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  • Aus der HVB Stiftung: 25 norwegische Rixdaler von 1695

    Norwegen, Jørgen Thor Møhlen: 25 Rixdaler, 10.7.1695 Das erste Papiergeld in Norwegen wurde 1695 von Jørgen Thor Møhlen aus Bergen ausgegeben. Der Kaufmann und Reeder investierte große Summen in den überseeischen Handel. So pachtete er die zu Dänemark gehörende westindische Insel St. Thomas. Für den Ausgleich seiner Verluste in diesen Geschäften erhielt er von König Christian V. 1695 die Erlaubnis, Papiergeld in Höhe von 100.000 Reichstalern ausgeben zu dürfen. Als Legitimationsbeweis enthalten die Scheine das Siegel des Königs. Die rechte Seite mit Unterschriften und Kontrollnummer (bei dem hier gezeigten Schein nicht erhalten) wurde bei der Ausgabe abgerissen, um den Schein bei der Einlösung auf Echtheit prüfen zu können. Jørgen Thor Møhlen hatte keinen Erfolg mit seinem Papiergeld. Die Bevölkerung hatte kein Vertrauen zu den Scheinen und löste sie schnell wieder ein. Da Jørgen Thor Møhlen die Summen dafür nicht aufbringen konnte, verlor er sein gesamtes Vermögen und starb 1708 in Armut. Vorderseite: Da Seine Königl. Majestät am 22. Juni dieses Jahres 1695 seine allergnädigste Verordnung erlassen hat betreffs gewisser Papierscheine, welche statt baren Geldes im nördlichen Teil in Seiner Königl. Majestät Reich Norwegen gelten sollen, so ist dieser Schein laut Inhalt der genannten Verordnung als gültig erklärt worden für einen Wert von 25 Reichstaler/Kronen. Rückseite: Kontrollnummer und Wertangabe Zur Sammlung "Seltene Geldscheine aus aller Welt" der HVB Stiftung Geldscheinsammlung bei bavarikon. Katharina Depner, HVB Stiftung Geldscheinsammlung, www.geldscheinsammlung.de

  • Aus der HVB Stiftung: 50 Shillings vom 1.10.1773 der Britischen Kolonie Pennsylvania

    Pennsylvania, Kolonialverwaltung: Kreditschein über 50 Shillings von 1773, Druck: Hall & Sellers, Philadelphia Die Kolonialverwaltung von Pennsylvania hat 1723 erstmals Papiergeld ausgegeben. Auch andere nordamerikanische Kolonien gaben schon früh Papiergeld aus, da nicht genug Münzgeld vorhanden und eine eigene Münzprägung nicht erlaubt war. Die Abhängigkeit vom britischen Mutterland zeigt auch der Kreditschein selbst: Die Währungsbezeichnung ist der Shilling und die Regierungsjahre des englischen Königs Georg III. werden angegeben. Die Kreditscheine wurden von Hall & Sellers in Philadelphia gedruckt. David Hall (1714–1772) war zunächst ein Geschäftspartner von Benjamin Franklin (1706–1790) in dessen Druck- und Verlagshaus. 1766 übernahm David Hall das Geschäft und führte es mit William Seller als Partner fort. Hall & Sellers druckten Papiergeld und offizielle Dokumente für die Kolonialverwaltung von Pennsylvania. Vorderseite: Aufschrift "Gemäß einem Gesetz der Landtagsversammlung von Pennsylvania, erlassen im 13ten Jahr der Regierung seiner Majestät, Georg des Dritten. Gegeben am 1. Oktober 1773"; links in der Mitte Wappen der Familie Penn mit dem Wahlspruch "MERCY – JUSTICE" (Barmherzigkeit – Gerechtigkeit). Rückseite: Oben Strafsatz, darunter Landschaftsdarstellung. Zur Sammlung "Seltene Geldscheine aus aller Welt" der HVB Stiftung Geldscheinsammlung bei bavarikon. Katharina Depner, HVB Stiftung Geldscheinsammlung, www.geldscheinsammlung.de

  • Aus der HVB Stiftung: 1000 Käsch der Ming-Dynastie 1368–1644

    China, Ming-Dynastie: Staatspapiergeld über 1000 Käsch aus dem 14. Jahrhundert, Kaiser Ming Taizu (1368–1398) In China kannte man seit dem 7. Jahrhundert das sogenannte "Fliegende Geld", eine Vorform des Papiergelds. Für ihr eingezahltes Geld erhielten die Kaufleute Depositenscheine, die sie an bestimmten Orten einlösen konnten. Zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert erfolgten weitere Papiergeld-Ausgaben. Das älteste erhaltene Papiergeld stammt aus der Zeit der Ming-Dynastie im 14. Jahrhundert. Während des Boxer-Aufstands (1899–1901) fanden Soldaten ein Päckchen solcher Scheine im Sockel einer umgestürzten Buddha-Statue. Vom 14. bis 17. Jahrhundert emittierte die Ming-Dynastie Staatspapiergeld, das im ganzen Reich zirkulierte. Herstellung, Ausgabe, Umlauf, Einzug und Vernichtung der Geldscheine war gesetzlich geregelt und wurde durch eine Behörde durchgeführt. Allerdings endeten die Ausgaben oft in Inflationen, da zu viel Papiergeld ausgegeben wurde. Im 17. Jahrhundert wurde das Papiergeld abgeschafft und erst 200 Jahre später wieder eingeführt. Damit auch Analphabeten den Wert der Scheine ermitteln konnten, hatte man die Nennwerte bildlich durch Käsch-Münzen dargestellt. Zudem enthielt das Staatspapiergeld eine Strafandrohung für Fälscher. Die Geldscheine bestanden aus Papier aus der Rinde des Maulbeerbaums. Beschreibung Vorderseite: Aufschrift oben: Allgemein gültiges Staatspapiergeld der Großen Ming-Dynastie. Im ganzen Reich für den Umlauf gültig. 1 Kuan; unten: "Auf Vorschlag des Reichsschatzamtes wird die Herstellung und der Druck von Papiergeld der Großen Ming-Dynastie befohlen, das in gleicher Weise wie das Kupfergeld für den Umlauf gültig ist. Wer falsches Geld herstellt oder gefälschtes in Umlauf bringt, wird enthauptet. Wer einen Fälscher anzeigt oder den Behörden überliefert, erhält 250 Taels Silber als Belohnung und außerdem das gesamte Vermögen des Verbrechers. Epoche des Ungeheuren Krieges"; im oberen Feld Bezeichnung und Wertangabe, darunter Abbildung von 10 Schnüren mit je 10 Münzen à 10 Käsch = 1000 Käsch als bildliche Darstellung des Nennwerts für Analphabeten, darunter Text mit Androhung von Strafen für Fälscher und Feld für Datierung (wurde handschriftlich eingesetzt); in der Mitte rote Stempel ( Siegel des Amtes für Staatspapiergeld der Ming-Dynastie) Rückseite: Stempel (Siegel) Zur Sammlung "Seltene Geldscheine aus aller Welt" der HVB Stiftung Geldscheinsammlung bei bavarikon. Katharina Depner, HVB Stiftung Geldscheinsammlung, www.geldscheinsammlung.de

  • HVB Stiftung: Seltene Geldscheine aus aller Welt

    Neue Sammlung „Seltene Geldscheine aus aller Welt: Frühe Papiergeldexperimente 14.– 18. Jahrhundert“ bei bavarikon Die HVB Stiftung Geldscheinsammlung hat eine neue Sammlung in bavarikon veröffentlicht: Seltene Geldscheine aus aller Welt. Die Sammlung dokumentiert die Anfänge und die Weiterentwicklung des Papiergelds. Dabei handelt es sich zum Teil um sehr seltene Stücke, die nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden sind. Als erstes werden frühe Papiergeldexperimente des 14. – 18. Jahrhunderts präsentiert, später wird die Sammlung noch um zwei weitere Teilsammlungen ergänzt. Die bereits seit 2017 bestehende Sammlung Papiergeld Bayerns ist nun abgeschlossen und zeigt 1.800 Geldscheine. Bavarikon ist das Portal zu Kunst, Kultur und Landeskunde des Freistaats Bayern. Es präsentiert Kunst- und Kulturschätze aus bayerischen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen. bavarikon ist eine Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst mit dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat. Den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb von bavarikon trägt die Bayerische Staatsbibliothek. HVB Stiftung Geldscheinsammlung, Katharina Depner, www.geldscheinsammlung.de

  • Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 6

    Fortsetzungsreihe, Teil 22 Die Fälschungsklassen Die Fälschungsklasse wurde seit der Währungsreform von der Bank deutscher Länder und später von der Deutschen Bundesbank in der Reihenfolge der Entdeckung von Banknotenfälschungen vergeben. Diese Klassifizierung hatte man von der ehemaligen Reichsbank übernommen. Bei diesem bis gegen Ende der 1980er Jahre verwendeten System wurde bei jedem Nennwert einer bestimmten Ausgabe mit A1 bis A10, dann B1 bis B10, C1 bis C10, usw. begonnen. Diese Klassifizierung kennzeichnete nur jeweils eine neue Fälschung bzw. einen neuen Fälschungstyp, sagte aber nichts über die Qualität oder das Herstellungsverfahren der einzelnen Fälschung aus. Varianten eines bestimmten Fälschungstyps wurden mit Großbuchstaben gekennzeichnet. So gibt es von der oben erwähnten Fälschung D7 die weiteren Varianten D7A und D7B. Bei solchen Unternummern handelte es sich in der Regel um Varianten in unterschiedlicher Qualität hinsichtlich des Druckausfalls, oft aber auch um verbesserte, mit korrigierten Druckunterlagen hergestellte Falsifikate. Daher waren und sind Zentralbanken und Behörden mit der Veröffentlichung von Details, an denen man eine Fälschung erkennt, sehr vorsichtig. Denn die Fälscher quittieren diese Information sehr oft dankend mit der Überarbeitung und Verbesserung ihrer Druckunterlagen. Mit dem Auftauchen der ersten der sogenannten Desk-Top-Fälschungen, die mittels PC und Farbdrucker bzw. mit dem Farbkopierer hergestellt worden waren, war die Bundesbank gezwungen, ein neues Klassifizierungssystem einzuführen. Sie verwendete nun eine Logik, die nach der Herstellungsart unterschied: „DF“ bezeichnete nun Druckfälschungen, „FK“ stand für Farb-Fotokopien. Dahinter folgte die Zahl der fortlaufenden Nummerierung des jeweiligen Anfalls eines Fälschungstyps je Nennwert. Die Klassen wurden dabei, wie bisher, immer in Verbindung mit dem Nennwert der Fälschung angegeben, z.B. 100 DM – Klasse DF 5. Auch in diesem neuen System waren weder der Hersteller noch die Qualität einer Fälschung verschlüsselt. In der Bundesrepublik angehaltene Fälschungen ausländischer Banknoten wurden dagegen nur mit einer Zahl bezeichnet (Beispiel: Fälschung einer 100-Dollar-Note, Klasse 230). Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Die ungeliebte Klement-Gottwald-Banknote

    Am 1. Oktober 1985 begann die Tschechoslowakische Staatsbank, Banknoten der Ausgabe III zu emittieren. Auch bei dieser Serie hielt man am bestehenden Sprachenkonzept fest, den Text der Banknoten abwechselnd nur auf Tschechisch (20, 100 und 1000 Kronen) oder Slowakisch (10, 50 und 500 Kronen) anzugeben. Die Scheine geben weder den Sitz noch eine Unterschrift des Ausgabeinstituts wieder, einzig eine Jahreszahl. Letztmalig findet sich auf den Scheinen ein Hinweis, dass die Noten durch Gold und andere Vermögenswerte gedeckt sind. Zunächst gelangte der neue 1000-Kronen-Schein mit dem Brustbild des Komponisten Bedřich Smetana in Umlauf. Es folgte am 1. Juli 1986 die 10-Kronen-Note mit dem slowakischen Dichter Pavol Országh Hviezdoslav; die Note zu 50 Kronen gelangte ab 1. Oktober 1987 in Umlauf und zeigt den Schriftsteller und Politiker Ľudovít Štúr, gefolgt am 1. Oktober 1988 von der Note zu 20 Kronen, die den Philosophen, Theologen und Pädagogen Jan Amos Komenský – bei uns besser bekannt unter dem Namen Johann Amos Comenius – abbildet. Der Wert zu 100 Kronen mit dem Konterfei von Klement Gottwald kam am 1. Oktober 1989 hinzu. Diese Note erregte sofort das Missfallen großer Bevölkerungskreise, sodass es vorkam, dass Bürger ihre Annahme verweigerten und bei Zahlungen die alten, noch gültigen Banknoten von 1961 verlangten oder eine andere Stückelung forderten. Am 25. Oktober demonstrierten sogar etwa 200 Bürger auf dem Prager Wenzelsplatz und forderten ihre Außerkurssetzung. Beim Finanzministerium, der Staatsbank und anderen staatlichen Behörden gingen Hunderte von Briefe ein, in denen der Einzug der Banknote gefordert wurde. Was erregte die Tschechen und Slowaken so sehr, dass sie die Banknote mit dem Brustbild Gottwalds mit politischen Parolen versahen oder das Porträt verunstalteten? Dabei ging das Publikum sogar das Risiko ein, dass für derart beschädigte Banknoten kein Ersatz geleistet wurde. Abb. 1.: Státní Banky Československé, 1989, 100 Korun. Format: 147 x 67 mm. Wer war Klement Gottwald, der so gehasst wurde? Er wurde am 23. November 1896 in Dědic, im damaligen österreichisch-ungarischen Mähren, als unehelicher Sohn der Landwirtschafts-arbeiterin Marie Gottwaldová geboren. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er in Wien den Beruf des Tischlers. Schon früh schloss er sich sozialdemokratischen Jugendverbänden an. Während des Ersten Weltkriegs diente er in der k.u.k. Armee, aus der er desertierte, um dann zwei Jahre in der neugegründeten tschechoslowakischen Armee zu dienen. Im Mai 1921 gehörte er zu den Mitbegründern der Kommunistischen Partei, deren Vorsitzender er von 1929 – 1948 war. In den 1920er Jahren war er dafür verantwortlich, dass sich die Partei streng auf Moskau ausrichtete. Seit 1928 war Gottwald Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, kurz Komintern. Nach dem Münchner Abkommen ging er 1938 ins Exil nach Moskau, von wo er nach dem Krieg nach Prag zurückkehrte und stellvertretender Ministerpräsident wurde. In den folgenden Jahren bereitete die tschechoslowakische KP die Machtübernahme vor. Als es Anfang 1948 zu einer Regierungskrise kam, nutzte Gottwald diese, um die nichtkommunistischen Regierungs-mitglieder auszuschalten und eine neue Verfassung zu oktroyieren, sodass er am 14. Juni 1948 das Amt des tschechoslowakischen Staatspräsidenten übernehmen konnte. Unter Gottwalds Staats- und Parteiführung wurde ein rigoroser Repressionsapparat ins Leben gerufen. Zwischen 1948 und 1954 wurden vor dem sog. Státní soud (Staatsgericht) in politischen Schauprozessen 232 Personen zum Tode verurteilt, von denen 178 hingerichtet wurden, sowie weitere 100.000 Personen zu mehrjährigen Haftstrafen. Zehntausende wurden zum Zwangsdienst in den Lagern für militärische Zwangsarbeit verpflichtet. Gottwald starb am 14. März 1953 in Prag wenige Tage nach seiner Rückkehr aus Moskau, wo er an der Begräbnisfeier für Stalin teilgenommen hatte. Nach dem Vorbild Lenins wurde er einbalsamiert und in einem Glassarg beim Nationaldenkmal am Veitsberg ausgestellt. Aufgrund der veränderten politischen Verhältnisse wurde er 1962 eingeäschert und auf dem Olšany-Friedhof in Prag beigesetzt.[1] Die Proteste gegen diese Banknote kamen zu diesem Zeitpunkt nicht von ungefähr. Erinnern wir uns: Mit dem Amtsantritt des sowjetischen Generalsekretärs Michail Gorbatschow endete eine Phase politischer Stagnation. Unter den Schlagworten Glasnost und Perestroika wollte er Politik und Gesellschaft reformieren und die drückende Wirtschaftskrise überwinden. Die veränderte politische Lage wirkte sich auch auf die Verhältnisse in den Staaten des sog. Ostblocks aus. Als erstes Land gab in Ungarn die Sozialistische Arbeiterpartei ihren Herrschaftsanspruch auf. Im Sommer setzte eine Massenflucht von DDR-Bürgern über die geöffnete ungarisch-österreichische Grenze ein. Nach der ersten halbwegs freien Parlamentswahl am 4. Juni 1989 im Warschauer Pakt regierte in Polen eine nichtkommunistische Regierung mit Tadeusz Mazowiecki an der Spitze. In Bulgarien wurde am 12. November der seit 1954 amtierende KP-Chef Todor Schiwkow gestürzt. Nur wenige Tage nach dem 40. Jahrestag der Gründung der DDR fiel am 9. November 1989 die Berliner Mauer. Auch in der Tschechoslowakei erscholl der Ruf nach Demokratie. Vom 10. bis 14. November 1989 gingen die Menschen in Teplice (Teplitz) auf die Straße, am 16. November demonstrierten Studenten in Bratislava (Preßburg). Am Tag darauf zogen 15.000 Studenten durch Prag. Die genehmigte Demonstration blieb zunächst unbehelligt, aber am Abend schlugen die Sicherheitskräfte zu und verletzten etwa 600 Demonstranten. Daraufhin riefen die Studenten zum unbegrenzten Streik auf, dem sich Schauspieler der Prager Bühnen anschlossen. Die Nachricht vom Tod des Studenten Martin Šmíd mobilisierte weite Teile der Bevölkerung und ab dem 20. November griff die Protestbewegung sukzessive auf das ganze Land über. Am 29. November wurde die Bestimmung über die führende Rolle der Kommunistischen Partei in der tschechoslowakischen Verfassung aufgehoben und ab 5. Dezember die Grenzanlagen an der Grenze zu Österreich und der Bundesrepublik abgetragen. Am 10. Dezember ernannte Präsident Husák zum ersten Mal seit 1948 eine mehrheitlich nichtkommunistische Regierung. Aber zurück zur Gottwald-Banknote: Obwohl die Ausgabe wegen ihrer Merkmale für eine Optimierung der maschinellen Verarbeitung wichtig war, wurde ihr Druck bereits am 4. Dezember 1989 eingestellt und am 31. Dezember 1990 wurde sie sogar ungültig. Als Ersatz druckte die Staatsdruckerei in Prag eine zweite Auflage der Note von 1961, die ab 1. März 1990 ausgegeben wurden. Hierbei handelt es sich um Noten der Serien X 25 – 96, G 01 – 96 und M 01 – 24. Obwohl die 500-Kronen-Note entworfen wurde, verzichtete die Staatsbank auf ihre Fertigstellung. Abb. 2.: Státní Banky Československé, 1961, 2. Auflage, 100 Korun. Format: 165 x 80 mm. Bleibt noch anzumerken, dass die Rückseiten-Darstellung der Gottwald-Banknote 2001 auf einem Gedenkblatt zum 35. Jahrestag des Vereins der Banknotensammler, Niederlassung Prag, nochmals verwendet wurde. Sie zeigt den Hradschin (Prager Burgberg) und die Kleinseitner Brückentürme von der Karlsbrücke. Gedruckt wurde das Blatt auf Wasserzeichenpapier von der Staatsdruckerei in Prag. Abb. 3: Gedenkblatt zum 35. Jahrestag der Gründung des Banknotensammler-Vereins, 2001. Uwe Bronnert Abb. Uwe Bronnert (Gedenkblatt), Hans-Ludwig Grabowski (Banknoten) Literatur: Pavel Hejzlar, Papírová platidla na území Čech, Moravy a Slovenska 1900 – 2019, Prag 2019. Vladimír Tomšík et al., 100 Years of the Koruna, monetary policy – instutions – money, Pilsen 2018. Anmerkungen [1] Angaben nach Wikipedia: "Klement Gottwald". Anmerkung der Redaktion Aus Anlass der Feierlichkeiten rund um das 100. Jubiläum der Tschechischen Krone wurde 2019 eine komplette Entwurfs-Serie zu letzten Ausgabe der Staatsbank nachgedruckt. Siehe hierzu den Beitrag von Manfred Dietl: https://www.geldscheine-online.com/post/nachdruck-der-entw%C3%BCrfe-zur-letzten-banknoteserie-der-tschechoslowakei Darunter befindet sich auch der Nachdruck des Entwurfs der Gottwald-Banknote zu 100 Kronen, siehe Abb.

  • Personen auf Geldscheinen: Hector Berlioz

    Geldscheine dienen nicht nur dem Zahlungsverkehr, sondern auch zur Repräsentation eines Staates. So präsentieren Banknoten häufig die kulturellen Höhepunkte einer Nation, indem herausragende Künstler dargestellt werden – wie auch Hector Berlioz in Frankreich. Hector Berlioz (11.12.1803 – 8.3.1869) war ein französischer Komponist der Romantik; zu seinen bekanntesten Werken zählen u.a. die Symphonie fantastique (1830), Les Troyens (1856 – 1858) und La damnation de Faust (1846). Zahlreiche persönliche Details aus seinem Leben sind in seiner Autobiographie Mémoires dokumentiert. Über einen Umweg durch ein Medizinstudium begann Berlioz 1827 offiziell sein Studium am Conservatoire de Paris. 1830 errang er nach mehreren Versuchen den Prix de Rome und gewann damit neben einem fünfjährigen Stipendium auch einen zweijährigen Aufenthalt in Rom, den er 1831 antrat. In Rom blieb er jedoch nur 15 Monate, von denen er wiederum einen guten Teil in anderen italienischen Städten verbrachte – seine Unzufriedenheit in Rom brachte er u.a. in seinen Mémoires zum Ausdruck. Wieder in Paris, bestritt Berlioz seinen Lebensunterhalt auch als Musikkritiker und Bibliothekar am Pariser Conservatoire, während seine kompositorischen Talente insbesondere in Paris lange ungewürdigt blieben. Zahlreiche Konzertreisen führten ihn ab 1842 ins Ausland, v.a. nach Deutschland. Heute gilt Berlioz als einer der Hauptvertreter der französischen Romantik, auch wenn er sich selbst in einer klassischen Tradition sah. In den Jahren 1972 bis 1978 gab die Banque de France Noten zu 10 Francs mit dem Porträt Berlioz' aus; in dieser Serie, die überwiegend bekannte französische Künstler thematisiert, findet sich auch der 20-Francs-Schein mit dem Komponisten Claude Debussy. Auf der Vorderseite des 10-Francs-Scheins ist Berlioz als Dirigent im Pariser Invalidendom abgebildet: Wohl ist dies als Hommage an sein Requiem, die Grande Messe des Morts, zu verstehen, das dort als Auftragswerk der französischen Regierung im Jahr 1837 für den in Algerien gefallenen General Charles-Marie Denys de Damrémontur uraufgeführt wurde – jedoch unter der Leitung von François-Antoine Habeneck. Die Rückseite zeigt den Komponisten vor der Villa Medici, wo er von 1831 bis 1832 während seines Romaufenthalts mit anderen Preisträgern des Prix de Rome wohnte. Die Darstellungen des Berlioz auf Vorder- und Rückseite sind einem Porträt von Émile Signol aus dem Jahr 1832 nachempfunden, das sich heute in der Villa Medici befindet. Französische Republik, Banque de France: Banknote zu 10 Francs vom 5.1.1976 Vorderseite: Berlioz als Dirigent im Invalidendom. Rückseite: Berlioz vor der Villa Medici. Wasserzeichen: Berlioz' Kopf nach rechts. Entwurf: Lucien Fantanarosa Gravur: Jaques Jubert (Av.) und Henri Renaud (Rv.) Druckerei: Banque de France Format: 140 x 76 mm Umlauf: bis 15.9.1986 Katalogreferenzen: FRA-150c (Standard Catalog of World Paper Money – Vol. III: Modern Issues) Kana Totsuka Abb. Hans-Ludwig Grabowski

  • Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 5

    Fortsetzungsreihe, Teil 21 Gegen Ende der 1990er Jahre ging der Anfall von Fälschungen der gängigen Wertstufen insgesamt gesehen wieder zurück. Speziell das 1997 bzw. 1998 bei den Banknoten zu 50, 100 und 200 DM eingeführte Kinegram® erwies sich als Hemmschwelle bei den Geldfälschern, sodass diese nun vermehrt auf die Wertstufen ohne diese Sicherungen auswichen. Die steigende Anzahl der sichergestellten 10- und 20-DM-Fälschungen bewies dies, wobei hier fast ausschließlich Farbfotokopien und Scanner-Fälschungen, aber nur sehr wenige Druckfälschungen aufgetaucht waren. Das Kinegram® (im damaligen Fachjargon wurde es „Beugungsoptische Spezialfolie“ genannt und war eine Entwicklung der Schweizer Firma Landis & Gyr Communications AG), das je nach Betrachtungswinkel verschiedene Motive in den Spektralfarben zeigte, sowie weitere verbesserte Sicherungen wurden bei den am häufigsten gefälschten Werten eingeführt, weil die im Zahlungsverkehr angehaltenen Falsifikate dieser Stückelungen zum einen ein Besorgnis erregendes Ausmaß angenommen hatten, zum anderen qualitativ immer besser geworden waren. So wurde unter anderem auch die Ausgestaltung des Latent Image im Hinblick auf die einfachere Erkennbarkeit verbessert, ein Perlglanzdruck (der sogenannte Iriodinstreifen) sowie schwerer kopierbare Farbtönungen integriert. Gleichfalls wurde der fühlbare Stichtiefdruck des Blindenerkennungszeichens sowie der Schriftzüge „DEUTSCHE BUNDESBANK“ und „...DEUTSCHE MARK“ entscheidend verbessert und war nun noch deutlicher fühlbar. Hierzu musste der Stichtiefdruck der Vorderseite der Banknoten verstärkt werden. Dies hatte zur Folge, dass die Herstellung der Rückseite nur noch im indirekten Hochdruck erfolgen konnte, da deren bisherige Stichtiefdruck-Elemente den Druck der Vorderseite massiv gestört hätten. Als durchaus gewünschter Nebeneffekt war durch die einfachere Druckart der Rückseite eine Kostenersparnis eingetreten, die die Ausgaben für die verbesserten Sicherungselemente zum Teil wieder auffing. Ein Merkblatt der Deutschen Bundesbank von 1983 über die Erkennung falscher DM-Banknoten und –Münzen. Allerdings war es den Fälschern schon damals gelungen, verschiedene Sicherheitsmerkmale täuschend ähnlich zu reproduzieren, so dass sie einer oberflächlichen Prüfung auf jeden Fall standhielten! Schauen wir uns einige Beispiele in Bezug auf die DM-Banknoten, die längst Geschichte sind, an. Die Imitation des Sicherheitsfadens erfolgte in einigen Fällen in der Weise, dass eine transparente Folie auf die Rückseite des Falschstücks aufgeklebt wurde, die handschriftlich mit der Wertbezeichnung versehen oder bei der diese aufkopiert worden war. Der Faden war zwar in der Durchsicht erheblich schlechter zu erkennen als der echte, was aber trotzdem in den meisten Fällen bei der Annahme der Banknoten kein Grund zur Beanstandung gewesen war. Schon 1994 waren Fälschungen aufgetaucht, die aus zwei dünnen Blättern bestanden und bei denen das Wasserzeichen in hellgrauer Farbe auf der Innenseite eines Blattes aufgedruckt worden war. Der silberfarbenbeschichtete Kunststoffstreifen war fototechnisch, das heißt in Negativschrift mit der Wertbezeichnung 100 DM versehen und in das Einzelblatt der Vorderseite regelrecht eingefädelt worden. Hierzu hatte man das Papier mit Einschnitten versehen. Der Faden war damit so wie beim Original partiell in „Fenstern“ und im Durchlicht als Ganzes zu sehen, was eine äußerst täuschende Nachahmung darstellte. Durch den hohen Aufwand, den die Fälscher hier betrieben hatten, konnte man davon ausgehen, dass dies keine Fälschung aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität gewesen war, sondern das Werk eines Einzelgängers oder einer kleineren Bande, die keine allzu großen „Auflagen“ herstellte. 1995 kamen 200 DM Offsetdruckfälschungen auf den Markt, bei denen der verstärkte Stichtiefdruck der Schriftzüge „DEUTSCHE BUNDESBANK“ und „ZWEIHUNDERT DEUTSCHE MARK“ sowie des Blindenerkennungszeichens dergestalt nachgestellt worden war, dass die Fälscher diese Sicherung mittels einer Blindprägung zu imitieren versucht hatten. Während bei Druckfälschungen die Passgenauigkeit des Durchsichtsregisters schon zu diesem Zeitpunkt erreicht worden war (was noch wenige Jahre zuvor als unübersteigbare Schwelle für den Fälscher gegolten hatte), waren Farbkopien oder mittels Ink-Jet-Druckern hergestellte Falsifikate selten mit dieser Sicherung in originalgetreuer Ausführung versehen. Und auch die Nachahmung der Fluoreszenz war für Falschgeldhersteller ab etwa dem Jahr 2000 kein Problem mehr. Wie heute bei den Euro-Noten wurden die Notennummern, die bunten Fasern im Papier und selbst die Fluoreszenz der Teile des Druckbildes in nahezu originalgetreuem Farbton und in einer der echten Banknote vergleichbaren Platzierung reproduziert. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 4

    Fortsetzungsreihe, Teil 20 Ab 1976 war dann ein dauerhaft deutlicher Anstieg der anfallenden Fälschungen zu verzeichnen. Sehr dazu beigetragen hatten hier die als Fälschungsklassen C2, C5 und D7 in die Kriminalgeschichte eingegangenen, legendären italienischen Nachahmungen der 100-DM-Note. Die D7-Fälschung wurde ab 1983 verbreitet, Interpol hatte sie mit dem Indikativ 11A215 klassifiziert. Mittlerweile trat auch ein Wandel in Bezug auf die Hersteller falscher Banknoten ein. Die deutschen Ermittlungsbehörden verzeichneten nun einen erheblichen Rückgang der Einzeltäter, die Herstellung und der Vertrieb von falschem Geld war mehr und mehr zur Domäne der Banden aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität, hauptsächlich aus dem Ausland, geworden. Die überwiegende Mehrzahl der auftauchenden falschen DM-Banknoten, vorwiegend Hunderter, kam nun – wie oben bereits erwähnt – aus Italien. Dort wurde 1977 in Bologna die Werkstätte ausgehoben, in der die ebenfalls genannten C2- und C5-Hunderter hergestellt worden waren. Falschgeld im Gesamtwert von sage und schreibe 28 Millionen DM wurde dabei beschlagnahmt, jedoch nur die Druckunterlagen der C 5-Fälschung sichergestellt. Die Offsetplatten für die „Vorgängerserie“ C2 hatte man bereits vernichtet. Die Bosse dieser Bande saßen in Genua und Mailand, die Verteilung übernahmen insbesondere Gastarbeiter, die in die Bundesrepublik und andere europäische Länder einreisten. Experten schätzten, dass von diesen beiden Fälschungsklassen für jeweils 100 Millionen DM Nachahmungen hergestellt worden waren, von denen nur ca. 34 Millionen DM sichergestellt werden konnten. Von der nur mäßig gut gelungenen, in insgesamt drei Varianten existierenden D7-Fälschung wurden noch bis Mitte der 1990er Jahre im In- und Ausland innerhalb und außerhalb des Zahlungsverkehrs Fälschungen im Wert von 14,8 Millionen DM beschlagnahmt. Bereits im Oktober 1987 war die Druckerei dieser Fälschungsklasse in Mailand ausgehoben worden. Das Merkblatt der Deutschen Bundesbank beschreibt die ab 1976 aufgetauchte italienische Fälschung der 100-DM-Note mit der Klasse C5. Als gegen Ende der 1980er Jahre die ersten leistungsfähigen und einfach zu bedienenden Farbkopiergeräte auf den Markt kamen (damals berühmt: der Canon Laser Copier CLC 200), verschärfte sich die Situation nochmals. Nicht nur die organisierten Banden konnten sich nunmehr eines recht einfachen Herstellungs-verfahrens bedienen, auch mancher Hobbybastler sah sich nun in die Lage versetzt, ohne große Mühe „Do-it-yourself-Noten“ von täuschungsfähiger Qualität zu produzieren, da er keinerlei technische Vorkenntnisse besitzen musste. Viele bis dahin unbescholtene Bürger wurden plötzlich zu Tätern, sei es aus einer finanziellen Notlage heraus, sei es aus Neugier oder weil sie dem Reiz der technischen Machbarkeit erlegen waren. Die in den Copyshops meist unbeaufsichtigt zu bedienenden Geräte verlockten nachgerade dazu, Banknoten zu kopieren. 1988 wurden erstmals Farbkopiefälschungen angehalten, insgesamt 1823 Stück. Bereits 1989 war der Anfall dann sprunghaft auf 11.804 Stück angestiegen! Erst mit der Zeit wurden die Hersteller der Farbkopierer, die Druckereibesitzer und Copyshop-Inhaber dafür sensibilisiert, die Benutzung der Geräte einer gewissen Kontrolle zu unterziehen. Dass ab etwa 1995 die Kopierfälschungen von DM-Noten zugunsten von Druckfälschungen wieder erheblich zurückgegangen waren, lag an zwei Dingen: erstens an den mit speziellen Schutzmerkmalen gegen das Kopieren ausgestatteten damaligen neuen Bundesbanknoten der Serie BBk III bzw. IIIA, die sich zwischenzeitlich im Zahlungsverkehr durchgesetzt hatten. Zweitens waren nun die Kopiergeräte der neueren Generation mit speziellen Schutzvorrichtungen ausgestattet worden, die beim Kopieren von Wertdrucken griffen. Die seinerzeitigen neuen DM-Scheine als auch unsere heutigen Euro-Noten und viele Fremdwährungen weisen als Kopierschutz den sogenannten Omron-Code auf. Hinter diesen auf Vorder- und Rückseite der Geldscheine in scheinbar willkürlicher Anordnung aufgedruckten kleinen Kreisen verbirgt sich ein Code, die den Kopiervorgang der damit programmierten Geräte stoppt bzw. diese eine geschwärzte Kopie ausgeben lässt. Wohl ist auch diese Sicherung durch Experten zu überlisten, doch der „Mann von der Straße“ konnte und kann damit auf die Schnelle keine Blüten mehr produzieren. Während die Zahl der angehaltenen Fälschungen in den 1980er Jahren zwar zunahm, jedoch in Bezug auf die Gesamtmenge des umlaufenden Bargeldes noch nicht als besorgniserregend einzustufen war, schnellte sie ab etwa 1991/92 nochmals gewaltig in die Höhe. Grund dafür war hauptsächlich der Fall des „Eisernen Vorhangs“, denn nun drängten auch die osteuropäischen Banden auf den Falschgeld-Markt, vornehmlich aus Polen und einigen damaligen GUS-Staaten. Auch in Ungarn und Bosnien saßen zu dieser Zeit Fälschergruppen, die 100-DM-Falsifikate in großen Mengen und recht guter Qualität produzierten. Unrecht hatten allerdings die überaus kritischen Stimmen, die die Bundesbank ob ihrer Aussage hinsichtlich der unfälschbaren Sicherheitsmerkmale der ab 1990 ausgegebenen neuen Notenreihe BBk III ebenso scharf wie unsachlich angegriffen hatten. Natürlich konnten diese neuen Banknoten immer noch gefälscht werden und wurden es auch, waren nun jedoch viel, viel leichter als Nachahmungen zu erkennen. Da es – wie heute noch – auch schon damals vielen Fälschern nur darauf ankam, sogenannte Eindrucksfälschungen unter die Leute zu bringen, Scheine also, die bei flüchtigem Hinsehen den Eindruck echten Geldes erwecken und damit keine nähere Prüfung provozieren, war und ist ein gewisses Mindestmaß bei der Annahme von Banknoten immer erforderlich. In der Bevölkerung aber war nach Ausgabe der neuen DM-Scheine fälschlich der Eindruck entstanden, die neuen Noten würden, da zu schwierig, überhaupt nicht mehr gefälscht werden (können) und man brauche deshalb auch keine besondere Aufmerksamkeit mehr bei ihrer Annahme walten zu lassen. Einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Falschgeldfahnder, Eduard Liedgens vom Bayerischen Landeskriminalamt (er befindet sich zwischenzeitlich im wohlverdienten Ruhestand), hat dies seinerzeit sehr treffend formuliert: „Die Leute nehmen arglos fast alles entgegen, was irgendwie nach Geldschein aussieht – von der Schwarz/Weiß-Kopie bis zur High-Tech-Blüte.“ Das vermehrte Auftauchen von Falschgeld just zum Zeitpunkt der Ausgabe der neuen DM-Serie und danach war aber keinesfalls in Zusammenhang zu bringen, diejenigen, die diese Meinung bis heute vehement verteidigen, lagen und liegen damit gewaltig daneben. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Das Geld der armen Leute

    Von Bettlerschecks, Wohlfahrtmarken, Fürsorge-Scheinen und anderen Geldzeichen für Bettler Nach dem Ersten Weltkrieg gelang es in Deutschland überraschend schnell, die Kriegswirtschaft auf eine Friedensproduktion umzustellen und die demobilisierten Soldaten wieder in den Wirtschaftsprozess einzugliedern. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde zum Teil bewusst die Inflation angeheizt. Durch niedrige Lohn- und Produktionskosten konnten so deutsche Produkte zu Dumpingpreisen ins Ausland exportiert werden. Im Gegensatz zu anderen Industrieländern, die von der weltweiten Nachkriegsdepression erfasst wurden, befand sich das Deutsche Reich von 1920 bis 1922 in einer Phase der Hochkonjunktur mit Vollbeschäftigung. Allerdings war die Konjunktur nur eine Scheinblüte. Der Zusammenbruch der Währung 1923 stürzte Deutschland in eine schwere wirtschaftliche Krise. Mancher an Leib und Seele kranke Weltkriegsteilnehmer hatte den Schritt ins bürgerliche Leben nicht geschafft und zog als entwurzelter Landstreicher bettelnd durchs Land. Zu ihnen gesellten sich nun zahlreiche Arbeitslose. In der offiziellen Verbandsschrift der Deutschen Herbergsvereine – nicht zu verwechseln mit dem Jugendherbergsverband – wird ihre Situation anschaulich geschildert: „Eine ungeheuer große Zahl heimatloser Gesellen bevölkert gegenwärtig unsere Landstraßen. Mit zerlumpten Kleidern und zerfetztem Schuhwerk, nicht selten sogar barfuß ziehen sie hungernd, bettelnd, und stehlend von Ort zu Ort, nachts in Schuppen und Scheunen unterkriechend. Niemand will mit ihnen etwas zu tun haben; man hält sie in der Regel für Menschen, die zu allen Schandtaten bereit sind, für den Abschaum der Menschheit. Keine Frage: Auf manche unter ihnen wird dieses Urteil zutreffen, eine Verallgemeinerung aber ist ungerecht. Der Zerfall des deutschen Familienlebens und die wirtschaftliche Not unserer Zeit haben manche Menschen aus ihren Bahnen geworfen.“ [1] Nach der Währungsreform und der Umsetzung des Dawes-Plans begann eine Phase der wirtschaftlichen Erholung und die Zahl der Wanderer nahm wieder ab. Die erhaltenen Kredite ermöglichten die Modernisierung der Unternehmen. Technischer Fortschritt und Rationalisierung wurden zum Inbegriff für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Sieht man von konjunkturellen Schwächen 1926/27 ab, endete der Aufschwung erst mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929. Nun rächte es sich, dass der wirtschaftliche Aufschwung auf Pump beruhte. Der Abzug der US-amerikanischen Kredite führte überall im Reich zu Firmenzusammenbrüchen. Die Industrieproduktion sank von 1929 bis 1932 um 40 % und fiel auf den Stand von 1904. Der Außenhandel ging drastisch zurück. Die Bankenkrise verschärfte die wirtschaftliche Rezession. Der Zusammenbruch der Darmstädter- und Nationalbank (Danat-Bank) ließ das Vertrauen in die Währung schwinden. Sparer stürmten Banken und Sparkassen, um ihr Geld zu retten. Massenarbeitslosigkeit und die damit verbundene sprunghafte Zunahme der Armut führten wieder zu einer verstärkten Wanderer- und Bettlerbewegung. „Auf allen Gebieten des Fürsorgewesens existieren sorgfältige Zählungen, für Rentner, Kriegsbeschädigte, Krüppel, Arbeitslose, Wohlfahrtserwerblose usw. Nur die Wanderer hat man noch nie gezählt und alle Stichproben in Herbergen und Asylen u. a. Plätzen erfassen nur einen kleinen Ausschnitt.“[2] Braune schätzte ihre Zahl 1931 auf 400.000, „das sind viermal soviel Menschen, wie in der ganzen Reichswehr dienen.“[3] „Das Hauptkontingent der Bettler stellen Handwerker und Arbeiter, die durch die gerade jetzt sich häufende Stillegung der Betriebe gezwungen sind, sich anderswo Arbeit und Verdienst zu suchen. Glückt es nicht bald, irgendwo unterzukommen, sind sie in bitterster Not. Die Wohlfahrtsämter sind außerstande, jedem Gesuch um Reise- und Zehrgeld zu entsprechen. Auch das Wertzettelsystem genügt nicht, da eine genaue Prüfung der Verhältnisse nur bei einheimischen Bettlern möglich ist, den Durchreisenden aber mit Kleidungsstücken und Naturalien nicht ganz geholfen werden kann. Augenblickliche Hilfe tut not. Geldalmosen bedeuten immer Danaergeschenke[4], da sie aus ‚Bettlern aus Not‘ leicht ‚Bettler aus Beruf‘ machen.“[5] Die damaligen Zeitungsberichte, die sich mit der Bettler-Problematik beschäftigen, haben eines gemeinsam: Dem wirklich bedürftigen Arbeitssuchenden solle geholfen, dem arbeitsscheuen, gewohnheitsmäßigen Berufsbettler dagegen die Hilfe verwehrt werden. Und die Lösung des Problems: „Almosen durch Arbeit“; die Herbergen sollten dabei helfen. „Hier sammelt sich alles, der ernstlich arbeitssuchende Wanderbursche sowohl wie der Fechtbruder aus Beruf. Hier zeigt sich jeder ohne Maske, und das scharfe Auge des Herbergsvaters erkennt bald, wo unverschuldete Not drückt. Durch Zuweisung von Notarbeit kann jeder Bedürftige sich das zum Leben Nötigste und Fahrgeld in die nächste Stadt, wo er Arbeit zu finden hofft, verdienen. In sechs bis acht Stunden kann sich jeder so viel erarbeiten, daß er Schlafen und Essen frei hat und ihm noch Fahrgeld […] ausbezahlt werden kann.“[6] Doch wie sahen die Betroffenen dieses Vorgehen? Zwar waren die Fürsorgeverbände und Gemeinden durch Reichsgesetz verpflichtet, den in Not befindlichen Wanderer zu unterstützen, jedoch lief dies praktisch auf einen Quartier- und Verpflegungszwang hinaus. „In großen Gebietsteilen Preußens suchen die einzelnen Gemeinden durch möglichst billige und zugleich abschreckende Art der Hilfe ihre Pflicht den Wanderern gegenüber zu erfüllen. Nachts unsaubere Holzpritschen, auf denen die Männer dicht aneinandergedrängt ihre müden Knochen ausruhen. Die Dorfgemeinden stellen meistens nur häckselartige Strohlager in irgendeinem Dorfwinkel zur Verfügung. […] In Münster in Westfalen bestehen die Nachtlager des Polizeiasyls aus Betonklötzen, die einem halben Sarg ähnlich sehen. Keine Decke, kein Kopfkissen. Als angeblichen Ausgleich dafür überheizt man den Raum, so daß zwar kein Mensch frieren kann, aber eine Atmosphäre entsteht, die den Atem verschlägt. […] Einige Provinzen, Westfalen, Rheinland, Hannover und Sachsen geben allerdings den Wanderern Gelegenheit, durch Arbeitsleistung in den Wanderarbeitsstätten ihre Lage zu verbessern. Die Arbeit ist sehr einfach, sie besteht meistens nur aus Holzzerkleinern oder Hausarbeit. Trotzdem werden die Wanderarbeitsstätten von den Wanderern nicht gern besucht. Der Grund dafür ist teilweise die sehr mangelhafte Verpflegung – es gibt Arbeitsstätten, die Tag für Tag dieselbe Suppe vorsetzten –, und außerdem sind die Besucher verpflichtet, eine vom Provinzialverband bestimmte Wanderstraße zu benutzen und auf ihr täglich 25 bis 40 Kilometer zurückzulegen; sonst gehen sie des Anspruchs auf Verpflegung verlustig.“[7] Darüber hinaus hatte der „ordentliche“ Wanderer seinen Wanderschein[8] mit sich zu führen. Abb. 1.1: Wanderschein des Anton Bauer (5. Dezember 1931 – 14. Juni 1932). Abb. 1.2: Wanderschein, S. 2–3 (Nachweis über erhaltene Schuhe). Abb. 1.3: Wanderschein, S. 8–9 (Wanderstrecke: Übernachtungsnachweis). Der Journalist Joachim Rügheimer begab sich freiwillig unter die Wanderer. Seine romantisierende Darstellung des „Landstreicherlebens“ in seinem Buch hatte nur wenig mit dem harten Leben auf der Landstraße zu tun und schon gar nichts mit „es war die herrlichste, sorgloseste, abenteuerlichste Reise, die ich je gemacht habe.“ [9] Abb. 2: Joachim Rügheimer, Als Landstreicher durch Deutschland, Erlebnisse in Herbergen und Asylen, auf der Landstraße und in Arbeitshäusern, Minden i. W./Berlin/Leipzig 1931. Im Zentralorgan des Deutschen Herbergsvereins, im „Wanderer“, findet sich in den Ausgaben der Jahre 1925 und 1926 eine Anzahl von Aufsätzen, die sich mit der Wanderbettelei beschäftigen und als Abhilfe die Ausgabe von Wohlfahrtschecks propagierten. Der Bürgermeister der Stadt Schüttorf, Dr. Scheurmann, berichtete in der Zeitschrift „Staats- und Selbstverwaltung“ ausführlich über seine Erfahrungen mit dem Bettlergeld: „Die Wohlfahrtsschecks (Bettlerschecks) haben zweckmäßig Billettgröße 12:4 cm; man läßt sie in Blocks zu je 10 Stück anfertigen und auch der besseren Kontrolle wegen mit laufenden Nummern versehen. Der Aufdruck ist sehr verschiedenartig. Oft hat man den Scheck als Gutschein über 2, 5 oder 10 Pfennig gedruckt, der dann im Rathause eingelöst werden kann. Dies scheint verfehlt, denn das führt dazu, daß die Wanderer nun gerade ein Interesse daran haben, von Haus zu Haus gehend recht viele solche Scheine zu erbetteln. Damit ist niemand geholfen, denn einerseits ist die Belästigung der Bevölkerung dieselbe geblieben und andererseits erhält der Bettler ja doch für die Scheine bares Geld; es wird ihm nicht in produktiver Weise geholfen. Es erscheint zweckmäßiger, den Scheck als Fürsorgeschein zu bezeichnen, die Stelle darauf anzugeben, wo die Prüfung der Hilfsbedürftigkeit stattfindet, und weiterhin erscheint eine Warnung vor Bettelei sehr angebracht. […] Der Preis für die Anfertigung dieser Schecks ist sehr mäßig. Eine Billettfabrik fertigte für uns vor einigen Wochen 10000 Scheine, also 1000 Block je 10 Stück zum Preise von 19,60 RM an.“[10] In den folgenden Jahren wurde eine Vielzahl von Wertzeichen für Nichtsesshafte im gesamten Deutschen Reich, Österreich und vor allem im deutschsprachigen Gebiet der damaligen Tschechoslowakei emittiert. Zwar erschien bereits 2009 ein Katalog zum deutschen Bettlergeld[11]; obwohl dort mehr als 750 Ausgabeorte erfasst sind, handelt es sich bei ihnen nur um die Spitze eines Eisbergs. Für Österreich folgte dann 2018 ein Katalog.[12] Trotz dieser beiden Arbeiten ist bei Sammlern nur wenig über diese „Geldart“ bekannt. Licht in das Dunkel will dieser kleine Aufsatz anhand zeitgenössischer Zeitungsartikel der Siegener Zeitung und der Akte C376 aus dem Stadtarchiv Freudenberg bringen. Im Jahr 1926 nahm auch in Siegen die Zahl der mittellosen Wanderer stark zu. Der Verwaltungsbericht der Stadt Siegen vermerkt, dass die Wandererfürsorge besonders stark in Anspruch genommen wird, „weil die … [Siegener] Wanderarbeitsstätte die erste erreichbare westfälische Wanderarbeitsstätte für alle diejenigen Wanderer ist, die aus den südlichen Landesteilen nach Norden wandern, und weil Siegen auf der verhältnismäßig langen Wanderstrecke die einzige Gemeinde mit ausgebauten städt. Wohlfahrtseinrichtungen ist und gerade deshalb auch wegen seiner geographischen Lage und der industriellen Umgebung besonders häufig passiert wird.“[13] Im vom Pietismus geprägten Siegerland war man durchaus bereit, in Not geratenen Wanderern zu helfen; andererseits wollte man den arbeitsscheuen Landstreichern kein Geld für Alkohol und Tabakwaren geben. Am 22. Dezember 1925 war in der Siegener Zeitung (SZ) die folgende Meldung zu lesen: „Zur Bekämpfung des Bettlerunwesens hat das städtische Fürsorgeamt seit einiger Zeit Bettelschecks eingeführt, wie sie sich in vielen anderen Städten sehr gut bewährt haben. Leider wird von dieser wirklich praktischen Einrichtung noch wenig Gebrauch gemacht. Den gerade zur Winterzeit in großer Zahl vorsprechenden durchreisenden Wanderer ist vielfach nicht damit geholfen, daß man ihnen eine Münze in die Hand drückt. Wer bürgt dafür, daß nicht das auf diese Weise erbettelte Geld in der nächsten Wirtschaft in Alkohol oder in Zigaretten umgesetzt wird! Man gebe dem Bettler statt des üblichen Geldstücks einen Bettelscheck, mit dem er sich auf dem Fürsorgeamte, Rathaus, Zimmer 27, zu melden hat. Dort wird dem Bettler, nachdem seine Notlage geprüft worden ist, geholfen. Nur der wirklich Bedürftige wird unterstützt. Gewohnheitsmäßige Bettler werden es vorziehen, die Stadt auf dem kürzesten Wege zu verlassen, weil sie die Prüfung durch das Fürsorgeamt scheuen. Wer die Plage des Bettlerunwesens steuern und den wirklich notleidenden Wanderern helfen will, kaufe Bettelschecks.“[14] Die Zeitung erklärte dann am 14. Januar 1926 ihren Lesern ihre Handhabung: „Wer Bettelschecks kauft und sie den durchreisenden Wanderern an Geldes statt verabfolgt, bekämpft den gewohnheitsmäßigen Bettel und hilft den wirklich Bedürftigen! […] Sie kosten 5 Pfg. das Stück und sind in Blocks zu je 10 Stück durchnumeriert. Der Gutschein wird an den Türen statt Geld oder anderer milden Gaben verabfolgt. Er hat für den Bettler keinen Geldwert, sondern enthält nur eine Anweisung für ihn, sich zum Fürsorgeamt zu begeben. Hier werden seine gesamten Verhältnisse geprüft. Ergibt sich, daß es sich nicht um einen Berufsbettler, sondern um wirklich Bedürftige handelt, so hilft das Amt. Die Bürgerschaft wird dringend ersucht, nicht auf die Klagen der Bettler zu hören, daß ihnen beim Fürsorgeamte nicht geholfen werde. Man merke sich vielmehr die Nummer des Schecks und frage unter Hinweis auf diese beim Fürsorgeamt schriftlich oder unter Fernsprech-Nr. 1481-1485 nach, was für den Bettler getan wurde. Man lasse sich auch nicht durch Schmäh- und Schimpfworte der Bettler verdrießen, immer wieder Schecks zu benutzen. Der Erfolg wird nicht ausbleiben. Spenden für die Bettlerhilfe, wie Geld, Lebensmittel und Kleider, nimmt das Wohlfahrtsamt, Abt. Fürsorgeamt, Rathaus, Zimmer 27, gern entgegen.“[15] Abb. 3: Siegen, Städt. Wohlfahrtsamt, o.D. (1925), o. Wert, Vorder-/Rückseite (112 x 50 mm). Auch die Gemeinde Eiserfeld[16], das Bürgermeisteramt Kirchen und die Bürgermeistereien Wissen, Waldbröl und Ruppichteroth, die auf dem Weg an den Rhein lagen, beteiligten sich an der Ausgabe von Fürsorgescheinen. Sie entsprechen auffallend jenen der Stadt Schüttorf und wurden ebenfalls in Format eines Billetts ausgegeben. Auch sie versprechen nur Hilfe, wenn die Prüfung eine Bedürftigkeit ergab. Der Umgang mit Armut und Bettelei war im Laufe der Geschichte einem ständigen Wandel unterworfen. Galt im Mittelalter das Almosengeben als gottgefälliges Werk zur Rettung des Seelenheils, so ändert sich dies im Zuge der Reformation. Luther wandte sich gegen die Almosenlehre und vertrat die These, dass die Erlösung allein über den Glauben zu erreichen sei. Während ortsansässige Arme die Erlaubnis zum Betteln erhielten oder durch die Gemeinden unterhalten wurden, drohte den umherziehenden Bettlern das Abschneiden der Ohren, die Brandmarkung oder gar der Tod am Galgen. Im aufklärerischen Sinne billigte das Allgemeine Preußische Landrecht von 1794 nichtarbeitsfähigen Armen einen Anspruch auf staatliche Hilfe zu. Jedoch war diese Hilfe an einem ununterbrochenen Aufenthalt in einer Wohnortgemeinde gebunden. Arbeitsfähige und umherziehende Bettler hatten somit keinen Unterstützungsanspruch. Ihnen drohte die Einweisung ins Arbeitshaus. Nach dem Preußischen Strafgesetzbuch von 1851, dessen Bestimmungen 1871 ins Reichsstrafgesetzbuch übernommen wurden, waren „Landstreicherei“ und „Arbeitsscheue“ nach § 361 Straftatbestände und belegt mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sechs Wochen. Jedoch drohte bei gleichzeitiger Aburteilung mehrerer Übertretungen weiteres Ungemach. Die „einfache Freiheitsentziehung“ – Dauer bis zu drei Monaten – konnte durch Arbeitszwang verschärft und der Bettler zusätzlich für bis zu fünf Jahren unter Polizeiaufsicht gestellt werden, was die Möglichkeit der Anordnung von Aufenthaltsverboten für bestimmte Orte beinhaltete. Ferner konnte das Gericht bei rückfälligen Bettlern, d. h. bei mehrfachen Verurteilungen in den letzten drei Jahren, anordnen, dass diese nach Strafverbüßung den Polizeibehörden zu übergeben seien, die die Delinquenten nach eigenem Ermessen entweder freilassen, zu gemeinnützigen Arbeiten verwenden oder bis zu zwei Jahre in ein Arbeitshaus mit strengen Vollzugsbedingungen einweisen konnten. Erst im April 1974 wurde der Straftatbestand der Bettelei im Strafgesetzbuch der Bundesrepublik gestrichen. In der ehemaligen DDR galt Betteln als Ordnungswidrigkeit und der Bettler konnte zu gemeinnützigen Arbeiten herangezogen oder zu einer Ordnungsstrafe von bis zu 1000 Mark verurteilt werden.[17] Wem kann man es verübeln, wenn man die folgenden beiden Zeitungsmeldungen betrachtet, dass man die erhaltenen Bettelschecks nicht einlöste: „Am 5. Mai wurde der Arbeiter St. aus Sulzbach in Kirchen bettelnd angetroffen und in Haft genommen. Er wurde zu einer Haft verurteilt. Die Strafe gilt durch die Untersuchungshaft als verbüßt.“[18] „An der Sigambria wurde am Sonntagabend ein fremder Mann wegen Bettelns von der Polizei verfolgt. In panischem Schrecken vor den ihm nachsetzenden Beamten sprang er über das Geländer der Schwelbeler Siegbrücke in die Sieg. Man fischte ihn heraus und ließ ihn sich auf dem Trocknen von der gehabten Anstrengung erholen, um ihn dann in Gewahrsam zu bringen.“[19] Mehrmals im Jahr erinnerte die SZ ihre Leser daran, nur Wohlfahrtsscheine an Geldesstatt den durchreisenden Wanderern zu geben. Nur so könne das Betteln eingedämmt werden. In ihrer Ausgabe vom 10. November 1928 stellte sie eine neue Art von Wohlfahrtscheinen vor, die von den Caritasverbänden der Bistümer Münster und Paderborn in Verbindung mit dem Westf. Herbergsverband der Inneren Mission und der Provinzialverwaltung ausgegeben wurden. Die Gutscheine zu 5 Pfennig wurden in der Herberge zur Heimat, Kohlbettstraße 4, in Zahlung genommen. Ferner konnten sie beim Caritasverband Siegen, Löhrtor 4, gegen Lebensmittel und Verpflegung eingetauscht werden. Anfang 1932 gab das städtische Wohlfahrtsamt Siegen neue Wohlfahrtscheine zu 5 Pfennig aus, die sowohl in der Herberge zur Heimat auf Abendessen und Nachtlager, als auch in der Volksküche, Löhrstraße 52, auf das Mittagessen angerechnet wurden. „Der glückliche Inhaber eines Wohlfahrtsscheines braucht nun nicht etwa stets zu warten, bis er weitere 5 Scheine erhalten hat, um ein Mittagessen in der Volksküche für 30 Pfennig zu erstehen, sondern kann sich gegen Abgabe von nur 2 Wohlfahrtsscheinen mit einer warmen, nahrhaften Suppe zum Preise von 10 Pfennig begnügen. Besitzt er noch ein Stück Brot, so nimmt er ein Essen ein, um das ihn in dieser Notzeit manche Familie beneidet.“[20] Weitere Preise: 1 Tasse Kaffee der Marke Quiäta schwarz 5 Rpf., mit Milch und Zucker 10 Rpf., 1 Stück Brot 5 Rpf., gestrichen 10 Pfg. Das Abendessen in der Herberge kostete 30 Rpf. Und das Nachtlager 50 Pfg.[21] Da in der Zeitungsmeldung nur von Scheinen zu 5 Pfennig die Rede ist, muss der Wert zu 3 Reichspfennig zu einem späteren Zeitpunkt ausgegeben worden sein. Die Ausgabe von Mittagessen durch die Volksküche erfolgte nicht nur gegen Barzahlung und Annahme von Wohlfahrtsscheinen, sondern auch gegen Abgabe von Gutscheinen des Caritas-Verbandes, die auf „ein Mittagessen“ lauteten. Abb. 4: Siegen, Städt. Wohlfahrtsamt, Wohlfahrtsschein, o.D., 3 Reichspfennig, Vorderseite (72 x 42 mm). Mit Schreiben vom 24. Oktober 1932 informierte das Kreiswohlfahrtsamt des Landkreises Siegen die Bürgermeister des Kreises über die Einführung von Bettlerschecks in der Gemeinde Weidenau: „Um dem überhandnehmenden Bettlerunwesen zu steuern und vor allem, um zu verhüten, daß das erbettelte Geld in Tabak und Alkohol umgesetzt wird, wie es tatsächlich sehr oft geschieht, hat die Gemeinde Weidenau ‚Gutscheine für 2 Pfg.‘ nach beiliegendem Muster herstellen und an die Haushalte zum Preise von 2 Pfg. das Stück abgeben lassen. Die Herstellkosten sind sehr niedrig; sie betragen je nach der Auflagezahl ½ – 1/10 Pfg. Die Gemeinde Weidenau ist mit dem Erfolge der Scheckausgabe sehr zu frieden. Die Haushaltungen, die Bettlerschecks ausgeben, werden bei weitem nicht oft von Bettlern belästigt, wie das vorher der Fall war. Das Amt Weidenau will ebenfalls die Ausgabe von Bettlerscheck (zu 2 und 5 Pfg.) einführen, die in allen Geschäften innerhalb des Amtsbezirks eingelöst werden können.“ Im gleichen Schreiben regte das Kreiswohlfahrtsamt die Ausgabe von Bettlerschecks auch in den anderen Ämtern des Kreises an. Der Bürgermeister von Kreuztal wandte sich am 18. November 1932 an seinen Amtskollegen in Freudenberg. Er informierte ihn darüber, dass er sich entschlossen habe, ebenfalls Bettlerschecks über 2 Pfg. auszugeben. Gleichzeitig machte er den folgenden Vorschlag: „Damit […] vermieden wird, dass in den einzelnen Ämtern Schecks in gleicher Farbe ausgegeben werden, schlage ich nachstehende Regelung vor […]: 1. Für die Stadt Hilchenbach braune Schecks, 2. Für das Amt Stift Keppel weiße Schecks [hier wurden bereits Schecks über 3 Pfg. ausgegeben, Anm. d. Verf.], 3. Für das Amt Ferndorf dunkelblaue Schecks, 4. Für das Amt Freudenberg gelbe Schecks, 5. Für das Amt Weidenau rote [betrifft die bereits ausgegebenen Schecks zu 2 Pfg., Anm. d. Verf.] und grüne Schecks [5 Pfg.], 6. Für das Amt Eiserfeld in Niederschelden graue Schecks 7. Für das Amt Wilnsdorf hellblaue Schecks, 8. Für das Amt Netphen lila Schecks, 9. Für das Amt Burbach rosa Schecks.“ Bei der Bürgermeister-Konferenz in Siegen wurde am 28. November 1932 dann unter Tagesordnungspunkt 5 der folgende Beschluss gefasst: „Es wird beschlossen, die Schecks durch Herrn Bürgermeister Dr. Moning – Kreuztal zu beziehen, der einen Preis von 55 Pfg. pro 1000 Schecks ausgemacht hat. 1000 Schecks stellen einen Verkaufswert von 20 RM dar. Die Druckkosten betragen also 2,75 % des Erlöses. Die Schecks sollen unnumeriert geliefert werden. Es bleibt den Ämtern überlassen, die Numerierung durch eine Paginiermaschine selbst durchzuführen. Es erscheint aber ausreichend, wenn die Schecks, was der Sicherheit halber ohnedies geschehen muß, mit dem Amtsstempel versehen werden. Ob ein Beamter oder Angestellter des Wohlfahrtsamtes oder die Gemeindevorsteher mit dem Verkauf der Schecks betraut werden, muß örtlich geregelt werden. Die mit dem Scheckverkehr betraute Person erhält eine bestimmte Menge Schecks und muß periodisch entweder die Schecks oder den Erlös in Geld abliefern. Bei der Abrechnung werden die eingelösten Schecks unter Aufsicht verbrannt. Etwaige Nachbestellungen sind stets durch das Amt Ferndorf vorzunehmen. Die von den einzelnen Ämtern bestellten Scheckformulare werden den Ämtern in Kürze zugehen.“ Abb. 5: Amt Ferndorf, Gutschein, o.D. (1932/33), 2 Pfennig, Vorderseite. Abb. 6: Amt Freudenberg, Gutschein, o.D. (1932/33), 2 Pfennig, Vorderseite. Am 15. Dezember 1932 trafen 20.350 Bettlerschecks der Buchdruckerei Friedrich Wilke, Kreuztal, in Freudenberg ein, deren Ausgabe am 17. Januar 1933 bekanntgemacht wurde. Gleichzeitig erhielten die Gemeinden des Amtes Freudenberg je nach ihrer Einwohnerzahl entsprechende Gutscheinmengen. Für die Gutscheine erhielt der Bettler in den einheimischen Geschäften Lebensmittel aller Art; ausgeschlossen waren aber Tabak, Alkohol und Süßigkeiten. Die Gutscheine wurden von den Geschäften gesammelt und am letzten jeden Monats zur Einlösung vorgelegt. Geschäfte, die andere als die vorgesehene Ware an Bettler abgaben, wurden von den weiteren Lieferungen ausgeschlossen und auch die vorgelegten Gutscheine nicht eingelöst.[22] Nur wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme begannen die neuen Machthaber, ihre Vorstellung von Sozialpolitik umzusetzen. Da man in den Bettlerschecks eine Konkurrenz zum geplanten Winterhilfswerk sah, dessen Arbeit aus dem Spendenaufkommen der Bevölkerung gespeist werden sollte, ergriff Goebbels' neu geschaffene Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda bereits Mitte Juli 1933 die Initiative, in Zeitungsartikeln Stimmung gegen die Bettler zu machen. Am 16. September 1933 konnte man beispielsweise in der SZ lesen: „Für den Erfolg des von der Reichsregierung eingeleiteten Hilfswerkes gegen Hunger und Kälte ist die Bekämpfung des zurzeit übermäßig starken Bettelunwesens unbedingt notwendige Voraussetzung. Wie wir von unterrichteter Seite hierzu erfahren, hat der Erlaß des preußischen Innenministers vom 1. Juli zur Bekämpfung des Bettelunwesens schon sehr segensreich gewirkt. Jedoch ist gerade auf dem flachen Lande noch sehr viel Arbeit zu leisten. Es sind hier in den meisten Fällen nicht wirklich Notleidende, sondern berufsmäßige Bettler oder sonst minderwertige Elemente, die über die ihnen zustehende Arbeitslosen-, Wohlfahrts- und sonstigen Unterstützungen hinaus zum Teil nicht unerhebliche Beträge an Geld oder Lebensmitteln für sich in Anspruch nehmen. Es müssen daher die gebenden Teile der Bevölkerung dazu erzogen werden, keine Geldmittel für diese Art unkontrollierbarer, meist dem Falschen zukommender Liebestätigkeit anzuwenden. Gerade die noch leistungsfähigen und auch zum Geben bereiten Volkskreise werden mit diesen Spenden für meist Unwürdige übermäßig belastet, so daß sie nicht mehr fähig sind, bei öffentlichen Sammlungen so viel zu geben, wie sie es an sich täten und auch gern täten. Daher Schluss mit der Bettelei.“[23] Bereits einen Tag zuvor hatte man in einem Artikel über die Durchführung des Winterhilfswerks lesen können, was man für die Bettler vorsah: „Um den Erfolg der Sammlungen nicht von vornherein in Frage zu stellen, ist in den nächsten Monaten ein energisches Einschreiten gegen das Bettlerunwesen zu erwarten. Die Maßnahmen werden unter Einsatz aller Polizeikräfte und unter Mitwirkung der SA und des Stahlhelms schlagartig einsetzen. Alle beim Betteln angetroffenen Personen werden festgestellt, verdächtige Personen in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei in Haft genommen," – und zur Beruhigung der mitleidigen Bürger folgt der Zusatz – „wirklich notleidende Personen aber in die Obhut einer öffentlichen oder privaten Wohlfahrtsstelle überführt werden.“ Zwischen dem 18. und 25. September 1933 durchkämmte die Polizei im Rahmen in einer reichsweiten Razzia Nachtasyle, Herbergen und bekannte Treffpunkte. Man verhaftete insgesamt Zehntausende Bettler, allein in Württemberg waren es fast 5000, in Hamburg 1400. Da die bestehenden Gefängnisse nicht ausreichten, richtete man zeitweise auch spezielle Bettlerhaftlager ein.[24] Diente die „Bettleraktion“ 1933 und ähnliche Kampagnen in der folgenden Zeit der Abschreckung und Propaganda, so änderte sich dies 1938 grundlegend. Im Rahmen der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ wurden im Frühjahr und Sommer 1938 sogenannte „Asoziale“ in großer Zahl unbefristet in „Vorbeugungshaft“ in Konzentrationslager eingewiesen. Abb. 7: Siegener Zeitung Nr. 227 vom 28. September 1933. Am 3. Oktober hieß es dann in der SZ: „Das Wohlfahrtsamt hat den Verkauf von Wohlfahrtsscheinen eingestellt und es bittet die Hausfrauen, die noch in ihren Händen befindlichen Scheine an die Winterhilfe abzugeben. Jede, auch die kleinste Gabe, gehört nun dem Winterhilfswerk.“ Auch im Amt Freudenberg gehörten sie bald der Vergangenheit an. Am 8. März 1934 wandte sich der Bürgermeister des Amtes an die Herren Gemeindevorsteher: „Nachdem das Bettlerunwesen mit aller Strenge bekämpft wird, sind die seinerzeit eingeführten Bettlerschecks überflüssig geworden. Ich ersuche deshalb erg., die Beträge, die Sie inzwischen für verkaufte Bettlerschecks eingenommen haben, hierher abzuliefern und die restlichen Bettelschecks ebenfalls zurückzugeben.“ Von den 20.350 an das Amt gelieferten Scheinen wurden 7000 Gutscheine im Wert von 140 RM an die Gemeinden abgegeben. Hiervon wurden nur 2812 Scheine (56,24 RM) an Haushalte verkauft und weniger als ein Viertel (670 Gutscheine = 13,40 RM) von ihnen schließlich eingelöst. Die Bettlerschecks können in drei Gruppen eingeteilt werden: In die erste Gruppe fallen die Wohlfahrtsschecks ohne Wertangabe, die einzig eine Prüfung der Bedürftigkeit versprechen. Das Gleiche gilt für die zweite Gruppe, allerdings weist hier der Wohlfahrtsscheck eine Wertangabe auf. Die Scheine der dritten Gruppe lauten auf einen Pfennigbetrag und ermöglichten einen Einkauf in einheimischen Geschäften, in Ausnahmefällen auch nur ihre Verwendung in den Herbergen oder ähnlichen Einrichtungen. Sie verstießen eindeutig gegen die Bestimmungen der „Verordnung über Notgeld“ vom 30. Oktober 1931, da sie im Verkehr als Ersatz für das vom Reich, von der Reichsbank, der Deutschen Rentenbank oder einer Privatbank ausgegebene Geld verwendet werden konnten. Obwohl die Reichsbank in anderen Fällen unnachgiebig gegen Emittenten von Gutscheinen vorging, wenn diese auch nur den Hauch von Geld erkennen ließen, blieben die meisten Bettlergeld-Ausgaben unbehelligt. Da nur die wenigsten Bettlerschecks datiert sind, ist eine zeitliche Einordnung nur bei anderweitigen Angaben möglich. Die Scheine der dritten Gruppe dürften die „jüngsten“ sein. Münzen wurden wohl nur sehr selten hergestellt. Die meist kleinformatigen Wertzeichen weisen in der Regel nur einen Textaufdruck auf und sind auf einfachem Papier gedruckt – manchmal auch auf Karton. Abb. 8: Verkehrsverein Altenkirchen, Gutschein, o.D., 2 Pfg., Vorderseite (100 x 47 mm). Abb. 9: Stadtgemeinde Amorbach, Wohlfahrtsmarke, o.D., 2 Pfg., Vorderseite (78 x 45 mm). Abb. 10: Marktgde. Burgbernheim i. M., Bettler-Marke, o.D., 2 Pfg., Vorderseite (82 x 45 mm). Abb. 11.1: Eisenach, Thüringer Herbergs-Verband, Wanderer-Gutschein, 13. November 1930, 5 + 5 Pfennig, Vorder-/Rückseite (110 x 32 mm). Abb. 12.1: Ortsfürsorge Hassloch, o.D., 2, Vorder-/Rückseite (ø 20 mm). Abb. 13.1: Amt Merkstein, Zweigverein vom Roten Kreuz des Landkreises Aachen, o.D., 2 Pfennig, Vorder-/Rückseite (100 x 74 mm). Abb. 14: Stadtgemeinde, Neckarsulm, Fürsorge-Schein, o.D., 2 Pfennig, Muster, Vorderseite (109 x 40 mm ohne Talon). Abb. 15.1: Nürnberger Nothilfe, o.D., 2 Pfg., Vorder-/Rückseite (33 x 24 mm). Abb. 16: Pasing, Wohlfahrtsmarke, o.D., 2 Pfennig, Vorderseite (63 x 42 mm). Abb. 17: Gemeinde Taubenheim, Gutschein, 8. August 1932, 2 Pfg., Vorderseite (64 x 36 mm). Abb. 18: Gemeinde Wald-Michelbach, Spendenschein, o.D., 1 Pfg., Vorderseite (73 x 42 mm). Abb. 19: Stadt Wurzen, o.D., 2 Reichspfennige, Vorderseite (112 x 68 mm). Abb. 20: Caritas Zweibrücken, o.D., 5-Pfennig-Gutscheinheft, Vorderseite (103 x 50 mm). Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Martin Hagemann, "Bettlernot, Bettlerplage, Bettlerhilfe", in: Der Wanderer, 42. Jahrgang 1925, Nr. 4, S. 53f. [2] Paul Braune, "Wieviel Wanderer gibt es in Deutschland", Der Wanderer, 48. Jg., 1931, S. 192–196, zit. nach: Jürgen Scheffler (Hrsg.), Bürger & Bettler. Materialien und Dokumente zur Geschichte der Nichtseßhaftenhilfe in der Diakonie, Bd. 1, 1854 bis 1954. Vom Herbergswesen für wandernde Handwerksgesellen zur Nichtseßhaftenhilfe, Bielefeld 1987, S. 210. [3] Ebd., S. 212. [4] Anm. d. Verf.: „Ein Danaergeschenk (gesprochen Da-na-er-geschenk) ist ein Geschenk, das sich für den Empfänger als unheilvoll und schadenstiftend erweist. Der Begriff stammt aus der griechischen Mythologie. Benannt ist es in Anlehnung an das hölzerne Trojanische Pferd, mit dessen Hilfe die 'Danaer' (bei Homer eine Bezeichnung für die Griechen/Hellenen überhaupt) die Stadt Troja eroberten.“ (25.08.2017) . [5] W. Nicolai, Die Herberge im Kampf gegen Bettelei. Ein Beitrag zur Lösung der Bettlerfrage, 42. Jahrgang 1925, Nr. 7, S. 102. [6] Ebd. [7] "Die Wandererfürsorge – vom Wanderer aus gesehen", Freie Wohlfahrtspflege, 7. Jg., 1932/33, S. 224–227, zit. nach Jürgen Scheffler (Hrsg.), S. 269. [8] Mithilfe des Wanderscheins konnte der arbeitssuchende Wanderer seine Wanderroute nachweisen und dass er um Arbeit nachgesucht hatte. [9] Joachim Rügheimer, Als Landstreicher durch Deutschland, Erlebnisse in Herbergen und Asylen, auf der Landstraße und in Arbeitshäusern, Minden i. W., Berlin, Leipzig 1931, S. 8. [10] Dr. Scheurmann, "Die Durchführung des Bettlerscheck-Systems in der Praxis", in: Staats- und Selbstverwaltung, Zeitschrift für Stadt- und Gemeindeverordnete, Ehrenbeamte der kommunalen Selbstverwaltung, Staats- und Kommunalverwaltungen und –beamte, 7. Jahrgang 1926, Nr. 8, S. 231. [11] Kai Lindman, Bettlergeld, Unterstützungsscheine für Nichtsesshafte und Bedürftige in Deutschland, Gifhorn 2009. [12] Rudolf Richter, Österreich, Wohlfahrtsscheine – Bettlergeld ca. 1928 – 1931 und Vorläufer, Salzburg 2018. [13] Verwaltungsbericht der Stadt Siegen für die Zeit vom 1. April 1926 bis 31. März 1923, Siegen 1927, S. 28. [14] Siegener Zeitung (SZ) vom 22. Dezember 1925, Nr. 299, 103. Jg. [15] SZ vom 14. Januar 1926, Nr. 11, 104 Jg. [16] SZ vom 19. Januar 1926, Nr. 15, 104. Jg. [17] Vgl. Dieter Bindzus und Jérom Lange, Ist Betteln rechtswiedrig? – Ein historischer Abriß mit Ausblick ( 04.05.2017). [18] SZ Nr. 116 vom 19. Mai 1927. [19] SZ Nr. 178 vom 2. August 1927. [20] SZ Nr. 11 vom 14. Januar 1932. [21] SZ Nr. 155 vom 5. Juli 1932 [22] SZ Nr. 38 vom 14. Februar 1933. [23] SZ Nr. 217 vom 16. September 1933. [24] Vgl. Wolfgang Ayaß, „Wohnungslose im Nationalsozialismus“, in: Werena Rosenke (Hrsg.), Integration statt Ausgrenzung, Gerechtigkeit statt Almosen, Bielefeld 2006.

  • Aus alten Zeitungen: Falschmünzer werden entlarvt

    Von Cornelius Schmidt. Falschgeld läuft um. Misstrauisch hält der Kellner im Café, der Beamte am Postschalter, der Kassierer in der Bank, der Kaufmann im Laden den Geldschein gegen das Licht, um nach dem Wasserzeichen zu forschen, lassen sie die Münzen auf den Tisch springen, um am Klang des Metalls die Fälschung zu entlarven. Parallel mit wirtschaftlicher Not und dem Arbeitsloswerden selbst der besten „Fachleute“ schwillt die Flut der Fälschungen immer mehr an. Nach § 146 des Strafgesetzbuches wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft, wer inländisches oder ausländisches Metallgeld oder Papiergeld nachmacht, um das nachgemachte Geld als echtes zu gebrauchen oder sonst in den Verkehr zu bringen, oder in anderer Weise Geld verfälscht. Aber die schweren Strafen, die das Gesetz androht, schrecken längst nicht jeden ab. Alle Fäden der Falschmünzer-Bekämpfung laufen zusammen in den Diensträumen der „Deutschen Zentralstelle zur Bekämpfung von Geldfälschungen“ unter Leitung des bekannten Kriminalkommissars Liebermann von Sonnenberg, die ihre Büros in der Alten Leipziger Straße 16 in Berlin unterhält und aufs engste mit der Kriminalpolizei und der Reichsbank zusammenarbeitet. Im Laufe des Jahres 1931 musste diese Dienststelle immer weiter ausgebaut werden. Jetzt gibt es dort drei Dezernate: für Papiergeld, für Metallgeld und für den Nachrichten-Dienst. „Wieviel Falschgeld in Deutschland im Umlauf ist, ist schwer genau zu sagen. Ich glaube jedoch, dass die Verbreitung von Falschgeld in Deutschland allgemein überschätzt wird. Die meisten Hersteller von Falschgeld werden sehr schnell gefasst. Die Berliner Zentralstelle hält sogar den Weltrekord in der Aushebung von Falschmünzer-Werkstätten. Wenn man von den verhältnismäßig wenigen internationalen Notenfälscher-Banden absieht, gibt es allerdings wohl bei uns die meisten Fälscher.“ Abb. 1: Erich Liebermann von Sonnenberg, Wie schütze ich mich vor Falschgeld? Berlin-Lichterfelde 1935. Wieviel Falschmünzer gibt es? „Im Jahr 1931 wurden fünf Werkstätten für falsche Geldscheine und zehn Betriebe zur Herstellung von falschem Metallgeld in Berlin ausgehoben. Nur zwei Werkstätten sind noch nicht bekannt, die offenbar von Einzelgängern betrieben werden, wie sich z. B. aus den vertriebenen Mengen ergibt. Jeder der beiden Fälscher bringt monatlich nur 20 bis 30 Geldscheine in Umlauf, der eine Zehnmarkscheine, der andere Zwanzigmarkscheine." Was wird am meisten gefälscht? „Welche Scheine oder Münzen am meisten gefälscht werden, ist je nach Wirtschaftslage sehr verschieden. In der Inflation wurden in Deutschland mit Vorliebe Zweidollar-Noten in Zweihundertdollar-Noten umgefälscht. Auch das Inflationspapiergeld wurde sehr viel nachgemacht, was ziemlich leicht war. Auch während der Jahre 1924 bis 1925 blühte die Notenfälschung. Nicht weniger als 500 Fälscher wurden damals festgenommen. Jetzt werden die deutschen Geldscheine wieder sehr viel sorgfältiger gedruckt. Zur Herstellung einer brauchbaren Fälschung gehört daher ziemlich viel Betriebskapital, so paradox das klingen mag. Aber um den Neunfarbendruck der deutschen Noten nachzuahmen, müssen Zeichnungen und Druckplatten angefertigt werden, Pressen aufgestellt und ein 'Arbeitsraum' beschafft werden, der Jahre hindurch geheim bleibt, denn die Vorbereitung dauert allein 8 Monate und der Druck erfordert mindestens 12 Arbeitsgänge, so dass die Banknotenfälschung nur auf lange Sicht betrieben werden kann. Leichter, aber auch weniger lohnend, ist die Herstellung von Metallgeld. Dazu gehört nur eine Metall-Legierung und ein Prägestempel, die beide verhältnismäßig leicht herzustellen sind – einige Fachkenntnisse natürlich vorausgesetzt.“ Abb. 2: Reichsbank, 11. Oktober 1924, 10 Reichsmark, Fälschung, Vorder- und Rückseite. Abb. 3: Deutsches Reich, 1928, Mzst. D, 5 Reichsmark, Fälschung, Vorder- und Rückseite. Damit kein Missbrauch mit den Fälschungen betrieben werden konnte, wurde der Schein gestempelt und die Münze durch einen Einhieb entwertet! Wie arbeiten die Fälscher? „Die meisten Fälscher sind Drucker, die nach Lichtdruck-, Buch- oder Steindruckverfahren arbeiten, je nachdem, welches 'Handwerkszeug' ihnen zur Verfügung steht. Manche beschaffen sich sogar richtige Druckplatten, indem sie bei verschiedenen Klischeefabriken unter falschem Namen Bestellungen auf Klischeeteile aufgeben, deren Zweck durch irgendwelche Zusätze verschleiert wird. Die überflüssigen Teile werden dann weggeschnitten und aus den richtigen Stücken ein 'echtes' Klischee zusammengestellt. Das Papier wird im freien Handel bezogen und entsprechend präpariert, da das richtige Banknotenpapier nur in den drei Reichsdruckereien hergestellt wird [es müsste hier Papierfabriken heißen, Anm. d. Verf.], wo das unbedruckte Papier unter denselben Vorsichtsmaßregeln gezählt und bewacht wird, wie gedruckte Banknoten.“ Wie entdeckt man Fälscher? „Jeder falsche Schein läuft höchstens drei Monate. Innerhalb dieses Zeitraums wird der falsche Schein irgendwo angehalten und an uns weitergegeben. Wir stellen genaue Recherchen an, der Schein wird untersucht, nach bestimmten Merkmalen klassifiziert und in unserer Kartei registriert. Wenn ein Schein von gleicher Fabrikation in vielen Exemplaren in derselben Gegend erscheint, kann man daraus oft gewisse Rückschlüsse auf den Ort der Herstellung und die Vertriebsmethoden der Fälscher ziehen. Die benachbarten Polizeireviere, Hotels, Banken und Geschäfte werden gewarnt. Oft kann man genau den Weg des Fälschers verfolgen, ja sogar vorhersagen, wo er das nächste Mal auftauchen wird. Unsere besten Helfer sind vor allem die Postbeamten, die alles eingelöste Falschgeld aus eigener Tasche bezahlen müssen und daher besonders vorsichtig sind. Zur Bekämpfung der internationalen Fälscherbanden erscheint in Wien für die Polizeistationen in aller Welt regelmäßig eine Zeitung mit den Erkennungszeichen der zuletzt aufgetauchten Falschgeldscheine. Sie wird an die Polizeistationen der ganzen Welt versandt, aber auch an die Banken, großen Hotels und Firmen, um internationale Fälscher möglichst schnell hinter Schloss und Riegel zu bringen.“ Abb. 4: Internationales Organ für Erkennungszeichen echter und gefälschter Banknoten und anderer Werte, hrsg. vom Bankenverband (Fachverband der Aktienbanken und Bankgewerbetreibenden), Wien, 15. Jahrgang, 1938. Abb. 5: Ebenda, S. 8/9. Erkennen von 100-US-Dollars-Fälschungen anhand der Kennnummer. Und das Publikum? „Das Publikum versucht meistens, das falsche Geld mit möglichst harmloser Miene wieder loszuwerden, obwohl auch das strafbar ist (bis drei Monate Gefängnis! Auch der Versuch ist strafbar!). Die größte Hilfe der Falschgeldfabrikanten ist die Leichtgläubigkeit des Publikums, das sich von den geschickt auftretenden Falschgeldvertreibern allzu oft bluffen lässt, selbst wenn eine falsche Note oder Münze angehalten wird.“ Uwe Bronnert Quelle: Siegener Zeitung, Nr. 297 vom 20. Dezember 1933; ergänzt mit verschiedenen Abbildungen

  • Das Notgeld der Stadtgemeinde Zoppot (1923)

    Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 wurde gegen den Willen der überwältigenden deutschen Bevölkerungsmehrheit das Gebiet um Danzig vom Deutschen Reich abgetrennt. Nach Artikel 100 übernahmen die alliierten und assoziierten Mächte die Herrschaft über das Gebiet; in diesem Fall erhielt Danzig mit seinem Hinterland eine vorübergehende britische Besatzung. Eigentlich widersprach die Abtrennung Danzigs dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, das US-Präsident Wilson in seinem Vierzehn-Punkte-Programm proklamiert hatte, andererseits sollte die neu errichtete Polnische Republik einen freien Zugang zur See mit einem funktionierenden Hafen erhalten. So wurde am 15. November 1920 die Freie Stadt Danzig unter dem Schutz des Völkerbundes gegründet, in der Polen weitreichende Rechte erhielt. Das Gebiet der Freien Stadt Danzig wurde Teil des polnischen Zollgebiets, ihre Bürger wurden diplomatisch und konsularisch im Ausland durch Polen vertreten, ein Gemeinsamer Ausschuss verwaltete den Hafen und die Wasserwege, die Eisenbahn kam unter polnische Regie und für die Verbindung mit Polen durfte ein eigener Postdienst eingerichtet werden. Gebiet der Freien Stadt Danzig nach Artikel 100 des Versailler Vertrags. Auch nach der Trennung vom Reich blieb Danzig Teil des deutschen Währungsgebiets. Die Reichsbank unterhielt hier weiterhin eine Hauptstelle. Die Danziger Bevölkerung und Wirtschaft machte somit alle Kapriolen der Inflation mit, einschließlich diverser Notgeldausgaben in den Jahren 1922 und 1923. Neben der Verwaltung der Stadtgemeinde Danzig beteiligte sich auch die Stadtgemeinde Zoppot (poln. Sopot) an der Ausgabe. 1823 erhielt der elsässische Arzt Johan Georg Haffner (* 21. September 1775 in Colmar; † 20. April 1830 in Danzig) von der preußischen Regierung die Genehmigung im Fischerort Zoppot einen Strandbadbetrieb mit Kursanatorium zu betreiben. Das für den Betrieb notwenige Gelände wurde ihm in Erbpacht überlassen. Die Wahl des Ortes erwies sich als ausgesprochen glücklich. Die bewaldeten Höhenzüge schützten den Ort vor Nord- und Westwind, sodass die Luft nicht nur milder, sondern auch mückenfrei ist. Auch das Meerwasser ist wärmer und hat einen deutlich geringeren Salzgehalt als im westlichen Teil der Ostsee. Die große Zeit des Ortes kam freilich erst mit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. 1901 wurde Zoppot Stadt, entwickelte sich zu einem mondänen Seebad und verfügte bereits 1919 über ein Spielkasino. In der Zwischenkriegszeit gewann die 1909 eröffnete Zoppoter Freilichtbühne an internationaler Bedeutung. 1922 wurde hier Wagners Oper „Siegfried“ aufgeführt. Die begeisterten und überschwänglichen Kritiken riefen ein jährlich stattfindendes Wagner-Festival ins Leben. Die Waldoper wurde zum Mekka der europäischen Opernszene und man nannte Zoppot auch das „Bayreuth des Nordens“. 1923 hatte Zoppot weniger als 30.000 Einwohner. Der Wertverfall der Mark Anfang August veranlasste die Stadtverwaltung unter dem Datum des 13. August 1923 Notgeldscheine zu 500.000 und 5 Millionen Mark deutscher Reichswährung auszugeben. Es folgte mit Datum vom 20. September noch ein Wert zu 50 Millionen Mark. Diese drei Ausgaben haben die gleichen Formate (149 mm x 100 mm), unterscheiden sich jedoch durch Druckfarbe und Gestaltung. Die Vorderseite des Wertes zu 500.000 Mark zeigt in der Mitte die von Theodor (Phillip) von Gosen [* 10. Januar 1873 in Augsburg; † 30. Januar 1943 in Breslau] geschaffene Medaille zur Jahrhundertfeier des Ostseebades. Eine weibliche Figur wird auf einer Muschel von Wassergöttern getragen. Und auf der anderen Seite der Medaille das Zoppoter Wappen von 2 Muscheln getragen. Beim Original handelt es sich um einen Bronzeguss mit 80,5 mm Durchmesser. Die Rückseite bildet die Strandpromenade und den Seesteg ab. Abb. 1.1: Stadtgemeinde Zoppot, 13. August 1923, 500.000 Mark, Vorderseite. Abb. 1.2: Stadtgemeinde Zoppot, 13. August 1923, 500.000 Mark, Rückseite. Abb. 2: Bronzeguss-Medaille zur Jahrhundertfeier des Zoppoter Ostseebades. Quelle: Auktion 189 (11./12.09.2019) Münz-Zentrum Rheinland, Los 5687. Die beiden anderen Werte sind bildgleich. Auf der linken Vorderseite die bereits beschriebene Medaille und auf der rechten die Strandpromenade mit Segelboot und Möwe. Die Rückseite zeigt den Gründer des Seebades. Johann Georg Haffner kam 1808 als Chirurg mit der Grande Armée Napoleon Bonapartes nach Danzig. Im gleichen Jahr heiratete er Regina Karoline Bruns, Witwe des Johann Christoph Böttcher. Ab 1811 war er als freipraktizierender Arzt in Danzig tätig und blieb auch nach Abzug der Franzosen in der Stadt. Abb. 3.1: Stadtgemeinde Zoppot, 13. August 1923, 5.000.000 Mark, Vorderseite. Abb. 3.2: Stadtgemeinde Zoppot, 13. August 1923, 5.000.000 Mark, Rückseite. Abb. 4.1: Stadtgemeinde Zoppot, 20. September 1923, 50.000.000 Mark, Vorderseite. Abb. 4.2: Stadtgemeinde Zoppot, 20. September 1923, 50.000.000 Mark, Rückseite. Die beiden Werte zu 100 und 500 Millionen Mark vom 28. September 1923 erinnern an die Opernaufführung 1922 in der Waldoper. Die Rückseite zeigt den schwertschmiedenden Siegfried. Mit gleichem Datum ließ die Stadt auch einen Scheck über 20 Milliarden Mark drucken. Hierbei verwendete die Druckerei die Druckplatte der Vorderseite des Scheins zu 500 Millionen Mark. Allerdings erhielt der Wert eine gelb/grüne Farbe und zusätzlich einen neuen diagonalen, roten Wertaufdruck. Die Rückseite blieb frei. Die drei Werte haben die Formate 175 mm x 75 mm. Abb. 5.1.: Stadtgemeinde Zoppot, 28. September 1923, 100.000.000 Mark. Vorderseite. Abb. 5.2.: Stadtgemeinde Zoppot, 28. September 1923, 100.000.000 Mark. Rückseite. Abb. 6.1.: Stadtgemeinde Zoppot, 28. September 1923, 500.000.000 Mark. Vorderseite. Abb. 6.2.: Stadtgemeinde Zoppot, 28. September 1923, 500.000.000 Mark. Rückseite. Abb. 7.: Stadtgemeinde Zoppot, 28. September 1923, 20.000.000.000 Mark. Vorderseite. Die Scheine wurden auf Papier mit dem Wasserzeichen „Tropfen“ (186) gedruckt. Einzig beim Nominal zu 20 Milliarden Mark verwendete die Druckerei Papier mit dem Wasserzeichen „verschlungene Quadrate“ (160). Nach Keller stammt das Papier mit dem Wasserzeichen „Tropfen“ aus der Papierfabrik Emil Hoesch, Düren, und das Papier mit dem Wasserzeichen „verschlungene Quadrate“ von der Patentpapierfabrik Hohenofen[1] Eine Besonderheit der Zoppoter Notgeldscheine sind die Unterschriften. Während die drei niedrigen Wertstufen von je zwei Personen handschriftlich unterzeichnet wurden, finden sich bei den drei höheren Werten neben den beiden gedruckten Unterschriften noch jeweils zwei handschriftlichen Unterschriften. Dabei kommen zahlreiche verschiedene Kombinationen vor. Keller merkt in seinem Katalog an, dass die Ausgabe der drei höher wertigen Schecks vom Danziger Senat verboten worden seien. Ob sie noch in Verkehr gelangten, ist nicht bekannt. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Dr. Arnold Keller, Deutsche Wertpapierwasserzeichen, Die Wasserzeichenpapiere des deutschen Notgeldes 1914 – 1948, Abbildungen gezeichnet von Kurt Lehrke, Berlin-Wittenau 1955, S. 46 f. und 50 sowie Tafel 8 und 10.

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