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Wanderndes Klischee beim "Tirolerschein" II

Aktualisiert: 9. Juni 2021

Der vielbeschäftigte Liechtensteiner Grafiker Josef Seger (1908 – 1998) entwarf eine Reihe von bekannten Briefmarken und Banknoten, darunter auch den sog. „Tirolerschein“ mit seiner wechselvollen Geschichte. Die Österreicherin mit Edelweiß und die Rückseite mit dem Gosausee des nicht verausgabten 100-Schilling-Scheins von 1936 tauchen auf der erst 1945 zur Ausgabe gekommenen 20-Reichsmark-Banknote vom 16. Juni 1939 auf. Das Kriegsende sollte nicht das Ende der Banknote werden und auch nicht die Währungsreform 1948.


Bild 1 a/b (SBZ-7): Kuponausgabe des "Tirolerscheins" von 1948, Vorder- und Rückseite.


Als Reaktion auf die in einem Überraschungscoup in der "Trizone" (Us-amerikanische, britische und französische Besatzungszone) durchgeführte westliche Währungsreform wurden in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die vorhandenen Reichsbanknoten auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit schon vorbereiteten Spezialkoupons beklebt und so gelangte der "Tirolerschein" als Kuponausgabe vom 24. Juni bis zum 26. Juli 1948 noch einmal für vier Wochen in den Zahlungsverkehr.


Doch vergleichen wir einmal die Rückseite des österreichischen von 1936 mit dem deutschen Schein von 1939.


Bild 2a/b (AUT-101, KK-191, Ri-238): 100 Schilling von 1936 (nicht ausgegeben), Vorder- und Rückseite.


Sofort fällt auf, dass mutmaßlich aus ideologischen Gründen bei der Schaffung einer seit dem 15. Mai 1938 gemeinsamen Währung auf der Rückseite zwei männliche Alpenbewohner mit ihren Arbeitsgerätschaften und traditionell behütet beigefügt wurden. Um zusätzlich den üblichen freien Rand bei Reichsbanknoten zu schaffen, wurde das Dachstein-Panorama links und rechts beschnitten. Zudem fiel dadurch auch die Künstlersignatur "Seger" links in der unteren Ecke weg.


Bild 3a/b (AUT-124, KK-232, Ri-277): 100 Schilling vom 2.1.1947, Vorder- und Rückseite


Der II. Weltkrieg ist vorbei, in Österreich gibt es wieder den Schilling und auch Banknoten über Hundert Schilling – und die Rückseite von 1936 ist in Originalgröße 1947 wieder dabei, nur die Signatur Segers fehlt weiterhin, obwohl er die Vorderseite für die Zweite Republik neu gestaltete (geändertes Frauen-Porträt ohne Edelweiß).

Der Schein mit der Frau im Trachtenkleid wurde am 28. Januar 1948 ausgegeben und war bis 1954 im Umlauf.


Josef Seger selbst war 1945 bis 1948 in Liechtenstein ansässig, wo er durch seinen Vater, einen fürstlich-liechtensteinischen Forstdirektor Heimatrecht hatte und u.a. viele Briefmarken entwarf.


Bild 4a/b (Mi-Li 282, Mi-Li 310): Briefmarken zu 40 Rappen von 1949 und mit Überdruck zu 1,20 Franken von 1952


Doch auch von diesen hatte eine Marke ein zweites Schicksal. Die von ihm entworfene

40-Rappen-Marke mit der Pfarrkirche Bendern vom 15. November 1949 wurde als Provisorium am 25. September 1952 auf 1,20 Franken überdruckt nochmals ausgegeben.


Christian Merker


Abb. Battenberg-Gietl Verlag (Briefmarken: colnect.com)

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