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  • Die Kreditscheine der estnischen Zementfabrik "Port-Kunda" im Zweiten Weltkrieg

    Die baltischen Staaten hatten eine sehr wechselvolle Geschichte. Unter der Herrschaft des Deutschen Ordens christianisiert, erlebten sie auch durch die Hanse eine große Blütezeit, fielen dann aber 1721 an Schweden und später an das russische Zarenreich. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs waren Deutschland und Russland Nachbarn, die baltischen Länder und Polen existierten nicht als selbständige Staaten, sondern waren Teile Russlands. Bereits nach der russischen Februarrevolution von 1917 war ein Estnischer Nationalrat gebildet wurden, der am 24. Februar 1918 die Unabhängigkeit des von deutschen Truppen besetzten Landes proklamierte. Diese bestand jedoch nur auf dem Papier und musste erst in einem zweijährigen Freiheitskrieg erkämpft werden, an dessen Ende Sowjet-Russland 1920 die Unabhängigkeit Estlands „auf alle Zeiten“ anerkannte. Estland erlebte in den 1920er Jahren eine Blütezeit. Die Wirtschaftskrise von 1929 bis 1932 führte jedoch 1934 zu einem faschistischen Umsturz. Der Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 bot der Sowjetunion freie Hand für deren Interessen im Baltikum. Nach dem gemeinsamen Sieg über Polen kam es zum Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939, der vorerst die Interessen beider Diktaturen gegeneinander absicherte. Am 16. Juni 1940 wurde Estland von sowjetischen Truppen besetzt. Am 6. August 1940 erfolgte unter sowjetischem Druck der Beitritt zur Sowjetunion als Estnische SSR. Bereits kurz darauf setzten die ersten Deportationen ein. Vom 8. bis 21. Juli 1941 wurde Estland von deutschen Truppen besetzt. Während der deutschen Besatzung nahmen nationale Kräfte Estlands aktiv am Kampf gegen die Rote Armee teil. Die Kreditscheine der Zementfabrik „Port-Kunda“ waren vom 20. August bis zum 1. Oktober 1941 im Umlauf und konnten von Monat zu Monat bis zum 1. Januar 1942 eingelöst werden. Der Name „Port-Kunda“ ist eine Wortschöpfung aus „Portlandzement“ und dem Standort der Fabrik in Kunda, einer kleinen estnischen Stadt zwischen der Hauptstadt Tallinn (Reval) und Narva. Die Scheine wurden von den lokalen deutschen Besatzungs-Behörden genehmigt, damit die Zementfabrik in Kunda nach der Besetzung schnellstmöglich wieder ihre Arbeit aufnehmen konnte. Alle Scheine tragen auf der Rückseite einen runden Siegelstempel, die Verlängerung der Einlösung wurde zusätzlich durch Gummistempel mit zweizeiligem Firmennamen und einer Unterschrift bestätigt. Es sind drei Unterschrifts-Kombinationen auf der Vorderseite bekannt. Die Scheine liefen ebenfalls in der Brennschieferfabrik Ubja um (eine Stadt, ca. 100 km von Kunda entfernt), die die Zementfabrik mit Rohstoffen versorgte. Für die dortige Umlauffähigkeit wurden sie mit einem zusätzlichen zweizeiligen Stempel „Ubja Pölevkivi Kaevandus“ versehen. Gerdruckt wurden die zweisprachig Deutsch/Estnisch ausgefertigten Scheine auf farbigem Kartonpapier. Auf den Rückseiten kommen je drei Stempelvarianten vor: Nur ein Siegelstempel der Zementfabrik "Port-Kunda" Zusätzlicher Zeilenstempel "A/S Tsemendvabrik | "Port-Kunda" bei vertagtem Einlösungstermin mit Handunterschrift (siehe Abb. zu 5 und 25 Rubel) Zusätzlicher Zeilenstempel „Ubja Pölevkivi Kaevandus“ Die Scheine sind auch bei deutschen Sammlern begehrt, weil sie ein Stück deutscher Besatzungsgeschichte im Baltikum dokumentieren. Man findet sie zusammen mit anderen interessanten Belegen im Katalog "Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg". Hans-Ludwig Grabowski

  • Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 13

    Fortsetzungsreihe, Teil 29 Die Herstellungstechniken falscher Banknoten, Teil 1 Diese Handzeichnung der 50-DM-Note aus der Währungsreformserie ist erstaunlich gut gelungen und dürfte im damaligen Zahlungsverkehr durchaus zur Täuschung geführt haben. Handzeichnung Kommen wir zu den Herstellungsverfahren, die die Fälscher hauptsächlich anwenden bzw. in früheren Zeiten angewendet haben. Die simpelste Methode, eine Banknote nachzuahmen, ist sicherlich die Handzeichnung, aber auch die mühsamste. Der Täter versucht hier, mittels entsprechender Farbstifte, oft auch mit feinsten Pinseln und Aquarell-Farben, Feder und Tusche oder mit speziellen Stiften, die im grafischen Gewerbe und bei Architekten gebräuchlich sind, das Notenbild möglichst zeichnerisch korrekt wiederzugeben. Meist verwendet er dabei herkömmliches Papier, von dem er glaubt, dass es dem Sicherheitspapier der echten Banknote am ehesten entspricht. Verschiedentlich haben Fälscher versucht, das Papier durch verschiedene Techniken einzufärben, um ihm die Tönung des Originalpapiers zu verleihen. Die Fälscher Ninger und Hopfinger bedienten sich dazu dünnen schwarzen Kaffees oder Tees, um den gewünschten chamoisfarbenen Ton des Dollarnotenpapiers bzw. desjenigen der 1000-DM-Scheine zu imitieren. Verzeichnungen des Notenbildes, insbesondere des Gesichtsausdrucks des Porträts, sind bei dieser Methode vergleichsweise häufig. Dem aufmerksamen Betrachter fallen handgezeichnete Falsifikate hierdurch und durch die nie ganz dem Original entsprechende Farbgebung auf. Wasserzeichen und Sicherheitsfaden, so sie beim echten Schein vorhanden sind, werden ebenfalls handzeichnerisch nachgestellt, meist durch blassgraue oder hellgelbliche Farben. Durch die in die Banknoten der meisten Länder heute eingebrachten, neuentwickelten Sicherheitsmerkmale, die durch Handzeichnung nicht oder nur sehr unvollkommen imitiert werden können, kommt diese Fälschungsvariante kaum noch vor. Und wenn, dann von Einzeltätern, die bisweilen aus der puren Not heraus handeln. So wie die biedere Hausfrau, die im Jahr 1968 die soeben vom Geldbriefträger erhaltenen 300 DM zusammen mit alten Zeitungen versehentlich im Ofen verbrannte. Aus Angst vor ihrem Mann zeichnete sie mit Kugelschreiber die 100-DM-Noten nach und kolorierte sie mit Buntstiften. Dabei hatte sie allerdings wenig Geschick bewiesen, schon beim ersten Versuch, eine ihrer Eigenproduktionen in einem Lebensmittelladen einzuwechseln, scheiterte sie. Der Richter hatte Verständnis und verhängte lediglich eine Bewährungsstrafe. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Leserpost: Bedruckter Geldschein von 1923

    Entschuldigen Sie bitte meine Anfrage, aber vielleicht können Sie uns mit Ihrem Wissen ein wenig auf die Sprünge helfen, wenn Ihre Zeit es zulässt. Es geht um folgendes: Bei einer Haushaltsauflösung kamen auch einige historische Geldscheine aus der Inflationszeit hervor. Die meisten Scheine waren wenig interessant, aber in einem Fall bin ich auf eine offensichtlich nachbedruckte Rückseite gestoßen. Es handelt sich dabei um eine antisemitische Parteienwerbung einer „Deutschen Partei“. Die sagt mir auch nichts, kann aber natürlich auch nur Chiffre für die nationale politische Rechte insgesamt sein. Es handelt sich um einen 1-Million-Mark-Schein von 1923 (in der mir vorliegenden Ausgabe Ihres Katalogs auf Nr. 92). Kennen Sie denn einen solchen Geldschein und können uns so bei der Einordnung helfen? Über Ihre Nachricht würden wir uns sehr freuen. Vielen Dank schon einmal! Mit besten Grüßen aus dem Schwarzwald Museen und Archiv der Stadt Schiltach Dr. A. Morgenstern Antwort der Redaktion Ja, ich kenne solche Scheine und verweise in diesem Zusammenhang auf mein Buch "Der Jude nahm und Silber, Gold und Speck …“ https://www.battenberg-gietl.de/sammeln/buch/der-jude-nahm-uns-silber-gold-und-speck Vor allem in den Wahlkämpfen der „Weimarer Republik“ wurden durch die Inflation wertlos gewordene Geldscheine genutzt, um sie mit politischen und antisemitischen Parolen zu überdrucken. Ich gebe in meinem Buch eine umfangreiche Einleitung zum Thema Geld als Kommunikationsmittel von der Antike bis in die Gegenwart und natürlich auch zum historischen Kontext solcher Propagandascheine. Daneben werden in dem angefügten Katalog viele solche Scheine abgebildet und beschrieben. Es handelt sich dabei um eine Dokumentation der Sammlung Haney. Ihr Schein wurde wahrscheinlich von der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), die sich in ihrem Selbstverständnis auch einfach „Deutsche Partei“ nannte und sich in den alten Reichsfarben des Kaiserreichs Schwarz-Weiß-Rot inszenierte, im Wahlkampf zu den Reichstagswahlen vom Mai bis Dezember 1924 überdruckt und für antisemitische Propaganda genutzt. Es gab ja durchaus mehrere rechte Parteien (nicht nur die NSDAP), die solche Wahlkampfmittel und Parolen nutzten. Die Karikatur zeigt einen erschrockenen, stereotypen Juden vor der aufgehenden Sonne der „Deutschen Partei“ nebst Propaganda-Spruch. Solche Scheine kommen immer wieder auch im Handel vor (leider auch sehr viele moderne Manipulationen bei ebay). Ihrer Abbildung nach, sollte Ihr Schein aber ein zeitgenössischer Überdruck sein. Ich hoffe, dass ich Ihnen damit helfen konnte. Hans-Ludwig Grabowski

  • Ein alter Werbeschein der Kaffeesurrogatfabrik Otto E. Weber, Berlin

    „Der Pro-Kopf-Verbrauch von Kaffee summierte sich in Deutschland zuletzt auf rund 164 Liter im Jahr, damit ist Kaffee das beliebteste Heißgetränk der Deutschen.“[1] Es wird angenommen, dass die Region Kaffa im Südwesten Äthiopiens das Ursprungsgebiet des Kaffees ist. Er gelangte im 14. Jahrhundert durch Sklavenhändler auf die Arabische Halbinsel und eroberte im 16. Jahrhundert das persische Safawiden-Reich sowie das Osmanische Reich. Die heute übliche Zubereitung, geröstete, gemahlene oder zerstampfte Kaffeebohnen aufzubrühen, kam erst Mitte des 15. Jahrhunderts auf. Der Siegeszug des Kaffees als Genussmittel begann in Europa im 17. Jahrhundert am französischen Hof Ludwig XIV. und Ludwig XV. Der Genuss des Kaffees war zunächst nur dem Adel und den gut betuchten Bevölkerungsschichten vorbehalten. Von ärmeren Bevölkerungsschichten und in Krisenzeiten wurde der Kaffee durch kaffeeähnliche Getränke wie Muckefuck, Malzkaffee, Stragelkaffee oder Zichorie ersetzt bzw. der „echte Bohnenkaffee“ durch Kaffee-Ersatzmittel gestreckt. Otto E. Weber (1840 – 1914) erkannte den Zahn der Zeit und fügte seiner 1864 gegründeten Tee-Fabrik 1873 die Kaffeesurrogatfabrik in Berlin hinzu. Das auf Herstellung und Vertrieb spezialisiert Unternehmen stellte nun nicht nur Tee in Presswürfeln her, sondern war auch der erste und lange Zeit größte Hersteller von Feigen-Kaffee.[2] Das Unternehmen exportierte seine preisgekrönten Produkte, darunter „Weber’s Carlsbader Kaffeegewürz“ und „Weber’s Prima Feigen-Kaffee“ bis nach Russland, Südafrika und in die USA. Ferner war es preußischer Hoflieferant. Abb. 1.1: Werbenote der Kaffeesurrogatfabrik Otto E. Weber, Berlin, Vorderseite. Abb. 1.2: Werbenote der Kaffeesurrogatfabrik Otto E. Weber, Berlin, Rückseite. Abb. 2.1: GK-314, Preußische Hauptbank, 1. Mai 1874, 100 Mark, Vorderseite. Abb. 2.12 GK-314, Preußische Hauptbank, 1. Mai 1874, 100 Mark, Rückseite. Quelle: Hans-Ludwig Grabowski / Manfred Kranz, Das Papiergeld der altdeutschen Staaten, Geldscheine der Staaten auf dem Gebiet des 1871 gegründeten Deutschen Reiches von den Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, Regenstauf 2020, Kat.-Nr. 314, S. 183. Aus den 1870er Jahren dürfte der abgebildete Werbeschein stammen. Die Vorderseite zeigt eine vereinfachte Darstellung der 100-Mark-Banknote der Preußischen Haupt-Bank vom 1. Mai 1874: rechts das umkränzte Brustbild der Minerva[3] und links das große preußische Wappen. Der mittlere Teil des Scheins wurde als Banderole gestaltet. Sie trägt den folgenden senkrechten, siebenzeiligen Aufdruck: „3000 Mark / zahle ich sofort Demjenigen, welcher mir nachweist, daß ich / meinen Prima Feigen-Kaffee nicht ausschließlich aus orien- / talischen Feigen fabricire. / Jeder mit meinem Fabrikat gefüllte Carton ist mit / nebenstehender Schutzmarke geschlossen und mit meinem Fac- / simile versehen.“ Es folgt die Faksimile-Unterschrift „Otto E. Weber. Hoflieferant“. Die ovale, rot-weiße Schutzmarke ist neben dem Text angebracht. Die Rückseite enthält in einem schmalen Rahmen die Werbebotschaft, in der Weber Qualitätsmerkmale seines Feigen-Kaffees herausstellt und sich gegen minderwertige Produkte und Plagiate der Konkurrenz wehrt: Weltberühmt ist das in Wien, Carlsbad, Teplitz und in anderen böhmischen Bädern bereitete Kaffeegetränk. Das Recept zur Herstellung desselben besteht einfach darin, daß man Bohnen-Kaffee eine Kleinigkeit Otto E. Weber’s Feigen-Kaffee zusetzt. Mit einem solchen Zusatz verbessert man aber nicht allein den Geschmack und die Farbe des Kaffee-Getränkes, sondern dasselbe wird dadurch auch nahrhafter und gesünder, da die geröstete Feige die aufregenden und erhitzenden Eigenschaften des Bohnenkaffees beseitigt. Mein Prima Feigen-Kaffee besteht nur aus sorgfältig gerösteten und gemahlenen Calamata Feigen.[4]– Im frischen Zustand ist er ein trockenes Pulver, ähnlich dem Bohnenkaffee-Pulver. – Erst nach längerem Lagern wird er feucht, klebrig und dunkel, da er infolge seines reichen Caramel-Gehaltes die Feuchtigkeit aus der Luft anzieht. Diese hygroskopische Eigenschaft des Feigen-Kaffee’s wird indeß von mehreren Fabrikanten bereits dahin ausgebeutet, daß sie ihr Fabrikat künstlich mit Wasser und Dampf anfeuchten. – Wasser kostet nichts, macht aber die Waare schwer und dadurch billiger, außerdem läßt sich auch bei einem derartig gefälschten Fabrikat schwer erkennen, ob dasselbe von ordinären Feigen hergestellt, oder gar noch mit anderen Substanzen gemischt ist. Man kaufe daher Feigen-Kaffee immer nur von anerkannt renommirten Fabriken und möglichst frisch und pulvrig, um sicher zu sein, kein künstlich angefeuchtetes oder zu altes, möglicher Weise verdorbenes Fabrikat zu erhalten. Wer aber an dunklen, klebrigen Feigen-Kaffe gewöhnt ist, der lege frische, pulvrige Waare einige Tage an einen feuchten Ort, (in den Keller) sie wird da sehr bald von selbst dunkel und klebrig werden. – Zu beachten ist, daß von frischem, trockenem Feigen-Kaffee beim Verbrauch stets etwas mehr genommen werden muß als von feuchtem. Mein Fabrikat, welches ich nur frisch, d. h. trocken und pulvrig versende, ist in allen renommirten Colonialwaaren-Handlungen zu haben. Beim Einkauf verlange man aber jedesmal ausdrücklich Otto E. Weber’s Prima Feigen-Kaffee, und überzeuge sich auch, daß auf dem Carton meine volle Firma steht, denn es haben bereits einige gewissenlose Fabrikanten die von mir erfundene gelbe Carton-Verpackung nachgemacht, um damit das Publikum zu täuschen. Otto E. Weber, [großes preußisches Wappen] Hoflieferant Hamburg Berlin S.W., Altona, Zollvereins-Niederlassung 18. Junkerstr. 18 Lerchen-Straße No. 65 Die Maße des Werbescheins entsprechen der Originalnote: 157 mm x 100 mm, die ab 1. Januar 1876 als Note der neugegründeten Reichsbank galt. Bereits am 1. Juni 1878 wurden sie ungültig. Auch nach diesem Termin wurden sie von der Hauptkasse der Reichsbank eingelöst. 1878 verlegte Weber aus zollrechtlichen Gründen seinen Betrieb nach Hamburg und 1881 nach Radebeul. 1894 wurde das Unternehmen in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt und die Firma lautete nun „Otto E. Weber GmbH“. Hauptgesellschafter wurde der Augsburger Bankier August Gerstle (1854 – 1899), der 70 % des Stammkapitals übernahm. Sein Schweizer Schwager, Friedrich Guggenheim, wurde Geschäftsführer und beteiligte sich mit 10 % am Gesellschaftskapital. Gerstle starb am 1. Mai 1899 in Augsburg und hinterließ seiner Witwe Anna die Anteile. Nach Webers Tod 1914 ging auch dessen Firmenanteil vertragsgemäß an Anna Gerstle. Als Guggenheim nach kurzer, schwerer Krankheit 1923 starb, übernahm der Sohn von August und Anna Gerstle, Hans-Jakob (1884 – 1942) die Geschäftsführung. Als die Mutter 1924 starb, übernahmen ihre Kindern Hans Jakob und Grete die Geschäftsanteile. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich das politische Klima in Deutschland. Das Unternehmen der jüdischen Eigentümer wurde zur Zielscheibe des "Stürmers"[5], sodass Gerstle am 2. November 1937 die Geschäftsanteile weit unter Wert an den Dresdner Kaufmann Johannes Wilhelm Löhr und die Kathreiner GmbH in Berlin verkaufte. Löhr wurde zum alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführer ernannt. Gerstle gelang am 31. Dezember 1937 die Ausreise nach London, nachdem er auf Druck der Behörden nicht nur die Reichsfluchtsteuer bezahlt, sondern auch sein deutsches Vermögen auf ein nicht transferierbares Inlandskonto eingezahlt hatte. Die Gesellschafter des „arisierten“ Unternehmens wurde nach Kriegsende 1946 enteignet und die Firma in „VEB Otto E. Weber“ umbenannt. Das Stammhaus der heutigen Teekanne GmbH wurde 1952 mit „VEB Otto E. Weber“ zur „VEB Kaffee-Weber-Teekanne“ zusammengelegt. Nach der Wende wurde das Unternehmen privatisiert und 1991 als „Teehaus GmbH“ von der Düsseldorfer Teekanne-Gruppe übernommen. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] (22.04.2021) [2] Feigen-Kaffee ist ein Ersatzkaffee, der meist dem normalen Bohnenkaffee beigemengt wurde, um dem Kaffee einen volleren und etwas süßeren Geschmack zu verleihen. Zur Herstellung des Feigenkaffees wurden die Früchte zunächst in eine kochende Salzlösung getaucht und anschließend 24 Tage in der Sonne getrocknet. Es folgten zwei weitere Monate in sogenannten Trockenkästen. Zur Weiterverarbeitung wurden die getrockneten Feigen noch einmal mit kaltem Salzwasser abgewaschen und anschließend geröstet. Die abgekühlten Früchte wurden dann in einer Mühle zu Pulver zermahlen und verpackt. Der geröstete Feigenkaffee dürfte seinen Ursprung in Oberitalien haben, wo er seit Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt ist. [3] Römische Göttin. Beschützerin der Handwerker und des Gewerbes. [4] Anm. d. Verf.: Die Kalamata-Feigen stammen aus der griechischen Region Kalamata. Die ganze Frucht wird, ohne geschlitzt zu werden, in der Sonne ohne jegliche chemischen Zusätze natürlich getrocknet. [5] Die antisemitische Wochenzeitung "Der Stürmer", Untertitel ab 1932 "Deutsches Wochenblatt zum Kampfe um die Wahrheit", erschien vom 20. April 1923 bis 2. Februar 1945 in Nürnberg.

  • Leserpost: Keine Neuheit, aber dennoch etwas Besonderes

    Dülmen, Stadt: Serienschein zu 2,50 Mark vom 1.12.1921, Vorder- und Rückseite. Hallo Herr Grabowski, keine Neuigkeit, aber dennoch etwas Besonderes. Es ist wohl wirklich ein seltener Glücksfall, eine Seriennummer 1 zu finden – (fast) egal von welchem Geldschein. Wollte ich Ihnen einfach nur mal zeigen :-) Herzliche Grüße, T. Neldner Antwort der Redaktion Ja, super Kontrollnummer! Eigentlich so einmalig wie jede andere auch und trotzdem von den Chancen her, so einen Schein zu bekommen, fast wie ein Lottogewinn. Ich weiß nicht, ob es Ihnen bekannt ist, aber das war eine Marotte von Holger Rosenberg. Er hat möglichst Scheine mit Nummer 000001 gesammelt. Gerne stelle ich den Schein im Blog vor. Vielleicht melden sich noch andere Sammler und senden Abbildungen von Scheinen mit solchen Kontrollnummern. Hans-Ludwig Grabowski

  • SINCONA AG, Zürich, Auktionen 69 und 70 vom 17. bis 19. Mai 2021

    Diesen Frühling auch mit einem großen Kapitel Banknoten von China in Auktion 69 am 18. Mai. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass uns die Corona-Pandemie auch 2021 noch so stark beschäftigt, dass sich die Vorbesprechung zuerst mit dem Umstand befassen muss, ob wir die Sammler und Händler im Mai auch wirklich im Auktionssaal von SINCONA in Zürich begrüßen können oder ob das Bieten nur schriftlich, telefonisch und via Internet erfolgen wird. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir Ihnen nur raten, die Einträge auf unserer Homepage www.sincona.com regelmäßig zu studieren, denn die werden bei Bedarf täglich aktualisiert. Üblicherweise versteigert SINCONA Banknoten in der Oktober-Auktion. Eine umfangreiche und alte Sammlung chinesischer Banknoten vom 19. Jahrhundert bis in die neuste Zeit, veranlasste das Zürcher Auktionshaus, den ersten Teil dieser Sammlung (Scheine bis 1949) ausnahmsweise bereits im Mai anzubieten und im Oktober dann, in einem zweiten Teil, die Banknoten der Volksrepublik ab 1949 zu versteigern. So groß wie das Land China ist, so umfangreich ist auch seine Papiergeldgeschichte. Ab dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gaben viele einheimische Finanzinstitute ihre eigenen Banknoten aus. Bald gab es auch ausländische Banken, allen voran britische Kreditinstitute, die für den länderübergreifenden Warenaustausch ihre Geldscheine drucken ließen. Es folgten deutsche, französische und andere europäische, russische und japanische Banken. Sie alle hatten bedeutenden Einfluss auf die nationale und internationale Handelstätigkeit. 1911 wurde die heute noch existierende Bank of China gegründet. Nationale Banken emittierten unzählige Ausgaben, aber auch lokale Institute gaben Noten aus, die nur in einzelnen Provinzen umliefen, es gab Ausgaben für Gebiete mit Völkern anderer ethnischer Herkunft, Banknoten unter den japanischen Besetzern, Ausgaben von Kommunisten und solche für Militärangehörige; wir treffen diese Unterkapitel in mehr als 560 Losen an. Die drei Bände des „Pick“ (World Paper Money) zählen mehrere tausend Nummern chinesischer Banknoten. Eine große Anzahl der Nummern finden sich auch in dieser Banknoten-Auktion China, 1. Teil, wieder. Neben bedeutenden und natürlich einzeln angebotenen Raritäten veranlasste die große Stückzahl an Noten das Auktionshaus SINCONA, viele Exemplare in Lots zusammenzufassen und mit moderaten Schätzpreisen anzuschreiben. Damit haben sowohl Sammler mit ansehnlichem Geldbeutel, aber auch diejenigen mit kleineren Budgets alle Chancen, das eine oder anderen Schnäppchen machen zu können. Hier ein paar herausragende Exemplare dieses speziellen Teils von Katalog 69. Lot 2009: Imperial Bank of China, Peking Branch. 1 Tael 1898. Sehr selten und gutes sehr schön. Taxe 1.500 CHF. Lot 2111: Central Bank of China (National). 100 Yuan 1936. Ausgaben für Tibet. Überdrucke mit tibetanischen Schriftzeichen. Sehr selten, besonders in dieser gut vorzüglichen Erhaltung. Taxe 750 CHF. Lot 2225: Central Reserve Bank of China. Eine sog. Japanese Puppet Bank. 50 Cents 1940. Taxe 50 CHF. In diesem Lot, bestehend aus 19 Exemplaren verschiedener Nominale, finden sich drei unterschiedliche Farbtypen der 50-Cent-Noten (Pick J5–J7), deren Rückseiten eine versteckte, politisch brisante Mitteilung aufweisen. Wer genau mit einer Lupe im Ornament beim Banknamen nachschaut, findet die verborgenen Buchstaben C G W R (oberhalb) und ein S (unterhalb). Man glaubt, dass dies eine versteckte Botschaft gegen das japanische Regime bedeutete, nämlich die Worte: «Central Government Will Return – Soon» (Die Zentral-regierung wird zurückkehren – bald!). Lot 2229: Central Reserve Bank of China. Eine sog. Japanese Puppet Bank. 200 Yuan 1944. Taxe 100 CHF. Auch in diesem Lot, bestehend aus acht verschiedenen Ausgaben findet sich eine Banknote mit einer geheimen Botschaft. Die 200-Yuan-Note (Pick J30) hat auf der Rückseite die versteckten Buchstaben U und S und auf der Vorderseite ein A und ein C. Dieser Protest gegen japanischen Besetzer sollte bedeuten «United States Army (is) Comming» (Die Armee der USA wird kommen!). Es heißt, dass der Graveur der Druckplatten, ein Mr. Chung Kue-jen, nach der Entdeckung der Geheimbuchstaben, um der Strafe der Japaner zu entgehen, nach Hong Kong fliehen und dort das Ende der Zweiten Weltkriegs abwarten musste. Übrigens finden sich auch im Lot 2234 gleich bei zwei verschiedenen Ausgaben eine weitere, politisch "unanständige" Besonderheit, welche Insidern der chinesischen Banknotengeschichte bekannt ist, man achte auf die Fingerstellung der Hände. Mehr soll an dieser Stelle nicht gesagt sein. Lot 2249: Ausländische Banken, Chartered Bank of India, Australia & China, Shanghai Branch. 5 Dollars 1927. Selten und fast vorzüglich. Taxe 500 CHF. Lot 2260: Ausländische Banken, Bank of East Asia Ltd. Shanghai Branch. 100 Dollars 1924. SPECIMEN der englischen Notendruckerei Waterlow & Sons Ltd. Sehr selten und vorzüglich. Taxe 5.000 CHF. Lot 2322: Provinziale Ausgaben. Kiangsu Province. 5 Yuan o. J. (um 1940). Sehr selten, fast vorzüglich. Taxe 200 CHF. Lot 2377: Provinziale Ausgaben. Hunan Treasury. 10 Yuan 1920. Sehr selten, v.a. in gut vorzüglicher Erhaltung. Taxe 500 CHF. Lot 2421: Provinziale Ausgaben. Pei-Yang Tientsin Bank. 3 Dollars o. J. (ca. 1910). Bankfrisch. Taxe 3.000 CHF. Lot 2475: Kommunistische Banken. Bank of Chinan. 500 Yuan 1943. Kontrollabschnitt zu einem einseitigen, sog. Emergency Circulating Cashier’s Check. Gutes vorzüglich. Taxe 150 CHF. Lot 2533: Militärische Banknotenausgaben. Kwangtung Republican Military Government. 1 Dollar 1912. Sehr schön. Taxe 300 CHF. Wir hoffen sehr, dass wir Sie am 17. – 19. Mai 2021 persönlich in Zürich begrüßen dürfen; andernfalls sind wir stets für Sie da, am Telefon, per E-Mail oder online an den Auktionstagen. Unsere Homepage www.sincona.com informiert Sie jederzeit. So finden diese Frühjahrsauktionen von SINCONA einen schönen Abschluss – diese Vorbesprechung jedoch noch nicht! Man kann es kaum glauben! SINCONA AG ist inzwischen 10 Jahre alt geworden und hat in dieser Zeit 70 interessante Kataloge an die Kunden versenden können. Wir feiern dieses Jubiläum mit großem Stolz, und wer die Kataloge bereits erhalten hat, weiß auch weshalb wir dies speziell erwähnen. Auch die Newsletter werden darauf hinweisen; lassen Sie sich überraschen! Ruedi Kunzmann SINCONA AG

  • Lebensbitter – Die „größte Erfindung der Neuzeit“

    Ein Werbeschein der Firma Anton Hellmich aus den Anfangstagen des Deutschen Reichs in Form eines Reichskassen-Scheins In der Zeit des Deutschen Kaiserreichs nutzten Unternehmen recht häufig Werbung, die in Form von Geldscheinen daherkam. Papiergeld war auch Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland noch nicht weit verbreitet und man konnte sicher sein, dass dieses „exotische“ Geld die Aufmerksamkeit des Publikums weckte. DEU-46: Reichskassenschein über 20 Mark vom 11. Juli 1874, Vorderseite. Anton Hellmich aus Dortmund nutzte dieses Medium und warb mit dem Reichs-Kassen-Schein zu 20 Mark vom 11. Juli 1874 (ungültig ab 30. Juni 1885) für sein Produkt „Lebensbitter“. Dieser Werbeschein weist mit 140 mm x 86 mm fast die genaue Größe des Originals (140 mm x 90 mm) auf. Während die Rückseite im Hochformat das Brustbild des Unternehmers abbildet, gibt die rechte Hälfte der Vorderseite den vereinfachten Druck des Kassenscheins wider und die linke Seite enthält die Werbebotschaft: LEBENSBITTER. Die größte Erfindung der Neuzeit. Derselbe beseitigt die Brechruhr sofort, die rothe Ruhr innerhalb drei Tagen (die Gefahr ist schon in 10 – 12 Stunden vorüber), den augenblicklichen Magenkrampf bei Frauen und Mädchen in 5 Minuten, wofür ich garantire. Auch ist derselbe das unfehlbarste und unschädlichste Abführungsmittel, besonders bei schwangeren Frauen, Kindern und Wöchnerinnen, wofür garantirt wird. Auch gegen allerhand Magenleiden, besonders Magenkrampf hat sich derselbe auf’s glänzendste bewährt, was ich durch 27 amtliche, sowie auch mit über 210 Attesten von Privatpersonen und 7 Attesten aus Amerika beweisen kann. Wenn mir alle Genesende ein Attest eingesandt hätten, so würde ich deren Tausende aufweisen können. 10.000 Mark zahle ich Demjenigen, welcher mir die Unrichtigkeit meiner Atteste beweist, die gratis eingesandt werden. – Mit Verp. ½ Ltr. 3,90, ¼ Ltr. 2,40, 1/8 Ltr. M. 1,65. Man achte genau auf meine blauen Flaschen mit 4maligem Namen incl. Siegel und Bleikapsel. A. Hellmich. Dortmund (Königr. Preussen) Typisch für die Zeit ist die marktschreierische Art der Werbung für das Produkt, weshalb man hier auch von Reklame spricht. Der Werbeschein dürfte aus einer Zeit vor 1885 stammen, da einige Angaben fehlen, auf die Hellmich sicherlich nicht verzichtet hätte, die auf einer Rechnung vom 30. Juni 1892 hervorgehoben werden: Auf dem Rechnungsbogen weist der Unternehmer auf die bei der Pariser Gewerbeausstellung 1885 erhaltene Goldmedaille hin. Vielleicht noch wichtiger scheint die Erwähnung, dass er von Fürst Otto von Bismarck im gleichen Jahr ein Dankschreiben erhielt. Abb. 1.1: Werbenote des Anton Hellmich, Dortmund, Vorderseite Abb. 1.2: Werbenote des Anton Hellmich, Dortmund, Rückseite In einem Fachbuch über Arzneimittel werden die Inhaltsstoffe folgendermaßen angegeben: „Hellmichs Lebensbitter von Anton Hellmich in Dortmund ist ein alkoholischer Auszug aus aromatischen und bitteren Drogen, der mit Zucker versüßt ist. Nach Angaben des Fabrikanten wird der Lebensbitter hergestellt aus: Weinsprit 61 %, Wein 2,6 %, Fenchel, Faulbaumrinde, Alikanteanis, Schlangenwurzel je 1,5 %, Angelikawurzel, Kalmuswurzel, Tausendgüldenkraut, Galgantwurzel, Dreiblatt je 2 %, Enzian 4 %, Baldrianwurzel, Zitwerwurzel, Zimt, Eisenvitrol je 0,7 %, Kardamonen 0,3 %, Aleo 1 %, Honig 2,3 %, Zucker 9,0 %.“[1] Sucht man im Internet unter dem Stichwort „Gesundheit und Bitterstoffe“, so stößt man auf eine Fülle entsprechender Einträge. In ihnen wird die positive Wirkung genießbarer Bitterstoffe auf die Verdauung hervorgehoben, auch würden die Gallen- und Leberfunktionen unterstützt, der Cholesterinspiegel gesenkt sowie die Darmflora reguliert.[2] Unsere Vorfahren wussten schon seit Jahrhunderten, wie wichtig Bitterstoffe für unseren Organismus sind. Hippokrates (um 460 – 370 v.u.Z.) empfahl bittere Kräuter bei Beschwerden, ebenso wie Hildegard von Bingen. „Wir kennen heute hauptsächlich […] die Geschmacksrichtungen süß, salzig, sauer und umami [würzig]. Dies liegt auch an dem Einsatz der vielen Geschmacksverstärker, welche heutzutage in sehr vielen Lebensmitteln zu finden sind. […] Bitterstoffe sind durch die industrielle Herstellung von Nahrungsmitteln weitgehend aus unserer Ernährung verschwunden. Aus Geschmacksgründen wurden viele bitter-schmeckende Nahrungsmittel [weg]gezüchtet, wie z.B. Ruccola, Chicorée, Radicchio, und viele weitere. All diese Bitterstoff-reichhaltigen Nahrungsmittel schmecken heute längst nicht mehr so bitter wie früher.“[3] Da heute kaum noch Bitterstoffe durch die Nahrung aufgenommen werden, empfehlen viele Naturheilkundler die Verwendung entsprechender Lebensmittelergänzungs-Produkte. Ein Blick auf die Beipackzettel der in den Apotheken angebotenen Präparate bestätigt, dass diese die meisten Inhaltsstoffe des Lebensbitters enthalten. Uwe Bronnert [1] G. Arends, Spezialitäten und Geheimmittel aus den Gebieten der Medizin, Technik, Kosmetik und Nahrungsmittelindustrie, Ihre Herkunft und Zusammensetzung, Eine Sammlung von Analysen und Gutachten. Achte, vermehrte und verbesserte Auflage des von E. Hahn und Dr. J. Holpert begründeten gleichnamigen Buches. Berlin 1924, S. 233. [2] https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/lebensmittel/inhaltsstoffe/bitterstoffe (24.04.2021). [3] https://bitterliebe.com/pages/bitterliebe-set?msclkid=d0d75f95936612547d723f16603b8542&utm_source=bing&utm_medium=cpc&utm_campaign=MOFU_Search_DE%2BAT_Generic_Bittertropfen&utm_term=bitterstoffe%20wirkung&utm_content=MOFU_DE%2BAT_Bitterstoffe%2FKr%C3%A4uter (24.04.2021).

  • Einführung eines europäischen Bezahlsystems geplant

    Sowohl beim bargeldlosen Zahlungsverkehr als auch beim digitalen Bezahlen im Internet sind europäische Kunden bisher auf marktbeherrschende Tech-Größen angewiesen, die zumeist in den USA beheimatet sind. Bisher 31 europäische Banken und zwei Zahlungsdienstleister aus insgesamt sieben europäischen Ländern setzen sich daher mittlerweile für die sogenannte European Payments Initiative, kurz EPI, ein. Dabei handelt es sich um den Versuch, ein europäisches Bezahlsystem basierend auf einer eigenständigen Infrastruktur zu etablieren, das für Geldkarten, das Bezahlen in Geschäften mittels einer App, den Onlinehandel sowie den Geldtransfer von einer Person zu einer anderen gleichermaßen greifen soll. Ziel ist es unter anderem, den Bürgern Europas zu ermöglichen, auf dem gesamten Kontinent Bargeld abheben und bargeldlos mit Karte oder App zahlen zu können. Dies soll unter Einhaltung strikter europäischer Sicherheitsstandards geschehen, wobei die dabei entstehenden Daten für einen Verbleib in Europa vorgesehen sind. Weiterhin sind niedrigere Gebühren als bei privatwirtschaftlichen Zahlungsdienstleistern geplant. Die EPI wird von der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Kommission unterstützt. Einer dazugehörigen Pressemitteilung der Firma Giesecke+Devrient zufolge soll die EPI die geplante Einführung des digitalen Euro als souveräne digitale Zentralbankwährung ergänzen. Die EPI und der digitale Euro seien zwei wichtige Leuchtturmprojekte, um die Innovationsfähigkeit und Unabhängigkeit Europas sichtbar zu machen. Mirko Schöder

  • Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 12

    Fortsetzungsreihe, Teil 28 Druckverfahren und Sicherheitsmerkmale der Euro-Noten, Teil 5 Das im oberen Teil des Weißfeldes der Note befindliche Durchsichtsregister, das sich aus vorder- und rückseitig aufgedruckten Fragmenten der Wertzahl komplett und durch den verwendeten Super-Simultandruck in exakter Deckungsgleichheit zusammensetzt, wenn man den Schein gegen das Licht hält, ist ebenfalls kein zuverlässiges Echtheitskriterium mehr. Fast alle Falsifikate guter Qualität weisen diese Deckungsgleichheit auf. Zur alleinigen Prüfung einer verdächtigen Banknote ist dieses Mittel daher nicht mehr geeignet. Im Umkehrschluss ist allerdings ein Schein dann mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit falsch, wenn diese Registerfragmente nicht übereinstimmen. Die fertigen Euro-Noten mit allen Sicherheitsmerkmalen wurden erst ab 1. September 2001 der Öffentlichkeit präsentiert, um den Fälschern nicht schon frühzeitig vor der Einführung Tipps zu liefern. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden selbst in offiziellen Broschüren der EZB und der nationalen Zentralbanken diese verfremdeten „Banknoten“ verwendet, die heute noch in vielen Kino- und Fernsehfilmen als Theatergeld Verwendung finden Daneben enthalten unsere Euro-Banknoten weitere sichtbare und unsichtbare Sicherheitsmerkmale. Im Untergrund von Vorder- und Rückseite sind neben Iris-Farben, die die Ausfilterung oder Freistellung einzelner Farbabschnitte erschweren, schwer reproduzierbare Farben verdruckt, die sich bei einer Farbkopie verändern. Sehr feine Linienstrukturen erzeugen bei der Reproduktion mittels Rastertechnik Störmuster, sogenannte Moirés. Neben den schon genannten Fasern und den fluoreszierenden Notennummern sind zahlreiche UV-Bilder im Druckbild der Banknoten, je nach Stückelung unterschiedlich ausgestaltet, vorhanden. So leuchten auf der Vorderseite bei Bestrahlung mit UV-Licht die Europaflagge, die Unterschrift des EZB-Präsidenten, die kreisförmig angeordneten Sterne und weitere Bildelemente auf. Auf der Rückseite reagieren die Brückenabbildung, die Landkarte und die Wertzahlen entsprechend. Kritisiert wurde, dass im Gegensatz zu den ehemaligen DM-Banknoten die UV-Bilder je Nennwert nicht einheitlich seien und man sich diese Sicherungselemente daher nur sehr schlecht einprägen könne. Da aber fast alle organisierten Fälscher mittlerweile in der Lage sind, die UV-Bilder einer Banknote nahezu täuschend echt nachzustellen, bieten nur möglichst zahlreiche und komplexe Bilder einen ausreichenden Schutz. Setzt man die Notenvorderseite Infrarot-Licht aus, wird ein Großteil des Druckbildes unsichtbar. Lediglich ein schmaler, senkrecht verlaufender Streifen mit einem Teil des architektonischen Hauptmotivs bleibt sichtbar. Die Magnetisierung der Stichtiefdruckfarbe an bestimmten Stellen der Vorderseite sowie geheime unsichtbare Indikatoren im Papier, sogenannte M-Merkmale zur maschinellen Bearbeitung und Echtheitserkennung im Notenbanksektor, die als pulverisierte Chemikalie dem Papierbrei bereits bei der Herstellung beigegeben werden, ergänzen den Fälschungsschutz. Mit diesen Indikatoren waren in Deutschland erstmals die DM-Scheine der Ausgabe BBk IA ab Serie 2. Januar 1970 ausgestattet worden. Sie enthielten ebenfalls bereits einen metallbeschichteten und damit elektrisch leitfähigen Sicherheitsfaden. Bei den Euro-Banknoten eignen sich der Sicherheitsfaden sowie die Folienelemente aufgrund der Leitfähigkeit ihrer Metallbeschichtungen gleichfalls zur maschinellen Echtheitsprüfung. Zählmaschinen bei den Kreditinstituten und im Handel nutzen dies zum Teil. Wie bei den US-Dollarnoten erscheint die Plattennummer als kleine Buchstaben-/Zahlenkombination an je Wert unterschiedlicher Stelle im Druckbild der Vorderseite jeder Euro-Note. Anhand dieser Nummer kann die Druckerei, die zum Druck verwendete Platte sowie die Bogenposition der einzelnen Banknote erkannt werden. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Koreanisch lesen?

    Der Schein, den ich vorstellen möchte, ist kein besonderer Schein. Ich möchte den Wert zu 50 Jeon, ausgegeben von der Bank von Korea, nur für eine Mini-Einführung zu koreanischen Zahlen und zur koreanischen Schrift benutzen. Nach Katalog (SCWPM, Nr. 29) ist der Schein nicht datiert, die Jahreszahl „1962“ ist aber sehr deutlich auf der Rückseite zu erkennen! Ausgegeben wurde der Schein vom 1. Dezember 1962 bis zum 1. Dezember 1980. Er verfügt nur über eine Seriennummer, hier –1– , aber keine Kontrollnummer. Die Rückseite enthält eine englische Bank- und Wertangabe sowie die Wertangabe in Koreanisch. Diese koreanische Wertangabe wird hier von oben nach unten geschrieben. Auf der Vorderseite wird diese wiederholt, von links nach rechts geschrieben. Erster und zweiter Zeichenblock stehen dabei für 5 und 10 (nachzulesen beispielsweise: SCWPM, Tabelle Standard International Numeral Systems), also 5 · 10 (=50). Oder besser eigentlich für „fünf“ und „zehn“. Der dritte Zeichenblock heißt „Jeon“ – zusammen ergibt sich „fünfzig Jeon“. In den Ecken der Vorderseite gibt es drei mal die verkürzte Wertangabe: zum einen die „50“ in indisch-arabischen Ziffern und zweimal in Koreanisch mit „ausgeschriebenen“ Worten, links oben übereinander, rechts unten von links nach rechts. In Korea benutzt man die indisch-arabischen Ziffern, genau wie bei uns! Aber auf Geldscheinen beispielsweise werden die Zahlen auch ausgeschrieben, wie das weltweit auf den meisten Geldscheinen zu sehen ist. Und auch auf den deutschen Geldscheinen gab es neben den Ziffern immer die ausgeschriebenen Wertangaben, also zum Beispiel „Zwanzig Mark“. Eine Zusammenstellung der koreanischen Zahlzeichen findet sich z.B. im SCWPM, aber auch in einem Wikipedia-Beitrag zum koreanischen Zahlensystem. Das verwendete Zahlensystem ist meist das sino-koreanische System, die Grundidee ist dem Chinesischen entlehnt. Die Zahlen von Null bis Neun haben ebenso wie die Potenzen von 10 eigene Namen – letztendlich ist es bei uns ja ähnlich, nur dass diese Namen im Koreanischen jeweils zu einem Kombi-Zeichen zusammengezogen werden. In den Tabellen zur Identifikation heißt es in der Übersetzung nur „1“ statt „Eins“ und „100“ statt „Hundert“. Das ergibt zwar die richtige Zahl, aber einen völlig falschen Eindruck von der tatsächlichen Schreibweise. Weiter zum Text: Es gibt 5 „Schriftzeichen“ in der oberen Textzeile (s. oberste Abbildung und folgende Tabelle), die in der Transkription „han kuk un hang guen“ ergeben. Die ersten zwei Zeichen/Silben bedeuten „Korea“, die nächsten beiden „Bank“ und das 5. Zeichen „Schein“, zusammen steht in der ersten Zeile also „Geldschein (Banknote) der Bank von Korea“. Die vier Schriftzeichen in der unter der Wertangabe angeordneten Textzeile entsprechen den vier ersten Zeichen von links in der oberen Zeile, sie geben also die Bank an. Koreanisch ist eine Buchstabenschrift! Sie wurde Mitte des 15. Jahrhunderts im Auftrag von König Sedschong entwickelt. Allerdings werden die Buchstaben/Lautzeichen im Koreanischen beim Schreiben silbenweise zu möglichst quadratischen Zeichen kombiniert. Dafür können die Einzelbuchstaben etwas in ihrer Größe angepasst werden. Dadurch sieht die Schrift auf den ersten Blick wie Chinesisch aus, die Sprache der Hochkultur im Osten Asiens. Und lange Zeit galt es nicht gerade als Zeichen für Bildung, anstelle der chinesischen Zeichen diese vergleichsweise einfache Schrift zu benutzen. Das folgende Beispiel soll anhand der ersten beiden Zeichen – dem Landesnamen – die Anordnung der Buchstaben mithilfe der Farben erklären. Die Reihenfolge der Buchstaben innerhalb des Zeichens/der Silbe geht beim ersten Zeichen von links nach rechts und weiter nach unten bzw. beim rechten Zeichen von oben nach unten. Die Übertragung aus dem Koreanischen mit zusätzlichen Aussprachezeichen (nach Wikipedia) ergibt ha:n.kuk = Korea, also zwei Silben, das a wird lang gesprochen (nach anderen Quellen auch ha:n.guk). Die Buchstaben g und k sind beide nach der Tabelle bei Wikipedia einem Zeichen zugeordnet. Das Kleingedruckte am unteren Rand der Vorderseite gibt die Druckerei an. Der Text besteht aus acht Zeichen, wovon die ersten zwei identisch sind mit den beiden ersten Zeichen des Banknamens, also „Korea“ heißen. Die acht Zeichen insgesamt ergeben in der Übertragung „gedruckt von der Korea Minting and Security Printing Corporation“ (auf der Webseite der Bank als KOMSCO abgekürzt). Das rote Siegel ist in Koreanisch „gefüllt“. Es heißt „Chef der Bank von Korea“, einen Namen gibt es hier nicht. Unterschriften, wie wir sie kennen, sind in Korea eine relativ neue Kultur, erst seit etwa der letzten Jahrtausendwende. Seit etwa 1900 werden die koreanische und chinesische Schrift gemeinsam benutzt, das ist ein Zeichen von Bildung. Während der japanischen Besetzung war der Gebrauch des Koreanischen eingeschränkt bzw. verboten. In der Republik Korea (Süd) lernt man/hat man in der Schule neben der koreanischen Schrift auch die chinesische Schrift gelernt. In Zeitungen findet man häufiger hinter einem koreanischen Wort in Klammern chinesische Zeichen, um die jeweilige Aussage deutlicher zu machen. Der Trend geht aber vermutlich zur Verwendung von ausschließlich koreanischer Schrift. Frühere Geldschein-Ausgaben aus der Zeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs – aus Nord- wie Südkorea – sind teils dominierend mit chinesischen Schriftzeichen beschriftet, inkl. des Stempels. Es kann sich dabei tatsächlich um Chinesisch handeln, aber auch um Koreanisch, geschrieben in chinesischer Schrift. Ein Dankeschön an Jung-Hwa Lee für die Unterstützung. Rainer Geike Quellen: Carl Faulmann: Schriftzeichen und Alphabete aller Zeiten und Völker. Wien 1880 (Nachdruck Augsburg 2003), S. 64. Webseite der Bank von Korea Wikipedia-Beiträge zum Koreanischen Alphabet und zur Koreanischen Zahlendarstellung Anne-Katrein Becke: Buchstaben- und nicht Zeichenschrift. In: Horizont Nr. 5/1984, S. 29.

  • Geldscheine im Geschichtsunterricht: Der erste praktische Einsatz

    Wegen Corona fand und findet Schule im Präsenz-Unterricht nur bedingt statt. Seit dieser Woche startete der aber wieder in Darmstadt und damit konnte Herr Kiel auch erstmals praktisch Geldscheine im Geschichtsunterricht einsetzen. Er schickte uns diese Fotos, um einen Eindruck vom Unterricht zu bekommen und schreibt: Ich habe heute die Stunde zur Inflation ausprobiert. Es lief sehr gut und ich habe auch schon dankbare Abnehmer für geschenkte Scheine gefunden. Ein Schüler fragte, ob er mir einen Schein abkaufen kann und war daher sehr erfreut über das Geschenk. Ich hänge ein paar Fotos an. Aus Datenschutz-Gründen jedoch erst einmal ohne Gesichter. Ich werde bei Gelegenheit Einverständniserklärungen der Eltern einholen für schönere Bilder. Die auf dem ersten Foto zu sehenden Arbeitsblätter für Lehrer und Schüler können in unserem Mitgliedsbereich kostenlos heruntergeladen werden. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle Spender, die mit ihren Zusendungen von Geldscheinen und Münzen einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Einsatzes geldgeschichtlicher Zeugnisse im Geschichtsunterricht an Schulen geleistet haben. Gerne können sich auch Lehrer aus anderen Regionen Deutschlands an uns wenden, wenn Sie ebenfalls Interesse daran haben, ihren Geschichtsunterricht zu bereichern und den Stoff für Schüler damit interessanter und im wahrsten Sinne des Wortes "begreifbarer" zu machen. Hans-Ludwig Grabowski

  • Lexikon: Billion

    Billion ist ein Zahlwort und steht für 1 Million Millionen (eine 1 mit 12 Nullen = 1.000.000.000.000). In den USA und in Frankreich sind die Billion = 1000 Millionen, also 1 Milliarde. Beispiel für Billionen-Beträge auf Geldscheinen DEU-170: Deutsches Reich, Reichsbanknote zu 100 Billionen Mark vom 15. Februar 1924, Vorderseite. HUN-128: Ungarn, Note der Ungarischen Notenbank über 1 Million Milpengö = 1 Million Millionen Pengö vom 24. Mai 1946, Vorderseite. Geldscheine in Billionen-Werten hat es in der deutschen Inflation 1923 und der ungarischen Inflation nach dem Zweiten Weltkrieg (1946) gegeben. Das höchste deutsche Banknoten-Nominal lautete auf 100 Billionen Mark, das höchste ungarische auf 1 Milliarde B.-Pengö = 1 Milliarde Billionen Pengö = 1.000.000.000.000.000.000.000 Pengö. ZIM-91: Simbabwe, Note der Reserve Bank of Zimbabwe über 100 Trillion Dollars = 100 Billionen Dollars von 2008, Vorderseite. Zur jüngsten Inflation, die erneut Billionen-Werte hervorbrachte, kam es nach dem Kollaps der einheimischen Währung bei einer Inflationsrate von 100.000 % im Jahr 2008 im südafrikanischen Simbabwe. Der höchste Nennwert war 100 Billionen Dollars. Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski

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