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- Lebensmittelpreise von Mitte 1914 bis Ende 1923
Bereits während des Ersten Weltkriegs stiegen die Preise für Lebensmittel und andere Güter und das Geld verlor bis Kriegsende 1918 etwa die Hälfte seiner Kaufkraft. Wenn man historisches Geld sammelt, insbesondere auch Banknoten und Notgeldscheine aus Inflationszeiten, dann ist es natürlich immer interessant zu erfahren, was man für dieses Geld einst tatsächlich kaufen konnte. Ich habe Ihnen hier eine Tabelle zur Preisentwicklung bei wichtigen Lebensmitteln von Mitte 1914 bis Ende 1923 gescannt, die aus einer kleinen Broschüre "Notgeldscheine und Lebensmittelmarken als amtliche Zeugnisse ..." von Paul Hohner aus der Zeit nach der Inflation stammt und einem entsprechenden Album beigelegt war. Solche Alben – auch mit Titeln wie "Aus Deutschlands schwerer Zeit" – waren damals beliebte Sammelobjekte, auch bei Nicht-Sammlern. Die Preisangaben für November und Dezember 1923 erfolgten in Rentenmark! Nicht vorenthalten möchte ich Ihnen auch das Vorwort des Autors, in dem – wie üblich – Notgeld und Serienscheine nicht unterschieden werden: Deutschland, durch den Ausbruch des großen Krieges vom Welthandel plötzlich gänzlich abgeschlossen, war durch den bald eintretenden Bargeld- und Lebensmittel-Mangel gezwungen, Notgeldscheine und Lebensmittelmarken zur Behebung der Zahlungsmittelnot und Rationierung der wichtigsten Lebensmittel ausgeben zu lassen. Ueberall wurden die Lebensmittel-Aemter geschaffen und eine Stadt nach der anderen griff zum Notbehelf der Ausgabe von Notgeld, das bald eine vertraute Erscheinung war und durch seine vielfach künstlerische Ausführung in Bildern, Zeichnungen, Versen usw. von der Geschichte des betr. Ortes, von freudigen und traurigen Erlebnissen erzählt. Immer mehr und mehr mußten an Stelle der hochwertigen Nahrungsmittel Ersatzmittel treten, wurde dadurch dem deutschen Volke letzten Ende die Widerstandskraft geraubt und überstürzten sich die Währungsverhältnisse dann durch die große Inflation. Heute aber sind uns die Wahrzeichen in diesem Album Zeugen von unschätzbarem Werte, welche uns von den schweren Tagen des deutschen Volkes in ihrer ganzen Vielgestaltigkeit erzählen. Möge daher diese Sammlung, die der Nachwelt zeigt, daß sich das deutsche Volk auch in schwerster Zeit zu helfen wußte, in jeder deutschen Familie einen Platz finden. P. Hohner Hans-Ludwig Grabowski
- Leipziger Messe-Schecks vom Herbst 1949
Manchmal gibt es sie wirklich, die einmaligen Funde, die Sammlerherzen höher schlagen lassen. Kürzlich wurde der Inhalt eines Briefumschlags publik, der wohl jahrzehntelang unbeachtet im Besitz einer heute betagten Dame war. Es handelt sich um ein zertrenntes Heft mit Musterscheinen von Messeschecks der Emissions- und Girobank Sachsen, Filiale Leipzig, für die Herbstmesse 1949. Die Messeschecks wurden zwischen Frühjahr 1949 und Herbst 1951 in sechs Ausgaben jeweils zur Frühjahrs- und Herbstmesse als Valutaersatz an ausländische Besucher mit konvertierbarer Währung ausgegeben. Diese mussten ihre Valuta gegen die Schecks eintauschen, um mit diesen im Stadtkreis Leipzig bezahlen zu können. Im Frühjahr 1949 erfolgte die Ausgabe in Valuta-Mark, danach in Deutscher Mark. In meinem Katalog „Ersatzgeld und geldähnliche Belege in der DDR“, 2. Auflage 2013 ist die Serie vom Herbst 1949 derart katalogisiert, dass Musterscheine für 10 Pfennig sowie 20, 50 und 100 DM mit roter Kontrollnummer "G000000" und die Nominale zu 50 Pfennig sowie 1, 2, 5 und 10 DM mit schwarzer Kontrollnummer "B000000" und mit Perforation "UNGÜLTIG" existierten. Durch den jetzigen Fund von 50 Pf, 1, 2, 5, 10 DM mit roter Kontrollnummer "G000000" ist nachgewiesen, dass es im Herbst 1949 zwei unterschiedliche Serien gab (mit roter bzw. schwarzer KN), und dass beide Serien nicht nur als Muster existierten, sondern auch mit laufender Kontrollnummer im Umlauf waren. Die Revision des Katalogisierung wird voraussichtlich in der geplanten dritten Auflage des "DDR-Ersatzgeldkatalogs" veröffentlicht. Henning Huschka
- Historische Dokumente: Keine neue Inflation! – Geheimes Papier vom Juni 1930
Die junge "Weimarer Republik" hatte keinen einfachen Start gehabt, mit immensen Kriegsreparationen belastet, hatte sie nur mit viel Mühe und unter hohen Verlusten die Hyper-Inflation des Jahres 1923 überstanden. Bald darauf wollten viele Menschen einfach nur noch Krieg und Inflation vergessen und tanzten in die "Goldenen Zwanziger", die garnicht so golden waren. Die Demokratie wackelte und war von politischen Extremen von Rechts wie von Links bedroht. Durch den Crash an der New Yorker Börse war im Oktober 1929 die Weltwirtschaftskrise ausgebrochen, die noch weit bis in die 1930er Jahre hinein für Banken-Krisen, Massenarbeitslosigkeit, soziales Elend und politische Wirren sorgen sollte. Mit dem Ausbruch der Krise machte sich auch die Angst vor einer erneuten Inflation in Deutschland breit. Offen darüber reden wollten die Verantwortlichen im Staat und bei der Deutschen Reichsbank wohl nicht. Im Juni 1930 druckte die Reichsdruckerei in Berlin unter dem Titel "Keine neue Inflation!" ein Papier, das "Nicht zur Veröffentlichung bestimmt!" war, also auch nicht für die Öffentlichkeit. Es wird auch kein Herausgeber oder Verfasser genannt! Da es bei der Reichsdruckerei gedruckt wurde, kann man davon ausgehen, dass es entweder vom Finanzministerium oder von der Reichsbank selbst in Auftrag gegeben wurde, und nur für bestimmte Kreise in Politik und Finanzwesen bestimmt war. Wir möchten unseren Lesern dieses historische Dokument nicht vorenthalten und stellen es hier im Blog als PDF zur Verfügung. Es umfasst insgesamt sieben Seiten und ist sicher für alle geld- und zeitgeschichtlich Interessierten lesenswert. Gleichzeitig wollen wir damit den Anfang einer kleinen Dokumenten-Sammlung zur Geldgeschichte machen, die wir Ihnen hier in unserem Blog unter dem Menüpunkt PDF nach und nach kostenlos zur Verfügung stellen. Hier geht es zur PDF! Hans-Ludwig Grabowski
- Arif Heralić und der „Som“ (Wels)
Wer die Geldscheine von Jugoslawien sammelt, tut dies in vielen Fällen wegen seiner Jugoslawien-Urlaube in den 1970er Jahren. Und die meisten haben einen Schein besonders in Erinnerung: Den 10 Dinar-Schein mit dem Porträt von Arif Heralić, eine der wenigen Personen, die bereits zu Lebzeiten auf einer Banknote abgebildet waren. Von den 40 bis 50 Jahren, in denen der sozialistische Vielvölkerstaat Jugoslawien bestand, war er geschätzt 35 Jahre, also etwa zwei Drittel der Zeit, auf einer Banknote zu sehen. Vorgeschichte Die Geschichte dieses 10 Dinar–Scheins, der von Anfang an Som (zu deutsch „Wels“) genannt wurde, beginnt fast gleichzeitig mit der Gründung der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien. Der Antifaschistische Rat der Nationalen Befreiung Jugoslawiens beschloss, vereinfacht gesagt, am 29. November 1943 die Neugründung Jugoslawiens. Dieser Tag galt fortan als Gründungsdatum des Staates der Südslawen, wie Jugoslawien übersetzt heißt, und war im Wappen des Vielvölkerstaats zu sehen: Unter dem Stern und unter den sechs Fackeln, die wie eine einzige brennt, sieht man das Datum "29∙XI∙1943". Gut erkannt man das auf dem 1000-Dinar-Schein von 1946, damals das höchste umlaufende Nominal. Laut englischsprachiger Wikipedia lag der Nachkriegskurs für einen Jugoslawischen Dinar bei 50 Din für 1 US-Dollar, somit kann man für diesen Schein einen Vergleichswert von etwa 12 DM ansetzen. Der 50er vom 1. Mai 1946 erinnert bereits an den späteren Zehner: Links auf der Note befand sich ein Arbeiter, rechts war die Wertangabe zu sehen. Umgeben wird das Ganze von Wertzahlen in den Ecken und einem ornamentalen Rahmen. Von Anfang an war das Dilemma zu lösen, wie man die Banknoten im Staat der zwei Schriften, drei Sprachen, vier Rechtschreibungen und fünf Nationalitäten in sechs gleichberechtigten Teilrepubliken zu gestalten hatte: Welche Sprache soll auf der Note auftauchen? So war die Wertangabe von nun an viermal auf jeder Note zu finden: DINARA (kroatisch) sowie ДИНАРА (serbisch) links und DINARJEV (slowenisch) sowie ДИНАРИ (mazedonisch) rechts von der Wertangabe. Die beiden lateinischen und die beiden kyrillischen Währungsbezeichnungen stehen sich harmonisch gegenüber. Die Bankbezeichnung in serbokroatischer Sprache befindet sich in lateinischen Lettern auf dem 50er und 500er, auf den anderen beiden Banknoten der Serie ist sie in kyrillischer Schrift zu finden. Die sechs Teilrepubliken sind links und rechts in der Rahmenornamentik erwähnt. Der gesamte Text auf der Note lautet nun: Narodna Banka Federativne Narodne Republike Jugoslavije plaća donosiocu 50 Dinara. Beograd, 1 Maj 1946, Glavni Direktor, Guverner. Die Nationalbank der Bundes − und Volksrepublik Jugoslawien zahlt dem Überbringer 50 Dinar. Belgrad, 1. Mai 1946, Generaldirektor, Gouverneur. Noch eher an das klassische Design erinnert die Vorderseite einer auf 1. 5.1953 datierten Druckprobe, die um die Jahrtausendwende bekannt geworden ist. Hier sieht man in den vier Ecken bereits die künstlerisch gestaltete Wertzahl auf geriffeltem Untergrund, umrandet von einer blumenartigen Ornamentik, die später zu zwei ineinander verschlungenen Fabelwesen umgestaltet wurde. Die Unterschriften stammen vom Gouverneur sowie dessen Stellvertreter. Die Evolution der Banknote Vom Tausender des Jahres 1955 gab es zunächst zwei Auflagen, mit und ohne einer kleinen „zwei“ in der rechten unteren Ecke („plate #2“). Als sich im April 1963 der Staat in Föderative Republik Jugoslawien (Socijalistička Federativna Republika Jugoslavija) umbenannte, wurde auf Münzen und Geldscheinen ein neuer Bankname notwendig. Dieser Schein war im Gegensatz zu seinem Vorgänger nur etwa zwei Jahre im Umlauf. Wieso der Schein Som (Wels) genannt wurde, darüber gibt es nur Spekulationen. Ein Grund könnte sein, dass die Brille an zwei große Fischaugen erinnert. Und Som bedeutete einfach in der Umgangssprache irgendwann einfach 1000 einer Währung, etwa vergleichbar mit unserer Bezeichnung „Riese“ (z.B. 5 Riesen = 5000 DM). Möglicherweise nach französischem Vorbild – dort hat man 1959 zwei Nullen gestrichen – wurden zwei Jahre später aus 1000 alten Dinar 10 neue Dinar. Jedoch rechnete man im Alltag noch lange in alten Dinar, so wie wir auch bei uns noch lange nach der Euro-Einführung in nationale Währungen umgerechnet haben. Legt man einen Spiegel–Artikel vom 1. Februar 1971 zu Grunde, hatte der Zehner damals einen Gegenwert von etwa 3 DM, seine Kaufkraft in Jugoslawien dürfte sich demnach geschätzt im Bereich von heute 10 bis 20 € bewegt haben. Der Schein des Jahres 1965 (eigentliches Datum der Währungsreform war 1966) unterscheidet sich nur im Nötigsten, wie Unterschrift und Nominal, von der 1963er Ausgabe. Während in Frankreich der neue Franc auch Nouveau Franc genannt wurde, blieb es bei der Währungsbezeichnung Dinar. Wieder drei Jahre später wurde der Schein überarbeitet und erhielt nun das Aussehen, das die meisten Jugoslawien-Urlauber der 1970er und 1980er Jahre kennen. Das Design der vier Wertzahlen in den vier Ecken blieb unverändert, die fünfte, zentrale Wertzahl erhielt ein runderes, sympathischeres Aussehen. War der Bankname bisher nur serbokroatisch auf den Noten zu sehen, so erscheint er nun in allen vier Landessprachen (bzw. Dialekten des Serbokroatischen, wie man damals "politisch korrekt" sagte, um die Einheit aller Südslawen zu betonen): Zunächst in Serbisch, dann in Kroatisch bzw. Slowenisch, schließlich erstmals in Mazedonisch. Da die Bankbezeichnung „Narodna Banka Jugoslavije“ sowohl slowenisch als auch kroatisch sein konnte, genügten hier drei Zeilen, während die Währungsbezeichnung Dinara/Dinarjev/Динара/Динари viermal auf der Note erscheinen musste. Völlig umgestaltet wurde die Rückseite. Statt eines Bildes dominiert eine zentrale Wertangabe, flankiert von der Wertangabe „Zehn Dinar“ in den vier Sprachen des Landes und darunter viermal der obligatorische Satz „Fälschung wird gesetzlich bestraft“. Dass diese erneute Umgestaltung bereits bei der Währungsreform geplant war, erkennt man daran, dass der analog gestaltete 100er der Serie bereits gleich nach der Währungsreform von 1966 ausgegeben wurde. Kurioserweise erinnerte die neue Rückseite an die der 10-Dinar-Note von 1951. Im Jahre 1976 sollte die Wertstufe zu 10 Dinar durch eine Münze abgelöst werden und der Zehner verschwand vorübergehend aus dem Umlauf. Auch in den "Bankers Guides" der damaligen Zeit wurde er nicht mehr aufgeführt. Es wurden Münzen zu 10 Dinar ausgegeben, bei denen die Prägejahre 1976 bis 1981 auftreten. Der Dinar stand damals pari mit dem Schilling, 10 Dinar waren also etwa DM 1,40. Doch dann erschien mit dem Datum 1978 eine neue Auflage des Zehners und die Münze verschwand wieder aus dem Umlauf. Durch die Hyperinflation, die nach Titos Tod in den 1980er Jahren Jugoslawien heimsuchte, war das Ende des "Welses" jedoch endgültig besiegelt. Der Zehner wurde wiederum durch eine Münze ersetzt und wurde durch die Geldentwertung schließlich wertlos. Der ehemals höchste Wert, war seit etwa 1970 der kleinste Schein im Umlauf und 1989 bereits das niedrigste Münz-Nominal, das bei seiner Ausgabe bereits einen Wert von nur noch wenigen Pfennigen hatte. Lediglich in Touristenregionen, insbesondere im Zahlungsverkehr innerhalb der Hotels und auf Campingplätzen traf man die von Urlaubern re-importierten alte Zehner noch an. Nach dem Som Schließlich gab es eine letzte Wiederauferstehung des Themas „jugoslawischer Arbeiter“ beim 20.000-Dinar-Schein von 1987. Dieser zeigt nun das Porträt des Kohlearbeiters Alija Sirotanović († 1990), der in der jugoslawischen Propaganda hohes Ansehen genoss. Er war mit dem Orden „Held der sozialistischen Arbeit“ und zahlreiche andere Auszeichnungen geehrt worden. Der 20.000er blieb noch nach der Währungsreform von 1990 (Streichung von vier Nullen) kurzzeitig als 2-Dinar-Schein gültig, bis eine 2-Dinar-Münze kam und die Hyperinflation, der beginnende Zerfall Jugoslawiens und und eine neue Währungsreform 1991 auch ihn Geschichte werden ließ. Aber noch heute ist in Serbien die Bezeichnung „Som“ für 1000 Dinar, aber auch 1000 Dollar oder 1000 Euro verbreitet, während für 10 Dinar die weitaus ältere Bezeichnung „Banka“ verwendet wird. Sowohl in Kroatien als auch in Serbien sind die Banknoten zu 10 Kuna bzw. 10 Dinar nach wie vor in der gewohnten Farbe braun gehalten. Kann das Zufall sein? Manfred Dietl
- Regensburger Notgeld
Als Erster Weltkrieg und Inflation Stadt und Unternehmer zur Ausgabe von eigenem Papiergeld zwangen Geld wurde nicht erfunden wie die Dampfmaschine oder die Glühbirne. Lange kamen die Menschen ohne Geld aus. Doch als der Tauschhandel sich so spezialisiert hatte, dass immer mehr unterschiedliche Waren angeboten wurden, brauchte es eines allgemein anerkannten Tauschmittels, das überall und gegen jede Ware oder Leistung einlösbar war. Die Entstehung des Gelds ist damit weltweit eingebettet in den gesellschaftlichen Entwicklungsprozess des Menschen. Waren solche „Tauschmittel“ anfänglich noch Muscheln, Mühlsteine, Waffen oder Werkzeuge, so führte die Entwicklung des Gelds über genormte Edelmetallmengen und das Buchgeld zum Geldschein und schließlich bis hin zum „elektronischen Geld“ unserer Tage. Kleingeldersatzmarke der Stadt Regensburg über 10 Pfennig ohne Datum (1917) mit Stadtwappen. Notgeld im Ersten Weltkrieg Wenn Notenbanken und der Staat nicht mehr in der Lage sind, die Versorgung des Umlaufs mit Zahlungsmitteln zu sichern, dann bleibt Regionen, Städten, Gemeinden und Firmen oft nichts anderes übrig, als eigenes Geld zu emittieren, soll der gesamte Wirtschaftskreislauf nicht zum Erliegen kommen. Als vor nunmehr 100 Jahren der Erste Weltkrieg begann, löste dies die erste deutsche Notgeldepoche aus. Bereits am Tag der Erklärung des „Zustandes der drohenden Kriegsgefahr“, dem 31. Juli 1914, stellte die Deutsche Reichsbank die bis dahin garantierte Einlösung von Reichsbanknoten in Gold ein. Im Falle eines Kriegs benötigte man „Bares“ in Form von Barren- oder Münzgold, um dringend benötigte Rohstoffe und Waren aus dem Ausland einkaufen zu können. Die Folge war, dass nicht nur die Reichsbank Metallgeld hortete, sondern auch die Bevölkerung. Auch die nach Gesetz vom 4. August 1914 erfolgte Einführung sog. Darlehnskassenscheine, konnte den spürbaren Mangel an Münzgeld nicht ausgleichen. Besonders in den bedrohten deutschen Grenzregionen, wie Elsaß-Lothringen und dem bereits teilweise von russischen Truppen besetzten Ostpreußen, kam es schon kurz nach Kriegsausbruch zur Ausgabe kommunalen Notgelds. Da die Ausgabe von Geld aber alleiniges Hoheitsrecht des Staats war und ist, erfolgte die Ausgabe des Notgelds in jener Zeit ohne Genehmigung und damit illegal. Die Verwaltungen und Behörden duldeten stillschweigend die erste deutsche Notgeldflut, da die Lage zu schnellstem Handeln zwang. Stadtmagistrat Regensburg: Kriegs-Geldschein über 50 Pfennig von 1918. Vorderseite: Gekreuzte Schlüssel des Stadtwappens. Rückseite: Historische Stadtansicht mit Steinerner Brücke und Salzstadel. Erste Auflage. Die Situation des Geldumlaufs in Regensburg blieb in den ersten Kriegsjahren so stabil, dass von der Ausgabe eigenen Notgelds abgesehen werden konnte. Erst als sich mit Fortschreiten des Kriegs ab 1916 erneut ein spürbarer Kleingeldmangel einstellte, führte dies 1917 auch in Regensburg zur Ausgabe von sog. Kleingeldersatzmarken über 5, 10 und 50 Pfennig aus Metall und ab 1918 zur Emission von Kleingeldscheinen des Stadtmagistrats zu Nennwerten über 25 und 50 Pfennig, von denen es noch zu Neudrucken in farblich leicht veränderter Form kam. Der Druck beider Auflagen erfolgte bei der Kunst-Anstalt von H. Schiele in Regensburg. Stadtgemeinde Regensburg: Gutschein über 5 Mark, ausgegeben nach Beschlüssen der städtischen Kollegien vom 4. und 8. Oktober 1918. Vorderseite eines nicht mehr ausgegebenen Scheins mit Stadtwappen und Ornamenten. Stadtgemeinde Regensburg: Gutschein über 5 Mark, Rückseite mit Entwertungs-Stempel. Nur Wochen vor dem Waffenstillstand am 11. November 1918 gab die Stadtgemeinde Regensburg, basierend auf Beschlüssen der städtischen Kollegien vom 4. und 8. Oktober 1918, Gutscheine über 5, 10 und 20 Mark aus, da längst nicht nur das Kleingeld im Umlauf fehlte, sondern nun auch das Großgeld in Mark-Beträgen. Die Gültigkeit der Gutscheine war bis zum 1. Februar 1919 beschränkt. In dieser vom Kriegsende, der Novemberrevolution, dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und den politisch turbulenten Anfängen der ersten deutschen Republik geprägten Zeit, wurden jedoch längst nicht alle gedruckten Regensburger Gutscheine auch ausgegeben, und so kommen heute meist nur entwertete Stücke vor, die aus Restbeständen stammen und seinerzeit an Notgeldsammler abgegeben wurden. Ausgehend von den bis zu sechstelligen Kontrollnummern, erreichten die Auflagen je Nominal eine Größenordnung von mehr als 100000 Stück. Der Druck erfolgte bei der Firma der Gebrüder Parcus in München, die für viele Städte und Gemeinden Notgeld herstellte. Es kommen auch Musterscheine ohne Kontrollnummer und mit oder ohne Perforation „UNGÜLTIG“ vor, die deutlich seltener sind. Notgeld nach dem Krieg Nach dem Krieg war es der hohen Staatsverschuldung und den gewaltigen Reparationsforderungen der Alliierten geschuldet, dass die nach der Reichsgründung von 1871 als deutsche Einheitswährung geschaffene Mark in eine der größten Inflationen der Weltgeschichte geriet und darin unterging. Gutschein der Stadthauptkasse Regensburg über 1 Pfennig ohne Datum (1920) in Originalgröße. Rückseite mit Stadtwappen. Der am 28. Juni 1919 unter Protest der von den Verhandlungen ausgeschlossenen deutschen Vertreter unterzeichnete Frieden von Versailles, stellte nicht nur das 14-Punkte-Programm des US-Präsidenten Woodrow Wilson vom Januar 1918 auf den Kopf, das u.a. offene und öffentlich abgeschlossene Friedensverträge gefordert und Deutschland zum Abschluss des Waffenstillstands bewogen hatte, sondern hier wurde auch die Alleinschuld Deutschlands und seiner Verbündeten am Ersten Weltkrieg festgelegt, die den Alliierten als Grundlage für die verpflichtende Wiedergutmachung aller Kriegsschäden durch das Deutsche Reich diente. Zwar wurde 1919 noch keine konkrete Summe genannt, doch bis zum 30. April 1921 war ein erster Abschlag in Höhe von 20 Milliarden Goldmark in bar und in Waren zu zahlen. Am 29. Januar 1921 legte schließlich der Oberste Rat der Alliierten im „Pariser Beschluss“ die Gesamthöhe der Wiedergutmachung auf 226 Milliarden Goldmark, zahlbar in 42 Jahresraten, steigend von 2 bis auf 6 Milliarden Goldmark fest. Darüber hinaus hatte Deutschland noch 12% des Werts seiner sämtlichen Ausfuhren an die Alliierten zu leisten. Die letzten Raten zahlte die Bundesrepublik Deutschland übrigens im Oktober 2010. Zahlungsanweisungen des Stadtrats Regensburg über 500000 und 1 Million Mark vom 8. August 1923. Einlösbar bei allen Regensburger Banken und Bankgeschäften mit Ausnahme der Reichsbank. Druck einseitig. Zahlungsanweisungen des Stadtrats Regensburg über 500000 Mark vom 18. August 1923, 1 Million Mark vom 20. August 1923 und 2 Millionen Mark vom 25. August 1923. Die beiden ersten Werte waren nur einseitig bedruckt. Der 2-Millionen-Mark-Schein zeigt auf der Rückseite das Alte Rathaus von Regensburg sowie zwei historische Stadtsiegel. Der Regierung der jungen Weimarer Republik blieb aufgrund dramatischen Devisenmangels nichts anderes übrig als der Versuch, die Reparationsforderungen durch Verhandlungen abzuschwächen, was sich direkt auf den Devisenkurs auswirkte. Am 15. August 1922 hatte der Dollar-Kurs erstmals die 1000-Mark-Marke überschritten. Als daraufhin die Gefahr einer neuen Notgeldflut drohte, machte der Erlass des Reichsministers der Finanzen vom 18. September 1922 die Ausgabe von Notgeld von einer Genehmigung abhängig. In dieser Zeit der sog. Vorinflation, die vom August 1922 bis Juni 1923 dauerte, gab es jedoch in Regensburg keine neuen Notgeldemissionen. Nachdem in Regensburg 1920 noch einmal Kleingeldscheine in Umlauf gekommen waren – zu je 1 Pfennig von der Firma Gebrüder Hanemann - J. W. Neumüller und von Jos. Plank, zu je 1 und 2 Pfennig von der Stadt sowie von den Firmen Kolonialwaren Ludwig Bolz, Bäckerei Hans Eigner und F. Will, zu 1, 2 und 3 Pfennig von J. Rossmeier sowie zu 1, 2, 3 und 4 Pfennig von Carl Held (P. Held) – sollte es drei Jahre dauern, bis die Hochinflation auch Städtväter und Unternehmen von Regensburg zur Ausgabe bisher ungeahnter Wertstufen zwang. Notgeld der Hochinflation Bereits im Juni 1922 hatte Reichskanzler Wirth die Geldzahlungen an die Reparationskommission mit dem Hinweis auf den Kursverlust der Mark und den inflationären Anstieg der Inlandspreise ausgesetzt. Auch die neue Regierung Cuno blieb bei diesem Kurs und konnte Sachreparationen aufgrund der enormen Belastungen für die deutsche Wirtschaft nur verzögert oder in geringeren Mengen leisten. Die Alliierten des Ersten Weltkriegs, allen voran Frankreich, wollten jedoch keinesfalls auf die geforderten Reparationsleistungen verzichten, zumal damit auch die französischen Kriegsschulden bei den Vereinigten Staaten von Amerika bezahlt werden sollten. Als am 11. Januar 1923 der französische Ministerpräsident seine Drohung wahrmachte und eine französisch-belgische Armee in das Ruhrgebiet einmarschierte, um „produktive Pfänder“ zu nehmen, brach Panikstimmung aus und die deutsche Währung stürzte ab. Der Dollar-Kurs, der am 2. Januar 1923 noch bei 7260 Mark stand, erreichte noch am Tag der Besetzung den Wert von 10450 Mark und kletterte bis zum 31. Januar auf 49000 Mark. Von Mitte Februar bis Mitte April 1923 gelang es der Reichsbank zwar durch den Einsatz des Goldes, das für die Reparationsleistungen vorgesehen war, den Dollar-Kurs stabil bei 21000 bis 22000 Mark zu halten, als der Dollar-Kurs am 14. Juni 1923 aber die 100000-Mark-Marke überschritten hatte, gab die Reichsbank nach einem letzten Akt der Verzweiflung schließlich Ende Juni 1923 jeden Widerstand auf. Am 30. Juli 1923 wurde der US-Dollar schon mit 1,1 Millionen Mark gehandelt. Nur eine Woche später stand der Wechselkurs am 7. August bei 3,3 Millionen Mark. Jetzt gab es eine wahre Flut von Notgeld in vielen deutschen Städten, von der auch Regensburg nicht verschont blieb. Die Reichsbank war trotz der Ausgabe immer höherer Werte von Reichsbanknoten nicht mehr in der Lage, mit der Inflation Schritt zu halten. Gutschein der Schlüssselbleistiftfabrik J. J. Rehbach über 20 Milliarden Mark vom 30. Oktober 1923 mit Firmenansicht auf der Rückseite. Gutschein der Oberpfalzwerke AG über 100 Milliarden Mark vom 1. November 1923. Mit Datum vom 8. August 1923 gab der Stadtrat Regensburg Zahlungsanweisungen in Beträgen zu 500.000 und 1 Million Mark in den Verkehr. Das war jedoch nur ein Tropfen auf den sprichwörtlichen heißen Stein, denn schon kurz darauf sollte eine neue Auflage dieser Wertstufen mit Datum vom 18. bzw. 20. August 1923 notwendig werden. Mit Datum vom 25. August folgte schließlich ein Wert über 2 Millionen Mark. Gutschein der Rana-Werke Kom. Ges. über 100 Milliarden Mark vom 15. November 1923 mit Darstellung von Eisenbahn, Automobil und Schiffen auf der Rückseite. Ein Rana-Werk befand sich in der Margaretenstraße 4 und stellte Leitern, Wagen, Eisenbahn- und Feuerwehrgeräte her. Das zweite Regensburger Rana-Werk war in der Bahnhofstraße 17 und lieferte Ausrüstungen für Eisenbahnwaggons, Schiffe und Flugzeuge. Am 9. Oktober 1923 lag der Dollar-Kurs schon bei 1,12 Milliarden Mark und die deutsche Währung befand sich im freien Fall. Nur fünf Wochen später kostete der US-Dollar am 14. November schon 1,26 Billionen Mark. In dieser Zeit gab die Stadt Regensburg, anders als viele anderen deutschen Städte, von denen auch Notgeld in Milliarden- und sogar Billionen-Werten bekannt ist, keine weiteren Notgeldscheine mehr in Umlauf. Die bereits ausgegebenen Werte von 500000 bis 2 Millionen Mark erfüllten mit dem zunehmenden Kursverfall aber schon im Oktober 1923, also nur Wochen nach ihrer Ausgabe, nicht einmal mehr die Funktion von Wechselgeld. In der Stadt kursierten neben Reichsbanknoten Noten der Bayerischen Notenbank, Scheine der Bayerischen Staatsbank sowie eine Vielzahl von privatem Notgeld. Da die Reichsbank bei dem rasanten Wertverfall der Papiermark nicht mehr in der Lage war, den Bedarf an Zahlungsmitteln zu decken, obwohl in der Hochinflation 1923 insgesamt 133 Druckereien und 30 Papierfabriken in ihrem Auftrag arbeiteten, die zusammen über 10,1 Milliarden Reichsbanknoten im Gesamtwert von 3877 Trillionen Mark herstellten – das entsprach einer Ladung von 1700 Eisenbahnwaggons, fehlte es vor allem in den Betrieben, die ausgehend vom täglichen Kursverfall der Mark zu täglichen Lohnzahlungen gezwungen waren, ständig an Zahlungsmitteln. So kam es auch zur Emission von Firmennotgeld verschiedener Regensburger Unternehmen. Den Anfang machte die Ausgabe der Bankabteilung der Lagerhausverwaltung Waldsassen, Geschäftsführung der Fichtelgebirgs-Verkaufsgenossenschaft in Regensburg über 20 Millionen Mark vom 15. September 1923. Die Schlüsselbleistiftfabrik J. J. Rehbach gab Gutscheine über 10, 20 und 50 Milliarden Mark mit Datum vom 30. Oktober und über 100 Milliarden Mark mit Datum vom 5. November 1923 aus. Im November folgten Gutscheine der Oberpfalzwerke AG für Elektrizitätsversorgung über 50, 100 und 500 Milliarden Mark. Die Rana-Werke, die über zwei Betriebsstätten in Regensburg und eine in Klardorf verfügten und Ausrüstungen für Schiffe, Eisenbahnen und Automobile herstellten, gaben einen Gutschein über 100 Milliarden Mark mit Datum vom 15. November 1923 aus. Goldschuldverschreibung der Stadtgemeinde Regensburg über 21 Goldmark vom 21. Dezember 1923. Ende 1923 versuchte man, die Inflation durch sog. wertbeständiges Notgeld zu bremsen, und mit Einführung der Rentenmark, die auf einem Kurs von 1 Dollar / Rentenmark = 4,2 Billionen Mark basierte, kam das Ende der Inflation. Die Fürstlich Thurn und Taxissche Verwaltung gab Notgeldscheine über 4,20 Goldmark mit Gültigkeit vom 15. November 1923 bis 31. Januar 1924 aus. Der Stadtrat Regensburg ließ Goldschuldverschreibungen über 8,40, 21 und 42 Goldmark vom 21.12.1923 drucken, die aber aufgrund eines Aufgelds von 12% mit Einlösung am 2. Januar 1929 als Wertpapiere anzusehen sind. Von den Oberpfalzwerken ist noch eine Ausgabe über 2 Rentenmark mit Datum 1923 bekannt. Mit der Reichsmark hatte Deutschland dann ab 1924 wieder eine stabile Währung. Hans-Ludwig Grabowski
- Gutscheine des Polizeilichen Durchgangslagers Bozen von 1945
Historischer Kontext Für den italienischen Bündnisbruch mit den Mittelmächten und seinen Kriegseintritt auf der Seite der Entente gegen Österreich und Deutschland 1915 hatten die Siegermächte nach dem Ersten Weltkrieg – wie zuvor versprochen – Bozen mit dem ganzen südlichen Tirol bis zum Brenner Italien zugeschlagen. Im Zweiten Weltkrieg war Italien zwar lange Zeit erneut mit Deutschland verbündet, nach dem Scheitern der italienischen Großmachtpläne und in Anbetracht einer kurz zuvor erfolgten alliierten Invasion setzte der faschistische Großrat Italiens jedoch den Duce Benito Mussolini am 25. Juli 1943 ab. Noch während deutsche Soldaten an der Seite ihrer italienischen „Waffenbrüder“ gegen die Invasion kämpften, trat die neue italienische Regierung in Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten. Als US-General Eisenhower am 8. September 1943 über Rundfunk den Waffenstillstand mit Italien bekannt gab, liefen kurz darauf die deutschen Gegenmaßnahmen unter dem Tarnnamen „Fall Achse“ an. Im Norden Italiens wurde Mussolini von einem SD-Sonderkommando unter Führung des Otto Skorzeny befreit und schon am 23. September rief er die „Sozialrepublik Italien“ aus, die Anfangs den gesamten Norden des Landes umfasste und auch die „allerfaschistischste Republik“ genannt wurde. Die Kriegserklärung des verbliebenen Königreichs Italien an Deutschland folgte am 13. Oktober 1943.1) Zur Geschichte des Lagers Schon im Winter 1943 diente ein kleines Lager an der heutigen Reschenstraße in Bozen als Unterkunft für eine Art Strafbataillon. Bis zum Sommer 1944 wurde das Lager für eine größere Aufnahmekapazität ausgebaut und im Juli als Durchgangslager in Betrieb genommen. Hier wurden die Häftlinge des geräumten Lagers Fossoli aufgenommen. Ab Oktober 1944 kamen noch weitere Baracken und ein Lagergefängnis dazu, so dass schließlich insgesamt mehr als 2.000 Häftlinge untergebracht werden konnten. Fossoli in der Provinz Modena war im Dezember 1943 von den italienischen Faschisten zunächst als kleines Internierungslager für Juden errichtet worden. Nach der Übernahme des Lagers durch den deutschen Sicherheitsdienst (SD) im März 1944 wurde es als Polizeidurchgangslager unter hauptsächlich italienischer Bewachung genutzt, in dem sich ein separates sog. „Judenlager“ befand. Von Fossoli aus, das unter Leitung des SS-Untersturmführers Karl Friedrich Titho stand, erfolgte die Deportation mehrerer Tausend Juden in Vernichtungslager, vor allem nach Auschwitz. Mit der näher rückenden Front wurde das Lager Fossoli aufgelöst und Titho wurde Lagerkommandant in Bozen. Im Unterschied zu den zahlreichen anderen Konzentrationslagern im faschistischen Italien stand nun allein Bozen unter deutscher Leitung. Neben jüdischen Gefangenen wurden im Lager z.B. auch Angehörige von Widerstandsgruppen, Kriegsdienstverweigerer, sog. Politische aller Art oder ganze Familien in Sippenhaft interniert. Die Häftlinge, die von Bozen aus nicht in andere Lager, wie Mauthausen, Dachau, Ravensbrück oder Auschwitz, transportiert wurden, mussten Zwangsarbeit im Lager, in der Stadt oder im Virgolo-Tunnel leisten. Jüdische Häftlinge wurden ausschließlich für Reinigungsarbeiten im Lager und in den Häusern der SS herangezogen. Frauen kamen auch in einer Uniformschneiderei zum Einsatz. Der von einem im Lager heimlich tätigen Komitee für Nationale Befreiung (CLN) geplante Gefangenenaufstand wurde nicht mehr notwendig, da die SS das Lager in den letzten Apriltagen 1945 räumte, ohne ein zuvor befürchtetes Massaker an den Häftlingen zu verüben. Danach wurde das Lager vom Roten Kreuz übernommen und am 3. Mai 1945 geschlossen. Insgesamt sollen bis zu 15.000 registrierte Häftlinge durch das Lager Bozen gegangen sein. Hinzu kommen zahlreiche nicht registrierte jüdische Häftlinge auf ihrem Weg in die Vernichtung. Im Lager selbst wurde die Ermordung von bis zu 20 Häftlingen im Zellenbau bekannt.2) Das Lagergeld von Bozen Im Durchgangslager Bozen wurden von Häftlingen inoffiziell eigene Scheine in Lira-Währung hergestellt, die man zum Einkauf von Lebensmitteln und Waren aller Art außerhalb des Lagers nutzte. Die meisten Informationen hierzu stammen von dem ehemaligen politischen Häftling Bruno Galmozzi, der die Scheine auch gedruckt hatte. Nach Galmozzi soll das Ersatzgeld im Auftrag des Internen Widerstands-Komitees (Comitato Interno di Resistenza) heimlich im Lager hergestellt worden sein. Das fertige Lagergeld wurde dann durch den Lagerältesten, Ermanno Pasqualini, versteckt und wie gültige Lira-Währung gehütet. Ausgewählte Häftlinge, die in Bozen oder beim Tunnelbau zur Arbeit eingesetzt waren, schmuggelten dann kleinere Beträge aus dem Lager und bezahlten damit notwendige Waren in „patriotischen Geschäften“, die bereit waren, das Lagergeld anzunehmen. Galmozzi selbst entwarf auch die unterschiedlichen Wertstufen und druckte diese zwischen Dezember 1944 und Januar 1945. Als erstes wurde ein 500-Lire-Schein gedruckt, und auch einen Hunderter hat es nach Galmozzi gegeben, der in meinem Buch "Das Geld des Terrors" – genau wie der Wert zu 1 Lire – erstmals nachgewiesen werden konnte. Drei Monate konnten Häftlinge mit dem illegalen „Lagergeld“ erfolgreich in verschiedenen Geschäften in Bozen einkaufen, bevor die Ladenbesitzer Angst bekamen, verraten und selbst inhaftiert zu werden. Schließlich stieß eine Wache auf die Scheine beim Durchsuchen von Gefangenen, die aus dem Lager gehen wollten. Der Posten informierte die Lagerleitung und Galmozzi musste sich selbst verteidigen, nachdem auch die Druckerpresse gefunden wurde. Er behauptete, dass die Scheine auf Abfallpapier gedruckt und ausschließlich für Poker-Spiele genutzt wurden. Zu dieser Zeit rückten die Alliierten bereits immer näher und das Ende des Lagers war auch für die SS absehbar. Man bestrafte Galmozzi nicht, beschlagnahmte aber den gesamten Bestand des illegalen „Lagergelds“ und begann nun selbst, die Scheine in Bozen zur Bezahlung von Einkäufen wie Notgeld zu nutzen. Ladenbesitzer wurden zur Annahme der Scheine aufgefordert.3) Dies kann, muss jedoch nicht der einzige Grund für Abstempelungen solcher Scheine mit Dienststempeln der SS sein. Es gibt auch Vermutungen, dass Stempel nachträglich aufgebracht wurden, um die Nachfrage von Sammlern und den Wert der Scheine zu steigern. Fest steht jedoch, dass die Scheine aus dem Lager Bozen nicht das Geringste mit der „Prämienvorschrift“ des Wirtschafts-Verwaltungshauptamts der SS zu tun haben. Eine diesbezügliche Zuordnung, wie sie noch bei Pick/Siemsen erfolgte, ist nicht zutreffend.4) Alle Werte sind heute selten, solche ohne Dienststempel sogar echte Raritäten. Anmerkungen: Hans-Ludwig Grabowski (unter Mitarbeit von Henning Huschka und Wolfgang Schamberg), Italien – Deutsche Intervention im Zweiten Weltkrieg, in: Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg, S.114 – 119 Ada Buffulini, Das Konzentrationslager Bozen, in: Roter Winkel Nr. 1 – 2, 01.1976 Ray Feller/Steve Feller, Silent Witnesses: Civilian Camp Money of World War II, S. 52, sowie: Lance K. Campbell, Prisoner of War and Concentration Camp Money of the 20th Century, S. 104 Albert Pick/Carls Siemsen, C. Ausgaben nach der Dienstvorschrift für die Gewährung von Vergünstigungen an Häftlinge, in: Das Lagergeld der Konzentrationslager und D.P.-Lager 1933 – 1947, S. 29 Mehr über die Geschichte von Konzentrationslagern und Gettos und deren Geld inkl. Katalogisierung und Hinweise zu Fälschungen finden Sie in meinem Buch "Das Geld des Terrors". Hans-Ludwig Grabowski Abb. Geldmuseum der Deutschen Bundesbank
- Das Notgeld der Stadt Schleusingen vom April 1945
Der ehemalige Kreis Schleusingen, mitten im Thüringer Wald gelegen, gehörte bis 1944 zum Regierungsbezirk Erfurt der preußischen Provinz Sachsen und anschließend zum Land Thüringen. Die Stadt Schleusingen selbst ist Numismatikern nicht unbekannt, steht doch in ihren Mauern mit dem mächtigen Schloss Bertholdsburg die einstige Residenz der Grafen von Henneberg. Von hier aus herrschte das bedeutende Grafengeschlecht bis zu seinem Aussterben im Jahre 1583 über das hennebergische Land beiderseits der heutigen Grenzen zwischen Thüringen und Bayern. Wichtigste und größte Stadt des Kreises war jedoch die für ihre Waffenherstellung bekannte Stadt Suhl, deren bedeutende Gewehrfabriken und Fahrzeugwerke während des Kriegs auf Hochtouren produzierten. Am 5. April 1945, drei Tage bevor Schleusingen durch Truppen der 3. US-Armee eingenommen wurde, verlief die Front in Thüringen entlang der Linie „Mühlhausen-Gotha-Eisenach-Meiningen-Fulda“. Der weitere Vormarsch der Amerikaner wurde in zwei Abschnitten befohlen. Ein Vorstoß sollte von Gotha aus in Richtung Erfurt und ein anderer von Meiningen in Richtung Schleusingen erfolgen. Sollte der amerikanische Vorstoß Schleusingen erreichen, so wäre die Stadt ohne bedeutende militärische Gegenwehr zu nehmen gewesen, denn die letzten deutschen Truppen hatten sie kurz zuvor verlassen. Als die US-Truppen vor den Toren Schleusingens standen, entschlossen sich der damalige Stellvertretende Bürgermeister und Mineralwasser-Fabrikant August Bucher sowie der NSDAP-Ortsgruppenleiter Otto Stubenrauch trotz schärfsten Protestes des deutschen Stadtkommandanten, mit den anrückenden Amerikanern zu verhandeln, um die Stadt vor der Zerstörung zu bewahren. Sie versicherten, dass die Stadt ohne Truppen sei und wollten sie kampflos übergeben, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. In der Nacht vom 6. zum 7. April 1945 kehrten jedoch SS-Verbände nach Schleusingen zurück, worauf sich die Amerikaner bis zum Stadtrand zurückzogen. Das Gebäude, in dem sich der amerikanische Stab befunden hatte, wurde durch Panzerfaust-Beschuss zerstört und brannte nieder. Weitere Häuser und Scheunen standen in Flammen und auch einige Zivilisten kamen bei den Kämpfen ums Leben. In den Morgenstunden war die ganze Stadt wieder in deutscher Hand. Doch konnte sie sich nicht lange gegen den amerikanischen Angriff zur Wehr setzen. Erneut war es der Stellvertretende Bürgermeister Bucher, der Schleusingen retten wollte. Trotz neuerlichen schärfsten Protestes des Stadtkommandanten verhandelte er mit den Amerikanern und übergab die Stadt, nachdem die letzten deutschen Verbände mitsamt der Stadtkasse Schleusingen verlassen hatten. Selbst die örtlichen Banken verfügten kaum noch über Bargeldreserven. Am 8. April 1945 wurde die Stadt durch US-amerikanische Truppen besetzt. Von der unverzüglich eingerichteten US-Verwaltung wurde Herr Max Linhardt als Bürgermeister eingesetzt. In der Stadt herrscht Chaos, die Kassenschränke waren leer, überall kam es zu Geschäftsplünderungen und auf dem Bahnhof der Stadt stahlen Einwohner handwagenweise Kohlen. Die Folge war die Verhängung einer Ausgangssperre, welche erst unter späterer russischer Besetzung am 29. Dezember 1945 wieder aufgehoben werden sollte. Überall wurden amerikanische Soldaten einquartiert. Bei Einquartierung musste die Wohnung widerspruchslos geräumt werden. Nichts durfte verschlossen zurückgelassen werden. Betten, Geschirr und Radios mussten in den Wohnungen verbleiben. Lediglich die Mitnahme von Kleidung und Lebensmitteln wurde gestattet. In Anbetracht der leeren Kassen und um die Not der Bevölkerung zu lindern und den Zahlungsverkehr wieder in Gang zu setzen, ließ die Stadt auf Initiative ihres neuen Bürgermeisters kurzfristig Gutscheine mit Datum vom 10. April 1945 drucken. Es gab insgesamt vier Serien (je Nennwert eine Serie) zu 1, 5, 10 und 20 Reichsmark. Vor Ausgabe der Scheine wurden diese vom Bürgermeister Linhardt eigenhändig in blauer oder schwarzer Tinte unterschrieben. Die Umlauffähigkeit war auf die Stadt Schleusingen beschränkt. Wie lange die Gutscheine in Umlauf blieben, kann heute nicht mehr genau geklärt werden. Vermutlich waren sie jedoch nur sehr kurze Zeit gültig. Auch der Name der Druckerei, welche die Scheine innerhalb weniger Tage herstellte, war trotz Kontaktes zu dem inzwischen verstorbenen ehemaligen Leiter der Stadtkasse nicht mehr zu ermitteln. Der Druck erfolgte auf geblichem bzw. blaugrauem Kartonpapier. Alle Scheine sind einseitig bedruckt und tragen als Bild das Wappen der Stadt. Die Einlösung sollte nach Aufruf durch die Stadthauptkasse erfolgen. Aus den amtlichen Akten der Stadt geht hervor, dass Gutscheine in einem Gesamtbetrag von 12.915 RM ausgegeben worden sind. Wie uns diese Unterlagen weiter verraten, erfolgte die Vernichtung der Scheine bereits Ende Juni 1945. Ausgegebene Scheine, also solche mit Handunterschrift des Bürgermeisters Linhardt, sind nur in geringen Mengen der Vernichtung entgangen und deshalb heute sehr selten, zumal die Stadt Schleusingen selbst kaum noch über eigene Bestände verfügt. Katalogisiert wurde das Schleusinger Notgeld vom April 1945 in dem Katalog „Das Papiergeld im besetzten Deutschland 1945 bis 1949“ von Michael H. Schöne. In diesem Katalog wird angemerkt, dass je Wertstufe etwa 2.000 bis 3.000 Stück hergestellt wurden. Tatsächlich müssen es aber – zumindest bei der niedrigsten Wertstufe über 1 Reichsmark – bedeutend mehr gewesen sein. Der hier abgebildete, allerdings nicht mehr ausgegebene, Schein trägt die Kontrollnummer 9270. Max Linhardt blieb nur fünf Wochen Bürgermeister. Noch am 9. Mai 1945 veranlasste er die Erhebung aller in städtischen Unterkünften untergebrachten Zwangsarbeiter. Zu den damals etwa 5.000 Einwohnern der Stadt kamen über 1.700 Menschen aus allen Teilen Europas. Bereits am 15. Mai 1945 übernahm ein neuer Bürgermeister das Amt. Am 2. Juli 1945 verließ der amerikanische Stadtkommandant Schleusingen, unmittelbar darauf wurde die Stadt von russischen Truppen besetzt. Als besonderer Verdienst Max Linhardts bleibt seine schnelle und umsichtige Handlungsbereitschaft, die seiner Stadt in schwerster Zeit ein Stück weit in eine neue friedliche Zukunft geholfen hat und damit der deutschen Papiergeldgeschichte und uns Sammlern die einzigen Thüringer Notgeldscheine am Ende des Zweiten Weltkriegs bescherte. Anmerkungen: 1991 tauchten Blankoscheine des Schleusinger Notgelds zu 1, 5 und 20 RM im Handel auf. Diese Scheine waren 1945 nicht mehr ausgegeben worden und tragen deshalb auch keine Handunterschrift des damaligen Bürgermeisters Max Linhardt, konnten aber der Vernichtung Ende Juni 1945 entgehen. Blankoscheine sind deshalb etwas häufiger bei Auktionen und auf Börsen angeboten worden, sind aber trotzdem recht selten. Entdeckt wurden die Scheine allerdings nicht erst 1991, vielmehr wurden sie schon lange Zeit vorher im Naturhistorischen Museum Schloss Bertholdsburg in Schleusingen aufbewahrt, aber erst nach der politischen Wende und der deutschen Wiedervereinigung kurzzeitig in kleineren Mengen zum Kauf angeboten. Laut Auskunft des Museums wurden insgesamt etwa 100 Blätter, jeweils mit allen drei Blankowerten, verkauft. Größere Stückzahlen wurden dabei nicht abgegeben. Die Blankoscheine stammen aus dem Bestand des Rathauses, wo sie als Restbestände der Nachkriegszeit Ende der 1950er Jahre dem Museum übergeben wurden. Da sie nach dem Abverkauf von 1991 nur noch in sehr kleinen Mengen vorhanden waren, wurde der Verkauf eingestellt, um den Restbestand am Ursprungsort zu bewahren. Am seltensten ist der 10-RM-Schein, der selbst dem Museum nicht vorliegt. Als Druckerei für die Herstellung des Notgelds kommt nach neuerlichen Recherchen wahrscheinlich die ehemalige Privatdruckerei Lang aus Schleusingen in Frage, die früher auch den "Henneberger Anzeiger", eine regionale Tageszeitung, herstellte und noch bis 1968 existierte. Sichere Beweise liegen für diese Annahme jedoch nicht vor. Auch die im Jahr 2000 noch in Schleusingen lebende und damals schon betagte Tochter des ehemaligen Druckereibesitzers konnte keine näheren Auskünfte geben, da sie sich selbst am Ende des Zweiten Weltkriegs in Südafrika aufhielt und ihr auch keine Unterlagen zum Schleusinger Notgeld von 1945 bekannt waren. So könnten die Scheine ebenso in einer Druckerei im nahen Suhl oder in Hildburghausen hergestellt worden sein. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Rätsel eines Tages gelöst werden kann. Hans-Ludwig Grabowski
- Die „Industrial Bank of Amoy“ (廈門勸業銀行)
Am 10.5.1938 griffen japanische Kriegsschiffe die Küste der Provinz Fújiàn an. Japanische Truppen landeten in Wǔtōng (五通) und attackierten die Provinzhauptstadt Xiamen (廈門), bei uns meist als Amoy bekannt. Die Chinesen wehrten sich zwar tapfer, aber 4 Tage später, am 14.5.1938, mussten sie sich zurückziehen und Xiàmén mit den umliegenden Gebieten aufgeben. Die Japaner schufen die „Sonderverwaltungszone Xiàmén“ (廈門市特別行政區) und setzten eine eigene Verwaltung ein, um so die Wirtschaft von Süd-Fujian zu kontrollieren. Lǐ Sīxián (李思賢) wurde von ihnen als Bürgermeister von Xiàmén eingesetzt. Am 26.2.1942 eröffneten die Japaner eine speziell für die Verwaltungszone gegründete neue Bank, die „Amoy Industrial Bank“. Der Hauptsitz der Bank befand sich in der Dàhǎn-Straße (大漢路) – das ist die heutige Zhōngshān-Straße (中山路). Das Anfangskapital betrug 2.500.000 Yuan. Das Geld wurde hauptsächlich von japanischen Banken beigesteuert, z.B. von der Mitsui-Bank, der Sumitomo-Bank und der Mitsubishi-Bank. Vorstandsvorsitzender war zunächst Yīn Xuěpǔ (殷雪圃). Der musste jedoch schon bald zurücktreten, und Bürgermeister Lǐ Sīxián (李思賢) wurde sein Nachfolger. Wú Ruìkūn (吳瑞昆) war der Generaldirektor der Bank, Zhōu Zhàochūn (周肇春) wurde sein Vertreter. Von Anfang an hatte die Bank das Recht, eigene Noten auszugeben, allerdings nur Kleingeld. Insgesamt kamen 5 verschiedene Wertstufen in Umlauf, alle sind undatiert: 1 Fen = 1 Cent. Auf der Vorderseite finden wir einen Pavillon im Park (中山公園), der Pavillon existiert noch heute. 5 Fen = 5 Cents. Abbildung identisch mit voriger Note. 1 Jiao = 10 Cents. Vorderseite mit dem Südtor (南門) des Zhōngshān Parks (中山公園). Dieses Tor existiert noch heute. 2 Jiao = 20 Cents. Vorderseite mit dem Sun Yatsen-Gedächtnismonument (孫中山紀念牌). Dieses Denkmal stand früher im Zhongshan Park, ist aber heute verschwunden. 5 Jiao = 50 Cents. Auf der Vorderseite die Nántuótiānwáng-Halle (南陀天王殿). Sie existiert noch heute. Nach dem Sieg der Chinesen über die Japaner verloren die von der Amoy Industrial Bank ausgegebenen Scheine ihre Gültigkeit. Bürgermeister und Bankdirektor Lǐ wurde als Verräter angeklagt und zum Tode verurteilt. Er legte Berufung ein, die abgewiesen wurde. Als er in einem Krankenhaus behandelt wurde, gelang ihm die Flucht. Doch wurde er gefasst und im Januar 1951 hingerichtet. Mein Dank gilt Herrn Hé Bǐngzhòng (何丙仲) vom Koxinga Memorial Institute in Xiàmén, der die Abbildungen auf den Noten für mich identifizierte. Im SCWPM finden sich die vorgenannten Noten unter S1655 bis S1658. Jedoch müssten sie eigentlich unter den J-Nummern aufgelistet werden, weil sie von der Japanischen Besatzungsmacht ausgegeben wurden. In Katalogen ist meist ein ziemlich hoher Preis für die Noten angegeben (25 bis 100 $ in UNC, etwa im SCWPC). Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass man vor einigen Jahren in Xiamen im Tresor einer Bank von allen fünf Wertstufen hunderttausende Exemplare in UNC fand, allerdings auf der Vorderseite ohne Kontrollnummer (gelaufene Jiao-Noten tragen Kontrollnummern auf der Vorderseite). Diese Noten fanden den Weg in den Handel. Katalogpreise gelten daher nur für Scheine mit Nummerierung auf Vorder- und Rückseite! Erwin Beyer Abb. 1, 5, 10 und 50 Cents: Hans-Ludwig Grabowski, 20 Cents: Erwin Beyer
- Geldscheine der Shantung Bergbau-Gesellschaft, Betriebsabteilung „Fangste“
In China wurde am 10.10.1899 die Shantung Bergbau-Gesellschaft gegründet. Der Sitz der Gesellschaft befand sich in Berlin, die Bergbaudirektion jedoch in der Hauptstadt des deutschen Pachtgebiets Kiautschou Qingdao (früher „Tsingtau“). Hauptzweck der Gesellschaft war, die Steinkohlevorkommen in der Provinz Shandong (früher „Shantung“) zu erschließen. Schon 1902 begann man im Kreis Wei (濰縣= Wéi xiàn) die dortigen Kohlefelder auszubeuten. Der Kreis Wei lag an einer von den Deutschen gebauten Eisenbahnlinie, die von Qingdao zur Provinzhauptstadt Jinan (damals Tsinanfu oder Präfektur Tsinan genannt) führte. Bei der Ausbeutung der Gruben setzte man chinesische Firmen als Subunternehmer ein. Eine dieser Firmen hieß 清聚福記 (Qīngjùfú jì oder Firma Qingjufu). Von allen Subunternehmern der Shantung Bergbau-Gesellschaft ist dies die einzige Firma, von der bekannt ist, dass sie eigene Geldscheine ausgab. Diese Scheine sind streifenförmig und lauten auf Wen (文), das ist eine Kupferwährung, im englischen und deutschen Sprachgebrauch als „cash“ bezeichnet. Alle Beschäftigten wurden mit diesen Scheinen bezahlt. Alle Noten tragen am linken Rand ein Datum in zyklischer Schreibweise. Dabei kommen zwei Daten vor: 戊申 (1908) und 已由 (1909). Scheine von 3.000, 4.000, 5.000, 6.000 und 10.000 Wen liegen mir vor, wobei die Wertstufen stets von Hand geschrieben sind. Einige wenige Scheine, ich würde schätzen, etwa 5-6% von allen, die ich gesehen habe, tragen am oberen Ende einen Stempel der Bergbau-Gesellschaft: „Shant.Bergb.Ges. / Betr. Abt. Fangste / 27.Feb.1909”, wobei das Datum etwas variieren kann. Dabei bezieht sich „Fangste“ (eigentlich müsste es „Fangtse“ heißen) auf den Namen einer schon 1902 im Kreis Wei erschlossenen Grube (chin. 坊子 = Fāngzi). Näheres über diese Bergbau-Gesellschaft und die Eisenbahnlinie Qingdao-Jinan kann man im Internet z.B. in einem Artikel von Klaus Mühlhahn nachlesen: https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/tsingtau/katalog/auf1_13.htm. Von der Firma ausgegebene Scheine ohne Stempel der Bergbau-Gesellschaft sind nicht selten und werden in China zur Zeit für ca. 30 € gehandelt. Scheine mit Stempel waren eine lange Zeit in China nicht teuerer, da die Chinesen den Stempel nicht lesen konnten, aber inzwischen ist man auf den Stempel aufmerksam geworden, kennt seine Bedeutung und der Preis ist in Auktionen auf etwa 50 € pro Schein gestiegen. Erwin Beyer
- Geldschein-Fälschungen im 18. und 19. Jahrhundert
Fälschungen sind wahrscheinlich schon fast genauso alt wie das Geld selbst. In Europa kam das erste Papiergeld bereits im 17. Jahrhundert auf. Nicht immer waren die ersten Versuche von Erfolg gekrönt. Es sollte deshalb noch dauern, bis man sich auch in Deutschland an die Ausgabe von Papiergeld wagte. In der Kleinstaaterei des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation und der Zeit bis zur Reichsgründung von 1871, blieb es den einzelnen Staaten vorbehalten, eigenes Papiergeld in Umlauf zu geben. Im Norden Deutschlands gab es die Thaler- und im Süden die Guldenwährung. An eine einheitliche Währung war noch lange nicht zu denken. Im Laufe der Zeit entstand so eine unübersichtliche Vielfalt von Noten verschiedenster Länder- und privaten Notenbanken, von staatlichen Kassenscheinen und Ausgaben von Standesherrschaften. Das erleichterte Fälschern ihr Geschäft, weil die Geldscheine auch über die Grenzen ihrer kleineren oder größeren Staaten hinaus umliefen. Die frühen deutschen Geldscheine waren außerdem noch recht einfach gestaltet und es wundert deshalb nicht, wenn sogar sie schon gefälscht wurden. Wir möchten in diesem Beitrag einige Beispiele für frühe Fälschungen deutscher Geldscheine vorstellen, die das breite Spektrum der Geldfälschungen zeigt. Die Abbildungen zeigen Vorder- und Rückseite eines als Fälschung gekennzeichneten, aber gelaufenen, Churfürstlich Sächsisches Cassen-Billets über 1 Reichs-Thaler vom 6. Mai 1772. Die Schlichtheit der Gestaltung und die Einfachheit des Papiers musste Fälscher quasi herausfordern. Die Fälschung wurde damals von der Churfürstlich Sächsischen Haupt-Auswechlungs-Cassa (Stempel unten) eingezogen. Dass die sächsichen Cassen-Billets bei den Fälschern besonders beliebt waren, zeigt ein weiteres Beispiel. War der falsche 1-Thaler-Schein immerhin gedruckt, so handelt es sich bei der Fälschung des 2-Thaler-Scheins um eine Handzeichnung mit schwarzer Tusche. Deren Qualität hat dennoch ausgereicht, um den Schein längere Zeit zirkulieren zu lassen, wie die deutlichen Gebrauchsspuren belegen. Ebenfalls vergleichsweise einfach gestaltet und deshalb oft gefälscht wurden die preußischen Tresor-Scheine aus dem deutschen Schicksalsjahr 1806 mit Unterschriften von Schulenburg und des Freiherrn vom Stein. Die Scheine nennen weder Emittent, noch Ort und Ausgabedatum. Nur das Wappen auf der Rückseite lässt auf Preussen schließen. Irreführend ist auch die Jahresangabe 1764, die aber lediglich für den Münzfuß steht. Abgebildet ist eine vollständige Handzeichnung mit Tusche, wobei die Rückseite nicht sonderlich gelungen ist. Es gibt auch einseitig gedruckte Fälschungen der Vorderseite, bei denen hat man die schwierige Rückseite einfach gleich weggelassen. Dreißig Jahre später wurden mit Datum von 1836 auch die ersten Noten der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank ausgegeben. Das Design wurde in der Zwischenzeit durch aufwendige Ornamente und bildliche Darstellungen ergänzt, um Fälschungen zu erschweren. Verhindern konnte man sie aber nicht, wie die abgebildete Fälschung eines 10-Gulden-Scheins vom 1. Juni 1836 belegt. Der Einfachheit halber hatte der Fälscher damals alle seine Machwerke mit der gleichen Serie "XVII" und Kontrollnummer "161832" hergestellt. Sie sind aber auch leicht an der schlechten Druckqualität zu erkennen. Eine deutlich bessere Qualität hat die abgebildete Fälschung eines 100-Gulden-Scheins der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank vom 1. Juni 1839. Man hatte zwar noch nachgelegt, was die Ornamente betrifft, aber Fälscher passen sich jeder Entwicklung an, und das bis heute. Bald schon war ein sog. Straftext auf Geldscheinen üblich, der Fälscher durch Androhung hoher Strafen abschrecken sollte. Außerdem wurde nun Wasserzeichen-Papier verwendet. Abgebildet ist die Fälschung eines 10-Thaler-Scheins der Weimarischen Bank vom 4. Februar 1854. Nicht nur, dass das Wappen auf der Vorderseite sehr auffällig ist, es fehlt auch noch der komplette Unterdruck. Lange im Umlauf muss er dennoch gewesen sein. Als wirklich gelungen muss im Vergleich zur Weimarer Fälschung die hier abgebildete Fälschung einer 20-Thaler-Note der Hannoverschen Bank vom 1. März 1857 bezeichnet werden. Da hat sich jemand wirklich viel Mühe gemacht, und das ganz ohne moderne Reproduktions-Techniken. Entlarvt wurde die Fälschung trotzdem, wahrscheinlich haperte es an der Nachahmung des aufwendigen Wasserzeichen-Rahmens, der diese Note schützte. Das kurioseste Beispiel habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Die naive Handzeichnung eines 50-Thaler-Scheins der Preußischen Hauptbank vom 9. Juni 1860 regt zum Schmunzeln an. Eigentlich sollte jedem klar sein, dass es sich hier um kein echtes Geld handeln kann. Dennoch tritt das Kuriosum den Beweis an, dass Menschen alles als Geld wahrnehmen, was wenigstens die wichtigsten Merkmale von Geld nachahmt. Da braucht es am Ende neben einer typischen Gestaltung, nur noch ein paar Zahlen und Wörter. Das machten sich auch ganz besondere Fälscher zu Nutze, die erst garnicht echte Zahlungsmittel nachahmen wollten, sie produzierten einfach Fantasiescheine. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte, zu der neue interessante Belege gezeigt werden können. Hans-Ludwig Grabowski Abb. versch. Privatsammlungen (Beerenwinkel, Bronnert, Kranz, Reichert) sowie HVB Stiftung Geldscheinsammlung (100 Gulden 1839).
- Das Ende der DDR-Banknoten
In einer Untertageanlage bei Halberstadt in Sachsen-Anhalt lagerten seit Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Restbestände an Banknoten der DDR. Die ehemalige Staatsbank der DDR war nach der Währungsunion damit betraut worden das DDR-Geld aus dem Verkehr zu ziehen und hatte die Einlagerung der Geldscheine in unterirdische Stollen angeordnet. Seit der Übernahme der Staatsbank war die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Eigentümerin des DDR-Papiergelds, das in den Stollen hinter einer zwei Meter dicken Betonwand verrotten sollte. Angelegt wurden die Stollen im Jahr 1944 als Teil eines Außenlagers des Konzentrationslagers Buchenwald. Das sog. Projekt „Malachit“ diente ausschließlich der unterirdischen Rüstungsproduktion in den Thekenbergen bei Halberstadt. Anfang 1945 befanden sich bereits über 5.000 Häftlinge im Lager Langenstein-Zwieberge, das eigentlich nur für 2.000 Häftlinge konzipiert war. Unter schwierigsten Bedingungen mussten sie am Ausbau des ausgedehnten Stollen-Systems arbeiten. Insgesamt umfassten die Haupt- und Querstollen eine Länge von etwa 13 km in einer Tiefe von 30 bis 50 m unter der Erde. Zur Rüstungsproduktion, dem Geheimprojekt „Makrele“ im Rahmen der V2-Produktion, kam es nicht mehr. Kurz vor der Befreiung durch US-Truppen wurde das Lager evakuiert und über 3.000 Häftlinge auf einen 330 km langen „Todesmarsch“ geschickt, den die meisten nicht überlebten. Ein Bündel der nicht mehr ausgegebenen 500-Mark-Scheine der Staatsbank der DDR in Originalverpackung mit 1000 Stück im Gesamtwert von 500.000 Mark. Zu DDR-Zeiten wurde das weitverzweigte Stollen-System von der Nationalen Volksarmee (NVA) als Munitionsbunker genutzt. Das Mitte der 1980er Jahre aufwendig sanierte und technisch modern ausgestattete Objekt, die sog. „Untertage-Anlage Halberstadt“, wurde schließlich 1994 von der Bundeswehr an eine private Verwaltungs- und Verwertungsgesellschaft (GEVA GmbH) verkauft. In den Stollen lagerten etwa 100 Milliarden Ostmark. Nach der deutschen Einheit 1990/1991 hatte man die Banknoten mit Hilfe der Bundeswehr und NVA in die Stollen eingelagert. Hierzu waren immerhin 300 LKW-Ladungen nötig. Säckeweise endeten die Geldscheine im Dunkel des Berges. Experten der Staatsbank rechneten damals damit, dass sich die Scheine binnen kurzer Zeit zu Humus zersetzen würden. Die geringe Temperatur von 8 bis 10 °C und die fehlende Luftfeuchtigkeit im Sandstein-Massiv verhinderten dies jedoch und so hielt sich das „Ost-Geld“ erstaunlich lange. Das plötzliche Auftauchen von bisher unbekannten und nie ausgegeben 200- und 500-Mark-Noten der Staatsbank der DDR „verdanken“ die Sammler nicht ganz legalen „Abfällen“ der Einlagerungs-Aktion genauso, wie das Bekanntwerden von DDR-Militärgeld. Mit einem Radlader wurden insgesamt 600 Millionen alte DDR-Banknoten aus einem Stollen in den Thekenbergen bei Halberstadt geholt. Im Sommer 2001 bemerkte ein Wachmann einen Durchbruch der Betonmauer und schnappte zwei Einbrecher auf frischer Tat als sie gerade dabei waren, bündelweise DDR-Banknoten aus dem Stollen zu schleppen. Die beiden Einbrecher, die ganz offensichtlich gezielt 200- und 500-Mark-Noten im Gesamtwert von 600.000 Mark entwendet hatten, landeten im Juli 2001 vor einem Magdeburger Gericht. Schnell wurde klar, dass einige technische Sicherheitsmängel der Anlage schon in der Vergangenheit Dieben leichtes Spiel erlaubten und schon am ersten Verhandlungstag musste man sich eingestehen, dass die Angeklagten nur durch reinen Zufall gefasst werden konnten. So war über lange Zeit der Zugang durch offene Lüftungsschächte in die verzweigten Gänge relativ problemlos möglich, und das Gelände hatte sich zu einem regelrechten Tummelplatz für Jugendliche aus Halberstadt und der Umgebung entwickelt. Party feiern am „Milliardengrab“ war keine Seltenheit. Hinzu kamen die Sorgen des einschlägigen Fachhandels, dass der Sammlermarkt für DDR-Geldscheine völlig einbrechen könnte, wenn immer neue Stücke in derartigen Mengen angeboten würden. Tatsächlich haben sich die Preise denn auch in dieser Zeit stetig nach unten entwickelt. Im Sommer 2001 entschloss sich deshalb die KfW dafür, das DDR-Geld aus Sicherheitsgründen endgültig zu entsorgen. Hierzu wurden verschiedene Möglichkeiten auch in der Praxis getestet. Eine Verbrennung erwies sich schließlich als das schnellste und kostengünstigste Verfahren. Abtransport des DDR-Papiergelds. Drei Monate lange fahren jeden Tag sechs voll beladene LKW den „Währungsmüll“ in eine Müllverbrennungsanlage. Ende März 2002 startete die KfW dann die endgültige Entsorgung der DDR-Banknoten. Hierzu wurden die Stollen mit Spezialgerät aufgebrochen, Radlader holten das Geld aus den Gängen, in einem Trommelsieb wurde Sand und Kies von den Scheinen getrennt. Dann wurde das Geld per Radlader in Container verladen und mit LKW nach Buschhaus gebracht, wo die Verbrennung der Scheine in der dortigen Müllverbrennungsanlage erfolgte. Abgeschlossen wurde die Vernichtung der Scheine Ende Juni 2002. Insgesamt mussten zwei komplette Stollen-Abschnitte von 300 m Länge geräumt werden. Das Volumen des eingelagerten Materials (600 Millionen Geldscheine mit einem Gewicht von mehr als 3000 Tonnen) betrug 4.500 Kubikmeter. Erschwert wurde die Arbeit durch den Umstand, dass die Scheine teilweise lose, gebündelt, in Säcken verpackt oder mit Sand und Kies bedeckt waren. Ein Container fasste 33 Kubikmeter Volumen. Im Durchschnitt wurden jeden Tag sechs Container (je ca. zehn Tonnen) beladen. Bedenkt man, dass insgesamt 300 Container für den Abtransport des Papiergelds nötig waren, so gäbe das aneinandergereiht eine LKW-Schlange von zwei Kilometer Länge. Nach etwa drei Monaten gingen dann die letzten Scheine mit Marx und Engels in Flammen auf. Die TRV Buschhaus der BKB in Helmstedt ist Endstation für die ehemaligen DDR-Banknoten. Bei der Verbrennung der etwa 3000 Tonnen Geldscheine wurde Strom erzeugt, die Schlacke landete im Straßenbau. Für einige der ostdeutschen Arbeiter war es am Anfang natürlich ein seltsames Gefühl, das alte Geld vernichten zu müssen. So ist es auch kein Wunder, wenn sich ein Kollege der Firma „Schachtbau Nordhausen“ erinnert: „Wir haben schon in den 80er Jahren hier im Schacht gearbeitet. Als ich nun zum ersten Mal wieder hier runter kam und unser ganzes altes Geld sah, kamen da schon Emotionen hoch. Vor allem, als ich die ganz alten Banknoten sah, die ich noch aus meiner Kindheit kannte. Meine Mutter verdiente damals gerade ’mal 200 Mark im Monat, da war der 50-Mark-Schein das höchste und wertvollste, was wir kannten. Dass es auch einen Hunderter gab, habe ich erst jetzt gesehen, den kannte ich gar nicht, das war jenseits meiner Vorstellungskraft als Kind, dass es so etwas Wertvolles auch gibt.“ Der Feuertod der Geldscheine bei 1.200°C Hitze diente der Stromerzeugung. Der Ofen der Müllverbrennungsanlage konnte 22 Tonnen Müll pro Stunde verbrennen. Das DDR-Geld hätte ihn somit fast sechs Tage ununterbrochen unter Feuer halten können. Übrig blieben einige 100 Tonnen Schlacke, die im Straßenbau eingesetzt wurden. Ohne die Leidenschaft der Sammler wäre dies dann also das endgültige Aus der DDR-Banknoten. Dem Sammlermarkt hat es gut getan und über kurz oder lang könnten Preise für das mittlerweile historische DDR-Papiergeld nicht nur stabil bleiben, sondern möglicherweise auch wieder steigen. Und sollte dem einem oder anderen Sammler ein leicht muffiger Geruch mancher alter DDR-Noten aufgefallen sein, so kann er nun mit Fug und Recht annehmen, dass auch dieses „Sammlerstück“ aus dem Stollen in den Thekenbergen bei Halberstadt stammt. Hans-Ludwig Grabowski
- Altes Schulgeld aus China
An dieser Stelle wurden schon verschiedene Schulgelder vorgestellt, wie sie in modernen Zeiten in chinesischen Banken zum Üben benutzt wurden. Es sind allesamt Scheine, die wirklichen Noten nachgebildet wurden, mit dem chinesischen Vermerk „Muster“ und „Übungsnote“. Hier möchte ich nun einen alten Schulgeldschein vorstellen. Wenn der Schein auch keinem wirklichen Geldschein direkt nachgebildet ist, so ist er doch auf der Vorderseite nach Art der damals üblichen Geldscheine gestaltet. Oben findet sich ein Bankname, rechts und links finden sich die Wertstufe (拾圓 = 10 Yuan) sowie zwei blaue quadratische Siegel. Nicht zu vergessen die Individualnummer. Wer allerdings Chinesisch kann, weiß sofort, worum es sich handelt, auch wenn er nur die Vorderseite sieht. Denn der Bankname lautet 北平高商實習銀行, was etwa „Schulbank für höheres Geschäftswesen in Běipíng“ bedeutet. Die Rückseite nennt auf Englisch einen etwas anderen Banknamen: The Municipal Commercial Schoolbank. 20 kleine Zeichen auf der Vorderseite und ein Text im Zentrum der Rückseite bedeuten, dass der Schein von der besagten Bank ausgegeben sei zum Zwecke des Einübens von Banktransaktionen. Ganz unten auf der Rückseite ist noch die Druckfirma angegeben: 寶增印刷局 = Druckfirma Bǎozēng. Leider ist kein Ausgabejahr genannt. Aber die Ortsangabe Běipíng/Peiping gibt uns einen Hinweis, war das doch der Name Běijīngs (Pekings) von 1928 bis 1948. Weiter lässt sich der Zeitraum leider nicht eingrenzen. Das Bild im Zentrum der Vorderseite zeigt eine Pagode, die der „Weißen Pagode“ in Běijīng ähnlich sieht und diese wahrscheinlich darstellt. Außer der roten 10-Yuan-Note ist mir noch ein grüner 5-Yuan-Schein bekannt. Interessant ist, dass der Schein an allen vier Ecken auf eine bestimmte Weise eingeschnitten ist. Hier hat man das Entwerten eines Geldscheins geübt. Genau diesen speziellen Entwertungsschnitt kennt man auch von echten Noten. Erwin Beyer












