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- Auftragsmuster, Farbproben, Musterdrucke und Werbescheine von Bradbury, Wilkinson & Co. Ltd.
Als im Jahr 1856 Henry Riley Bradbury und Robert Wilmot Wilkinson ihre Firma in der Fetter Lane in Holborn/London gründeten, ahnten beide nicht, dass sie später zu den vier bekanntesten englischen Wertpapierdruckereien aufsteigen sollten. Henry Bradbury war der älteste Sohn von William Bradbury – der Vater betrieb ab 1824 eine eigene Druckerei. Dort war ab 1847 Robert Wilkinson als Graveur und Kupferdrucker beschäftigt. Henry Bradbury starb 1860 mit 31 Jahren und ein Jahr später wurde die Druckerei mit gleicher Firmierung in der Londoner Farringdon Road neu gegründet. Abb. 1: Firmengründer Henry Riley Bradbury (1829–1860). Bradburys Nachfolger zog sich 1890 aus dem Geschäft zurück – Wilkinson wandelte den Betrieb in eine Aktiengesellschaft um, verließ jedoch 1903 die Firma. In diesem Jahr kaufte die New Yorker American Bank Note Company die Londoner Bradbury, Wilkinson & Co., Ltd. auf. Seit 1890 hatte die ABNC schon Geschäftsanteile an der Firma und seit 1917 war sie 100%-iger Eigner. Percy Wilmot Wilkinson, Sohn vom Mitbegründer Robert Wilkinson, wurde mit 35 Jahren neuer Geschäftsführer des europäischen Ablegers der ABNC. R. W. Wilkinson verstarb 83-jährig im Jahr 1910, sein Sohn Percy zehn Jahre später im Alter von 52 Jahren. 1922 schließlich bezog man auf der Burlington Road im Londoner Vorort New Malden neue Geschäftsräume; auf dem Gelände steht heute der Supermarkt Tesco. In den 1960er Jahren bestand noch ein Büro von BWCo. in der Londoner Coleman Street/Moorgate. Das letzte Betriebsgebäude wurde 1990 geschlossen. Abb. 2: Firmenanlage von Bradbury, Wilkinson & Co., Ltd. an der Burlington Road in New Malden, auf der Rückseite einer Werbenote von 1965 und auf einer Werbe-Briefmarke wurden das Gebäude abgebildet. Im März 1986 übernahm dann der frühere Konkurrent De La Rue die Traditionsfirma von der American Bank Note Company. In der Folgezeit wurde auch das Archiv von BWC freigegeben. Schon 1961 hatte Thomas De La Rue die 1810 als Familienunternehmen gegründete Druckerei Waterlow & Sons Ltd. und im Februar 1997 die Druckerei Harrison & Sons Ltd. übernommen, die 2003 geschlossen wurde. So sind die drei bekannten Wertpapierdruckereien in dem heute als DeLaRue plc firmierenden Konzern aufgegangen. Im übrigen existiert außerdem das 1965 gebildete Gemeinschaftsunternehmen De La Rue Giori AS, das ebenfalls Werbe- und Testnoten druck(t)e. Alle genannten vier englischen Druckereien prägten das Aussehen zahlreicher Banknoten des 20. Jahrhunderts weltweit. Die bei Bradbury, Wilkinson & Co. gedruckten Geldscheine zeichnen sich meist durch grafisch sehr gelungene Gestaltungen aus; bspw. für die Nationalbanken von Albanien (1926), Bulgarien (1925), Island (1928), Griechenland (1923), Lettland (1929), Rumänien (1933) oder Spanien (1906). Eine typische Besonderheit sind die verwendeten Kontrollnummern mit einem Komma aller drei Ziffern. Außer den bekannten Banknoten sind die verschiedenen Musterdrucke etc. interessant. Abb. 3: 10 Gulden vom 10. Januar 1924, Vs., Auftragsmuster (für die Nachauflage über 600.000 Exemplare der Serie A/A von 1928) für die Bank von Danzig, mit Auftragsnummer O/13467 und Datum 25.8.28 sowie mit CANCELLED perforiert. Abb. 4: 5000 Pesetas vom 11. Juni 1938, Vs., Auftragsmuster für die Bank von Spanien, mit Auftragsnummer O/36387 und Datum 28.5.38 sowie mit CANCELLED perforiert. Auftragsmuster Abb. 5: 20 Pounds o. D., Vs., gelochte Farbprobe für die britische Kronkolonie Fidschi, mit Aufdruck SPECIMEN OF NO VALUE; es sind Auftragsmuster der Serie B/1 (10.000 Exemplare) mit O/26273 und Datum 27.10.33 und mit Perforation CANCELLED in Violett statt Grün bekannt. Abb. 6: 10 Shillings o. D., Vs., gelochte Farbprobe für das britische Überseegebiet Bermuda, mit Aufdruck SPECIMEN OF NO VALUE; in Grünbraungelb statt in Rot der ausgegebenen Scheine. Abb. 7: 100 Escudos o. D. (1946), Vs., gelochte Farbprobe Nr. 58 für die Banco Nacional Ultramarino, mit Aufdruck SPECIMEN; in Braun statt in Lila der ausgegebenen Scheine der Serie B für die portugiesische Kolonie São Tomé und Príncipe. Farbproben Abb. 8: 10 mexikanische Dollar o. D. (1909), Vs., für die Russisch-Chinesische Bank/Shanghai, in Russisch, Perforation SPECIMEN. Abb. 9: 10 mexikanische Dollar o. D. (1909), Vs., für die Russisch-Chinesische Bank/Shanghai, in Englisch, Perforation SPECIMEN. Musterdrucke Bemerkenswert sind Banknoten, die auf frühere Werbedrucke zurückgehen. Beispiele sind die BWC-Werbenoten, die als Vorlage für die nicht ausgegebenen argentinischen 5-Pesos-Banknote der Banco de Cuyo von 1892 sowie die 100-Pesos-Scheine von 1867 der Provinz Buenos Aires dienten. Abb. 10: 5er, einseitige Werbenote o. D. (1875), Vs., in Französisch; die spätere ähnliche Werbenote wurde zweiseitig und ohne Hausnummer in der Anschrift gedruckt. Abb. 11: 5 Pesos Fuertes o. D. (18__), Vs., für die Banco de Cuyo, diese kommen vorder- oder rückseitig mit der Perforation SPECIMEN / B.W&Co / LONDON vor. Abb. 12: 100 Lire o. D., Vs., Werbenote/La Banca Irlanda mit Perforation SPECIMEN / B.W&Co / LONDON vor, in Italienisch. Abb. 13: 100 Pesos 1. April 1867, Vs., La Provincia de Buenos Ayres. Werbedrucke Im Vergleich der Werbenoten (advertising notes/promotional notes) anderer englischer Wertpapierdruckereien sind die von Bradbury, Wilkinson & Co. herausragend – aufgrund der Vielzahl verschiedener Beispiele aus mehreren Jahrzehnten und der außergewöhnlich gelungenen Gestaltung. Die Aussage des kanadischen Sammlers und Händlers Ian A. Marshall steht hier stellvertretend für viele andere sachkundige Papiergeld-Fachleute. Er befasst sich seit 50 Jahren mit Geldscheinen aus aller Welt und aller Typen: „I have always favoured the artistically beautiful designs of Bradbury notes over all the other Security printers.“ (= Ich habe die künstlerisch schönen Designs der Bradbury-Noten immer gegenüber allen anderen Sicherheitsdruckereien vorgezogen.) Abb. 14: 10 Pounds 1. Mai 1862, einseitige Werbenote, für 240 £ bei Spink verkauft; Henry Bradbury legte schon 1856 eine ebenso interessante Werbenote zu 10 Pfund vor (https://www.spink.com/lot/20009000024). Abb. 15: 10er, o. D., einseitige Werbenote in Italienisch. Abb. 16: 5er, Werbenote o. D. (1860–1870er Jahre), Vs., mit Aufdruck „as adopted by the Austro-Hungarian Government“ – ein öst.-ung. Schein in ähnlicher Ausführung wurde nie realisiert. Beispiele Von vielen Werbenoten sind unterschiedliche Varianten bekannt; die zuvor abgebildete „anti-photographic“-Note gibt es auch in Blau und mit „Comb. No 12“. Auch wurden Gestaltungen übernommen und in mehr oder weniger abgeändertem Design gedruckt – wie die beiden folgenden 1-£-Noten aus den 1870-1890er Jahren und die weiteren Werbenoten mit der Büroanschrift (2 Moorgate/New Malden) aus den 1920-1940er Jahren zeigen. Dieser Verfahrensweise begegnet man häufig bei der Sichtung aller Werbenoten von Bradbury, Wilkinson & Co. Abb. 17: 1 Pound o. D., einseitige Werbenote um 1870. Abb. 18: 1 Pound o. D., einseitige Werbenote ähnlich Abb. 17 (2021 für 210 £ bei Spink verkauft). Abb. 19: 10 Pounds o. D., seltene einseitige Werbenote aus den Jahren zwischen 1873 und 1917, angeblich auf einem mexikanischen Flohmarkt gefunden und für 400 Pesos gekauft. Abb. 20: 10 Pounds o. D. (1st. June 18__), Vs., für die Australisch-Europäische Bank in Melbourne gedruckte, aber nicht ausgegebene Banknote; katalogisiert in „The Catalog of Printers Promotional Sheets & Test Notes“ (Roland Rollins 17. Aufl., unter BW-292) – die Bank wurde 1874 in Melbourne gegründet, 1879 von der Commercial Bank of Australia übernommen, die wiederum 1982 mit der Bank of New South Wales zur Westpac Banking Corporation fusionierte; mit Perforation SPECIMEN / B.W&Co / LONDON; es sind auch 50-Pfund- sowie 20-Pfund-Noten mit Aufdruck SPECIMEN und Lochung bekannt. Interessant ist ein aufwendig gestalteter Zwanziger, der den auf der Weltausstellung 1900 in Paris erhaltenen Grand Prix als Werbeträger würdigt – er stammt aus den 1920er Jahren. Abb. 21: 20er, einseitige Werbenote um 1920 mit der von Jules-Clément Chaplain entworfenen Grand-Prix-Medaille, mit Perforation SPECIMEN. Abb. 22: einseitige Werbenote um 1927, Britannia-Büste links. Abb. 23: einseitige Werbenote um 1940, Britannia-Büste links und rechts, ähnlich Abb. 22. Abb. 24: einseitige Werbenote um 1900, Königin Elisabeth I. links; es sind auch Varianten in Violett bekannt und für 160 £ bei Spink verkauft. Abb. 25: einseitige Werbenote um 1930, König Charles I. Links, ähnlich Abb. 24; es sind Noten mit dem Porträt von König Charles I. in der Mitte bekannt. Abb. 26: einseitige Werbenote aus den 1910-1920er Jahren, Porträt Admiral Horatio Nelson; in fünf verschiedenen Farbkombinationen, außerdem mit gestalterischen Abänderungen bekannt. Abb. 27: 50er, einseitige Werbenote vor 1900, Firmenanschrift: Farringdon Road 25–27, London; ähnliche Ausgaben mit spanischem Text in Grün um 1930 bekannt. Abb. 28: 50er, zweiseitige Werbenote aus den 1950-1960er Jahren, Vs., Büroanschrift: Moorgate 2, London; es gibt frühere Noten aus den 1900–1920er Jahren in Dunkelblau mit der Ansicht des BWC-Fabrikgebäudes in New Malden/London auf der Rückseite. Abb. 29: zweiseitige Werbenote, Vs., o. D., Charles Dickens. Abb. 30: 100er, einseitige Werbenote, o. D. (1970–1980), mit dem Porträt von William Shakespeare, experimenteller Schein aus Tyvek (Polyethylen), im März 2015 für 200 US-Dollars versteigert. Abb. 31: Werbenote, Vs., 1985, mit dem Porträt von Sir Isaac Newton, als Souvenirschein von der IBNS anlässlich des 17. Treffen der europäischen Geldscheinsammler ausgegeben (6-stellig nummeriert); neben früheren Ausführungen in Grün gibt es ähnliche Nachfolgescheine schon 1986 von DeLaRue mit dem Aufdruck BRADBURY WILKINSON a member of the DE LA RUE GROUP of COMPANIES sowie das bekannte Scherenschnitt-Logo. Bekannte Graveure bei BWC waren u. a. Enrique Vaquer (1914 bis 1921) und Philip Goodwyn Hall (1930–1950er Jahre). Hall studierte an der Kingston Art School in Surrey und gravierte neben Banknoten auch Briefmarken für die britischen Postbehörden auf der Insel und für Übersee. Er arbeitete auch bei Thomas De La Rue & Co. und bei Waterlow & Sons. Abb. 32/33: Phil Hall (1905–1979) bei Gravurarbeiten im Februar 1940 zur 8-Pence-Briefmarke „Centennial of New Zealand 1840/1940“ (100 Jahre Kronkolonie) – in den 1950er Jahren kündigte er wegen Meinungsverschiedenheiten mit der Firmenleitung und war dann bis zum Ende seiner Karriere freiberuflich tätig. Auffallend ist die große Menge an alten und sehr alten Werbenoten. Ursache dafür war der Verdrängungswettbewerb unter den Druckereien, der zu Konsolidierungen in der Branche führte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Wettbewerb zwischen konkurrierenden Druckereien sehr hart, der weltweite Bedarf an Papiergeld war gewaltig – der Markt dafür explodierte. Zeitzeugen berichteten von rivalisierende Druckereien, die sich gegenseitig ausspionierten. Mengenmäßig liegen die "Brads" (Scheine von Bradbury, Wilkinson & Co.) an vorderster Stelle. Die Werbenoten der Mitbewerber waren jedoch nicht weniger attraktiv und ebenso von hoher Qualität. Abb. 34: 1 Pound o. D. (um 1821), frühe einseitige Werbenote; 1819 firmierten Jacob Perkins, Gideon Fairman und Charles Heath ihre Druckerei: Perkins, Fairman, & Heath, die sich 1887 zu Perkins, Bacon & Co. Ltd. umbenannte, Geschäftsaufgabe dann 1935. Abb. 35: einseitige Werbenote aus den Jahren 1910–1920 der Druckerei Waterlow & Sons Ltd. mit dem Porträt des Firmengründers Sir Philip H. Waterlow; auch Variante von 1940/41 in Rot bekannt. Abb. 36: One/1er, Vs., aus den 1930–1950er Jahren stammende zweiseitige Werbenote der Londoner Druckerei Thomas De La Rue & Co. Ltd., mit dem Porträt des Firmengründers Thomas de la Rue; die starke Ähnlichkeit zu US-amerikanischen Silver Certificates wurde bewusst gewählt (für 500 US-Dollars im April 2017 versteigert). Abb. 37: Rückseite von Werbenoten der Druckerei Harrison & Sons Ltd. London, hier von 1989 (schon 1979 wurde das Unternehmen von Lonrho übernommen). Abb. 38: Poster von 1912, ca. 20 × 33 cm, Porträt von König George V., von BWC wurden seit 1867 Jahreskalender mit Vignetten und in verschiedenen Sprachen gedruckt. Michael H. Schöne Quellen https://bm.linkedin.com/posts/ian-marshall https://books.google.de/books/about/Specimens_of_bank_note_engraving https://en.wikipedia.org http://maldensandcoombeheritagesociety.weebly.com/bradbury https://stampengravers.blogspot.com https://web.archive.org https://www.britishmuseum.org https://www.pmgnotes.com/bradbury https://www.stampcommunity.org
- Lexikon: Gesellschaften
Gesellschaften (Vereine), in denen Sammler mit gleichen Interessen zusammengeschlossen sind. Sie wollen die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Sammlern intensivieren und neue Kontakte ermöglichen. Viele Gesellschaften geben außerdem den Sammlern durch Vorträge und eigene Publikationen Gelegenheit, eigenes Wissen und eigene Forschungen mitzuteilen und umgekehrt ihr eigenes Wissen zu vertiefen. Da die Zahl der Geldscheinsammler erst ab den 1980er-Jahren stark angewachsen ist, waren die meisten deutschen Papiergeldsammler Mitglieder in einer der bereits bestehenden numismatischen Gesellschaften, wie z. B. Münzvereine. In der damaligen DDR entstand aber bereits im Oktober 1979 mit dem Arbeitskreis "Geldscheine und Wertpapiere" im Kulturbund der DDR eine Vorläufer-Organisation mit eigenen Publikationen des heuten DGW (Deutscher Geldschein- und Wertpapiersammler e.V), der mit seinen "DGW-Informationen" jährlich zwei eigene Zeitschriften veröffentlicht. Geldscheinsammler, die sich auf internationaler Ebene interessieren und sich im allgemeinen über das Papiergeld, seine Geschichte, Entwicklung und das Sammeln informieren wollen, können auch Mitglied einer internationalen Gesellschaft für Papiergeldsammler werden. Die bekanntesten dieser Gesellschaften sind: International Bank Note Society (IBNS) mit dem IBNS-Journal Society of Paper Money Collectors (SPMC). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski
- Leserpost: Goldmark der Handelskammer Ludwigshafen
Ich habe den Artikel von Herrn Glasemann "Wertbeständiges Handelskammer-Notgeld 1923" mit großem Interesse gelesen, und da ich den Ludwigshafener Schein besitze, kamen mir folgende Gedanken: Sollten tatsächlich nur die 200 verausgabten Scheine – wenigstens teilweise – existieren, wäre der Schein sicherlich nur sehr schwer zu bekommen und entsprechend teuer. Tatsächlich aber liegen die aktuellen Preise ca. zwischen 6 und 20 EURO. Die wenigen mir bekannten Kontrollnummern gehandelter Scheine zwischen 703096 und 935487 legen den Verdacht nahe, dass der Restbestand wohl doch nicht (vollständig) vernichtet wurde und auf den Sammlermarkt gelangt ist. T. Neldner Antwort des Autors Die Informationen zu dieser Emission habe ich der Dissertation von Rudolf Wilhelmy „Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Berlin, 1962“ entnommen. Ich möchte seinen Text hier zur Klarstellung zitieren: "Die Handelskammer Ludwigshafen bemühte sich schon Anfang November 1923, die Genehmigung der I.A.R.K. zur Emission wertbeständigen Notgeldes zu erhalten. Diese Genehmigung wurde nach langwierigen Verhandlungen erst Mitte Dezember 1923 erteilt, nachdem die Kammer den Gegenwert für die mit 4,2 Mio. Goldmark geplante Auflage bei der Elsässischen Bankgesellschaft, Filiale Ludwigshafen, in Dollar hinterlegt hatte. Von der gesamten Auflage wurden ab 18.12.1923 nur noch 200 Scheine ausgegeben, die über ,,1 Dollar U.S.A. = 4,20 Mark Gold = 1 Pfälzischer Handelskammerdollar“ lauteten. Es wurde davon abgesehen, größere Mengen des Notgeldes in Umlauf zu setzen, weil inzwischen Rentenmarkscheine im französisch besetzten Gebiet" von der I.A.R.K. als ordentliches Zahlungsmittel zugelassen." Seine Informationen erhielt Wilhelmy aus einem Schreiben der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz, Ludwigshafen, vom 6.12.1957 Es kann festgehalten werden: Die geplante Auflage belief sich auf 1 Million Scheine Davon wurden nachweislich nur 200 Scheine in den Umlauf gebracht Da die Handelskammer den Gegenwert von 4,20 Mio. Goldmark bankmäßig hinterlegt hatte, ist vermutlich auch ein Druckauftrag für 1 Million Stück rausgegangen. Ihre Kontrollnummern 703096 und 935487 belegen dies. Auch die heutige IHK Pfalz belegt dies und schreibt dazu aktuell unter „Eine Scheinwelt: Der Handelskammerdollar der IHK“: Den Druck der Geldscheine übernahm die Druckerei der BASF. Auch das Papier beschaffte die Anilin. Der Einfachheit halber nahm man das Papier, das das Chemieunternehmen für den Druck seiner eigenen wertbeständigen Gutscheine verwendete. Die BASF sicherte eine tägliche Druckmenge von 250.000 Scheinen zu. Die Druckkosten beliefen sich auf 9.000 Goldmark. Vor der Herausgabe der eigenen Währung standen langwierige Verhandlungen mit der Hohen Alliierten Rheinlands-Kommission in Koblenz. Denn ohne deren Genehmigung ging in der französisch besetzten Pfalz damals gar nichts. Der Notgeldschein der Handelskammer Ludwigshafen wurde am 18. Dezember 1923 herausgegeben und war im ganzen Regierungsbezirk Pfalz als Zahlungsmittel gültig, befristet auf sechs Wochen. Von der Auflage von einer Million Stück kamen jedoch nur 200 Stück in Umlauf, denn der Handelskammerdollar kam erst nach der Hyperinflation heraus. Inzwischen war die Deutsche Rentenmark auch im damals französisch besetzten Gebiet zugelassen. Damit stand ein wertbeständiges Zahlungsmittel zur Verfügung, das am 30. August 1924 von der Reichsmark abgelöst wurde. Die nicht mehr benötigten Scheine wurden in sieben Kisten gepackt und erst einmal bei der Pfälzischen Hypothekenbank in Ludwigshafen im Keller gelagert. Die 50 Reichsmark für die Kisten verrechnete die Pfälzische Hypothekenbank ganz pragmatisch mit ihrem Handelskammerbeitrag. 1935 entschied das Präsidium der IHK schließlich, die Scheine zu vernichten. Die Bank übernahm das kostenfrei, verlangte aber die Überlassung des Altpapiers. Fazit: 1 Million der Papiere haben existiert. Die nicht mehr benötigten, wertlosen Scheine gingen 1935 auf die Pfälzische Hypothekenbank über. Hier haben wohl vor der Vernichtung der Scheine Sammler-affine Mitarbeiter einige Stücke zur Seite gebracht … und dies sind wohl die heute angebotenen Pfälzischen Handelskammerdollars von 1923. Hans-Georg Glasemann
- Rheinische Gold- und Silber-Scheide-Anstalt 1923: Sachwert Feingold
Eine rheinländische Gold- und Silber-Scheide-Anstalt gab Ende 1923 in Düsseldorf wertbeständiges Notgeld über den Sachwert Feingold aus und verbriefte es als sogenannte Goldwert-Anweisungen. Bei diesen Anweisungen lauteten die Nennwerte zwar auf „Gramm Feingold“ und es bestand Deckung aus Gold bzw. Goldmarkwerten. Die Einlösung war aber nicht in Gold, sondern zum Gegenwert in gesetzlicher Währung vorgesehen. Die Rheinische Gold- und Silber-Scheide-Anstalt Thum & Conrad, Düsseldorf, gab mit Datum 31. Dezember 1923 Goldwert-Anweisungen über 1, 2, 5, 10 Gramm Feingold (Buchstabe A) sowie 20, 50 und 100 Gramm Feingold (Buchstabe B) aus, die in Form von Schuldscheinen zugunsten der Rheinisch-Westfälischen Credit-Bank Dr. Friedrich & Co., Düsseldorf, abgesichert wurden. Rheinische Gold- und Silber-Scheide-Anstalt Thum & Conrad, Goldwert-Anweisung (Buchstabe A) über 2 Gramm Feingold, ausgegeben in Düsseldorf am 31. Dezember 1923. Thum & Conrad übernahmen nach dem Text der Anweisungen die Verpflichtung, „dass eine dem Umlaufsbetrage der Goldwert-Anweisungen entsprechende Menge Gold oder Goldmarkwerte sich stets in ihren Beständen befindet oder durch Verträge mit einwandfreien Scheideanstalten oder anderen Firmen sichergestellt ist“. Rheinische Gold- und Silber-Scheide-Anstalt Thum & Conrad, Goldwert-Anweisung (Buchstabe B) über 50 Gramm Feingold, ausgegeben in Düsseldorf am 31. Dezember 1923. Die Ausgabe und die Einlösung der Goldwert-Anweisungen, deren Umlaufmenge insgesamt dem Wert von 200 Kilogramm Feingold entsprach, erfolgten sowohl bei Thum & Conrad als auch bei Dr. Friedrich & Co. Die Laufzeit war bis zum 31. Dezember 1925 befristet. Laut §3 der Ausgabe- und Einlösungsbedingungen wurden „bei der Ausgabe von Goldwert-Anweisungen dem Erwerber für je 1 Gramm Feingold nur 0,95 berechnet“, außerdem wurde „bei allen Zahlungen vor dem 31. Dezember 1924 ein Diskont von 5 % pro rata temporis in Abzug gebracht“. Entsprechend war dann nach §5 bezüglich der Einlösung vorgesehen: „Bei Rückzahlung vor dem Fälligkeitstermin der Anweisungen (31. Dezember 1925) wird für den Wert eines Gramms Feingold im Jahre 1924 der Wert von 0,90 Gramm, im Jahre 1925 der Wert von 0,95 Gramm bezahlt“. Die Einlösung sollte final in der „jeweils im Rheinland gesetzlichen Währung“ erfolgen. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Dank an HWPH AG (6/1923) Literaturhinweis (Daten und Texte teilweise entnommen): Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Neue Weltbanknoten-Varianten: Juni 2023, Teil 2
Ägypten 10 Pounds ohne Datum (Polymer) Wie Linzmayer B343b (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuer Unterschrift (Abdalla). Dominikanische Republik 50 Pesos von 2022 Wie Linzmayer B727f (nicht im SCWPM), aber mit Datum 2022. 100 Pesos von 2022 Wie Linzmayer B728c (nicht im SCWPM), aber mit Datum 2022 und neuem 3 mm breiten blau-grünen unterbrochenem ColourShift-Sicherheitsstreifen mit entmetallisiertem 100 BCRD. Europäische Währungsgemeinschaft 20 Euro von 2015 (2023) Wie Linzmayer B110 (SCWPM 22), doch mit neuer Unterschrift "Lagarde" und mit Druckereikennung "F002H2" (F = Oberthur Fiduciaire AD, Sofia). 20 Euro von 2015 (2023) Wie Linzmayer B110m3 (SCWPM 22), doch mit neuer Unterschrift "Lagarde" und mit Druckereikennung "M006E5" (M = Valora, Carregado). Ghana 5 Cedis vom 4. März 2022 Wie Linzmayer B156a (SCWPM nicht gelistet), aber mit neuem Datum "4th MARCH 2022". Island 10.000 Krónur von 2019 Wie Linzmayer B817a (SCWPM: 61), doch mit Datum vom 1. Juli 2019 und neuer Unterschrift (Jónsson), in Umlauf ab 14. Februar 2023. Mauritius 100 Rupees von 2022 Wie Linzmayer B422h (SCWPM: 51/56), doch mit "2022" und neuen Unterschriften (Yerukunondu/Seegolam/Sewraj-Gopal). Bisher belegt mit Serie EA. Pakistan 500 Rupees von 2023 Wie Linzmayer B237s (SCWPM 49A), doch mit Jahresangabe 2023 und neuer Unterschrift (Ahmed). Philippinen 100 Piso von 2023 Wie Linzmayer B1098a (nicht im SCWPM), doch mit neuer Jahresangabe "2023". Sambia 20 Kwacha von 2022 Wie Linzmayer B168b (SCWPM nicht gelistet), aber mit Datum "2022" und neuer Druckfirma "G+D Giesecke & Devrient". Uganda 20.000 Shillings/Shilingi von 2022 Wie Linzmayer B158f (SCWMP: 53), doch mit Datum "2022" und neuen Unterschriften Atingi-Ego/Kanyemibwa. Vereinigte Staaten von Amerika 5 Dollars von 2021 Wie USA-539 (SCWPM), doch mit Jahresangabe "2021" und neuen Unterschriften (Malerba/Yellen). Westafrikanische Staaten (Elfenbeinküste) 2000 Francs von (20)23 Wie WAS-116A (SCWPM) und Linzmayer B122Av, doch neue Unterschriten (Yaya/Brou) und neue Datierung 2003/(20)23 (die ersten beiden Stellen der Kontrollnummer geben das Ausgabejahr an). Hans-Ludwig Grabowski (Abb. Owen W. Linzmayer, www.banknotebook.com)
- Burundi: Neue Banknoten zu 5.000 und 10.000 Francs
Seit 7. Juni 2023 sind neue Noten der Banque de la Republique du Burundi (Ibanki ya Republika y'Burundi) über 5.000 und 10.000 Francs mit Datum vom 7. November 2022 in Umlauf. Die Gestaltung des Fünftausenders entspricht dem Vorgängertyp von 2015/18, doch hat sich die Farbe von Hellblau auf Hellgrau geändert und der Schein zeigt das Datum 2022 und eine neue Unterschriften-Kombination (Unbekannt/Murengerantwari) auf der Rückseite. Auf der Vorderseite bilden Tänzer mit Trommeln auf ihren Köpfen das Hauptmotiv. Das Format beträgt 138 mm x 69 mm. Auch der Zehntausender ist wie der Vorgängertyp von 2015/18 gestaltet, doch hat sich die Hauptfarbe von Gelb auf Rosa geändert. Auch hier finden wir das neue Datum und die neuen Unterschriften. Das Hauptmotiv der Vorderseite sind Porträts von Präsident Melchior Ndadaye und Prinz Louis Rwagasore. Das Format beträgt 144 mm x 72 mm. Beide Scheine wurden auf Papier bei Oberthur Fiduciaire in Frankreich gedruckt. In der Fortführung der Katalognummern des leider nicht mehr erscheinenden Standard Catalog of World Paper Money, würden die neuen Scheine die Nummern 58 und 59 bei Burundi (BDI) erhalten. Hans-Ludwig Grabowski
- Geike: Geld und Preise in der DDR
Rainer Geike Geld und Preise in der DDR – Was bekamen wir für unser Geld? Eine Zusammenstellung zum Geld, zu Einkommen, Ausgaben und Preise in den 1970er und 1980er Jahren 132 Seiten, mit farbigen Abbildungen, Bildtafeln und Tabellen BoD, Broschur, 2020 ISBN: 978-37504-5-202-2 Preis: 24,95 Euro Bereits 2020 erschien eine Arbeit von Prof. Dr. Rainer Geike, der vielen Lesern auch von Fachbeiträgen hier im Geldschein-Blog und in der Zeitschrift "Münzen & Sammeln" bekannt sein dürfte, über das spannende Thema "Geld und Preise in der DDR". Da der Titel über Books on Demand erschien, erhielt er leider nicht die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Ich möchte nachstehend die Beschreibung des Buches übernehmen und den Titel allen Sammlern von DDR-Geldscheinen ans Herz legen: Geld und Preise in der DDR – Was bekamen wir für unser Geld? Eine Zusammenstellung zum Geld, zu Einkommen, Ausgaben und Preisen in den 1970er und 1980er Jahren. Das Buch widmet sich auf unterhaltsame Weise einem ausgewählten Thema der DDR-Geschichte – es ist eine Zusammenstellung zum Geld in der DDR, zu Einkommen, zu Ausgaben und Preisen. Das Buch ist seit 2008 als Ergebnis einer intensiven Beschäftigung mit diesen Fragen entstanden, es verarbeitet eigene Erfahrungen und von vielen Mitstreitern eingebrachte Sachzeugnisse und Erinnerungen. Alle Informationen sind belegt, meist mit einer Abbildung. Bei Bedarf sind Anmerkungen und Quellenangaben beigefügt worden. Kein anderes Buch widmet sich so dem Thema Preise und der ganzen Breite der Ausgaben. Insgesamt sind es 130 Seiten, davon 49 ganzseitige Bildtafeln und ca. 46 Seiten mit in den Text eingefügten Abbildungen. In 8 Abschnitten geht es um Münzen und Geldscheine in der DDR in den 1970er Jahren Bilanz mit persönlichen Daten um Gehalt, Steuern, Sozialversicherung und andere feste Ausgaben Kredit für junge Eheleute Sparen mit Sparbuch - oder im Wäscheschrank? Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen - vom Postzeitungsvertrieb Auto Öffentlicher Personennah- und -fernverkehr Geld für Auslandsreisen. Im letzten großen Abschnitt geht es um "Preise für dies und das, von A wie Abziehbilder bis Z wie Zigaretten". Dazu gehören u. a. Annoncen, Ansichtskarten, Beiträge, Betriebsessen, Büroartikel, Dias, Dienstleistungen, Fahrrad, Ferienlager und Ferienheim, Gebühren der Deutschen Post, Getränke, Haushaltsartikel, Heimwerkerbedarf, Kosmetik, Küche, Kurzwaren, Lebensmittel, Lotto, Mitbringsel aus dem Ausland, Möbel, Museums-Eintrittskarten, Musikkassetten und Schallplatten, Radio und Fernseher, Restaurant, Schulbücher, Tee und Kaffee, Theater- und Konzertkarten, Versicherungen, Waschmaschine und Kühlschrank, Weihnachten. Bezug über: BoD Buchshop, Amazon oder jede Buchhandlung. Hans-Ludwig Grabowski
- Leserpost: Geplante Ausstellung zum Bielefelder Stoffgeld
Sehr geehrter Herr Grabowski, ich melde mich bei Ihnen als Mitarbeiterin des Stadtarchivs Bielefeld – und mittlerweile auch als Notgeld-Fan. Gemeinsam mit einem Kollegen bereite ich aktuell eine Ausstellung zum Thema Bielefelder Notgeld vor. In den Magazinen haben wir einige, auch spezielle Scheine, die wir gerne präsentieren und erklären würden. Bei meinen Recherchen bin ich unter anderem auf das Notgeld-Kleid, das Sie in einem Beitrag über die Ratsherrenalben auf dem Portal geldscheine-online.com nennen, gestoßen: Das Notgeld-Kissen haben wir bei den Kollegen des Historischen Museums Bielefeld bereits angefragt. Auf das Kleid mit dem Jungbrunnen-Schein von Karl Muggly bin ich an anderer Stelle aber nirgends gestoßen. Könnten Sie mir eventuell freundlicherweise mitteilen, wo und in wessen Besitz sich das Kleid befindet? Ich bin sehr dankbar, über die Ausstellungsvorbereitungen auf das Thema Notgeld aufmerksam geworden zu sein. Es ist so ein faszinierender Kosmos mit den verschiedensten Bezügen. Gleichzeitig steckt so viel Politisches, Hintersinniges, Kurioses und Lustiges in den Scheinen – und das in einer so traurigen Not-Zeit. Einfach ein spannendes Thema. Ihre Arbeiten zu dem Thema sind unglaublich wertvoll – man kann nur erahnen, wie viel Zeit und Arbeit in den Recherchen stecken. Mit freundlichen Grüßen an Sie aus Bielefeld Anna Vogt Stadt Bielefeld Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Antwort der Redaktion (Auszug) Liebe Frau Vogt, besten Dank für Ihr Interesse an den Zeugnissen unserer Geschichte, zu denen natürlich auch das Geld gehört. Das Bielefelder Notgeld ist etwas ganz Besonderes, es gibt kaum etwas Vergleichbares in der Welt. Die Abbildung des Kleides habe ich von einem alten Polaroid-Foto, das wohl einst ein Autor von uns aufgenommen hatte. Von wem das Bild genau stammt, kann ich leider nicht sagen. Es könnte aus dem Nachlass von Albert Pick sein, der 1972 zusammen mit Herrn Grasser aus München einen Katalog zum Bielefelder Notgeld geschrieben hatte. In dem Büchlein selbst findet sich das Bild des Kleides allerdings nicht. Bin mir aber ziemlich sicher, dass das Foto aus dieser Zeit stammt. Aufruf an unsere Leser Wer die Ausstellung des Stadtarchivs Bielefeld mit der vorübergehenden Bereitstellung eines besonderen Exponats zum Bielefelder Stoffgeld unterstützen möchte, wendet sich bitte direkt an: anna.vogt@bielefeld.de (Tel. +49 (521) 51-8160). Gesucht wird zwar hauptsächlich das Kleid, es wurden in der Vergangenheit aber auch andere Kleidungsstücke und Gebrauchstextilien bekannt und auch versteigert, die aus Bielefelder Stoffgeld genäht waren. Hans-Ludwig Grabowski
- Meißner Porzellan: Wertbeständige Warenscheine von 1923
Viele deutsche Industriebetriebe hatten in der Hyperinflation von 1923 ein Problem der geregelten Geldversorgung der Betriebsangehörigen. Die Betriebe versuchten die Lohnzahlungen in der unbeliebten, hochinflationären Papiermark möglichst durch wertbeständiges Notgeld zu ersetzen. Die Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen schuf hierfür ihr eigenes wertbeständiges Geld durch Ausgabe von Warenscheinen. Die Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen begab am 1. Oktober 1923 wertbeständige Warenscheine (auch: Warengutscheine) in der Stückelung von 5, 10, 20 und 100 Goldmark. Die Kunstwährung Goldmark (oder: Mark Gold) basierte auf dem US-Dollar (1 Dollar = 4,20 Goldmark) und wurde über den Dollar-Wechselkurs zum Rückzahlungszeitpunkt in dann gültige Reichswährung umgerechnet. Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen, Warenschein über 10 Goldmark, Blankostück, Ausgabedatum: Meißen am 1.10.1923. Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen, Warenschein über 20 Goldmark, Nummer 129, Ausgabedatum: Meißen am 1.10.1923. Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen, Warenschein über 100 Goldmark, Nummer 18, Ausgabedatum: Meißen am 1.10.1923. Die dekorativen, allegorisch gestalteten Warenscheine waren gültig bei jeder Verkaufsstelle der Manufaktur. Die Gültigkeit der nummerierten Scheine war unbegrenzt. Die Warenscheine waren hergestellt auf Büttenpapier, einer Papierart die in der Regel für Geldscheine nicht verwendet wird. Dies indiziert, dass die Scheine kaum als wertbeständiges Geld verwendet worden sind. Dazu kommt, dass die Ausgabe dieses Notgelds ohne Genehmigung des Reichsministers der Finanzen erfolgte und mithin illegal war. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Dank an Oliver Sens (4/2023) Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Lexikon: Gesell, Silvio
Silvio Gesell, geb. 1862 in St. Vith (damals Deutschland, heute Belgien), gestorben 1930; wanderte 1886 nach Argentinien aus, wo er die dort herrschende verwirrende Papiergeldwirtschaft und deren Folgen studierte. Im Jahr 1900 kam er nach Europa zurück, um sich den Ideen der Geldreform und zur Schaffung einer neuen Wirtschaftsordnung zu widmen. 1919 wurde er Finanzminister in der kurzlebigen bayerischen Räterepublik. Eine Maßnahme während seiner nur sieben Tage dauernden Ministertätigkeit war, zur Behebung der Zahlungsmittelknappheit die Zinskupons bayerischer Staatsanleihen zu gesetzlichen Zahlungsmitteln zu erklären. Nach seinen Ideen entstand das sog. "Schwundgeld". In seiner in vielen Schriften entwickelten und verteidigten "Freiwirtschaftslehre" kritisierte er den zu langsamen Umlauf des Geldes und die dadurch hervorgerufene Verlangsamung des Leistungsaustauschs zwischen den Menschen. Er sah darin die Hauptursache der Deflation nach dem Ersten Weltkrieg. Zum Beitrag: Das Geld der Zukunft – Silvio Gesell und sein „Freigeld“ Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski
- Aus privaten Sammlungen: Österreich, 100 Schilling vom 29. Mai 1945 „Zweite Ausgabe“
Eine kurzfristige Notlösung: Die 100-Schillingnote vom 29. Mai 1945 „Zweite Ausgabe“ Objekttyp: Banknote Sammlung: Dr. Sven Gerhard Historischer Kontext: Von der im Dezember 1945 in Umlauf gesetzten Banknote zu 100 Schilling mit Ausgabedatum 29. Mai 1945 (die hinsichtlich ihrer grafischen Gestaltung bis auf das Ausgabedatum und die Unterschriften der 100-Schillingnote vom 2. Jänner [Januar] 1927 entsprach) tauchten ab Spätherbst 1946 in größeren Mengen Fälschungen auf. Die Oesterreichische Nationalbank musste erwägen, die umlaufenden Scheine zu 100 Schilling einzuziehen und durch neue zu ersetzen. Um diesen Umtausch bei Bedarf schnell durchführen zu können, beauftragte sie im Dezember 1946 die Staatsdruckerei Wien, eine sogenannte Ersatznote zu 100 Schilling in einer Auflage von 10 Millionen Exemplaren herzustellen. Die Kosten dafür wurden mit 350.000 Schilling veranschlagt. Der Schein ist in seiner der Gestaltung und der drucktechnischen Ausführung identisch mit der 100-Schillingnote vom 29. Mai 1945. Durch die Allonge am rechten Rand mit dem Aufdruck „Zweite Ausgabe“ ist er im Format jedoch 11 Millimeter breiter. Der Beschluss zur Ausgabe der Note im Zuge der Währungsreform im Dezember 1947 wurde durch die Oesterreichische Nationalbank kurzfristig getroffen und war nur eine Notlösung: Ursprünglich war geplant, die in England bei Bradbury, Wilkinson & Company gedruckte 100-Schillingnote mit Datum 2. Jänner (Januar) 1947 in Umlauf zu geben. Aufgrund der verzögerten Lieferung – es fehlte Luftfrachtraum für den Transport der Scheine von England nach Österreich – traf dieser Schein nicht mehr rechtzeitig in Wien ein und stand daher für die Ausgabe im Zuge der Währungsumstellung ab 11. Dezember 1947 nicht zur Verfügung. Die OeNB musste stattdessen auf die Ersatznote zu 100 Schilling Ausgabe 1945 mit der Allonge „Zweite Ausgabe“ zurückgreifen. Dieser Schein war aufgrund der Herstellung im Offsetdruck im Hinblick auf den Fälschungsschutz ebenso wie die Vorgängernote unzureichend. Mit der Ausgabe der 100-Schillingnote vom 2. Jänner (Januar) 1947 wurde durch die OeNB ab dem 28. Januar 1948 begonnen. Gleichzeitig wurde die 100-Schillingnote vom 29. Mai 1945 „Zweite Ausgabe“ zurückgerufen und aktiv eingezogen. Der Schein wurde bereits am 30. April 1948 außer Kurs gesetzt. Er war also nur gut 4 ½ Monate im Umlauf. Die sehr geringe Umlaufzeit und die relativ hohe Kaufkraft (100 Schilling entsprachen Ende 1947 etwa dem Wochenlohn eines qualifizierten Arbeiters in Wien) erklären die heutige Seltenheit dieses Scheins, der in kassenfrischer Erhaltung praktisch kaum zu finden ist. Land/Region/Ort: Österreich Emittent: Oesterreichische Nationalbank Nominal: 100 Schilling Datierung: 29. Mai 1945 Vorderseite: Dunkelviolett auf grau-grünem Unterdruck, Frauenkopf (Allegorie der Wissenschaften), Ornamente, Abbildung einer Eule (Symbol der Weisheit), rechts Ornament mit Aufschrift „Zweite Ausgabe“. Rückseite: Dunkelviolett auf grau-grünem Unterdruck, Gebäude der Akademie der Wissenschaften in Wien, vier Symbole der Wissenschaften: oben links Philosophie, oben rechts Theologie, unten links Medizin, unten rechts Jurisprudenz, links Ornament mit Aufschrift „Zweite Ausgabe“. Material: Papier Wasserzeichen: ohne Unterschriften: Dr. Viktor Kienböck, Eugen Kaniak und Dr. Franz Bartsch Entwurf: Wilhelm Dachauer Druck: Staatsdruckerei Wien Format: 178 mm x 85 mm Nummerierung: 1035 / 63767 Auflage: 10.547.100 Stück Gültigkeit: 11.12.1947 – 30.4.1948, jedoch ab Anfang Februar 1948 eingezogen Authentizität: Original Zitate: AUT-119 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) KK 228 (Kodnar/Künstner: Katalog der österreichischen Banknoten ab 1759) B223 (Williams/Linzmayer: The Banknote Book – Austria) Sven Gerhard Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Hildburghausen: Holzwert-Anleihe von 1924
Als in der Hyperinflation vor 100 Jahren die deutsche Markwährung zusammenbrach, mussten viele Kommunen nach kreativen Lösungen zur Schaffung von wertbeständigem Anleihekapital oder Notgeld suchen. Eine aus der Not geborene Finanz-Innovation waren zu dieser Zeit „wertbeständige Anleihen“, in waldreichen Gegenden Holzwert-Anleihen. So brachte die Stadt Hildburghausen im Thüringer Wald Anfang 1924 eine wertbeständige Holzwert-Anleihe in den Umlauf. Stadt Hildburghausen, Unverzinsliche Holzwert-Anleihe Litera C mit 6% Agio über den Geldwert von ¼ Festmeter Holz = 5,50 Goldmark mit Valutaklausel, ausgestellt in Hildburghausen am 15. Januar 1924. Der Gemeinderat der Stadt Hildburghausen genehmigte am 14. Dezember 1923 die Begebung einer Holzwertanleihe. Das Thüringische Staatsministerium in Weimar stimmte am 10. Januar 1924 durch Verfügung dieser Anleiheemission zu. Hiernach emittierte Hildburghausen mit Ausgabedatum vom 15. Januar 1924 eine 6%ige Holzwert-Anleihe über 5000 Festmeter Holz über die Geldwerte von 1/10 Festmeter Holz = 2,20 Goldmark (Litera D), ¼ Festmeter Holz = 5,50 Goldmark (Litera C), 1 Festmeter Holz = 22,00 Goldmark (Litera B), und 5 Festmeter Holz = 110,00 Goldmark (Litera A). Die Anleihestücke waren über Goldmark abgesicherte Inhaberpapiere (Volumen: 5000 Festmeter Holz = 110.000 Goldmark mit Valutaklausel/ 1 Goldmark = 10/42 Dollar). Es waren unverzinsliche Schuldverschreibungen mit einem Agio von 6% jährlich, d. h. der Zins wurde kumuliert bei der Endtilgung am 1. Januar 1926 gezahlt. Zinskupons entfielen dadurch. Zahlstellen waren die Städtische Sparkasse, die Kreis-Sparkasse und die Hessische Girozentrale in Hildburghausen. Diese extrem seltenen Holzwert-Anleihestücke sind im Sammelgebiet der Historischen Wertpapiere bisher unbekannt, sie sind auf diesem Gebiet nicht katalogisiert. Bei Geldscheinsammlern ist diese Emission im Sammelgebiet „Wertbeständiges Notgeld“ jedoch bekannt und mehrfach katalogisiert worden. Diese Anleihen hatten in der Hyperinflation des Jahres 1923 faktisch den Charakter eines Geldsurrogates. Sie wurden seinerzeit wegen des Fehlens besserer Alternativen als wertbeständiges Notgeld genutzt, für das es allerdings keinen gesetzlichen Annahmezwang gab. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat Informationen: Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962 Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro












