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- Leserpost: Unbekannter Probedruck zu 10.000 Mark
Sehr geehrter Herr Grabowski, als Sammler deutscher Banknoten und langjähriger Käufer von Literatur des Battenberg Gietl Verlags möchte ich anregen, einen Entwurf zu einer Banknote zu 10.000 Mark in die nächste Auflage Ihres Katalogs „Die deutschen Banknoten ab 1871“ aufzunehmen, der bisher dort nicht aufgeführt ist (analog zu den neu aufgenommenen Entwürfen der BDL von Alfred Goldammer). Abb. aus Dieter Hoffmann: "Das Notenbuch" – Katalog der deutschen Banknoten ab 1874 Dieser Entwurf ist in dem Katalog „Das Notenbuch“ – Katalog der deutschen Banknoten ab 1874 von Dieter Hoffmann (1979) im Kapitel „Muster-Noten, Probedrucke, Druckproben, Specimen, nicht zur Ausgabe gelangte Originale“ auf Seite 9 aufgeführt und dort beschrieben als „nicht verausgabter Entwurf eines 10.000 Mark-Scheines von 1922“. Der Entwurf wurde in der 49. Auktion des Auktionshauses Christoph Gärtner (Los-Nr. 934) angeboten, dort beschrieben als „Nicht verausgabter Rückseitenentwurf einer 10.000-Mark-Note, vermutlich 1920er Jahre der Reichsbank, nicht im Katalog erwähnt, Offset Druck auf Wasserzeichen-Papier (…)“. Abb. einseitiger Probedruck der Rückseite über 10.000 Mark von 1922/1923 Ich habe diesen Entwurf im Nachverkauf der Auktion erworben, nachdem ich ihn im Katalog von Hoffmann entdeckt hatte. Die Scans des Entwurfs vom Auktionshaus (von beiden Seiten) in guter Auflösung habe ich Ihnen ebenfalls an diese Email als JPG-Dateien angehängt. Können Sie mir evtl. Näheres zu diesem Entwurf, wie z.B. Herkunft, Seltenheit / Vorkommen etc. sagen? Besten Dank vorab! Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen. A. Klein Antwort der Redaktion Vielen Dank für die Information. Es handelt sich um den Probedruck der Rückseite, genauer gesagt des Überdrucks der Rückseite, auf einem nicht identifizierten Wasserzeichenpapier, das so nicht für Reichsbanknoten bei der Reichsdruckerei verwendet wurde. Es ist auch nicht im Standardwerk „Deutsche Wertpapierwasserzeichen“ von Keller/Lehrke aufgeführt, in dem alle Wasserzeichen des deutschen Notgelds von 1914 bis 1948 katalogisiert sind. Es erinnert mit dem „P“ zwar an sog. Päßler-Haken, ist aber doch anders ausgeführt. Die Großdruckerei Johannes Päßler hatte ihren Sitz in Dresden und stellte in der Inflationszeit Notgeld her. Die Auktionsbeschreibung bleibt deshalb auch sehr vage bei einer Vermutung, weil es sich trotzdem auch um den Probedruck einer Pivatdruckerei für eine Notausgabe handeln könnte, obwohl die dann schon sehr aufwendig gewesen wäre. Von der Gestaltung mit aufwendigen Guillochen her, ist der Entwurf an Ausgaben der Kaiserzeit angelehnt. Vom Nominal her käme das Frühjahr 1923 in Frage, aber im Zusammenhang mit der Vermutung eines Probedrucks für eine Reichsbanknote würde Hoffmann mit 1922 wohl besser liegen. Da man den Probedruck aber nicht eindeutig einem Entwurf zu einer Reichsbanknote zuordnen kann und wegen des völlig untypischen Wasserzeichens, würde ich von einer Aufnahme im Katalog absehen. Wahrscheinlich lag Hoffmann auch nur eine Kopie vor und so blieb ihm ohne das Wasserzeichen auch nur die Annahme eines Probedrucks für eine Reichsbanknote. Möglich wäre es natürlich trotzdem, wenn auch eher unwahrscheinlich. Sollte ich doch noch mehr in Erfahrung bringen können, melde ich mich wieder. Vielleicht kann ja ein Leser mit weiteren Informationen zur Lösung des Rätsels beitragen. Hans-Ludwig Grabowski
- Die „Schein“-Banknote der Wiener Großausstellung „1918“
Hin und wieder wird bei ebay ein Schein angeboten, dessen Vorderseite auf den ersten Blick dem der Reichsbanknote zu 500 Milliarden Mark vom 26. 0ktober 1923 (DEU-152) ähnelt. Während das Original 137 x 65 mm groß ist, hat dieser Schein die Maße 145 x 84 mm. Die Farbe des echten Scheins ist links hellviolett und der Text hellbraun, während die Vorderseite der Imitation einen Unterdruck in Hellgrün erhielt. Einzelne Buchstaben im Text, wie z.B. R, V …, weichen deutlich von der ursprünglichen Note ab. Was es mit dieser Imitation auf sich hat, vermittelt der umfangreiche Text auf der Rückseite: „Fünfhundert Milliarden Reichsmark = 500.000 Millionen / = 500.000.000.000 RM Dafür erhielt man 1 kg Brot während der Inflation, die durch die hemmungslose jüdische Spekulation / hervorgerufen wurde. Der Verlust aller Ersparnisse, Arbeitslosigkeit, Hunger und entsetzliche Not waren / die weiteren Folgen des „gerechten“ Friedens der Freiheit und Unabhängigkeit, die uns unsere englischen / und amerikanischen „Freunde“ versprochen hatten. Am 16. Juli 1919 hat die Nationalversammlung der deutschösterreichischen Republik zu dem Friedens-/diktat einstimmig folgende Entschließung angenommen: / Das, was dem Volk Deutsch-Österreichs in diesem Frieden gegeben wird, ist kein Frieden der Ver-/söhnung, es ist ein Vernichtungsfriede. Dieser Friede bedeutet für uns nicht Erlösung aus den Qualen / des Krieges, er bedeutet für uns ihre Verlängerung, er bedeutet Hunger, Not, Elend und Verderben.' Die Großausstellung 1918 / zeigt in Originaldarstellungen Ursachen und Folgen des Zusammenbruchs von 1918. Sie beweist auch über-/zeugend, daß sich in diesem Krieg die Ereignisse des Jahres 1918 nicht wiederholen werden. / Wir werden diesen Kampf fortsetzen bis zum Sieg! / Jeder Wiener, jede Wienerin muß die Ausstellung 1918 gesehen haben. 18. Dezember 1943 – 29. Februar 1944 im Messepalast, Wien VII. Täglich (auch Sonntag) von 9 bis 19 Uhr. // Eintrittspreis: An der Tageskasse 50 Rpf. – Vorverkaufskarten zum ermäßigten Preis von 40 Rpf. erhält-/lich bei allen Ortsgruppen, Dienststellen und Amtswaltern der NSDAP, der DAF., der NSV., der NS-Frauenschaft, in / der NS.-Gemeinschaft 'KdF.', sowie bei zahlreichen Organisationen und Verbänden.“ Abb. 1: Propagandaschein zur Großausstellung vom 19.12.1943 – 29.2.1944 im Messepalast in Wien im Stil der Reichsbanknote zu 500 Mrd. Mark vom 26. Oktober 1923, Vorder- und Rückseite. Abb. 2: Reichsbank, 26. Oktober 1923, 500 Mrd. Mark, Vorderseite. Rückseite unbedruckt. Mit diesem Schein wurde also für den Besuch einer Großausstellung zum Thema "1918" geworben. Schaut man sich den Rückseitentext und den folgenden Zeitungsbericht der Leipziger neuesten Nachrichten vom 28. Dezember 1943 genauer an, wird schnell deutlich: Die Bevölkerung soll mithilfe der Ausstellung in ihrer Überzeugung gestärkt werden, dass der derzeitige Krieg notwendig und unbedingt siegreich beendet werden musste. Die Ausstellung knüpft an die selbst erfahrene Not der Besucher im Ersten Weltkrieg und der Inflationszeit an. Die Schuldigen für die damalige Misere sind schnell ausgemacht: Die hinterhältigen Alliierten, das Weltjudentum und die Bolschewisten, gegen die man jetzt gezwungen war Krieg zu führen. Auch die unfähigen Regierungen der Weimarer Zeit werden für den Niedergang Deutschlands verantwortlich gemacht. Es wird suggeriert, dass Hitler und der Nationalsozialismus Deutschland zum Glück wieder zu alter Größe geführt habe – so die propagandistische Botschaft dieser Ausstellung. Diesmal sollte der Sieg nicht wieder durch Zauderer, Pazifisten und Kriegsmüdigkeit verspielt werden. Unter dieser Prämisse ist die Überschrift „Ein 1943 ist kein 1918“ des Berichtes der Leipziger neuesten Nachrichten zu verstehen: „[…] Die Eröffnung am Sonnabend wurde durch einen Festakt im Deutschen Volkstheater eingeleitet. Darauf strömten Tausende durch die Ausstellungsräume des Messepalastes. Reiches Bildmaterial und aufschlußreiche Dokumente im Ausgangsraum der Ausstellung beleuchten die militärische und politische Lage der Mittelmächte im Jahr 1918, den Heldenkampf unserer Heere und die innere Zersetzung. Ein Werbematerial der vielfältigsten Art setzten die Feinde gegen uns in Bewegung. Generalstreik, Sabotage, Pazifismus und andere hinterhältige Mittel und Schlagworte wurden angewendet, um Deutschland, das militärisch nicht zu schlagen war, von innen heraus sturmreif zu machen. Ein Bild stellt den zielbewußten Lloyd George dar, wie er mit erhobenem Zeigefinger seinen Landsleuten die Lehre zu vermitteln scheint: Die Deutschen sind nur durch Deutsche zu besiegen. Dann macht uns die Ausstellung mit den berüchtigten 14 Punkten des amerikanischen Präsidenten bekannt. Der nächste Saal trägt die Ueberschrift: Die Feinde haben ihr Ziel erreicht. In Bildern, Maueranschlägen und Zeitungen feiert die furchtbare Elendszeit von 1918 ihre Auferstehung. Aber auch schon die Zeitungen des Jahres 1917, die in Originalen ausliegen, berichten, daß die Lebensmittelfrage brennend geworden war. Die jeder Menschlichkeit hohnsprechende Blockade und die unzureichende Vorbereitung der eigenen Führung hatten Mangelerscheinungen im Gefolge, aus denen wir erst ermessen können, welchen Wert die gerechte Verteilung aller Güter bedeutet, wie sie in diesem Krieg schon am ersten Tag einsetzte. Aber erst nach dem sogenannten Friedensschluß erfuhr das deutsche Volk, das den Feinden ins Garn gegangen war, welche Dummheit es damit begangen hatte. Hunger, Elend und nackte Armut, begleitet von roten Revolten, die von Juden und Judenfreunden angezettelt waren, das war das Gesicht des Zusammenbruches, der das deutsche Volk für immer erledigen sollte. Aber nur sollte. Denn die letzten Säle der Ausstellung zeigen, wie das deutsche Volk, geführt von Adolf Hitler, wieder den Weg aufwärts fand. Als Losung nehmen wir nach dem Besuch der Ausstellung den Satz mit, der auf der Abschlußwand angebracht ist: Wir müssen, wir wollen, wir werden siegen!“ Uwe Bronnert
- Lexikon: Ausgabestelle
Deutsche Reichsbank: 20 Mark vom 19. Februar 1914. Ausgabestelle ist das Reichsbankdirektorium in Berlin. Einlösestelle ist die Reichsbankhauptkasse in Berlin. Die Ausgabestelle (der Emittent) ist bei Banknoten die ausgebende Bank. Auf modernen Banknoten dominiert meist der Ländername, die Ausgabestelle ist oft nur im kleingedruckten Text zu finden. Die Nennung der Ausgabestelle genügt nicht immer, um das Ausgabeland zu erkennen, vor allem wenn es sich um allgemein gehaltene Banknamen wie etwa Handels., Kredit-, Landwirtschafts-, National- oder Reserve-Bank usw. oder nach Personen bezeichnete Bankinstitute handelt. Hier hilft zur Bestimmung des Scheins die Sprache, in der der Text gehalten ist, die Währungsbezeichnung oder besser noch eine Ortsangabe. Staatspapiergeld der Republik der Vereinigten Staaten von Brasilien über 1 Cruzeiro ohne Datum (1954), Vorderseite mit Unterschrift des Direktors der Abschreibungs-Kasse links und des Finanzministers rechts. Staatsscheine tragen fast immer den Namen des Landes. Die Ausgabestelle ist dann meist ein Schatzamt, die Staatskasse, eine Schuldentilgungskasse oder -komission, ein Finanz- oder Wirtschaftsministerium oder eine speziell mit der Ausgabe des Staatspapiergelds beauftragte Stelle (bei vielen britischen Kolonialausgaben der "Currency Board"). Es gibt aber auch Staatsscheine, die weder eine Landesbezeichnung noch eine Ausgabestelle nennen, z.B. die preußischen Tresorscheine von 1806. Die von 1809 haben wenigstens eine Einlösungsstelle aufgedruckt. Kassenschein der niederösterreichischen Stadt Amstetten über 50 Heller ohne Datum, gültig bis 31. Dezember 1920. Ausgabestelle ist die Stadtgemeinde (Unterschriften von Vize-Bürgermeister, Bürgermeister und Finanzreferent). Aufgrund der Bezeichnung "Kassenschein" ist die Einlösestelle die Stadtkasse. Bei den Notgeldausgaben ist es mitunter schwierig, die Ausgabestelle herauszufinden. Oft ist es eine Regional- oder Kommunalverwaltung, eine Verwaltungskammer, Sparkasse oder bei privatem Notgeld auch Firmen und sogar Vereine. Als Notgeld genutzter Verrechnungsschek über 10 Millionen Mark vom 30. August 1923. Ausgabestelle ist die Commerz- und Privatbank AG, Filiale Dessau (rechts unten), Bezogene ist die Anhalt-Dessauische Landesbank in Dessau. Schwierig wird es vor allem bei Scheckausgaben des deutschen Notgelds von 1923. Hier wird oft die Ausgabestelle mit dem Bezogenen verwechselt. Die Ausgabestelle erscheint bei den Scheckausgaben klein unten rechts (vereinzelt unten in der Mitte), während der oben groß gedruckte Bankname der des Bezogenen ist, der den Scheck auszuzahlen hat. Es gibt häufig von der Bank für viele Kunden hergestellte Scheck-Formulare, die die Aussteller lediglich mit ihrem Firmenstempel und der Unterschrift (vereinzelt auch nur mit Unterschrift) versahen. Auch in diesem Fall war der Bankkunde und nicht die Bank die Ausgabestelle. Die Ausgabestelle ist mit der Einlösungsstelle identisch, wenn es nicht anders auf dem Schein vermerkt ist. Note der Bank of China, Filiale Tientsin vom Oktober 1934 über 10 Yuan. Um den Abzug aus bestimmten Gebieten und die Konzentration auf andere Gebiete innerhalb eines Landes zu verhindern, wurden auch durch verschiedene Ortsangaben die Zirkulationsbereiche von Scheinen begrenzt. so hatten z.B. die indischen Scheine bis zum Zweiten Weltkrieg variierende Ortsangaben, die die Ausgabe- und Einlösungsstellen lokalisierten und chinesische Banknoten wurden auch mit dem Vermerk von Zweigstellen (Filialen oder auch Branches) ausgegeben. Note der Bank der Zentralafrikanischen Staaten über 500 Francs ohne Datum (1994) mit Länderkennbuchstaben L für Gabun. Zu einer Währungsunion vereinigte Staaten haben einheitliches Papiergeld, das anstelle eines ausgebenden Landes meist eine Länderkennung durch einen Buchstaben besitzt. Albert Pick (Überarbeitung: Hans-Ludwig Grabowski) Abb. : Hans-Ludwig Grabowski #Lexikon #Banknoten #Europa #Deutschland #Mark #Pick #Grabowski
- Leserpost: ANA Collector Currency
Ich habe im Newsletter 28/2020 den Artikel über die ANA Currency gelesen. Darin sind 1-, 2- und 5-"Dollars"-Scheine erwähnt. Beim 2-Dollar-Schein ist hinten ein Fragezeichen. Ich sende Ihnen daher einen Scan meines 2-"Dollar"-Scheins als Beleg. Sie dürfen diese Scans gerne abbilden, auch mit Quellenangabe. Christof Zellweger, Schweiz #Ersatzgeld #Amerika #USA #Dollar #Zellweger
- Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 10
Fortsetzungsreihe, Teil 26 Druckverfahren und Sicherheitsmerkmale der Euro-Noten, Teil 3 Die EZB nennt als Druckverfahren bei der Herstellung des Untergrunddrucks der Vorderseite sowie des kompletten Rückseitendrucks pauschal den Offsetdruck. Dieser wird zwar auch angewendet, aber nur zum Aufdruck der fluoreszierenden Merkmale im Notenbild von Vorder- und Rückseite. Für die Untergrundmuster als solche kommt, wie weiland bei den ehemaligen DM-Noten, indirekter Hochdruck zur Anwendung. Die Bildmotive mit den verschiedenen Farben der Hochdruckplatten werden, wie beim Offsetdruck, zunächst an einen Sammelzylinder mit Gummituch und erst von dort auf das Papier abgegeben. Dies erfolgt im Simultandruck, also gleichzeitig für Vorder- und Rückseite, auf sogenannten Super-Simultanmaschinen. Dieses Verfahren garantiert höchste Passgenauigkeit und Bildqualität. Eine echte 100-Euro-Banknote. Die Plattennummer P001G1 versteckt sich am Beginn des Minischrift-Textes links des Barock-Torbogens und lässt erkennen, dass dieser „deutsche“ Schein von der Druckerei Giesecke & Devrient hergestellt wurde (Kennbuchstabe P = G&D, R = Bundesdruckerei). Der beim Kippen der Noten zu 5, 10 und 20 Euro goldfarben glänzende Perlglanzstreifen der Rückseite wird ebenso im Siebdruck aufgebracht wie die OVI-Wertzahl der Stückelungen ab 50 Euro. Der Streifen wird auch Iriodinstreifen genannt und war in ähnlicher Form bereits bei den Noten zu 50, 100 und 200 DM der Ausgabe BBk IIIA vorhanden. Iriodin® ist das Warenzeichen der Firma Merck für Perlglanz-Pigmente, die auf Basis des natürlichen Minerals Glimmer mit einer dünnen Schicht aus Metalloxiden, zum Beispiel Titandioxid oder Eisenoxid, umhüllt werden. Durch ein Zusammenspiel von Transparenz, Brechzahl, Beschichtung und Mehrfachreflexion entfalten sie vielfältige Farbeffekte, wie sie sonst nur in der Natur vorkommen. Beim Siebdruck wird die Farbe durch ein haarfeines Sieb gedrückt, wobei die nichtdruckenden Teile des Siebes farbundurchlässig sind. Der mittels dieses Verfahrens unter hohem Farbauftrag hergestellte Farbumschlag ist ein erstklassiges Sicherungsmittel. Die Wertzahl im Weißfeld der Rückseite der großen Stückelungen verändert dabei die Farbe von Magenta (Purpur) nach Grün bzw. Braun, je nach Lichteinfall. Bislang ist es noch keinem Fälscher gelungen, das OVI der Noten ab 50 Euro absolut originalgetreu zu imitieren. Auch hier müssen aus Kostengründen die kleineren Wertstufen auf diese Optically Variable Ink verzichten. Und last but not least werden die Notennummern im direkten Hochdruck, also im Buchdruck, zweimal auf die Rückseite jeder Euro-Banknote aufgebracht, wobei die Nummer rechts oben in Schwarz erscheint und sich diejenige unten links der jeweiligen Wertfarbe anpasst. Beide Nummern werden mit leicht magnetisierter UV-Farbe gedruckt und dienen daher ebenfalls als Echtheitserkennungsmerkmal. Die Herstellung der Euro-Noten erfolgt im Bogendruck, das heißt, es werden einzelne Papierbogen bedruckt. Die Druckereien in Frankreich verwendeten für die Herstellung der ehemaligen Francs-Noten wie auch für die Noten der Erstauflagen des Euro den Rollendruck. Hier wird, ähnlich wie bei der Herstellung einer Tageszeitung, von einer endlosen Papierrolle gedruckt, die erforderlichen unterschiedlichen Druckverfahren werden daher in einem einzigen Maschinendurchlauf ausgeführt. Da diese Technik aber sehr komplex ist und relativ viel Ausschuss produziert hat, zudem die Qualität des Druckergebnisses nicht immer befriedigen konnte, haben auch die Franzosen zwischenzeitlich auf den Bogendruck umgestellt. Das Papier der Euro-Scheine besteht aus reiner Baumwolle mit sehr kurzer Faserlänge und wird auf sogenannten Rundsiebmaschinen hergestellt. Die Baumwolle wird zunächst mittels Natronlauge und Wasserstoffperoxid gebleicht. Damit die kurzen Baumwollfasern zur Herstellung des Notenpapiers verwendet werden können, werden diese noch weiter gekürzt. Damit geht zwar eine Verbesserung der Qualität der Wasserzeichen einher, hat jedoch den Nachteil, dass sich die Reißfestigkeit („Reißlänge“) des Papiers geringfügig verschlechtert. Herstellungsbedingt ist auch die unterschiedliche Glätte der beiden Seiten des Papiers. Auf die glattere sogenannte Filzseite wird die Banknoten-Vorderseite, auf die etwas rauere Siebseite die Rückseite gedruckt. Zum Schluss erhält das Papier eine Oberflächenleimung. In Deutschland erfolgt die Herstellung durch die Papierfabrik Louisenthal in Gmund am Tegernsee, eine 1964 gegründete Tochtergesellschaft der Druckerei Giesecke & Devrient. Sie hatte ab 1967 auch das Papier für die DM-Noten geliefert. Das Flächengewicht des Euronoten-Papiers beträgt 87 g/m² mit einer Toleranz von +/- 4 g/m². Es enthält über die gesamte Fläche verstreut etwa 3 mm lange fluoreszierende Melierfasern in den Farben Rot, Grün und Blau. Das Papier selbst fluoresziert nicht, es bleibt unter UV-Licht dunkelviolett. Es ist der jeweiligen Notenfarbe entsprechend leicht getönt, wobei die Intensität der Tönung so gewählt ist, dass sie von Scannern nicht erkannt wird und Farbkopien somit erschwert werden. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Kambodscha: Corona-Panikmache mit Banknoten
Die Nationalbank von Kambodscha rief am 20. April 2021 die Bürger dazu auf, vom Gebrauch von Banknoten und Schecks abzusehen und nach Möglichkeit auf elektronische Zahlungsmittel zurückzugreifen, um die steigenden COVID-Infektionen aufzuhalten. Auch werde die Bank umlaufende Noten regelmäßig desinfizieren. Wie jedoch bereits im vergangenen Jahr von verschiedenen Seiten – wie beispielsweise der Bundesbank oder dem Virologen Christian Drosten – aufgeklärt wurde, gilt ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Geldscheine als ausgeschlossen. 20.000 Riels der Nationalbank von Kambodscha (2017). mit Corona-Virus Kana Totsuka Abb. Hartmut Fraunhoffer (www.banknoten.de), bearbeitet von Hans-L. Grabowski
- Lexikon: Briefmarken und Geldscheine
Das Sammeln von Geldscheinen mit Abbildungen von Briefmarken und umgekehrt ist ein Teilgebiet der Numisphilatelie, das Objekte umfasst, die kombinierte Beziehungen zur Numismatik und zur Philatelie haben. Die Verbindung von Briefmarke und Geldschein ist vor allem durch das sog. "Briefmarkengeld" hergestellt. Bei diesem sind Briefmarken auf Geldscheinen abgebildet, oder aber es handelt sich um Briefmarken, die beruhend auf ihrem Nennwert direkt wie Geld zirkuliert sind. Beispiele von Geldscheinen mit Abbildungen von Briefmarken: Auenbüll, Gemeinde: 50 Pfennig, Serienschein ohne Datum (1920) mit Briefmarke zur Volksabstimmung in Schlewsig auf der Vorderseite. Braunschweig, Briefmarkenhandlung Karl Pfankuch: 30 Pfennig, Serienschein vom 20. Juni 1920 mit Abbildung eine 3-Pfennig-Marke der Reichspost. Frankfurt am Main, Briefmarkenhandlung E. Menke: Serienschein über 50 Pfennig ohne Datum, Vorderseite mit bayerischer 3-Kreuzer-Marke. Holnis, Gemeinde: Serienschei über 1 Mark vom 14. März 1920, Vorderseite mit Briefmarke zur Volksabstimmung in Schleswig. Lübeck, 1. Nordischer Briefmarkensammler und Händlertag: Serienschein zu 50 Pfennig vom 5. bis 7. September 1921, Rückseite mit Briefmarken zu 50 Pfennig. Auch auf Briefmarken abgebildete Geldscheine wurden in verschiedenen Fällen bekannt. Wir zeigen einige Beispiele. Beispiele von Briefmarken mit Abbildungen von Geldscheinen: Dominikanische Republik: Briefmarke zu Correos von 1972 mit Darstellung einer zeitgenössischen 1-Peso-Note. Griechenland: Briefmarke zu 6 Drachmen von 1966 mit Darstellung einer historischen 25-Drachmen-Note von 1867. Italien: Briefmarke zu 25 Lire von 1956 (80 Jahre Postbank) mit Darstellung von kursierenden Geldscheinen. Kuba: Briefmarke zu 13 Centavos von 1975 mit Darstellung einer 1-Peso-Note. Philippinen: Briefmarke zu 100 Piso von 2016 mit Ausschnitt einer Banknote. Ungarn: Briefmarke über 2 Forint von 1958 mit zeitgenössischen Geldscheinen. Ungarn: Briefmarke zu 1 Forint von 1975 mit zeitgenössischen Münzen und einer Banknote. Ungarn: Briefmarke zu 1 Forint von 1975 mit zeitgenössischen Banknoten. Zahlreich sind auch die Motive auf Briefmarken, die anlässlich von Notenbankjubiläen ausgegeben wurden (Bankgebäude, Gedenkmünzen, Personen, Siegel u.a.). Auch durch die reine Motivgleichheit auf Briefmarken, Geldscheinen und Münzen lassen sich Verbindungen herstellen. Beispiel: Bildnis einer jungen Venezianerin (Dürer) auf der Bundesbanknote zu 5 DM der "Gemäldeserie" und auf deutschen Briefmarken von 1939, Österreichs von 1971 und Ecuadors von 1967. Als Numisphilatelie wird auch das gleichzeitige Sammeln von Münzen und Briefmarken ausgewählter Länder bezeichnet. Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski
- Leserpost: Anmerkungen zur 22. Auflage des Werkes "Die deutschen Banknoten ab 1871"
Sehr geehrte Damen und Herren, werter Herr Grabowski, seit über 15 Jahren bin ich begeisterter Sammler deutscher Banknoten. Speziell derer der Deutschen Bundesbank aus der sogenannten Gemäldeserie, oder anders ausgedrückt, der Ausgaben der BBk I und IA. Ich habe mich über viele Jahre hinweg immer und immer wieder mit diesem Sammelgebiet beschäftigt, dabei auch reichlich Literatur zu Rate gezogen und daneben auch anderweitig Recherche betrieben. Nicht zuletzt besitze ich selbst eine Vielzahl von Varianten dieser Emissionen in meiner Sammlung. Seit der 14. Auflage des Kataloges "Die deutschen Banknoten ab 1871", damals noch von Holger Rosenberg herausgegeben, begleitet und unterstützt mich dieses Standardwerk bei meinem Hobby. Dafür an dieser Stelle erst einmal ein großes Dankeschön! Vieles hat sich seither an diesem oftmals noch immer als Rosenberg-Katalog betitelten Werk verändert. Mit nahezu jeder Folgeauflage gab es interessante Ergänzungen sowie auch Erweiterungen, die nicht immer nur das eigene Sammelgebiet betrafen, aber darüber hinaus stets begeistert in Gänze studiert wurden. Seit je her bin auch ich ein treuer Begleiter dieser Entwicklungen und sobald die neue Auflage zu haben ist, dauert es nicht lange, bis sie in meinem Bücherregal zu finden ist. So ging es auch dieses mal mit der 22. Auflage einher. Sehr gut gefällt mir daran der Einband als Hardcover! Das sollte bitte so beibehalten werden. Der Katalog liegt dadurch besser in den Händen und es unterstreicht außerdem die Würde seiner Bedeutung als Standardwerk des Sammlers deutscher Banknoten. Worüber ich mich allerdings noch mehr freuen würde, wäre mal wieder die Abbildung einer DM-Banknote auf dem Titel. Am liebsten eines 50-DM-Scheines der Gemäldeserie. Dazu stehe ich selbst gern als Quelle für das Bildmaterial zur Verfügung, da ich zu diesem Nominal jede Variante, außer der Muster, besitze. Diese oben stehenden Anmerkungen allein sind aber nicht der Grund, weswegen ich mich an Sie wende. Vielmehr möchte ich Ihnen im Folgenden einige Anmerkungen zum Sammelgebiet der Deutschen Bundesbank, Serien BBk I und IA geben, da mir hier doch einige Ungereimtheiten in der 22. Auflage aufgefallen sind. Damit Sie leichter zuordnen können, verwende ich die im Katalog genutzte Nummerierung. 1. ) BRD-6 - 5 DM 1960: Unter e) müssen die Preise nach rechts formatiert werden. Das ist kein inhaltlicher Fehler und kann schnell angepasst werden. 2.) BRD-9 - 50 DM 1960: Unter d) die Serie Y/B zuzuordnen, halte ich für äußerst fragwürdig. Sicherlich passt es von den Eigenschaften bezüglich der UV-Aktivität bei den bekanntgewordenen Stücken, aber rechnerisch gehört der Nummernkreis eher zu Standardnoten des Druckauftrages, die ebenfalls keine merkliche Nummernfluoreszenz aufweisen, obwohl sie das tun müssten. Daher wird sicherlich die Druckfarbe der Kontrollnummern zu mager oder gar nicht mit UV-aktiven Zusätzen ausgestattet gewesen sein. Das ist hier eher als Grund anzunehmen, was auch keine Seltenheit darstellt, da die KN der 60er Noten sehr unterschiedlich stark oder schwach, teilweise gefühlt gar nicht, fluoreszieren. Eine neue Variante halte ich für höchst unwahrscheinlich. In der Katalogisierung geht es nicht um rechnerische Nummernkreise, sondern um vorliegende Varianten. Fest steht, dass es Austauschnoten mit Y/B ohne UV-aktive KN gibt, weshalb sie an dieser Stelle auch im Katalog aufgeführt werden. Als Sammler und Katalogautor wird man immer das Problem haben, Varianten gegeneinander abgrenzen zu müssen. Oft sind genau diese Grenzen aber auch fließend. Das trifft ganz besonders bei Farbvarianten zu, aber auch bei UV-Aktivität. Letzteres kennen auch Briefmarkensammler nur zu gut. Da solche Stücke eindeutig belegbar sind, gehören sie auch in den Katalog. Man kann nicht in einem Katalog schreiben, dass die Kontrollnummern eigentlich UV-aktiv sein sollten, aber nicht sind, trotzdem aber als UV-aktiv angesehen werden sollten, weil nur so wegen des Nummernkreises katalogisiert. Das versteht dann zu Recht keiner mehr. Katalogisiert wird, was unterscheidet. Mann kann evtl. eine Anmerkung aufnehmen, die allerdings auch viele Sammler verwirren wird. Wir haben so etwas schon bei den schwarzen Unterdruckbuchstaben und braunen KN von Reichsbanknoten gehabt. Hier gibt es auch eine Bandbreite von Hellgrau über Grau und Schwarzgrau bis Schwarz bzw. von Rot über Rotbraun bis Braunrot. 3.) BRD-14 - 10 DM 1970: Unter c) sollten die Angaben zur Auflagenhöhe der Austauschnoten nicht mehr aufgeführt werden. Und zwar solange, bis geklärt ist, wie hoch diese tatsächlich waren. Danach spricht nichts dagegen, die korrekten Angaben aufzunehmen. Gesichert, so man denn dieses Wort nutzen möchte, ist das momentan allerdings nur bei der Ausgabe 1960. Der Rest ist zu spekulativ und lässt sich auch nicht permanent nachhalten, wenn ein höherer Wert der Kontrollnummer gesichtet wurde. So wie auch unter d). Die dortige Angabe ist falsch, es sind höhere Varianten belegt worden. Die Kontrollnummern-Kreise sind eben aufgeführt, damit man belegbar höhere Nummern melden kann. Nur allein zu sagen, dass man sie doch besser weglassen solle, weil es höhere Nummern gibt, reicht nicht aus. So entsteht keine Weiterentwicklung des jeweiligen Wissensstandes, der mit einem Katalog publiziert wird. Wie bei den Serienbuchstaben der DDR, zu denen es keine vollständigen Übersichten gibt, die die Staatsbank hätte hinterlassen können, so müssen wir uns auch hier Meldung für Meldung an einen vollkommeneren Wissensstand herantasten. Das ist im Interesse aller Sammler. Wenn Sie Scheine mit höheren KN belegen können, dann senden Sie mir bitte Kopien. Ich werden die Angaben im Katalog dann korrigieren. 4.) BRD-21 - 50 DM 1977: Unter a) die Anmerkung zur Serie KG/U ist überholt. Es gibt auf jeden Fall Exemplare bis KG 9084353 U von 1977. Das belegt auch das angehangene Bild des Exemplares aus meiner Sammlung. Bitte anpassen. Vielen Dank für die Abbildung. Das ist ein klarer Beleg, also kann ich die Angabe im Katalog auch ändern. Der alte Nummernkreis wurde angegeben mit bis mindestens KG 8790982 U, mit dem Bildnachweis wird diese Angabe nun also bis mindestens KG 9084353 U lauten. 5.) BRD-24 - 1000 DM 1977: Unter b) die Angabe bei Z/B ist falsch. Am besten die Auflagenhöhe weglassen, bis wirklich gesicherte Daten vorliegen. Serie Z/B ist definitiv weitaus höher belegt. Fakt ist aber auch, dass eine Austauschnotenauflage mit einer Null innerhalb der laufenden Nummerierung der Serie endet und damit abschließt, was die Angabe bei Z/A betrifft. Eine 7 ist unwahrscheinlich. Auch hier gilt das bereits zuvor Gesagte. Es zählen nur Belege! Solange die nicht vorliegen bleibt es bei der Angabe im Katalog, die natürlich auch auf einschlägigen Recherchen und nicht auf Vermutungen basiert. Ist ein anderer Nummernkreis nachweisbar, ändere ich die Angabe natürlich gern ab. 6.) BRD-27 - 50 DM 1980 ohne c: Die Serie KG/U sollte unter a) einzeln bewertet werden. Es können auf jeden Fall, wenn nicht sogar noch weniger, nur knapp über 900.000 Stück sein, siehe auch 4.). Die Serie KG/U ist seltener, deswegen auch der Hinweis im Katalog. Eine andere Variante ist das dadurch natürlich nicht, aber ich kann den Hinweis um eine Angabe zur Bewertung ergänzen. Machen Sie einen Vorschlag! 7.) BRD-30 - 10 DM 1980 mit c: Unter a) sollte die Serie CS/P separat bewertet werden, wie man das beim 20er GR/P und 5er R/F, sowie 50er KM/Y und 100er NP von 1980 mit c ja auch vornimmt. Wir sollten aufpassen, dass wir am Ende nicht jede Serie einzeln bewerten müssen, so wie dies etwa bei den Reichsbanknoten von 1924 geschehen ist. Das ist nicht nur kompliziert für den Handel, sondern auch kaum nachvollziehbar für den normalen Sammler. Dabei ist Ihr Spezialgebiet "nur" die "Gemäldeserie". Wie viele gesonderte Bewertungen wären dann erst bei Serien der Reichsbank oder der DDR nötig? Ganz zu schweige von den vielen im Katalog garnicht aufgeführten Abweichungen der Firmendrucke innerhalb der katalogisierten Varianten aus der Inflationszeit! Auch hier gibt es natürlich Firmen, die viel und andere, die weniger gedruckt haben, somit also häufigere und seltenere Ausführungen. Hier wäre eine weitere Unterteilung deutlich sinnvoller, als eine Bewertung einzelner Serien bei Bundesbanknoten aufgrund von Auflagehöhen, aber ohne unterschiedliche Ausführung. Auch hier können Sie mir aber trotzdem gern einen Vorschlag unterbreiten, den ich mit anderen Sammlern und dem Handel abstimmen kann. Wer bis hierhin aufmerksam gelesen hat, wird leicht nachvollziehen können, warum ein Katalog ausgehend von Forderungen einzelner Spezialsammler immer umfangreicher werden kann. Trotzdem waren angeblich so viele Sammler mehr mit einem Katalog von vor zwanzig Jahren zufrieden, der nur ein Bruchteil der heutigen Informationen enthielt. Da beißt sich die Katze in den berühmten Schwanz! Ich habe als Autor natürlich auch eine Verantwortung und muss das Gesamte im Auge behalten. 8.) BRD-34 - 500 DM 1980 mit c: Die Serie V/X sollte unter a), aufgrund der sehr geringen Stückzahl, eine separate Bewertung erhalten. Siehe meine Anmerkungen zuvor! Das waren im Groben meine Anmerkungen zur BBk I/IA. Bezüglich der Austauschnoten und der Angabe ihrer Auflagenhöhe sollte lieber gewartet werden, bis die konkreten Zahlen vorliegen. Dann kann man das einheitlich und korrekt aufnehmen. Ich führe nebenher schon Buch und habe eine recht gute Aufstellung der Auflagenhöhen, unter anderem ein Ergebnis der Recherchen. Einige sind gar nicht so selten, wie vermutet, sodass in Zukunft hier sicherlich noch eine Anpassung bei dem ein oder anderen Stück eintreten wird, da die Auflagenhöhe doch teils höher als erwartet ist. Auch die Auflistung der Noten der Ausgabe 01.02.1960 könnte man anhand des Papieres (Hersteller) nochmals detailierter aufteilen und darstellen, anders als das jetzt der Fall ist, wo auscchließlich die Kriterien zur UV-Aktivität herangezogen werden. Sollten Sie daran Interesse haben, so geben Sie mir bescheid, weil das hier sonst den Rahmen entgültig sprengt. Von wem kommen die konkreten Zahlen? Auch solange diese nicht bekannt sind, sollte man zumindest den jeweiligen Wissensstand dokumentieren. Das ist meine Meinung als Autor. Autoren anderer Bücher können sich natürlich anders entscheiden, das steht ihnen frei. Abschließend möchte ich noch einige Bemerkungen zu den beiden Eratzserien BBk II 1960 und 1963, mit der Bitte um Aufnahme in den Katalog, anbringen. BRD-57 bis BRD-60 - Ersatzserie für Westdeutschland: Bitte bei den einzelnen Einträgen, Einheitlichkeit, was die Angabe der Serien angeht, wahren. Es gab zu allen vier Nominalen Standard- und Austauschnoten, angegeben ist es so momentan nur beim 10er. Auch die Standardnoten sollten serienmäßig genauer betrachtet werden. Anhand der Anzahl der gedruckten Stücke lässt sich das genau angeben und betiteln. Der erste Buchstabe bildet den Kennbuchstaben des Nominals, dann folgt die laufende Nummer und darauf der Serienbuchstabe. Es ist das gleiche Grundprinzip wie bei der BBk I hinterlegt. Es existierte nicht nur R/D für den Zehner, sondern R/A, B, C, D, E, F, G, H, J, K, L, M, N, P, Q, R, S, T, U (bis R 6480000 U); Austauschnote Z/A. Der Zwanziger reicht von S/A bis S 9980000 V (Austauschnote Y/A), der Fünfziger von T/A bis T 9040000 T (Austauschnote Z/A) und der Hunderter von U/A bis U 4580000 L (Austauschnote Y/A). Bitte verbessern und einarbeiten. Zumindest gehört bei allen 4 Nominalen die Teilung in Standard- und Austauschnoten umgesetzt. Ob zukünftig lediglich der Kennbuchstabe genannt wird oder alle gedruckten Serien, sei Ihnen überlassen. Die jetzige Angabe ist jedenfalls so nicht korrekt, da ungenau in der Bedeutung von unvollständig. Woher haben Sie Ihre Informationen? Was es gegeben haben muss, ist die eine Seite, ich kann aber nur verbindlich aufführen, was es heute noch gibt und was belegbar ist. Die vernichteten Serien kann ich höchstens in Rot und damit als nicht nachgewiesen angeben, so wie dies auch an anderer Stelle im Katalog geschehen ist. Ich würde sonst permanent Post von Sammlern erhalten, die mir auch nach langer Suche vorwerfen würden, dass es die im Katalog angegebenen Serien überhaupt nicht gibt. Ich werde mir das in Ruhe überlegen und ggf. die Variante mit den Rot gedruckten Serien in Betracht ziehen. BRD-61 bis BRD-65 - Ersatzserie für Westberlin: Hier gilt im Grunde genommen das Gleiche, wie bei der Serie für Westdeutschland. Bitte setzen Sie auch hier eine einheitliche Angabe im Katalog um. Es gab zu jedem der 5 Nominale nicht nur Standardnoten, sondern auch Austauschnoten der Serie Y/A (da alle bei der Bundesdruckerei gedruckt). Bei den Standardnoten besteht die Kontrollnummer aus einer Kennziffer, die das Nominal beschreibt (1 beim 5er, 2 beim 10er, usw.), der laufenden Nummerierung innerhalb der Serie und einem zugehörigen Serienbuchstaben am Ende. Die in der aktuellen 22. Auflage verwendeten Angaben sind falsch (BRD-61a) oder unvollständig und bitte durch folgende zu ersetzen: BRD-61 a) Standardnote, Serien 1/A, B, C BRD-62 a) Standardnote, Serien 2/A, B, C BRD-63 a) Standardnote, Serien 3/A, B, C BRD-64 a) Standardnote, Serien 4/A, B, C BRD-65 a) Standardnote, Serien 5/A, B Den Einträgen BRD-62 bis 65 möge man bitte noch das b) für die Austauschnote zukommen lassen, wie bei BRD-61 bereits vorhanden. Anmerkungen wie zuvor! Austauschnoten stehen im Katalog, wenn diese belegt sind! Bei Interesse, kann ich auch hier die genauen Auflagenhöhen der Standard- und Austauschnoten bekanntgeben. Sie beruhen auf einer sicheren Quelle der Deutschen Bundesbank und wurden durch diese in der Publikation "Vorträge zur Geldgeschichte 2010" veröffentlicht, daher sollten sie auch in die 23. Auflage einfließen und das Thema der BBk II ein Stück erweitern und real darstellen. Sie können gern einen Artikel für den Geldschein-Blog und/oder "Der Geldscheinsammler" schreiben. Ich würde meinen, dass die Auflagezahlen zu den Ersatznoten auch noch andere Sammler interessieren. Wenn die Angaben auf der Bundesbank als Quelle beruhen, besteht kaum Zweifel an ihnen. Gut, nun bin ich aber wirklich am Ende angelangt. Das waren die Themen, die mir schon länger unter den Nägeln brannten. Ich hoffe, Sie können mit meinen Anregungen arbeiten und, dass diese in die Folgeauflage einfließen werden. Ich würde mich ganz sehr über eine Rückmeldung Ihrerseits freuen! Bis dahin verbleibe ich mich mit freundlichen Grüßen aus dem schönen MV und wünsche Ihnen alles Gute! T. Stroschein Anmerkung der Redaktion Der Einfachheit halber, sind die Anmerkungen der Redaktion direkt bei den aufgeführten Punkten farbig und kursiv eingefügt worden. Das erspart ein ständiges Hin und Her beim Lesen. Alles in allem ist es wohl sinnvoller eine noch viel größere Hinwendung zu Details und abweichenden Bewertungen innerhalb gleicher Varianten Spezialkatalogen zu überlassen. Das trifft auch auf die verschiedenen Ausführungen von Firmendrucken bei Reichsbanknoten in der Inflationszeit, wie auch auf die Ausdehnung der Aufnahme von Muster-Scheinen zu. Hans-Ludwig Grabowski Literatur Hans-Ludwig Grabowski Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine 22. Auflage 2020/21 ISBN: 978-3-86646-183-3 Format: 14,8 x 21 cm, Hardcover 928 Seiten, durchgehend farbig Preis: 39,90 EUR
- Hongkong and Shanghai Banking Corporation: Und wieder ist ein Bauwerk identifiziert
Am 20. März 2015 wurde in der Shanghaier Yangming Auction ein kleiner Teil (797 Lots) der Sammlung Isamu Morimoto versteigert. Eine Note gefiel mir von der Gestaltung her besonders gut, es war eine 5-Yuan-Note der Hongkong and Shanghai Banking Corporation mit Datum 1920. Diese Note ist im SCWPM nicht aufgelistet, wohl aber eine Note völlig gleichen Motivs aber mit anderem Datum, nämlich 1907, und – natürlich – mit anderen Unterschriften. Beide Noten wurden von Waterlow Sons, London, gedruckt. Abb.1: 5 Yuan 1920 Hongkong and Shanghai Banking Corporation (Pick S-) Diese Note wurde für 40.250 Yuan Renminbi zugeschlagen, der Käufer zahlte also mit Gebühren umgerechnet etwa 5.930 €. Im oberen Teil der Vorderseite sieht man einen schön gestalteten Torbogen, im SCWPM wird er für die Note von 1907 als „city gate“ bezeichnet. Aber so sah das Tor ganz und gar nicht aus, ein Stadttor dient der Befestigung und ist weniger dekorativ gestaltet. Nach einiger Zeit des Suchens fand ich heraus: es war ein – seit langem nicht mehr existierendes – Eingangstor zu einem Tempel! Und zwar handelt es sich um den Konfuziustempel in Zhènhǎi (鎮海), Provinz Zhèjiāng. Die zugrundeliegende Abbildung stammt aus einem Buch, „China Illustrated“, 1843 herausgegeben von Rev. Wright unter Verwendung von Bildern Thomas Alloms. Eine Originalbuchseite mit diesem Motiv wurde von der US-amerikanischen Auktionsfirma Baldini im Jahr 2018 versteigert, der erzielte Preis ist mir allerdings nicht bekannt. Der Architekt und Maler Thomas Allom, der von 1804 bis 1872 lebte, war selbst wohl nie in China, er verwendete für seine Abbildungen Vorlagen, die Reisende aus China mit nach Europa gebracht hatten. Abb.2: Thomas Allom Die hier in Rede stehende Abbildung trägt die Unterschrift „First Entrance Gate to the Temple of Confucius, Ching-hai", es handelt sich also, wie oben gesagt, um das äußere Eingangstor zum Konfuzius-Tempel in Zhènhǎi. Abb.3: Thomas Alloms Wiedergabe des Eingangstors Dieser Konfuzius-Tempel wurde erstmals 985 erbaut, während der Dynastie der Nördlichen Sung. 1130 wurde der Tempel zerstört. 1195 wurde er neu erbaut, aber 1597 wieder zerstört. Später wurde der Tempel nochmals wieder aufgebaut. Am 10. Oktober 1841 wurde im Zuge kriegerischer Ereignisse die Stadt Zhènhǎi vollkommen zerstört, auch der Konfuziustempel wurde stark beschädigt. Ab 1896 baute man den Tempel wieder auf. Tragischerweise wurde der Konfuziustempel dann während der Kulturrevolution (1966–1976) abgerissen. Ein wichtiges Kulturdenkmal ist für immer verschwunden. An der Stelle, wo früher der Tempel stand, befindet sich jetzt eine Schule. Zum Schluss kann ich noch die motivgleiche 5-Yuan-Note von 1907 zeigen (Pick S381): Abb.4: 5 Yuan Hongkong and Shanghai Banking Corporation 1907 Erwin Beyer Bildnachweis: Abb. 1 und 4: Yangming Auctions, Shanghai, Erlaubnis durch Cai Xiaojun Abb. 2: en.Wikipedia Abb. 3: „China Illustrated“ 1843
- Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 9
Fortsetzungsreihe, Teil 25 Druckverfahren und Sicherheitsmerkmale der Euro-Noten, Teil 2 Der Stichtiefdruck findet heute, nicht zuletzt wegen seiner Kostspieligkeit, ausschließlich im Wertdruck Verwendung. Die Europäische Zentralbank spricht bei der Herstellung der Euro-Banknoten zwar nach wie vor vom Stichtiefdruck. Allerdings täuscht dies darüber hinweg, dass hier kein Stecher mehr, wie in früheren Zeiten, die Hauptmotive von Hand in eine Stahlplatte sticht. Dieses Stahloriginal wird mit einer Schicht aus Asphaltlack oder einem ähnlichen Material versehen, die Motive dann maschinell auf die Oberfläche dieser Beschichtung übertragen und in diese eingeritzt. Mit einer speziellen Säure, meist Eisen-II-Chlorid, wird die Zeichnung dann tiefergelegt, das heißt an den Stellen, an denen sie sich befindet, in die Stahlplatte eingeätzt. Erforderlichenfalls werden Teile des späteren Druckbildes auf diesem Stahloriginal von Hand nachgestochen, um eine größere Tiefe und damit mehr Prägnanz, sprich: einen präziseren, fühlbareren Druck zu erreichen. Für diese Verfahrensweise, die dem fertigen Druckbild im Gegensatz zu einem Stich von Hand meist deutlich anzusehen ist, wäre eigentlich die Bezeichnung „Ätztiefdruck“ treffender. Bei den Euronoten wurde er angewendet, um Zeit zu sparen und, wegen der Herstellung der Stahloriginale in verschiedenen Druckereien, einen möglichst identischen Charakter aller Hauptmotive zu gewährleisten, der bei Stichen von der Hand verschiedener Stecher nicht hätte erreicht werden können. Stichtiefdruck kommt nur für Bildteile der Vorderseite zur Anwendung. Es sind dies die Hauptmotive, die große Wertzahl rechts oben sowie die Wertbezeichnung links unten, der EZB-Schriftzug mit dem ©-Vermerk und der Jahreszahl sowie der sogenannte ISARD-Codebalken. Bei den beiden großen Stückelungen 200 und 500 Euro kommen noch die Merkmale für Sehbehinderte hinzu. Die drei letztgenannten Druckbildteile werden im verstärkten und damit noch besser fühlbaren Stichtiefdruck hergestellt, wogegen die Wertzahlen und das Hauptmotiv in der „einfachen“ Version ausgeführt, aber dennoch deutlich fühlbar sind. 100-Schilling-Handzeichnung: Diese Fälschung wurde Anfang 1951 in Wien beschlagnahmt. Der erwähnte ISARD-Code (Intaglio Scanning And Recognition Device, frei übersetzt: Tiefdruck Abtastungs- und Erkennungs-Element) wurde bereits in den späten 1960er Jahren von dem holländischen TNO Institute of Applied Physics in Delft im Auftrag der Niederländischen Notenbank entwickelt. Spezielle Scanner erkennen anhand des durch den ISARD-Code reflektierten Lichts das Vorhandensein des Stichtiefdruck-Reliefs und damit die Echtheit der Banknote. Die Niederländische Zentralbank hatte diesen ISARD-Code seit 1970, die Belgische Nationalbank seit 1975 auf den von ihnen ausgegebenen Banknoten verwendet. Diese beiden nationalen Zentralbanken waren auch die Initiatoren des Codes auf den Euro-Noten und nutzen ihn heute in ihren jeweiligen Zentralbankbereichen. Die aktuell im Einsatz befindlichen ISARDplus-Geräte sind in der Lage, feinste parallel verlaufende Tiefdrucklinien auch bei zerknittertem oder verschmutztem Papier zu erkennen. Der ISARD-Code ist zudem ein gutes Mittel zur taktilen Echtheitsprüfung. Der Tiefdruck der dicht nebeneinander liegenden feinen, vertikalen Striche ist deutlich fühlbar, insbesondere wenn man mit dem Fingernagel darüber hinwegfährt. Wenngleich bereits findige Fälscher dieses Relief durch Blindprägung auf der Rückseite zu imitieren versucht haben. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Das "Judendurchgangslager" Westerbork und sein Geld
Zentrales Flüchtlingslager Westerbork, Gruppe männlicher, deutscher Juden im Jahr 1940. (Fotokopie: Sammlung Werner Roman, USHMM) Zur Geschichte des Lagers Mitte Dezember 1938 hatten die Niederlande im Interesse freundschaftlicher Beziehungen zum deutschen Nachbarn ihre Grenzen für Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich geschlossen. Sie waren ab diesem Zeitpunkt weder willkommen noch sollten sie integriert werden. Zur vorübergehenden Unterbringung der vornehmlich jüdischen Flüchtlinge beschloss die niederländische Regierung im Februar 1939 den Bau eines Aufnahmelagers bei Westerbork. Eine erste Gruppe traf hier am 9. Oktober 1939 ein. Sie gehörte zu den 900 deutschen Juden, die vergebens versucht hatten, mit dem Schiff St. Louis von Hamburg nach Kuba zu fliehen. Als am 10. Mai 1940 deutsche Truppen zum „Schutze der niederländischen Neutralität“ und zur Verhinderung einer Landung britischer Streitkräfte auf dem Kontinent in den Niederlanden einmarschierten, befanden sich rund 700 Menschen im „Zentralen Flüchtlingslager Westerbork“. Das „Kamp Westerbork“ wurde von der deutschen Besatzung übernommen und weiter genutzt. Inhaftiert wurden deutsche Juden, die in den Niederlanden verhaftet wurden oder sich freiwillig meldeten. Nachdem bereits Ende 1941 entschieden wurde, Westerbork als zentrales Durchgangslager für die Massendeportation der niederländischen Juden zu nutzen, wurde das Lager am 1. Juli 1942 dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (BdS) unterstellt und als „Polizeiliches Judendurchgangslager“ (JDL) geführt. Westerbork war also kein Konzentrationslager und unterstand auch nicht der Inspektion der Konzentrationslager (IKL) bzw. dem späteren Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (WVHA) der SS. Schon am 15. Juni 1942 begann die Deportation niederländischer Juden. Ab Juli 1942 trafen dann immer mehr Transporte in Westerbork ein. Hier sammelte man die Juden aus allen Teilen des Landes und stellte Transporte in die Vernichtungslager zusammen, hauptsächlich nach Auschwitz-II-Birkenau und nach Sobibór. Der erste Zug rollte am 14. Juli 1942 Richtung Osten. Ihm folgten fast zwei Jahre lang weitere Züge, die nach einem festen Fahrplan verkehrten. Meist kamen sie montags in Westerbork an und fuhren dann am Tag darauf neue Opfer in den Tod. Drei Tage dauerte die Fahrt in stickigen Güterwagen mit einem Eimer als Toilette. Wer die Fahrt überlebte, auf den wartete das Gas. Judendurchgangslager Westerbork, Angehörige des jüdischen Ordnungsdienstes (OD) bei der Ankunft eines Transports im Lager 1942. (Fotokopie: Sammlung Trudi Gidan, USHMM) JDL Westerbork, Lagerstraße mit Baracken. (Fotokopie: Herinneringscentrum Kamp Westerbork) Bis zum Grenzbahnhof Nieuweschans wurden die Züge von niederländischem Bahnpersonal begleitet, ab da übernahm die Deutsche Reichsbahn bis in die Vernichtungslager. Die meisten Menschen waren mit über 15.200 am 3. Oktober 1942 und fast 15.500 am 23. Juni 1943 im Lager registriert. 1943 wurde ein Krematorium auf dem Lagergelände in Betrieb genommen. Hier wurden die Leichen der an Krankheiten und Altersschwäche im Lager verstorbenen Gefangenen verbrannt. Insgesamt sind 751 Menschen im Lager Westerbork gestorben. Hinzu kamen die Leichen von Angehörigen des Widerstands, die in der Nähe des Lagers hingerichtet und ebenfalls im Lager kremiert wurden. JDL Westerbork, jüdische Gefangene werden unter Aufsicht der SS mit der Bahn deportiert. (Fotokopie: Herinneringscentrum Kamp Westerbork) 1943/1944 entstanden verschiedene Werkstätten, in denen die Gefangenen bis zu ihrer Deportation arbeiten mussten, u. a. eine Schneiderei, eine Linoleumfabrik und die „Lagerindustrie“, in der Flugzeuge, Apparate, Batterien und Kabel zerlegt sowie Metalle, Folien und Abfall für eine Wiederverwertung sortiert wurden. Im Lager selbst wurde der Anschein der Normalität bewahrt. Es wurde weitestgehend auf die in Konzentrationslagern übliche Terrorherrschaft verzichtet, es gab eine Schule, ein Kranken- und ein Waisenhaus, sportliche Veranstaltungen und sogar ein eigenes Orchester. Statt Kapos und SS gab es in Westerbork mit dem Ordnungsdienst eine eigene jüdische Polizei, wie sie auch von Gettos her bekannt ist. Wagenlaufschild der Deutschen Reichsbahn für den „Pendelverkehr“ zwischen Westerbork und Auschwitz zur Deportation jüdischer Menschen. (Original: Herinneringscentrum Kamp Westerbork) Der letzte Transport verließ Westerbork am 13. September 1944 mit 279 Menschen in Richtung Bergen-Belsen. Zehn Tage zuvor hatte auch Anne Frank, die durch ihr Tagebuch weltberühmt und zur Symbolfigur für die Opfer des Holocaust werden sollte, Westerbork auf dem Weg nach Bergen-Belsen verlassen, wo sie Anfang März 1945 an Typhus starb. Von Juli 1942 bis September 1944 hatten 98 Züge mit über 100 000 Menschen Westerbork verlassen, davon 65 Züge mit 57.800 Menschen nach Auschwitz, 19 Züge mit über 34.300 Menschen nach Sobibór, acht Züge mit über 3700 Menschen nach Bergen-Belsen und sechs Züge mit fast 4500 Menschen nach Theresienstadt. Unter den Opfern befand sich auch eine kleinere Gruppe von 245 Sinti und Roma. JDL Westerbork, Ausweiskarte der jüdischen Gefangenen Lea Blom-Walg. (Original: Yad Vashem) Nur 5000 jüdische Gefangene sollten den Krieg überleben und wieder in ihre Heimat zurückkehren. Nachdem der letzte Transport Westerbork verlassen hatte, blieben noch Hunderte jüdischer Gefangener im Lager zurück. Sie wurden von kanadischen Truppen befreit, die am 12. April 1945 Westerbork erreichten. Nach dem Krieg wurden in Westerbork ohne Prozess ehemalige Mitglieder der „Nationaal-Socialistische Beweging in Nederland“ (NSB) und sog. Kollaborateure inhaftiert. Danach wurde es Wohnlager für Soldaten aus Niederländisch-Indien und von den Molukken. 1970 wurde es verlassen und danach abgerissen. Seit 1983 informiert ein nahe des ehemaligen Lagers befindliches Erinnerungszentrum an das Durchgangslager Westerbork, das zum Sinnbild für die Vernichtung der niederländischen Juden geworden war.1) JDL Westerbork, Postkarte jüdischer Eltern an ihre ins Schweizer Exil geflüchteten Kinder. (Kopie: Tijdmachine, Kees de Brouwer) Gutscheine des Lagers Westerbork Die Gutscheine des Lagers Westerbork haben nichts mit der Prämienvorschrift der SS vom 15. Mai 1943 bzw. deren Nachtrag vom 14. Februar 1944 zu tun, auch wenn sie bei Pick/Siemsen unter Prämienscheinen aufgeführt wurden.2) Es handelt sich vielmehr um Lagergeld, wie es in den anderen niederländischen Lagern (Amersfoort und Herzogenbusch) ebenfalls genutzt wurde und das die Fluchtgefahr durch Einbehaltung des Bargelds reduzieren sollte. Außerdem diente es zur Bezahlung von Arbeits-leistungen an Gefangene des Lagers und zur Abschöpfung von deren regulären Zahlungsmitteln. Bis zu dessen Einführung sollte die Verwendung von Bargeld im Lager üblich gewesen sein, ebenso Geldanweisungen an Gefangene in niederländischer Guldenwährung. Fabrik-Wasserzeichen Vuga-Normaal. (Original: Ray Feller) Der Entwurf für das Lagergeld von Westerbork stammt von dem Gefangenen Werner Löwenhardt. Die Vorderseiten der Scheine zeigen neben der Lagerbezeichnung und dem Nennwert ein Logo mit Zahnrad als Symbol der Arbeit. Auf den Rückseiten findet sich im Unterdruck eine Ansicht des Lagers. Alle Werte wurden in drei Serien (AA, BB und CC) bei der Druckerei Van de Kamp in Groningen hergestellt (Druckereikennung K 1227).3) Verwendet wurde Papier mit Fabrik-Wasserzeichen „Vuga NORMAAL“. Da dieses nicht flächendeckend auf dem Papier vorkam, sind Scheine mit vollständigem, teilweisem oder auch ohne Wasserzeichen bekannt.4) Lager Westerbork, Lagerkantine. (Fotokopie: Yad Vashem) Gestaltung und farbiger Druck (Über- und Unterdruck) sind vergleichsweise aufwendig und modern, aber auch dies ist von den anderen niederländischen Lagern bekannt. We 1: JDL Westerbork, Gutschein über 10 Cent vom 15. Februar 1944, Serie CC, Vorderseite. Sammlung Grabowski We 1: JDL Westerbork, Gutschein über 10 Cent vom 15. Februar 1944, Rückseite. Sammlung Grabowski Das Logo mit dem von einem Zahnrad umfassten Lager mit Schornstein stand für die Aussage des Lagerkommandanten Gemmeker, wonach jüdische Arbeit bedeutend für den deutschen Sieg sei. Wie sich Herr Löwenhardt erinnerte, wurde das Lagergeld zum Einkauf in der Kantine genutzt, so es dort etwas zu kaufen gab. Meist bekam man aber nur Ersatzseife, Kaffee und Rasierklingen, aber keine Lebensmittel.5) We 2: JDL Westerbork, Gutschein über 25 Cent vom 15. Februar 1944, Serie AA, Vorderseite. Sammlung Grabowski We 2: JDL Westerbork, Gutschein über 25 Cent vom 15. Februar 1944, Rückseite. Sammlung Grabowski We 3: JDL Westerbork, Gutschein über 50 Cent vom 15. Februar 1944, Vorderseite, Serie BB. Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. We 3: JDL Westerbork, Gutschein über 50 Cent vom 15. Februar 1944, Rückseite. Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. We 4: JDL Westerbork, Gutschein über 100 Cent vom 15. Februar 1944, Vorderseite, Serie BB. Sammlung Grabowski We 4: JDL Westerbork, Gutschein über 100 Cent vom 15. Februar 1944, Rückseite. Sammlung Grabowski Die Rückseiten zeigen eine Lageransicht mit Lagerstraße und rauchendem Schornstein. Vom Westerborker Lagergeld sind einzelne Druckproben und unfertige Scheine sowie Fehldrucke (z.B. mit verschobenem Druck auf der Rückseite) und Fehlschnitte bekannt. Nach der Befreiung des Lagers haben Häftlinge einige Hundert Serien gebrauchter Scheine mitgenommen. Vor ca. 20 Jahren sind diese dann auf den Sammlermarkt gelangt, weshalb sie heute nicht außergewöhnlich selten sind.6) Hans-Ludwig Grabowski Anmerkungen 1) Andreas Pflock, Judendurchgangslager, auf: www.gedenken-in-benelux.de, sowie: KZ Westerbork, auf: www.wikipedia.de. 2) Albert Pick/Carl Siemsen, Westerbork, in: Das Lagergeld der Konzentrationslager und D.P.-Lager 1933–1947, S. 51–52. 3) Alphons Toele/Hans Jacobi, Westerbork, in: Het Notgeld van Nederland in de Tweede Wereldoorlog 1940–1945, S. 331. 4) Ray Feller/Steve Feller, Westerbork, in: Silent Witnesses: Civilian Camp Money of World War II, S. 58. 5) Ebenda. 6) Siehe Anmerkung 3). Buchempfehlung Hans-Ludwig Grabowski: Das Geld des Terrors Geld und Geldersatz in deutschen Konzentrationslagern und Gettos 1933 bis 1945. Mit Dokumenten aus der Sammlung Wolfgang Haney, Berlin. Hardcover: 456 Seiten Format: 17 x 24 cm ISBN: 978-3-86646-040-9 Preis: 19,90 Euro Mit dem totalen Krieg und dem massenhaften Einsatz von Häftlingen als Arbeitssklaven – vor allem in der Rüstungsindustrie – erreichte die Verwendung von Geldersatz in den Lagern und Gettos des Dritten Reichs ihren Höhepunkt. Schon zuvor hatte es spezielle Zahlungsmittel gegeben, doch nahmen die sogenannten Prämienscheine, die dann in fast allen Konzentrationslagern benutzt wurden, um Gefangene aus ganz Europa zu immer höheren Leistungen zu motivieren, eine herausragende Stellung ein. Die Rolle von Geld und Geldersatz in den Lagern und Gettos wird nun erstmals nicht nur in Form einer umfangreichen Katalogisierung behandelt. Im vorliegenden Band steht sie im Mittelpunkt einer ausführlicheren Arbeit zu den historischen Hintergründen und Fakten, die in dieser Form erstmalig präsentiert werden können. Als Grundlage für die längst überfällige Aufarbeitung dieses Kapitels der deutschen und internationalen Währungsgeschichte diente dem Autor nicht nur die bedeutende zeitgeschichtliche Sammlung des bekannten Berliner Sammlers und Forschers Wolfgang Haney. Zusammen mit historischen Belegen aus weiteren Sammlungen und Archiven konnten zahlreiche neue Erkenntnisse gewonnen werden. Dadurch ist eine völlig neuartige Dokumentation zu einem wichtigen Baustein im System des nationalsozialistischen Terrors entstanden, die für überraschende Einblicke und erschütternde Momentaufnahmen aus den Erinnerungen von Zeitzeugen und der Bürokratie der Vernichtung sorgt. Als Anfang 1945 mit über 700.000 Häftlingen in deutschen Konzentrationslagern der Höhepunkt erreicht war, stand das System bereits vor dem Aus. Das Geld des Terrors blieb als stummes Zeugnis bis heute erhalten.
- Die 1914er Gutscheine der Emmagrube (Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft)
Am Nachmittag des 31. Juli 1914, dem Tag der Erklärung des Zustandes der drohenden Kriegsgefahr, stellte die Reichsbank die Einlösung ihrer Banknoten gegen Gold ein. Gleichzeitig wurde die Einlösungspflicht für die Reichskassenscheine aufgehoben und die Umwechslung von Scheidemünzen in Gold eingestellt. Da die Heeresverwaltung allein für die Soldatenlöhnung in den ersten sechs Mobilmachungstagen 750 Mio. Mark benötigte, die zu den Fahnen Gerufenen sich mit den nötigen Bedarfsartikeln eindecken mussten, die Gemeinde- und Stadtverwaltungen mit der Auszahlung von Unterstützungen an die Familien der Einberufenen begannen und darüber hinaus Angstkäufe den Geldbedarf und die Warenpreise steigen ließen, stieg auch der Zahlungsmittelbedarf rapide an. Im Aufmarschgebiet der Armee, im Ruhrgebiet, im Industrierevier Oberschlesiens und Bremens und besonderes in den Grenzregionen Elsass, West- und Ostpreußen und der Provinz Posen, wo Münzen und Banknoten vor dem Feind in Sicherheit gebracht wurden, machte sich die Zahlungsmittelknappheit besonders bemerkbar. Kommunen und größere Unternehmen schritten notgedrungen zur Selbsthilfe und gaben Notgeld aus, darunter die Emmagrube (Oberschlesien) der Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft. Die 1914er Notgeld-Scheine wurden in großer Eile von örtlichen Druckereien hergestellt und wirken oft recht primitiv. Als Fälschungsschutz dienten meist Farb- oder Prägestempel. Die Verantwortlichen der Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft ließen sich für ihre Gutscheine der Emmagrube einen besonderen Schutz gegen Fälschungen einfallen. Sie ließen auf der freien Rückseite von Kux-Scheinen ihre Gutscheine zu einer Mark drucken. Abb. 1.1: Die „richtigen“ 12 Gutscheine der Emmagrube zu 1 Mark ergeben einen Kux-Schein der Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft. Abb. 1.2: Die Wertseite der 12 Gutscheine, die den kompletten Kux-Schein ergeben. Das Grubenfeld der Emmagrube war vom preußischen Staat am 14. Oktober 1858 an Franz Stahler verliehen worden.[1] Das Bergrecht verpflichtete den Muter, das ihm verliehene Grubenfeld bergmännisch auszubeuten. Wegen der hohen Kosten war hierzu selten eine Person allein imstande. Deshalb wurde das notwenige Kapital durch Gründung bergrechtlicher Gewerkschaften aufgebracht.[2] Hierzu wurde das Unternehmen in ideelle Anteile geteilt und an Interessierte verkauft. Das Bergrecht verlangte eine Teilung nach dem Duo-Dezimalsystem, d.h. in 12 Anteilen. Da die Aufwendungen für 1/12 eines Bergwerks für einzelne Personen immer noch zu groß waren, unterteilte man dieses Zwölftel weiter in zwölf Teile usw. Die maximale Anzahl von Anteilsscheinen lag zunächst bei 128. Das preußische Berggesetz vom 24. Juni 1865 legte dann ihre maximale Zahl auf 100 fest, die durch Gewerkschaftsstatut erhöht werden konnte. Über die Anteile wurden Urkunden ausgestellt, die Kuxe genannt werden. Erst nachdem der Unternehmer Friedrich Wilhelm Grundmann (* 26. November 1804 bei Berthelsdorf; † 30. Juli 1887 in Kattowitz) die Kux-Mehrheit an der Emmagrube erworben hatte, kam es 1883 mit dem Abteufen der Schächte „Mauve“ und „Grundmann“ zur Kohleförderung. 1892 kamen die Grubenfelder „Mariahilf“ und „Weihnachtsabend“ in Radlin hinzu, sodass das Bergwerk eine Berechtsame (Abbauberechtigungsfläche) von 2,19 km² erreichte. Mit 598 Mitarbeitern lag die Steinkohleförderung bei nur 160.439 Tonnen. Um das Bergwerk erweitern und modernisieren zu können, wurde ein Investor gesucht, den man im Unternehmer Friedrich Friedlaender, ab 1906 von Friedlaender-Fuld (* 30. August 1858 in Gleiwitz, Oberschlesien; † 16. Juli 1917 auf Gut Lanke, Mark Brandenburg), fand. Er schuf 1903 die „Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft“. Walther Rathenau (* 29. September 1867 in Berlin; † 24. Juni 1922 ebendort) gehörte dem Vorstand des neuen Unternehmens an. In den Jahren bis 1912 wurden die Sohlen auf 126 m, 199 m und 400 m Teufe aufgefahren und sechs Flöze der Ostrauer Schichten in einer Gesamtmächtigkeit von 14,6 m abgebaut. Wegen des hohen Methangas-Gehalts der Flöze II, IV und VI mussten spezielle Wetterschächte gebaut werden. Die Teilung Oberschlesiens 1922 bedeutete für die Emmagrube, dass sie plötzlich in Polen lag. Deshalb wurde der Firmensitz von Berlin nach Kattowitz verlegt und die Firma in „Rybnickiego Gwarectwa Węglowego“ umbenannt. Anstelle ihres 1917 verstorbenen Vaters trat Marie-Anne von Goldschmidt-Rothschild, geb. von Friedlaender-Fuld, gesch. Mitford, gesch. von Kühlmann (* 17. Januar 1892 in Berlin; † 30. November 1973 in Paris) als Erbin in die Unternehmensführung ein. Während des Zweiten Weltkriegs war die Grube Teil der Gruppe Rybnik (II) der Reichswerke Hermann Göring. Von 1945 bis 1982 gehörte die Zeche, die am 27. April 1949 zu Ehren des Kommunisten Jósef Kolorz, Spitzname Marcel, der auf Emma arbeitete, umbenannt wurde, zum Unternehmen Rybnickie Zjednoczenie Przemysłu Węglowego, von 1984 bis 1988 zu Rybnik-Jastrzębie und ist heute Teil der "Polska Grupa Górnicza" (PGG). In der Nachkriegszeit wurde die Zeche modernisiert und erweitert. Der neue Schacht hat eine Tiefe von 1000 m. Durch Zusammenlegung verschiedener Felder entstand eine Berechtsame von 57,37 km². Das Bergwerk förderte im Mai 2017 mit 2868 Beschäftigten täglich 10.000 Tonnen Kohle. Die Gutscheine der Emmagrube datieren vom 15. August 1914 und lauten über eine Mark. Als Papier dienten unausgefüllte Kux-Scheine. Auf diesen ca. 360 x 260 mm großen Wertpapieren, die auf eine Art Büttenpapier gedruckt waren, konnten auf der leeren Rückseite 12 Gutscheine hergestellt werden. Nach Dießner wurden insgesamt 5976 Gutscheine gedruckt, dies entspricht 498 Kux-Schein-Formularen.[3] Die Formulare stammen von der Firma Riefenstahl, Zumpe & Co. in Berlin. Der spätere Aufdruck auf ihrer Rückseite erfolgte in vier Reihen zu je drei Gutscheinen, sodass jeder Schein die Größe von 120 x 65 mm hat. Mancher von ihnen weist Buchstaben-Teile eines Wasserzeichens auf. Dies lässt vermuten, dass mehre Formulare gleichzeitig auf einem Papierbogen gedruckt wurden, auf dem sich ein Firmenwasserzeichen befand. Die Vorderseite des Notgelds besteht aus einem einfachen, schwarzen sechszeiligen Aufdruck: „Gutschein. (daneben eine sechsstellige Kontrollnummer) / Gegen Aushändigung dieses Gutscheines zahlen die Kassen der Rybniker / Steinkohlen-Gewerkschaft bis einschließlich den 15. September 1914 / Eine Mark / Emmagrube, den 15. August 1914. / Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft.“ Darunter die rotviolette Faksimile-Unterschrift des Generaldirektors der Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft, Dr. Wachsmann sowie eine handschriftliche Unterschrift. Am linken Rand ein ovaler Firmenstempel blauviolett oder rotviolett. Am unteren Rand mittig wurde der Ausgabetag gestanzt: „15.8.1914“. Die Rückseite der Scheine zeigt jeweils einen Teil des Kux-Scheins. Mit gleichem Datum emittierte die Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft 5-Mark-Gutscheine, die auf der Rückseite von Zinsscheinbogen von 1903 über 22,50 Mark gedruckt waren. Abb. 2.1 und 2.2: Emmagrube, Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft, 15. August 1914, 1 Mark, Vorder- und Rückseite. Hier der dritte Schein der obersten Reihe. In der Bundesrepublik mussten die Bergrechtlichen Gewerkschaften nach § 163 Bundesberggesetz vom 13. August 1980 (BGBl. I S. 1310) bis zum 1. Januar 1986 entweder in Aktiengesellschaften umgewandelt oder mit einer bestehenden Aktiengesellschaft, Kommanditgesellschaften auf Aktien bzw. Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt werden; andernfalls waren sie zu liquidieren. Uwe Bronnert [1] Die Angaben zur Emmagrube und der Rybniker Steinkohlen-Gewerkschaft nach Wikipedia (03.03.2021). [2] „Die bergrechtliche Gewerkschaft ist eine Vereinigung von Miteigentümern eines Bergwerkes. […] Ihr Recht ist in ziemlich einheitlichen Landesgesetzen, besonders im preußischen Allgemeinen Berggesetz (ABG) von 1865 geregelt. […] Die Mitglieder einer Gewerkschaft heißen Gewerken, ihre Anteilscheine Kuxe. Diese lauten nicht wie die Aktien auf einen bestimmten Nennbetrag, sondern einen Bruchteil am Bergbauunternehmen, z. B. 1/100, mindestens jedoch 1/10000. Kuxe sind Namenspapiere und werden wie Versicherungsaktien zu Stückkursen an der Börse gehandelt, z. B. Gewerkschaft Winterhall 3000 Kuxe; 1 Kux 81.000 DM. Die Kuxe und ihre Inhaber werden in das Gewerkenbuch eingetragen. Da sich der Kapitalbedarf nicht genau im voraus bestimmen läßt, müssen die Gewerken Zubußen leisten, wenn es nötig ist. Diese Zubußepflicht kann sich der Gewerke nur durch Preisgabe des Kuxes entziehen (Abandonrecht). An der Ausbeute (Gewinn) oder dem Verlust sind die Gewerken im Verhältnis ihrer Anteile beteiligt. Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnis hat entweder der aus zwei oder mehreren Personen bestehende Grubenvorstand oder ein Repräsentant. Das Mitbestimmungsrecht verlangt in Betrieben mit mehr als 1000 Arbeitnehmern auch einen Arbeitsdirektor. Die Gewerkenversammlung […] entspricht in ihrer Rechtsstellung der Hauptversammlung der AG. Die Abstimmung erfolgt nach Kuxen. Nur Gewerkschaften mit mehr als 500 Arbeitnehmern müssen einen Aufsichtsrat bilden, die übrigen Gewerkschaften können einen Aufsichtsrat bilden.“ (Alfred Fritsch et al., Kaufmännische Betriebslehre, 11. Auflage, Wuppertal-Barmen 1971, S. 226 f.) [3] Hans-Jürg Dießner, Deutsches Notgeld, Band 11: Das deutsche Notgeld von 1914/15, Regenstauf 2010, S. 137 f., Kat.-Nr. 93.1.












