Berliner Pfandbrief-Anleihe 1922

Als in der Inflation des Jahres 1922 die deutsche Mark-Währung immer weiter zusammenbrach, mussten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Finanzierung ihrer Infrastrukturmaßnahmen suchen. Da Markanleihen aufgrund der galoppierenden Inflation immer schwerer zu platzieren waren, gab es Finanzierungsangebote aus dem Ausland – auch aus den Niederlanden.


Auf Beschluss des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung von Groß-Berlin nahm die Stadt Berlin am 1. Februar 1922 von der Amsterdamer Nederlandsche Grondcredietbank ein Darlehen in Höhe von 500.000 Niederländischen Gulden auf.

Auf Grundlage dieses Darlehens wurden von der Nederlandsche Grondcredietbank

5-prozentige Pfandbriefe, welche auf den Inhaber lauten, in Stücken von 1000 (Litera A) und 10.000 Mark (Litera B) ausgegeben. Die Zinsen wurden in Mark gezahlt und waren in halbjährlichen Raten am 1. Februar sowie am 1. August fällig.


Das Darlehen wurde auf 40 Jahre gewährt. Der Stadt Berlin stand das Recht zu, das Darlehen vor Ablauf ganz oder teilweise nach vorheriger vierteljähriger Kündigung zurückzuzahlen. Zur Sicherheit für Kapital und Zinsen wurden der Nederlandsche Grondcredietbank von der Stadt Berlin bei einem deutschen Treuhänder hinterlegt:

  • die ihr gehörigen 1000 Kuxe der Gewerkschaft Röchling bisher in Völklingen an der Saar betreffend die Steinkohlenfelder nördlich von Werne in Westfalen (Anschaffungspreis seinerzeit 8,5 Millionen Goldmark);

  • vom Deutschen Reich für die Verzinsung und Tilgung garantierte Stadtanleihen;

  • Die Stadt Berlin haftete außerdem mit ihrem Gesamtvermögen.

  • Ferner haftete die Nederlandsche Grondcredietbank, Amsterdam.

Zum Zeitpunkt der Ausgabe der Pfandbriefe am 1. Februar 1922 hatten 10.000 Mark einen Wert von 49 US-Dollars (1 Dollar = 204 Mark). Ein Jahr später, zum Zeitpunkt der Einlösung des Kupons No. 2 am 1. Februar 1923, hatten 10.000 Mark einen Wert von nur noch 0,24 US-Dollar (1 Dollar = 41.500 Mark). Die Inflation hatte in einem Jahr das Anleihekapital in Mark um das rund 200-fache entwertet. Insofern hat die Anleihe wohl nicht die Gewinnvorstellungen der niederländischen Bank erfüllt. Das Anleihekonstrukt wurde – wie an den Zinsscheinen und dem entwerteten Pfandbrief erkennbar – Ende 1923 aufgelöst.


Naamlooze Vennootschap Nederlandsche Grondcredietbank, 5% Pfandbrief-Anleihe auf Grund einer der Stadt Berlin gewährten Anleihe von 500.000 Holländischen Gulden; entwerteter Pfandbrief No. 4174 über 10.000 Mark, Amsterdam und Nebenstelle Berlin am 1. Februar 1922.


Naamlooze Vennootschap Nederlandsche Grondcredietbank, 5% Pfandbrief-Anleihe; Erneuerungsschein und Zinsscheine zum Pfandbrief No. 4174 über 10.000 Mark. Die beiden Kupons No. 1 und 2 vom 1. August 1922 und 1. Februar 1923 wurden abgetrennt.


Hans-Georg Glasemann

nonvaleurs.de@gmail.com


Ich bin für Sammler Historischer Wertpapiere aktiv im EDHAC. Unterstützen Sie uns, werden Sie Mitglied … Besuchen Sie den EDHAC bei … Facebook!

Bildquelle: HGG (10/2020)


#Notgeld #Wertpapier #Europa #Deutschland #Niederlande #Berlin #Mark #Glasemann