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- 100 Millionen Mark von 1923 als Einkaufszettel vor 95 Jahren!
In der Zeit der deutschen Inflation nach dem Ersten Weltkrieg bis 1923/1924 wurden immer höhere Nominale gebraucht, weil sich die Mark spätestens ab Sommer 1923 im freien Fall befand. Erst waren es noch Tausender, dann Millionen, Milliarden und schließlich Billionen. Dadurch wurden immer mehr Geldscheine, die einst mit niedrigeren Nennwerten ausgegeben wurden, im Umlauf praktisch wertlos. Bekannt sind Fotos von Kindern, die mit Bergen von Geldschein-Bündeln wie mit Bauklötzen spielten; von Hausfrauen, die Papiergeld zum Feuer machen nutzten; von Wänden, die mit Geldscheinen tapeziert wurden, weil die billiger waren als Tapete und von ganzen Wäschekörben voller Papiergeld, die Arbeiter als täglichen Lohn erhielten. Schon längst wurden Reichsbanknoten auch nur noch einseitig gedruckt. Weil 100 Millionen Mark im November 1923 vor genau 95 Jahren keine Kaufkraft mehr hatten, nutzte den Schein jemand als Einkaufs- bzw. Notizzettel und hinterließ uns damit einen äußerst interessanten historischen Beleg, der das Chaos der Nullen in Relation zur Kaufkraft in dieser Zeit stellt. Es ist aber viel mehr als ein Einkaufszettel, es werden auch Preisentwicklungen an nur zwei aufeinander folgenden Tagen verglichen (wichtigste Positionen): 12. November 1923 1 Mark = 150 Milliarden 1 Schachtel Zünder (Zündhölzer) 6 Milliarden 1 Zigarette 4,5 Milliarden 1 kg Kalbfleisch 240 Milliarden 1 kg Butter 500 Milliarden 1 Paar Schuhe 7–8 Billionen 1 Liter Bier 80–110 Milliarden 1 Stück Waschseife 52 Milliarden 1 Fahrkarte Simbach–München IV. Klasse 530 Milliarden 1 Semmel 5 Milliarden 1 Liter Milch 28 Milliarden 1 kg Schmalz 400 Milliarden 1 kg Kartoffeln 100 Milliarden 1 kg Äpfel 180 Milliarden 13. November 1923 1 Mark = 200 Milliarden 1 Liter Milch 36 Milliarden 1 Zigarette 6 Milliarden 1 kg Brot 90 Milliarden 1 kg Margarine 400 Milliarden 1 kg Salz, grob 30 Milliarden 1 Backpulver 15 Milliarden Das teuerste war 1 Sportzigarette = 16 Milliarden (1 Mark = 1 Billion) Wie wir heute wissen, sollte es noch schlimmer kommen. Am Ende der Inflation waren 4,2 Billionen Papiermark = 1 Rentenmark = 1 Reichsmark. Es ist immer wieder schön, Zeitdokumente – was die Reichsbanknoten aus der Inflationszeit ja ohnehin schon sind – zu finden, die zusätzlich auch noch zeitgenössische Notizen oder Anmerkungen enthalten und damit noch interessanter werden. Für Geldscheinsammler sind diese Noten zwar durch ihre Beschriftung und schlechte Erhaltung praktisch wertlos, aber für den Geschichtsinteressierten können sie deutlich wertvoller als eine druckfrische Note sein, die nie im Zahlungsverkehr war! Im September 1923 kam der erste Milliarden-Schein in Umlauf, damals noch ein Überdruck-Provisorium. Dann ging es Schlag auf Schlag und im November 1923 rechnete man schon in Billionen. Die Inflationsbanknoten blieben auch noch nach der Währungsstabilisierung durch Einführung von Renten- und Reichsmark bis zum 5.7.1925 gültig! Am 2. März 1924 notierte jemand auf den Rückseiten einiger anderer Scheine deren tatsächlich zu dieser Zeit noch vorhandene Kaufkrauft. Da reichten 50 Milliarden Mark gerade noch für eine Briefmarke und 1 Billion Papiermark für vier Eier! Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hans-Ludwig Grabowski (Josef Gerber)
- Das Notgeld der Hugo-Stinnes-Linien von 1923
Bereits 1808 gründete Matthias Stinnes in Mülheim an der Ruhr ein Unternehmen für Schifffahrt und Kohlenhandel, das seine Geschäfte hauptsächlich mit Binnenschifffahrt an Rhein und Ruhr betrieb. Sein Enkel Hugo war seit 1892 ebenfalls im Kohlenhandel tätig und gründete 1903 die Hugo Stinnes GmbH um Kohlenhandel durch Umschlag auf Schiffen auch an der Küste betreiben zu können. Wichtige deutsche Niederlassungen entstanden in Berlin, Hamburg, Mannheim und Straßburg dazu Auslandsstützpunkte in Dänemark, Großbritannien, Italien, Russland, Schweden, der Schweiz und in den USA. Das Unternehmen wuchs rasch und 1917 wurde die Hugo Stinnes AG für Seeschifffahrt und Überseehandel in Hamburg gegründet. Stinnes stand nun in direkter Konkurrenz zu den drei großen Reedereien HAPAG, Norddeutscher Lloyd und Hamburg Süd. 1920 wurde die Hugo Stinnes Schifffahrt GmbH gegründet, die in ihrer Flagge mit einem Bergbausymbol an den Kohlenhandel erinnert, auf den die Schiffahrt der Stinnes-Dynastie zurückgeht. Durch Beteiligung an der 1908 gegründeten Ozean-Linie der Reederei-Gruppe Schuldt, fuhren nun Stinnes-Schiffe im Liniendienst zwischen Europa und Kuba sowie Mexiko. Das Unternehmen wurde zu einem weltweit verzweigten Handels- und Schifffahrts-Konzern und weitete seine Geschäftsfelder auch auf Bergbau, Stahl- und Walzwerke, Holzwirtschaft, Chemie-Industrie, Brauerei-Wirtschaft, Druck- und Verlagswesen, Hotellerie und sogar das Filmgeschäft aus. Stinnes kontrollierte am Ende sogar Banken und Versicherungen und die "Deutsche Allgemeine Zeitung". Ihm gehörten 1.535 Unternehmen mit 2.888 Betrieben. 1923 blieben auch die Hugo Stinnes Linien nicht von der Inflation verschont. Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen die Ausgabe von Notgeldscheinen der Niederlassungen Berlin und Hamburg. Niederlassung Berlin Mit Datum vom 10. August 1923 gab die Niederlassung Berlin Notgeldscheine über 1, 2 und 5 Millionen Mark aus, die ab 15. September 1923 zum Umtausch aufgerufen werden konnten. Alle Werte sind auf Papier mit Wasserzeichen C-Muster gedruckt und haben schwarze Kontrollnummern. Keller katalogisierte sie unter der Nr. 365. Niederlassung Hamburg Die Niederlassung in Hamburg gab Notgeldscheine über 1, 5 und 10 Millionen Mark mit Datum vom 18. August 1923 aus, die ab 25. September 1923 zum Umtausch aufgerufen werden konnten. Diese haben rote Kontrollnummern und wurden bei Keller unter der Nr. 2135a katalogisiert. Keller führt außerdem einen Schein zu 1 Million Mark mit gleichem Datum und schwarzer Kontrollnummer auf. Eine zweite Ausgabe der Niederlassung Hamburg datiert auf den 1. September 1923. Der Notgeldschein über 1 Million Mark, konnte ab 15. Oktober 1923 zum Umtausch aufgerufen werden und hat eine grüne Kontrollnummer. Keller katalogisierte ihn unter 2135b. Alle Hamburger Scheine haben ebenfalls das Wasserzeichen C-Muster. Bis zum Tod von Hugo Stinnes im Jahr 1924 fuhren über 30 Schiffe unter der Stinnes-Flagge, hauptsächlich nach Mittel- und Südamerika sowie nach Ostasien. Als das Unternehmen nach dem Tod von Hugo Stinnes in eine finanzielle Schieflage geriet, wurde 1926 die Hugo Stinnes Corporation gegründet, um US-amerikanisches Kapital aufnehmen zu können. In sie wurden alle wesentlichen Vermögenswerte der Familie Stinnes eingebracht. 1942 wurden alle Familienanteile am Vermögen der Hugo Stinnes Corporation als "Feindvermögen" beschlagnahmt und die Firma wurde versteigert. Neben einem Containerdienst trägt heute nur noch die in Rostock ansässige Hugo Stinnes Schifffahrt GmbH den Namen Stinnes und führt als Spezialist für Überseetransporte die Tradition der Stinnes-Flotte aus den 1920er Jahren fort. Die Notgeldscheine der deutschen Hochinflation findet man im Reprint des Keller-Katalogs aus der Reihe Deutsches Notgeld: Das Notgeld der deutschen Inflation 1923. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Druckplatte für 2 DM der Serie 1948 der Deutschen Notenbank
Nach Bekanntwerden der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen erließ die Sowjetische Militärverwaltung am 23. Juni 1948 den Befehl Nr. 111/48 zur Durchführung einer eigenen Währungsreform in ihrer Besatzungszone Deutschlands und zur Umbewertung von Reichs- und Rentenmark. Als Zwischenlösung wurden die alten Reichs- und Rentenmark-Scheine mit Kupons beklebt. Am 20. Juli 1948 wurde aus der Deutschen Emissions- und Girobank auf Anordnung der Deutschen Wirtschaftskommission in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die Deutsche Notenbank. Nur vier Wochen nach Ausgabe der "Kuponscheine" wurden diese in der Zeit vom 25. bis 28. Juli 1948 eingezogen und durch DM-Noten der Deutschen Notenbank ersetzt. Die Erstausstattung an Banknoten kam überwiegend aus der Sowjetunion. Die Nominale von 0,50 bis 50 DM wurden bei der staatlichen sowjetischen Wertpapierdruckerei GOZNAK hergestellt, die zu 100 und 1000 DM in der SBZ. Ab 1951 wurden Banknoten der Deutschen Notenbank bei der Wertpapierdruckerei der DDR in Leipzig (vormals und heute wieder Giesecke & Devrient) gedruckt. Abgebildet ist eine seltene Druckplatte für den Wert zu 2 DM der Serie 1948 der Deutschen Notenbank (gepunzt mit der Nummer 559, 126 x 66 mm), für die ab 1951 in Leipzig gedruckten Banknoten. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Matthias Böhme
- Rund ums Geld: Alte Steuerquittungen aus Böhmen 1728/1739
Häufig sammeln Geldscheinsammler auch papierne Belege rund ums Geld. Dazu gehören zum Beispiel Schecks, Wechsel, Spendenbelege, Bausteine, Lotterie-Lose, Bezugscheine, Rationierungsbelege und Quittungen aller Art. Von der Numismata in Frankfurt/Main konnte ich Anfang November zwei interessante Steuerquittungen aus Böhmen mitbringen, die offensichtlich aus einer Quelle stammen und die Entrichtung von Alkohol-Steuern aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts belegen. Transskription: Num. 114. Anno 1728, den 6. July hat H. Haubtman von Breuhauß zu Namnitz, im Leitmeritz Creyß/von im Gebreu BraunBier zu 24 Vaß/die Trancksteuer/von jeden Vaß ein Gulden / nach Abzug deß elfften und zwölfften Vas- ses/per 4 fl. - kr. dz. bezahlt 20 fl. kr dz. Id est: 20 (Gulden) Transskription: Num. 234 Anno 1739 den 6. Juny hat bezahlt H. Haubtman zu Namnitz im Leitmeritz Creyß von 50 Pint Brandtwein die Trancksteuer/ jede Pint zu drey Kreutzer 2 fl. 30 kr. Id est. 2 (Gulden) 30 (Kreuzer) Die Abkürzung "C VI" auf der Brust des Doppeladlers steht für Kaiser Carl VI. (Karl VI. war von 1711 bis 1740 Kaiser de Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation), der auch König von Böhmen war. Ausgestellt wurden die Quittungen in Namnitz im Kreis Leitmeritz. Dazu passt auch die Gulden- und Kreuzer-Währung. 60 Kreuzer = 1 Gulden. 50 Pint a 3 Kreuzer = 150 Kreuzer oder 2 Gulden 30 Kreuzer. Der Druck erfolgte, wie damals üblich, auf Büttenpapier. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Kriegspropaganda: Triple-Entente-Darlehnskassen-Schein über 100 Francs von 1914
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs lief auf allen Krieg führenden Seiten die Propaganda-Maschine an. Hergestellt wurden vor allem Plakate, Flugblätter, Postkarten, Vignetten und Medaillen, die den Gegner diffamieren oder gar lächerlich machen sollten. Von deutscher Seite bediente man sich dabei auch der Herstellung geldähnlicher Propaganda-Mittel, da erfahrungsgemäß Geld oder geldähnliche Träger der Propaganda-Botschaft eine höhere Aufmerksamkeit erreichen, als ein einfaches Flugblatt. Der abgebildete "Triple-Entente-Darlehns-Kassen-Schein" über 100 Francs, zahlbar in deutschen Hieben (Berlin-Wien 1914)" ist zwar reine Fantasie, ahmt aber echtes Geld nach. Links sitzt der deutsche Michel auf einem Geldsack mit Reichsadler und der Wertangabe 4.500.000.000 Mark. Er zeigt den rechts abgebildeten Verbündeten der Triple-Entente (Russland, Frankreich und Großbritannien) eine lange Nase. Bezug genommen wird hier wahrscheinlich auf die Kriegsreparationen, die Frankreich nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 an das Deutsche Reich zu zahlen hatte. Voller Sieges-Zuversicht wird damit dem Gegner die Aussicht eröffnet, dass die Mittelmächte den erneuten Krieg wie Deutschland schon 1871 für sich entscheiden werden und die Entente-Staaten schon einmal Geld für Reparationen sparen sollten. Passend dazu kniet der Russe vor dem Franzosen und bettelt "Brudder! Du musst mir gebben Geld!". Der Franzose antwortet "Du 'ast mich ja schon ausgepumpt und pleite gemacht!" und der Brite mit umgestülpten leeren Hosentaschen "Wollen wir wetten, dass ich auch noch macken pleite?". Als Kontrollnummer wurde "191415" für den Krieg, den man damals noch "Völkerkrieg 1914/15" nannte, weil man annahm, dass er bereits 1915 mit einem Sieg der Deutschen und Österreicher enden würde. Als Unterschriften verwendete man "Michel & Co" sowie "Feste Druff". Statt des Reichsbanksiegels findet sich ein rotes, bekröntes Siegel der Luxus-Papier-Fabrik Berlin mit dem Zusatz Fabrik-Marke. Dass der Krieg am Ende anders ausging, als diese frühe deutsche Kriegspropaganda vermitteln wollte, ist bekannt. Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 vor 100 Jahren, der anders als erwartet, überhaupt nicht den zuvor verkündeten 14 Punkten des Programms des US-Präsidenten Woodrow Wilson entsprach, folgte der Vertrag von Versailles und es war Deutschland, das durch gewaltige Kriegsreparationen wirtschaftlich ausgeplündert wurde. Nach der französisch-belgischen Besetzung des Rheinlands Anfang 1923 mündete das in der bis dahin größten Inflation der Weltgeschichte, die eine Vielzahl von deutschen Notgeldscheinen hervor brachte. Den Propaganda-Schein habe ich übrigens nicht Online gefunden, sondern auf der Numismata in Frankfurt/Main bei Anton Geiger (www.geiger-verlag.de) entdeckt. Offline-Aktivitäten mit direktem Kontakt zum Fachhandel lohnen also auf alle Fälle. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Sinnsprüche auf Bamberger Notgeld von 1923
Wie viele andere deutsche Städte und Gemeinden, musste auch die oberfränkische Stadt Bamberg während der Hochinflation 1923 eigenes Notgeld ausgeben, weil das von der Reichsbank zur Verfügung gestellte Papiergeld längst nicht mehr ausreichte, um mit der rasant wachsenden Inflation Schritt zu halten. Der Stadtrat von Bamberg gab aber nicht nur einfach Gutscheine aus, mit den Sinnsprüchen auf den Rückseiten sind die Bamberger Notgeldscheine nicht nur als Zeugen der Geldgeschichte von Interesse, sondern auch sehr interessante Belege zur Zeitgeschichte jener Zeit, die man auch "Tollhaus der Proportionen" nannte, verdeutlichen sie doch eindringlich den Zeitgeist jener Epoche zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg mit den Folgen des Versailler Vertrags, Inflation, Weltwirtschaftskrise und aufstrebenden radikalen Parteien. Von Serienscheinen, die fast ausschließlich für Sammler hergestellt wurden, sind vielfältige Sinnsprüche bekannt. Bei den Notgeldscheinen der Hochinflation und sogar den wertbeständigen Notgeldscheinen am Ende der Inflation bilden die Bamberger Scheine eine seltene Ausnahme. Über den "Knallprotz" wurde bereits in einem Beitrag von Katharina Depner von der HVB Stiftung Geldscheinsammlung berichtet. Hier sind nun alle Bamberger Scheine der Hochinflation 1923 mit ihren Sprüchen. 500.000 Mark vom August 1923 – 30. November 1923 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Ein Pfund Butter eine Million, Ein Pfund Fleisch eine halbe schon. Zweihunderttausend Mark ein Liter Bier, Zehntausend Mark ein "Weckla" (Brötchen, Semmel) hier. Schwer ist zu beschaffen das tägliche Brot, Dies Geld zeugte Teuerung und Not. St. Heinrich, St. Kunigund stets hilfsbereit Schützt Bamberg in dieser schweren Zeit! 1 Million Mark vom August 1923 – 30. November 1923 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Niederlagen erleiden auch Helden. Verharren in der Niederlage ist Schwächlingen eigen. 2 Millionen Mark vom September 1923 – 31. Dezember 1923 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Und ist die Mutter noch so arm, hält sie doch ihr Kindlein warm. 50 Millionen Mark vom Oktober 1923 – 1. Januar 1924 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: In Bamberg, der einst "gar lustreichen Stadt", Ein löblicher Rat mich geschaffen hat. An meiner Wiege, da sind zwei Tanten, "Frau Sorge" und Teuerung Pate gestanden. Ihr seid zwar alle jetzt Milliardäre, Gar viele sogar schon Billionäre; Doch tragt Ihr Armut und Bettel im Schild, Da eine Million keinen Pfennig mehr gilt! Wie Bier gemundet und Fleisch geschmeckt, Wird als Erinnerung nur noch geweckt, Indes der Feind an Ruhr und Rhein (französisch-belgische Rheinlandbesetzung) Die Peitsche schwingt zu Fron und Pein. Und dennoch – ich bin zwar nur aus Papier – Möcht' eine Hoffnung ich geben Dir: Seid einig, Ihr Deutschen, seid einig alle! Dann bringt Eich nicht Haß und Hölle zu Falle. 100 Millionen Mark vom Oktober 1923 bis 1. Januar 1924 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Was? Hundert Millionen? Die Nachwelt wird staunen; "Die lebten wie Fürsten", so wird man einst raunen. Doch kennt Ihr des "Multiplikators" Tücken? Vor seinem Steigen muß tief ich mich bücken! Die Teu'rung ist jetzt unerträglich geworden, Es leiden die Deutschen an allen Orten. Fünfzigtausend Mark eines Zündhölzleins Schimmer! Was kostet dann erst ein warmes Zimmer? Drum bitt' ich Euch, die Ihr mich nehmt zur Hand, Verschwendet mich nicht an Spiel und Tand. Zum Kauf für das Nötigste dien' ich Euch gern, Leichtfertigen Dingen doch haltet mich fern! Und schmutzt mein Gewand auch, ich bleibe doch rein, Zieht Ihr nicht in Schmutz mich und Laster hinein! Nun hört wohl, was heimlich die Regnitz (Fluss) rauscht: Einst wird diese Zeit gegen bess're vertauscht! 1 Milliarde Mark vom Oktober 1923 bis 1. Januar 1924 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Hört, Ihr Herren, und merket auf: Als eine Milliarde beginn' ich den Lauf. Ganz Frankreich zahlte einst fünf Milliarden (Kriegsreparation nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871), Als es "Siebzig" empfand des Krieges Scharten. Die Summe, welch eine Kleinigkeit, In der Westentasche habt Ihr sie bereit! Doch was Ihr dafür kaufet ein, Passt fast in die Westentasche hinein! Wir lachen darob, doch Unzählige klagen und die Teuerung hat Alarm geschlagen. Dass gut dies ende, was uns betroffen, Ihr Herren, dies wollen wir wünschen und hoffen! 10 Milliarden Mark vom Oktober 1923 bis 1. Januar 1924 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Wie staunt ich die Astronomen an, Berechnend Milliarden, Billionen; Nun wandern wir selbst die Zahlenbahn Und verachten schon längst die Millionen. Millionen - pah! Eine Kinderwelt! Wir zahlen Milliardenwerte - Doch weh! Aus den Händen flattert das Geld Und winzig ist, was es bescherte. Papierlein, du bist nur schlechter Tausch! Der Dollar zwingt tödlich dich nieder – Zum Kuckuck mit dem Milliardenrausch! Gebt den alten Pfennig mir wieder! 20 Milliarden Mark vom Oktober 1923 bis 1. Januar 1924 (31. Mai 1924) Spruch und Zeichnung auf der Rückseite wie auf 50 Millionen Mark vom Oktober 1923! 10 Millionen Mark vom Oktober 1923 bis 31. Januar 1924 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Wir stehen auf Trümmern und werden zu neuer Arbeit gerufen. 50 Millionen Mark vom Oktober 1923 bis 31. Januar 1924 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: In Bamberg zieh' ich von Haus zu Haus Und wand're auch zu Dir. O, gib nicht leichten Sinns mich aus, Bin ich auch nur Papier! Ich möcht' wohl eine Glocke sein Ins Herz zu läuten Sturm. Ein Heroldsrufer möcht' ich sein, Ich rief vom Rathausturm: Liebt Arbeitswillen, Sparsamkeit, Seid guten Sitten hold – Dann kommt nach der papiernen Zeit Auch wieder Silber und Gold! 500 Milliarden Mark vom Noveber 1923 bis 1. Januar 1924 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Das Pfennigstück und der Fünfer, Der Nickel und erst die Mark, Die waren einst hoch geachtet, Kaufkräftig, solid und stark. Der Taler nun gar und endlich Aus Gold und Doppelkron, Die herrschten wie echte Fürsten Auf gold'nem und silbernem Thron. Jetzt trage ich Berge von Zetteln Mit Riesenzahlen herum: Millionen, Milliarden, Billionen – Ein papierenes Bettlertum! 50 Milliarden Mark vom Noveber 1923 bis 1. Februar 1924 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Der Herbst streut durch die Gassen Der Blätter farbige Saat. Es flattern umher auch in Massen Geldblätter von Stadt und Staat. Es leuchten Milliardenscheine Wohl braun und gelb und rot – Wie der sterbende Baum, so künden Sie Deutschlands Herbst und Tod ... Doch halt! Die Bäume leben, Sind sie auch matt und erschlafft – O Deutschland! Auch dir wird gegeben Einst im Stamm neue Frühlingskraft! 50 Milliarden Mark (Serie B) vom Noveber 1923 bis 1. Februar 1924 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Wer schreitet zur Nacht aus dem Kaiserdom Vom Sternenmantel umwallt? Es wandelt segnend durchs fränkische Rom Sankt Heinrichs Kaisergestalt. Neunhundert Jahre schon schlummert er; Sein Geist aber lebt bei uns fort Und jugendfrisch steht zu Gottes Ehr' Sein Bistum, des Glaubens Hort. Oft hat er umwandelt sorgenvoll Seine alte Bischofsstadt, Die früher vor aller Feinde Groll Gar mächtig beschützt er hat. Auch jetzt gibt's Feinde, gibt's Teurung und Not – O Kaiser heb schützend die Hand Und schenke wie früher, ein Morgenrot Deinem Babenberger Land! 100 Milliarden Mark vom November 1923 bis 1. Februar 1924 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Die Tausender haben wir längst überwunden, die Millionen sind uns dahingeschwunden, sie räumten gar bald den Milliarden das Feld, nun ist die Billion unser Hauptzahlungsgeld. So beherrschen die Nullen jetzt unser Leben, doch wahrlich, wir Deutsche gar sehnlichst erstreben, daß vom Nullpunkt, an dem es angelangt, sich erhebe das Reich, das tödlich erkrankt. 1 Billion Mark vom November 1923 bis 1. Februar 1924 (31. Mai 1924) Spruch auf der Rückseite: Nun kommt der Knallprotz vom ganzen Land: Billionenschein hat er sich prahlend genannt. Er wächst wie ein sumpfig giftiger Pfiffer Im Wirtschaftssumpf als Riesenziffer. Billionen Mark? Ein Täuschungswert! Doch billionenfaches Leid hat die Zeit beschert! Billionen Seufzer steigen rings auf Und Hunger u. Tränen bezeichnen den Lauf. O gesunde Zeit, stell wieder dich ein Und töte den Giftschwamm Billionenschein Als letzten Tyrannen im kranken Staat – Und führ' von dem Sumpf uns auf trockenen Pfad! 50 Goldpfennig vom November 1923 Spruch auf der Rückseite: Wie Raketen fuhren die Zahlen auf Zur Billionenhöh' rasend geschwind; Nun plötzlich fällt nieder zur Erd' ihr Lauf Ein gesundes Rechnen beginnt. Ein halbes Märklein freundlich u. gut – Nehmt's hin und halt's in treuer Hut! 1 Goldmark vom November 1923 Spruch auf der Rückseite: Nicht rechts geschaut, Nicht links geschaut, Gott u. der eignen Kraft vertraut! Denn aus der Not Rettung nur schafft Der deutsche Gott, die deutsche Kraft! 5 Goldmark vom November 1923 Spruch auf der Rückseite: Der böse Feind hats so gewollt: Da ward Papier aus gutem Gold. Nun, deutsche Herzen, deutsche Hände, Schafft dieser Not die frohe Wende! Auf Gott vertraut, ernstlich gewollt, Dann wird Papier uns wieder Gold! 10 Goldmark vom November 1923 Spruch auf der Rückseite: Wer immer an sich selber denkt, Gehört gehenkt. Zuerst bei allem denk' an Gott, Dann lind're deines Nächsten Not. Dem Staat gib, was des Staates Teil, Daraus erblüht dein eigen Heil. Die meisten Sprüche schuf Eduard Diener. Gedruckt wurden die Gutscheine von der Firma J. Nagengast bzw. vom Bamberger Tagblatt. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv, www.battenberg-gietl.de
- Historische Berliner Ansichten auf Serienscheinen von 1921
Mit den Kleingeldscheinen in Pfennigbeträgen war in und nach dem Ersten Weltkrieg das Sammeln von Notgeld in Mode gekommen. Bald schon stellten Städte und Gemeinden, aber auch Veranstalter und Vereine, ganze Serien bunter Scheine her, die deshalb auch Serienscheine genannt werden. Die Zahl der Sammler stieg auf rund 15.000 allein im Deutschen Reich und es gab fünf eigenständige Notgeld-Zeitschriften. In vielen Zeitungen wurde Werbung für immer neue Serien gemacht und deren künstlerische Gestaltung, kulturelle Bedeutung und niedrigen Auflagen herausgestellt. Viele der Serien landeten sofort in den Alben der Sammler und wurden nie als Geldersatz genutzt. Mit Datum vom 9. September 1921 entschied sich der Magistrat von Berlin zur Ausgabe einer großen Serie von insgesamt 20 Stadtkassenscheinen je 50 Pfennig, die historische Motive aus den verschiedenen Stadtbezirken Berlins zeigen. Sie sind deshalb, wie übrigens viele andere Serien aus allen Teilen Deutschlands auch, nicht nur für Geldscheinsammler, sondern auch für Sammler von Belegen zur Regionalgeschichte interessant. Zum Motiv 2 (Tiergarten) gibt es auch Scheine mit der Jahreszahl 1816 statt 1830. Alle deutschen Serienscheine finden Sie in den Bänden 1 und 2 der Katalogreihe Deutsches Notgeld "Deutsche Serienscheine 1918 – 1922". Hans-Ludwig Grabowski Abb. 1 – 20 Hans-Ludwig Grabowski, 2 mit 1816 Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de
- Währungsunionen: Westafrikanische Staaten
Beim Stichwort "Währungsunion" fällt vielen zuerst einmal der Euro und einigen auch noch die Währungsunion von Bundesrepublik und der damaligen DDR von 1990 ein. Es gibt aber Währungsunionen, die schon früher in Kraft traten bzw. eigene Geldzeichen hervor brachten. Der CFA-Franc ist die Gemeinschaftswährung der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion. Mitgliedsstaaten sind Benin, Burkina Faso, die Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Senegal und Togo. Währungsbehörde ist die Westafrikanische Zentralbank (BCEAO), die bereits am 4. April 1959 gegründet wurde. Am 12. Mai 1962 wurde in Paris der Vertrag zur Gründung der Westafrikanischen Währungsunion ehemaliger französischer Kolonien unterschrieben, aus der am 10. Januar 1994 die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion wurde. 1997 trat das portugiesisch-sprachige Guinea-Bissau der Union bei. Damit hat die Union eine Größe von 3,51 Millionen Quadratkilometern mit einer Bevölkerung von rund 120 Millionen Einwohnern. Die erste Serie besticht durch die für den französischen Banknotendruck typische farbenprächtige Gestaltung, weshalb die Scheine Frankreichs sowie der ehemaligen französischen Kolonien und deren Nachfolgestaaten bei Sammlern sehr beliebt sind. Länderkennbuchstaben Die westafrikanischen Banknoten sind durch Kennbuchstaben den Teilnehmerländern der Wirtschafts- und Währungsunion zuzuordnen. Die Kennbuchstaben wurden ab den Ausgaben vom April 1959 eingeführt, zuvor gab es allgemeine Ausgaben (1958/1959) ohne Kennbuchstaben. A = Elfenbeinküste B = Benin C = Burkina Faso D = Mali E = Mauretanien (1959 – 1964) H = Niger K = Senegal T = Togo S = Guinea Bissau Erste Serie 1958/1959 ohne Länderkennbuchstaben (Allgemeine Ausgabe) Erste Serie 1959 bis 1965 mit Länderkennbuchstaben Zweite Serie 1977 bis 1981 mit Länderkennbuchstaben Dritte Serie 1991/1992 mit Länderkennbuchstaben Vierte Serie ab 2003 mit Länderkennbuchstaben Die Banknoten der Westafrikanischen Zentralbank finden Sie in den Standard-Katalogen World Paper Money. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski
- Moderne Fälschungen von Geld aus Konzentrationslagern und Gettos des "Dritten Reichs"
Da originale Scheine von Konzentrationslagern und Gettos heute meist sehr selten sind und die Nachfrage nicht nur bei Geldscheinsammlern, sondern auch bei Sammlern von Judaica und Zeugnissen des Holocausts sehr groß ist, werden leider auch immer wieder Fälschungen, Manipulationen und Fantasiedrucke angeboten, vor denen gewarnt werden soll. Für den Vertrieb werden besonders Internetauktionen genutzt, die oft auch von unerfahrenen Sammlern besucht werden. Begriffsbestimmungen Von Fälschungen spricht man, wenn echte Geldscheine möglichst detailgetreu nachgeahmt werden. Bei herkömmlichen Banknoten, die schon in der Zeit des deutschen Kaiserreichs über aufwendige Sicherheitsmerkmale verfügt haben, ist das in der Regel ein schwieriges Unterfangen. Außerdem kommen viele historische Banknoten heute noch recht häufig vor, weshalb sich Fälschungen zu diesen kaum lohnen und eher selten sind, es sei denn, es handelt sich um zeitgenössische Nachahmungen. Da die Prämienscheine für die Konzentrationslager meist sehr einfach ausgeführt und dazu noch selten sind, wurden sie leider zu einem beliebten Objekt für Fälscher. Fälschungen sind z.B. von den Dachauer Prämienscheinen bekannt, die auch als Vorlage für Fantasiedrucke anderer Lager, wie Treblinka und Auschwitz, dienten. Von Manipulationen spricht man, wenn echte historische Geldscheine, z.B. mittels Überdruck, Perforationen oder Stempeln, so verändert werden, dass deren Wert für Sammler erheblich steigt. Derartige Manipulationen sind von den 50-Pfennig-Quittungen aus Litzmannstadt bekannt, die man mit unterschiedlichen Teilbeträgen abstempelte, um so neue „Notausgaben“ zu kreieren. Bei Manipulationen werden zum Teil echte, aber auch falsche Stempel verwendet. In Zeiten digitaler Bildbearbeitung und computergesteuerter Stempelfertigung sind falsche Stempel und Fantasiestempel kein Problem mehr. Bei Fantasiescheinen wird nicht versucht, etwas Echtes nachzuahmen oder zu manipulieren, es werden ganz einfach einzelne Ausgaben oder sogar ganze Ausgabeserien frei erfunden und angelehnt an historische Vorbilder neu gestaltet. Abgesehen von den Ausgaben des Warschauer Gettos, die zumindest umstritten sind, trifft dies sicher auf die primitiv gestempelten Gutscheine der Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke in Diedenhofen/Westmark zu, die schon seit Jahrzehnten als „KZ-Geld“ (Außenlager von Natzweiler) gesammelt und gehandelt werden und durch so manche Katalogliteratur geistern. Auch SS-Prämienscheine wurden frei erfunden. In der folgenden Übersicht sollen bekannt gewordene Fälschungen, Manipulationen und Fantasiedrucke vorgestellt und beschrieben werden, um Sammler und den Handel zu sensibilisieren und aufzuklären. Dabei kann kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. Auschwitz Als Vorlage für die Fantasiescheine von Auschwitz dienten Dachauer Prämienscheine. Abgebildet sind Fantasiescheine über 1 Reichsmark von 1943 bzw. 1944. Die auf dünnem, sämischem Papier ohne Wasserzeichen gedruckten Scheine offenbaren sich bei näherer Betrachtung gleich mehrfach als moderne Fantasieprodukte zum Schaden der Sammler. Nachstehend sollen einige wichtige Erkennungsmerkmale genannt werden: Gestaltung und Text übernahm man vollständig von den Prämienscheinen des KL Dachau. Sogar der Druckvermerk „N 1285/VI. 100/X. 44“ ist identisch (N 1285 stand für Dachau) und hat nichts mit Auschwitz zu tun. Der Druckvermerk enthält die Angabe „X. 44“, deren Bedeutung den Fälschern nicht bekannt war. Scheine, deren Druck erst im Oktober 1944 genehmigt worden wäre, könnten keinen Datum-Stpl. von 1943 tragen. Das Papier stammt aus der Nachkriegszeit. Die Scheine tragen keinen Dienst-Stpl., dafür aber – völlig fehl am Platz – das von Dachau übernommene Lagermotto „Arbeit macht frei“. Im KL Auschwitz hat man keinen Registratur-Stpl. als Nummerator verwendet. Originalscheine von Auschwitz trugen keinen Verfallszeitraum. Dieser würde nur dann Sinn machen, wenn das genaue Datum der Übergabe an den Prämienempfänger auf dem Schein vermerkt wäre. Hier wurde aber nur eine Jahreszahl gestempelt. Die Häftlingsnummer wurde in Auschwitz offiziell auf den Scheinen nicht angegeben, da diese nicht personengebunden sein sollten. Dachau Die Dachauer Prämienscheine wurden von modernen Fälschern nicht nur nachgeahmt, sie dienten auch als „Vorbild“ für Fantasieausgaben anderer Lager, wie Auschwitz, Sachsenhausen und sogar Treblinka, das überhaupt keine Prämienscheine hatte. Da man Gestaltung und Text bis auf den Lagernamen vollständig von den Dachauer Scheinen übernahm, tragen die Fantasiescheine der anderen Lager auch den Dachauer Druckvermerk „N 1285/IV. 50/X. 44“ und sind daran leicht als Falsifikate zu erkennen. Hergestellt wurden sie vor etwa 25 Jahren in Kreisen von Militaria-Sammlern, die übrigens immer nur Werte zu 1 RM fälschten. Diese hatten mit dem Nachlass eines ehemaligen SS-Wachmanns aus Dachau auch einige Prämienscheine erworben und zu ihrem Erstaunen unerwartet teuer verkaufen können. Da sich ein Drucker in ihren Reihen befand, war die Idee der Nachahmung der primitiven Scheine schnell realisiert. Aus dieser „Werkstatt“ stammen dann auch die Fantasieausgaben anderer Lager nach dem Dachauer Vorbild und frei erfundene Prämienscheine der SS (siehe dort). Die Dachauer Fälschungen unterscheidet man von den Originalen nicht nur durch das Papier, sondern sehr leicht auch an den Häftlingsnummern, deren Druck ein Paginierstempel nachahmt (siehe Abb.). Es sind auch Stücke mit falschem Dienststempel „SA der N.S.D.A.P. Standarte Hamburg- Altona“ bekannt, die natürlich auf Dachauer Prämienscheinen überhaupt keinen Sinn ergeben. Diedenhofen/Westmark – Werk Ebingen Selten kommt es vor, dass Fälscher für eine Ausgabestelle, die eigentlich keine war, gleich eine ganze Serie von Fantasiescheinen erfinden. Sieht man einmal von den zumindest umstrittenen Scheinen des Warschauer Gettos ab, so trifft dies lediglich für die gestempelten Kartonmarken der Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke G.m.b.H. Diedenhofen/Westmark für das Werk Ebingen vom August/September 1942 zu. Die Einrichtung eines Außenlagers des KL Natzweiler im lothringischen Ebingen war länger geplant, da man für die Reichswerke Hermann Göring dringend Arbeitskräfte in der Eisen- und Stahlbearbeitung benötigte. Die Region Fenschtal bei Diedenhofen (Thionville) und Metz war bereits seit dem 19. Jahrhundert zu einem Zentrum der französischen Metallurgie geworden. Die Reichswerke befanden sich eigentlich in Hayingen und erst für Ende August 1944 wird die Ankunft von 500 Jüdinnen aus Auschwitz im Außenkommando Ebingen angegeben. Die Ankunft war jedoch zu spät, um in Anbetracht des alliierten Vormarschs noch ein funktionsfähiges Lager zu errichten. Schon am 2. September 1944 wurden deshalb die Frauen zu Fuß auf den Weg nach Ravensbrück geschickt, 135 von ihnen konnten auf dem Marsch fliehen, 363 kamen am 29. September in Ravensbrück an. Ein funktionierendes Außenkommando Ebingen, welches gar noch eigene Geldzeichen nutzte, hatte es also nicht gegeben, schon gar nicht im Herbst 1942. Das erste Außenlager von Natzweiler wurde überhaupt erst im Dezember 1942 gegründet. Wie sieht es aber mit einem Außenkommando Diedenhofen aus? Hier war laut einer geheimen Aufstellung von Oswald Pohl (Chef des WVHA der SS) vom 21. Februar 1944 der Einsatz von Häftlingen für die Luftfahrtindustrie vorgesehen. Dazu sollte ein Außenlager von Natzweiler errichtet werden, in dem 600 Häftlinge Luft-Torpedos für das Gerätewerk Pommern mit seinem Werk in Diedenhofen herstellen sollten. Heute lässt sich nicht mehr klären, ob es in Diedenhofen überhaupt noch ein funktionierendes Außenlager gab, und wenn ja, so auf alle Fälle nicht im August/September 1942. Die Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke hatten ihren Stammsitz in Völklingen im Saarland (Weltkulturerbe Völklinger Hütte). Im Zweiten Weltkrieg wurden etwa 70.000 Zwangs- und Fremdarbeiter aus der Sowjetunion, Polen, Jugoslawien, Frankreich, Belgien und Luxemburg beschäftigt, davon etwa 14.000 in Völklingen selbst. Hermann Röchling war seit 1941 im Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbank und gehörte ab 1942 zum Führungsstab der deutschen Kriegswirtschaft. Außerdem war er Reichsbeauftragter für Eisen und Stahl in den besetzten Gebieten. Die Völklinger Hütte betrieb als einziges saarländisches Werk ein eigenes Arbeits-erziehungslager in Etzenhofen. Selbst wenn man davon ausginge, dass es sich um echte Ausgaben handelt, so hätten diese nichts mit Geldersatz oder Prämienscheinen der Konzentrationslager zu tun. So wiesen schon Albert Pick und Carl Siemsen 1993 in ihrem Lagergeld-Katalog darauf hin, dass die in verschiedenen Werten gestempelten Scheine, die sowohl als Gefangenenlager- oder Konzentraions-Lagerscheine angeboten werden, wahrscheinlich von einem Sammler angefertigt wurden. Es gibt Ausführungen auf gelblichem bzw. grauem Karton und mit Daten vom 8. bzw. 13. August sowie vom 11. September 1942. Die Währungsbezeichnungen lauten auf PF = Pfenning und Mark. Richtig wäre Reichspfenning und Reichsmark (RM) gewesen. Die Scheine wurden vor Jahrzehnten gestempelt und geschnitten. Litzmannstadt Zu den Litzmannstädter Mark-Quittungen gab es zeitgenössische Fälschungen, die sogar noch vor den echten Scheinen in Umlauf kamen. In der Getto-Chronik vom 26. Juli 1941 heißt es: „Falschgeld – Aufgetaucht sind falsche 2-Mark-Banknoten. Aufgefallen ist das bei der Bank nur dadurch, weil bei einer Überprüfung zwei 2-Mark-Banknoten mit einer und der gleichen Registriernummer vorgelegen haben. Es soll sich angeblich um 5000 falsche 2-Mark-Banknoten handeln. Hergestellt haben soll sie ein gewisser Rauchwerger aus der Wawelska Strasse 27. Auf Grund der Entdeckung wurden auf Anordnung des Ältesten der Juden sofort sämtliche im Getto in Umlauf befindlichen 2-Mark-Banknoten aus dem Verkehr gezogen.“ Am 14. November 1941 vermerkt schließlich die Getto-Chronik: „Geldfälscher vor Gericht – Am 14.11. hat vor dem Gettogericht die Verhandlung gegen den 2-Mark-Geldfälscher Rauchwerger begonnen.“ Rauchwerger wurde im Januar 1942 im Rahmen der „Aussiedlungsaktion“ aus dem Getto deportiert. Im selben Monat mussten die 2-Mark-Quittungen vollständig aus dem Verkehr gezogen werden, weil zu viele von ihnen umliefen. Die „Rauchwerger-Fälschungen“ erkennt man relativ leicht am fehlenden geheimen Farbpunkt zwischen dem „M“ und dem „a“ von „Mark“. Leider gibt es auch moderne Fälschungen der Litzmannstädter Scheine, die so gut gemacht sind, dass man sie lediglich am Nummerator erkennen kann. Am deutlichsten wird dies bei den unterschiedlichen Ausführungen der Ziffern der Kontrollnummer (vergl. Ziffer 7). Zu den „großen“ Scheinen von Litzmannstadt gab und gibt es zahlreiche Vermutungen, z.B. es könne sich um Notausgaben aus der Zeit nach der Auflösung des Gettos für die einigen Hundert verbliebenen Bewohner handeln, die mit Aufräumungsarbeiten betraut waren. Diese Auffassung kann hier nicht geteilt werden. Von den ofiziellen Mark-Quittungen gab es noch so viele Reststücke, dass diese heute noch ausreichend am Sammlermarkt vorhanden sind. Wozu hätte man also neue Scheine für wenige Bewohner drucken sollen, noch dazu in so schlechter Qualität? Bei diesen Fantasiedrucken machte man sich erst gar nicht die Mühe, das Original nachzuahmen. Am auffälligsten ist das deutlich größere Format (Originale: ca. 87 mm x 56 mm), die abweichenden Farben (Originale: Vs und Rs Druck schwarz auf violett) sowie der einfache und unsaubere Druck (Originale: mit Unter- und Überdruck, Fälschungen: ein Druckvorgang in je nur einer Farbe). Für die Kontrollnummer wurde außerdem ein anderer Nummerator verwendet. Sie kommen übrigens auch auf strahlend weißem Papier (Weißmacher wurden erst ab 1944/1945 benutzt) in druckfrischer Erhaltung vor. Das oben abgebildete Stück wurde wahrscheinlich künstlich gealtert. Die Einfachheit der Ausführung und die offensichtlichen Unterschiede zum Original sind höchstwahrscheinlich beabsichtigt, was das Interesse an ihnen sogar steigerte. Für den Autor sowie zahlreiche Fachleute aus Deutschland und Polen sind diese Scheine nur eines: schlecht gemachte Fantasiefälschungen. Das zur vorhergehenden Fantasiefälschung Gesagte trifft im wesentlichen auch auf die Ausführung zu 1 Mark zu. Das Format des Originals beträgt 120 mm x 64 mm. Während echte Stücke beidseitig einen schwarzen Druck auf olivgrünem Unterdruck aufweisen, wurde die Fälschung beidseitig nur in Schwarz gedruckt. Der Datumsstempel vom 11. März 1942 fällt in eine Zeit des Kleingeldmangels im Getto, nachdem die zuvor umlaufenden deutschen und polnischen Kursmünzen abgeliefert werden mussten. So gesehen könnte man also eine Theorie aufstellen, nach der die großformatigen 50-Pfennig- und 1-Mark-Quittungen in dieser Zeit wegen des Kleingeldmangels und als Ersatz für die bereits im Januar 1942 wegen der "Rauchwerger-Fälschungen" ungültig erklärten 2-Mark-Quittungen gesehen werden könnten. Aber es wäre eben nur eine Theorie. Gefehlt hat es nach der Einziehung der Kursmünzen an kleinen Beträgen zu 10 Pfennig, weshalb die dann folgenden Notausgaben der Postabteilung auch auf diesen Betrag lauteten. Außerdem hatte die Bank des Ältesten der Juden bei Bedarf auch mehrfach Quittungen bei der Druckerei Manitius in Litzmannstadt nachdrucken lassen. Die großformatigen Scheine wurden aber keinesfalls von dieser Druckerei hergestellt. Die abgebildete 1-Mark-Quittung stammt aus den USA. Dass es sich um eine Fälschung handelt, wurde auch bei deren Angebot nicht in Frage gestellt. Bei diesen Manipulationen wurde versucht, den Wert häufig vorkommender, echter 50-Pfennig-Quittungen durch Stempel mit vom Original abweichenden Teilstücken zu steigern. Originale der Notausgabe der Postabteilung wurden auf den Rückseiten nur mit der Stückelung 2 x 20 Pfennig + 1 x 10 Pfennig versehen. Bei dem abgebildeten Schein weichen nicht nur die Teilbeträge ab, es wurden auch völlig andere Stempel – sowohl für die Ziffern als auch für die Postabteilung – verwendet (Originale: „Postabteilung“, Manipulationen: „POSTABTEILUNG“). Falsche Teilbeträge gibt es zu 2 x 15 Pfennig + 1 x 20 Pfennig sowie zu 2 x 25 Pfennig. Oranienburg Bei den sog. „Hamburger Fälschungen“ bedruckten die Fälscher einfach Vorder- und Rückseite mit dem Motiv der Rückseite des Originals in einfachem Schwarzdruck. Der Schein ist wegen des Motivs bei Sammlern, besonders in den USA, sehr beliebt, aber selten. Möglicherweise war den Fälschern sogar die Gestaltung der echten Vorderseite und die Farbe des Originals unbekannt. Vom Format her ist die Fantasiefälschung etwas kleiner als die echten Stücke. Sachsenhausen, Dachau, Dora ... und kein Ende? Zu Sachsenhausen sind Fälschungen nach dem Vorbild der Originale auf einfachem Papier, aber auch auf Karton mit einem „Dienst-Stempel“ des „Konzentrationslagers Oranienburg“ mit Hakenkreuz statt dem üblicherweise verwendeten Hoheitsadler bekannt, was eigentlich schon Misstrauen wecken sollte. Da letztere zusammen mit einem Entlassungsschein aus dem KL Sachsenhausen angeboten wurde, der den gleichen Stempel trägt, kamen selbst Fachleuten vorerst keine Bedenken, und sie hielten sowohl Entlassungsschein als auch Prämienschein als besondere „Variante“ für echt. Bei genauerer Betrachtung wird klar, dass beide „Machwerke“ mit einem modernen Tintenstrahldrucker hergestellt wurden. Der „Prämienschein“ wurde sogar noch unregelmäßig beschnitten und künstlich gealtert, um den Eindruck eines gebrauchten Stücks zu verstärken. Der Stempel ist reine Fantasie und soll allein schon durch das Hakenkreuz leichtgläubige Sammler täuschen. Die Herstellung eines solchen Stempels ist im Zeitalter des Computers kein Problem mehr. Unpassend ist natürlich die Abstempelung von „Belegen“ aus dem KL Sachsenhausen mit einem Stempel des KL Oranienburg ohnehin. In der Gestaltung der Sachsenhausener Fälschung auf Karton werden zwischenzeitlich auch immer mehr Fantasiefälschungen von „Prämienscheinen“ anderer Konzentrationslager angeboten. Sie tauchen etwa bei Internet-Auktionen auf, wo sie wissentlich oder unwissentlich zum Schaden der Sammler angeboten und leider nicht selten auch teuer ersteigert werden. Dank einer Information durch den bekannten österreichischen Sammler und Autor Rudolf Richter im Zusammenhang mit diesem Buchprojekt konnte schon im Sommer 2008 auf einen solchen Fall im Internet aufmerksam gemacht werden, dessen Beispiel gleichzeitig vor ähnlichen Angeboten warnen soll. Unter der Überschrift „9 x Prämienscheine, KZ Geld, Wertmarken – extrem selten“ wurden im März 2008 einheitlich gestaltete „Prämienscheine“ verschiedener Lager mit einem Startpreis von 5 Euro angeboten, und zwar von Dachau, Dora V, Groß Rosen, Mauthausen, Oranienburg und Ravensbrück. Schon allein diese Auswahl hätte den historisch bewanderten Sammler misstrauisch machen sollen. Die Prämienvorschrift der SS stammt vom Mai 1943. Erst diese bildete die Grundlage für die Einführung von Prämienscheinen. Das Konzentrationslager Oranienburg bestand aber nur bis 1934 und hatte in dieser Zeit eigenes Lagergeld, das nichts mit Prämien zu tun hatte. Erst ab Juni 1943 gab es in dieser Region Prämienscheine, dann aber im KL Sachsenhausen, das sich lediglich in der Nähe des ehemaligen frühen Lagers Oranienburg befand, aber nichts mit diesem zu tun hatte. Ein Konzentrationslager „Dora V“ gab es nicht. Dora war ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald, das ab Oktober 1944 als Arbeitslager Mittelbau selbständig wurde und anschließend eigene Prämienscheine mit dieser Lagerbezeichnung ausgab. Hier bauten Häftlinge in Stollen die sog. V-Waffen. Kam der „Gestalter“ der Fanatsiescheine deshalb auf die Idee, dem Namen des Außenkommandos Dora noch ein „V“ hinzuzufügen? Oder meinte er etwa eine römische Fünf? Auch das wäre falsch. In den Druckgenehmigungsvermerken wird das Kürzel IKL verwendet. Dieses stand für die Inspektion der Konzentrationslager. Die IKL war aber bei Einführung der Prämienscheine längst durch das Wirtschafts-Verwaltungshauptamt der SS (WVHA) abgelöst worden, von dem auch die Pämienvorschrift stammte. Selbst dem geschichtlich nicht so sattelfesten Sammler sollten aber bei der einheitlich primitiven Gestaltung die mitgedruckten Kontrollnummern samt Plunger (Sternchen dahinter) auffallen. Spätestens diese enttarnen die „Prämienscheine“ als moderne Machwerke. Wie der Verkäufer angab, sollen die Scheine der Gedenkstätte Ravensbrück bis September 2007 als Leihgaben für die Ausstellung „Prostitution im KZ“ zur Verfügung gestanden haben. Dies sollte sicher die Echtheit der Stücke unterstreichen. Wie eine Rücksprache mit der Gedenkstätte ergab, hatte es diese Ausstellung tatsächlich gegeben und es standen dafür auch Kopien von Prämienscheinen zur Verfügung. Es handelte sich aber um keine Ausstellung der Gedenkstätte selbst, sondern um eine Gastausstellung aus Österreich, die nicht von der Gedenkstätte gestaltet war. Die besagten Scheine wurden aber dennoch wegen berechtigter Zweifel von der Gedenkstätte aus der Ausstellung entfernt. Ansonsten werden dort nur Stücke aus der eigenen Sammlung gezeigt, deren Echtheit fest steht. Die „Prämienscheine“ wurden Ende März 2008 für 223 Euro verkauft. Käufer und Verkäufer wurden durch den Autor über den Sachverhalt informiert. Wie nicht anders zu erwarten, stieß dies beim Verkäufer auf wenig Einsicht. Leider ist mit diesem Fall belegt, dass nicht nur immer mehr Prämienscheine aus Konzentrationslagern und auch Münzen aus dem Getto Litzmannstadt gefälscht werden, sondern sogar zeitgeschichtliche Dokumente, wie eben ein Entlassungsschein. In Anbetracht einer wachsenden Sammlergemeinde zum Thema Judaica und Holocaust gibt es sehr zu denken, wenn aus purer Gewinnsucht zweifelhafte Geschäfte mit dem Schicksal von Menschen gemacht werden. Werden demnächst womöglich auch Dokumente für echt gehalten, die Menschenschicksale verfremden, neue Schicksale erfinden oder gar Vorgänge inszenieren oder leugnen? Die Scheine kommen auch mit Dienststempel „Waffen-SS Kommandantur der Amts-Kztr.-Lager Lublin“ vor. Treblinka/Majdanek Als Vorlage für die Fantasiescheine von Treblinka dienten ebenfalls Dachauer Prämienscheine. Gleiche Ausführung wie die Fantasiefälschungen von Auschwitz. Die Treblinka-Fälschungen gibt es auch wieder mit dem Jahr 1943 und 1944. Solche Fantasiefälschungen gibt es auch von Majdanek. Zu Abstempelungen Zum Teil werden auch echte Stempel benutzt, die über Auktionen oder im Fachhandel erworben werden, um Fälschungen einen „offiziellen Anstrich“ zu geben oder aber um echte historische Geldscheine (z.B. aus dem Generalgouvernement, Reichskreditkassen-scheine oder Zahlungsmittel der Wehrmacht) zu stempeln und dadurch interessanter für Sammler zu machen. So wurde auch schon mancher echte Geldschein mit dem Stempel einer „SS-Flak-Ersatz-Abteilung“ versehen. Mittlerweile gibt es, wie in der Zeitschrift "Münzen & Sammeln" schon vor längerem berichtet, sogar im Internet ganze Stempelmatten mit zahlreichen nach Themen (z.B. Wehrmacht, SS, NSDAP usw.) geordneten Stempelgummis zu kaufen. Da sind Manipulationen Tür und Tor geöffnet. Wie Fantasiefälschungen von Geldscheinen gibt es aber auch Fantasiestempel. Als Beispiel zeigt die Abbildung einen echten Schein mit falschem Stempel auf der Rückseite. Die Fälscher waren wohl der deutschen Sprache nicht im erforderlichen Maße mächtig, denn aus dem „Oberkommando der Wehrmacht“ (OKW) wurde ein „Obercommando der Wehrmach“ (OCW?). SS-Prämienscheine Die Fälscher dachten sich wohl, wenn es Prämienscheine für Häftlinge in den Konzentrationslagern gab, warum dann nicht auch für SS-Angehörige? Die Fälschungen stammen aus derselben Werkstatt wie die Fantasiescheine für Auschwitz und Treblinka. Wie die Abbildung zeigt, kommen sie auch mit Rundstempel der "Waffen-SS Kommandantur der Amts-Kztr.-Lager Lublin" vor. Die offizielle Abkürzung für Konzentrationslager im damaligen Schriftverkehr war nicht "Kztr.-Lager" und auch nicht "KZ", sondern "KL". Mehr über das Geld in Konzentrationslagern und jüdischen Gettos inkl. historischer Kontext, Einleitungen zur Geschichte jedes Lagers und jedes Gettos sowie Katalogisierung aller bekannten Ausgaben, finden Sie in meinem Buch: "Das Geld des Terrors". Hans-Ludwig Grabowski Abb. Auschwitz, Dachau, Diedenhofen, Treblinka, Abstempelung OKW: Hans-Ludwig Grabowski / Litzmannstadt, Oranienburg, Sachsenhausen und SS-Prämienschein: Sammlung Wolfgang Haney, Berlin / Internet-Angebot: ebay
- Deutsche Notgeld-Epochen im Überblick
1914er Notgeld Zu Beginn des Ersten Weltkriegs kam es zu ersten Notgeldausgaben in Deutschland, da kurzzeitiger Mangel an Kleingeld herrschte, der aber schnell behoben werden konnte. Wir sprechen bei diesen Emissionen vom sog. 1914er Notgeld, das damals von Dr. Arnold Keller katalogisiert wurde und das aktuell im Katalog Deutsches Notgeld, Band 11: Das deutsche Notgeld von 1914/1915 aufgeführt wird. Viele dieser frühen Notgeldscheine waren sehr einfach gestaltet oder gar handgeschrieben und gestempelt. Ausgegeben wurden sie hauptsächlich in den bedrohten deutschen Grenzgebieten sowie im Ruhrgebiet und im Industrierevier um Bremen. Kleingeldscheine, Verkehrsausgaben Nach einer vorübergehend stabilen Geldwirtschaft kam es dann ca. ab 1916 wieder zu ernsthaftem Kleingeldmangel, was erneut zu Notausgaben in großem Umfang von Städten und Privatfirmen führte. Von sog. Kleingeldscheinen – Verkehrs- oder Bedarfsausgaben spricht man, wenn man Notgeldscheine in Pfennig-Beträgen meint, welche tatsächlich auch als Notgeld umliefen. Die amtlichen und halbamtlichen Ausgaben sind in den Bänden Deutsches Notgeld, Band 5+6: Deutsche Kleingeldscheine: Amtliche Verkehrsausgaben 1916–1922 zusammengefasst. Zu derartigen Ausgaben echter Kleingeld-Ersatzscheine kam es etwa bis zu Beginn des Jahres 1921. Mit diesen Kleingeldscheinen, welche von vielen Städten nun auch in grafisch ansprechenden Gestaltungen ausgegeben wurden, begann auch das Sammeln von Notgeldscheinen in Deutschland zu einem beliebten Hobby zu werden. Schon damals gab es etwa 15.000 Sammler, die die Stadtverwaltungen mit Anfragen nach deren Notgeld überhäuften. Wenn sich Sammler heute also wieder den Verkehrsausgaben der deutschen Städte und Gemeinden zuwenden, so ist dies gleichsam auch eine Rückkehr zu den Wurzeln des deutschen Geldscheinsammelns als Massenbewegung. Darüber hinaus gab es auch noch private Verkehrsausgaben. Kleingeldscheine gibt es aus dem gesamten ehemaligen Reichsgebiet. Serienscheine Sieht man einmal von den privaten Ausgaben ab, so sind die meisten, der nicht als Verkehrsausgaben katalogisierten Kleingeldscheine sog. Serienscheine, die in den zwei Bänden Deutsches Notgeld, Band 1+2: Deutsche Serienscheine 1918 – 1922 zusammengefasst wurden. Da das Interesse an den bunten Kleingeldscheinen bei den Sammlern sehr groß war, wurden verstärkt ab dem Frühjahr 1921 von vielen Städten bis hin zu Vereinen eine Vielzahl von Kleingeldscheinen in Auftrag gegeben, die allerdings nicht mehr für den Zahlungsverkehr, sondern ausschließlich für den Verkauf an Sammler bestimmt waren. Ausgehend von den meist in Serien angebotenen und überwiegend grafisch reizvoll gestalteten Scheinen spricht man denn auch von „Serienscheinen“ oder „Bildernotgeld“. Serienscheine sind also streng genommen gar kein Notgeld, auch wenn Notgeld drauf steht. Die Zuordnung der Kleingeldscheine zu Verkehrsausgaben oder Serienscheinen an der Bezeichung (Notgeld, Gutschein, Kleingeldersatz usw.) festmachen zu wollen, ist unmöglich. Die Wahl der Bezeichnungen erfolgte damals nach Gutdünken in den Amtsstuben der Städte und Gemeinden oder blieb gar dem Künstler überlassen, der die Scheine entwerfen sollte. Lediglich Bezeichnungen wie „Kriegsnotgeld“ lassen in den meisten Fällen den richtigen Schluss auf Verkehrsausgaben aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zu. Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. So datierten manche Orte auch ihre Serienscheinausgaben einfach zurück, um den Eindruck echten Notgelds zu erwecken und dadurch die Scheine besser an Sammler verkaufen zu können, während einige Ausgabestellen Bezeichnungen wie „Kriegsgeld“ auch noch nach Ende des Krieges weiter verwendeten. Andere Ortschaften gaben ihre Serienscheine erst in „Umlauf“, als die auf den Scheinen angegebene Einlösungsfrist bereits überschritten war um zu vermeiden, dass Ansprüche an die Stadt geltend gemacht werden konnten, wie z.B. bei allen Reutergeld-Ausgaben. Die künstlerische und oft farbenprächtige Gestaltung der Serienscheine sollte hauptsächlich den Verkauf fördern, erzählt aber auch viel deutsche Regional-, Kultur- und Zeitgeschichte. Das Hauptausgabe-Gebiet der Serienscheine lag in Norddeutschland, Thüringen, der preußischen Provinz Sachsen sowie in den sog. Abstimmungsgebieten in Ostpreußen, Oberschlesien und Nordschleswig. Die heutige Zuordnung zu Verkehrs- bzw. Serienschein-Ausgaben geht im wesentlichen ebenfalls auf Dr. Arnold Keller zurück. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass zumindest ein kleinerer Teil der Serienscheine auch tatsächlich im Umlauf war, besonders wenn diese immer wieder in gebrauchtem Zustand vorkommen, während sicher einige von Keller den Verkehrsausgaben zugerechneten Emissionen nie in den Umlauf gelangten und eher Serienscheine sind. Die beiden Bände zu den amtlichen Verkehrsausgaben zeigen eine gültige Abgrenzung zu den Serienscheinen auf und können viele diesbezügliche Fragen von Sammlern klären. Großnotgeld Alle Scheine in Nennwerten von 1 bis 100 Mark werden Großnotgeldscheine genannt. Auch diese Bezeichnung geht auf Dr. Keller zurück und ist besser verständlich, wenn man bedenkt, dass die zu gleicher Zeit ausgegebenen Pfennig-Beträge von ihm Kleingeldscheine genannt wurden. Alle Großnotgeldscheine im damaligen Deutschen Reich inkl. der in der Hochinflation mit anderen Nennwerten überdruckten Scheine werden im aktuellen Katalog Deutsches Notgeld, Band 3: Das deutsche Großnotgeld 1821–1921 aufgeführt. Inflation 1922/1923 (Vorinflation) Dem Großnotgeld schlossen sich die Ausgaben der Inflation an. Nennwerte über 100 Mark wurden ca. ab August 1922 als Notgeld von Städten und Firmen ausgegeben. Diesen Ausgaben sowie in der Hochinflation überdruckte Scheine sind im Katalog Deutsches Notgeld, Band 4: Die Notgeldscheine der deutschen Inflation aufgeführt. Der Katalog behandelt die Notausgaben bis zum Juni 1923. Hochinflation 1923 Ab dem Juli 1923 sprechen wir von der sog. Hochinflation, welche den größten Teil des deutschen Notgelds ausmacht. Erst jetzt kommen auch Scheine in Millionen-, Milliarden- und gar Billionen-Beträgen in den Umlauf. Hierzu gibt es leider noch kein aktuell überarbeitetes Katalogwerk, wenn man vom Notgeld der Bahn und Post absieht, für das der aktuelle Katalog Deutsches Notgeld, Band 13: Das Papiergeld der deutschen Eisenbahnen und der Reichspost verfügbar ist. Im Rahmen der Katalogreihe „Deutsches Notgeld“ wird jedoch mit den Bänden 7 und 8 ein Nachdruck des Standard- und Zitierwerks von Dr. Arnold Keller Das Notgeld der deutschen Inflation 1923 angeboten, das viele Jahre kaum zu beschaffen war und eine der wichtigsten Grundlagen für den Sammler deutschen Notgelds darstellt. Wertbeständiges Notgeld Gegen Ende der Inflation gab es zahlreiche Bestrebungen, die Währung zu stabilisieren, was zu den Ausgaben des sog. Wertbeständigen Notgelds führte. Auch diese Bezeichung geht auf Keller zurück und ist verständlich, wenn man sich vor Augen hält, dass die „normalen Notgeldausgaben“ jener Zeit am Abend als Arbeitslohn gezahlt oft schon am nächsten Morgen wertloses Papier waren. Beim wertbeständigen Notgeld versuchte man, die Wertbeständigkeit durch die Deckung z.B. in Gold oder in landwirtschaftlichen Produkten (wie bei Roggengeld) oder durch Anbindung an den Dollar zu erreichen, was letztlich auch zum Erfolg mit der Einführung der Rentenmark in Deutschland führte. Hierzu empfehlen wir das aktuelle Katalogwerk: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924. Notgeld der besonderen Art Schließlich soll auch das sog. Notgeld besonderer Art nicht unerwähnt bleiben. Hierbei handelt es sich um Notgeld, bei deren Herstellung besondere Materialien zum Einsatz kamen, z.B. Leinen, Seide oder Samt von Bielefeld sowie Leder und Schuhsohlen von Osterwieck und Pößneck und sogar Aluminiumfolien oder Holz. Zu diesem Thema gibt es folgenden Katalog: Deutsches Notgeld, Band 9: Notgeld der besonderen Art – Geldscheine aus Stoff, Leder und sonstigen ungewöhnlichen Materialien. Notgeld 1945 und zur Währungsreform 1948 Kriegsbedingt kam es im Frühjahr 1945 zur Zahlungsmittelknappheit. Die Reichsbank konnten nicht mehr alle Gebiete des Reichs mit Zahlungsmitteln versorgen und so kam es zu zahlreichen Notgausgaben von ganzen Regionen (z.B. Reichsgau Kärnten), von Kommunen, aber auch privaten Geschäftsleuten. Zur Währungsreform 1948 herrschte vor allem Mangel an Kleingeld, weshalb viele Geschäftsleute eigene Kleingeld-Ersatzscheine als Wechselgeld nutzten. Das Gebiet des Notgelds nach dem Zweiten Weltkrieg hat Michael H. Schöne katalogisiert. Anmerkungen Für einige Notgeldbereiche wie die Hochinflation bilden nach wie vor die nach dem Zweiten Weltkrieg in geringer Auflage entstandenen Kataloge von Dr. Arnold Keller die einzige Grundlage für den Sammler, sieht man einmal von den Regional-Katalogen ab, die in sich alle Notgeldausgaben eines begrenzten Gebiets vereinen, aber keineswegs flächendeckend für das ganze ehemalige Deutsche Reich vorliegen. Hier gibt es in der Tat viele „weiße Flecken“, manche Gebiete wie das Rheinland, Westfalen, Franken, Danzig etc. sind in der Vergangenheit umfassend neu bearbeitet worden, für andere Gebiete liegen nur Übersichtskataloge der Ausgaben vor, ohne auf Varianten einzugehen. Wieder andere Regionen sind aktuell überhaupt nicht in einem Regional-Katalog dokumentiert, was auch das teilweise geringe Interesse für Scheine dieser Gebiete mit verursacht. Wo Sammler auf Kataloge zugreifen können, wächst auch das Sammelinteresse. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv
- Deutschland nach dem Krieg
Mit der Besetzung Deutschlands und der Teilung in drei bzw. vier Besatzungszonen begann das, was viele alte Menschen als „die schwere Zeit nach dem Zusammenbruch“ bezeichneten. Schwarzmarkt und Tauschhandel blühten. Wer für Geld etwas kaufen wollte, musste sehr viel davon haben. Bei Kriegsende brachten die Alliierten außerdem noch eigenes Geld mit, was den Geldumlauf zusätzlich aufblähte. Für Geld gab es nur Hungerrationen zu „Stoppreisen“ von 1944 zu kaufen. Dringend benötigte Waren, vor allem „Essbares“, kostete bei gleichen Löhnen wie im Krieg auf dem Schwarzmarkt ein Vermögen. Wer konnte schon ein Brot für 80 RM kaufen, wenn er nur 50 RM in der Woche verdiente. Wohl dem, der noch etwas von Wert besaß. Wer nichts hatte, musste „organisieren“, notfalls stehlen. Nicht nur Hunger, sondern schlimme Wohnverhältnisse in den zerstörten und mit Flüchtlingen aus dem deutschen Osten überfüllten Städten, sowie fehlende Brennstoffe machten das Leben schwer. Nicht wenige Menschen erfroren und verhungerten in dieser Zeit. Galgenhumor machte die Runde: „Niemand soll hungern ohne zu frieren“. Zwischen den Alliierten, den Westmächten und den Sowjets, kam es bald zu unüberbrückbaren Zerwürfnissen. Spätestens zum Jahreswechsel 1947/1948 war klar, dass eine Währungsreform in Deutschland erfolgen müsste, um den Geldüberhang abzubauen. Die Westmächte wollten und konnten sich mit den Sowjets nicht über gemeinsame Schritte zur Wiederherstellung geordneter Währungsverhältnisse einigen. Die Würfel für separate Schritte in der Bi- bzw. Trizone waren bereits gefallen. Im Sommer 1948 war es dann soweit: Die Deutsche Mark kam im Westen. Im Gegenzug führte die UdSSR in ihrer Besatzungszone ebenfalls neues Geld ein, die Deutsche Mark (Ost). Die Währungen der BRD und der DDR gab es also schon, bevor diese Staaten 1949 gegründet wurden. Und schließlich verschwand die Ostmark, noch bevor die DDR als Staat am 3.10.1990 verschwand. Übrigens war weder die DM (West), noch die DM (Ost) anfangs in irgendeiner Weise „gedeckt“. Die auf Deutsche Mark lautenden Zahlungsmittel lebten vom Vertrauen der Bürger in das neue Geld. Im Westen wurde die DM erst nach und nach konvertibel, d.h. in ausländisches Geld umtauschbar, erhielt auch erst später eine Goldparität und blieb bis zu ihrem Ende 2001 eine der härtesten und begehrtesten Währungen der Welt. Die Mark der DDR, erst ebenfalls „Deutsche Mark“, dann MDN (Mark der Deutschen Notenbank) und schließlich nur „Mark“ genannt, blieb bis zu ihrem Ende ohne Deckung. Sie galt als „sozialistische Binnenwährung“, die nur im Lande selbst gültig war und in sehr bescheidenem Maße im Reiseverkehr in den Staaten Osteuropas umgetauscht wurde. Gegenüber der DM-West wurde sie im Kurs von 4:1 und oft viel schlechter auf dem Schwarzmarkt oder in westlichen Wechselstuben getauscht. Nach der Maueröffnung 1989 fiel ihr Kurs auf 1:10, später sogar bis auf 1:20, obwohl in der DDR viele Waren und Dienstleistungen weiterhin zu sehr günstigen Preisen zu bekommen waren. Erst in Vorbereitung der Währungsunion 1990 stieg ihr Wert beachtlich, als abzusehen war, dass gewisse Mindestbeträge 1:1, die Sparguthaben von DDR-Bürgern aber grundsätzlich 2:1, in DM umgestellt werden sollten. Insgesamt waren 440 Milliarden DDR-Mark auf Konten von 16 Millionen Bürgern (für jeden Bürger, auch für Kinder, war ein Umtauschkonto einzurichten) sowie von 230.000 Betrieben in DM zu tauschen. Hans-Ludwig Grabowski/Wolfgang J. Mehlhausen
- Banknoten der Sozialrepublik Italien 1943 bis 1945
Nach der Landung alliierter Truppen auf Sizilien machte der Faschistische Großrat den Duce für alle Fehlschläge des Kriegs verantwortlich und setzte ihn am 25. Juli 1943 ab. Als er seinen Rücktritt als Ministerpräsident einreichen wollte, wurde er auf Befehl des Königs verhaftet und an wechselnden Orten interniert. Zum neuen Ministerpräsidenten wurde Marschall Pietro Badoglio ernannt. Dieser versicherte zwar offiziell, dass er den Krieg an der Seite des Deutschen Reichs fortsetzen werde, verhandelte aber im Geheimen mit den Alliierten, um den Krieg für Italien so bald wie möglich und mit allen Mitteln zu beenden. Bereits am 29. Juli 1943 erfuhr die deutsche Abwehr aus einem Funkgespräch zwischen Roosevelt und Churchill, dass sich US-General Eisenhower wegen Waffenstillstandsverhandlungen an die neue italienische Regierung wenden wird. Daraufhin reagierte Hitler am 31. Juli mit Einsatzbefehlen zur Besetzung Italiens, falls sich das Land aus dem Bündnis lösen sollte. Die in Italien stehenden deutschen Truppen kämpften unterdessen weiter mit ihren italienischen „Waffenbrüdern“ gegen die alliierte Invasion. Am 14. August 1943 erklärte die italienische Regierung Rom zur „Offenen Stadt“ und bis zum 17. August musste ganz Sizilien aufgegeben werden. Am 3. September 1943 begann die Invasion auf das europäische Festland mit alliierten Landungen an der Küste Kalabriens. Noch am selben Tag einigten sich die Italiener mit den Alliierten über einen Waffenstillstand, der auf Wunsch Italiens aber vorerst noch geheim bleiben sollte. Als General Eisenhower entgegen den getroffenen Vereinbarungen am 8. September 1943 über Rundfunk bekannt gab, dass mit Italien Waffenstillstand geschlossen sei, liefen nur kurze Zeit später die deutschen Gegenmaßnahmen an. Im Rahmen des Unternehmens „Fall Achse“ sollte Italien besetzt und die Alliierten zurückgedrängt werden. Bereits am 9. September 1943 waren trotz des Waffenstillstands US-amerikanische Truppen in der Bucht von Salerno gelandet, um gegen Neapel vorzugehen. Ziel der Alliierten war es, bis Weihnachten Rom zu erreichen, das am 10. September von deutschen Truppen besetzt wurde. Da Hitler nicht nur die Alliierten in Italien aufhalten, sondern auch seinen ehemaligen Verbündeten retten wollte, ordnete er den Einsatz „Eiche“ an, bei dem Mussolini unter allen Umständen unverletzt befreit werden sollte. Am 12. September startete „Eiche“. Fallschirmjäger unter dem Kommando von Generalleutnant Student sowie das kleine SD-Sonderkommando „Friedenthal“ unter Otto Skorzeny landeten mit Lastenseglern sowie einigen Flugzeugen „Fieseler Storch“ beim Hotel „Campo Imperatore“ auf dem Gran Sasso in den Abruzzen und besetzten das Gebäude im Handstreich. Nachdem die Bewacher Mussolinis aufgegeben hatten, wurde der unverletzte Duce mit einem Fieseler Storch zuerst nach Rom und schließlich über Wien in Hitlers Hauptquartier „Wolfschanze“ nach Ostpreußen gebracht. Skorzeny wurde für die Rettung Mussolinis zum Sturmbannführer befördert und von Hitler mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Schon einen Tag später begannen die deutschen Gegenangriffe am Golf von Salerno. Deutsche Truppen hatten inzwischen Norditalien und weitere Teile des Landes besetzt. Um Italien bei der „Achse“ zu halten und die kriegswichtigen Industriegebiete Norditaliens nicht zu verlieren, unterstützte Hitler Mussolini, der am 23. September 1943 die Sozialrepublik Italien (Repubblica Sociale Italiana) ausrief, die vom Brenner bis nach Rom (ohne die italienischen Inseln) reichte und unter deutschem Schutz stand. Die Gebiete am Alpenhauptkamm hatten die Deutschen schon am 12. September 1943 in den Operationszonen Alpenvorland (Südtirol) und Adriatisches Küstenland (Istrien, Triest und Fiume) zusammengefasst. Sie standen unter deutscher Verwaltung, gehörten aber formell zur Sozialrepublik Italien. Der neue faschistische Staat in Norditalien wurde anfangs nur vom Deutschen Reich und Japan, später auch von den Verbündeten der Achsenmächte Bulgarien, Finnland, Mandschukuo, Rumänien, der Slowakei und Ungarn anerkannt. Nach kurzem Zögern erkannte sogar der Vatikan den neuen italienischen Staat diplomatisch an. Bereits kurz nach Gründung der sog. Republik von Saló (hier hatte Mussolini sein Hauptquartier) erklärte dessen Staatschef und Außenminister Benito Mussolini dem im Süden Italiens fortbestehenden Königreich Italien, das unter dem Protektorat der Alliierten stand, den Krieg. Am 13. Oktober erklärte die Regierung des Königreichs Italien Deutschland den Krieg. War die Politik des früheren Italien trotz seines Bündnisses mit Deutschland relativ eigenständig gewesen, was nicht zuletzt auch zu den unabgesprochenen und schließlich fehlgeschlagenen militärischen Abenteuern des Duce führte, so war die neue Sozialrepublik eher ein Marionettenstaat, der trotz aller deutschen Einflussnahme aber voll handlungsfähig war. So verfügte man über ein eigenes Postwesen, eigene Kfz-Kennzeichen, einen Rundfunk, eigene Briefmarken, Gesetzgebung (wenn auch in vielen Fällen angelehnt an des deutsche Recht) und eine öffentliche Verwaltung. Fast alles wurde militärisch organisiert, sogar die Feuerwehr, die man bewaffnete. Es gab außerdem eine eigene Polizei und sogar einen eigenen Geheimdienst. Schließlich gab man sogar Geldscheine der Banca d’Italia in Umlauf. Das Regime von Saló galt als „radikalfaschistisch“, und bei den Partisanen sprach man von der „Allerfaschistischsten Republik“. Entsprechend hart und gefürchtet war z.B. auch der Einsatz italienischer SS gegen italienische oder jugoslawische Partisanenverbände, der mit brutalen Exzessen und Massenerschießungen einherging. Ab 1944 war der Vormarsch der Alliierten nicht mehr zu stoppen. Südlich von Rom versuchten die deutschen Verteidiger, die alliierten Truppen an der sog. Gustav-Linie bei Cassino aufzuhalten. Trotz wiederholter gegenteiliger Versicherungen seitens der Wehrmacht befürchteten die Alliierten, dass sich wegen der militärisch günstigen Lage hoch auf dem Monte Cassino deutsche Soldaten im Kloster verschanzt hätten. Tatsächlich war das Kloster lediglich Zufluchtsort für Hunderte von Zivilpersonen. Am 15. Februar 1944 luden 299 amerikanische Flugzeuge bei einem massiven, dreistündigen Angriff ihre Bombenlast von 453 Tonnen auf das im Jahre 529 erbaute weltberühmte Benediktinerkloster Monte Cassino ab und zerstörten es völlig. Die Aktion war militärisch sinnlos, da das Kloster überhaupt nicht in die deutschen Verteidigungsstellungen einbezogen war. In den Ruinen fanden zahlreiche Flüchtlinge den Tod. Erst nach der Bombardierung besetzte die Wehrmacht den Berg. Später bestätigte sogar der Vatikan, dass sich zu keinem Zeitpunkt deutsche Soldaten oder Kriegsgerät vor der Bombardierung im Kloster befunden hatten. Die Baupläne und Kunstschätze des Klosters waren rechtzeitig vor dem Angriff vom deutschen Oberstleutnant Julius Schlegel in den Vatikan evakuiert worden. Berg und Ort konnten trotz intensivem alliierten Beschuss über mehrere Monate hinweg gehalten werden. So starteten die Angreifer am 25. März 1944 eine erneute Großoffensive, bei dem schwere US-Bomber B-17 über vier Stunden lang insgesamt 2.500 Tonnen Sprengbomben auf Cassino abwarfen. Danach begann ein Trommelfeuer aus 746 Rohren der alliierten Artillerie auf die Stadt. Erst als auf Seiten der Angreifer niemand mehr glaubte, dass dieses Inferno jemand überlebt haben könnte, begann der Angriff mit Panzern und Infanterie. Auch dieser Durchbruchversuch scheiterte an dem für die Angreifer völlig überraschenden Widerstand der deutschen Verteidiger. In den engen zerbombten Gassen von Cassino kämpften u.a. erbittert deutsche Fallschirmjäger, die einst Kreta besetzt hatten. Erst Mitte Mai 1944 wurde der Druck der angreifenden alliierten Verbände so stark, dass die angeschlagenen deutschen Einheiten notgedrungen zurückgezogen wurden. Die legendäre Schlacht von Monte Cassino endete mit dem Sieg der Alliierten, die aus US-amerikanischen, britischen, französischen, kanadischen, neuseeländischen und polnischen Korps bestanden, über die allein auf sich gestellten Einheiten der Wehrmacht. Bis Ende Mai fielen auch noch die restlichen deutschen Verteidigungslinien südlich von Rom, und am 4. Juni 1944 marschierte die 5. US-Armee in die „Ewige Stadt“ ein. Bis Mitte 1944 blieb die Lage für die faschistische Führung der Sozialrepublik trotz Partisanenkrieg und alliiertem Vormarsch relativ stabil. Als Mussolini nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 den leicht verletzten Hitler in seinem Führerhauptquartier besuchte, ging ihm das sehr nahe. Es sollte das letzte Mal sein, dass sich beide Diktatoren sahen. Zurückgekehrt nach Saló ließ er sofort die am 30. Juni 1944 gegründeten „Schwarzen Brigaden“ verstärken, die als Armee der faschistischen Partei auch für seinen persönlichen Schutz zuständig war. Die annähernd 80.000 Mann starke Truppe kämpfte aber auch gegen die Alliierten und gegen italienische Partisanen und war für ihre Brutalität berüchtigt. Nach dem Fall Roms verschlechterte sich die Situation für die Wehrmacht dramatisch. Vier Wochen nach Rom musste auch Florenz geräumt werden, und Ende August 1944 folgte der Rückzug auf die sog. „Goten-Linie“. Auch wenn Ende 1944 die Verteidigungslinie nur noch von La Spezia über den Apennin bis zur Adria nördlich von Ravenna reichte, feierte Mussolini Mitte Dezember in der Mailänder Scala seine „Republik“, von der bereits über 40% von den Alliierten besetzt war. Während die deutsche Heeresgruppe C verzweifelt kämpfte, um den alliierten Armeen den Zugang zur Po-Ebene zu versperren, versuchte Mussolini und sein Marschall Graziani, eine eigene republikanisch-faschistische Armee aufzustellen. Am Ende verfügte die Sozialrepublik über eine Armee von 600.000 Mann, deren Kern aus italienischen Soldaten gebildet wurde, die in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren. In Bezug auf Ausrüstung und Ausbildung war Mussolinis letzte Armee aber auf den deutschen Verbündeten angewiesen. Mitte April 1945 gelang es den Alliierten, den Po zu überqueren. Am 21. April erreichten sie Bologna. Unterdessen floh Mussolini mit seiner Geliebten Clara Petacci aus seinem Domizil am Gardasee mit einigen seiner Minister unter dem Schutz eines deutschen Begleitkommandos an den Comer See. Unterwegs wurde die Kolonne jedoch von Partisanen aufgehalten, und Mussolini und seine Begleiter wurden verhaftet. Am 28. April 1945 wurden Mussolini und seine Geliebte vom Partisanenführer Walter Audisio ermordet und mit den Leichen der übrigen erschlagenen Faschisten nach Mailand gebracht, wo man sie kopfüber an einer Garage aufhing und öffentlich zur Schau stellte. Die Nachricht über Mussolinis und Clara Petaccis Ende erschütterte Hitler und war wohl auch mit Anlass für seine Heirat mit Eva Braun und beider Ende durch Selbstmord. Am 29. April 1945 kapitulierte nach langwierigen Verhandlungen die deutsche Heeresgruppe C in Italien vor den alliierten Streitkräften. Ab dem 2. Mai 1945 wurde der deutsche Widerstand eingestellt. Inzwischen war die 5. US-Armee bis zum Brenner vorgestoßen und nahm am 6. Mai 1945 die dort noch stehenden deutschen und italienischen Divisionen kampflos gefangen. Nur zwei Tage später kapitulierte auch das Deutsche Reich. Regno d’Italia und Repubblica Sociale Italiana Während die deutschen Truppen bis zum Waffenstillstand der Regierung Badoglio mit den Alliierten, spätestens aber bis zur Kriegserklärung durch das nach der Gründung der faschistischen Republik von Saló verbliebene Königreich im Süden Italiens als Verbündete gegen die alliierte Invasion in Italien kämpften, waren sie danach sowohl als Verbündete von Mussolinis Republik im Norden als auch als „Besatzer“ wie auch „Verteidiger“ im Süden Italiens aktiv. Der italienische König, die Regierung von Marschall Badoglio und der italienische Generalstab waren nach der deutschen Intervention von Rom nach Brindisi geflohen und hatten sich nicht mehr um die Ereignisse an der Front gekümmert. Die im Ausland stehenden italienischen Truppen wurden sich selbst überlassen und gerieten oft mit tragischen Konsequenzen zwischen die Fronten. Erst nach dem alliierten Einmarsch in Rom löste Ivanoe Bonomi am 9. Juni 1944 Badoglio an der Spitze der Regierung ab. Ironie der Geschichte: 1945 schloss der italienische Senat Badoglio wegen seiner Zusammenarbeit mit den Faschisten aus der Regierung aus. Die sog. Sozialrepublik Italien bestand vom 23. September 1943 bis 25. April 1945. Banca d’Italia 1943 – 1945 Die von der Banca d’Italia ausgegebenen Noten sind für den historisch interessierten Sammler im Zusammenhang mit deutscher Einflussnahme bzw. deutschem Militäreinsatz von Bedeutung. Von Vorteil ist dabei, dass die Ausgaben für das Königreich Italien (Regno d’Italia) und die Repubblica Sociale Italiana (RSI) klar anhand ihrer Ausgabedaten und Serien voneinander getrennt werden können. Neue Ausgaben für das Königreich Italien folgten erst ab Oktober 1944, als die deutschen Truppen schon bis tief in die Sozialrepublik hinein zurückgedrängt waren. Nennwerte, Ausgabedaten und Serien der Sozialrepublik Italien 50 Lire Mutter Italia 08.10.1943 Serien A 31 – Z 42 11.11.1944 Serien A 43 – Z 45 50 Lire Blütenkranz 08.10.1943 Serien A 1091 – V 1190 01.02.1944 Serien A 1191 – V 1290 100 Lire liegende Italia links 08.10.1943 Serien A 41 – Z 54 10.10.1944 Serien A 55 – Z 68 11.11.1944 Serien A 69 – Z 73 100 Lire liegende Italia Mitte 08.10.1943 Serien A 1126 – V 1275 500 Lire 08.10.1943 Serien A 19 – Z 25 01.08.1944 Serien A 26 – Z 32 17.08.1944 Serien A 33 – Z 39 11.11.1944 Serien A 40 – Z 46 13.02.1945 Serien A 47 – Z 53 1000 Lire Kopfmedaillon oben 08.10.1943 Serien A 211 – V 260 1000 Lire Kopfmedaillon unten 06.03.1944 Serien A 26 – Z 32 01.08.1944 Serien A 33 – Z 39 11.11.1944 Serien A 40 – Z 46 Anmerkungen Ältere italienische Banknoten sind durchweg selten und meist nur gebraucht bis stark gebraucht zu bekommen. Leider sind viele italienische Banknoten auch geschönt, d.h. nachträglich z.B. gereinigt oder sogar gebügelt, was das Sammelgebiet nicht gerade beliebt macht. Alle Geldscheine von Ländern unter deutscher Besatzung bzw. unter deutschem Einfluss im Ersten und Zweiten Weltkrieg findet man im Katalog: Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski












