größte Panzerschlacht der Weltgeschichte bei Prochorowka im Kampf um den Kursker Bogen (Unternehmen Zitadelle). Ganz links sieht man einen brennenden deutschen Panzer (Tiger). Das nicht geplante Zusammentreffen starker deutscher (600 Panzer) und sowjetischer Panzerverbände (900 Panzer) verlief am 12. Juli 1943 jedoch nicht erfolgreich für die Rote Armee. Stalin soll nach der gescheiterten Schlacht sogar geplant haben Panzergeneral Rotmistrow abzusetzen und vor Gericht zu stellen. Die russischen Verluste waren enorm, auch weil die russischen Panzer kaum inneren Komfort boten und zum Schluss sogar von deutschen Panzern, die keine Munition mehr hatten, einfach gerammt wurden, um sie außer Gefecht zu setzen und die Besatzungen zu töten. Die deutschen Verluste waren dagegen vergleichsweise gering. Der Fünfer zeigt links ein Porträt von Boris Feoktistowitsch Safonow (26.8.1915 – 30.5.1942) mit zwei Orden "Held der Sowjetunion" und auf der Rückseite ein russisches Jagdflugzeug (Polikarpow I-16) mit der übersetzten Aufschrift "Für Stalin", das ein deutsches Kampfflugzeug (Junkers Ju-88) abgeschossen hat. Der Zehner zeigt rechts ein Porträt von Alexander Iwanowitsch Marinesko (2.1.1913 – 25.11.1963) mit einem Orden "Held der Sowjetunion" und auf der Rückseite ein russisches U-Boot, das ein deutsches Passagierschiff versenkt. Nicht ganz grundlos erinnert diese Szene an die Torpedierung des mit Flüchtlingen aus Ostpreußen vollgestopften KdF-Dampfers "Wilhelm Gustloff", bei der am 30. Januar 1945 rund 10.000 Menschen ums Leben kamen. Das abgebildete U-Boot ist tatsächlich das C-13 (S-13), das die "Gustloff" versenkte und Marinesko war sein Kapitän. Der Untergang der "Gustloff" gilt als die Schiffskatastrophe mit den meisten Opfern in der Geschichte der Seefahrt. Eigentlich kein Ruhmesblatt für die sowjetische Marine, die ansonsten eine nur unwesentliche Rolle im Zweiten Weltkrieg spielte. Der Zwanziger zeigt auf der Vorderseite rechts den sowjetischen Diktator Josef Wissarionowitsch Stalin (9.12.1879 – 5.3.1953) und auf der Rückseite das berühmte Foto von Churchill, Roosevelt und Stalin auf der Konferenz von Jalta vom 4. bis 11. Februar 1945. Schon hier hatte man die Zerstückelung Deutschlands beschlossen und auch die Sowjetunion durfte nun mit Druckplatten aus den USA Mark der Alliierten Militärbehörde als Besatzungsgeld für Deutschland drucken. Sollte oder darf man heute noch auf diese Art und Weise Heldenverehrung und -verklärung betreiben? Als Sieger darf man das, denn Sieger sind immer im Recht! Das steht nirgends geschrieben, aber es lehrt uns die Geschichte, aus der wir bekanntlich lernen sollen, schon seit der Antike und Abba sang in einem ihrer Welthits nicht ohne Grund "The winner takes it all. The loser standing small." Hans-Ludwig Grabowski











