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  • Die schwarzen Jakobiner – Touissant Louverture und die Haitianische Revolution

    Es sollte die größte Sklavenrevolte seit dem Spartakusaufstand fast 1900 Jahre zuvor im Römischen Reich werden. Zwischen 1791 und 1804 hielt die damalige französische Kolonie Saint Domingue die Welt auf beiden Seiten des Atlantiks in Atem: Die haitianische Revolution von 1791 war der einzige Aufstand versklavter Menschen, an dessen Ende die Proklamation eines Staates stand. Saint-Domingue galt als Modellfall einer karibischen Plantagenökonomie. Hauptsächlich durch die Produktion von Zucker und Kaffee durch Sklavenarbeit war es zur reichsten Übersee-Kolonie Frankreichs geworden. 1789, im Jahr der französischen Revolution, befanden sich bereits über 500.000 verschleppte Afrikaner auf der Insel. Die Plantagenwirtschaft florierte: 60 % des weltweiten Kaffees und 40 % des von Frankreich und Großbritannien importierten Zuckers kamen aus Saint Domingue. Karte der Insel Saint Domingue von 1767, links französisches Territorium der Kolonie St. Domingue (heute Haiti) und rechts spanisches Territorium Santo Domingo (heute Dominikanische Republik). Die soziale Struktur in der Kolonie war komplex. Zwischen allen Bevölkerungsgruppen herrschte große Missgunst. Die weiße Elite aus Plantagenbesitzern, Händlern und Bürokraten, die sogenannten „grands blancs“, bildete die Oberschicht. Ärmere Weiße („petit blancs“) forderten Gleichstellung zu den grands blancs, jedoch in strikter Abgrenzung zu den schwarzen Teilen der Bevölkerung, den Sklaven und den freien Schwarzen („gens de couleur libres“). Die freien Schwarzen waren häufig Nachkommen von Sklavinnen und Weißen. Sie waren gebildet, ökonomisch oftmals sogar besser als die petit blancs gestellt und besaßen teilweise selbst Sklaven. Trotzdem waren ihnen viele Rechte verwehrt, weshalb sie Gleichberechtigung unabhängig von Herkunft und Hautfarbe forderten. Die Lage der Sklaven war schlecht: Die Hälfte der aus Westafrika Verschleppten verstarb bereits wenige Jahre nach ihrer Ankunft auf Saint Domingue. Das grassierende Gelbfieber trug dazu bei, dass die Plantagenbesitzer sie mit noch härterer Arbeit beanspruchten und die Versorgung weiter verringerten, um möglichst viel Mehrwert aus der Sklavenarbeit zu ziehen, bevor sie der Krankheit zum Opfer fielen. Die Unruhen auf der Insel begannen zunächst durch die freien Schwarzen. Inspiriert durch die französische Revolution und die Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 kämpften circa 300 freie Schwarze angeführt von Vincent Ogé (1755–1791) für gleiche Rechte. Die Revolte scheiterte und wurde niedergeschlagen, auch weil Ogé auf die Unterstützung schwarzer Sklaven verzichtete. Der bewaffnete Kampf diente jedoch als Vorbild und die von Unzufriedenheit und Spannungen geprägte Stimmung auf der Insel wurde durch die grausame öffentliche Hinrichtung Ogés weiter angeheizt. Toussaint Louverture (zeitgenössische Darstellung). Am 21. August 1791 begannen schließlich mehrere Sklavenaufstände im Norden der Insel. Neben den in der französischen Revolution proklamierten Werten, die mittlerweile zu den Sklaven vorgedrungen waren, waren auch Voodoo-Zeremonien Ausgangspunkte organisierten Widerstands. In kürzester Zeit war – bedingt durch die enorme Überzahl der Sklaven – ein großer Teil des fruchtbaren Nordens unter Kontrolle der Aufständischen. François-Dominique Toussaint Louverture (1743–1803), ein ehemaliger Sklave und gebildeter freier Schwarzer, machte sich bereits früh als Truppenführer der Aufständischen einen Namen als herausragender Stratege. Frankreich platzierte den revolutionären Kommissär Léger-Félicité Sonthonax mit einer 6000 Mann starken Truppe auf der Insel, um die Konflikte zu beruhigen. Im Westen und Süden versuchten sowohl die petit blancs als auch freie Schwarze ihre Rechte geltend zu machen. Sonthonax sah die weißen Plantagenbesitzer als Royalisten an, bekämpfte deren Bestrebungen, den Status quo aufrechtzuerhalten, und proklamierte gleiche Rechte für alle freien Bürger, wie sie der Nationalkonvent in Frankreich beschlossen hatte, jedoch zunächst ohne die Absicht, die Sklaverei zu beenden. Im darauffolgenden Jahr traten Spanien und England in den Krieg mit Frankreich ein. Auch auf die Insel wurden Truppen entsandt, um die lukrative Kolonie zu erobern. Einige Aufständische, darunter auch die Truppen Touissant Louvertures, hatten sich den Spaniern angeschlossen. Viele der verbliebenen Weißen unterstützten die Briten, in der Hoffnung, bei einem britischen Sieg würde die Sklaverei weiter bestehen. Um die Kontrolle über die Insel zu bewahren, war Sonthonax nun auf die Hilfe der Sklavenarmeen angewiesen. Er erklärte die Sklaverei am 29. August 1793 offiziell für beendet. Infolgedessen kooperierten viele Generäle, die befreite Sklaven befehligten, wieder mit der französischen Republik. Auch Toussaint wandte sich 1794 von den Spaniern ab. Die Briten intensivierten ihre Bemühungen um die Insel in einem „Great Push“ erneut. Alle Eroberungsversuche blieben jedoch erfolglos. Frankreich hatte robuste Verteidigungsanlagen errichtet und schaffte es, durch wirksamen Artillerie-Einsatz die britischen Truppen aufzureiben. Zusätzlich durch Gelbfieber-Epidemien geschwächt, verließen die Briten schließlich 1798 endgültig die Insel. Jean-Jacques Dessalines und Henry Christophe (zeitgenössische Darstellungen). Toussaint Louverture, der fähigste schwarze General, schaffte es, mit seinen Armeen aus befreiten Sklaven die Kontrolle über die Insel zu erlangen. In einem letzten Bürgerkrieg schlug Toussaint mit seinen beiden Offizieren Jean-Jacques Dessalines (1758–1806) und Henry Christophe (1767–1820), Truppen freier Schwarzer, die – angeführt von André Rigaud und Alexandre Pétion (1770–1818) – versuchten, Städte im Süden zu erobern. Louverture befreite zudem die Sklaven in der benachbarten spanischen Kolonie Santo Domingo. 1801 verkündete er eine eigene Verfassung, die Freiheit und Gleichberechtigung für alle Schwarzen und politische Unabhängigkeit von Frankreich garantierte. Touissant wurde zum Gouverneur auf Lebenszeit. Die Ruhe auf der Insel währte nicht lange: Die französische Revolution war in der Zwischenzeit beendet und Napoleon Bonaparte Konsul der französischen Republik. Er duldete die Herrschaft Louvertures nicht und entsandte 1802 seinen Schwager Charles Leclerc, um die alten Verhältnisse auf der Insel wiederherzustellen. Mit ihm kehrten auch André Rigaud und Alexandre Pétion, die drei Jahre zuvor geschlagen wurden, auf Saint-Domingue zurück. Toussaint wurde gefangen genommen und ins Exil geschickt. Louvertures ehemalige Offiziere Jean-Jacques Dessalines und Henry Christophe liefen zu den Franzosen über. Nachdem allerdings klar wurde, dass Napoleon die Sklaverei wiederherstellen wollte, rebellierten sie erneut. Die Rebellen, an deren Seite nun auch Pétion kämpfte, besiegten die französischen Kräfte endgültig. Dessalines erklärte die Nation am 1. Januar 1804 für unabhängig. Haiti war damit der erste souveräne Staat, der aus einer Sklavenrebellion hervorging und die erste unabhängige Republik Lateinamerikas. 1806 wurde Dessalines ermordet und Henry Christophe ernannte sich zum König von Nord-Haiti. Im Süden der Insel regierte Alexandre Pétion als Präsident der Republik Haiti. Umlaufnote zur erste Fahne Haitis HTI-265A: Umlaufnote zu 10 Gourdes aus dem Jahr 2000. Vorderseite mit Catherine Flon. Die Näherin wurde zur haitianischen Heldin, weil sie laut Überlieferung am 18. Mai 1804 die erste haitianische Flagge nähte. Jean-Jaques Dessalines, ihr Pate, zerteilte als Ausdruck der Unabhängigkeit Haitis von Frankreich eine französische Trikolore. Flon fügte die roten und blauen Teile als Ausdruck des Bündnisses von Sklaven und freien Schwarzen wieder zusammen und schuf so die erste Flagge Haitis. Der 18. Mai ist noch heute Nationalfeiertag und Catherine Flon wird als Nationalheldin verehrt. Sie war die erste Frau, die auf einem Gourde-Geldschein abgebildet ist. Rückseite: Staatswappen und Ornamente. Ausgabe zum 200. Jahrestag der Verfassung von Toussaint Louverture (1801–2001) HTI-271A: Gedenkbanknote der Banque de la Republique d'Haiti zu 20 Gourdes von 2001 zum zweihundertjährigen Jubiläum der Verfassung von 1801. Vorderseite links: Porträt von François-Dominique Toussaint Louverture. Eine ähnlich gestaltete Banknote mit Porträt Louvertures (Vorderseite mit silbernen statt goldenen Feldern und ohne Überdruck zum Gedenkanlass) wurde im gleichen Jahr auch als reguläre Umlaufnote eingeführt. Rückseite: Aufgeschlagenes Buch (Verfassung Haitis aus dem Jahr 1801). Gedenkbanknotenserie 200 Jahre Unabhängigkeit Haitis (1804–2004) HTI-272: Gedenkbanknote zu 10 Gourdes von 2004, Vorderseite: Gezeigt ist Suzanne "Sanité" Bélair (1781–1802, weiblicher Feldwebel (später Leutnant) und Frau des Generals Charles Bélair unter der revolutionären Armee von Touissant Louverture. Berühmt sind ihre letzten Worte "Viv libète! A ba esclavaj!" („Es lebe die Freiheit! Nieder mit der Sklaverei!“) vor ihrer Hinrichtung durch die französische Armee 1802. Sie ist nach Catherine Flon die zweite Frau, die auf haitianischen Gourde-Geldscheinen abgebildet wurde. Die Rückseite zeigt das Fort Cap-Rouge (Le Cap) bei Jacmel (Haiti), wo "Sanité Bélair und ihr Mann von den Franzosen erschossen wurden. HTI-273: Gedenkbanknote zu 25 Gourdes von 2004, Vorderseite: Porträt von Nicolas Geffrard (1762–1806), der als haitianischer Volksheld gilt. Links Wappen und Mitte eine Szene aus dem Unabhängigkeitskampf. Rückseite: Die im Auftrag von Geffrard erbaute Festung Platon bei Les Cayes (Haiti), wo sich auch sein Grab befindet. HTI-274: Gedenkbanknote zu 50 Gourdes von 2004, Vorderseite: Porträt von François Cappoix „La Mort“ (1766–1806, auch Capois oder Capois-La-Mort, haitianischer Patriot und Freiheitskämpfer). Links Wappen und Mitte Szene aus dem Unabhängigkeitskrieg (Schlacht von Vertieres). Rückseite: Festung Jalousière bei Marmelade (Haiti). HTI-275: Gedenkbanknote zu 100 Gourdes von 2004, Vorderseite: Porträt von Henry Christophe (1757–1820, ab 1810 König von Nord-Haiti), Wappen Haitis und Szenen aus dem Unabhängigkeitskrieg. Rückseite: Zitadelle Henry bei Milot (Haiti). HTI-276: Gedenkbanknote zu 250 Gourdes von 2004, Vorderseite: Porträt von Jean-Jacques Dessalines (1758–1804, von 1802 bis 1804 als Jakob I. Kaiser Haitis), Wappen Haitis und Szenen aus dem Unabhängigkeitskrieg. Rückseite: Festung Décidé bei Marchand (Haiti). HTI-277: Gedenkbanknote zu 500 Gourdes von 2004, Vorderseite: Porträt von Alexandre Sabés Pétion (1770–1818, ab 1810 Präsident der kreolischen Republik im Süden Haitis), Wappen Haitis und Szenen aus dem Unabhängigkeitskrieg. Rückseite: Festung Jacques bei Fermathe (Haiti). Elias Heindl Quellen/Literatur: C. L. R James: Die schwarzen Jakobiner. Toussaint Louverture und die Haitianische Revolution, b_books und Karl Dietz Verlag, Berlin 2021 F. W. Knight: The Haitian Revolution. The American Historical Review, 105(1), 103–115. https://doi.org/10.2307/2652438 Philipp Hanke: Revolution in Haiti: Vom Sklavenaufstand zur Unabhängigkeit (= Neue Kleine Bibliothek, 245). PapyRossa, Köln, 2017 thehaitianrevolution.com britannica.com/topic/Haitian-Revolution blackpast.org/global-african-history/haitian-revolution-1791-1804/ wikipedia.org/wiki/Haitian_Revolution Hans-Ludwig Grabowski/Josef Gerber: Gedenkbanknoten der Welt – Commemorative Banknotes of the World, Gietl Verlag, Regenstauf 2011

  • Leserpost: Ein unbekannter Schein der Deutschen Golddiskontbank!?

    Sehr geehrter Herr Grabowski, ich habe hier einen 100-Pfund-Schein der Deutschen Golddiskontbank von 1924, den es laut Ihrem Katalog "Die deutschen Banknoten ab 1871" überhaupt nicht geben dürfte. Ist der Schein echt, oder handelt es sich um eine Manipulation? Mit freundlichen Grüßen K. Schneider Antwort der Redaktion Auf den ersten Blick scheint es sich um ein bislang unbekanntes Nominal der Deutschen Golddiskontbank zu handeln, deren Scheine allerdings nie ausgegeben wurden, weil bereits mit der Rentenmark eine Währungsstabilisierung nach der Hochinflation erreicht werden konnte. Gedruckt waren damals 5- und 10-Pfund-Scheine, aber keine Hunderter. Die Entdeckung eines anderen Nennwerts käme einer Sensation gleich. Bereits der erste Augenschein des zur Begutachtung überlassenen Scheins ergab jedoch, dass es sich um eine Manipulation handelt, die am Computer erstellt und mittels eines Computerdruckers gedruckt wurde. Die Sensation bleibt also aus! Diese Abbildung diente dem "Fälscher" als Grundlage für seine "Kreation". Bei genauerer Betrachtung wird klar, dass man sich schamlos der Abbildung des 10-Pfund-Scheins mit der KN "000002" bedient hat, die sowohl im angesprochenen Standardkatalog zu den deutschen Banknoten, als auch hier im Blog zu finden ist. Über die letzte Stelle der Kontrollnummer (2) hat man ganz einfach eine Null, von denen ja einige auf der Vorlage vorhanden sind, kopiert. Das Porträt des Mannes mit Eichenlaubkranz im Rahmen wurde ganz einfach durch ein Porträt von Bismarck ersetzt. Den Schriftzug "Zehn" links vom Porträt auf dem Ziergrund ersetzte man durch "Hundert". Der Ziergrund selbst wurde mehr schlecht als recht mit einem Kopierwerkzeug bearbeitet. Für die Wertzahl nutzte man eine andere Schriftart, die Währungs- und Wertangabe musste nach links verschoben werden. Die Perforationen wurden wegretuschiert. Dennoch ist die Ausgangsvorlage deutlich zu erkennen, weil sich sowohl Fasereinlagen, als auch Verschmutzungen und Flecke an den selben Stellen befinden. Nicht nur ein krasser Fall von Verstoß gegen das Urheberrecht von Bildern, mit den so hergestellten Manipulationen wird auf ebay auch noch Geld verdient. Immerhin werden die Angebote auch als Fantasienoten bezeichnet, was viele Sammler beim Anblick der vermeintlichen "Rarität" wohl einfach überlesen. Zwischenzeitlich gibt es auch noch weitere Werte der Golddiskontbank, die aus der gleichen Quelle stammen und das Stück für knapp 20 Euro im Netz angeboten werden. Vorder- und Rückseiten sind übrigens identisch und das Format des Fantasiescheins zu 100 Pfund weicht deutlich vom benutzten Original zu 10 Pfund ab (bei 10 Pfund misst das Original 155 x 80 mm und das Format des Fantasie-Hunderters beträgt 203 x 104 mm). Da sich der Anbieter nicht an Abbildungsrechte hält, wird er wohl auch nichts dagegen haben, dass wir hier noch einige weitere seiner Fantasieprodukte aus dem aktuellen Angebot auf ebay zeigen, obwohl er sie selbst mit einem Kopierschutzvermerk versieht. Immer wieder nutzt er Elemente echter Geldscheine und erstellt aus ihnen eigene Kombinationen. So stammt etwa der Minervakopf auf dem 50-Pfund-Schein vom Darlehnskassenschein zu 20 Mark vom 5. August 1914, die Germania auf dem Fantasieschein zu 500 Pfund vom Darlehnskassenschein zu 5 Mark vom 5. August 1914 und als Vorlage für den 100-Rentenmark-Schein diente der 50-Rentenmarkschein (Freiherr von und zum Stein) vom 6. Juli 1934. Dabei kommt es auch zu Scheinen, deren Angaben sich selbst widersprechen, wie im folgenden Fall. Natürlich kann ein "Reichsbankschein" nicht ein Siegel der Reichsschuldenverwaltung haben! Weitere Beispiele, bei denen versierte Geldscheinsammler problemlos Originalvorlagen und Details echter Scheine erkennen können: Nicht zum ersten mal empfehlen wir Sammlern, bei Angeboten im Internet – insbesondere auf Auktionsplattformen wie ebay – lieber einmal mehr hinzuschauen und sich nicht von vermeintlichen Selten- und Besonderheiten blenden zu lassen, die sich am Ende als Manipulationen herausstellen, mit denen einfach nur Geld verdient werden soll. Echte Fantasiescheine und "Geldkunst", die weder eine real existierende Bank, noch deren Zahlungsmittel nachahmen, können dagegen eine Bereicherung für eine Sammlung sein. Hans-Ludwig Grabowski Nachbemerkung Der ebay-Anbieter hat sich kurz nach der Veröffentlichung unserer Leserpost bei der Redaktion gemeldet und sich dafür entschuldigt, dass der Eindruck erweckt worden sein könnte, dass seine Angebote der Täuschung von Sammlern dienten. Er hat, was die Redaktion bestätigen kann, alle seine Angebote sogar gleich zweifach als Fantasiescheine bezeichnet und zwischenzeitlich auch aus ebay entfernt. Es handelte sich lediglich um wenige Scheine, die ursprünglich für private Zwecke als Spieleinsatz am Computer gedruckt, dann aber nie genutzt wurden. Alle noch vorhandenen Scheine werden vernichtet! Wir bedanken uns ganz herzlich für die umgehende Reaktion des Anbieters, der übrigens selbst Sammler von deutschen Banknoten und Länderscheinen ist.

  • Entwürfe für geplante Reichsbanknoten im "Dritten Reich"

    Während des "Dritten Reichs" gab es eine ganze Reihe neuer Entwürfe und sogar An- und Probedrucke von Reichsbanknoten, die der Ideologie und den politischen Zielen der neuen Machthaber mehr entsprechen sollten, als die aus der Zeit der "Weimarer Republik" übernommenen Klischees der umlaufenden Scheine. Tatsächlich realisiert wurden allerdings lediglich zwei neue Reichsbanknoten, der 20-Reichsmark-Schein vom 16. Juni 1939 (sog. "Tirolerschein") zur Erinnerung an den Anschluss Österreichs, bei dem allerdings auf das Klischee der österreichischen Banknote zu 100 Schilling vom 2. Januar 1936 zurückgegriffen wurde, sowie der 5-Reichsmark-Schein vom 1. August 1942 (sog. "Hitlerjunge"). Der "Tirolerschein" kam, wenn auch erst mit Verspätung, Ende des Kriegs im Februar 1945 in Umlauf, während der "Hitlerjunge" bereits seit August 1942 umlief. Umgesetzte Entwürfe: Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 20 Reichsmark auf Grund Bankgesetz vom 15. Juni 1939 mit Datum vom 16. Juni 1939, sog. "Tirolerschein", Vorderseite mit Österreicherin in Tracht und mit Edelweiß vor Gebirge, Rückseite mit Gosausee und Dachstein, links Holzfäller und rechts Sämann. Deutsche Reichsbank: Reichsbanknote zu 5 Reichsmark vom 1. August 1942, sog. "Hitlerjunge", Vorderseite mit Jünglingskopf und Rückseite mit Braunschweiger Dom und Löwendenkmal, links Bäuerin mit Sichel und Rechts Handwerker mit Brett und Hobel. Andere Entwürfe wurden wahrscheinlich wegen des Kriegs nicht mehr umgesetzt, zum Teil entstanden aber auch hier An- bzw. Probedrucke. An dieser Stelle möchte ich den Versuch einer systematischen Auflistung machen, auch wenn diese mit Wahrscheinlichkeit nur unvollständig sein kann. Zu diesem Zweck werden auch Entwürfe abgebildet, von denen mir leider nur schlechte Schwarzweiß-Kopien zur Verfügung stehen. Vielleicht kann die Aufstellung ja später ergänzt oder vielleicht sogar vervollständigt werden, falls entsprechende Zuarbeiten erfolgen. Für die Entwürfe, zu denen nur eine Seite (Vorder- oder Rückseite) vorliegt, wird es sicher auch Entwürfe der jeweils anderen Seite gegeben haben. Nicht umgesetzte Entwürfe, Andrucke und Proben: 1. Bankgesetz vom 30. August 1924 1.1. Ausgabedatum vom 17. März 1942 E 1 1000 Reichsmark "Hindenburg" Andruck der Reichsdruckerei in verschiedenen Farben, Vorderseite Porträt des Generalfeldmarschalls und ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847–1934) in Uniform, Rückseite: "Neue Wache" in Berlin. Entwurf: wahrscheinlich Atelier der Reichsdruckerei, Berlin. Der Entwurf weicht von allen anderen ab, da er sich auf das Bankgesetz vom 30. August 1924 bezieht, obwohl er auf 1942 datiert ist. Es könnte sich um ein Versehen handeln, oder aber, der Entwurf war schon früher fertig, also nach dem Tod Hindenburgs 1934 und vor den neuen Bankgesetzen von 1936 und 1939. Warum der Andruck dann aber auf den 17. März 1942 datiert ist, ist leider unbekannt. 2. Bankgesetz vom 30. Mai 1936 2.1. Ohne eigenes Ausgabedatum E 2 1 Reichsmark Farbige Entwurfszeichnungen von Vorder- und Rückseite mit einfachen Guillochen. Künstler unbekannt. 3. Bankgesetz vom 15. Juni 1939 Entwürfe mit Bezug auf das Bankgesetz vom 15. Juni 1939 kommen ohne und mit neuem Ausgabedatum vor. Ab Januar 1939 war Walther Funk (1890–1960) neuer Reichstagspräsident. Die Entwürfe tragen deshalb seine Unterschrift. 3.1. Ausgabedatum vom 16. Juni 1939 Im "Dritten Reich" gab es Bestrebungen zur Rückgewinnung der Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg weggenommenen und durch den Völkerbund an ehemalige Kriegsgegner Deutschlands (darunter Großbritannien, Frankreich und Belgien) verteilte Kolonien. Unter anderem engagierte sich hierfür der Reichskolonialbund. Von den Entwürfen mit Bezug auf das Bankgesetz von 1939, sind nur die "Kolonialscheine" mit 16. Juni 1939 datiert. Diese Entwürfe könnten tatsächlich auch aus dem Jahr 1939 stammen. E 3 50 Reichsmark "Nachtigall" Entwurfszeichnungen eines "Kolonialscheins" in Grün, Vorderseite mit Porträt des Afrikaforschers und deutschen Kolonialpioniers Gustav Nachtigall (1884–1885), Rückseite: Landschaft mit Palmen an einem See im kleinen Rechteck ohne Stoßzähne. Künstler unbekannt. E 4 50 Reichsmark "Palme und Hoheitszeichen" Entwurfszeichnungen eines "Kolonialscheins" in Blau, Vorderseite mit Hoheitszeichen und Palme im Unterdruck, Rückseite: Landschaftsbild mit Palmen in verschiedenen Ausführungen. Künstler unbekannt. Es liegen insgesamt zwei Vorderseiten (Nachtigall und Hoheitszeichen) und drei verschiedene Rückseiten (Landschaft mit Palmen im kleinen Rechteck, Landschaft mit Palmen im großen Rechteck mit Stoßzähnen und Landschaft mit Palmen im Rund) mit gleichem Nominal und Datum vor. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Entwürfe des selben Grafikers. Die abweichende Angabe zu Bankgesetz und Ausgabedatum (wie beim "Tirolerschein") deuten darauf hin, dass die Entwürfe nicht zur Entwurfsserie von 1941 zählen, sondern wahrscheinlich schon früher entstanden sind. 3.2. Ohne eigenes Ausgabedatum Zu einigen Entwürfen entstanden Probedrucke ohne eigenes Ausgabedatum, die sich dem Thema wiedergewonnener deutscher Gebiete widmen. Gleich zu Beginn des Kriegs im September 1939 wurde das Gebiet der Freien Stadt Danzig wieder in das Deutsche Reich eingegliedert und mit dem "Westfeldzug" im Mai/Juni 1940 das ehemalige Reichsland Elsaß-Lothringen unter deutsche Zivilverwaltung gestellt. Aus diesem Grund könnten um 1940 Entwürfe für den "Danziger Scheine" sowie den "Elsässer Schein" entstanden sind. E 5 50 Reichsmark "Danziger Schein" Probedrucke in verschiedenen Druckfarben zum sog. "Danziger Schein" (hier in Grün und Violett), Vorderseite: Kopfbildnis eines Danziger Seemanns und Rückseite: Stadtansicht von Danzig mit Marienkirche und Krantor an der Mottlau, links Bäuerin mit Ährengarbe und Sichel, rechts Fischer mit Netz und Fisch. Der Entwurf stammt von Josef Seger, Wien. E 6 50 Reichsmark "Elsässer Schein" Probedrucke in verschiedenen Druckfarben zum sog. "Elsässer Schein" (hier in Braun), Vorderseite: Kopfbildnis einer Elsässerin in Tracht, Rückseite: Stadtansicht von Straßburg mit Münster, links Frau mit Spinnrad für das Handwerk und rechts Bergmann mit Grubenlampe. Der Entwurf stammt von Walter Riemer, Wien. 3.3. Ausgabedatum vom 1. Juni 1941 Als "Arbeiterserie" könnte man eine ganze Reihe von Entwürfen zu Reichsbanknoten vom Juni 1941 bezeichnen, die sich verschiedenen Berufen widmet. Nur ein Entwurf davon ist auf den 1. Juni 1941 datiert, die anderen Entwürfe lassen den Tag offen. E 7 100 Reichsmark "Hüttenarbeiter" Entwurfszeichnungen zu 100 Reichsmark vom 1. Juni 1941. Vorderseite: Kopfbild eines Hüttenarbeiters mit Helm, Rückseite: Hochofenanlage, Entwurf: Ernst Rudolf Vogenauer, Berlin. 3.4. Ausgabedatum vom … Juni 1941 Bei den meisten Entwürfen vom Juni 1941 ist kein Ausgabetag angegeben. E 8 10 Reichsmark "Arbeiter" Andruck der Reichsdruckerei in Blau nach Entwurf von Josef Seger aus Wien. Vorderseite: Porträt eines jungen Mannes (Arbeiter), das an das Porträt des Jünglings auf der Reichsbanknote zu 5 RM von 1942 ("Hitlerjunge") erinnert. Rückseite: Hochofenanlage. E 9 10 Reichsmark "Bergmann" Entwurfszeichnungen von Rudolf Zenziger, Wien. Vorderseite: Kopfbildnis eines Bergmanns, Rückseite: Grubenanlage, links und rechts Arbeit im Stollen unter Tage. E 10 10 Reichsmark "Hüttenarbeiter" Entwurfszeichnungen (Aquarelle) in Grün. Vorderseite: Hüttenarbeiter mit Hammer, Rückseite: Hochofenanlage, links und rechts je ein Füllhorn. Künstler unbekannt. E 11 10 Reichsmark "Bergmann" Entwurfszeichnungen der Vorderseite in Grün und Grau mit Darstellung eines Bergmanns mit Grubenlampe. Die Rückseite soll eine Grubenanlage zeigen, liegt aber nicht vor. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Entwurf aus dem Atelier der Reichsdruckerei. E 12 10 Reichsmark "Österreicherin" Entwurfszeichnungen in Blau, Vorderseite: Mitte unten Kopfbildnis einer Österreicherin, Rückseite: Straßenansicht mit Kirche im Kreis (Innsbruck/Braunau?). Künstler unbekannt, wahrscheinlich Atelier der Reichsdruckerei. E 13 50 Reichsmark "Bauer" Entwurfszeichnungen in Grün und Braun, Vorderseite: Porträt eines österreichischen Bauern, Rückseite: Burganlage (Liebenstein?). Wahrscheinlich Entwurf aus dem Atelier der Reichsdruckerei. E 14 50 Reichsmark "Seemann" Entwurfszeichnung, Vorderseite: Porträt eines Seemanns, Rückseite: unbekannt, Entwurf: Rudolf Zenziger, Wien. E 15 50 Reichsmark "Österreicher" Entwurfszeichnungen in Blauviolett, Vorderseite: Mitte unten Kopfbild eines älteren Österreichers, Rückseite: Schloss Belvedere in Wien. Künstler unbekannt, wahrscheinlich Atelier der Reichsdruckerei. Damit gibt es insgesamt drei nicht umgesetzte Entwürfe (1 x 10 und 2 x 50 RM) mit Bezug zu Österreich, die nach dem Anschluss an das Deutsche Reich entstanden sind. E 16 100 Reichsmark "Fischer" Entwurfszeichnung in Blau, Vorderseite: Brustbild eines Fischers in Ölzeug, Rückseite und Künstler unbekannt, wahrscheinlich Atelier der Reichsdruckerei. E 17 100 Reichsmark "Chemiker" Entwurfszeichnung in Blau, Vorderseite: Brustbild eines Chemikers im Labor, Rückseite: Mitte Burg, links und rechts davon ländliche Szenen, Entwurf: Rudolf Zenziger, Wien. E 18 1000 Reichsmark "Seemann" Entwurfszeichnung Braun, Vorderseite: Kopfbildnis eines Seemanns, Mitte unten Hoheitszeichen, Rückseite unbekannt, Entwurf: Ernst Rudolf Vogenauer, Berlin. E 19 1000 Reichsmark "Kaufmann" Entwurfszeichnungen in Braun und Grün, Vorderseite: Brustbild eines älteren Mannes (Kaufmann) und Reichsadler im Unterdruck, Rückseite: Schiffe im Hamburger Hafen, Entwurf: wahrscheinlich Atelier der Reichsdruckerei. E 20 1000 Reichsmark "Friesin" Entwurfszeichnungen in Violettrot, Vorderseite: Brustbild einer Friesin in Tracht und Windmühle im Unterdruck, Rückseite: Dampfer vor Hansestadt, links Leuchtturm und rechts Kogge, unten Wappen von Hamburg, Lübeck und Bremen, Entwurf: Rudolf Zenziger, Wien. 3.5. Rückseiten ohne Ausgabedatum Zu den Entwürfen der nachfolgenden Rückseiten sind nicht die dazugehörigen Vorderseiten bekannt. Es handelt sich alles um Entwürfe zu 50-RM-Scheinen, die wahrscheinlich ebenfalls aus dem Jahr 1941 stammen. E 21 50 Reichsmark "Hamburger Hafen" Entwurfszeichnung (Aquarell) in Blau, Schiffe im Hamburger Hafen vor Michaeliskirche, links Knabe mit Netz und Fisch, Vorderseite und Künstler unbekannt. E 22 50 Reichsmark "Wartburg" Entwurfszeichnung in Rotbraun, Ansicht der Wartburg bei Eisenach in Thüringen, Vorderseite unbekannt, Entwurf: Ernst Rudolf Vogenauer, Berlin. E 23 50 Reichsmark "Tannenberg-Denkmal" Entwurfszeichnung in Grün, Tannenberg-Denkmal (Reichsehrenmal) in Ostpreußen im Rahmen, oben Adler, links Hakenkreuz mit Schwert, rechts Hakenkreuz mit Fackel, Vorderseite unbekannt, Entwurf: Rudolf Zenziger, Wien. 3.6. Ausgabedatum von 1942 Mit Datum von 1942 gibt es noch zwei weitere Entwürfe, die ebenfalls nicht mehr umgesetzt worden sind, vom Westpreußen-Schein gab es allerdings Probedrucke. Spätere Entwürfe sind bislang nicht bekannt. E 24 10 Reichsmark "Westpreußen" vom 15. Juni 1942 Andruck der Reichsdruckerei in Dunkelgrün, Vorderseite: Kopfbildnis eines Westpreußen, Rückseite Marienburg an der Nogat (ehemaliger Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens), links davon Bäuerin mit Ährengarbe, rechts Bauer mit Sense. Entwurf: Walter Riemer, Wien. E 25 100 Reichsmark "Fischer" vom 30. Juni 1942 Entwurfszeichnungen in Blau, Vorderseite, Kopfbildnis eines Fischers in Ölzeug, Rückseite: Schiffe im Hamburger Hafen vor Michaeliskirche, links Friesin in Tracht und rechts Kapitän in Uniform. Entwurf: Walter Riemer, Wien. Sicher ist die Aufstellung nicht vollständig und kann es vielleicht auch nie werden, weil seltene Entwürfe verschollen sind und Unterlagen fehlen. Es wäre aber wünschenswert, dass zumindest die bekannten Entwürfe alle in Farbabbildungen gezeigt werden können und darüber hinaus noch weitere bekannt werden. Nachtrag Wie erhofft, gab es rasch Reaktionen auf den Beitrag. Jetzt konnte ich mich auch wieder daran erinnern, wo ich schon einmal Entwürfe in Farbe gesehen habe. Unser Leser M. Dietl schrieb: Danke für den Artikel über die Reichsbanknoten. In der Wagner-Ausstellung 2009/2010, die nicht nur Chamer Notgeld, sondern auch andere Themengebiete umfasste, konnte ich damals ein paar Fotos von Reichsbanknoten-Entwürfen machen. Es waren wohl Ausstellungs-Replikate, aber sehr gut aufgelöst. Ich habe die entsprechenden Scheine, die ich im Beitrag nicht in Farbe gefunden habe, mal ausgeschnitten und schicke Sie zu. Wir haben die auf den Fotos perspektivisch verzerrten Scheine aufwendig bearbeitet und hier gleich in den Beitrag eingebaut. Es handelt sich um die Abbildungen zu E3 (Nachtigall), E13 (österreichischer Bauer) und E20 (Friesin). Die anderen Fotos betrafen Entwürfe aus der Zeit der "Weimarer Republik". Hans-Ludwig Grabowski Literatur: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871, 22. Auflage 2020/21 Gerd Deutsch: Entwürfe für geplante Reichsbanknoten zu 10, 50, 100 und 1000 RM 1939–1942, Studie, Berlin im April 1980 Herzlichen Dank an Dr. Manfred Mehl, Hamburg für die Bereitstellung der Studie. Vielen Dank an Manfred Dietl für die Fotos aus der Wagner-Ausstellung

  • Aus privaten Sammlungen: Interims-Banknote der Deutsch-Ostafrikanischen Bank auf Rechenpapier

    Objekttyp: Banknote Sammlung: Sammlung Gerhard Reichert ✝︎ Historischer Kontext: Im Ersten Weltkrieg wurde die Kolonie von der Versorgung durch das Reich und damit auch von Papier- und Münzlieferungen abgeschnitten, man behalf sich deshalb mit primitiven Kriegsausgaben. Der Druck dieser Interims-Banknoten wurde durch die Deutsch-Ostafrikanische Zeitung GmbH in Daressalam und an anderen Orten ausgeführt. Nach der Kapitulation der deutschen Schutztruppe am 14. November 1918 ließ General von Lettow-Vorbeck den einheimischen Askaris (farbige Soldaten der Schutztruppe) und Trägern noch 1,5 Millionen Rupien in Interims-Noten auszahlen, die später von der deutschen Regierung eingelöst wurden. Durch die primitive Art ihrer Herstellung während des Kriegs und die Nutzung aller verfüg­baren Papierarten – von Karton über Jutepressung bis zum Ölpapier – ist eine faszinierende Variantenvielfalt entstanden, wie sie mit keiner anderen Papiergeldausgabe vergleichbar ist. Die Interims-Noten von Deutsch-Ostafrika sind deshalb zu einem beliebten Sammelgebiet geworden. Unser Beispiel zeigt die einzige Ausgabe, die auf kariertem Rechenpapier aus Schulheften erfolgte. Land/Region/Ort: Deutsch-Ostafrika, Daressalam Emittent: Deutsch-Ostafrikanische Bank Nominal: 1 Rupie Datum: 1. Februar 1916 Umlauf: Februr 1916 bis November 1918 Vorderseite: Links oben kleiner (neuer) Reichsadler, Rahmen mit Sternen (sieben Sterne neben dem Reichsadler), Text und zwei Faksimile- Unterschriftsstempel: Berendt / A. Frühling. Rückseite: Text in Deutsch und Kisuaheli, Serienbezeichnung, Nummerierung und Druckereivermerk im einfachen Rahmen. Diagonalstempel mit Wertangabe in Ornamenten. Format: 102 mm x 63 mm Material: Hellblau kariertes Papier aus Schulheften Wasserzeichen: ohne Druck: Deutsch-Ostafrikanische Zeitung GmbH, Daressalam Nummerierung: Q3, 78629 Authentizität: Original Zitate: DOA-31b3 (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) 929q (Rosenberg/Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) GEA-20 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com. Literaturhinweis: Hans-Ludwig Grabowski Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Mehr lesen … Leseprobe

  • Lexikon: Fingerabdrücke als Fälschungsschutz

    Für die während der deutschen Inflation von 1923 ausgegebenen Notgeldscheine fehlte es oft an einem Papier, das einen gewissen Fälschungsschutz gewährte. Einige Ausgabestellen kamen deshalb auf den Gedanken, Fingerabdrücke als Echtheitsmerkmale zu verwenden. Folgende Scheine dieser Art wurden bekannt: Aurich (Provinz Hannover), Kreis: 10, 50 und 100 Milliarden sowie 1 Billion Mark; Haßlinghausen (Provinz Westfalen), Amt: 1, 10, 20, 50, 200 und 500 Milliarden Mark; Hildburghausen (Thüringen), Kreis: 100 und 500 Millionen Mark; Mohrungen (Provinz Ostpreußen), Stadt: 5, 20, 50 und 100 Milliarden Mark; Münster (Provinz Westfalen), Stadt: 5 Millionen Mark; Olpe (Provinz Westfalen), Kreis: 20 Milliarden bis 2 Billionen Mark. Amt Haßlinghausen (Prov. Hannover): Gutschein über 200 Milliarden Mark vom 26. Oktober 1923 mit Fingerabdruck. Abb. GAP-Weltbanknoten, www.gap-banknoten.de. Stadt Mohrungen (Prov. Ostpreußen): Geldersatzschein über 5 Milliarden Mark vom 25. Oktober 1923 mit Fingerabdruck. Abb. Sammlung Klaus-Jürgen Karpinski. Stadt Münster (Prov. Westfalen): Notgeldschein zu 5 Millionen Mark vom 11. August 1923 mit Fingerabdruck. Abb. GAP-Weltbanknoten, www.gap-banknoten.de. Auch in den USA zirkulierten in der Zeit der Wirtschaftsdepression von 1933 einige solcher "Depression Scrips" mit Fingerabdrücken. Beispiel: Wenatchee (Washington), Daily World Publishing Co.: 25 und 50 Cents sowie 1 US-Dollar. Lesen Sie auch den Artikel zum Notgeld von Mohrungen: Ein Fingerabdruck als Sicherheitsmerkmal – Notgeld aus dem ostpreußischen Mohrungen Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Sicherheitsmerkmale von vorgestern

    Beim Betrachten früher Geldscheine aus dem 18. und 19. Jahrhundert fällt auf, dass an manchen Stücken einiges fehlt; da wurden Teile abgeschnitten bzw. abgestanzt. Man sich wundern und stellt sich die Frage, was es damit auf sich hat. Die Ursachen solcher „Beschneidungen“ bei Scheinen lassen sich erklären. Abb. 1: 2,4 Milreis (= 2$400 Rs), Reichs-Schatzschein, Lissabon 20. Februar 1799. Interessanterweise sind Fehlstellen an allen Seiten der Geldscheine nachweisbar: meistens an den linken Seiten der Vorderseiten, aber auch rechts, oben und auch unten. Sogar rechts und links sind Kontrollabschnitte bei Banknoten bekannt (z. B. 10 Milreis Banco do Brasil). Auffallend ist außerdem, dass die Schnitte stets durch Ornamente, Wappen oder auch Schriftzüge gehen. Die gedruckten Namen der Geldhäuser in Groß- seltener in Kleinbuchstaben sind den Typen der sog. englischen Schreibschrift ähnlich und wurden normal- oder kopfstehend gedruckt. Die fehlenden Teile der Ornamente oder bspw. der Banknamen befanden sich immer auf den abgetrennten Teilen der Scheine und verblieben stets zur Kontrolle bei den Ausgabestellen. Außerdem waren die Schnittstellen ein Sicherheitsmerkmal. Bei Verdacht auf Fälschung konnte man beide Teile (Kontrollabschnitt und ausgegebene Note) wieder zu einem Schein zusammenfügen. Auf den in den Büros gehaltenen Abschnitten waren meist die selben Kontrollnummern, Serienbezeichnungen oder auch Unterschriften vorhanden, wie auf den ausgegebene Scheinen. Abb. 2: 20 Francs, Caisse d’Echange des Monnaies, Wechselschein, Rouen 21. November 1803 (1er frimaire an 10); Blanko-Formular – die Trennung erfolgte senkrecht durch den Text „caisse d’exchange“. Abb. 3: 20 Francs, Caisse d’Echange des Monnaies, Rouen, gelaufener und eingelöster Wechselschein, wellenförmige Trennung durch „caisse d’exchange“, mit Unterschrift und Stempel . Abb. 4: 10 Zloty, Hoher Nationalrat, Steuerschein, Warschau 8. Juni 1794, „BILET SKARBOWY“ am oberen Rand beschnitten. Abb. 5: 50 Lire, Finanzamt, Königreich Sardinien, Kreditschein, Turin 1. Oktober 1792, bildliche Darstellung am unteren Rand beschnitten. Der Beschnitt von Geldscheinen endete Ende des 19. Jahrhunderts. Es sind Belege aus Europa sowie aus Übersee bekannt. Mit der Zeit wurde die Praktik des Trennens der anfangs handschriftlichen und später gedruckten Scheine in auszugebende Scheine und Kontrollabschnitte nicht mehr tragbar. Vom hohen Aufwand der Kennzeichnung ging man zum aufwendigeren Druck von Banknoten über; jedoch registriert man auch in neuerer Zeit die Ausgaben nach Kontrollnummern und Serien. Abb. 6/7: Titelblatt und Blatt 1 der Registratur der Bundesdruckerei zur 5-DM-Note 1948, Ausgabe 1956. Abb. 8: 5 Milreis (= Rs 5$000), Wechselschein, Kaiserreich Brasilien, ohne Datum (1833). Abb. 9: 100 Drachmai, Nationalbank von Griechenland, Banknote, Athen 26. Juni 1872. Abb. 10: 50 Rixdaler (ett half hundred Rixdaler/Croner), Bankschuldschein, Kopenhagen 10. Juli 1695, mit Unterschrift von Jørgen Thor Møhlen. Schon Ende des 17. Jahrhunderts hatte der norwegische Kaufmann Jørgen Thormøhlen in Bergen die Verfahrensweise der Trennung von Geldscheinen in zwei Teile als Echtheitsmerkmal im Jahre 1695 für sich entdeckt. Die Scheine wurden damals noch nicht durchgeschnitten, sondern einfach zerrissen. Dieses Prinzip nahmen wie beschrieben viele Emissionsstellen weltweit auf und führten es mehr oder weniger perfekt fort. Das Trennen in zwei Teile ist tatsächlich ein markantes Sicherheitsmerkmal – Wasserzeichenpapier, oftmals handgeschöpft, gab es damals jedoch seit längerem. Und: Thormøhlen war wohl der erste, der Serienbuchstaben bei der Nummerierung verwendete. In der Abbildung ist auf der linken Banknote und auf dem rechten Kontrollabschnitt jeweils „No. 248 / a“ erkennbar. Bekannt ist: „a“ steht für 50 Rixdaler, „b“ für 25 Rixdaler, „c“ für 20 Rixdaler und „d“ für 10 Rixdaler. Auf den ersten Geldscheinen in Europa lassen sich weder auf den schwedischen von 1666 noch auf den englischen Geldscheinen von 1690 Serienbuchstaben finden. Fortsetzung „Die Geldscheine des Jørgen Thormøhlen“ folgt. Michael H. Schöne Quellen: http://www.danskmoent.dk https://www.ebay.com http://fox-notes.ru https://www.geldscheinsammlung.de https://www.ma-shops.de http://www.numismondo.net https://en.wikipedia.org https://www.wikiwand.com

  • Nordmazedonien: Weitere Banknoten mit neuem Banknamen

    Nordmazedonien ging 1991 als Republik Mazedonien aus der „Konkursmasse“ des zerfallenden Jugoslawiens hervor. Griechenland befürchtete, dass die junge Republik Gebietsansprüche auf die griechische Region Makedonien erheben würde – zu Recht. Bei dem historisch keinesfalls zu rechtfertigenden Staatsnamen blieb es nicht: Auch den Stern von Vergina beanspruchte die neue Republik als Staatswappen. Das in den Herrschergräbern in der griechischen Region Makedonien gefundene Symbol wird als königliches Emblem der Makedonen, insbesondere des Königs Philipp II., interpretiert, auch wenn sowohl die Zuordnung eines der Gräber zu Philipp II. als auch die Deutung des Symbols als rein makedonisches Herrschaftszeichen nicht unumstritten ist. Die Folge war: Athen blockierte lange Zeit unter anderem den von der Regierung in Skopje angestrebten Beitritt zur NATO und zur Europäischen Union. Tatsächlich gibt es Zeugnisse der nordmazedonischen Bestrebungen, eine Art „Großmazedonien“ zu schaffen, wie beispielsweise die folgende Propagandanote: Durch die zweifache Abbildung des Lefkos Pyrgos zeigt sie die Stadt Thessaloniki quasi als Teil des Staatsgebietes von Mazedonien. Auch wird Alexander der Große auf diesem Schein dargestellt – eine weitere Provokation: Dass die Mazedonier, also im 6.–7. Jahrhundert in die Region eingewanderte Slawen nichts mit den antiken Makedonen gemeinsam haben, ist allgemein bekannt und auch wissenschaftlich bewiesen. Das Land verwendete im internationalen Verkehr damals meist die Bezeichnung FYROM – Former Yugoslav Republic Of Macedonia. Der Namensstreit wurde schließlich beigelegt, als sich das Land 2019 in Nordmazedonien (Северна Македонија/Severna Makedonija) umbenannte. Die Namensfrage spaltete das griechische Parlament, das schließlich mit einer knappen Mehrheit von 153 von 300 Abgeordneten dieser Lösung zustimmte. Selbst dieser Kompromiss löste in Griechenland Proteste aus, die zu den größten der jüngeren Geschichte gehören: Schon die Verwendung des Namens „Mazedonien“ trotz der zusätzlichen geographischen Bezeichnung wurde insbesondere von rechtsradikalen Gruppierungen als Provokation angesehen. Die Beilegung des Namenstreits machte Nordmazedonien den Weg frei für den NATO-Beitritt und die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen. Dass sich diese Namensänderung von Makedonija in Severna Makedonija auch auf den Banknoten zeigen würde, war zu erwarten. Mit dem Datum 2020 kamen bereits ein 10- und ein 500-Denari-Schein mit der Landesbezeichnung НАРОДНА БАНКА НА РЕПУБЛИКА СЕВЕРНА МАКЕДОНИJA/NARODNA BANKA NA REPUBLIKA SEVERNA MAKEDONIJA im Umlauf (wir berichteten über den 10-Denari- und den 500-Denari-Schein); nun folgten endlich die Banknoten zu 100, 1000 und 2000 Denari. Nachdem mit der Einführung des 2000ers der 5000er eingezogen wurde, sind derzeit die Wertstufen zu 10, 50, 100, 200, 500, 1000 und 2000 Denari im Umlauf zu finden. Noten zu 50 und 200 Denari mit der neuen Landesbezeichnung sind also noch ausständig. Manfred Dietl / Kana Totsuka Abbildungen: 10 Denara der Nationalbank Jugoslawiens und Propagandanote: Manfred Dietl; 100, 1000 und 2000 Denari Normazedoniens: Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)

  • Kambodscha: Neue 200- und 2000-Riel-Noten ausgegeben

    Am 14. November 2023 gab die Nationalbank von Kambodscha neue Noten über 200 und 2000 Riel in Umlauf. Diese Papiernoten mit der Jahresangabe "2022" sollen gemeinsam mit den aktuellen Scheinen zirkulieren. Auf der 200-Riels-Note sind vorderseitig das Porträt des jungen Königs Norodom Sihamoni und ein fünfköpfiger Naga zu sehen, während die Rückseite den Mondschein-Pavillon (Preah Thineang Chan Chhaya) des Königspalastes in Phnom Penh sowie Paul Ducings Statue des Königs Sisowath I. (1904–1927) zeigt. Der 2000-Riels-Schein bildet auf der Vorderseite den König als Erwachsenen ab, wieder neben Naga; auf der Rückseite werden der Prasat Tor in Angkor sowie die Löwenstatue von Sambor Prei Kuk präsentiert. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)

  • Leserpost: Ein besonderer Zwanziger der DDR

    Sehr geehrter Herr Grabowski, anbei ein Bild für eine Erweiterung im Standard-Katalog. War mir bis jetzt nicht bekannt. Mit freundlichen Grüßen M. Fränzel Antwort der Redaktion Man muss schon genau hinsehen, um die Besonderheit zu erkennen, da die meisten Meldungen bei DDR-Banknoten bislang noch nicht aufgeführte Serien betreffen. Hier geht es aber nicht um die Serie, sondern um die Kontrollnummer, genauer gesagt um zwei unterschiedliche Kontrollnummern. In meinem Katalog "Die deutschen Banknoten ab 1871" führe ich bei dem 5-Mark-Schein von 1975 (DDR-23) unter F1 bereits Fehldrucke mit einer abweichenden Kontrollnummer rechts unten durch Fehleinstellung der zweiten Stelle des Nummerators auf. Der Kontrollnummernkreis konnte hier von links oben ED 545157 – 550176 und rechts unten von ED 525157 – 530176 eingegrenzt werden. Die zweite Stelle des Nummerators rechts unten "hinkt" also um zwei Zähler hinterher. Auch damals kam die erste Meldung zu diesen Fehldrucken von Herrn Fränzel und Dank Unterstützung durch Herrn Huschka konnten die Nummernkreise festgestellt werden. Nun haben wir das gleiche Phänomen beim Zwanziger von 1975, nur dass hier die zweite Stelle der Kontrollnummer rechts unten "nur" um einen Zähler niedriger ist. Ich werde diesen Fehldruck ebenfalls in den Katalog aufnehmen. Es wäre schön, wenn weitere Fehldrucke dieser Art gemeldet würden, damit man auch hier einen Nummernkreis eingrenzen kann. Hans-Ludwig Grabowski

  • Die Entwürfe der ersten Euro-Banknoten, Teil 44

    Bereits im November 1994 hatte der Rat des Europäischen Währungsinstituts (EWI) die Stückelung auf sieben Banknoten-Nominale von 5 bis 500 Euro festgelegt. Im Juni 1995 wurden dann zwei Themen für die Gestaltung der Euro-Banknoten vorgegeben, zum einen "Zeitalter und Stile in Europa" und zum anderen ein abstraktes, modernes Design. Im Februar 1996 begann der Gestaltungswettbewerb, an dem 29 Grafiker und Grafikerteams teilnahmen, die von 14 nationalen Zentralbanken der EU nominiert wurden. Im September 1996 beurteilte eine Jury aus international renommierten unabhängigen Experten für Marketing, Grafik und Kunstgeschichte die eingereichten Entwürfe und wählte je fünf für beide Themenbereiche aus. Im Oktober 1996 erfolgte eine Umfrage unter insgesamt 2000 Personen aus allen EU-Ländern außer Dänemark und am 3. Dezember 1996 wählte der Rat des EWI schließlich den Vorschlag aus Österreich Nr. T 382 als Gewinner des Gestaltungswettbewerbs. Wie aber hätten die ersten Euro-Banknoten auch aussehen können? Wir setzen hiermit unsere Reihe zu den Entwürfen der ersten Euro-Banknoten fort. Zeitalter und Stile in Europa, Vorschlag T 527 Yves Zimmermann Geboren 1937 in Basel, Schweiz. Studierte von 1954 bis 1957 Design an der Allgemeinen Gewerbeschule in Basel. Er arbeitete für das Pharma-Unternehmen Geigy und war ab 1961 Art Director für das Unternehmen in Barcelona. 1995 wurde er von König Juan Carlos mit einem Designpreis ausgezeichnet. Er hielt Seminare und Konferenzen über Design in mehreren Ländern. Anna Alavedra Geboren 1945 in Logroño, Spanien. Von 1962 bis 1966 besuchte sie die Elisava Design School in Barcelona. 5 Euro, Vorder- und Rückseite, Antike. 10 Euro, Vorder- und Rückseite, Romanik. 20 Euro, Vorder- und Rückseite, Gotik. 50 Euro, Vorder- und Rückseite, Renaissance. 100 Euro, Vorder- und Rückseite, Barock. 200 Euro, Vorder- und Rückseite, Biedermeier, 19. Jahrhundert. 500 Euro, Vorder- und Rückseite, Moderne. Hier endet die Reihe über die Entwürfe zu den ersten Euro-Banknoten. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Europäische Zentralbank (EZB)

  • Algerien: Gedenknote zum Gipfeltreffen der Arabischen Liga in Algier

    Anlässlich des 31. Gipfeltreffens der Arabischen Liga in der Hauptstadt Algeriens vom 1.–2. November 2022 gab die Bank von Algerien am 2. November neue Gedenkbanknoten zu 2000 Dinars in Umlauf. Ein kleines Detail dieser Gedenknote scheint Kontroversen ausgelöst zu haben: Dieser neue Schein ist in arabischer und englischer Sprache beschriftet. In der ehemaligen französischen Kolonie war man nach der Erlangung der Unabhängigkeit von französischsprachigen Legenden abgekommen, sodass ab der Serie von 1977 die Inschriften auf Geldscheinen rein arabisch gestaltet waren. Dass nun für die bilinguale Note die englische statt der französischen Sprache in Verwendung kam, rief Reaktionen von französischer Seite im Internet, Fernsehen und Radio hervor: Manche Oppositionelle, wie Jean-Luc Mélenchon, gaben dem Präsidenten Macron die Schuld – wofür auch immer. Die Beziehung zwischen Frankreich und Algerien hatte insbesondere im vergangenen Jahr nach Macrons Äußerungen zur Geschichte Algeriens und zum Regime gelitten. Im Juli dieses Jahres gab außerdem der algerische Präsident bekannt, dass ab 2023 in den Grundschulen neben Französisch nun auch Englisch unterrichtet werden soll. In den letzten Monaten kam es jedoch zu einer Annäherung der beiden Staaten, die vor allem in energiepolitischen Fragen kooperieren wollen. Die auf Durasafe-Substrat gedruckte Gedenknote misst 158 x 72 mm und weist eine vertikal gestaltete Vorder- und eine horizontale Rückseite auf. Die Vorderseite zeigt das Denkmal der Märtyrer in Algier, das am 5. Juli 1982 zum 20. Jahrestag der Unabhängigkeit Algeriens eröffnet wurde. Im Hintergrund ist eine Landkarte der arabischen Welt zu sehen; die algerische Flagge und das Logo der Arabischen Liga dürfen auch nicht fehlen. Auf der Rückseite ist zentral das Minarett der Großen Moschee in Algier abgebildet; außerdem sind ein Felsentor im Nationalpark Tassili n’Ajjer, das Ahaggar-Gebirge sowie römische Ruinen in der Provinz Tipasa zu sehen. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)

  • Nigeria: Einzelne Nominale werden erneuert

    Am 26. Oktober 2022 kündigte Godwin I. Emefiele, Gouverneur der Zentralbank von Nigeria, eine Erneuerung der Banknoten zu 200, 500 und 1000 Naira an. Die aktuelle Gestaltung dieser drei höchsten Nominale ist zum Teil über zwei Jahrzehnte alt und müsste daher an den heutigen Stand der Sicherheitsmerkmale angepasst werden, um Fälschungen entgegenzuwirken. Auch das gesteigerte Bargeld-Hortverhalten der Bevölkerung wurde als Motivation zur Ausgabe neuer Scheine genannt. Gleichzeitig soll jedoch auch durch eine gesteigerte Emission der eNaira – der digitalen Version der nigerianischen Landeswährung – der bargeldlose Zahlungsverkehr intensiviert werden. Der Entwurf der neuen Noten wurde noch nicht veröffentlicht, jedoch sollen zumindest die Inschriften der aktuellen Noten beibehalten werden. Die Einführung der neuen Scheine ist für den 15. Dezember dieses Jahres angesetzt; bis zum 31. Januar 2023 behalten die aktuellen Scheine dieser drei Stückelungen ihre Gültigkeit. Während dieser Umstellungsphase sollen daher anfällige Gebühren für die Einzahlung der "alten" Noten auf Bankkonten ausgesetzt werden. Die Einführung neuer Höchstnominale von 2000 und 5000 Naira, über die im Internet bereits spekuliert wurde – und das nicht zum ersten Mal –, sei hingegen nicht in Planung. Zentralbank von Nigeria, aktuelle Banknoten zu 200, 500 und 1000 Naira. Kana Totsuka Abb. Hartmut Fraunhoffer (www.banknoten.de)

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