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- Leserpost: Bisher unbekannte Serie bei Thyssen-Notgeld von Mülheim-Ruhr 1922
Sehr geehrter Herr Grabowski, heute mal wieder etwas Ungelistetes – jedenfalls im Katalog von Manfred Müller von 2010 unter 3010.1 in der Form nicht aufgeführt: Serie PI und ohne KN. Herzliche Grüße aus Berlin T. Neldner 3010.1a: Mülheim-Ruhr, Thyssen & Co. AG, Gutschein über 100 Mark vom 8. September 1922 mit Serie PI und ohne Kontrollnummer. Antwort der Redaktion Diese Ausführung ist bislang tatsächlich nicht katalogisiert. Ich habe den Autor des Katalogs zum Deutschen Notgeld, Band 4: Die Notgeldscheine der deutschen Inflation (August 1922 bis Juni 1923) separat informiert, damit das bei einer möglichen neuen Auflage berücksichtigt werden kann. Wegen der fehlenden Kontrollnummer und Lochentwertung und der Stempelung "Ungültig" dürfte es sich wahrscheinlich um ein Muster handeln. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 4: Die Notgeldscheine der deutschen Inflation von August 1922 bis Juni 1923 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-534-3 Auflage: 3. Auflage 2010 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 760 Preis: 39,90 EUR Leseprobe Zum Shop
- Lexikon: Koch, Dr. Richard
Dr. Richard Koch (*15. September 1834 Cottbus, ✝︎15. Oktober 1910 Berlin) war ein deutscher Jurist und Richter. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft und Stellen als Hilfsrichter und Richter in Ratibor, Halberstadt, Danzig und Berlin wurde er 1870 Justitiar der Preußischen Bank und später der Deutschen Reichsbank. Dr. Richard Koch als Reichsbankpräsident im Jahr 1897, nach einem Gemälde von Max Koner (1854–1900). 1886 erhielt Richard Koch die Ehrendoktorwürde der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Von 1887 bis 1890 war er Reichsbankvizepräsident und von 1890 bis 1908 Präsident der Deutschen Reichsbank. Seine Unterschrift befindet sich auf den deutschen Reichsbanknoten von 1891 bis 1907. Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 1000 Mark vom 1. Juli 1898 (DEU-14). Die erste Unterschrift mittig unten links ist die des damaligen Reichsbankpräsidenten Dr. Richard Koch. Mit der Verabschiedung in den Ruhestand wurde Koch 1908 in den Adelsstand erhoben. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Literaturempfehlung: Grabowski / Mehlhausen: Handbuch Geldscheinsammeln Ein Leitfaden für Geldscheinsammler und solche, die es werden wollen – Tipps, Tricks und Infos vom Fachmann Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-249-6 Auflage: Aktualisierte 2. Auflage 2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbige Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 224 Preis: 19,90 EUR Leseprobe Zum Shop
- Gewappnet für alle Fälle, Teil 1: Die Bundeskassenscheine
Ende der 1980er Jahre änderte sich die weltpolitische Lage grundlegend. Der "Kalte Krieg" schien der Vergangenheit anzugehören. Die Fertigstellung der neue Banknotenserie der Deutschen Bundesbank BBk III war abzusehen. In den Tresoren der Bundesbank lagerten aber noch immer die Sondergeldzeichen des Finanzministeriums aus den 1960er Jahren. Sie blockierten den dringend benötigten Platz. Mit Zustimmung des Bundesfinanzministers beschlossen am 27./28. November 1990 die Teilnehmer der 122. Sitzung des Arbeitsausschusses für Betriebsangelegenheiten der Deutschen Bundesbank (ABB), die eingelagerten Bundeskassenscheine vernichten zu lassen. Aufgrund der dezentralen Lagerung der Geldzeichen in über 40 Stellen der Bank, sollten sie aus wirtschaftlichen Gründen möglichst vor Ort über ortsansässige Aktenvernichtungsunternehmen vernichtet und entsorgt werden.[1] In Bayern war die Aktion bereits angelaufen, als Ende März 1991 die Bundesbankleitung in Frankfurt am Main aufgeschreckt wurde. Dr. Persijn, damaliger Chefredakteur des „GELDSCHEINSAMMLERS“, fragte bei der Bundesbank (H 231) an, was es mit den Bundeskassenscheinen zu 10 Pfennig auf sich habe. Ihm seien originale Pakete mit je 500 Scheinen angeboten worden. Er bat um nähere Angaben, um die ihm unbekannten Stücke erwerben oder zumindest in der Fachzeitschrift etwas darüber publizieren zu können. Nach interner Abstimmung in der Bank wurde er in einem Telefongespräch darauf hingewiesen, dass die Stücke nur auf unrechtmäßigem Weg an den Anbieter gelangt sein konnten. Daher wurde er gebeten, den Namen des Anbieters preiszugeben. Hierzu war er jedoch nicht bereit, versprach aber, den Anbieter der Scheine zur Rückgabe an die Bundesbank zu bewegen. Er könne nur so viel sagen, dass es sich hierbei um einen Sammler handele, der das Paket auf einem Flohmarkt für 2.000 DM erworben habe. Da die Bundesbank die Angelegenheit möglichst „geräuschlos“ beheben wollte, ging man darauf ein. Man bat ihn aber, zunächst auf eine Publikation zu verzichten. Dr. Alexander Persijn war seit November 1986 Chefredakteur der ersten Stunde des Magazins "Der Geldscheinsammler". Am Freitag, dem 5. April 1991, rief Dr. Persijn gegen 11.45 Uhr in Frankfurt an und teilte mit, dass er gerade mit der Post ein Express-Päckchen erhalten habe. Darin befand sich ein Geldscheinpaket mit Banderole und dem zweizeiligen Aufdruck „100 Deutsche Mark / in 1000 Scheinen zu 10 Pf“. An der Querseite der Banderole befanden sich zusätzlich ein Stempelabdruck „08. November 1965“ sowie zwei Zählerstempelabdrücke mit den Nummern „259“ und „235“. Beide Päckchen wurden durch eine Überbanderole umschlossen, die den dreizeiligen Aufdruck: „50 / Deutsche Mark / in 500 Scheinen zu 10 Pf“ trug. Wie telefonisch vereinbart, wurden die Geldscheine am 9. April bei Dr. Persijn in Germersheim abgeholt. Beim Durchzählen der Bundeskassenscheine in Frankfurt stellte sich jedoch heraus, dass die Päckchen statt der ursprünglich 1000 Scheine nur 999 enthielt. Sie wurden im Asservat des Geldmuseums unter Nr. 3761 hinterlegt. Dr. Persijn versicherte, dass er die Päckchen nicht geöffnet habe. Nur wenige Tage später versuchte ein unbekannter Mann auf der „NUMISMATA“ in München Bundeskassenscheine zu 5 Pfennig und 1 DM zu verkaufen. In den folgenden Monaten wurden auf Börsen und Flohmärkten immer wieder Bundeskassenscheine angeboten. Die Mitarbeiter der Bundesbank setzten alles daran, der abhanden gekommenen Scheine habhaft zu werden. So wandte man sich auch an die Papiergeldhändler und warnte vor einem Ankauf, da es sich bei den angebotenen Bundeskassenscheinen um Diebesgut handele und sie damit Hehlerware wären. Daraufhin verzichteten namhaften Händler auf den An- und Verkauf der Sonderzeichen und gaben bereits erworbene Scheine an die Bundesbank zurück. Ob die Münzen- und Geldscheinhandlung in Saulgau darüber nicht informiert war oder wissentlich Hehlerware in der Liste 15/1993 „Banknoten aus aller Welt – World paper money“ anbot (unter den Nummern 763510 und 763515 je einen Bundeskassenschein zu 10 Pfennig zu 30 DM und zu 2 DM zu 40 DM), sei dahingestellt. Als die Bundesbank vom Verkaufsangebot erfuhr, ließ sie die Scheine aber durch die Kriminalpolizei beschlagnahmen. Da die Büchse der Pandora nun einmal geöffnet war, ließ sich die Existenz der Bundeskassenscheine nicht mehr verheimlichen und diese boten Anlass zu den wildesten Gerüchten und Spekulationen. Händler und Sammler fragten immer häufiger bei der Bundesbank an, welche Bewandtnis es mit diesen Scheinen auf sich habe. Die Antwort aus Frankfurt fiel recht einsilbig aus: „Die Bundeskassenscheine waren vorgesehen als Münzersatz zur Vorsorge gegen mögliche Engpässe in der Versorgung mit Bundesmünzen, z. B. bei Kapazitätsproblemen der Münzstätten. Eine kleinere Menge wurde als sofort verfügbarer Handbestand ausgedruckt. [handschriftlich gestrichen, Anm. d. Verf.] Da zwischenzeitlich derartige Engpässe wegen der inzwischen vorhandenen Bestände der Bundesbank an Münzen und der erweiterten Kapazität der Münzstätten nicht mehr zu erwarten sind, werden die Bundeskassenscheine jetzt vernichtet.“ So die amtliche Sprachregelung nach einer vertraulichen Bundesbanksache vom 18. April 1991. Ob diese Sprachregelung auf Anweisung des Zentralbankrates, des Direktoriums oder des Bundesministers der Finanzen zurückgeht, ist nicht bekannt. Der Dezernent I informierte den Zentralbankrat erst am 18. April 1991 und den Finanzminister nur einen Tag früher über das Vorkommen der Bundeskassenscheine. Mittlerweile sind die Akten über die Bundeskassenscheine für die Öffentlichkeit freigegeben und im Historischen Archiv der Deutschen Bundesbank in Frankfurt/Main und im Bundesarchiv Koblenz einsehbar.[2] In einem handschriftlichen Papier vom 27. April 1990 werden die wirklichen Beweggründe für die Herstellung der Bundeskassenscheinen beim Namen genannt. Darin heißt es u. a.: „Erfahrungsgemäß werden in Spannungszeiten Münzen von der Bevölkerung gehortet. Die Bereitstellung ausreichender Bestände ist jedoch nicht möglich, da das erforderliche Rohmaterial den Münzstätten nicht zur Verfügung gestellt werden kann, sondern vermutlich für Kriegszwecke verwendet werden. In einer Krise werden Münzen zu 50 Pf, 1, 2, 5 DM wegen ihres Metallgehaltes vom Staat aus dem Verkehr gezogen (Aufruf der Münzen). Auch wenn inzwischen der Münzumlauf nach Aufhebung der Umlaufgrenze je Kopf der Bevölkerung anwuchs also eine gute Versorgung des Verkehrs mit Münzen besteht und die Metallzusammensetzung z. T. geändert wurde, kann nicht ohne weiteres gefolgert werden, daß in einem Kriegsfall kein Kleingeldmangel eintreten bzw. die umlaufenden Münzen als Münzreserve völlig bedeutungslos wird. … Im Zuge der Einführung von Warenbewirtschaftungsmaßnahmen nimmt der Verkehrsbedarf an Münzen aus folgenden Gründen weiter zu: Der Trend zu Barzahlungen verstärkt sich. Es wird auch dadurch begünstigt, daß die durchschnittliche Kaufsumme infolge der Bewirtschaftung stark zurückgeht, d. h. es wird zunehmend Klein- und Wechselgeld benötigt. Ist es schon während des Aufmarsches nicht einfach, Fahrzeuge, Kraftstoff, Bankpersonal und Begleitschutz zu haben, so gewinnt dieses Problem bei Kriegshandlungen weiter an Bedeutung, weil Verkehrswege zerstört sind und ein bewaffneter Begleitschutz nicht mehr gestellt wird (kein Kombattantenstatus). Örtliche Verknappungen können nicht ausgeschlossen werden.“ In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre bereitete das Bundesfinanzministerium „Maßnahmen zur Sicherstellung der Bargeldversorgung im Verteidigungsfall“ vor. In der diesbezüglichen Akte im Bundesarchiv Koblenz befindet sich auch ein Entwurf vom 5. August 1986 einer „Verordnung über die Ausgabe von Notgeld“, wobei mit Notgeld die Bundeskassenscheine gemeint sind. Entwurf vom 5. August 1986 einer „Verordnung über die Ausgabe von Notgeld“. Jedoch kamen Bedenken auf, ob die Verordnung so in West-Berlin übernommen werden könnte, da Art. 80 a des Grundgesetzes als Teil der Notstandsverfassung in Berlin nicht anwendbar sei. Überhaupt hatte die Bundesbank kein Interesse daran, die Angelegenheit zu vertiefen. Das Direktorium befürchtete, dass „diesbezügliche Aktivitäten im Falle einer Indiskretion die Gefahr von Mißverständnissen („Währungsschnitt“ u. ä.) in der Öffentlichkeit auslösen würden.“[3] Woher kam das plötzliche Interesse an dem Thema „Geldversorgung im Verteidigungsfall“ und an den „vergessenen“ Bundeskassenscheinen? Dies war weniger der weltpolitischen Lage geschuldet als einer Nato-Übung. Seit 1968 führte die NATO alle zwei Jahre Wintex-Cimex durch, so auch 1989 vom 24. Februar bis 9. März. Die als Stabsrahmenübung konzipierte Übung war kein Manöver, bei dem Truppen bewegt wurden, sondern in erster Linie eine Verfahrensübung, die es dem Nato-Bündnis ermöglichen sollte, politische und militärische Maßnahmen zur Krisenbewältigung abzustimmen, Verfahren zur Herstellung der Verteidigungsfähigkeit vorzubereiten, den Schutz und die Versorgung der Zivilbevölkerung sowie die zivil-militärische Zusammenarbeit zu erproben, so die Pressemitteilung der Bundesregierung.[4] Als das Bundesfinanzministerium am 12. Dezember 1963 im „Rahmen von Vorsorgemaßnahmen für den Notstand/Zivile Verteidigung“ die Bundesdruckerei in Berlin mit dem Druck von 352,5 Millionen Sonderzeichen – kurz SZ abgekürzt – im Gesamtbetrag von 115 Millionen DM beauftragte, herrschte eine frostige Stimmung zwischen den Großmächten. Berliner Mauerbau und Kubakrise lagen erst kurze Zeit zurück. Der Auftrag wurde am 23. Dezember 1963 von der Bundesdruckerei bestätigt. In den Jahren 1965 und 1966 wurden dann insgesamt 383.085.256 Bundeskassenscheine zu 5, 10 und 50 Pfennig sowie 1 und 2 DM gedruckt, von denen 371.750.000 Scheine für eine spätere Ausgabe durch die Bundesbank übernommen wurden. Im Einzelnen: Die Scheine sollten seitens der Bundesdruckerei verpackt geliefert werden, und zwar: SZ 5 und SZ 10: 500 Scheine je Streifband 2 Päckchen je Paket 5 Pakete je Kunststoffkästchen 20 Kästchen je Karton SZ 50: 200 Scheine je Streifband 5 Päckchen je Paket 5 Pakete je Kunststoffkästchen 12 Kästchen je Karton SZ 1 und SZ 2: 100 Scheine je Streifband 10 Päckchen je Paket 5 Pakete je Kunststoffkästchen 10 Kästchen je Karton Die Auslieferung der Sonderzeichen (SZ) erfolgte in Teilmengen: Bei den Scheinen zu 50 Pfennig geschah dies zwischen dem 12. März und 6. August 1965 in neun Lieferungen, bei den 10-Pf-Scheinen waren es 14 Lieferungen zwischen dem 20. August 1965 und 18. März 1966, während die Anlieferung der 5-Pf-Scheine in sechs Teilmengen im Zeitraum vom 25. März bis 6. Mai 1966 erfolgte. In acht Tranchen gelangten die 1-DM-Scheine in der Zeit vom 17. Mai bis 21. Oktober 1966 nach Frankfurt am Main. Über die Lieferung der SZ zu 2 DM liegen keine diesbezüglichen Angaben vor. Am 30. Oktober 1967 meldete die Deutsche Bundesbank dem Bundesfinanzministerium, dass der Druck der SZ abgeschlossen sei sowie deren Erhalt: Dem Bundesfinanzministerium wurde ferner mitgeteilt, „daß die Bestände ohne Nachzählung für die Auslagerung umgepackt“ würden, um anschließend als Wert-Asservate auf die Tresore der Landeszentralbanken verteilt zu werden. Über die bevorstehende Einlagerung in Holzkisten waren die Vorstände der Landeszentralbanken bereits am 14. August 1967 informiert worden. Da diese Holzkisten nicht die gleichen Maße wie die von der Druckerei gelieferten Kartons aufwiesen, änderte sich durch das Umpacken die Anzahl der Behältnisse. Sie wurden wie folgt auf die Landeszentralbanken verteilt: Es ist anzunehmen, dass Mitarbeiter der Bundesdruckerei die Bundeskassenscheine entworfen haben – Näheres ist nicht bekannt. Alle fünf Werte sind undatiert und ohne Unterschrift. Sie weisen sowohl auf der Vorder- wie auf der Rückseite einen ornamentalen Unterdruck auf. Die Vorderseite nennt neben dem Wert in Buchstaben die Währungsbezeichnung „Pfennig bzw. Deutsche Mark“, die Geldbezeichnung „Bundeskassenschein“ und den Emittenten „Bundesrepublik Deutschland“. Auf der Rückseite wird der Wert zusätzlich in Ziffern angegeben sowie der Hinweis „Geldfälschung wird mit Zuchthaus bestraft“. Die Nominale ab 50 Pfennig haben auf der Vorderseite eine rote, achtstellige Kontrollnummer mit einer vorgesetzten Serienziffer.[5] Alle Werte wurden auf weißem Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Die Formate werden mit zunehmenden Nominal größer. Der Druckbogen der SZ 5 enthielt 144 Nutzen, beim SZ 10 waren es 100, während 60 Scheine auf dem Druckbogen des SZ 50 gedruckt wurden und jeweils 48 Scheine enthielt der Bogen der Scheine zu SZ 1 und SZ 2. Abb. 1.1: Bundeskassenschein, o. D., 5 Pfennig, Vorderseite. Abb. 1.2: Bundeskassenschein, o. D., 5 Pfennig, Rückseite, Größe: 60 x 40 mm. Abb. 2.1: Bundeskassenschein, o. D., 10 Pfennig, Vorderseite. Abb. 2.2: Bundeskassenschein, o. D., 10 Pfennig, Rückseite, Größe: 70 x 45 mm. Abb. 3.1: Bundeskassenschein, o. D., 50 Pfennig, Vorderseite. Abb. 3.2: Bundeskassenschein, o. D., 50 Pfennig, Rückseite, Größe: 80 x 50 mm. Abb. 4.1: Bundeskassenschein, o. D., 1 DM, Vorderseite. Abb. 4.2: Bundeskassenschein, o. D., 1 DM, Rückseite, Größe: 90 x 55 mm. Abb. 5.1: Bundeskassenschein, o. D., 2 DM, Vorderseite. Abb. 5.2: Bundeskassenschein, o. D., 2 DM, Rückseite, Größe: 100 x 60 mm. Die Bundesregierung hatte sich am 18. März 1960 damit einverstanden erklärt, dass die Deutsche Bundesbank gemäß § 14 Abs. 1 Satz 4 Gesetz über die Deutsche Bundesbank auf 5 DM lautende Noten ausgibt, „soweit die Bedürfnisse des Verkehrs und die Versorgung der Bevölkerung mit kleinen Geldzeichen nicht durch Ausprägung entsprechender Scheidemünzen … befriedigt werden kann.“ Zwischen 1962 bis 1974 vergab die Bundesbank neun Aufträge zum Druck von 5-DM-Noten, dies entspricht etwa 2 Milliarden Noten. „Der Umlauf an 5-DM-Noten, die in Konkurrenz zu den 5-DM-Münzen stehen, zeigt – nach anfänglich steigender Tendenz – seit 1970 eine rückläufige Entwicklung.“ So betrug der Umlauf an 5-DM-Noten am 30. November 1979 136,6 Mio. DM, während der Umlauf an 5-DM-Münzen zum gleichen Zeitpunkt 2.593,4 Mio. DM betrug. Bei ihrer Sitzung am 27. September 1979 beschloss daher der Zentralbankrat, auf die weitere Herstellung von 5-DM-Noten zu verzichten, zumal „mit dem Einstellen des Nachdrucks von 5-DM-Noten .. die Bank nicht nur dem Bedürfnis des Zahlungsverkehrs, sondern auch der Grundkonzeption des Gesetzgebers folgen [würde].“ Vereinzelt wurden Stimmen laut, die nun den Druck von Bundeskassenscheinen zu 5 DM als Reserve forderten. Bundesbank-Direktorium und Bundesfinanzministerium waren jedoch der Meinung, dass die Reserven an 5-DM-Noten ausreichen würden, zumal der Zentralbankrat in der 552. Sitzung am 13. März 1980 beschloss, „Vorschläge für die Ausgabe von neuen Bundesbanknoten zu DM 5 bis DM 1000 (BBk III) [zu] erarbeiten.“[6] Das Auftauchen der Bundeskassenscheine in numismatischen Fachkreisen (s. o.) veranlasste die Teilnehmer der 123. Sitzung des ABB am 25. April 1991 die Vernichtung der Sonderzeichen zu stoppen. Die jeweiligen Revisionsabteilungen der Landeszentralbanken (LZBs) wurden aufgefordert, ihre Bestände zu kontrollieren und ggf. die bisherige Praxis der Vernichtung zu überprüfen. Ein Hintergedanke hierbei war sicherlich auch, dabei die Quelle zu ermitteln, aus der die im Handel angeboten Scheine stammten. Vom 17. bis 29. April 1991 prüften Bundesbankdirektor Adam und Bundesbankinspektor z. A. Theobald die Asservatenbücher in Frankfurt am Main. Der Bericht der Hauptabteilung Revision lag im April/Mai 1991 vor. Danach waren auf dem Bankgelände der LZB Bayern bereits Sonderzeichen mit einem mobilen Schredder eines Aktenvernichtungsunternehmens vernichtet und anschließend im städtischen Heizkraftwerk verbrannt worden. Auch bei der LZB Nordrhein-Westfalen hatte ein Aktenvernichtungsunternehmen mit der Arbeit begonnen. Die Schredderung konnte hier durch ein Glasfenster beobachtet werden. Das Schreddergut wurde anschließend mit anderem Material verwirbelt und dem Papier-Recycling zugeführt. Die Firma Swoboda-Dassler aus Ratingen verlangte für die Vernichtung des Inhalts eines Rollbehälters 119,70 DM (netto 105 DM + 14 % Umsatzsteuer = 14,70 DM), wenn Beamte des Geldbearbeitungsdienstes bei den Zweiganstalten die SZ-Kisten öffneten und den Inhalt der Kisten in die Rollbehälter füllten. Der Rollbehälter nahm in diesem Fall den Inhalt von 8 – 10 SZ-Kisten auf, also zwischen 400.000 und 1.000.000 Scheine. Sollten die Rollbehälter dagegen mit verschlossenen SZ-Kisten beladen werden, die anschließend für das Schreddern von Mitarbeitern des Entsorgungsunternehmens geöffnet und vernichtet werden, so wurden 176,70 DM (155,00 DM + 14 % Umsatzsteuer = 21,70 DM) verlangt. Der Rollbehälter nahm in diesem Fall auch nur vier SZ-Kisten auf. Bei der LZB Rheinland-Pfalz waren bereits 200 SZ-Kisten mit einem hauseigenen Schredder vernichtet worden. Da noch größere Partikel vorgefunden wurden, beabsichtigte man das Schreddergut in der städtischen Müllverbrennung zu verbrennen. Mit der Umverpackung der Bundeskassenscheine in Packbeutel hatte man bei der LZB Schleswig-Holstein begonnen, während die LZB Berlin ihre Bestände zur Vernichtung an die LZB Hamburg geliefert hatte. Die restlichen LZBs hatten mit der Aktion noch nicht begonnen. Die Prüfer kamen zu dem Schluss, dass die vorgelegten Akten nicht mehr vollständig waren. „Ob Teile des Aktenmaterials wegen Zeitablauf bereits vernichtet worden sind, konnte uns nicht nachgewiesen werden.“ Während die Bestände der LZBs anhand ihrer Mitteilungen geprüft wurden, konnten die 570 in Frankfurt gelagerten Kisten in Augenschein genommen werden. 567 davon waren jeweils mit zwei Metallbändern verschlossen und mit der Plombe Nr. 18 versehen. „Die dazugehörende Plombenzange wurde 1988 vernichtet. Drei Kisten waren geöffnet worden, und zwar eine Kiste mehrmals, zuletzt im Jahre 1982. Nach der letzten Öffnung war sie mit zwei Metallbändern verschlossen und verplombt (Plombenzange Nr. 17) worden; zwei Kisten waren 1990 geöffnet worden und sind seitdem mit zwei Metallbändern verschlossen.“ Im Bericht heißt es weiter: „Die drei geöffneten Kisten haben wir am 22. April 1991 geöffnet und den Inhalt auf seine Vollständigkeit geprüft. Hierbei haben wir den Inhalt der beiden mit Sz 2 gekennzeichneten Kisten vollständig maschinell durchgezählt. Den Inhalt der mit Sz 5 gekennzeichneten Kiste haben wir nur überschläglich aufgenommen. Es ergaben sich keine Bemerkungen.“ Der Inhalt von drei anderen Kisten soll hier genauer betrachtet werden. Die Kisten Nummer 27, 222 und 300 enthielten lt. Inhaltsverzeichnis: 4 Astralon-Kopien Nr. 1 bis 4 vom Wertabschnitt zu 5 Pf 4 Astralon-Kopien Nr. 5 bis 8 vom Wertabschnitt zu 10 Pf 4 Astralon-Kopien Nr. 9 bis 12 vom Wertabschnitt zu 50 Pf 4 Astralon-Kopien Nr. 13 bis 16 vom Wertabschnitt zu 1 DM 4 Astralon-Kopien Nr. 17 bis 20 vom Wertabschnitt zu 2 DM 1 Mustermappe: Inhalt 12 Blatt mit Anweisungen und Mustern für den Nachdruck von Bundeskassenscheinen. Um die Versorgung mit Bundeskassenscheinen jederzeit sicherstellen zu können, hatte die Bundesdruckerei 300 Druckbehelfe hergestellt, mit denen private Offsetdruckereien die Scheine nachdrucken konnten. Sie waren im Januar 1968 nach Frankfurt geliefert worden und lagerten zum Zeitpunkt der Prüfung im Asservat Nr. 21. Auch der „Bericht über das Ergebnis der aus gegebenen Anlaß durchgeführten Bestandsaufnahme an Bundeskassenscheinen (Sonderzeichen) und Prüfungen durch die Revisionsabteilungen der Landeszentralbanken und des Direktoriums“ vom 28. Juni 1991 enthält keinen Hinweis darauf, woher die Scheine stammen, die auf den Sammlerbörsen angeboten wurden. Lediglich einige interessante Anmerkungen zur Vernichtungsaktion finden sich hier. In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden die Arbeiten von jeweils zwei bzw. drei Mitarbeitern begleitet und ordnungsgemäß protokolliert, während im Prüfungsbericht der LZB Bayern folgendes festgehalten wurde: „Die Durchführung der Vernichtung oblag einem Angehörigen der Organisationsabteilung, der zeitweise Bestände unter Alleinverschluß hatte und die alleinige Aufsicht führte. Es liegen keine Anzeichen dafür vor, daß er unerlaubte Veränderungen vorgenommen hat. Wir sehen deshalb von einer nachträglichen Prüfung der Vorgehensweise bei der Vernichtung ab.“ Diese Antwort macht stutzig, da die Vernichtung von Geldscheinen stets durch mindestens zwei Mitarbeiter überwacht werden sollte. Auch berichtete der damalige Papiergeldhändler Holger Rosenberg, Hamburg, Herrn Leue von der Bundesbank, dass ihm im vergangenen Jahr ein Paket mit 10-Pfennig-Scheinen zum Preis von 3.000 DM (Stückpreis: 3 DM) von einem Angehörigen der LZB München, dessen Namen er aber nicht preisgeben wolle, angeboten worden sei. Da ihm die Scheine unbekannt gewesen waren, habe er den Verkäufer gebeten, einen Ankaufsbeleg mit dem Passus zu unterschreiben, dass die Stücke Eigentum des Verkäufers seien. Da der Anbieter dies ablehnte, habe er vom Ankauf abgesehen. Herr Leue wandte sich daraufhin am 30. Januar 1992 an die LZB München und informierte den Hauptabteilungsleiter Revision Bäumer über das Telefongespräch mit Herrn Rosenberg. Es wurde vereinbart, Stillschweigen zu bewahren und das Ergebnis der Revision der LZB München abzuwarten. In den Akten findet sich nichts darüber, ob ein Schuldiger ermittelt wurde. Festzuhalten ist, dass laut Schreiben der beteiligten LZBs die Vernichtung in der Zeit vom 5. November 1991 bis 24. November 1993 abgeschlossen wurde. Mit Schreiben vom 12. Januar 1994 informierte die Bundesbank das Finanzministerium über den Abschluss der Vernichtungsaktion. Bleibt noch anzumerken, dass das Bundesfinanzministerium der Bundesbank erlaubte, zwei komplette Sätze für Archivzwecke aufzubewahren. Obwohl sich an der rechtlichen Situation nichts geändert hat, gaben irgendwann Bundesfinanzministerium und Deutsche Bundesbank den Kampf auf, die gestohlenen Scheine zurückzufordern. Es ist nicht bekannt, wie viele Bundeskassenscheine in Sammlerhände gelangten. Sieht man vom 50-Pfennig-Schein ab, der meines Wissens nach so gut wie nie angeboten wurde, sind die übrigen vier Werte heute leicht zu „erwerben“. Der 10-Pfennig-Schein ist bei ebay bereits für unter 10 € zu bekommen. Erheblich seltener sind die Scheine zu 5 Pfennig und 1 DM. Sie werden wie auch der 2-DM-Schein meist zu Preisen um 40 € offeriert. An dieser Stelle danke ich Herrn Reibe vom Historischen Archiv der Deutschen Bundesbank für die freundliche Unterstützung. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Dem Bericht liegt, wenn nichts anderes vermerkt ist, die Akte B330/65108 des Historischen Archivs der Deutschen Bundesbank zugrunde. [2] Historisches Archiv der Deutschen Bundesbank, B330/65108 und BA Koblenz, B126/346494. [3] BA Koblenz, B126/346494. [4] Bulletin 18-89 vom 22. Februar 1989, PER E-MAIL TEILEN, NATO-STABSRAHMENUEBUNG WINTEX-CIMEX 89 PER FACEBOOK TEILEN, NATO-STABSRAHMENUEBUNG WINTEX-CIMEX 89 https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/nato-stabsrahmenuebung-wintex-cimex-89-782484 (06.08.2024) [5] Hans Ludwig Grabowski gibt in seinem Katalog beim SZ 50 die Serien 1, 2, 3, 4, beim SZ 1 die Serien 1, 2, 3, 4, 5, 6 und beim SZ 2 die Serien 1, 2 an. Darüber hinaus soll es von diesen drei Werten Austauschnoten geben, die statt der Serienziffer einen Stern tragen. „Die deutschen Banknoten ab 1871. Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine, 23. überarbeitete und erweiterte Auflage, Regenstauf 2023, Kat.-Nr. BRD-68 bis BRD-70, S. 312.“ Die vorliegenden Akten haben hierzu keine Angaben. [6] Hist. Archiv der Deutschen Bundesbank, B330/64854.
- Lexikon: Knapp, Georg Friedrich
Georg Friedrich Knapp (*7. März 1842 Gießen, ✝︎20. Februar 1926 Darmstadt) war ein bedeutender deutscher Nationalökonom und Professor der Staatswissenschaften an der Universität in Straßburg. Porträt von Georg Friedrich Knapp aus "Alte Straßburger Universitätsreden", Tafel VII., Elsaß-Lothringen-Institut Frankfurt am Main 1932 sowie Titel von Knapps Buch "Staatliche Theorie des Geldes", 4. Auflage 1923. Knapp trat in seinem erstmals 1905 erschienenen Buch "Staatliche Theorie des Geldes" in Gegensatz zu der Matallistischen Theorie und vertrat die Nominalistische Geldtheorie. Damit begründete er den Geldwert nicht durch seinen Materialwert, sondern als "Geschöpf der Rechtsordnung" und entkräftete damit auch das Hauptargument der Gegner des Papiergeldes, dass dies im Grunde wertlos sei, da es im Gegensatz zu Silber- und Goldmünzen über keinen Materialwert verfüge. Der deutsche Soziologe und Nationalökonom Max Weber (1864–1920) nannte Knapps Buch „formell und inhaltlich eines der größten Meisterstücke der deutschen schriftstellerischen Kunst und wissenschaftlichen Denkschärfe.“ Im Februar 2017 wurde die Georg-Friedrich-Knapp-Gesellschaft für Politische Ökonomie e. V. (GFKG) gegründet. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Literaturempfehlung: Grabowski / Mehlhausen: Handbuch Geldscheinsammeln Ein Leitfaden für Geldscheinsammler und solche, die es werden wollen – Tipps, Tricks und Infos vom Fachmann Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-249-6 Auflage: Aktualisierte 2. Auflage 2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbige Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 224 Preis: 19,90 EUR Leseprobe Zum Shop
- Wahre Verbrechen: Die „Cooper-Dollars“
Am 9. Februar 1980 machte Brian Ingram im Nordwesten der USA einen aufsehenerregenden Fund: Am Ufer des Columbia River entdeckte der damals Achtjährige 290 20-Dollars-Noten der Federal-Reserve-Banken im Sand. Beim Anlegen einer Feuerstelle für das Wochenend-Picknick der Familie zog er drei Pakete mit größtenteils beschädigten Geldscheinen zwischen den Steinen hervor. Seine Mutter rief später den örtlichen Sheriff Tom McDowell an, las die Kontrollnummern der Scheine ab, und von da an begannen umfangreiche Ermittlungen des FBI unter dem Codenamen „Norjak“ (= North Hijacking). Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Oregon und im Staat Washington, und schon am 13. Februar 1980 berichtete u.a. die „Muncie Evening Press“ unter der Überschrift „Kiddies find bills of D.B. Cooper loot in sand“ (= Kinder finden Geldscheine von D.B. Coopers Beute im Sand). Aber welche Scheine waren das? Es waren die 20-Dollars-Scheine, die ein gewisser Dan Cooper 1971 vom Staat erpresst hatte. Am Vorabend des US-amerikanischen Erntedankfestes (Thanksgiving), dem 24. November 1971, bestieg ein Mann mittleren Alters in Portland, Oregon, ein Flugzeug der Northwest Orient Airlines. Er buchte für 20 US-Dollars ein One-Way-Ticket nach Seattle und gab als Namen Dan Cooper an. Das war natürlich falsch. Auf dem Flug 305 gab er einer Stewardess einen Zettel. Darauf stand: „Miss, ich habe eine Bombe und möchte, dass Sie sich neben mich setzen“. Er öffnete seine billige Aktentasche. Darin befanden sich mehrere rot gefärbte Drähte und Stäbe. Flugbegleiterin Tina Mucklow musste aufschreiben, was er forderte: vier Fallschirme und 200.000 US-Dollars Lösegeld in 20-Dollars-Scheinen – zu übergeben bei der Landung. Und die Boing 727 sollte aufgetankt werden für den Weiterflug nach Mexico City. Abb.1: auch das „Oregon Journal“ berichtete am 25. November 1971 von der Lösegeld-Erpressung. Nach der Landung in Seattle ließ der Entführer die 36 Passagiere frei und nahm das geforderte Geld, die Fallschirme und die Vorräte in Empfang – drei Piloten und eine Flugbegleiterin mussten als Geiseln im Flugzeug zurückbleiben. Die Maschine startete am Abend in Richtung Süden. Nach einer Dreiviertelstunde Flugzeit – gegen 20 Uhr und irgendwo zwischen Seattle und Reno – schickte Cooper die Stewardess ins Cockpit mit der Anweisung, eine der Luken zu öffnen. Er band die Segeltuchtasche mit den 10.000 Banknoten an einen der Fallschirme ... und sprang mit dem zweiten aus rund 3.000 Metern Höhe in die Nacht. Seitdem hat man den Erpresser nie wieder gesehen, noch hat man je wieder von ihm gehört. Unmittelbar nach der Landung des Flugzeugs und ersten Untersuchungen wurden eine Lockheed C-130 und ein Hubschrauber eingesetzt. Zusätzlich durchsuchten etwa 1.000 Soldaten zu Fuß das vermutete Absprunggebiet. Ein streng geheimes Spionageflugzeug SR-71 kam ebenfalls zum Einsatz, um die gesamte Flugroute zu fotografieren, doch von D.B. Cooper wurde nie eine Spur entdeckt. In den folgenden fünf Jahren wurden mehr als 800 Verdächtige in Betracht gezogen und bis auf zwei Dutzend wieder verworfen. Keiner konnte jedoch anhand von DNA-Spuren identifiziert werden. Erst nach dem Fund der Geldscheine am Columbia River wurde die Suche wieder intensiviert. FBI-Agenten gruben später auf der Fazio Ranch, fünf Meilen westlich von Vancouver, WA, weitere nasse 20-Dollars-Scheine am Flussufer aus. Das FBI hatte schon bald nach dem aufgedeckten Verbrechen Listen mit allen Kontrollnummern veröffentlicht; es handelte sich immer um die Ausgaben 20 Dollars Federal Reserve Noten der Drucktypen 1963 A und 1969. Vergleichsscheine: Abb. 2: 20 Dollars 1963A, Vs., Unterschriftenkombination Kathryn (Elizabeth) O‘Hay Granahan (U.S.Treasurer) und Joseph Walker Barr (Secretary of the Treasury), gemeinsame Amtszeit vom 23. Dezember 1968 bis 20. Januar 1969. Abb. 3: 20 Dollars 1969, Vs., Unterschriftenkombination Dorothy Andrews Elston (U.S.Treasurer) und David Matthew Kennedy (Secretary of the Treasury), gemeinsame Amtszeit vom 8. Mai 1969 bis 16. September 1970. Abb. 4: 20 Dollars 1963A und 1969, Rs., White House Washington/DC. Abb. 5: eine der Listen mit den Kontrollnummern aller Lösegeld-Scheine; unter https://vault.fbi.gov/D-B-Cooper /D.B. Cooper Part 01-10/view findet man weitere Listen. Abb. 6: Veröffentlichung von Lösegeld-Scheinen der Ausgabe 1969 in der „Los Angeles Times“ vom 21. Oktober 1972, Seite 40. Das gefundene Geld war bis 1986 in Gewahrsam staatlicher Stellen, danach entschied ein Gericht, es unter Ingram, dem FBI sowie der Northwest Airlines und deren Versicherungsgesellschaft aufzuteilen. Von den 5.800 US-Dollars, die Brian Ingram fand, durfte er 3.000 US-Dollars behalten. Er verkauft alle Banknoten mit lesbaren Kontrollnummern, darunter nur 15 „ganze Scheine“ für 37.000 US-Dollars, die an den Rändern beschädigt waren, sowie zehn „halbe Scheine“, die noch weiter beschädigt waren. Den Rest der 125 Scheine – eigentlich konfettiähnliche Papierfetzen – behielt der heute 52-Jährige. Abb. 7: Fragment einer der Lösegeld-Scheine mit der Kontrollnummer 45632911 B, Ausgabe FRB Chicago mit SBst. G, Typ 1963A. Abb. 8: Fragment einer der Lösegeld-Scheine mit der Kontrollnummer 47621840 A, Ausgabe FRB San Francisco mit SBst. L, Typ 1969. Abb. 9: Brian Ingram mit Fragmenten seiner gefundenen 20-Dollars-Noten. 2023 traf sich Brian Ingram mit den Investigativ-Journalisten Josh Gates am Strand des Columbia Rivers und zeigte ihm den Fundort von 1980. Allgemein herrscht die Annahme, dass die „Cooper-Dollars“ in der Nähe von Tena Bar am gegenüber liegenden Ufer aufs Land trafen, aber die Lage durch Bagger-Arbeiten am Columbia River oder durch die Überschwemmungen von 1979 verändert wurde. Ingram gab nochmals Auskunft: „Ich fand drei Bündel mit 20-Dollars-Scheinen im Wert von insgesamt 5.800 Dollars. Sie wurden entdeckt, als ich für ein Familienpicknick eine flache Stelle im Sand freikratzte, um ein Feuer zum Braten von Hot Dogs zu machen. Die Bündel lagen leicht schief übereinander und waren außerdem mit einem intakten Gummiband umwickelt. Die Scheine waren an den Rändern abgenutzt und sahen verwittert aus, als wären sie eine Zeit lang im Sand vergraben gewesen. Mit meinen Eltern Dwayne und Patricia und meiner Cousine Denise haben wir den Strand nach weiteren Scheinen abgesucht. Wir wollten mehr Geld finden, haben aber nichts mehr gefunden. Wir haben die Scheine mitgenommen, aber bei jedem Versuch, sie auseinanderzuziehen zerbrachen sie in Stücke. Meine Mutter versuchte, das Geld in der Küchenspüle einzuweichen, aber es ließ sich nicht trennen. Sie fügte bei ihrem Versuch Spülmittel und sogar Clorox hinzu, weil wir hofften, das Geld zu einer Bank bringen und einlösen zu können. ... Später gab es ein Gespräch mit FBI-Agent Ralph Himmelsbach in Portland.“ Abb. 10: Brian Ingram (rechts) zeigt dem Chef des Investigativ-Teams Josh Gates (links) und Joe Koenig die Fundstelle von 1980. Abb. 11: Karte vom Columbus River, links Oregon/rechts Washington State, mit der Fundstelle (roter Punkt) und der Flugroute (rote Linie); irgendwo hier sprang der Erpresser im stürmischen Regen in die Tiefe. Dutzende von FBI-Agenten, Zeitungsreporter und Kamerateams waren dann bei Tena Bar eingetroffen und fanden weitere Teilstücke der Scheine im Umkreis von 20 Meter und in einer Tiefe bis zu einem Meter. Im Pfandhaus Pawn Stars Las Vegas/NV wechselte 2018 ein Fragment-Schein für 1.600 US-Dollars den Besitzer. Ein erstaunlicher Preis für einen Schein in wahrlich nicht sammelwürdiger Erhaltung, aber mit einer faszinierenden Geschichte. Abb. 12: vom FBI gezeigte Teilscheine der Ausgaben 1963A und 1969. Das FBI recherchierte von November 1971 bis zum Mai 1992; dann wurde die Suche beendet. In all den Jahren ließen sich viele Menschen in den USA bei Banken größere Geldbeträge nur in 20-Dollars-Scheinen auszahlen – in der Hoffnung, einen „Cooper-Schein“ zu finden und dafür die ausgelobte Belohnung von 1.000 US-Dollars zu erhalten. Michael H. Schöne Quellen: Chris Bradford „Lucky Find“, in „The Sun U.S.“ vom 18. Februar 2024 https://archives.fbi.gov https://en.wikipedia.org https://www.newspapers.com https://www.thedbcooperforum.com https://www.the-sun.com
- Das deutsche Kriegsschiff "Hindenburg" und seine Gutscheine
Bei strahlendem Sonnenschein lichteten am 19. November 1918 gegen 13.30 Uhr in Wilhelmshaven 14 Großkampfschiffe der ehemals kaiserlichen Hochseeflotte, dazu sieben Kreuzer und 50 Torpedoboote – der damals in Deutschland übliche Name für Zerstörer – die Anker und nahmen Kurs in die Nordsee. Ihr angebliches Ziel: neutrale Häfen, in denen sie interniert werden sollten. Abb. 1: In Kiellinie fährt die Hochseeflotte im November 1918 nach Scapa Flow. Quelle: Wikimedia / Public Domain. Foto restauriert mit KI. Matthias Erzberger hatte als Unterhändler der neuen Reichsregierung am 11. November 1918 im Wald von Compiègne die Bedingungen des Waffenstillstands akzeptieren müssen. Paragraf 23 sah vor, dass alle deutschen U-Boote, sechs Schlachtkreuzer, zehn Linienschiffe, acht Kreuzer und 50 Zerstörer der jeweils modernsten Bauart abzuliefern seien. Welche Schiffe davon betroffen waren, legten Marine-Experten der Siegermächte fest. Sie waren wohl gut informiert, denn sie benannten tatsächlich die kampfstärksten und neuesten deutschen Schlachtkreuzer: S.M.S Derfflinger, S.M.S. Hindenburg, [1] dazu ihre Vorläufer S.M.S. von der Tann, S.M.S. Moltke und S.M.S. Seydlitz. Der sechste beanspruchte Schlachtkreuzer, die S.M.S. Mackensen war noch nicht fertig und in Dienst gestellt. Stattdessen forderte man die S.M.S. Baden. Sie folgte dem Rest der Flotte am 7. Januar 1919. Die deutschen Schlachtkreuzer hatten die Royal Navy im einzigen großen Seegefecht des Ersten Weltkriegs, der Schlacht in der Skagerrak-Straße am 31. Mai und 1. Juni 1916, in Panik versetzt. Vor allem die schnellen, wie feuerstarken Schiffe hatten sich ihren direkten britischen Konkurrenten deutlich überlegen gezeigt. Nur ein deutscher Schlachtkreuzer, die S.M.S. Lützow war so schwer beschädigt worden, dass sie aufgegeben werden musste. Hingegen waren drei britische Großkampfschiffe, die HMS Queen Mary, die HMS Indefatigable und die HMS Invincible während des Gefechts explodiert. Abb. 2: 1914: Die "Hindenburg" im Bau auf der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven. Foto restauriert mit KI. Abb. 3: Stapellauf der "Hindenburg" 1915. Foto restauriert mit KI. Die Kiellegung der "Hindenburg" erfolgte am 1. Oktober 1912 auf der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verzögerte die Fertigstellung, da zunächst die Schiffe der Reserveflotte auf der Werft aufgerüstet werden mussten. Nach dem Stapellauf am 1. August 1915 dauerte es noch fast zwei Jahre, bis sie am 10. Mai 1917 in Dienst gestellt wurde. Die S.M.S Hindenburg war das letzte Großkampfschiff der Kaiserlichen Marine, das fertiggestellt wurde. Die Baukosten für das 212,8 m lange und 29 m breite Schiff betrugen 59 Millionen Mark. Haushaltsrechtlich galt sie als Ersatzbau für den Großen Kreuzer Hertha. Mit 72.000 Wellen-PS hatte die Hindenburg die stärkste Maschinenleistung aller Schiffe der Kaiserlichen Marine. Mit den 14 Marinekessel und 2 Marineturbosätzen erreichte das Schiff wie die "Seydlitz" eine Höchstgeschwindigkeit von rund 29 Knoten. Bewaffnet war das Schiff mit 8 x 30,5 cm Schnellladekanonen 12 x 15,0 cm Schnellladekanonen und 4 x 8,8 cm Flakgeschützen sowie 4 Torpedorohren. Die Panzerung erreichte stellenweise 300 mm. Das Schiff hatte eine maximale Verdrängung von 31.500 t. Die Besatzung bestand aus 1.182 Mann. [2] Nach Abschluss der Probe- und Ausbildungsfahrten wurde Wilhelmshaven der Heimathafen. Hier löste sie die S.M.S. Seydlitz als Flaggschiff des Befehlshabers der Aufklärungsschiffe und Führers der I. Aufklärungsgruppe, Vizeadmiral Ritter von Hipper, ab. Die I. Aufklärungsgruppe bestand damals aus S.M.S. Hindenburg, S.M.S. Derfflinger, S.M.S. Seydlitz, S.M.S. Moltke und S.M.S. von der Tann. Als am 17. November 1917 starke britische Seestreitkräfte (fünf Großkampfschiffe sowie eine größere Zahl Kleiner Kreuzer und Zerstörer) versuchten, in die Deutsche Bucht einzubrechen, kam es zu Kampfhandlungen mit den deutschen Vorpostenschiffen. Als die S.M.S. Hindenburg und die S.M.S. Moltke auf dem Kampfschauplatz erschienen, suchten die Briten das Weite. Nur ein Jahr später befand sich die S.M.S. Hindenburg, nun nur noch Kriegsschiff Hindenburg, mit den meisten deutschen Schiffe der Hochseeflotte auf dem Weg in die „Internierung“. Das Kommando über den sich mehr als 50 Kilometer erstreckenden Trauerzug hatte Konteradmiral Ludwig von Reuter. Als Kapitän der "Derfflinger" und Geschwaderchef hatte er an der Skagerrakschlacht teilgenommen. 1918 wurde er Befehlshaber der schnellen Kräfte der Hochseeflotte, vor allem der Schlachtkreuzer. In dieser Funktion übernahm er die traurige Aufgabe die deutschen Schiffe zu überführen. Da angeblich für die Internierung keine ausreichend große Anzahl von Liegeplätzen in neutralen Häfen zur Verfügung standen, sollte die deutsche Flotte auf Anweisung der Royal Navy den Firth of Forth in Ost-Schottland ansteuern. Hier liefen den deutschen Schiffen britische Kreuzer und Schlachtschiffe entgegen und nahmen sie in die Mitte. Schließlich kam die Anweisung, weiter nach Norden zu dampfen, in die Bucht von Scapa Flow zwischen den Orkney-Inseln, dem Hauptstützpunkt der Royal Navy. Hier forderte der Oberbefehlshaber der britischen Grand Fleet, Admiral David Beatty, ultimativ, die Kriegsflagge der Marine zu streichen. Eine weitere bewusste Demütigung. Abb. 4: S.M.S. Hindenburg und im Hintergrund S.M.S. Derfflinger mit anderen Schiffen der deutschen Hochseeflotte in Scapa Flow. Foto restauriert mit KI. In den folgenden gut sieben Monaten geschah nichts. Die deutschen Schiffe lagen mit Rumpfmannschaften in der Weite von Scapa Flow vor Anker und die Kessel wurden regelmäßig angefeuert, um sie betriebsbereit zu halten. Am 21. Juni 1919, dem Tag der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, gab Admiral Ludwig von Reuter den seit Monaten vorbereiteten Befehl zur Selbstversenkung der Schiffe. Zuerst schwankte S.M.S. Friedrich der Große. Kurz gegen zwölf Uhr Ortszeit neigte sich das ehemalige Flaggschiff der deutschen Hochseeflotte, gerade etwas mehr als sechs Jahre alt, unter gleichzeitigem Tiefersinken mehr und mehr zur Seite. Abb. 5: Konteradmiral Ludwig von Reuter (1869-1943) hatte die "schaurige Aufgabe", die Kapitulation der Flotte zu vollziehen, Quelle: Wikimedia / Public Domain. Foto restauriert mit KI. In den folgenden vierdreiviertel Stunden gingen fünf moderne Schlachtkreuzer, neun weitere Großlinienschiffe, von denen keines vor 1912 in Dienst gestellt worden war, fünf Kleine Kreuzer und 32 Große Torpedoboote unter. Als letztes Schiff sank um 17 Uhr die S.M.S. Hindenburg, das letzte im Ersten Weltkrieg fertig gestellte deutsche Großkampfschiff, das niemals an einem Seegefecht teilgenommen hatte. Abb. 6: Die Aufbauten der "Hindenburg" nach der Selbstversenkung in Scapa Flow. Auffällig sind der markante Dreibeinmast zwischen der unter Wasser liegenden Kapitänsbrücke und dem ersten Schornstein sowie der im Vergleich schlanke Röhrenmast am zweiten Schornstein. Foto restauriert mit KI. Von 1925 an wurden mehrere Bergungsversuche durch die Briten unternommen, aber erst 1930 wurde das Wrack der "Hindenburg" gehoben, nach Rosyth geschleppt und 1931/32 abgewrackt. Abb. 7.1/2: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“, 25. Februar 1919, 50 Pfennig, Vorder- und Rückseite. Abb. 8.1/2: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“, 25. Februar 1919, 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 9.1/2: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“, 25. Februar 1919, 5 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 10.1/2: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“, 25. Februar 1919, 20 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 11.1/2: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“, 25. Februar 1919, 50 Mark, Vorder- und Rückseite. Abb. 12: Stempel der Hindenburg. Durchmesser: 37 mm. Von der Hindenburg sind folgende Gutscheinwerte bekannt: 50 Pfennig, 1, 5, 20 und 50 Mark. Alle Scheine haben – abgesehen von der Wertangabe – den selben Text-Aufdruck in Frakturschrift: Gutschein des Kriegsschiffes „Hindenburg“ | über | Wertangabe (auf einem ornamentalen Unterdruck) | Gegen Ablieferung dieses Gutscheines zahlt die Kassen- | verwaltung „Hindenburg“ obigen Betrag. Dieser Schein gilt | nur an Bord „Hindenburg“ und ist bei Abkommandierung | des Inhabers bei der Kassenverwaltung einzutauschen. | 25. Februar 1919. – Die Kassenverwaltung | faksimilierte Unterschrift (A. Paeßcke?) | Marine-Stabszahlmeister.“ Alle Scheine erhielten einem schwarzen Stempelabdruck, der in der Mitte den bekrönten Adler auf einem Anker stehend – bekannt auch von den Cent-Münzen aus Kiautschou – zeigt. Am oberen Rand „ . KAISERLICHE MARINE .“ und am unteren Rand „KASSENVERWALTUNG S.M.S. HINDENBURG“ . Der Stempel hat einen Durchmesser von 37 mm. Das Ganze wird umschlossen von einem Zierrahmen. Den Unterdruck bilden kleine grüne Quadrate, die selbst durch sich kreuzende senkrechte und waagerechte Linien ausgefüllt sind. Die Rückseite weist nur den beschriebenen Unterdruck auf. Das Farbspektrum des grünen Unterdrucks reicht von hellgrün bis olivgrün. Die Schriftfarbe ist bei allen Werten verschieden: der Text bei den Scheinen zu 50 Pfennig ist violett, beim Schein zu einer Mark schwarzbraun, beim 5er dunkelblau, beim Wert zu 20 Mark orangerot und beim Gutschein zu 50 Mark grün. Die Scheine weisen eine einheitliche Größe von ca. 122 mm x 80 mm auf. Gedruckt wurden die Scheine auf festerem Papier mit dem Wasserzeichen „Wellenbündel“. Keller beschreibt es folgendermaßen: Die Papierfabrik Poensgen & Heyer in Letmathe führt ein Muster aus hellen Wellenlinien, von denen je 2 mit 2 mm Abstand parallel laufen, jedoch entgegengesetzt den benachbarten -Paaren; Wellental der einen Linie berührt sich mit dem Wellenberg der anderen, doch nicht genau mit den Höhepunkten, sondern ein wenig seitlich verschoben. In die dadurch gebildeten freien Räume sind einige kleine Wellenlinien eingefügt, parallel zu der einen Seite des Feldes und innerhalb derselben Reihe dann durchweg in gleicher Richtung; in der Nachbarreihe dagegen laufen die kleinen Wellen der anderen Seite parallel. Durch diesen regelmäßigen Wechsel wirkt das Muster lebhaft und plastisch. Es gibt zwei Varianten dieses Musters. Bei der älteren Form a sind die Felder mit 3 Innenlinien ausgefüllt, sodass sie daher in 4 dunkle Streifen zerfallen. Die Felder scheinen hier länger und das ganze Muster ansehnlicher als bei der zweiten Art. … Das Wellenmuster ist das weitaus am häufigsten zu Notgeldscheinen verwendete Papier.“[3] Abb. 13: Wasserzeichen 133 „Wellenbündel“. Da die Nominale nicht nummeriert sind, ist ihre Auflagenhöhe ebenso unbekannt wie die herstellende Druckerei. Keller schrieb in seinem Katalog zu den Kleingeldscheinen bezüglich des Ausgabeortes: „ausgegeben vor Libau, Kurland“. [4] Dies trifft sicherlich nicht zu. Am aufgedruckten Ausgabedatum befand sich die "Hindenburg" bereits in der Bucht von Scapa Flow! Als die "Hindenburg" 1930 gehoben wurde, fand man im Schiffstresor auch besagte Gutscheine. Im Internationalen Maritimen Museum Hamburg, wird unter Inventarnummer D_25_390, Objektnummer 165302 ein Gutschein zu einer Mark aufbewahrt. Im Vermerk dazu heißt es: Das Kriegsschiff "Hindenburg" auf seiner letzten Fahrt, nach 10jähriger Ruhepause, von Scapa-Flow nach Rosyth. Der Kassenschein lag während dieser langen Zeit, im Tresor des Schiffes und hat sich wunderbar erhalten. Herrn Admiral von Karpf, zur Erinnerung an das 5jährige Stiftungsfest der Hamburger Kameradschaft des ehem. I.R. "Generalfeldmarschall von Hindenburg" (II. Mas.) Nr. 147 am 11. Oktober 1936 herzlichst zugeeignet. – Der Kameradschaftsführer. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Benannt nach dem Chef der Obersten Heeresleitung und Sieger von Tannenberg, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg. [2] Angaben nach: < https://de.wikipedia.org/wiki/Hindenburg_(Schiff,_1917) > (11.07.2024) [3] Dr. Arnold Keller, Deutsche Wertpapierwasserzeichen, Die Wasserzeichenpapiere des deutschen Notgeldes 1914 – 1948, Abbildungen gezeichnet von Kurt Lehrke, Berlin-Wittenau 1955, S. 41, Wasserzeichen Nummer 133, Abbildung auf Tafel 6. [4] Das Deutsche Notgeld, Katalog Kleingeldscheine 1916 – 1922, I. – III. Teil: Verkehrsausgaben, Zusammengestellt von Dr. Arnold Keller, neubearbeitet von Albert Pick und Carl Siemsen, München 1979, S. 684, Kat.-Nr. 2966.
- Aus privaten Sammlungen: National-Banknote zu 10 US-Dollars, Serie 1902
In den USA wurden National-Banknoten seit 1863 bis ins Jahr 1935 vom Bureau of Engraving & Printing (BEP) für Privatbanken gedruckt. Dafür benötigten sie die Erlaubnis vom US-Finanzministerium. 14.348 Lizenzen wurden an Banken genehmigt, aber nur 14.320 machten vom Geldscheindruck Gebrauch. Im Jahre 1877 gründete John Thompson die Chase National Bank of the City of New York (ChNB) und erhielt die sog. Charter-Nr. 2370. Die Bank ließ bis 1935 Banknoten im Wert von über 134,7 Mio. US-Dollars drucken. Der Name der Bank geht auf Salmon P. Chase zurück – er war der frühere Gouverneur von Ohio und spätere Finanzminister unter Abraham Lincoln. Die 10-Dollars-Noten der ChNB von 1917 wurden in Nutzen zu 4 x 10 Scheine in einer Menge von 92.500 Bogen gedruckt. Bis heute wurden schätzungsweise 4.000 Scheine (aller Nationalbanken, die diesen Typ drucken ließen) noch nicht eingelöst. Diese Zehner sind auch unter der Bezeichnung „Third Charter Note, Blue Seal, Plain Back“ bekannt und wurden von 1908 bis 1929 gedruckt. Die Chase National Bank of the City of New York fusionierte 1955 mit der schon 1799 gegründeten Bank of the Manhattan Co. zur Chase Manhattan Bank. Ab 1996 firmiert die Bank unter JP Morgan Chase & Co. Objekttyp: Banknote Sammlung: Sammlung Michael H. Schöne Authentizität: Original Land/Region/Ort: Vereinigte Staaten von Amerika Emittent: Chase National Bank of the City of New York Nominal: 10 Dollars Datierung: 12. September 1917 (Serie 1902) Vorderseite: Porträt von William McKinley, Jr., 25. Präsident der USA (1897 bis 1901), Text, Wertangabe, Nummerierungen und blaues Siegel sowie Bank-Nr. Rückseite: Wertangabe im Ornamentrahmen, mittig die Skultur „Liberty and Progress“ von zwei Dampfschiffen flankiert Material: Papier, ohne Wasserzeichen Format: 187 mm x 79 mm Unterschriften: oben: Houston B. Teehee / John Burke unten: W. P. Holly / Albert H. Wiggin Graveur: Frederick C. Smillie, Vs.-Porträt nach einem Foto von der Pan-American Exposition in Buffalo, Rs.-Skulptur nach dem Werk des Bildhauers Walter Shirlaw Druck: Bureau of Engraving & Printing, Washington/DC Bank-Nr.: 2370, (Charter No.) E = East = Oststaaten Nummerierung: Serie: 54817 mit Serienbuchstabe V, 108342 mit Suffix-Pheon in Blau Umlauf: 1917 bis 1929 Zitate: W-1428, in: „Whitman Encyclopedia of U.S. Paper Money“ (Q. D. Bowers, 2009) 632/S-1497, in: „Paper Money of the United States“ (A. L. und I. S. Friedberg, 19. Aufl. 2010) Michael H. Schöne Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- PMG beginnt ganzjährig mit der Bewertung von Banknoten in München
München, Deutschland (18. Juni, 2024) — Die Einführung eines ganzjährigen PMG-Bewertungsservices in München, der zunächst für die Kategorien "Bulk" und "Modern" angeboten wird, stellt einen bahnbrechenden Moment für das Unternehmen und die europäische Papiergeldsammlergemeinschaft dar. Paper Money Guaranty® (PMG®) freut sich, ankündigen zu dürfen, dass das Unternehmen in Kürze die Echtheitsprüfung, Bewertung und Verkapselung von Papiergeld auf Vollzeitbasis über die Certified Collectibles Group - International GmbH (CCG GmbH), ihre Tochtergesellschaft in München, anbieten wird. Ab dem 18. Juni 2024 werden alle bei der CCG GmbH in München eingereichten Noten der Kategorien Bulk und Modern in München bewertet. Noten, die für andere Kategorien und Dienstleistungen eingereicht werden, werden weiterhin mit einer Hin- und Rücktransportversicherung zur Zertifizierung an den Hauptsitz von PMG in den USA versandt, es sei denn, sie werden bei einer der PMG-Bewertungsveranstaltungen vor Ort in Europa eingereicht. "Da immer mehr Sammler und Händler in Europa die fachkundige und unparteiische Zertifizierung von PMG in Anspruch nehmen, arbeiten wir hart daran, unsere Dienstleistungen sowohl schneller als auch leichter zugänglich zu machen" , sagte Max Spiegel, Präsident der Certified Collectibles Group® (CCG®), zu der PMG gehört. "Wir erwarten eine starke Nachfrage nach der Schnelligkeit und dem Komfort dieser Dienstleistungen, die dazu beitragen, eine sicherere, transparentere und lebendigere Sammlergemeinschaft zu fördern." PMG wurde 2005 als völlig unabhängiger Drittanbieter für die Bewertung von Papiergeld gegründet. Mit einem beispiellosen Engagement für Genauigkeit, Konsistenz und Integrität hat PMG mehr als 10 Millionen Banknoten zertifiziert. Jede von PMG zertifizierte Banknote wird durch die umfassende PMG-Garantie für Echtheit und Bewertung abgesichert, was Käufern und Verkäufern zusätzliches Vertrauen gibt. Die Einführung des PMG-Bewertungsdienstes in München folgt auf die wachsende Beliebtheit der PMG-Bewertungsveranstaltungen vor Ort, die in den letzten Jahren regelmäßig in Europa stattgefunden haben. Bei der Vor-Ort-Bewertung bietet PMG seine umfassenden fachkundigen und unparteiischen Dienstleistungen zur Echtheitsprüfung, Einstufung und Verkapselung vor Ort mit einer extrem kurzen Bearbeitungszeit an. PMG plant, auch mit dem Beginn der Vollzeit-Bewertung in München weiterhin Vor-Ort-Bewertungs-Veranstaltungen anzubieten. Die nächsten PMG-Vor-Ort-Bewertungen in Europa sind für September geplant. Für Bulk- und Modern-Einreichungen, die in der Münchner Niederlassung im Rahmen des regulären Geschäftsbetriebs bewertet werden, fallen keine zusätzlichen Gebühren an. Für alle Einreichungen, die vor Ort bewertet werden (einschließlich Bulk- und Modern-Einsendungen), wird jedoch eine zusätzliche Gebühr von 5 € pro Note erhoben. PMG bietet mehrere Optionen für Mengeneinreichungen an, die eine Mindestanzahl von 50 Banknoten im Wert von jeweils 300 € oder weniger erfordern. Auf der Stufe "Modern" akzeptiert PMG alle Noten, die von 1957 bis heute ausgegeben wurden, sofern sie jeweils einen Wert von 300 € oder weniger haben. Bitte beachten Sie, dass PMG nach eigenem Ermessen beschließen kann, Bulk- oder Modern-Noten für zusätzliche Recherchen oder aus betrieblichen Gründen an die US-Zentrale zu senden. Eine vollständige Liste der von der PMG-Niederlassung in München angebotenen Dienstleistungen und Gebühren finden Sie hier . "Die Erweiterung der PMG-Dienstleistungen in München ist ein wichtiger Meilenstein für die numismatische Gemeinschaft in Europa", sagte Richard Stein, Director of European Operations bei CCG. "München ist erst der dritte Ort auf der Welt, an dem CCG die Bewertung auf Vollzeitbasis anbietet." Um sich bei PMG in München anzumelden, müssen Sie nur diese einfachen Schritte befolgen: Werden Sie hier Mitglied bei PMG. Mitgliedschaften beginnen bei nur $ 25 (USD) pro Jahr. Klicken Sie auf der PMG-Website in der Menüleiste auf "Einreichen" und gehen Sie dann zu "Einreichungsformulare". Füllen Sie das europäische Einreichungsformular von PMG aus. Verpacken Sie Ihre Sammlerstücke auf sichere Weise und lassen Sie sie an unser Büro in München liefern, oder bringen Sie sie zu einer Veranstaltung, einem offiziellen Einreichungszentrum oder zu einem autorisierten Händler, bei dem PMG-Einreichungen akzeptiert werden. Wichtig: Wenn mehr als 20 % der Noten in einer Einreichung Anpassungen erfordern, weil die Noten in einer falschen Bewertungsstufe eingereicht wurden (z. B. weil der Wert der Noten den Höchstwert für die gewählte Bewertungsstufe übersteigt), wird die gesamte Einreichung in die zutreffende Stufe verschoben, die Bewertungsgebühr wird für alle Noten in der Einreichung angepasst, und die Einreichung kann zur Bewertung an das US-Büro weitergeleitet werden. Noch Fragen? Kontaktieren Sie das Münchner Büro unter +49 (0) 89 550 66 780 oder Service@CollectiblesGroup.de . Über Paper Money Guaranty® (PMG®) PMG wurde 2005 gegründet und ist mit mehr als 10 Millionen zertifizierten Banknoten der weltweit größte und vertrauenswürdigste Drittanbieter für die Bewertung von Papiergeld. Darunter befindet sich ein einzigartiger $5.000 Legal Tender aus dem Jahr 1878, der einen Wert von über $800.000 erzielte. Jede von PMG zertifizierte Banknote wird durch die umfassende PMG-Garantie für Echtheit und Bewertung abgesichert, was das Vertrauen der Sammler stärkt. Dies führt zu höheren erzielten Preisen und größerer Liquidität für PMG-zertifizierte Banknoten. Um mehr zu erfahren, besuchen Sie PMGnotes.com . PMG ist Teil der Certified Collectibles Group® (CCG®), deren Ziel es ist, Sammlern Dienstleistungen anzubieten, die ihre Leidenschaft entfachen, Werte schaffen und eine Gemeinschaft aufbauen. Mit mehr als 90 Millionen zertifizierten Sammlerstücken in einer Vielzahl von Kategorien stehen die vier Marken der CCG — PMG, Numismatic Guaranty Company® (NGC®), Certified Guaranty Company® (CGC®) und Authenticated Stamp Guaranty® (ASG®) — als Synonym für Vertrauen und Kompetenz in ihren Hobbys. © 2024 Paper Money Guaranty. Alle Rechte vorbehalten. 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- Auktion im Warschauer Schloss
Es gibt heute eine Vielzahl von Auktionen für numismatisches Material in Europa, so beispielsweise „Dauerauktionen“, bei denen Privatverkäufer und Firmen Ware einstellen, ebenso wie öffentliche Versteigerungen professioneller Verkäufer im Saal. Eine Mail erinnert interessierte Internetnutzer stets an die wöchentlich anstehenden Auktionen. Münz- und Banknotenfreunde kaufen dort gern und lassen eigenes Material versteigern, aber auch viele Nachlässe kommen bei Versteigerungen „unter den Hammer“. Das Prozedere einer Auktion ist bei den europäischen Firmen meist gleich oder zumindest sehr ähnlich. Dennoch gibt es Unterschiede, was Ausstattung, Dauer und vor allem das angebotene Material angeht. Beachtliche Unterschiede gibt es natürlich auch, was die Wahl des Versteigerungslokals angeht. Warschau: Der Hintereingang des Königsschlosses war auch der Eingang zur Auktion, Foto: Ingrid Mehlhausen. Berichtet werden soll über eine besondere Versteigerung in unserem Nachbarland Polen. Die Firma Marciniak sp.k., Warschau, gegründet 2003 führte am 8. Juni 2024 bereits ihre 23. Auktion durch, die schon am 3. Juni mit Sitzung 1 startete und mit Sitzung 11 am 13. Juni endete. Insgesamt waren 7.751 Positionen im Angebot. 10 Sitzungen wurden im Internet und in den eigenen Räumen der Firma in Warschau abgearbeitet, aber ein Höhepunkt war die 6. Sitzung, die am 8. Juni 2024 im wieder erbauten Königlichen Schloss Warschau stattfand. Der letzte König Polens Stanislaus August Poniatowski war bekanntlich selbst Münzenliebhaber. Zu dieser Versteigerung in einem sehr ansprechend hergerichteten und gut geeigneten Saal des Königsschlosses wurden für diesen Tag die herausragendensten Stücke von Münzen, Phaleristik und Banknoten ausgesucht. Für sie gab es einen gedruckten Katalog, der bei der Position 6.001 begann und mit 6.350 endete. Der Katalog für alle anderen Sitzungen war im Internet vor und nach der Auktion einzusehen. Die Internet-Präsentation ist ausgezeichnet, ähnlich wie bei anderen großen Versteigerungen. Im Saal waren hinter dem Versteigerer die zum Verkauf aufgerufenen Artikel immer mit Vor- und Rückseite abgebildet, dazu war sehr gut der aktuelle Bieterstand in Zloty ebenso wie in Euro und US-Dollar zu finden. Parallel dazu gab es rechts vom Versteigerer noch einen zweiten Bildschirm, auf dem das Objekt in der Hand gedreht gezeigt wurde. Dort konnte man hervorragend die Qualität eines Stückes oder auch seine Fehler sehen und erkennen. Bei teuren Exponaten konnten aber auch Internet-Besucher bei ausgewählten Positionen kleine Filme vorab ansehen, um alle Details richtig beurteilen zu können. Der Versteigerer nahm sich in dem dunkelrot beleuchteten Raum die notwendige Zeit, nochmals auf Besonderheiten hinzuweisen und gab die Chance, über die höchste Gebotsabgabe im Saal nachzudenken, wobei sich niemand gedrängt fühlen musste. Geboten wurde bei dieser Sektion übrigens im Saal, im Netz und dazu auch noch am Telefon. Ausgewählte Artikel im Schloss Der absolute Höhepunkt der Versteigerung im Schloss war die „Aukcja Wieczoru“, die „Auktion am Abend“ vom 8. Juni 2024, die schon gleich mit Geldscheinen von 1794 begann. Neben den Münzen nahm Papiergeld einen recht beachtlichen Raum ein. Eine 5-Zloty-Note (Los 6.268) aus dem Jahr 1824, auch Erhaltung 5 (rückseitig geklebt) wurde mit nur 5.000 PLN geschätzt, aber erbrachte stolze 8.000 € (34.000 PLN). Zwei weitere Noten dieser Zeit (6.283: 3 Rubel 1841 und 6.284: 1 Rubel 1853 wurden mit 19.588 und 8.412 Euro verkauft. Sehr viel Geld zahlen die polnischen Sammler für gute Erhaltungen der Zwischenkriegszeit. Eine 10-Zloty-Note 1919 mit violettem Kreis in 1/1- (Los 6.294) wurde erst bei 6.588 € zugeschlagen, um nur ein Beispiel zu nennen. Geldscheine waren auch bei den anderen Sitzungen im Angebot und fanden sehr guten Absatz. Unverkauft blieb nichts, alles erfuhr teilweise recht hohe Zuschläge, ausgerufene Zloty-Preise erreichten sehr häufig beim Zuschlag gleich hohe Euro-Preise und gelegentlich auch mehr. Sehr viel Geld gab es auch wieder für die Noten, die vor dem Zweiten Weltkrieg in England gedruckt, aber nie ausgegeben wurden. Die ganze Serie als Muster war die letzte bei der Rubrik Geldscheine (Los 6.340) und startete mit 80.000 Zloty und wurde für 86.000 PlLN zugeschlagen (20.235 €), aber es handelte sich hier um WZÓR = Musterscheine. Zwei „echte“, also nicht als Muster gekennzeichte Scheine zu 2 und 10 Zloty 1939 in dürftiger Erhaltung (4-4+) verkaufte man für 2.235 und 2.118 €. Niemand vermag zu erklären, wie die nie ausgegebenen Scheine so stark zerknittert sein können wie alte, lange im Verkehr umgelaufene Noten. Drei Raritäten bei Münzen, Banknoten und Orden Drei Spitzenstücke erzielten beachtliche Preise. Bei den Münzen war die Nr. 6.346, ein Zehnfachdukat Sigismund III. von Danzig, das mit mit 500.000 PLN getaxt war und bei 590.000 PLN *) (138.824 €) zugeschlagen wurde. Bei der Phaleristik war ein Unikat im Angebot: ein Kommandeurskreuz des Ordens Virtuti Militari, das das Militärmuseum für 92.000 PLN ( 21.647 €) erwarb, was zugleich das letzte Los im Saal war. Ein drittes Superangebot gab es beim Papiergeld. Dies war die Position 6.347: eine 10 Silber-Rubel-Note von 1847 (Erhaltung 5). Sie wurde mit höchster Seltenheitsstufe (R8) bezeichnet und war nach bisherigen Kenntnissen nur zweimal: 1993 und 2012 zum Verkauf angeboten worden. Geschätzt wurde der Schein mit 40.000 PLN und ging aber erst bei 140.000 PLN (32.941 €) an einen neuen Besitzer. Eine weitere Banknote dieser Epoche: ebenfalls 10 Silberrubel von 1844 erwies sich als Fälschung, weil das Wasserzeichen fehlte, aber dieses „Falschgeld“ war sehr gut gemacht, wurde aber damals nicht erkannt und lief lange Zeit um, wie die starke Abnutzung bewies und stellt ein durchaus sammelwürdiges Unikat dar. Entsprechend hoch war auch der erzielte Preis für Los-Nr.6.348: geschätzt: 20.000 PLN, vekauft für 35.000 PLN (8.235 €). Fazit für Geldscheinsammler: hohe Preise Recht gut verkauft wurden eigentlich alle Scheine, auch die der Volksrepublik Polen, bei denen es auch fast keine Rücklose gab, aber durchweg gute Preise. Das spricht dafür, dass es noch immer „Sammlernachwuchs“ gibt, denen auch viele noch günstig zu bekommende Banknoten fehlen. Wenn selbst noch umlauffähige frühe Banknoten der Republik Polen mit etwas Glück mit der Qualität und niedrigen Kontrollnummern gutes Geld bringen, wird den Banknotenliebhabern signalisiert, dass Ausgaben für die Sammlung gute Rendite bringen können. Münzsammlungen ohne Geldscheine: Torso? Allgemein ist festzustellen, dass in Polen sehr viel mehr Münzensammler zugleich auch Geldscheine sammeln. Bei uns sind die Papiergeldfreunde eine kleinere „Gemeinde“ bei der Numismatik. Es ist schwer zu erraten, warum dies so ist. Tatsache ist aber, dass in Polen sehr viele Papiergeldsammler anzutreffen sind. Gesammelt werden die Notenbankausgaben, aber auch das viele Not- und Ersatzgeld aus polnischer wie deutscher Zeit. Vielfach werden Sammlungen ohne Papiergeld als „Torso“ bezeichnet. Großen Wert legen die polnischen Sammler bei den Notenbankausgaben auf die Serienbuchstaben und Nummern. Gibt es ein- und zweistellige Buchstaben, so werden auch diese gesammelt, sogar bei dem derzeit umlaufenden Geld. Wer also irgendwann mal Scheine einer A-Serie weggelegt hat, kann sie zu unter Umständen einem Vielfachen des Nennwertes verkaufen. Hier erzielt man „Traumpreise“, wenn es Zahlenkombinationen mit 12345… gibt, oder ganz niedrige Kontrollnummern wie B 00001234. Erfreulich ist, dass es gute Literatur für Sammler polnischer Banknoten gibt. Die Ausgabe eines 2024er Banknotenkatalogs von Parchimowicz ist noch nicht entschieden, aber frühere Werke müssen hinsichtlich der Preise unbedingt aktualisiert werden. Sahnebonbons mit Geldscheinverpackung In den Räumen des Schlosses vor dem eigentlichen Bietersaal gab es übrigens auch nicht nur Kaffe, Tee und sonstige Getränke, sondern auch Häppchen und Kuchen sowie Dinge zum Knabbern, was bei Versteigerungen wahrlich nicht die Regel ist. Nach der „Abendsitzung“ am 8. Juni 2024, wo die teuersten Raritäten versteigert wurden, wurde sogar ein hervorragendes warmes Abendessen serviert. Eine wirklich ansprechende Idee war es, Sahnebonbons anzubieten, die in Papier gewickelt waren, auf denen einige der versteigerten Raritäten, so auch der beschriebene 10-Silberrubel-Schein 1844 abgebildet waren. Reklame oder Werbung kann also auch heute noch Freude und Spaß machen, was wahrlich nicht immer der Fall ist, denken wir nur an die vielen unerwünschten Offerten auf dem Handy oder im Briefkasten, die keiner braucht und keiner will. Blick ins Netz – kein Problem Im Internetzeitalter kann man nicht nur diese 23. Auktion immer noch im Internet aufrufen, auch frühere Versteigerungen sind dort zu finden, ebenso wie die Preise und sehr gute Bilder. Der Inhaber der Firma Damian Marciniak ist im Netz ständig präsent mit kleinen Filmen zu verschiedenen Sachen. Er beschreibt das Reinigen von Münzen und zeigt auch viele andere Dinge, die mit Scheinen und Geldstücken zusammenhängen, in polnischer Sprache. Informationen zu den aktuellen und vergangenen Auktionen erhält man stets unter: https://marciniak.onebid.pl/pl/auction Man kann auch im Archiv nachforschen, ob eine Banknote oder Münze schon einmal verkauft oder angeboten worden ist und wie die Verkaufspreise waren. Das alles macht viele Recherchen heute sehr einfach. Die Adresse der Auktionsfirma lautet: MARCINIAK sp.k. Al. Jerozolimskie 65/79 oA.02 PL-00-697 Warszawa POLSKA-POLEN Wolfgang J. Mehlhausen -------------------------------------------------------------------------------------------------------- Bemerkung: *) Alle Preise: Zuschlagpreise in Zlotly (PLN) ohne Aufgeld, Kurs (Durchschnitt) zum Euro am Versteigerungstag
- Leserpost: Varianten deutscher Banknoten, Teil 4 – 5 Milliarden Mark 1923 ohne Einfärbung
DEU-132a ohne Einfärbung Bei einer meiner Banknoten zu 5 Milliarden Mark vom 10. September 1923 fehlt die violette Einfärbung auf der rechten Seite, obwohl es sich um einen Reichsdruck mit Wasserzeichen Eichenlaubstreifen handelt (siehe Abb.). Ich kann ihn deshalb weder unter DEU-132a (Ro/Gra 112a) einordnen, weil hier alle Scheine diese Einfärbung haben, noch unter DEU-133 (Ro/Gra 112c), weil der Schein hier zwar keine Einfärbung hat, aber Wasserzeichen Kreuzblüten aufweisen müsste. Sollte diese neue Variante nicht in den Katalog aufgenommen werden? K. Sokač 5 Milliarden Mark vom 10. September 1923 (DEU-132a), Reichsdruck, ohne violette Einfärbung. 5 Milliarden Mark vom 10. September 1923 (DEU-132a) ohne Einfärbung im direkten Vergleich mit der normalen Ausführung mit violetter Einfärbung. 5 Milliarden Mark vom 10. September 1923 (DEU-132a) ohne Einfärbung in der Durchsicht mit Wasserzeichen Eichenlaubstreifen. Antwort der Redaktion Es handelt sich eindeutig um einen Reichsdruck, bei dem die violette Färbung auf der rechten Seite zu fehlen scheint. Diese Einfärbung ist nicht immer gleich breit oder deutlich ausgeprägt, sondern oft nur schwach sichtbar. Auf jeden Fall hat ihr Schein Fasereinlagen und das Wasserzeichen Eichenlaubstreifen und ist somit ganz klar eine DEU-132a. Es war gut, dass ich das Original sehen konnte. Man könnte eine Anmerkung im Katalog aufnehmen, damit andere Sammler die Möglichkeit haben, ähnliche Noten ohne Einfärbung zu melden. Es ist aber noch viel zu früh und unsicher für mich, sie als Variante zu erfassen. Es könnte theoretisch auch sein, dass der Druck auf einem Teil des Bogens versetzt erfolgte, der nicht eingefärbt war. Wenn das der Fall wäre, dann handelt es sich um einen echten Fehldruck. Dazu brauche ich mehr belegbare Beispiele (z. B. aus der gleichen Serie in einem erkennbar kleinen Nummernbereich). Man muss auch bedenken, dass diese Scheine inzwischen 100 Jahre alt sind und in dieser Zeit vielen Umständen ausgesetzt sein konnten (z.B. Licht und Feuchtigkeit), die die Einfärbung verblassen ließen konnten. Ich habe selbst schon öfters Scheine mit stark verblassten Einfärbungen gesehen, bei denen diese erst auf den zweiten oder dritten Blick sichtbar wurde. Bei genauerer Betrachtung findet man auf dem Schein sogar einen leichten Rest der violetten Farbe, ganz besonders ist dies auf der ersten Abbildung sichtbar. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 864 Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe!
- Lexikon: Deutsche Mark
Die Deutsche Mark (D-Mark, 1 DM = 100 Deutsche Pfennig) war die Währungseinheit der westlichen Besatzungszonen Deutschlands, der Bundesrepublik Deutschland und Westberlins seit der Währungsreform vom 20. Juni 1948 bis zum 31. Dezember 2001, dem Tag vor der Einführung des Euro-Bargelds. WBZ-5, Bank deutscher Länder: 10 Deutsche Mark von 1948, eingeführt zur Währungsreform vom 20. Juni 1948 in den westlichen Besatzungszonen und Westberlin (mit B-Kennzeichnung). Am 20. Juni 1948 kam es entsprechend Gesetz über die Neuordnung des Geldwesens zur Währungsreform, bei der alle bis dahin umlaufenden Reichsbanknoten, Rentenbankscheine und Noten der Alliierten Militärbehörde ungültig und durch neue Noten mit der Währungs- bezeichnung Deutsche Mark ersetzt wurden, die man in den USA gedruckt hatte. BRD-1M2, Bank deutscher Länder: 5 Deutsche Mark vom 9. Dezember 1948 mit der Europa auf dem Stier, Musterschein der englischen Druckerei De La Rue, Vorder- und Rückseite. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Die letzten Scheine der Bank deutscher Länder mit Datum vom 9. Dezember 1948 kamen allerdings erst 1950 bis 1952 in Umlauf. Die Deutsche Bundesbank wurde am 26. Juli 1957 gegründet und war Nachfolgerin der Bank deutscher Länder. Ihre erste Notenserie (Gemäldeserie) datiert auf den 2. Januar 1960. Die Serie wurde mit geänderten Unterschriften mit Daten von 1970, 1977 und 1980 fortgeführt. BRD-21a, Deutsche Bundesbank: 50 Deutsche Mark vom 1. Juni 1977, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). In der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands wurde als Reaktion auf die Währungsreform im Westen am 23. Juni 1948 ebenfalls eine Währungsreform durchgeführt und eine eigene Deutsche Mark als Währungseinheit geschaffen, die zunächst nach Gründung der Deutschen Demokratischen Republik weiter galt. SBZ-16M, Deutsche Notenbank: 50 Deutsche Mark von 1948, sowjetischer Druck mit MUSTER-Perforation und zusätzlichen Balkenstempeln aus dem Tresor der Staatsbank der DDR, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). Die letzte DM-Serie der Deutschen Notenbank war die mit der "Aktion Blitz" eingeführte Serie von 1955 (eingeführt am 13. Oktober 1957). DDR-15M1, Deutsche Notenbank: 100 Deutsche Mark von 1955, Musterschein mit Perforation und Überdruck "MUSTER" und KN AA 0123456, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). Die spätere Währungsbezeichnung änderte sich ab der Banknotenserie 1964 auf Mark der Deutschen Notenbank und mit der Umbenennung der Notenbank in Staatsbank der DDR mit Einführung einer neuen Serie von 1971 auf Mark der DDR. Nach der friedlichen Revolution in der DDR kam es am 1. Juli 1990 zur Währungsunion der Bundesrepublik und der DDR, in der an diesem Tag die Deutsche Mark eingeführt wurde. BRD-48b, Deutsche Bundesbank: 20 Deutsche Mark vom 1. Oktober 1993, Austauschnote mit Serie ZA, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). Die letzte Banknotenserie der Deutschen Bundesbank über Werte in Deutscher Mark war die sog. Persönlichkeitsserie mit Daten von 1989, 1991, 1993, 1996 und 1999 (in Umlauf ab 1991). Im sog. "Kalten Krieg" hatte die Bundesbank zwei verschiedene Ersatzserien für Westdeutschland (1960) und für Westberlin (1963) drucken und einlagern lassen, die ebenfalls auf Deutsche Mark lauteten und nach der Wiedervereinigung vernichtet wurden. Für ihren Druck griff man auf bis dahin nicht verwendete Entwürfe für die erste Serie BBk I der Deutschen Bundesbank zurück. BRD-61a, Deutsche Bundesbank: 5 Deutsche Mark vom 1. Juli 1963 der Ersatzserie für Westberlin, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). Nicht unerwähnt sollen die Bundeskassenscheine des Bundesfinanzministers ohne Datierung (1967) bleiben, die ebenfalls im "Kalten Krieg" in DM-Währung gedruckt und für den Krisen- und Kriegsfall eingelagert worden waren, für den Kleingeldmangel zu erwarten war. Auch diese Bestände wurden nach der Wiedervereinigung vernichtet. BRD-69a, Bundesfinanzminister: Bundeskassenschein über 1 Deutsche Mark ohne Datum, 1967, Vorder- und Rückseite (Sammlung Grabowski). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2023/24 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 864 Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe ... Zum Buch ...
- Die Heimschaffung, Teil 1
Wie die Versorgung der Schweiz mit Banknoten während des Zweiten Weltkriegs gelang Mit der Ausgabe der zweiten Banknotenserie ab 1911[1] hatte sich die Schweizerische Nationalbank entschieden, Banknoten in den Wertstufen zu 50 bis 1000 Franken nicht in der Schweiz drucken zu lassen, sondern durch die Firma Waterlow & Sons in London. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte sich daran nichts geändert. Zwar war der Druck von Scheinen zu 5 und 20 Franken der Schweizer Druckerei Orell Füssli in Zürich übertragen worden. An eine Vergabe des Druckauftrages in die Schweiz auch für die höheren Wertstufen traute sich die SNB jedoch nicht, obwohl Orell Füssli diesbezüglich immer wieder an die SNB herangetreten war. Die Qualität der in London im Stahlstich gedruckten Banknoten schien Schweizer Druckerzeugnissen überlegen, gleichwohl Orell Füssli mit der ab 1930 ausgegeben Banknote zu 20 Franken Typ „Pestalozzi“[2] erstmals eine Banknote im Tiefdruck anfertigte, der dem für die Vorgängernote Typ „Vreneli“ verwendeten Stein- bzw. Offsetdruck hinsichtlich der Fälschungssicherheit überlegen war. An der Vergabe des Druckauftrages nach London wollte man seitens der SNB nicht rütteln, weil man sich von den durch eine international tätige Banknotendruckerei hergestellten Noten die Einhaltung bestmöglicher Standards hinsichtlich des Fälschungsschutzes versprach. Gebäude von Waterlow & Sons im Londoner Stadtteil Finsbury, um 1934. Quelle: https://www.gracesguide.co.uk/File:Im1934BCI-Water07.jpg Unter normalen Umständen konnten die von Waterlow & Sons gedruckten Noten innerhalb weniger Tagen von London nach Bern speditiert werden. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 wurden bei der SNB die Sorgenfalten hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Banknotenversorgung aus London tief – wie konnte für den Fall, dass die Transportwege von London in die Schweiz unterbrochen wären, sichergestellt werden, dass die Versorgung der Schweiz mit Banknoten nicht ausbliebe? Schon während des Ersten Weltkriegs war der Transport von Banknoten aus London zeitweilig unterbrochen gewesen. Würde eine solche Situation erneut eintreten? Immerhin führte der Transportweg der Scheine in England per Zug bis zur englischen Kanalküste, sodann per Schiff über den Ärmelkanal nach Frankreich und von dort weiter per Bahn nach Bern. England und Frankreich befanden sich im Kriegszustand mit Deutschland, es drohten Angriffe insbesondere auf den Schiffsverkehr über den Ärmelkanal durch deutsche U-Boote. Die SNB begann mit den Vorbereitungen zur Schaffung von Reservenoten im Falle einer Knappheit bei der Banknotenversorgung aus London. Ein erster Schritt war der ab November 1939 eingeleitete Überdruck von 30 Serien der von Orell Füssli gedruckten 100-Frankennote Typ „Tell“ mit Ausgabedaten von 1918 bis 1920[3]. Eine Vorgängerversion dieses Scheins mit leicht verändertem Kopfbildnis[4] war schon im September 1918 ausgegeben worden, erwies sich jedoch wegen der Druckausführung als nicht ausreichend fälschungssicher und musste daher zurückgerufen werden. Die Scheine erhielten einen Sicherheitsaufdruck, der den Fälschungsschutz verbessern sollte. Das Ganze blieb eine Übergangslösung für den Notfall. Die SBN blieb von Banknotenlieferungen aus England abhängig. Reservenote zu 100 Franken mit Datum 4. Dezember 1942, gedruckt bei Orell Füssli in Zürich. Die Note wurde nie ausgegeben. In den ersten Monaten nach Kriegsausbruch blieben Kampfhandlungen in Westeuropa aus. Mit der als „drôle de guerre“ (komischer Krieg) bezeichnen Anfangsphase des Zweiten Weltkrieges in Westeuropa trat ein Zustand ein, in dem Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich zwar den Krieg erklärt hatten[5], die Kriegsparteien sich militärisch jedoch weitgehend passiv verhielten. In Bern und Zürich fragte man sich, ob und wie lange dieser Zustand anhalten würde. Konnte man weitere Banknotentransporte über das Territorium von Staaten im Kriegszustand in die Schweiz riskieren, und Waterlow & Sons neue Druckaufträge erteilten? Die SNB entscheid sich schließlich, dieses Risiko einzugehen. Anfang November 1939 – zwei Monate nach Kriegsausbruch – traf ein planmäßiger Transport von Banknoten in Bern ein. Es handelte sich um 350.000 Scheine zu 100 Franken und 400.000 Scheine zu 50 Franken. Der Transport dauerte 3 ½ Tage und wurde durch die Firma Machinery & Technical Transport mit Sitz in London organisiert[6]. Trotz des seit zwei Monaten herrschenden Kriegszustandes erfolgte die Verladung per Schiff über den Ärmelkanal und weiter per Zug durch Frankreich reibungslos. Die SNB profitierte – trotz kriegsbedingt erhöhter Transportkosten – sogar noch von rund 11% günstigeren Druckkosten gegenüber dem letzten Auftrag zu Friedenszeiten, denn der Wechselkurs des englischen Pfundes war mit Kriegsausbruch gegenüber dem Schweizer Franken gefallen. Durch die SNB waren bei Waterlow & Sons bereits weitere Noten bestellt worden, über deren geplante Auslieferung in der Direktoriumssitzung vom 3. November 1939 durch das für die Bargeldversorgung zuständige II. Department des SNB wie folgt berichtet wurde: 200.000 Stück zu 1000 Franken (Serien 1M und 1N mit Ausgabedatum 7. September 1939), versandbereit am 12. Dezember 1939 und am 17. Januar 1940; 200.000 Stück zu 500 Franken (Serien 1J und 1K mit Ausgabedatum 7. September 1939), versandbereit am 27. Dezember 1939 und am 31. Januar 1940; 1.000.000 Stück zu 100 Franken (Serien 9C bis 9M mit Ausgabedatum 3. August 1939), monatlich 4 Serien, versandbereit bis Mitte März 1940, sowie 1.000.000 Stück zu 50 Franken (Serien 9G bis 9Q mit Ausgabedatum 3. August 1939), ebenfalls monatlich 4 Serien bis versandbereit bis Mitte März 1940. Da im Dezember 1939 erneut ein Transport aus London wohlbehalten in Bern eintraf, war man guter Dinge, dass die Transportwege in die neutrale Schweiz trotz des Krieges weiter offenbleiben würden. Daher entschied die SNB, Waterlow & Sons mit weiteren Druckaufträgen zu betrauen. Am 19. Februar 1940 beauftragte man je 1 Millionen Noten zu 50 Franken und zu 100 Franken. Ein weiterer Transport Schweizer Noten aus London erreichte Bern planmäßig Anfang Mai 1940. Es sollte vorerst der letzte bleiben. Traf mit dem letzten planmäßigen Transport aus London Anfang Mai 1940 in Bern ein: Banknote zu 50 Franken mit Ausgabedatum 3. August 1939, Kontrollnummer 9N 030901. Mit dem Ausbruch von Kampfhandlungen in Westeuropa ab Anfang Mai 1940 änderte sich die Situation schlagartig: Am 10. Mai 1940 besetzte die Deutsche Wehrmacht die Niederlande und Belgien, am 25. Juni 1940 trat ein Waffenstillstand mit Frankreich in Kraft; Teile Frankreichs wurden durch deutsche Truppen besetzt. Ein für Ende Mai 1940 geplanter Transport per Schiff von Liverpool nach Bordeaux und von dort über Lyon nach Bern wurde zunächst verschoben und sodann durch Waterlow & Sons am 17. Juni 1940 endgültig storniert: Der Landtransportweg durch Frankreich war blockiert. Ab Juli 1940 setzten zudem massive deutsche Luftangriffe auf England ein, die auch die Produktionsstätten bei Waterlow & Sons beschädigten, wobei die SNB über das Ausmaß der Schäden und die Auswirkungen der Kriegsereignisse auf den Banknotendruck für die Schweiz zunächst keine Vorstellungen hatte. Eine deutsche Invasion in England stand zu befürchten. Der Versorgung der Schweiz mit Banknoten aus Londoner Produktion stand unvermittelt auf der Kippe. Mitte Juli 1940 entschied die SNB, trotz unterbrochener Transportwege Waterlow & Sons mitzuteilen, dass der Druck der Banknoten zu 50 und zu 100 Franken, der im Februar 1940 beauftragt worden war, fortgesetzt werden sollte, sofern die Kriegsverhältnisse in England eine weitere Tätigkeit von Waterlow & Sons überhaupt gestatteten. Allerdings wurde der Druckauftrag auf die Hälfte des ursprünglich erteilten Auftragsvolumens beschränkt. Man hoffte, dass eine – wenn auch zeitlich gestreckte – Ausführung des erteilten Druckauftrages in London noch möglich sein würde. Mitte August 1940 konnte das II. Department der SNB dem Direktorium mitteilen, dass Warterlow & Sons die Serien 9N bis 9R der Scheine zu 100 Franken sowie die Serien 9R bis 9V der Scheine zu 50 Franken habe fertigstellen können. Diese lägen in London bereit, könnten aber nicht versandt werden. Trotz der noch nicht erfolgten Ablieferung – erst einen Monat nach Lieferung wurde die Vergütung von Waterlow & Sons zur Zahlung fällig – entschloss sich die SNB, die Hälfte der bereits fertig gestellten Noten (also ein Viertel des gesamten Druckauftrages) zu bezahlen. Wie und auf welchen Wegen konnten die fertig gedruckten Scheine aus den Tresoren von Waterlow & Sons in London in die Tresore der SNB nach Bern gelangen? Überlegungen dazu setzen ein sowohl bei der SNB als auch bei Waterlow & Sons, mit denen die SNB per Brief (deren Laufzeit mehrere Wochen betrug) sowie über Radiogramm[7] in Verbindung blieb. Da sich für das Transportproblem keine schnelle Lösung abzeichnete, entschied das Direktorium der SNB, mit der Freigabe der zweiten Hälfte des ursprünglichen Auftrages vom Februar 1940, sowie mit weiteren Aufträgen noch abzuwarten . Erst in der Direktoriumssitzung vom 30. Oktober 1941 wurde auf Anregung von Bankratspräsident Dr. Bachmann beschlossen, die noch ausstehende zweite Hälfte der Druckauftrages vom Februar 1940 bezüglich der 50-Frankennote wieder anzustoßen und deswegen mit Waterlow & Sons Kontakt aufzunehmen. Überlegt – und später wieder verworfen - wurde zugleich, neben den Unterschriften auch die Serien und Nummern nunmehr in der Schweiz auf die von Waterlow & Sons gelieferten Notenformulare aufdrucken zu lassen, damit im Falle eines Verlustes der Noten auf dem Transport keine ausgabefertigen Scheine in unbefugte Hände gelangten, die man nur schwer hätte aus dem Umlauf zurückrufen können. Am 19. November 1941 erhielt Waterlow & Sons schließlich den Auftrag zur Fertigstellung des Druckauftrages vom Februar 1940, und zwar für die Serien 9W bis 10A der Scheine zu 50 Franken und die Serien 9S bis 9W der Scheine zu 100 Franken, beide mit Ausgabedatum 15. Februar 1940. Denn zwischenzeitlich hatte ein Teil der im August 1940 fertig gestellten Scheine auf abenteuerlichen Wegen die Schweiz erreicht. Hier geht es zur Fortsetzung. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen [1] Richter/Kunzmann CH 1-3, 7-9, 13-15, CH 21-23; Pick P.5/34, 6/28,35; 7/29/36 und 6/30/37 [2] Richter/Kunzmann CH 29, Pick 39 [3] Richter/Kunzmann RS4, Pick 10. [4] Richter/Kunzmann CH14, Pick 9. [5] Am 3.September 1939. [6] Protokoll der Direktoriumssitzung vom 3. November 1939. [7] Ein durch Funk übermitteltes Telegramm.












