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- Württembergische Goldmark von 1923
In einem Notgelderlass vom 23. Oktober 1923 auf Basis des Ermächtigungsgesetzes vom 13. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung Unternehmen und Kommunen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld, wenn es auf Teile der Reichsgoldanleihe vom 14. August 1923 lautete und durch diese Anleihe gedeckt war. Das Notgeld musste nominal auf 4,20 Mark Gold oder kleiner lauten. Die Scheine mussten neben der Bezeichnung „Notgeldschein“ den Vermerk „Ausgegeben mit Genehmigung des Reichsministers der Finanzen“ tragen. Die höheren Nennwerte der Reichsgoldanleihe wurden daraufhin in beträchtlichem Umfange auch von Industrie- und Handelskammern bei der Reichsbank hinterlegt und so zur Deckung ihrer eigenen wertbeständigen Notgeldausgaben verwendet. Die Handelskammern im Deutschen Reich erschienen 1923 besonders geeignet, einheitliches wertbeständiges Notgeld zur Vermeidung zahlreicher einzelner Firmenausgaben in den Verkehr zu bringen. Sie fungierten quasi als Treuhänderinnen der ihnen angeschlossenen Mitgliedsfirmen. Solch ein wertbeständiges Handelskammer-Goldmarknotgeld (Goldmark mit Dollar-Valutaklausel) ist auch im Rheinland, in Hannover, Hessen, Westfalen, Sachsen, Württemberg und in Baden, wo es besonders hohe Auflagen gab, ausgegeben worden. Dagegen fehlt es in Gänze in Schleswig- Holstein, Brandenburg, Pommern, Ostpreußen, Schlesien, Thüringen, Mecklenburg und Bayern. Die Handelskammer Mannheim bemühte sich in dieser Hinsicht Ende 1923 eine Zeitlang, für badisches und württembergisches offizielles Goldmarknotgeld einen Clearingverkehr durchzusetzen, um allem Notgeld dieser Art ein größeres Umlaufgebiet und der gesamten Wirtschaft damit eine Vereinfachung im Verkehr mit wertbeständigen Zahlungsmitteln zu sichern, drang mit ihren Vorschlägen aber nicht durch. Württembergische Industrie- und Handelsnote über 2.10 Goldmark = ½ Dollar in Goldanleihe. Diese Note ist voll gedeckt durch Goldanleihe, die von der Notenausgabe beteiligten, durch die württembergischen Handelskammern vertretenen Firmen bei der Württembergischen Vereinsbank hinterlegt wurde … Der Umtausch der Note hat bis spätestens 31. Dezember 1923 zu erfolgen. Ausgestellt in Stuttgart am 27. Oktober 1923. Genehmigt vom Reichsfinanzministerium. Zwei sehr große Gemeinschaftsausgaben deckten 1923 in Württemberg fast den gesamten Bedarf an wertbeständigem Notgeld, so dass daneben nur wenige private Emissionen zu verzeichnen waren. Denn ab dem 27. Oktober 1923 gab die Handelskammer Stuttgart für alle württembergischen Handelskammern die sogenannten „Württembergischen Industrie- und Handels- Goldnoten“ aus. Der Arbeitnehmerverband Schwäbisch Gmünd nahm nach dem Protokoll der Inneren Abteilung des Gemeinderats Nr.252 vom 30.10.1923 für sich in Anspruch, hierzu in der letzten Oktoberwoche 1923 den Anstoß gegeben zu haben. Das vom Reichsfinanzministerium genehmigte und in den Wertstufen 0.21, 0.42, 1.05 und 2.10 Goldmark mit Valutaklausel (= 1/20, 1/10, ¼, ½ Dollar) ausgegebene Notgeld wurde über die württembergischen Handelskammern nur an die gewerbliche Wirtschaft abgegeben. In Höhe der übernommenen Anteile hinterlegten die Interessenten Reichsgoldanleihe bei der Württembergischen Vereinsbank, die auf den Goldnoten als Treuhänderin zeichnete. Als sich einige Wochen nach der Emission der Handels-Goldnoten zeigte, dass die Auflage nicht groß genug war, um neben den gewerblichen Betrieben auch die angeschlossenen Stadtverwaltungen mit wertbeständigem Geld zu versorgen, gab der Württembergische Städtetag gemeinsam mit der Handelskammer Stuttgart ab 23. November 1923 das sogenannte „Württembergische wertbeständige Notgeld“ heraus. Württembergisches wertbeständiges Notgeld über 1 Goldmark. Dieser Notgeldschein ist gedeckt nach Maßgabe der Bestimmungen der Reichsregierung. Der Inhaber des Scheines ist berechtigt, ihn an der Kasse der Württembergischen Girozentrale in Stuttgart, sowie durch die Vermittlung der sämtlichen ihr angeschlossenen öffentlichen Sparkassen Württembergs innerhalb eines Monats nach Aufruf nach Wahl der Aussteller gegen Stücke der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reichs bzw. gegen Goldschatzanweisungen des Reichs oder gegen einen dem Kurse der Hinterlegten Wertpapiere am Tage der Zahlung entsprechenden Barbetrag einzutauschen. Ausgestellt in Stuttgart am 23. November 1923. Signaturen: Handelskammer Stuttgart, Württembergischer Städtetag und Württembergische Girozentrale Stuttgart. Die mit Genehmigung des Reichsfinanzministeriums emittierten Stücke lauteten über 20 und 50 Goldpfennige sowie über 1 und 2 Goldmark. Als Einlösungsstelle wurde bei diesen Notgeldscheinen die Württembergische Girozentrale benannt, die als Zentralinstitut der württembergischen Sparkassen in engster Verbindung zum Städtetag stand und mit ihren zahlreichen Filialen ein weit verzweigtes Netz von Einlösungsstellen anbot. Die erforderliche Deckung wurde durch die Städte besorgt, für deren Lohn- und Gehaltszahlungen allein das Geld bestimmt war. Warum die Handelskammer Stuttgart (für die württembergischen Handelskammern) auf den Noten wiederum als Mit-Emittent zeichnete, war bei dieser Kammer nicht bekannt. Das Notgeld gelangte über die kommunalen Beamten und Angestellten bei Einkäufen in den Besitz gewerblicher Unternehmungen. Es wird vermutet, dass man deshalb Wert darauf legte, die zuständige Selbstverwaltungsorganisation der gewerblichen Wirtschaft in Gestalt der württembergischen Handelskammern mitzeichnen zu lassen. Über den Gesamtbetrag beider Emissionen konnten mangels Unterlagen bei der Handelskammer Stuttgart nur Vermutungen angestellt werden. Bei der Emission des Württembergischen Städtetages soll die Hinterlegung von Sicherheiten in Höhe von 12 Mio. Goldmark vorgesehen gewesen sein. Wenn man unterstellt, dass der Bedarf der gewerblichen Wirtschaft sicherlich größer war, als der der Städte, und wenn man weiter unterstellt, dass die Ausgabemenge vermutlich etwas niedriger war als die gestellten Sicherheiten, wird man die Auflage beider Emissionen zusammen auf etwa 20 Mio. Goldmark schätzen dürfen. Württembergisches wertbeständiges Notgeld über 2 Goldmark, ausgestellt in Stuttgart am 23. November 1923. Ab Anfang 1924 wurden die Goldnoten durch alle württembergischen Banken gegen Rentenmark oder stabilisierte Papiermark eingelöst und der genannten Treuhänderin präsentiert, die ihrerseits mit den hinterlegten Goldanleihestücken zahlte. Nach Mitteilung der Industrie- und Handelskammer Stuttgart vom 11.8.1959 soll sich der Umtausch über mehrere Jahre hingezogen haben. Andere Quellen belegen die Einlösung des württembergischen wertbeständigen Notgelds in Höhe von 20 Mio. Goldmark im Land Württemberg im Zeitraum vom 1. August bis zum 31. August 1924. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat Literaturhinweis: Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Aus privaten Sammlungen: US Military Payment Certificate zu 10 Dollars der Serie 521
Das Verrechnungsgeld der US-Streitkräfte – ein Sammelgebiet nicht nur für US-Sammler Objekttyp: Militär-Verrechnungsschein Sammlung: Dr. Sven Gerhard Historischer Kontext: Zwischen 1946 und 1973 kursierten für den Zahlungsverkehr innerhalb der im Ausland stationierten US-Streitkräfte eigene Zahlungsmittel, die sogenannten Military Payment Certificates (abgekürzt MPC). Es gab sie in Wertstufen zu 5, 10, 25 und 50 US-Cents sowie zu 1, 5 und 10, bei späteren Ausgaben auch zu 20 US-Dollars. Ausgegeben wurden in diesem Zeitraum insgesamt 13 verschiedene Serien. Grund der Ausgabe waren erhebliche Defizite in der Bilanz der US-Streitkräfte, die dadurch entstanden waren, dass US-amerikanische Besatzungssoldaten in Europa und Asien nach Kriegsende ihren Sold zunächst in Landeswährung erhielten (in Deutschland etwa in Alliierten Militärmarknoten), jedoch unbeschränkt Beträge zum offiziellen Militärwechselkurs in US-Dollars umtauschen und in die Heimat transferieren durften. Das führte zu erheblichen Schwarzmarktgeschäften der US-Soldaten insbesondere in Deutschland und Österreich. Durch die Ausgabe von MPC sollte dieser Schwarzhandel beendet und die aus dem Umtausch der durch solche Schwarzmarktgeschäfte erworbenen Landeswährung in US-Dollars zu offiziellen Kursen resultierenden finanziellen Verluste im US-Staatshaushalt sollten gestoppt werden. Um zudem den Schwarzhandel mit MPC selbst zu unterbinden, wurden Scheine der umlaufenden Serie nach Ankündigung innerhalb nur eines Tages durch Scheine einer neuen Serie ersetzt, wobei nur US-Militärangehörige MPC der alten gegen solche der neuen Serie umtauschen konnten. Für die Serie 521, aus der der vorliegende Schein zu 10 Dollars – die höchste Wertstufe dieser Serie – stammt, wurde der offizielle Druckauftrag am 23. Januar 1952 durch das US-Kriegsministerium an die Druckerei Forbes in Boston erteilt. Daher rührt die Serienbezeichnung (19)52 1(.Serie). Der Schein wurde am 25. Mai 1954 erstmals ausgegeben und am 27. Mai 1958 durch den 10-Dollars-Schein der Serie 541 ersetzt. Er blieb damit vier Jahre im Umlauf, ein für eine MPC-Serie verhältnismäßig langer Gültigkeitszeitraum. Die Scheine der Serie 521 liefen in diversen Ländern um, in denen US-Streitkräfte stationiert waren, so auch in West-Deutschland und West-Berlin, jedoch nicht in den USA selbst. Das macht diese Scheine auch für Sammler interessant, die Geldscheine eines bestimmten Landes oder mit lokalem Bezug sammeln, etwa weil in der betreffenden Region US-amerikanische Truppen stationiert waren, auch wenn eine Verwendung von MPC nur im Zahlungsverkehr innerhalb der US-Truppen erlaubt, mit der Zivilbevölkerung jedoch verboten war. Land/Region/Ort: USA Umlauf: Umlauf innerhalb der US-amerikanischen Streitkräfte, stationiert in: Belgien, England, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Japan, Jugoslawien, Marokko, Niederlande, Nordirland, Österreich, Philippinen, Schottland, (Süd-)Korea, Triest, West-Deutschland und West-Berlin Emittent: US War Department (US Kriegsministerium) Nominal: 10 Dollars Datierung: ohne (1952) Vorderseite: Rotbraun auf grünlichem Unterdruck, Guillochenrahmen, Kopf der Ceres, römische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit (Entwurf G. F. C Smilie), Plattennummer 48. Rückseite: Rotbraun auf bläulichem Unterdruck, Guillochenrahmen, Vignette der Justitia (Entwurf Marcus W. Baldwin) Material: Papier Wasserzeichen: ohne Unterschriften: ohne Druck: Forbes Lithograph Corporation, Boston/Massachusetts, USA, in Bögen zu 50 Scheinen Format: 155 mm x 66 mm Nummerierung: E 11977576 E Auflage: 24.400.000 (zzgl. 285.000 Ersatznoten) Gültigkeit: 25. Mai 1954 – 27. Mai 1958 Authentizität: Original Zitate: M35a (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. I – Specialized Issues) B1035 (Linzmayer: The Banknote Book, United States, Military Payment Certificates) 847/1 (Schwan/Smulczenski: Military Payment Certificates) Sven Gerhard Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Die Gelsenkirchener Weßlingschuhmark von 1923
Das wertbeständige Notgeld im Hyperinflationsjahr 1923 bestand überwiegend aus der Kunstwährung Goldmark. Die Goldmark hatte eine Dollar-Valutaklausel auf der Basis 1 Dollar = 4,20 Goldmark. Ab 23. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung Unternehmen bei Erfüllung bestimmter Bedingungen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld in Goldmark (Deckung durch Teile der Reichsgoldanleihe, formale Erfordernisse). Es gab allerdings auch wertbeständiges Notgeld, das keiner Genehmigung durch das Reichsfinanzministerium bedurfte: Sachwert-Notgeld. Davon bestehen nur wenige Notgeldausgaben auf der Basis von Roggen, Weizen, Holz, Fett, Zucker etc. Eine neue Kunstwährung sehr eigener Art schuf 1923 ein westfälischer Schuhfabrikant: Die Weßlingschuhmark! W. Weßling Aktien-Gesellschaft, vier Wertstufen von Gutscheinen über Weßlingschuhmark, ohne Datum, Blanko-Stücke. Bildquelle: Privat (2/2023). Der Schuhhersteller W. Weßling Aktien-Gesellschaft mit Geschäftssitz in Gelsenkirchen gab auf dem Höhepunkt der Hyperinflation, vermutlich im vierten Quartal 1923, als wertbeständiges Notgeld „Gutscheine über Weßlingschuhmark“ aus. Die Gutscheine in den Wertstufen zu 5, 8, 10, 12 und 15 Weßlingschuhmark gaben dem Inhaber das Recht in den Verkaufsstellen der W. Weßling A.-G. in Gelsenkirchen, Bochum, Bernburg und Duisburg mit den wertbeständigen Gutscheinen Schuhe und Strumpfwaren zu erwerben. W. Weßling Aktien-Gesellschaft, Gutschein zu 15 Weßlingschuhmark ohne Datum (1923), Vorderseite, Blanko mit Kontrollnummer 141. Wasserzeichen C-Muster. Auf der Rückseite der Gutscheine ist vermerkt: „Dieser Schein kann nur vom Empfänger gegen Kauf von Schuh- oder Strumpfwaren eingelöst werden“. Weiterhin: „Die Ausgabe von Weßling-Schuhmark geschieht um unseren Kunden eine Möglichkeit zu geben, selbst kleinere Beträge für den Kauf von Schuh- und Strumpfwaren in unsern Häusern wertbeständig anzulegen. Die Umrechnung jeder Zahlung erfolgt auf Grund des am Tage der Zahlung gültigen Verkaufsmultiplikators. Durch Übernahme dieses Gutscheines erklärt sich unser Kunde mit der Umrechnung der Weßlingschuhmark in Papiermark einverstanden. Ausgesuchte Schuhwaren müssen nach 14 Tagen abbezahlt und abgeholt werden. Dieser Gutschein muss innerhalb 4 Wochen nach Aufruf in den hiesigen Tageszeitungen eingelöst werden. Nach dieser Frist verliert er seine Gültigkeit“. Hans-Georg Glasemann Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Geldscheinporträts: Maria Montessori – „Hilf mir, es selbst zu tun“
Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen: Albrecht Daniel Thaer auf einem 10-Reichsmark-Schein von 1929. Abbildung 1: Maria Montessori in Amsterdam, Jack de Nijs, 01.03.1950, Fotocollectie Anefo, Nationaal Archief, (Permanente URL: http://hdl.handle.net/10648/a8d524b4-d0b4-102d-bcf8-003048976d84, Creative Commons) Im 19. Jahrhundert bedeutete Schule vorwiegend Drill und Züchtigung. Maria Montessori hingegen setzte auf Freiheit statt Zwang und Selbstständigkeit statt Abhängigkeit – und erzielte große Lernerfolge. Das Prinzip des Montessori-Kinderhauses hat die frühkindliche Erziehung bis heute stark geprägt. Heute gibt es mehr als 25.000 Montessori-Einrichtungen auf der ganzen Welt. Abbildung 2/3: Banca d´Italia, 1000 Lire, 1990 Vorderseite: Porträt von Maria Montessori; Rückseite: Kinder beim Lernen (Nach dem Gemälde „Bambini che studiano“ von Armando Spadini, 1918). Maria Montessori wurde 1870 in Chiaravalle nahe der Hafenstadt Ancona geboren. Zu dieser Zeit konnten nur wenige, meist Männer, lesen und schreiben. Mädchenbildung hatte keine Priorität und war auch nicht sonderlich erwünscht. Gegen den Willen ihres Vaters besuchte sie die technische Oberschule und wollte erst Ingenieurin und dann Ärztin werden. Maria Montessori schaffte, was vor ihr kaum eine Italienerin geschafft hatte: Als eine der ersten fünf Frauen im Land studierte sie Medizin. Im Jahr 1896 wurde sie an der Universität Rom promoviert. Den Hörsaal durfte sie erst betreten, wenn alle männlichen Kommilitonen bereits saßen, und den Anatomiekurs musste sie spätabends absolvieren – das gemeinsame Sezieren nackter Körper war untersagt. Während des Studiums begann sie in kinderpsychiatrischen Einrichtungen zu arbeiten. Die Missstände, die sie dort sah, bewegten sie dazu, eigene pädagogische Ansätze zu entwickeln. Sie sah die Entwicklungsrückstände der Kinder als pädagogisches Problem. Zur Weiterentwicklung ihrer Methoden leitete sie das Casa dei Bambini in einem Arbeiterviertel in Rom. Dort übertrug sie die Methoden, die sie zur Förderung geistig behinderter Kinder erprobte, auch auf die Kinder der armen Leute. Aus aller Welt kamen Neugierige nach Rom, um das "Wunder von San Lorenzo" zu bestaunen: Unter Montessoris Hand mutierten desinteressierte Analphabeten zu gründlichen und konzentrierten Lesern. Selbsttätigkeit und Eigeninitiative ist der Fokus der Montessori-Pädagogik. Jedes Kind sollte sich seinem eigenen Rhythmus entsprechend entwickeln und dabei in seiner Neugierde und Selbstständigkeit bestärkt werden. Daher lehnte Montessori auch die Trennung nach Jahrgängen ab. „Hilf mir, es selbst zu tun“ – Mit diesem Motto wird der pädagogische Ansatz oft zusammengefasst. 1909 hielt Maria ihren ersten Ausbildungskurs über ihre Pädagogik und veröffentlichte ihr Werk „Il metodo della pedagogica scientifica“. Weitere Kinderhäuser wurden gegründet und Montessori begann mit der Ausbildung von Lehrern. Sie machte sich die Verbreitung ihrer Methode zum Lebensziel. Dazu paktierte sie mit allen Förderern – unter anderem mit Benito Mussolini. Die Anbiederung an das faschistische Regime zahlte sich für Montessori aus: Der Diktator erklärte sie 1927 zur „Heldin des Vaterlandes“ und förderte ihr Vorhaben. Auch in Deutschland verbreitete sich das Montessori-Prinzip. Die Faschisten begannen, sich zunehmend in die Erziehung an den Montessori-Schulen einzumischen. Die unterschiedlichen Menschenbilder führten schließlich zum Bruch. 1934 floh sie mit ihrem Sohn Mario. 1939 reiste sie dann weiter nach Indien, wo sie bis 1946 lebte. In Indien entstand eine große Montessori-Bewegung, deren Wirkung sich noch heute zeigt. Ihren Lebensabend verbrachte die Reformpädagogin in den Niederlanden. 1952 starb sie in Noordwijk. Ihr Sohn Mario führte ihr Lebenswerk fort und leitete bis 1982 die Association Montessori Internationale (AMI). Die pädagogischen Methoden sind bis heute weit verbreitet. Allein in Deutschland gibt es circa 600 Montessori-Kindergärten. Aus wissenschaftlicher Sicht wird die Erziehungsweise häufig bemängelt. Laut dem Psychologen Helmut Lukesch sind die „altbackenen und allenfalls alltagspsychologischen Ausführungen“ von Maria Montessori „mit dem Stand des heutigen entwicklungspsychologischen oder pädagogisch-psychologischen Wissens nicht in Übereinstimmung zu bringen“. Dennoch hielten Millionen von Italienern und Italienerinnen Montessori einst in den Händen, ihr Gesicht lächelte freundlich auf dem 1000-Lire-Schein. Elias Heindl Literatur/Quellen Polistina, Francesca: Die Pionierin und die Kinder, Süddeutsche Zeitung, 30.08.2020, (aufgerufen über www.sueddeutsche.de/bildung/paedagogik-die-pionierin-und-die-kinder-1.5014337, zul. am 14.05.2023) Iken, Katja: Säulenheilige und Meisterin, Opportunistin und herrische Diva, Der Spiegel, 31.08.2020, (aufgerufen über www.spiegel.de/geschichte/paedagogin-maria-montessori-die-frau-die-kindern-freiheit-gab-a-1d318e46-fcb6-410a-9014-19e1fe9b968f?sara_ref=re-xx-cp-sh, zul. am 13.05.2023) Delvaux de Fenffe, Gregor: Maria Montessori, SWR, Planet Wissen, 12.11.2019, aufgerufen über www.planet-wissen.de/gesellschaft/lernen/schulgeschichte/pwiemariamontessori100, zul. am 14.05.2023 montessori.de/about-company (zul. aufgerufen am 14.05.2023) de.wikipedia.org/wiki/Maria_Montessori (zul. aufgerufen am 15.05.2023) de.wikipedia.org/wiki/Montessorip%C3%A4dagogik (zul. aufgerufen am 15.05.2023) Abbildungen Banknote: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.
- Fantasienote zu 10 Kronen von 1921 mit Franz Joseph I.
Der slowakische Grafik-Designer Matej Gábriš aus Bratislava entwirft seit 2012 zu zahlreichen Ländern und Regionen Fantasiebanknoten, die zum Teil den Originalen des Landes nachempfunden sind und bringt diese in einer begrenzten Auflage auf den Sammlermarkt. Ein künstlerischer Schwerpunkt liegt auf der Tschechischen Republik, zu diesem Land gibt es aktuell die meisten unterschiedlichen Ausgaben und die Fantasienoten werden dort angeblich auch bereits rege gesammelt. Aber auch zahlreiche andere Länder wurden schon bearbeitet und auch zu Österreich hat Gabris eine Fantasiebanknote herausgebracht, die ich im Anschluss vorstellen möchte. Künstler Zuerst noch vorausgeschickt: Matej Gábriš sammelt selbst seit seiner Kindheit Banknoten und ist ein Meister seines Fachs. Seine Arbeiten haben einen hohen künstlerischen Anspruch und es ist wirklich verblüffend, wie gut es ihm gelingt, sich in die Designs der unterschiedlichen Länder in bestimmten Epochen hineinzudenken und täuschend ähnliche Banknoten zu kreieren. Dabei bringt er eigene Ideen ein und bindet in seine Gestaltung auch Persönlichkeiten, Gebäude oder Orte ein, die es in der Realität auf Banknoten nie gegeben hat. Für Schottland brachte er z. B. eine Fantasiebanknote mit dem Porträt von Sean Connery heraus. Motiv Die "österreichische Banknote" ist auf den 13. Juli 2021 datiert und zeigt ein Porträt von Kaiser Franz Joseph I. In Wirklichkeit wurde Franz Joseph in einer so repräsentativen Art und Weise nie auf österreichischen Banknoten abgebildet. Um die Unabhängigkeit der Banknoten ausgebenden Stelle zu unterstreichen, vermied man es tunlichst, jemanden aus dem Herrscherhaus auf Banknoten darzustellen. Nur die drei Staatsbanknoten ab 1881 sind eine Ausnahme, wobei aber auch hier nur ein kleines seitliches Kopfporträt des Kaisers enthalten ist. Auf der Rückseite befindet sich das Maria-Theresien-Denkmal in Pressburg (das heutige Bratislava). Ein einst bedeutendes, 1897 erbautes Denkmal zur Erinnerung an die Krönung von Maria Theresia zur Königin von Ungarn. Das Denkmal ist heute nicht mehr existent, da es 1921 nach der tschechoslowakischen Unabhängigkeitserklärung zerstört wurde. Qualität der Produktion Die Fantasienote ahmt sehr schön das zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Österreich übliche Design nach. Sie erscheint relativ hochwertig produziert, professionell geschnitten und es ist sogar ein Wasserzeichen vorhanden. Was bei Nachahmung von Banknoten extrem schwierig ist, ist das verwendete spezielle Papier zu imitieren. Das gelingt auch hier nicht wirklich, aber zumindest etwas besser, als ich es schon in vielen anderen Fällen gesehen habe. Alles in allem finde ich das Ergebnis durchaus passabel. Sammeln/Markt Lohnt es sich eine solche Fantasienote zu sammeln und besteht die Chance auf eine Wertsteigerung? Zweites aus meiner Sicht eher nicht, denn dafür erscheint mir die Auflage mit 1.200 Stück deutlich zu hoch. Dafür muss man erst einmal Abnehmer finden, denn nicht jeder Sammler schließt solche Fantasienoten in sein Sammelgebiet mit ein. Wenn man in seiner Sammlung neben Originalstücken aber auch Kuriositäten, Werbenoten und Ähnliches berücksichtigt, dann passt auch eine solche Fantasienote gut dazu. Da sie aktuell relativ günstig bereits ab 6,50 Euro angeboten wird, kann man beim Erwerb nicht allzu viel falsch machen. Ein Hingucker im interessanten Design sind diese Scheine allemal. Johann Kodnar Mehr Artikel zu Matej Gábriš Money Art – Notes as a Way of Expression Die Geld-Kunst des Matej Gábriš Noch mehr Geld-Kunst des Matej Gábriš Mehr Informationen findet man auf https://www.gabrisbanknote.com
- Lexikon: Georgische Legion
Während des Ersten Weltkriegs bildete das Deutsche Oberkommando in Samsun im verbündeten Osmanischen Reich (heute Türkei) aus Kriegsgefangenen des russischen Armee, die aus Georgien stammten, eine Hilfstruppe, die man "Georgische Legion" nannte. Ärmelabzeichen der "Georgischen Legion" in Samsun, Abb. Wikipedia. In den Kämpfen zwischen Russland und dem Osmanischen Reich wollten die Türken die deutsche Hilfstruppe als Freiwilligenverband einsetzen, während die deutsche Reichsregierung sie ausschließlich im Falle eine Revolte gegen die russische Fremdherrschaft in Georgien verwenden wollte. Georgische Legion Samsun: Gutschein über 5 Piaster ohne Datum (1916), Vorderseite mit Handunterschrift von Hans Külzer. Für diese Truppe, die 1915 durch Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg in einer Stärke von etwa 1.500 Mann rekrutiert worden war, aber nur sehr bedingt zum Einsatz kam, wurden 1916 eigene Geldscheine in türkischer Währung zu 5 und 10 Piaster ausgegeben, die heute sehr selten sind. Aus dem Kern der "Georgischen Legion" bildete sich die Nationalarmee der ab 1918 bestandenen Demokratischen Republik Georgien, die 1921 von der sowjetischen Roten Armee geschlagen wurde. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski
- Leserpost: Fälschung zu 100 Billionen Mark von 1923
In dem Artikel "Hyperinflationen der 1920er Jahre als Folge des Ersten Weltkriegs, Teil 1" von Herrn Bronnert in Ihrem Newsletter 06/2022 ist eine Fälschung der Reichsbanknote vom 26. Oktober 1923 zu 100 Billionen Mark abgebildet. Ich besitze auch so einen Schein, den ich als Fälschung erworben habe. Eine Kopie der Vorder- und Rückseite (siehe Abbildungen) füge ich bei. Der Schein macht einen recht gebrauchten Eindruck und hat ziemliche Ähnlichkeit mit dem in Ihrem Beitrag abgebildeten Schein. Gibt es auffällige Merkmale der Fälschung? W. Reiß Originale DEU-153a: Echte Reichsbanknote (Reichsdruck) zu 100 Billionen Mark vom 26. Oktober 1923, Sammlung Gerber. DEU-153M2: Echte Reichsbanknote (Muster eines Firmendrucks) zu 100 Billionen Mark vom 26. Oktober 1923, Sammlung Gerber. Fälschungen Abbildung einer Fälschung ohne Nummerierung, Sammlung Gerber. Abbildung der Fälschung aus dem Artikel von Uwe Bronnert mit Kontrollnummer, aber ohne Serie bzw. Firmenzeichen. Antwort der Redaktion Was sofort ins Auge fällt, ist die abweichende Farbe der Nummerierung. Ich habe mal zwei Originale (Reichs- und Firmendruck) sowie eine weitere Fälschung zum Vergleich mit abgebildet. Bei Ihrem Schein wird ein Firmenzeichen (L) angegeben, während beim Schein von Uwe Bronnert nur eine Kontrollnummer vorhanden ist, eine Serie bzw. ein Firmenzeichen fehlt jedoch. Bei der abgebildeten Fälschung aus der Sammlung Gerber haben wir überhaupt keine Nummerierung. Allen drei Fälschungen ist aber gemein, dass die rechte Randeinfärbung deutlich sichtbar lediglich aufgedruckt ist und sich nicht im Papier befindet. Ebenso sind die Fasereinlagen, die sich bei Originalen im Papier befinden, bei den Fälschungen durch Aufdruck lediglich nachgeahmt. In der Randeinfärbung befindet sich bei den Originalen außerdem ein Distelstreifen als Wasserzeichen. Das ist bei den Fälschungen lediglich durch Aufdruck angedeutet, was am deutlichsten bei der Fälschung von Uwe Bronnert zu sehen ist. Damit haben wir schon die wichtigsten und offensichtlichsten Merkmale von Originalen und Fälschungen zusammengefasst. Dass Ihre Fälschung trotzdem so deutliche Gebrauchsspuren aufweist, ist nicht verwunderlich. Während der Inflation sind zahlreiche Fälschungen zum Teil auch lange in Umlauf gewesen. Durch die kaum zu überschauende Flut von immer neuen Ausgaben von Banknoten und Notgeldscheinen liefen sogar handgezeichnete Fälschungen und Fantasiescheine um, weil sich die Menschen kaum mehr die Mühe machte, Scheine auf Echtheit und Authentizität zu prüfen. Die Devise in der Zeit der Hyperinflation vor nunmehr 100 Jahren lautete, das Geld so schnell wie möglich auszugeben, bevor es erneut an Wert verloren hat. Aus diesem sehr einfachen, aber für jeden nachvollziehbaren Grund wurde die Hochzeit der Inflation auch als "Tanz auf dem Vulkan" bezeichnet. Hans-Ludwig Grabowski
- Allgäuer Milchgeld 1923
Dieses Geld ist ausgegeben vom Milchwirtschaftlichen Landesverband e.V. aufgrund einer Vereinbarung mit dem unterzeichneten Verband im Benehmen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft. Allgäuer Milchgeld über 0,50 Mark Gold, Vorder- und Rückseite. Zunächst frage ich die Künstliche Intelligenz (KI) ChatGPT: Was ist Allgäuer Milchgeld von 1923. Die Antwort erfolgt innerhalb 5 Sekunden: „Allgäuer Milchgeld“ bezieht sich auf einen historischen Vorgang in Deutschland im Jahr 1923. In diesem Jahr kam es aufgrund von Hyperinflation zu einem Zusammenbruch des deutschen Währungssystems, was zur Folge hatte, dass die Preise für Waren und Dienstleistungen sprunghaft anstiegen. Das „Allgäuer Milchgeld“ war ein Symbol für die Auswirkungen der Hyperinflation auf die Lebenshaltungskosten der Menschen. Es bezog sich auf die Situation im Allgäu, einer Region in Süddeutschland, in der Milchbauern ihre Milch zu einem Preis von einer Milliarde Mark pro Liter verkauften. Das Allgäuer Milchgeld war also der Betrag, den die Milchbauern für ihre Milch erhielten, und es verdeutlichte die Absurdität der Hyperinflation und die enorme Wertlosigkeit der damaligen deutschen Währung. Die Antwort ist im Wesentlichen richtig, dennoch etwas kryptisch vom Verständnis her. Aber ich versuche es Mal mit meiner Natürlichen Intelligenz (NI): Eine großangelegte Notgeldaktion zur Sicherstellung der Milch- und Getreidebelieferung der Städte kam auf Betreiben des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums zustande, auf dessen Veranlassung die Bayerische Landwirtschaftsbank e.G.m.b.H., München, und die Allgäuer Vereinsbank e.G.m.b.H., Kaufbeuren, ab dem 19. November 1923 Geldscheine über 4.20 Mark Gold bzw. über 0.50, 1 und 4 Mark Gold herausbrachten (Goldmark mit Dollar-Valutaklausel). Allgäuer Vereinsbank e.G.m.b.H., Notgeldschein über 1 Mark Gold = 10/42 Dollar. Ausgegeben mit Genehmigung des Reichsminister der Finanzen und gedeckt durch Hinterlegung von 6% wertbeständige Anleihe des Deutschen Reiches. Dieser Schein kommt zum 15. Dezember 1923 zum Aufruf. Der Inhaber kann binnen Monatsfrist nach Aufruf den Umtausch in Schatzanweisungen der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches oder gegen Aushändigung des Scheines die Zahlung eines gleichwertigen Barbetrages, umgerechnet nach dem Berliner Mittelkurs für Auszahlung New-York, bei den unten genannten Geschäftsstellen der Allgäuer Vereinsbank verlangen (Günzburg a.D., Jettingen, Kaufbeuren, Kempten, Landsberg am Lech, Mindelheim, Pfronten-Ried, Schwabmünchen, Türkheim, Waal, Weitnau, Wörishofen). Ausgestellt in Kaufbeuren am 19. November 1923. Allgäuer Milchgeld über 4 Mark Gold, Vorder- und Rückseite. Beide Banken durften ihr Notgeld nur an die vom Landwirtschaftsministerium bezeichneten landwirtschaftlichen Kreise abgeben; damit blieb es im Umlauf auf den mit der Milchversorgung der größeren Bedarfsorte befassten Großhandel, auf die mit milchwirtschaftlichen Erzeugnissen handelnden Wirtschaftskreise und auf das Müllereigewerbe des schwäbisch-oberbayerischen Gebites beschränkt. Mit dem Notgeld sollten die Erzeuger bezahlt werden. Die Händler mussten sich dagegen verpflichten, auch Papiermark in Zahlung zu nehmen. Bayerische Landwirtschaftsbank e.G.m.b.H.: Wertbeständiger Notgeldschein über 4.20 Mark Gold = 1 Dollar, ausgegeben in München am 19. November 1923. Für den Fall bestimmungswidriger Verwendung des Goldmarknotgeldes wurde Entzug der Handelserlaubnis angedroht. Die Scheine der Allgäuer Vereinsbank haben vor allem im Allgäu Verbreitung gefunden und liefen dort unter dem Namen „Allgäuer Milchgeld“ um. Das Notgeld beider Banken war vom Reichsfinanzministerium genehmigt. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat Literaturhinweis: Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Lexikon: Geldscheinsammler
"DER GELDSCHEINSAMMLER" war lange Zeit die einzige deutschsprachige Zeitschrift, die sich ausschließlich mit dem Papiergeld (nebst verwandten Gebieten) und dem Geldscheinsammeln beschäftigte. Die Erstausgabe erschien im November 1986. "DER GELDSCHEINSAMMLER", Titel der Erstausgabe vom November 1986. Die Fachzeitschrift erschien anfänglich zweimonatlich beim damaligen Heinrich Gietl Verlag in Regenstauf (heute Battenberg Gietl Verlag). Verantwortlicher Redakteur der ersten Stunde war Dr. Alexander Persijn. Bis 2001 blieb "DER GELDSCHEINSAMMLER" mit zuletzt neun Ausgaben pro Jahr eine eigenständige Zeitschrift. Ab 2002 wurde sie fester Bestandteil der Zeitschrift "MÜNZEN & PAPIERGELD", heute "MUNZEN & SAMMELN" mit elf Ausgaben im Jahr. Verantwortlicher Redakteur für die Rubrik "DER GELDSCHEINSAMMLER" in "Münzen & Sammeln" ist seither Hans-Ludwig Grabowski, der bereits ab 1998 redaktionelle Aufgaben für "DER GELDSCHEINSAMMLER" übernommen hatte. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski
- Leserpost: Geldscheine von Monaco und Tansania?
Bei einer Auktion bekam ich kürzlich drei Geldscheine, die ich nicht recht zuordnen kann. Im Katalog "World Paper Money" ab 1961 finde ich sie nicht. Bei Monaco handelt es sich um eine Testnote zu 20 Francs von 2018 mit Porträt von Fürstin Gracia Patricia. Ist das ein offizielles Zahlungsmittel? Bei Tansania geht es um zwei Noten 50 Shillings und 50 Yuan zugunsten des Nationalparks "Serengeti". Die Unterschriften sind jeweils gleich. Sind es Umlaufscheine für den Nationalpark mit entsprechenden Abbildungen oder "nur" Eintrittskarten? Beide Scheine zeigen in englischer Sprache: Serie "R 2018". H.S. Antwort der Redaktion Nicht alles, was aus Papier – oder inzwischen auch aus Polymer-Kunststoff – ist und nach Geld aussieht, ist ein Geldschein und schon gar keine Banknote. Leider wird der Begriff Banknote immer wieder falsch verwendet, sogar von Mitarbeitern in Museen. Streng genommen sind Banknoten lediglich Noten konzessionierter Notenbanken (z. B. einer Zentralbank oder Staatsbank). Staatspapiergeld wird oft von staatlichen Kassen oder Behörden ausgegeben, weshalb es eigentlich nicht mit Banknoten gleichgesetzt werden kann. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden solche Kassenscheine aber auch als Banknoten bezeichnet. Auf keinen Fall Banknoten ist aber alles andere, also z. B. Notgeldscheine oder eben auch Fantasiescheine, um was es sich bei Ihren drei Scheinen handelt. Monaco selbst hatte, abgesehen von Notausgaben aus dem Jahr 1920, keine eigenen Geldscheine. Heute gilt hier der Euro und davor liefen die Noten der Banque de France um. Das ist der Grund, warum der Geldkünstler Matej Gábriš aus Bratislava 2018 einen sehr schönen Fantasieschein über 20 Francs mit Porträt der vormaligen monegassischen Fürstin Gracia Patricia (Grace Kelly) auf der Vorderseite und dem Opernhaus von Monte Carlo auf der Rückseite schuf. Gábriš ist sehr kreativ und gestaltete bereits eine Vielzahl von Fantasiescheinen, so auch für Lappland und die nicht mehr existierende DDR. Sogar Scheine aus Kunststoff hat er schon geschaffen, wie z. B. für die kleine Insel Pitcairn, die in der Realität gerade einmal 50 Einwohner hat und den meisten nur als letzter Zufluchtsort der Meuterer von der "Bounty" bekannt wurde. Er selbst bezeichnet seine Arbeiten als Geldkunst und 2019 erschien sogar ein eigener Katalog zu seinen Scheinen, der sehr gern von Sammlern gekauft werden. Wer genau hinschaut, der findet auf seinen Scheinen aber immer auch einen Hinweis zur nicht vorhandenen Gültigkeit als Zahlungsmittel, hier "Non remboursable" (Nicht erstattungsfähig), bei anderen Scheine auch Begriffe wie "ESSAY", "SPECIMEN" "TEST" usw. Mehr zur Geldkunst von Matej Gábriš können Sie hier im Blog lesen: https://www.geldscheine-online.com/post/money-art-notes-as-a-way-of-expression https://www.geldscheine-online.com/post/die-geld-kunst-des-matej-g%C3%A1bri%C5%A1 https://www.geldscheine-online.com/post/noch-mehr-geld-kunst-des-matej-g%C3%A1bri%C5%A1 Die beiden anderen Scheine sind ebenfalls Fantasiescheine, die zum Verkauf an Sammler bestimmt sind. Beide Scheine stammen aus der Serie R von 2018, die sich ganz offensichtlich dem Thema Nationalparks in aller Welt widmet. Nur der Schein zum Serengeti-Nationalpark hat dabei etwas mit Tansania zu tun und verwendet deswegen auch die offizielle Währung Tansanias, den Shilling (Shilingi). Der andere Schein bezieht sich, wie übrigens auch so angegeben, auf das Naturschutzgebiet Jiuzhaigou in der chinesischen Provinz Sichuan, weshalb hier auch die Yuan-Währung verwendet wird und ein Panda zu sehen ist. Beides sind Fantasiescheine, die durch ihre schönen Motive Käufer unter den Sammlern finden sollen. Wir kenne andere Fantasiescheine aus den USA, von der Antarktis und von den Galapagos-Inseln und ungezählte mehr. In der Regel sind solche Scheine preiswert zu haben, handelt es sich doch um kein echtes Geld, weshalb es auch nicht in Standardkatalogen zu den Banknoten aus aller Welt zu finden ist. Viele Sammler haben aber trotzdem einige Fantasiescheine in ihrer Sammlung. Einen umfassenden Katalog zu weltweit allen Fantasiescheinen gibt es aber nicht und wird es wohl auch nie geben. Unter dem Schlagwort "Fantasiescheine" findet man noch mehr Beiträge zu diesem Thema hier im Blog: https://www.geldscheine-online.com/blog/tags/fantasiescheine Hans-Ludwig Grabowski
- Leserpost: Geldscheine mit der Kontrollnummer 1, Teil 15
Vielleicht ist dies etwas für Ihren Blog: Serie DM-Geldscheine 1993/96 mit Kontrollnummer 1, die normalerweise für den Bundesbankpräsidenten reserviert sind. Die Banknoten mit der Seriennummer 1 sind Bestandteil unserer nächsten Auktion am 24. Juni 2023. Erik Masuch MÜNZEN GUT-LYNT GmbH https://www.gut-lynt.de/ BRD-47a: 10 DM vom 1. Oktober 1993 mit KN 0000001, Vorder- und Rückseite. BRD-48a: 20 DM vom 1. Oktober 1993 mit KN 0000001, Vorder- und Rückseite. BRD-49a: 50 DM vom 1. Oktober 1993 mit KN 1000001, Vorder- und Rückseite. BRD-50a: 100 DM vom 1. Oktober 1993 mit KN 0000001, Vorder- und Rückseite. BRD-54a: 100 DM vom 2. Januar 1996 mit KN 0000001, Vorder- und Rückseite. BRD-55a: 200 DM vom 2. Januar 1996 mit KN 0000001, Vorder- und Rückseite. BRD-51a: 500 DM vom 1. Oktober 1993 mit KN 0000001, Vorder- und Rückseite. BRD-52a: 1000 DM vom 1. Oktober 1993 mit KN 0000001, Vorder- und Rückseite. Anmerkung der Redaktion So etwas bekommt man wahrlich selten zu sehen! Neben einem Reichskassenschein über 50 Mark von 1874 (DEU-47) in der mit Abstand besten Erhaltung von nur einer Handvoll bekannter Scheine, sind die Bundesbanknoten mit der Kontrollnummer 1 ganz sicher ein Highlight der kommenden Auktion von Münzen Gut-Lynt, in dessen Banknotenauktion am 24. Juni 2023 rund 1000 Lose angeboten werden. Auch wenn das Auktionshaus noch relativ jung ist, bietet die Partnerschaft mit den Firmen Dr. Busso Peus in Frankfurt am Main (gegründet 1870 und damit älteste deutsche Münzhandelsfirma), mit der SINCONA AG Zürich, der Frankfurter Münzhandlung sowie der Münzhandlung Frank aus Nürnberg einen starken Verbund, den sich Sammler merken sollten. So werden etwa sämtlichen Banknotenlose (außer Banknoten der Schweiz) der SINCONA AG nur noch über Münzen Gut-Lynt versteigert. Besonders wichtig ist, dass mit einem bei 20 Euro beginnenden Ausruf auch viele Lose angeboten werden, die auf Sammler und den kleinen Geldbeutel zugeschnitten sind, während sonst oft nur teuere und große Lose für Händler bei Auktionen zu finden sind. Hier geht es zur Auktionsvorschau auf die Geldschein-Auktion von Gut-Lynt! Hier geht es direkt zur Geldschein-Auktion von Gut-Lynt! Wer ebenfalls über Geldscheine mit der Kontrollnummer 1 verfügt und diese gern hier vorstellen möchte, schickt uns einfach Scans per E-Mail an info@geldscheine-online.com. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag. Hans-Ludwig Grabowski
- Aus privaten Sammlungen: Schatzanweisung des Volksstaates Hessen über 4,20 Goldmark von 1923
Objekttyp: Schatzanweisung (wertbeständiges Notgeld) Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Historischer Kontext: Mit der Ausgabe wertbeständigen Notgelds sollte 1923 die rasant fortschreitende Hyperinflation in Deutschland gebremst werden. Ab 23. Oktober 1923 hatte die Reichsregierung Unternehmen und Kommunen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld gestattet, wenn es auf Teile der Reichsgoldanleihe vom 14. August 1923 lautete und durch diese gedeckt war. Doch bereits ab Mitte 1923 wurde erstes wertbeständiges Notgeld ausgegeben. Der Volksstaat Hessen, der nach dem Ende der Monarchie aus dem ehemaligen Großherzogtum Hessen entstanden war und aus zwei größeren, räumlich voneinander getrennten Gebietsteilen (inkl. Rheinhessen) sowie mehreren kleineren Exklaven bestand (gesamt 7.692 qkm mit 1,347 Millionen Einwohnern, 1919), gab mit Datum vom 20. Oktober 1923, das sich auf die Bekanntmachung des hessischen Gesamtministeriums bezieht, Schatzanweisungen aus, die durch eine Bürgschaft der Hessischen Landesbank gegen Verpfändung von staatlichem Waldbesitz gedeckt waren, was sie zu Besonderheiten unter den Notausgaben der deutschen Länder macht. Als Reihe A wurden Schatzanweisungen zu 4,20 Mark Gold = 1 Dollar im Wert von 250.000 Dollars, also 250.000 Stück im Gesamtwert von 1,05 Millionen Goldmark, ausgegeben, die durch staatlichen Waldbesitz der Oberförsterei Eudorf in Oberhessen gedeckt waren. Dieser Waldbestand umfasste rund 760 ha und stellte einen Gegenwert in Höhe von 2,1 Millionen Goldmark dar. Die Schatzanweisungen, die wie Geld umliefen, sollten zum 18. Oktober 1926 zu 120% des Nennwerts eingelöst werden. Die Ausgabe war so erfolgreich, dass als Reihe B mit gleichem Datum neue Schatzanweisungen in Nennwerten zu 1,05, 2,10, 4,20 und 21 Mark Gold im Gesamtwert von ebenfalls 250.000 Dollars ausgegeben wurden, die durch staatlichen Waldbesitz der Oberförsterei Bad Salzhausen in Oberhessen gedeckt waren. Dieser Waldbestand der Gemarkung Harbwald umfasste rund 650 ha und hatte einen Goldwert in Höhe von 2,08 Millionen Mark. Die Schatzanweisungen der Reihe B sollten ebenfalls zum 18. Oktober 1926 zu 120% ihres Nennwerts eingelöst werden. Heute kommen fast nur durch Lochung entwertete Stücke vor. Land/Region/Ort: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Darmstadt Emittent: Hessische Staatsschuldenverwaltung Nominal: 4,20 Mark Gold = 1 Dollar Datierung: 20. Oktober 1923 Vorderseite: Schwarz auf Grün, Mitte oben hessisches Landeswappen mit Laubkrone, Text im Zierrahmen auf Unterdruckmuster, links unten Prägestempel. Ohne Nummerierung und handschriftliche Unterschrift für die Ausfertigung. Rückseite: Text Material: Papier Wasserzeichen: H-H-B-Muster Druck: H. Hohmann, Darmstadt Format: 146 mm x 88 mm Nummerierung: ohne (Reststück, nicht ausgegeben) Auflage: 250.000 Im Umlauf: 20. Oktober 1923 bis 18. Oktober 1926 Authentizität: Original-Schatzanweisung (entwertetes Blanko-Reststück) Zitat: HES-14bE (Grabowski: Das Papiergeld der deutschen Länder) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.












