Deutschland nach dem Krieg


Note der Alliierten Militärbehörde von 1944 über 20 Mark (sowjetischer Druck).

Mit der Besetzung Deutschlands und der Teilung in drei bzw. vier Besatzungs­zonen begann das, was viele alte Menschen als „die schwere Zeit nach dem Zusammenbruch“ bezeichneten.

Schwarzmarkt und Tauschhandel blühten. Wer für Geld etwas kaufen wollte, musste sehr viel davon haben. Bei Kriegsende brachten die Alliierten außerdem noch eigenes Geld mit, was den Geldumlauf zusätzlich aufblähte.

Für Geld gab es nur Hungerrationen zu „Stoppreisen“ von 1944 zu kaufen. Dringend benötigte Waren, vor allem „Essbares“, kostete bei gleichen Löhnen wie im Krieg auf dem Schwarzmarkt ein Vermögen. Wer konnte schon ein Brot für 80 RM kaufen, wenn er nur 50 RM in der Woche verdiente. Wohl dem, der noch etwas von Wert besaß.

Wer nichts hatte, musste „organisieren“, notfalls stehlen. Nicht nur Hunger, sondern schlimme Wohnverhältnisse in den zerstörten und mit Flüchtlingen aus dem deutschen Osten überfüllten Städten, sowie fehlende Brennstoffe machten das Leben schwer. Nicht wenige Menschen erfroren und verhungerten in dieser Zeit. Galgenhumor machte die Runde: „Niemand soll hungern ohne zu frieren“. Zwischen den Alliierten, den Westmächten und den Sowjets, kam es bald zu unüberbrückbaren Zerwürfnissen. Spätestens zum Jahreswechsel 1947/1948 war klar, dass eine Währungsreform in Deutschland erfolgen müsste, um den Geldüberhang abzubauen. Die Westmächte wollten und konnten sich mit den Sowjets nicht über gemeinsame Schritte zur Wiederherstellung geordneter Währungsverhältnisse einigen. Die Würfel für separate Schritte in der Bi- bzw. Trizone waren bereits gefallen.


Note der Bank Deutscher Länder über 10 DM zur Währungsreform 1948 in den Westzonen.

Im Sommer 1948 war es dann soweit: Die Deutsche Mark kam im Westen. Im Gegenzug führte die UdSSR in ihrer Besatzungszone ebenfalls neues Geld ein, die Deutsche Mark (Ost). Die Währungen der BRD und der DDR gab es also schon, bevor diese Staaten 1949 gegründet wurden. Und schließlich verschwand die Ostmark, noch bevor die DDR als Staat am 3.10.1990 verschwand.

Übrigens war weder die DM (West), noch die DM (Ost) anfangs in irgendeiner Weise „gedeckt“. Die auf Deutsche Mark lautenden Zahlungsmittel lebten vom Vertrauen der Bürger in das neue Geld. Im Westen wurde die DM erst nach und nach konvertibel, d.h. in ausländisches Geld umtauschbar, erhielt auch erst später eine Goldparität und blieb bis zu ihrem Ende 2001 eine der härtesten und begehrtesten Währungen der Welt.


100 Mark der Deutschen Notenbank der DDR von 1964 mit dem Bildnis von Karl Marx.

Die Mark der DDR, erst ebenfalls „Deutsche Mark“, dann MDN (Mark der Deutschen Notenbank) und schließlich nur „Mark“ genannt, blieb bis zu ihrem Ende ohne Deckung.

Sie galt als „sozialistische Binnen­währung“, die nur im Lande selbst gültig war und in sehr bescheidenem Maße im Reiseverkehr in den Staaten Osteuropas umgetauscht wurde. Gegenüber der DM-West wurde sie im Kurs von 4:1 und oft viel schlechter auf dem Schwarzmarkt oder in westlichen Wechselstuben getauscht. Nach der Mauer­öffnung 1989 fiel ihr Kurs auf 1:10, später sogar bis auf 1:20, obwohl in der DDR viele Waren und Dienstleistungen weiterhin zu sehr günstigen Preisen zu bekommen waren.

Erst in Vorbereitung der Währungsunion 1990 stieg ihr Wert beachtlich, als abzusehen war, dass gewisse Mindestbeträge 1:1, die Sparguthaben von DDR-Bürgern aber grundsätzlich 2:1, in DM umgestellt werden sollten.

Insgesamt waren 440 Milliarden DDR-Mark auf Konten von 16 Millionen Bürgern (für jeden Bürger, auch für Kinder, war ein Umtauschkonto einzurichten) sowie von 230.000 Betrieben in DM zu tauschen.


Hans-Ludwig Grabowski/Wolfgang J. Mehlhausen

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