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  • Pfennig-Brot-Kupons der Stadt Odessa (1944)

    Abb. 1: Pfennig-Brot-Kupons der Stadt Odessa, o. D., 1 Pfennig Rumänien war einer der Staaten, dessen Soldaten am 22. Juni 1941 gemeinsam mit der deutschen Wehrmacht die Sowjetunion einmarschierten. Dafür erhielt es nicht nur die ein Jahr zuvor an die UdSSR abgetretenen Gebiete (Bessarabien, Nordbukowina) zurück, sondern Hitler übertrug den Rumänen auch eine eigene Besatzungszone in der Ukraine: das Gebiet zwischen südlichem Bug und Dnjestr mit dem Verwaltungssitz in Odessa. Obwohl das heutige Transnistrien von einem rumänischen Gouverneur verwaltet wurde, blieb auch deutsches Militär in diesem Raum stationiert, das bei vielen Entscheidungen das letzte Wort hatte. In Odessa wurde eine Reichskreditkasse eingerichtet. Die auf Reichsmark lautenden Reichskreditkassenscheine sowie die deutschen Kleinmünzen bis 10 Pfennig galten nach Einzug der russischen Geldzeichen als alleinige gesetzliche Zahlungsmittel. Dieser Zustand endete erst im September 1944 mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen. Besonders für die städtische Bevölkerung stellte sich das Problem der Nahrungsmittelversorgung, da zunächst die Besatzungstruppen versorgt wurden, dann die deutsche Zivilbevölkerung und erst danach die lokale Bevölkerung, von der allerdings nur diejenigen etwas erwarten durften, die für die Besatzungsmächte arbeiteten. Der größte Teil der Bevölkerung musste das Ernährungsproblem allein lösen. Abb. 2: Pfennig-Brot-Kupons der Stadt Odessa, o. D., 3 Pfennig Daran änderte auch nichts, dass die Besatzungsbehörden die Warenpreise auf dem Niveau vom 20. Juni 1941 einfroren und den Schwarzmarkt-Handel verboten, da die wiedererrichteten Kolchosen ihre Produkte vollständig an die Besatzungsmächte abliefern mussten. Die für die Zivilbevölkerung bestimmten Güter wurden von den lokalen Selbstverwaltungsorganen verteilt. Allerdings reichte die Menge bei weitem nicht aus, sodass Tausende von Stadtbewohnern aufs Land zogen, um dem Hungertod zu entgehen. Die Lebensmittelversorgung war besonders im Winter 1941/1942 sehr schwierig. Das Warenangebot besserte sich erst ab Frühjahr 1942. Aufgrund der militärischen Situation begann das Jahr 1944 mit einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Die Nahrungsmittelknappheit führte zu steigenden Preisen. Während in Odessa auf dem Schwarzmarkt 1 kg Brot 3 RM kosteten, betrug der offizielle Brotpreis 12 Pfennig. Um zu diesem Preis einkaufen zu können, benötigte man eine Bezugskarte. Abb. 3: Pfennig-Brot-Kupons der Stadt Odessa, o. D., 10 Pfennig Anfang 1944 emittierte das Versorgungsamt der Stadt Odessa Brot-Kupons im Nennwert von 1, 3 und 10 Pfennig. Der zweisprachige Text auf der Rückseite der ca. 80 mm x 60 mm großen Kupons – oben Rumänisch, unten Russisch – nennt, wie die Scheine zu verwenden sind. Die Übersetzung lautet sinngemäß: „Stadt Odessa. Versorgungsamt. Gutschein für Brot auf einer Karte aus dem Brotladen der Gemeinde. Gültig für Brotladen Nr. …“. Gutschein und Brot-Bezugskarte mussten beim Kauf im benannten Laden vorgelegt werden. Die Vorderseite zeigt über der Wertangabe das Wappen Bessarabiens (Stierkopf mit Stern). Links und rechts davon Eichenblätter. In der Mitte die große Wertangabe in Ziffern, links davon „PF.“ und rechts „пф.“, unter der Wertangabe die Serienbezeichnung und eine vermeintliche Kontrollnummer, z. B. „CEP. B, 1-4400“. Letztere ist immer gleich, bei den Scheinen zu 1 Pfennig „1-6050“, beim Nominal zu 3 Pfennig „1-4400“ und beim Wert zu 10 Pfennig „1-6350“. Die Bedeutung dieser Nummer ist nicht bekannt. Nach Istomin Kharkov und P. Sobolev kommen die Scheine zu 1 Pfennig mit den Serienbezeichnungen „З, У, Ш, АЖ, АШ“, die zu 3 Pfennig mit „Б, Г, Л, Ч, АЖ, AB, B“ und die zu 10 Pfennig mit „Ч, Э, Ю, АД, АЖ“ vor. Alle Kupons haben auf der rechten oder linken Seite eine Perforation. Der Druck erfolgte auf minderwertigem, holzhaltigem Papier ohne Wasserzeichen. Die Scheine zu 1 Pfennig haben eine braune, die zu 3 Pfennig eine olivgrüne und der Wert zu 10 Pfennig eine blaugrüne Druckfarbe. Über den Ausgabegrund der Gutscheine ist wenig bekannt, sie sollten wohl aber zur Bekämpfung des Schwarzmarkt-Handels dienen, indem Brot in den festgelegten Brotläden zum offiziellen Preis (daher die kleinen Pfennig-Beträge) abgegeben wurde. Die Brot-Kupons sind sehr selten. Dies dürfte verschiedene Gründe haben: 1. Niemand konnte es sich damals leisten, die Gutscheine aufzubewahren, es sei denn, er wäre bereit gewesen, einige Tage zu hungern. 2. Nur ein begrenzter Personenkreis kam in den Genuss dieser Scheine. 3. Eingelöste Scheine und unbenutzte Restbestände wurden vor Einmarsch der Roten Armee – wohl aus Angst vor Repressalien – vernichtet. Bleibt anzumerken, dass das Auktionshaus Christoph Gärtner, Bietigheim-Bissingen, in der 37. Auktion vom 16. – 17. Juni 2017 unter der Nummer P 2817 und P 2818 die Nominale zu 3 und 10 Pfennig zum Ausrufpreis von je 500 Euro anbot. Uwe Bronnert Abb. 1 und 10 Pfennig: www.fox-notes.ru Abb. 3 Pfennig: Uwe Bronnert

  • Anmerkungen zu einer deutschen Propagandanote

    1945 besaßen die alliierten Streitkräfte in Italien eine überwältigende zahlen- und materialmäßige Überlegenheit. Nach dreimonatiger Winterpause griffen die 5. US-Armee und die britische 8. Armee Anfang April wieder an, sodass sich die deutsche Wehrmacht hinter die natürliche Verteidigungslinie, den Po, zurückzog. Am 23. April überquerte das 337., 338. und 339. Infanterieregiment der 85. US-Infanteriedivision den Fluss und rückte schnell nach Norden vor. Bereits am 26. April erreichte das 339. Regiment die Stadt Verona, in der sich mehrere große Druckereien befanden, von denen bekannt war, dass sie Briefmarken, Postkarten, Poster und Broschüren herstellten, die die italienische Moral und den Durchhalte-Willen stärken sollten. Wegen des überstürzten Rückzugs der Deutschen war das 3. Bataillon des 339. Infanterie-Regiments zu schnell vorangekommen, sodass man aus dem Bereich der mitgeführten Landkarten hinausgekommen war. Kommandant Oberst Floyd E. Minor ließ daher in den Druckereien der Stadt nach entsprechenden Karten suchen. Dabei entdeckte eine Patrouille in einem Lagergebäude auf einem Privatgrundstück nördlich von Verona ein Lager mit riesigen Mengen an Druckerzeugnissen, die die Deutschen zurückgelassen hatten, darunter auch Karten der Umgebung bis zum Brenner. Überrascht war man über den Fund eines großen Bündels 1-Dollar-Silver-Certificates der Vereinigten Staaten von 1935. Die Scheine trugen alle die Nummer D85826026A. Auf der Rückseite hatten die Deutschen eine dreizeilige, italienischsprachige Propaganda-Botschaft aufgedruckt: Le promesse Americane sono sempre state vane Sono balle belle e buone sono bolle di sapone! (come questa banconota) Amerikanische Versprechungen waren schon immer vergebens. Das sind gute Lügen und gute Lügen sind Seifenblasen! (wie diese Banknote) Die gefundenen Propagandanoten wurden bis auf etwa 100 vernichtet, die als Souvenir an die Soldaten verteilt wurden. Bleibt anzumerken, dass der Kommandierende der deutschen 10. Armee, Generaloberst Vietinghoff, am 29. April 1945 bedingungslos kapitulierte. Als Generalfeldmarschall Kesselring davon erfuhr, ließ er ihn verhaften und durch General der Infanterie Friedrich Schulz ablösen, sodass die Kriegshandlungen erst am 2. Mai 1945 in Italien endeten. Text und Abb. Uwe Bronnert Literatur SGM Herbert A. Friedman (Ret.), Axis Propaganda Currency of WW II. http://www.psywarrior.com./WWIIGermanBanknotes.html, Stand: 20.07.2019, 15.00 Uhr

  • Die italienischen Abstempelungen jugoslawischer Banknoten in Montenegro 1941

    Um 5:15 Uhr am 6. April 1941 griffen deutsche Verbände, unterstützt von italienischen, bulgarischen und ungarischen Truppen, ohne vorherige Kriegserklärung das Königreich Jugoslawien an, das bereits am 17. April kapitulierte. Hitler ging es vor allem darum, die wirtschaftlichen Ressourcen in Südosteuropa zu nutzen und für den geplanten Überfall auf die Sowjetunion abzusichern. Im Gegensatz zu Italien hatte man in Berlin keine territorialen Ambitionen auf die Balkan-Region. Adria und Mittelmeer galten als italienisches Interessengebiet des Partners Mussolini. Die von Hitler durchgesetzte Neuordnung des Balkanraums schuf ein Konglomerat aus Besatzungszonen, Vasallenstaaten und Gebietsabtretungen. Von Jugoslawien blieb nichts übrig. Kroatien erklärte sich bereits am 15. April zum Unabhängigen Staat Kroatien. Das Deutsche Reich erkannte diesen neuen Vasallenstaat, der Slawonien, Syrmien und das dalmatische Hinterland sowie Bosnien und Herzegowina miteinschloss, umgehend diplomatisch an. Alt-Serbien blieb unter deutscher Militärverwaltung mit einer Kollaborations-Regierung in Belgrad. Der Achsenverbündete Bulgarien besetzte große Teile Mazedoniens, Ungarn die westliche Vojvodina mit Novi Sad. Albanien, das seit 1939 italienisch war, schluckte das hauptsächlich von Albanern bewohnte Kosovo. Italien schnappte sich aus dem zerstückelten Vielvölkerstaat die meisten Adriainseln, die Küste Dalmatiens und Südwest-Slowenien und errichtete in Montenegro einen italienischen Marionettenstaat. In den neugeschaffenen Territorien liefen natürlich zunächst die Banknoten der Narodna Banka Kraljevine Jugoslavije weiter um. Die neuen Machthaber waren bestrebt, möglichst schnell eigene Zahlungsmittel zu schaffen. Zunächst galt es jedoch den augenblicklichen Geldumlauf zu kontrollieren. Dazu gehörte auch, den Zustrom aus anderen ehemaligen jugoslawischen Gebieten zu unterbinden. In Montenegro schätzten örtliche Bankbeamte den Papiergeldumlauf auf 550 bis 750 Millionen Dinar. Ferner rechnete man mit 100 bis 150 Millionen unrechtmäßig in Umlauf gesetzte Banknoten, die statt des Porträts König Alexanders das von König Peter II. im Wasserzeichen zeigen. Hierbei kann es sich nur um die nicht ausgegebenen Reservenoten zu 10.000 Dinar vom 6. September 1939 handeln, die bei der Evakuierung in montenegrinischen Berghöhlen eingelagert und dort gestohlen wurden. Zunächst wollte man die jugoslawischen Noten mit einem Aufdruck „Vale X lire montenegrine“ (der Wert ist X Liras von Montenegro) versehen. Schließlich wurde der Wert in Dinar beibehalten und die Banknoten mit zwei gleichen Stempelabdrucken versehen. Der runde Stempel trägt rechts neben der Frauengestalt mit Fackel den Schriftzug „VERFICATION“ (Verifiziert) und links drei fünfzackige Sterne, die durch eine Verzierung verbunden sind. Dieser Stempel war bereits 1940 in Zara bei der Vernichtung von Wertpapieren verwendet worden. Die Abstempelung der Noten begann am 1. Juli 1941. Gestempelt wurden die folgenden Banknoten Narodna Banka Kraljevine Jugoslavije: Wie es scheint, wurde bei der Stempelaktion nicht immer aufmerksam verfahren. So wurden etwa 100-Dinar-Banknoten vom 30. November 1920 der liquidierten „Narodna Banka Kraljevine Srba, Hrvata i Slovenaca“, deren Zeichnung dem der im Umlauf befindlichen Banknoten sehr ähnlich war, gestempelt. Diese Noten sind heute eine numismatische Rarität, die von Sammlern gesucht wird. Aus einem Bericht vom August 1941 an die Banca d'Italia geht hervor, dass Scheine im Wert von 286.154.280 Dinar gestempelt wurden. Die Diskrepanz zwischen der geschätzten Umlaufmenge und den abgestempelten Noten lässt darauf schließen, dass ein großer Teil der Banknoten nicht zur Abstempelung vorgelegt wurde. Offensichtlich misstraute die Bevölkerung der Aktion. Schon bald bemerkte die Währungsbehörde Stempelfälschungen. Neben diesen alten Fälschungen gibt es eine große Anzahl moderner. Bei guten, deutlichen Stempelabdrücken sind die Fälschungen an den folgenden Merkmalen erkennbar: 1. Fackel und Kreis sind nicht verbunden, 2. feine und getrennte Linien an den Falten des Kleides, 3. es sind zwei unterschiedliche konzentrische Kreise erkennbar, 4. feine, dünne und klare Linien. Bei verwischten Stempelabdrücken bzw. nur Teilabdrücken ist ein Falschgelderkennung kaum möglich. Nach dem Gesetz vom 14. Februar 1942 wurde die Jugoslawische Nationalbank liquidiert und deren Banknoten waren seit dem 1. Juli nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel in ganz Jugoslawien anzusehen. Die italienischen Behörden begannen nun mit dem Umtausch der gestempelten Dinar-Noten in Lira. Dieser Vorgang dauerte länger als erwartet und wurde erst durch eine Verordnung des Gouverneurs von Montenegro vom 5. September 1942 beendet. Aus den Berichten der Banca d'Italia geht hervor, dass gestempelte Banknoten im Gesamtbetrag von 362.992.700 Dinar zum Umtausch eingereicht wurden. Bleibt anzumerken, dass das italienische Governatorato de Montenegro nicht lange währte. Bereits im September 1943 löste die deutsche Militärverwaltung die bisherige italienische Verwaltung ab. Gleichzeitig wurden die Reichskreditkassenscheine gesetzliche Zahlungsmittel. 10 Lire galten 1 RM. Text und Abb. Uwe Bronnert Literatur: Guido Crapanzano (hrsg. v.), Soldi d’Italia, Un secolo di cartamoneta, Fondazione Cassa di Risparmio di Parma e Monte di Credito su Pegno di Busseto 1995. Zeljko Stojanovic, Papirni Novac Srbije i Jugoslavije – Das Papiergeld Serbiens und Jugoslawiens – Paper Money of Serbia and Yugoslavia, Beograd 1996.

  • Diakoniegroschen

    Vor nicht langer Zeit konnte ich das kleine Scheinchen für wenig Geld erwerben. Aber was verbirgt sich hinter dem Diakoniegroschen zu 50 Pfennig? Wann, wo und von wem wurde er ausgegeben? Welchem Zweck diente er? Eine Menge Fragen auf einmal. Das einzige, was ich bis dahin sagen konnte: „Solch ein Papier habe ich zuvor noch nie gesehen.“ Die Recherchen im Internet zu diesem Schein gestalteten sich als wenig ergiebig und auch widersprüchlich. Zumindest der Begriff „Diakonie“ scheint eindeutig: „Unter Diakonie (altgriechisch διακονία diakonía ‚Dienst‘, von διάκονος diákonos ‚Diener‘) versteht man alle Aspekte des Dienstes am Menschen im kirchlichen Rahmen. Die christliche Theologie sieht in der Diakonie neben dem Zeugnis (altgriechisch μαρτυρία martyría) und der Gottesdienstgestaltung (altgriechisch λειτουργία leiturgía) eines der Wesensmerkmale (Grundvollzüge) der Kirche.“ [Wikipedia] Und an anderer Stelle: „Die Diakonie ist der Wohlfahrtsverband der Evangelischen Kirche in Deutschland. … Bereits in den ersten christlichen Gemeinden gab es sogenannte ‚Diakone‘. Diakone haben die Arbeit der Gemeinden unterstützt. Der Aspekt des Dienens spielte dabei eine große Rolle. Jesus bezeichnete sich selbst als diákonos und rief seine Jünger dazu auf, ebenfalls zu dienen, statt sich als Herrscher über andere zu erheben. Dazu gehört es, Menschen mit Liebe zu begegnen, auch wenn sie einem fremd sind.“ [ https://www.ekd.de/Diakonie-11055.htm] Die Mitte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit der Armut und sozialen Not infolge wachsender Bevölkerung, beginnender Industrialisierung und Landflucht. In ihr fällt die Geburtsstunde der organisierten Diakonie. Beim ersten Evangelischen Kirchentag im Revolutionsjahr 1848 versammelten sich ca. 500 Männer in der Schlosskirche zu Wittenberg, um über die Gründung eines deutschen evangelischen Kirchenbundes zu beraten. Hier wurde der „Central-Ausschuss für die Innere Mission der Deutschen Evangelischen Kirche“ ins Leben gerufen, die Vorläufer-Organisation des heutigen Diakonischen Werks der EKD. Treibende Kraft war der Theologe Johann Hinrich Wichern (1808–1881), dessen Name mit dem „Rauhen Haus“ in Hamburg untrennbar verbunden ist. Seit 1833 leitete er das so genannte Rettungshaus für gefährdete Kinder und Jugendliche. Sein Grundgedanke, helfen aus christlicher Verantwortung, ließ überall in Deutschland seit 1848 regionale und lokale Zusammenschlüsse der Inneren Mission, ein Netzwerk aus Vereinen und Verbänden, die beispielsweise evangelische Krankenhäuser, Pflegeheime und Stadtmissionen betrieben, entstehen. Eine der größten Einrichtungen ist die „Rheinisch-Westfälische Anstalt für Epileptische“ in Bethel, die Pastor Friedrich von Bodelschwingh (1831–1910) seit 1872 bis zu seinem Tod leitete. Als Verband der Freien Wohlfahrtspflege bildete die Diakonie im Kaiserreich und der "Weimarer Republik" eine wesentliche Säule des Sozialsystems. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann die Gleichschaltung der Wohlfahrtsverbände, die in der systematischen „Euthanasie“ behinderter und psychisch kranker Menschen endete. Auch in den evangelischen Einrichtungen zählten Tausende Patienten zu den Opfern. Ende August 1945 kamen im hessischen Treysa Vertreter der evangelischen Landeskirchen und der Bekennenden Kirche zusammen. Unter Leitung von Eugen Gerstenmaier (1906–1986, evangelischer Theologe und CDU-Politiker, von 1954–1969 Bundestagspräsident) wurde das „Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland“ ins Leben gerufen. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ war in der Ausgabe 47/1948 zu lesen: „Das Hilfswerk der evangelischen Kirche in Deutschland, eine der größten sozialen Einrichtungen der Nachkriegszeit, ist nach der Währungsreform in große Schwierigkeiten geraten. Dieses Hilfswerk hat nach dem Krieg Not und Hunger in allen deutschen Ländern gelindert, die Heimkehrer betreut, Kirchen wieder aufgebaut, mittellosen theologischen Nachwuchs unterstützt. Seine Wirkung erstreckt sich bis in alle Zweige des öffentlichen und privaten Lebens, so daß seine jetzigen Schwierigkeiten die gesamte Öffentlichkeit beunruhigen müssen. Aber das Evangelische Hilfswerk hat Wege gefunden, auf denen man die gegenwärtige Krise zu überwinden hofft: Die Idee des ‚Diakoniegroschens‘ entstand und wird augenblicklich realisiert. Der ‚Diakoniegroschen‘ ist eine Spende der Gläubigen, die über den finanziellen Ertrag hinaus das Gefühl für eine tatkräftige christliche Nächstenliebe erneuern soll.“ Der Spender erhielt als Spendennachweis einen undatierten 42 mm x 34 mm großen einseitig grün bedruckten Papierzettel. Er ist überschrieben mit „DIAKONIEGROSCHEN“ und im unteren Feld wird zweizeilig der Betrag „FÜNFZIG / PFENNIG“ genannt, daneben links das Symbol der Diakonie und rechts das Symbol für die EKD. Der mittlere Teil zeigt eine Gemeindeschwester in einer ärmlich eingerichteten Wohnung (vielleicht eine Baracke in einem Lager) bei einer Familie Unterstützungsgüter verteilend. Der Diakoniegroschen wurde wohl vom Spendensammler aus einem Bogen gerissen. Leider ist nicht bekannt, wie lange diese Praxis bestand. Aufgrund der schlechten Papierqualität dürfte der abgebildete Schein aus dem Jahr 1948 stammen. Im Bereich vieler Landeskirchen sammelten allerdings noch 1969 Freiwillige allmonatlich von Haus zu Haus den sogenannten Diakoniegroschen ein, eine Kollekte in beliebiger Höhe, die vom Spender in eine Liste eingetragen wurde. „Keiner der Zahlenden weiß oder erinnert sich noch, daß die Aktion Diakoniegroschen 1948 vier Wochen nach der Währungsreform ausdrücklich nur für ‚die Dauer der gegenwärtigen Notzeit‘ eingerichtet worden war.“ (Der Spiegel, Nr. 13/69, S. 50) 1957 schlossen sich Zentralausschuss und Hilfswerk unter dem Namen "Innere Mission und Hilfswerk der EKD" zusammen. Durch die Gründung des "Diakonischen Werkes der EKD e.V." im Jahre 1975 wurde das Hilfswerk der EKD formal aufgelöst. Text und Abb. Uwe Bronnert

  • Gutscheine der Société Coopérative L'Union de Limoges

    Hin und wieder werden bei eBay oder Delcampe Scheine der Société Coopérative L'Union de Limoges angeboten, meist unter der Rubrik Notgeld. Aber handelt es sich bei diesen undatierten Scheinen, die als Währungsbezeichnung Francs angeben, wirklich um Notgeld? Abb. 1: Société Coopérative L'Union de Limoges, o. D., 20 Francs, Vorderseite Limoges ist die Hauptstadt des französischen Départements Haute-Vienne und der ehemaligen Region Limousin. Die Stadt liegt am Fluss Vienne im nordwestlichen Zentralmassiv und hat heute ca. 130.000 Einwohner. Die Société Coopérative L'Union de Limoges wurde 1881 von etwa 50 Porzellanarbeitern zur Verbesserung der schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen gegründet – inspiriert vom Prinzip der Rochdale Society of Equitable Pioneers (Gesellschaft der redlichen Pioniere von Rochdale), einer Konsum- und Spargenossenschaft, die im Dezember 1844 von 28 Webern aus Rochdale gegründet wurde. Das Ziel ihrer Konsumgenossenschaft war, den Mitgliedern den Kauf qualitativ hochwertiger Lebensmittel zu niedrigsten Kosten zu ermöglichen. Die Geschichte der Union ist Teil einer beispiellosen Solidaritätsbewegung. Bereits 1900 hatte die Genossenschaft 8.758 Mitglieder und 1935 waren es 24.225. Dies entsprach 25 % der damaligen Bevölkerung der Stadt Limoges. Ursprünglich ein einfacher Laden, entwickelte sich die Kooperative im Laufe der Jahre in ein Lebensmittelunternehmen mit einer Bäckerei, die 1912 täglich 10 Tonnen Brot herstellte, einer Keksfabrik, Kellerei und eigener Farm. 1939 beschäftigte das Unternehmen 490 Mitarbeiter. Der Gewinn des Unternehmens kam nicht nur den Mitgliedern in Form eines jährlichen Rabattes zugute, sondern auch allgemein der Bevölkerung der Stadt: So ließ die Genossenschaft in der Rue de la Fonderie, die 1932 in Rue des Coopérateurs umbenannt wurde, ein Auditorium bauen. 1939 wurde ihre reichhaltige Bibliothek mit 13.000 Werken der Bevölkerung zugänglich gemacht. Schon früh richtete das Unternehmen eine Pensionskasse für die Mitarbeiter ein, gewährte erkrankten Arbeitern Genesungsurlaub und trug die Kosten für Sommerlager. Von der Genossenschaft sind Bons zu 1, 5, 10, 20, 50 und 100 Francs bekannt, die sich nur in Format und Druckfarbe unterscheiden. Der Wert zu 50 Francs ist braun, der zu 100 Francs violett oder grün. Alle anderen Nominale haben eine blaue bzw. blaugraue Farbe. Auf der Vorderseite sind die Scheine überschrieben mit „SOCIÉTÉ COOPÉRATIVE L’UNION DE LIMOGES“. Es folgt ein Text, dessen Übersetzung sinngemäß lautet: "Gutschein über 20 Francs im Handel. Der vorliegende Gutschein wird in allen Verkaufsstellen des Unternehmens beim Kauf von Waren wie Geld angenommen." Links und rechts des Textes sind jeweils eine Getreidegarbe sowie die Vorder- und Rückseiten zweier Medaillen abgebildet, die das Unternehmen anlässlich einer Ausstellung 1889 bzw. 1900 erhielt. Unten am Scheinrand steht in einem Banner: "Zusammenarbeit ist das größte / Gut für die meisten Menschen." Bei einigen Nominalen ist unter dem Schmuckrahmen in der rechten Ecke die Angabe der Druckerei zu finden. Abb. 2: Société Coopérative L'Union de Limoges, o. D., 20 Francs, Rückseite Die einheitliche Rückseite zeigt links fünf schreitende Frauen in fließenden Gewändern, eine von ihnen trägt eine Korngarbe im Arm, eine andere einen Korb mit Obst. In der rechten unteren Ecke sitzt schließlich ein nackter Knabe, der ein Band in den Händen hält mit der Aufschrift „Einer für alle / alle für einen". Zwischen den dargestellten Figuren sind im Hintergrund verschiedene Firmengebäude zu sehen. Das obere rechte Eck wird durch den folgenden Text ausgefüllt: "Genossenschaft mit beschränkter Haftung / mit veränderbarem Personal und Kapital / Gegründet in Limoges, 20. November 1881 / Endgültig konstituiert am 22. August 1886 / Hauptgeschäftsstelle Rue de la Fonderie 14, Limoges / Der Administrator – Der Kassierer". Der Text auf der Vorderseite deutet darauf hin, dass es sich bei den Gutscheinen um Urkunden handelt, die einen Anspruch auf eine jährliche Gewinnausschüttung verbriefen. Gegen ihre Rückgabe konnten Waren in den firmeneigenen Verkaufsstellen erworben werden. Da der Druck der Bons auf sehr dünnem Papier ohne Wasserzeichen erfolgte, ist davon auszugehen, dass sie nicht für den eigentlichen Geldverkehr bestimmt waren. Die Bons müssen vor 1932 gedruckt worden sein, da der Straßenname sonst aktualisiert worden wäre. Sie waren sicherlich aber noch Ende der 1930er-Jahre im „Umlauf“, zumindest lässt dies ein 100-Francs-Gutschein vermuten, der mit einem Stempel vom 10. Juni 1939 vorliegt. Es bleibt anzumerken, dass von der Société Coopérative L'Union de Limoges auch undatierte Gutscheine über ein und zwei Kilogramm Weißbrot existieren. Heute gehört die Genossenschaft zur Coop Atlantique, einem Zusammenschluss regionaler Kooperativen. Uwe Bronnert Abb. Uwe Bronnert

  • Rund ums Geld: Papel de Fianzas

    In vielen Sammlungen, die spanisches Papiergeld enthalten, finden sich oft auch geldscheinähnliche Papiere, die mit „Papel de Fianzas“ überschrieben sind. Was hat es mit diesen Scheinen auf sich? Die Übersetzung ins Deutsche ist hier wenig hilfreich, lautet sie doch nur „Papier der Kautionsanleihe“. Diese Scheine wurden mit verschiedenen Ausgabedaten auf festem Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Alle Ausgaben sind identisch und unterscheiden sich nur in der Wertangabe, dem Ausgabedatum, der Angabe der Rechtsgrundlage und in geringfügigen Farbabweichungen. Die Vorderseite zeigt in einem Schmuckrahmen, in dessen Ecken die Wertzahl gedruckt ist, die Überschrift „PAPEL DE FIANZAS“, es folgen fünf Textzeilen: El Instituto Nacional de la Vivienda pagara al portador la cantidad de CINCO pesetas den concepto de devolución de fianza con arreglo al Decreto de 26 de Octubre de 1939 Madrid 1.o de Enero de 1940 Das Nationale Wohnungsinstitut zahlt dem Inhaber den Betrag von FÜNF Peseten als Rückerstattung der Kaution gemäß dem Dekret vom 26. Oktober 1939 Madrid, 1. Januar 1940 Bei den späteren Ausgaben wir auf das Dekret vom 11. März 1949 Bezug genommen und die entsprechenden Ausgabedaten angegeben. Unter dem Textblock hat auf der linken Seite der Institutsdirektor unterschrieben, in der Mitte das Symbol des INV, rechts die Unterschriften des Depositario (Verwahrer) und des Interventor (Rechnungsprüfers). Der Unterdruck zeigt das Wappen des Nationalen Spaniens sowie ein Flächenmuster. Die Rückseite wird von der Seitenansicht eines nach rechts blickenden behelmten Frauenkopfes bestimmt, das sich in einem Oval befindet. Links und rechts davon die Wertzahl in einer Guilloche. Das Oval wird wiederum von einem Schmuckrahmen eingeschlossen. Im oberen Teil „INSTITUTO NACIONAL DE VIVIENDA“ und im unteren Teil „PAPEL DE FIANZAS“. Über und unter der Wertzahl befindet sich jeweils eine siebenstellige Kennnummer mit teilweise vorgesetztem Buchstaben. Zumindest bei der ersten Ausgabe wurden zwei verschiedene Nummeratoren verwendet. Der spanische Bürgerkrieg (1936–1939) hatte schwere Schäden an vielen Wohngebäuden hinterlassen. Ihre Wiederherstellung erforderte die notwendigen finanziellen Mittel. Um die Arbeiten zu koordinieren, wurde am 19. April 1939 das Instituto Nacional de la Vivienda (INV) gegründet. Es unterstand zunächst der Gewerkschaftsorganisation. Ab 2. Januar 1942 war das Arbeitsministerium zuständig. Die Leitung des INV wurde dem Bergbauingenieur Federico Mayo Gayarre (1894–1954) übertragen, der während des Bürgerkriegs zum Kapitän der Ingenieure ernannt wurde. Er hatte die Position des Generaldirektors von der Gründung des Instituts bis zu seinem Tod im Jahr 1954 inne. Diese Behörde war für die Genehmigung von Bauvorhaben und für die Überwachung der Nutzung und Vergabe von Sozialwohnungen zuständig, ferner verhängte es bei Verstößen Bußgelder und emittierte die Papel de Fianzas. Es ist erstaunlich, dass heute die Bedeutung der Scheine bei spanischen Sammlern und Händlern weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Im Dekret vom 11. März 1949 über Mietpapiere ist nachzulesen, dass jeder Mieter von Wohnungen oder Geschäftsräumen sowie bei ergänzenden Lieferungen und Leistungen, die die Mietsache betrafen (z. B. Strom, Gas, Wasser), eine Kaution in Höhe einer Monatsmiete an den Vermieter zahlen musste. Bei Geschäftslokalen betrug die Kaution sogar zwei Monatsmieten. Der Vermieter hatte dieses Geld an die INV abzuführen und zur Kontrolle gleichzeitig den Mietvertrag einzureichen. Im Gegenzug erhielt er von der INV unverzinsliche Scheine der Kautionsanleihe, eben die „Papel de Fianzas“, die er dann an die Mieter weiterreichte. Erst nach Beendigung des Mietverhältnisses wurde gegen Rückgabe der Scheine die Kaution erstattet. Mit den eingesammelten Kautionen konnten nun Wohnungsbauprojekte gefördert werden. Die Papel de Fianzas wurden in den Werten tausend, fünfhundert, einhundert, fünfzig, zehn und fünf Pesetas ausgegeben und entsprechend mit Clase Especial, A, B, C, D und E bezeichnet und fortlaufend nummeriert. Emittiert wurden Anleihen mit unterschiedlichem Datum. Mir sind folgende Ausgabedaten bekannt: 1. Januar 1940, 1. Juni 1954, 18. Juni 1958, 24. Juli 1959, 9. Juni 1960, 1. Februar 1962, 1. Dezember 1963, 2. Januar 1965, 1. Februar 1966, 1. Februar 1967 und 2. Januar 1969. Obwohl die INV 1977 aufgelöst wurde, gab man weiterhin Kautionsanleihen aus, so mit dem Datum vom 1. Juni 1979 und 1. Dezember 1980. Eine spätere Ausgabe vom 1. Oktober 1982 nennen als das „Instituto para la Promocion Publica de la Vivienda“ (Institut für die öffentliche Wohnraumförderung) als Emittenten. Hin und wieder liest man, dass vor allem in der Nachkriegszeit die niedrigen Stücklungen der Papel der Fianzas aufgrund fehlender Banknoten auch als Papiergeld verwendet wurden. Amtlich Belege hierzu sind mir allerdings nicht bekannt. Auch scheint eine Verwendung als Geld wenig plausibel, denn obwohl die Kautionsanleihestücke Inhaberpapiere sind, erhielt man sein Geld doch nur, wenn man die Wohnung aufgab. Während die Papel de Fianzas mit dem Datum vom 1. Januar 1940 noch häufiger anzutreffen sind, sind die anderen Ausgaben nur schwer zu bekommen. Darüber hinaus weisen die meisten Scheine Löcher durch Heftklammern auf, da sie an Dokumenten des INV geheftet waren. Text und Abb. Uwe Bronnert

  • Geld der 8-Tage-Republik Baranya-Baja 1921

    Im November 1918 begannen serbische Truppen, in den Süden Ungarns einzudringen. Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie hatten die serbischen Truppen – unterstützt durch französische Entente-Streitkräfte – auch Gebiete besetzt, die nach dem späteren Friedensvertrag von Trianon Ungarn belassen wurden.[1] Obwohl der Vertrag die Grenzen nördlich der Drau und des Baranya-Dreiecks zog, zögerte die Regierung des serbisch-kroatisch-slowenischen Königreichs (dem späteren Jugoslawien) den Rückzug des Militärs hinaus. Hierfür dürfte es mehrere Gründe gegeben haben. So lieferten die Kohlegruben wertvolle Brennstoffe ins neue südslawische Königreich, ferner lebten 1919 nach einer serbischen Volkszählung in Péce 14.485 Südslawen, 17.901 Ungarn und 14.549 Deutsche. Diese Zahlen stehen allerdings im krassen Gegensatz zu den einer ungarischen Volkszählung aus dem Jahr 1920, wonach die Bevölkerung aus 45 Serben, 326 Kroaten, 5.034 Deutschen, aber 40.655 Ungarn bestand. Man hoffte in Belgrad, irgendwie die Herrschaft über dieses Gebiet behalten zu können. Im Oktober 1918 übernahm im ungarischen Teil der Habsburger Doppelmonarchie eine bürgerlich-sozialdemokratische Regierung die politische Führung. Der „Ungarische Nationalrat“ begann mit zahlreichen sozialen und gesellschaftlichen Reformen. Den Arbeiterräten in den Betrieben gingen diese jedoch nicht weit genug. Sie forderten die Verstaatlichung von Industrie und Landwirtschaft sowie die Enteignung der Banken. Unterstützung erhielten sie von den rund 100.000 ungarischen Soldaten, die sich in russischer Kriegsgefangenschaft den Bolschewiki angeschlossen hatten. Zurück in der Heimat, bildeten sie das Herz der Kommunistischen Partei Ungarns. Im März 1919 errichtete diese unter Führung des Journalisten und Politikers Béla Kun[2] eine Sowjetrepublik. Im Ausland deutete man dies als Zeichen der bevorstehenden kommunistischen Weltrevolution. Daher wurde die ungarische Entwicklung entschieden bekämpft. Am 1. August 1919 besetzten rumänische Truppen Budapest. Nach nur 133 Tagen fand die Räterepublik ihr Ende. Miklós Horthy [3] übernahm die Führung Ungarns. Tausende Kommunisten und Sozialdemokraten wurden nun Opfer des weißen Terrors, der den roten Terror ablöste. Viele der Verfolgten fanden Unterschlupf im serbisch besetzten Grenzgebiet, dem Komitat Baranya. Die Zuwanderer gründeten mit Zustimmung der serbischen Behörden die Sozialistische Partei von Pécs. Bei den Kommunalwahlen im August 1920 wurde Béla Linder [4] Bürgermeister in Pécs und Sándor Doktor [5] Präsident des Stadtkomitees. Man war hier allgemein überzeugt, dass, trotz aller Pariser Entscheidungen, die jugoslawische Armee den Ungarn das Gebiet nicht übergeben würde. Aber nach Ratifizierung des Trianon-Vertrags im Juli 1921 wendete sich das Blatt. Linder informierte die Sozialisten in Pécs, dass man wohl nicht weiter auf Unterstützung des südslawischen Staates rechnen könne. Grenzgebiet zwischen den Königreichen Ungarn und den Serben, Kroaten und Slowenen (später Jugoslawien). Das von der Baranya-Baja-Republik beanspruchte Gebiet ist in Braun dargestellt. Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Serbian-Hungarian_Baranya-Baja_Republic#/media/File:Baranya-Baja_Republic-EN.svg Den letzten Ausweg, den Einmarsch der Horthy-Truppen zu verhindern, sahen die Verantwortlichen in Pécs in der Gründung eines eigenen Staates mit enger Bindung an das serbisch-kroatisch-slowenische Königreich. Am 14. August 1921 proklamierte Péter Dobrovits [5] vor 15.000 bis 20.000 Arbeitern am Széchenyi-Platz die Serbisch-Ungarische Republik Baranya-Baja (ungarisch: Baranya-Bajai Szerb-Magyar Köztársaság, serbisch: Српско-мађарска република Барања-Баја oder Srpsko-mađarska republika Baranja-Baja). Die internationale Anerkennung blieb der Republik versagt. Am 16. August 1921 erklärte die ungarische Regierung gegenüber dem Hohen Kommissar, dass sie den neuen Staat nicht anerkennen würde. Unter dem sich entfaltenden diplomatischen Druck der Entente zog das südslawische Königreich seine Truppen am 18. August 1921 aus dem Gebiet nördlich von Baranya und der Linie zwischen Gyékényes und Újszeged zurück. Der serbische Generalkommissar von Pécs, Generalmajor Rajcić, bot am 20. August allen Personen einen Pass des südslawischen Königreichs an, die sich nicht der „ungarischen Besatzung“ unterziehen wollten. Am 22. August zog die ungarische Nationalarmee in Pécs ein. Nach 33 Monaten serbischer Besatzung nahm Ungarn das Gebiet wieder in Besitz. Damit war nach nur acht Tagen das Abenteuer der Serbisch-Ungarischen Republik Baranya-Baja beendet. Auch wenn die Republik Baranya-Baja von der Landkarte und weitgehend aus den Erinnerungen verschwunden ist, hat sie doch notaphile Spuren hinterlassen. In den 1960er Jahren fand man im Museum „Janus Pannonius“ in Pécs eine 20-Kronen-Banknote der Oesterreichisch-Ungarischen Bank von 1913 mit dem Handstempel-Aufdruck „PĚCS-BARANYA / KÖZTÁRSASÁG“. Später, in den 1970er Jahren, wurden Dutzende Banknoten mit diesem Stempelabdruck in Wien angeboten. Nach Branko Glišić [6] können die Abdrucke bei allen vor und im Krieg im Umlauf gewesenen Banknoten vorkommen, aber auch bei den späteren Werten zu 10.000, 25 und 200 Kronen. Der Stempel ist jeweils auf der ungarischen Seite angebracht und hat die Abmessung 65 x 16 mm. Verwunderlich ist, dass man in Pécs auf Geldscheine zurückgriff, die in den Ländern der ehemaligen k. u. k. Monarchie bereits nicht mehr umlauffähig waren. Da die Emigranten auch ungarische Noten mitbrachten, wurden auch diese gestempelt.[7] Letzteres gilt auch für einige deutsche Reichsbanknoten. Über die Abstempelungs-Aktion selbst ist nichts bekannt. In jüngerer Zeit werden bei ebay des Öfteren mit „PĚCS-BARANYA / KÖZTÁRSASÁG“ gekennzeichnete Note angeboten. Es ist anzunehmen, dass diese zum Schaden der Sammler neu angefertigt wurden. Ein Nachweis der Echtheit dieser Stempelabdrucke dürfte kaum möglich sein. Ebenso fanden Scheine den Weg zu den Sammlern, die statt des bekannten Stempels einen violetten, runden Abdruck mit der folgenden Randschrift tragen: „* Baranya-Bajai * SZERB-MAGYAR KÖZTÁRSASÁG“; im Innenkreis „1921“. Der Abdruck hat den Durchmesser von 35 mm. Glišić scheint diesen Stempel, wie die gestempelten deutschen Reichsmarkscheine, nicht zu kennen. Beim Erwerb der Noten der Republik Baranya-Baja sollte man daher äußerste Vorsicht walten lassen und den Geldbeutel geschlossen halten. Anmerkungen [1] Im Friedensvertrag von Trianon, unterzeichnet am 4. Juni 1920, musste Ungarn ähnlich harte Bedingungen wie Österreich akzeptieren. Ungarn musste endgültig mehr als zwei Drittel seines Staatsgebiets an die Nachbarn abtreten: Die Slowakei und die Karpato-Ukraine erhielt die neu gebildete Tschechoslowakei, das Burgenland Österreich, Kroatien, Slowenien, Prekmurje, die Regionen Batschka und Süd-Baranya (Drávaköz) sowie Teile des Banats verleibte sich das neu gegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (später Jugoslawien) ein, Siebenbürgen mit Resten des Banats und mit Partium fielen an Rumänien, ein kleines Gebiet mit 14 Dörfern im äußersten Norden wurde Polen zugesprochen. Die Stadt Fiume (Rijeka) bildete zunächst einen eigenen Freistaat, der 1924 von Italien annektiert wurde. So blieben von den 325.411 km² Transleithaniens nur 93.073 km² übrig. [2] Zu Béla Kun, aus Hans-Ludwig Grabowski: "Der Jude nahm uns Silber, Gold und Speck ... – Für politische und antisemitische Propaganda genutzte Geldscheine in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs": Béla Kun (eigentlich Béla Kohn) wurde 1886 in Böhmischdorf in Siebenbürgen geboren, 1906 änderte er seinen jüdischen Familiennamen Kohn in die ungarische Form Kun. Im Ersten Weltkrieg diente er in der österreichisch-ungarischen Armee und geriet 1916 in russische Gefangenschaft, wo er zum Anhänger der Bolschewiki wurde. Im Dezember 1918 wurde er nach Budapest entsandt, um hier eine kommunistische Revolution zu entfachen. Er gab die "Rote Zeitung" heraus und wurde 1919 zur wichtigsten Figur in einer von ihm ausgerufenen Räteregierung aus Sozialisten und Kommunisten. Am 25. Juni 1919 verkündete die Räteregierung die "Diktatur des Proletariats" und zahlreiche politische Gegner wurden verhaftet und nach Revolutionstribunalen ermordet. Das Ende der Räteregierung kam mit dem Auseinanderfallen Ungarns und dem Einmarsch rumänischer Truppen. Kun floh zuerst nach Österreich und später in die Sowjetunion, wo er Funktionen in der KPdSU bekleidete. 1936 wurde er im Rahmen der stalinistischen Säuberungen hingerichtet. [3] Miklós Horthy (* 18. Juni 1868 in Kenderes, Komitat Jász-Nagykun-Szolnok, Österreich-Ungarn; † 9. Februar 1957 in Estoril, Portugal) war ein österreichisch-ungarischer Admiral, ungarischer Politiker und nach dem Sturz der Räterepublik als Reichsverweser langjähriges Staatsoberhaupt des Königreiches Ungarn (1920 – 1944). [4] Béla Linder (* 10. Februar 1876 in Majs, Komitat Baranya, Österreich-Ungarn; † 15. April 1962 in Belgrad, Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien) war im Ersten Weltkrieg k.u.k. Oberst des Generalstabs und nach Auflösung der Realunion mit Österreich vom 1. November 1918 an erster Kriegsminister Ungarns. Bereits am 9. November 1918 entließ ihn der Vorsitzenden des Ungarischen Nationalrats Mihály Károlyi. Während der Herrschaft der Ungarischen Räterepublik wurde er von deren Anführer und Volksbeauftragtem für Außenbeziehungen, Béla Kun, als Militärattaché an die ungarische Botschaft in Wien entsandt, wo er vom 2. Mai bis zum 5. August 1919 tätig war. Nach dem Sturz der Räteregierung floh er in das von Serbien besetzte Komitat Baranya. [5] Doktor Sándor (* 4. Januar 1864 in Beregrákos, Österreich-Ungarn, heute Ukraine; † 7. November 1945 in Keszthely, Ungarn) stammte aus einer armen Bauernfamilie mit zehn Kindern. 1889 graduierte er an der Medizinischen Universität. Einige Zeit war er Assistenzprofessor an der Geburtshilfe- und gynäkologischen Klinik der Medizinischen Hochschule und später als Arzt in Pécs tätig. Während des Ersten Weltkriegs war er als Freiwilliger im Sanitätsdienst an der Ostfront. Nach dem Krieg trat er der Sozialdemokratischen Partei bei, um 1920 die Leitung des Redaktionskomitees der Sozialistischen Partei von Pécs zu übernehmen. [6] Péter Dobrovits (* 14. Januar 1890 in Pécs; † 27. Januar 1942 in Belgrad) war ein serbischer Maler und Präsident der kurzlebigen serbisch-ungarischen Republik Baranya-Baja. [7] Branko Glišić, Pečati i pe aćene novčanice notafilije Srbije 1916-1921, Valjevo 2016, S. 160 ff. [8] Ebenda, S. 273 f. Uwe Bronnert

  • Verordnung No. 212 der Hohen Interalliierten Rheinlandkommission

    Im Sommer 1923 versank das Deutsche Reich in einem währungspolitischen Chaos. War im Frühsommer das höchste Nominal noch die Reichsbanknote zu 500.000 Mark, so führte die galoppierende Inflation dazu, dass die Zahlen auf den Banknoten immer größer wurden. Im August rechnete man bereits mit Millionen, Ende September mit Milliarden und ab Anfang November gar mit Billionen Mark. Obwohl die Reichsdruckerei und ihre Hilfsdruckereien Tag und Nacht neue Geldscheine druckten, blieben die Zahlungsmittel knapp, sodass Kreise und Gemeinden wie auch Unternehmen gezwungen waren, eigenes Notgeld auszugeben. Besonders prekär wurde die Lage im besetzten Rheinland, da die französischen und belgischen Besatzungstruppen die Situation noch dadurch verschärften, dass sie Reichsbanknoten in den Reichsbankfilialen und Hilfsdruckereien beschlagnahmten. Andererseits war den Besatzungsmächten die unkontrollierte Notgeldflut ein Dorn im Auge. Die Ausgabe von Notgeld durch Städte, Gemeinden, Banken, Industrieunternehmen und Privatleuten führte zu Unsicherheit und Hindernissen im Wirtschaftsverkehr. Allzu oft weigerten sich Händler, das Notgeld von auswärtigen Emittenten anzunehmen, bzw. nahmen es nur mit einem Disagio in Zahlung. Die Hohe Interalliierte Rheinlandkommission plante, diesen Missstand durch die Verordnung No. 212 „betreffend Regelung der Notgeldausgabe in den besetzten Gebieten“ vom 20. September 1923 zu beseitigen [1]. Das altbesetzte Rheinland wurde gemäß Artikel 1 in neun Notgeld-Ausgabebezirke eingeteilt: die Pfalz, den besetzten Teil Hessens sowie die Regierungsbezirke Wiesbaden, Coblenz, Trier, Cöln, Aachen und Düsseldorf (linkes Rheinufer Crefeld) und schließlich den Bezirk Bonn. Ein aus deutschen Vertretern von Behörden, Banken, Handel und Industrie gebildeter Sonderausschuss für Notgeld erhielt den Auftrag, die Anstalten und Körperschaften zu ermitteln, denen in Zukunft die Notgeldausgabe gestattet werden sollte. Voraussetzung für die endgültige Zulassung war ferner, dass sich diese dazu verpflichteten, das Notgeld jedes anderen zugelassenen Emittenten ihres Bezirks zum vollen Wert an den eigenen Kassen anzunehmen. Alle vor dem 1. Oktober 1923 ausgegebenen Scheine waren innerhalb einer Frist von drei Monaten nach Inkrafttreten der Verordnung einzuziehen. Da dies der 25. September war, blieb den alten Scheinen eine Schonfrist bis zum 25. Dezember. Neuausgaben durften nur noch durch die zugelassenen Emittenten mit einer entsprechenden Kennzeichnung (s. u.) erfolgen. Bei der Sitzung des Sonderausschusses am 1. Oktober 1923 genehmigte der „Comité financier“ der Rheinlandkommission die vorgelegte Liste. Die dort genannten Kreise, Städte und Unternehmen sollten nun beim Oberbürgermeister der Stadt Coblenz, dem ständigen Büro des Sonderausschusses für Notgeldfragen, ihre Erklärung abgeben [2]. Notgeld, das die ausgewählten Emittenten vor dem 8. Oktober gedruckt oder ausgegeben hatten und das nach dem 25. Dezember 1923 umlauffähig bleiben sollte, musste mit einem besonderen Stempel gekennzeichnet werden. Der Stempelabdruck war auf der linken Scheinseite von oben nach unten laufend aufzustempeln oder aufzudrucken. Dieser Aufdruck in roten, lateinischen Lettern beinhaltete folgende Angaben innerhalb eines einfachen Rahmens: "Umlauffähig im ganzen / Regierungsbezirk ... / Gültig bis zum 1. April 1924." Das Notgeld, das nach dem 8. Oktober gedruckt oder ausgegeben wurde, erhielt diesen Zusatz in gleicher Form. Er durfte allerdings auch eine andere Farbe aufweisen sowie an anderer Stelle des Scheins aufgedruckt sein. Stempelaufdrucke mittels Hand-Gummistempel sind nicht so häufig wie die mitgedruckten Zonenstempel. Dies kam sicher daher, dass die Inflationswerte bis zum Oktober relativ niedrig und inflationsbedingt nicht mehr verwendbar waren. Das Notgeld lief häufig selbst auch in entfernten Regionen um. Es wundert daher nicht, dass bei den Stempelaktionen auch Scheine anderer Emittenten einen Abdruck erhielten. In Coblenz wurde beispielsweise ein 100-Millionen-Mark-Schein des Unterwesterwaldkreises (Montabaur) mit diesem Stempel versehen, der damit „Umlauffähig im ganzen Regierungsbezirk Coblenz“ wurde. Korrekt wäre „Umlauffähig im ganzen Regierungsbezirk Wiesbaden“ gewesen. Die Liste des Sonderausschusses teilt die Ausgabeberechtigten in zwei Gruppen: I. Kommunale Körperschaften und andere Anstalten und Körperschaften 1. BEZIRK PFALZ a) Kreisgemeinde Pfalz b) Stadtkreis Ludwigshafen Stadtkreis Frankenthal Stadtkreis Speyer Stadtkreis Neustadt a/d Haardt Stadtkreis Landau Stadtkreis Kaiserslautern Stadtkreis Pirmasens Stadtkreis Zweibrücken. 2. HESSEN a) Stadt Mainz Stadt Worms b) Kreis Alzey Kreis Bingen Kreis Oppenheim Kreis Worms. Anmerkung: Nur bis zum Jahresende, zu welcher Zeit allein das Notgeld der Hessischen Landesbank Umlauf haben wird. 3. BEZIRK WIESBADEN a) Stadt Wiesbaden Stadt Höchst Stadt Bad-Ems b) Landkreis Wiesbaden Landkreis Königstein Unterwesterwaldkreis Untertaunuskreis Rheingaukreis Unterlahnkreis Landkreis St. Goarshausen c) die Nassauische Landesbank 4. BEZIRK COBLENZ a) Stadt- und Landkreis Coblenz Kreis und Stadt Kreuznach b) Landkreis Neuwied Landkreis Mayen Landkreis Simmern mit Zell und Cochem LandkreisSt. Goar Landkreis Meisenheim 5. BEZIRK TRIER a) der Stadtkreis Trier b) alle Landkreise c) Provinz Birkenfeld (die zu Oldenburg gehörte) 6. BEZIRK BONN a) Stadtkreis Bonn (gemeinsam mit der Handelskammer Bonn) Stadt Düren Stadt Euskirchen b) Landkreis Bonn Siegkreis Landkreis Rheinbach Landkreise Euskirchen und Düren gemeinsam mit den Kreisen Jülich und Schleiden aus dem Bezirk Aachen sowie mit der Handelskammer Stolberg und der Vereinigung der Industriellen von Düren und Umgebung. Anmerkung: Da das Gebiet um Bonn zum Regierungsbezirk Köln gehörte, bekamen die Notgeldausgaben den Aufdruck „Umlauffähig im ganzen Regierungsbezirk Köln“. 7. BEZIRK CÖLN a) Stadt Cöln 8. BEZIRK AACHEN a) Stadt- und Landkreis Aachen Städte Eschweiler und Stolberg (gemeinsam) b) Landkreise Heinsberg und Geilenkirchen Landkreis Erkelenz Landkreis Montjoie Landkreise Schleiden und Jülich (gemeinsame mit den Kreisen Euskirchen und Düren aus dem Bezirk Bonn, sowie mit der Handelskammer Stolberg und der Vereinigung der Industriellen von Düren und Umgebung). 9. BEZIRK DÜSSELDORF a) Stadt Düsseldorf (linkes Rheinufer) Stadt Crefeld Stadt Neuss Stadt München-Gladbach Stadt Rheydt (die Städte München-Gladbach und Rheydt sowohl jede für sich wie gemeinsam miteinander und der Handelskammer München-Gladbach) b) Landkreis Crefeld Landkreis Kempen Landkreis Geldern Landkreis Cleve Landkreis Mörs (sic! Es müsste Moers heißen) Landkreis Neuss Landkreis München-Gladbach Landkreis Grevenbroich c) englischer Brückenkopf: Stadtkreis Solingen Landkreis Solingen Landkreis Düsseldorf. 10. DIE LANDESBANK DER RHEINPROVINZ FÜR DIE RHEINPROVINZ (für die Bezirke 4 – 9) II. Andere Anstalten und Körperschaften 1. PFALZ a) Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF), Ludwigshafen. 2. HESSEN a) Adam Opel, Rüsselsheim Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, A. G., Werk Gustavsburg. Anmerkung: Nur bis zum Jahresende, zu welcher Zeit allein das Notgeld der Hessischen Landesbank Umlauf haben wird. 3. BEZIRK AACHEN a) Handelskammer Aachen 4. BEZIRK DÜSSELDORF Verein der Bergwerke des linken Niederrheins Friedrich Krupp, Rheinhausen Handelskammer München-Gladbach Wenn man bedenkt, dass so manche Kommune und manches Unternehmen nicht nur aus Mangel an Zahlungsmitteln Notgeld ausgab, so wird verständlich, dass diese bemüht waren, dies auch weiter tun zu dürfen. Die Emission von Notgeld bedeutete, dass man einen kostenlosen Kredit in Anspruch nehmen konnte, zumal wenn man es „versäumte“, den Gegenwert des Ausgabebetrags bei der Kredit-Gesellschaft m. b. H. in Berlin zu hinterlegen. In diesem Fall kam noch ein stattlicher Inflationsgewinn hinzu, da sich die eigene Notgeldausgabe weiter entwertete. Die Verordnung No. 212 bedeutete daher für die nicht berücksichtigten Kommunen und Unternehmen eine erhebliche Einschränkung ihres finanziellen Spielraums. Die Stadt Montabaur beantragte mit Schreiben vom 3. Oktober 1923 bei der Hohen Interalliierten Rheinlandkommission, weiterhin Notgeld ausgeben zu dürfen mit der Begründung: „Das Notgeld wird gebraucht zur Deckung von Verwaltungsausgaben, Anschaffung von Gefrierfleisch, zum Kartoffelankauf, Bezahlung der Folgearbeit etc. Zu diesen Ausgaben müssen Barmittel vorhanden sein, die der Stadt fehlen. Ausreichende Kredite bei den Banken zu beschaffen ist der Stadt nicht möglich, da die Kosten und Zinsen eine solche Größe erreichen, die es der Stadt schlechterdings unmöglich machen diese aufzubringen. [...] Die Herausgabe von Notgeld ist eine Lebensnotwendigkeit und bitten wir die Hohe Rheinlandkommission ergebenst der Stadt Montabaur die Herausgabe von Notgeld auch fernerhin gestatten zu wollen.“ [3] Das Gesuch des Magistrats wurde wohl abgelehnt, da kein entsprechendes Notgeld bekannt ist. Andere Antragsteller scheinen erfolgreicher gewesen zu sein. So hat z.B. die Stadt Diez, der Kreis Groß-Gerau, die Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz, die Handels-kammer Ludwigshafen entsprechendes Geld ausgegeben. Es ist nicht anzunehmen, dass sich die Verantwortlichen dieser Emittenten über die Bestimmungen der Besatzungsmächte hinweggesetzt haben, denn alle Notgeldausgaben, die gegen Bestimmungen der Verordnung verstießen, waren ungültig und sollten ohne Entschädigung beschlagnahmt werden. Überdies wurde jeder, der entweder unmittelbar oder mittelbar an solchen Ausgaben beteiligt war, mit einer Geldbuße von 1.000 bis 100.000 Goldmark und/oder Gefängnis von 1 Monat bis zu 2 Jahren bedroht. Nachdem mit der Einführung der Rentenmark die Währungsstabilisierung im November 1923 gelang, wurde auch im besetzten Rheinland in der Zeit vom 1. bis 31. August 1924 das Notgeld eingezogen. Viele rheinische Ausgaben wurden bereits im April und Anfang Mai eingezogen [4]. Uwe Bronnert [1] Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 441, Akte 21109, Bl. 355 ff. [2] Ebenda, Bl. 369 – 371. [3] Stadtarchiv Montabaur, Abt. 4, Nr. 761. [4] Vgl. Dr. Arnold Keller, Das Notgeld der deutschen Inflation 1923, Reprint der Originalausgabe von 1958, München, S. 8.

  • Bofoni/Bifoni – Spendenschein zum 20. Jahrestag der Organisation Ukrainischer Nationalisten von 1949

    Als Folge des Ersten Weltkriegs entstand Polen wieder als unabhängiger Staat. Während der Versailler Vertrag die Westgrenze Polens festlegte, war der Verlauf der Ostgrenze noch lange ungeklärt und umstritten, sodass es zu einer Reihe militärischer Auseinandersetzungen kam: Polnisch-Ukrainischer Krieg (1918 – 1919) Polnisch-Litauischer Krieg (1920) Polnisch-Sowjetischer Krieg (1920) Im Frieden von Riga am 18. März 1921 verzichtete die Sowjetunion auf die Westukraine, die Polen angegliedert wurde. Dadurch vergrößerte sich das polnische Staatsgebiet um mehr als 132.000 km². Von den 10 Millionen neuen polnischen Staatsbürgern waren nur ca. 2,5 Millionen Polen, während 64 % ukrainischer, 10 % jüdischer und 1 % anderer ethnischer Zugehörigkeit waren. Obwohl Polen im Vertrag von Riga einem Autonomie-Status für die ukrainischen Gebiete zugestimmt hatte, begannen polnische Polizei und Verwaltungsorgane mit der „Polonisierung“. Vielerorts antwortete die ukrainische Bevölkerung mit passivem und aktivem Widerstand gegen die polnische Herrschaft. 1929 kam es in Wien zum Zusammenschluss verschiedener nationalistischer Organisationen der Westukraine zur „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN). Ihr Ziel war die Errichtung eines großukrainischen Staates unter Einschluss der sowjetischen Ost-Ukraine, dem polnischen Galizien (West-Ukraine) und dem der nach dem Krieg neu entstandenen Tschechoslowakei angeschlossenen Ruthenien. Die OUN organisierte den Widerstand sowohl gegen die polnische als auch die sowjetische Verwaltung. [1] Bereits 1940 spaltete sich die OUN in zwei Flügel: unter Führung von Stepan Andrijowytsch Bandera (* 1. Januar 1909 in Staryj Ugryniw, Galizien, Österreich-Ungarn; † 15. Oktober 1959 in München) in „OUN-B“ und Andrij Atanassowytsch Melnyk (* 12. Dezember 1890 in Wolja Jakubowa, Bezirk Lemberg, Galizien, Österreich-Ungarn; † 1. November 1964 in Köln) in „OUN-M“. Während Bandera (OUN-B) die Selbstständigkeit der Ukraine nur durch die eigene Kraft der Ukrainer zu erreichen meinte, waren die Melnykisten (OUN-M) überzeugt, dies nur durch eine Partnerschaft mit dem Deutschen Reich realisieren zu können. Als 1941 die deutsche Wehrmacht die Ukraine besetzte, proklamierte folgerichtig die OUN-B am 30. Juni 1941 einen eigenen unabhängigen Staat und führte später mit ihrer „Ukrainischen Aufstandsarmee“ (UPA) einen Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer. Im Gegensatz dazu begrüßte die OUN-M die Bildung der ukrainischen SS-Freiwilligen-Division „Galizien“. Nach dem Krieg sammelten Vertreter der OUN-B in den Lagern der Displaced Persons in Deutschland ehemalige ukrainische Zwangsarbeiter in der „Zentralvertretung der Ukrainer in Deutschland“. Die Auseinandersetzung über die Organisation der OUN auf autoritäre oder demokratische Ziele ging in der Emigration weiter. In welchem Umfang die OUN anti-sowjetische Partisanen beeinflusste, die bis Anfang der 1950er Jahre in der Ukraine aktiv waren, ist unbekannt. „Zur Finanzierung der Untergrundaktivitäten wurden bewaffnete Überfälle auf Banken und andere Geldeinrichtungen verübt. Auf diese Weise wurden gültige Zahlungsmittel erlangt. Da aber ein solches Banditentum durch große Teile der ukrainischen Bevölkerung nur geringe Anerkennung und Unterstützung fand, wurde durch die OUN und UPA Geldersatz-Belege für freiwillige und erzwungene Geld- und Sachspenden ausgegeben. Diese Belege sollten den Eindruck vermitteln, Wertgutscheine zu sein. Diese Wertgutscheine wurden allgemein „Bifoni“ oder auch „Bofoni“ genannt.“ [2] Die ersten „Bofoni“, die noch auf keinen konkreten Wert lauteten, sollen bereits 1939 ausgegeben worden sein. Die OUN versprach, nach ihrem Sieg diese gegen Geld einzutauschen. Trillenberg schreibt unter Berufung auf ukrainische Kataloge, dass 223 verschiedene Bofoni von 1939 bis 1952 ausgegeben worden seien, die auf Reichsmark, Zloty, Karbowanez, Rubel, aber auch D-Mark, Schilling und Dollar lauteten. [3] Im Gegensatz zu den im Krieg emittierten Bofoni, die in der Regel im Untergrund mit einfachsten Mitteln – z. B. im Linolschnitt sowie mit Matrizen aus Gummi oder Leder – hergestellt wurden, ist der Schein, der 1949 zum 20. Jahrestag der Organisation produziert wurde, sorgfältig ausgeführt. Der 117 mm x 66 mm große Schein ist vollkommen in ukrainischer Sprache abgefasst und lautet auf 1 Schilling. Er wurde in England auf Papier mit Wasserzeichen gedruckt. Die Vorderseite zeigt holzschnittartig das Wappen der OUN-B sowie auf dem Schaurand die Wertzahl „1“ und die fünfstellige Kontrollnummer. Auf der Rückseite sind zwei Soldaten mit Maschinenpistolen vor dem Hintergrund einer orthodoxen Kirche abgebildet. Das Brustbild auf dem Schaurand dürfte Stepan Andrijowytsch Bandera zeigen. Trotz der geldscheinartigen Ausführung handelt es sich hier um einen Spendenschein. [1] WIKIPEDIA: Organisation Ukrainischer Nationalisten. [2] Wilfried Trillenberg, Die Ukraine heute. Ihr Geldwesen in den weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Umbrüchen des letzten Säkulums, Berlin 2005, S. 233. [3] Ebenda, S. 235. Uwe Bronnert

  • Die Geldzeichen der Autonomen Albanischen Republik Korçë

    Die Geschichte Albaniens wurde viele Jahrhunderte von fremden Herrschern bestimmt. Während sich im 19. Jahrhundert die Nachbarvölker vom türkischen Joch befreiten, blieb Albanien osmanische Provinz. Die Stadt Korça (griechisch Korytsa) entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum der albanischen Nationalbewegung. So entstand hier die erste Volksschule, in der muslimische und christliche Jungen gemeinsam auf Albanisch unterrichtet wurden. Zu Beginn des Ersten Balkankriegs 1912 wurde die historisch griechische Region Epirus von Griechenland besetzt [1] und in Süd-Albanien herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände, die viele albanische Einwohner aus Korça zur Auswanderung in die Vereinigten Staaten veranlassten. Nach der albanischen Unabhängigkeit beanspruchte Griechenland Korça und die Region für sich und ließ seine Truppen im März 1913 in die Stadt einrücken. Im Dezember 1913 legten die Großmächte die Grenzen des Fürstentums Albanien fest und das Gebiet kam zu Albanien, sodass die Griechen auf Druck der Großmächte einige Monate später abziehen mussten. Bereits im Oktober 1914 besetzten jedoch die Griechen das Gebiet erneut und blieben dort bis zum Sommer 1916. Obwohl Albanien während des Ersten Weltkriegs Neutralität wahrte, besetzte eine italienische Expeditionstruppe am 28. Dezember 1914 – noch vor ihrem Eintritt in den Krieg – den Hafen von Vlorë (Valona) und südliche Landstriche des Fürstentums. Die österreichisch-ungarische Armee marscheirte im Frühjahr 1916 in Nord-Albanien ein und das Königreich Bulgarien besetzte die östlichen Teile des Landes einschließlich der Stadt Elbassan, die später an Österreich-Ungarn übergeben wurde. Am 18. August 1916 eroberte die bulgarische Armee auch Korça und vertrieb die griechische Garnison aus der Stadt. Wahrscheinlich versuchten die Bulgaren, sich den österreichischen Truppen zu einem gemeinsamen Angriff auf die italienische Armee anzuschließen. Der französische Befehlshaber der Armée d’Orient, General Sarrail, war im Herbst 1916 besorgt über die Spannungen, die zwischen den Venizelisten [2], den albanischen Banden sowie großen Teilen der Bevölkerung von Korça herrschte. Dies bedrohte seine linke Flanke, die nicht wirklich eine Front war. Um die militärische Aktion im 100 km entfernten Gebiet von Monastir vorzubereiten, musste er auch die Stadt Korça kontrollieren, die etwa 40 km von der griechisch-albanischen Grenze entfernt am Maliksee liegt. Zu diesem Zweck entsandte er Ende November 1916 Colonel Descoins mit dem 242. Infanterie-Batallion nach Korça, das Ende Dezember durch das 13. Territoriale Infanteriebataillon, das 2. Indochinesische Marschbataillon, zwei Staffeln afrikanischer Kämpfer und eine Artillerie-Abteilung abgelöst wurde. Descoins setzte einen einheimischen Verwaltungsrat ein, der unter militärischer Aufsicht arbeitete. So entstand im Laufe des Jahres 1917 die Autonome Albanische Republik Korçë. Zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung bauten die Franzosen eine albanische Gendarmerie auf, führten ein neues Strafgesetzbuch und Gerichte ein; ein Amt für religiöse Angelegenheiten regelte das Verhältnis zwischen der muslimischen und griechisch-orthodoxen Bevölkerung. Einnahmen generierte man durch Einkommen- und Stempelsteuern. Eigene Briefmarken und Geldscheine wurden ausgegeben. Gleichzeitig eröffnete die Militärverwaltung ein Krankenhaus, das sich sowohl um das Militär als auch um die Bevölkerung kümmerte. Am 1. März 1918 erweiterten die Franzosen ihren Herrschaftsbereich um das Gebiet von Pogradec. Von dort aus begann im September 1918 die siegreiche Offensive. Wie bereits erwähnt, wurde eigenes Geld ausgegeben. Die erste Geldschein-Emission datiert vom 1. Februar 1917 und lautete über ½ und 1 Franc (Albanisch: Frange). Ausgegeben wurden Geldscheine im Wert von 30.000 Francs. Beide Nominale sind 117 x 71 mm groß (dies gilt auch für die späteren Ausgaben) und unterscheiden sich lediglich in der Farbe und der Wertangabe. Der Hauptdruck beider Scheine ist braun. Während der Unterdruck zu ½ Franc grün ist, ist der zu 1 Franc hellblau. Überschrieben sind die Nominale mit „SHQIPËRIË VETQEVERITARE“, was so viel wie „Autonomes Albanien“ heißt. In der Scheinmitte befindet sich der doppelköpfige albanische Adler, links und rechts davon in einem Kreis die numerische Wertangabe. Darunter auf der linken Seite ist der fünfzeilige französische Text, gefolgt von einer faksimilierten Unterschrift, zu lesen: „A VUE AU PORTEUR LA DIRECTION DES FINANCES PAIERA LA SOMME DE UN bzw. DEMI FRANC LE DIRECTEUR DES FINANCES“. Rechts neben dem Adler ist der entsprechende albanische Text mit der entsprechenden faksimilierten Unterschrift abgedruckt. Unter dem Adler sind noch „KORÇE“ sowie die Datumsangabe, z. B. „1-2-17“, zu erkennen. Das Ganze ist in einem Schaurahmen eingefasst. Am unteren Rand links ist die Angabe „GRAVEUR. DAVIER“ und rechts für die Druckerei „IMPR. A. A. VANGHELI – KORYTZA“. Letztere verwendete also den griechischen Ortsnamen. Anzumerken ist noch, dass der Soldat Davier, der die Gravur ausführte, ein Schüler des berühmten Louis-Oscar Roty [3] war. Die Kontrollnummern kommen sowohl in schwarzer, wie auch violetter Farbe vor. Die Schein-Rückseite gibt den Wert in Ziffern sowie in französischer und albanischer Sprache wieder. Zusätzlich erhielten die Scheine oben rechts einen runden Stempelabdruck: Doppelköpfiger Adler mit der Umschrift „ZYRA E FINANCES KORÇE“ (= Büro für Finanzen Korçe). Mit Datum vom 25. März 1917 wurden die gleichen Werte mit dem Serienbuchstaben „B“ ausgegeben und am 10. Oktober 1917 folgten Scheine mit dem Buchstaben „C“. Bei dieser Ausgabe wurde der Emittent in „REPUBLIKA SHQIPETARE (Republik Albanien)“ geändert. Der Gesamt-Ausgabebetrag betrug hier 20.000 Francs. Maurice Kolsky schreibt, dass noch eine Ausgabe vom Februar 1918 gemeldet worden ist, die bisher allerdings noch nicht nachgewiesen sei. [4] Kolsky gibt in seinem Katalog noch drei weitere Ausgaben zu Gjysmë (½) und Një (1) Frange in gleichem Format, aber neuem Design an: 1. November 1918 (Serienbuchstabe A), 1. Dezember 1918 (Serienbuchstabe B) und 10. Dezember 1918 (Serienbuchstabe C). Der Textaufdruck ist ausschließlich in albanischer Sprache abgefasst und die Rückseite zeigt eine Ansicht von Tirana. Ferner kennt er eine französische Militärausgabe (Territore de Koritza) vom März 1920 zu „Cinquente Centimes“ und „Un Franc“, die von „Le Lieutenant-Colonel / Commandant du Territoire“ unterzeichnet sind. Außerdem erwähnt er noch zwei weitere Emissionen, deren Existenz jedoch fraglich sind. [5] Bis zum 22. Mai 1920 bestand die französische Militärverwaltung, bevor sie auf die albanischen Behörden übertragen wurde. Die Franzosen verließen die Region endgültig am 15. Juni 1920. [6] --------------------------------- [1] Im Verlauf des Ersten Balkankriegs mussten die Osmanen Makedonien, Adrianopel und Saloniki räumen. Neun Zehntel Albaniens wurden von serbischen, griechischen und montenegrinischen Truppen besetzt. Über die Beute gerieten die ehemaligen Verbündeten in Streit. Als Folge des Zweiten Balkankriegs (1913) musste Bulgarien seine Erwerbungen an Griechenland, Serbien und die Türkei abgeben. Albanien erklärten die Großmächte zu einem unabhängigen Fürstentum. Der deutsche Fürst Prinz Wilhelm von Wied [* 26.3.1876 Neuwied, † 18.4.1945 Predeal, Rumänien] wurde für kurze Zeit albanischer Souverän. Nach nur 200 Tagen verließ er am 3. September 1914 das Land. [2] Der Venizelismus – benannt nach dem griechischen Premierminister Eleftherios Venizelos – war eine der bedeutendsten politischen Strömungen in Griechenland vom 20. Jahrhundert bis etwa 1965. [3] Louis Oscar Roty [* 11. Juni1846 in Paris; † 23. März 1911 ebenda] zählte zu den bekanntesten Medailleuren Frankreichs. [4] Maurice Kolsky, Le Papier-Monnaie de Sièges et de Campagnes de l’Armée Française, Collection Histoire du Papier-Monnaie Français, Volume 9, Paris 1998, S. 121 – 128. [5] Emission vom 1. April 1920 (½ und 5 Francs) sowie vom 1. August 1920 (1 Franc). [6] Nach Kriegsende war Albaniens staatliche Selbständigkeit lange Zeit ungewiss – zu begehrlich waren die Blicke der Nachbarstaaten. Erst die Aufnahme in den Völkerbund am 17. Dezember 1920 sicherte den staatlichen Fortbestand Albaniens, dessen Grenzen die Botschafterkonferenz am 9. November 1921 endgültig festlegte. Die inneren Verhältnisse blieben aber verworren. Seit den Tagen Wieds war es formal immer noch eine Monarchie. Die Nationalversammlung beschloss am 21. Januar 1925, Albanien in eine Republik umzuwandeln. Nur zehn Tage später wählte sie Amet Zogu [*8.10.1885 Burgajet, Albanien; † 9.4.1961 Suresnes, Frankreich] zum Staatspräsidenten. Das Amt war praktisch mit unbeschränkten Vollmachten ausgestattet. Uwe Bronnert

  • Serbische Dinar-Banknoten-Fälschungen Made in USA?

    1990 stieß Herbert A. Friedman zum ersten Mal auf ein Päckchen mit etwa 100 Banknoten zu 50 Dinar der Serbischen Nationalbank vom 1. Mai 1942. Die Verkäuferin, die Witwe eines verstorbenen Fliegers aus dem Zweiten Weltkrieg, behauptete, dass es sich bei den Banknoten um staatliche Fälschungen handele, die ihrem Mann anlässlich eines Einsatzes über Jugoslawien ausgehändigt worden seien. Für den Fall, dass er dort abgeschossen würde, sollten sie dazu dienen, um Einheimische zu bestechen und um Vorräte bezahlen zu können. Allerdings gab es keinen Beweis für eine solche US-Operation. Dann wurde eine weitere Note aus dem Nachlass eines verstorbenen Fliegers angeboten. Wieder wurde die gleiche Geschichte über die Herkunft des Geldscheins erzählt. Ferner hatte nach Friedman der Autor und Historiker John A. Nagy etwa 100 dieser serbischen 50-Dinara-Noten im Nachlass. Er hatte die Originalverpackung mit folgender handschriftlicher Notiz versehen: "Counterfeits printed by U.S. Government to destabilize Yugo. Currency, given to U.S. pilots in case of a crash landing.“ Obwohl nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, dass diese Banknoten von der OSS [Office of Strategic Services (deutsch: Amt für strategische Dienste) war von 1942 bis 1945 ein Nachrichtendienst des Kriegsministeriums der Vereinigten Staaten] oder einem anderen Geheimdienst hergestellt wurden, sprechen einige Indizien dafür. Allerdings wurden noch keine offiziellen Dokumente gefunden, die besagen, dass Behörden der USA die serbische Währung gefälscht haben. Die Fälschungen sind von ausgezeichneter Qualität. Die zuerst angebotenen Scheine hatten die roten Kontrollnummern M.0234/101 bis M.0234/200; das zweite Angebot die Nummer M.234/499, was bedeutet, dass sie aus dem gleichen Druck stammen. Zwischenzeitlich kamen weitere Banknoten ans Licht, die sich innerhalb dieses Nummernkreises bewegen. Die Falsifikate unterscheiden sich von den Originalen nur durch wenige, kaum wahrnehmbare Merkmale. Auf der Vorderseite ist beim Original der horizontale Querstrich im Buchstaben „A“ des Ausgabedatums „1 MAJ 1942“ vollkommen horizontal ausgerichtet, während er bei der Fälschung leicht schräg ist. Ferner ist die Zahl „9“ beim Original leicht gebrochen, bei der Fälschung dagegen vollkommen glatt. Besonders sichtbar ist ein Unterschied auf der Rückseite. Am unteren Ende der Note befindet sich ein kleines Kästchen, in dem der erste kyrillische Buchstabe unten links einen Bruch hat, während der Buchstabe bei der echten Note perfekt ist. Nach Zeljko Stojanovic wurde die Original-Banknote am 28. Juli 1944 in Umlauf gesetzt. Dies würde bedeuten, dass die Falsifikate wohl erst im Herbst zur Verfügung standen. Am 15. Oktober 1944 wurde bereits Belgrad von der Roten Armee befreit. Die Fälschungen dürften daher kaum Bedeutung für den Kriegsverlauf gehabt haben. Text und Abb. Uwe Bronnert Literatur: SGM Herbert A. Friedman (Ret.), WWII Allief Propaganda Banknotes, http://www.psywarrior.com./WWIIAlliedBanknotes.html Zeljko Stojanovic, Papirni Novac Srbije i Jugoslavije – Das Papiergeld Serbiens und Jugoslawiens – Paper Money of Serbia and Yugoslavia, Beograd 1996.

  • Anmerkungen zu einer „Note“ des Tesoría Nacional de Puerto Rico vom 4. Mai 1813

    Tesoreria Nacional de Puerto Rico, 4. May 1813, 25 Pesos, Vorder- und Rückseite Ende des 18. Jahrhunderts wurden in den spanischen Kolonien Amerikas erste Stimmen laut, die eine Loslösung vom Mutterland forderten. Die hier entstehenden revolutionären Bewegungen wurden durch die Schwächung Spaniens während der Napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel begünstigt und führten schließlich zum Zusammenbruch des spanischen Reichs auf dem amerikanischen Kontinent. Einzig Kuba und Puerto Rico verblieben unter spanischer Herrschaft. Als am 16. September 1810 Mexiko die Unabhängigkeit erklärte, hatte dies auch direkte Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben und Geldwesen Puerto Ricos, da die Insel nunmehr nicht mehr von der königlichen Kasse in Mexico finanziell unterstützt wurde. Die Haushaltslage verschlechterte sich dramatisch, da man nicht nur die Ausgaben der spanischen Garnisonen, die an der Eroberung Santo Domingos teilgenommen hatten, tragen musste, sondern weil darüber hinaus Handel, Industrie und Landwirtschaft am Boden lagen. Gouverneur Salvador Meléndez Bruna setzte daher alle Mittel ein, um den völligen Ruin des Landes zu verhindern. Er bat in Caracas, Mexiko und Havanna um finanzielle Unterstützung, verkaufte Staatsgüter und führte neue Steuern ein. Dennoch war der wirtschaftliche Niedergang nicht zu verhindern. In dieser Situation schlug der Contador Puerto Ricos, Juan Patiño, der Real Junta Hacienda (Vorstand des königlichen Schatzamtes) die Schaffung von Papiergeld vor. Dies stieß auf Einwände des Sindico (Treuhänder) Francisco Hernandez, des Fiscal Interino Dr. Juan Oliver, der wichtigen Kaufleute von San Juan und der Militärchefs. Andererseits sprach sich das Rathaus von San Juan, das Kirchenkapitel, Bischof Arizmendi, der Schatzmeister Bacener und der Fiscal de Hacienda Valldejuli für die Papiergeldausgabe aus, während Erstere andere weniger drastische Maßnahmen bevorzugt hätten, darunter die Reduzierung aller im Umlauf befindlichen Münzen, wie dies auf den Kleinen Antillen in Zeiten der Not der Fall war. Das Schatzamt (Junta de Real Hacienda) beschloss schließlich am 13. August 1812 die Ausgabe von Papiergeld. Gemäß Dekret vom 31. August betrug die Erstausgabe 80.000 Pesos in Noten von einem und zwei Reales und vier Pesos. Der Peso wurde hierbei zu acht Reales gerechnet. In der Zeit von September 1812 bis September 1813 wurden insgesamt acht Gutscheinausgaben im Wert von einer halben Million Pesos emittiert: 52.000 Scheine zu 4 Pesos, 233.500 zu 8 Reales, 56.000 zu 4 Reales, 82.008 zu 2 Reales, 63.984 zu 1 Real und 32.500 zu einem halben Real. Sobald die Papierwährung in Umlauf gelangte, begann ihr Wertverfall. Mitte 1814 betrug ihr Wert nur noch ein Drittel des Nominalwerts. Um weitere Einnahmen zu generieren, gab 1813 das Schatzamt (Tesorería Nacional) eine Anleihe zu 25 Pesos mit einer Laufzeit von einem Jahr und vier Monaten und einem Zinssatz von 6 Prozent aus. Die Anleihe wurde auf Büttenpapier gedruckt und hat die Maße 200 mm x 315 mm. Das Dokument wurde handschriftlich mit dem Namen des Anlegers, dem Ausstellungsdatum und laufender Nummer vervollständigt. Der Urkundentext nennt die Rechtsgrundlage der Ausgabe und verbrieft dem Anleger einen Zinsanspruch in Silber. Wie die „Vales Reales de la Península“ des Mutterlandes, konnten sie durch Vermerk übertragen werden, sodass sie in gewisser Weise dem Papiergeld gleichgestellt waren. Obwohl nicht überliefert ist, ob ihre Annahme wie die der „Vales Reales“ unter bestimmten Bedingungen obligatorisch war, kann davon ausgegangen werden, da sie eine entsprechende handschriftliche Verpflichtung des Schatzmeister D. Juan Patiño, des Contador José Bacener sowie des Bürgermeisters D. Alejandro Ramírez tragen. 1814 gab man eine weiter Serie von Geldscheinen zu zwei Reales, drei und fünf Pesos aus und 1815 folgten Scheine zu drei und fünf Pesos, die bei der 1795 gegründeten Druckerei Murray, Draper, Fairman & Co in Philadelphia (Vereinigte Staaten) gedruckt wurden. Das frühe Papiergeld Puerto Ricos ist ausgesprochen selten und erzielt besonders in den USA hohe Preise. Einzig die Anleihe aus dem Jahr 1813, von der in Spanien 2002 ein Lot von etwa 10 Exemplaren aufgefunden wurde, wird manchmal angeboten. Literatur: Luis Antonio Rodríguez Vázquez, Catálogo del Papeö Moneda de Puerto Rico (Emisiones Oficiales y Privadas), (1766 – 1933), Editiorial Arybet, Ponce, Puerto Rico 2006. Uwe Bronnert

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