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- British Armed Forces Special Vouchers, Teil 4
Vouchers, die nicht in Deutschland verwendet wurden Kaum hatten sich die britischen Soldaten an die Voucher der zweiten Serie zu gewöhnt, da dachte das Kriegsministerium bereits darüber nach, eine dritte Serie als Reserve bei De La Rue drucken zu lassen. Die Druckerei schlug dem Ministerium in ihrem Antwortschreiben vom 18. März 1948 vor, bei der dritten Serie vollkommen neue Wege einzuschlagen. Bei der ersten und zweiten Serie habe man bereits 14 verschiedene Farbschemata erstellt und es falle zunehmend schwerer, Farben zu finden, die nicht zu Verwechslungen mit den Farben der früheren Gutscheine führen würden. Nach Rücksprache mit Wagstaff vertrat die Bank of England, die Auffassung, dass gegen einen „Löwen“ und/oder eine „Krone“ als Emblem nichts einzuwenden sei, vorausgesetzt, dass diese keine zu große Ähnlichkeit mit den B.M.A.-Noten aufwiesen. Diese Noten waren 1942 für die Verwendung in Nordafrika gedruckt worden. De La Rue begann eine grobe Skizze der 1-Pfund-Note zu erstellen. Man legte die Vorlage der Bank of England vor, die sie am 19. April 1948 an das Kriegsministerium weiterleitete. Das Kriegsministerium äußerte sich am 2. Mai 1948 wohlwollend, wünsche allerdings den Austausch des Löwenkopfes und eine ähnliche Darstellung wie auf den B.M.A.-Noten! Außerdem wies man die Druckerei an, die verschiedenen Stückelungen in der gleichen Größe wie die der ersten und zweiten Serie auszuführen. Möglicherweise unter dem Druck der Ereignisse in Deutschland (Berlin-Blockade) und/oder der Malaien-Operationen im Juni 1948 drängte das Kriegsministerium auf eine möglichst schnelle Fertigstellung der dritten Serie. Nach dem Auftrag vom 5. Juli 1948 sollten auch die Scheine der dritten Serie nach dem alten Muster ausgeführt werden. Das neue Design wurde daher nur teilweise auf den Rückseiten der 10/- und £1-Gutscheine verwirklicht. Nach der bisherigen Praxis hätte der Schein zu £1 bei der Nummerierung den Präfix-Buchstaben E erhalten und die anderen Werte (10/-, 5/- und 2/6) dann F, G und H. Bei den Banknoten der Bank of England wurde der Buchstabe F als Präfix nicht verwendet, da er zu leicht an ein E „angepasst“ werden konnte. So entfiel der Präfix-Buchstabe F auch bei den BAFSV und der Schein zu 10 Shillings erhielt den Buchstaben G und die übrigen Wert H und J. Am 9. August 1948 legte das Ministerium die endgültig Druckmenge mit 25.000.000 Voucher und £5.330.000 fest. Hierbei stützte man sich auf die Erfahrungen, die man bei der ersten und zweiten Serie gesammelt hatte. Obwohl die Gutscheine der dritten Serie von der Druckerei der Bank of England bei De La Rue in Auftrag gegeben wurden und De La Rue auch seinen Namen auf die Scheine setzte, wurde der eigentliche Druck offenbar von der Wertpapierdruckerei John Waddington Ltd. in Leeds ausgeführt. Der Druck der Geldscheine war am 30. September 1948 abgeschlossen,[1] und De La Rue informierte die Bank of England, dass sie zur Abholung in Leeds bereitstünden. Die Bank of England sah sich jedoch wegen fehlender Tresor-Kapazität außerstande, die fertigen Scheine zu übernehmen. 268 Kisten mit Gutscheinen der zweiten Serie befanden sich noch in den Tresoren. Zudem war eine ungenannte Anzahl von Kisten mit gebrauchten Gutscheinen der ersten Serie aus Deutschland zur Vernichtung angekommen. Das Problem wurde noch dadurch verschärft, dass das BAOR weitere 199 Kisten mit neuen Gutscheinen der zweiten Serie an das Kriegsministerium zurückgeben wollte, da sie in Japan nicht mehr gebraucht würden. Wagstaff hatte die schwierige Aufgabe, entweder die Bank trotzdem zur Annahme zu bewegen oder einen anderen Lagerplatz zu finden. Im November 1948 überraschte er mit dem Vorschlag, die Scheine der dritten Serie in den Tresoren der Bank Deutscher Länder zu lagern, was den zusätzlichen Vorteil hätte, „die Gutscheine dort zu haben sein, wo sie gebraucht würden.“ Diese letzte Bemerkung unterstreicht die Tatsache, dass die dritte Serie tatsächlich als Reserveserie für den Gebrauch in Deutschland gedacht war. Erst am 30. Mai 1949 konnten die Gutscheine der dritten Serie von Leeds an die Bank of England verschickt werden. Die Bank stellte gegenüber dem Kriegsministerium klar, dass die Lagerung nur vorübergehender Art sei. Wagstaff veranlasste am 2. September 1949, das 268 Kisten mit Scheinen der zweiten Serie und 516 Kisten mit Scheinen der dritten Serie ins Lansdowne House transportiert wurden. Die gesamte Sendung wog etwa 39 Tonnen, und angesichts der großen Anzahl von Kisten, dauerte die Verlegung mehrere Tage. Offensichtlich gab es aber keine Verwendung für die Voucher der dritten Serie. Es sollten sieben Jahre vergehen, bis man sich an den Bestand erinnerte. Im Juni 1956 verstaatlichte Ägypten den Suezkanal. Daraufhin landeten im Rahmen der „Operation Musketeer“ am 5. November 1956 britische und französische Truppen in Port Said, um die anglo-französischen Interessen zu sichern. Bereits im August wurden Gelddepots mit Voucher der dritten Serie im In- und Ausland angelegt. Unter anderem gingen Geldsendungen nach Zypern, Libyen und Malta, sodass von ursprünglichen 516 Kisten im Lansdowne House 102 übrig blieben. Obwohl nach Zypern 5.000.000 Voucher im Gesamtwert von einer Million Pfund geliefert wurden, um ggf. die Entwicklung von Schwarzmarktpraktiken in Ägypten zu verhindern, war man der Ansicht, dass es ratsam wäre, einen ausreichenden Vorrat an Besatzungsgeld bereitzuhalten. Das Kriegsministerium lieferte daher 2.633 Kisten mit 22.000.000 B.M.A.-Noten (£1.997.500) an das Rear General Headquarters in Nikosia, Zypern. Das anglo-französische Suez-Abenteuer dauerte nur bis zum 21. November 1956. Als eine eilig zusammengestellte Truppe der Vereinten Nationen eintraf, wurden die britischen Truppen zurückgezogen. Die letzten britischen Soldaten schifften sich am 22. Dezember 1956 ein. Die Gutscheine der dritten Serie wurden in Ägypten also nur für einen Zeitraum von etwa zwei Monaten verwendet, und das auch nur in sehr begrenztem Umfang. Die meisten der Kisten, die für die "Operation Musketeer" an die verschiedenen Standorte geschickt worden waren, wurden ungeöffnet an das Lansdowne House zurückgesandt. Die wenigen gebrauchte Gutscheine kamen aus Zypern und Malta, die als Clearing-Station für die in Ägypten verwendeten Gutscheine dienten. Bis zum 16. April 1957 waren nur 17.536 Voucher (£1.160 12 s 6d) nicht wieder eingelöst, davon entfielen allein 15.362 auf die drei niedrigsten Werte. Auch die im August 1956 nach Zypern verschickten B.A.M.-Noten gelangten im Februar 1957 ebenfalls unangetastet in die Tresore der Bank of England zurück. In Sammlungen kommen eigentlich nur die Werte zu 1/-, 10/- und £1 vor. Die beiden ersten Nominale stammen aus einem Verkauf von 1980 und kommen immer mit zwei 6 mm großen Lochungen vor, während die Pfundnote aus der Phillips-Auktion stammt. Abb. 1.1/2: BAFSV, 3rd Series, o. D., 1/-, Vorder- und Rückseite. Abb. 2.1/2: BAFSV, 3rd Series, o. D., 10/-, Vorder- und Rückseite. Abb. 3.1/2: BAFSV, 3rd Series, o. D., £1, Vorder- und Rückseite. Bei einer am 20. November 1969 unangekündigten Überprüfung des Bestandes an Gutscheinen im Lansdowne House waren nur noch 4.371.846 Scheine der dritten Serie vorhanden. Es ist nicht ganz klar, was mit den restlichen Exemplaren der dritten Serie zwischen 1957 und 1969 geschehen ist. Möglicherweise wurden aus Platzmangel Scheine vernichtet. Es ist aber auch denkbar, dass 1959 im Rahmen der Mountbatten-Reformen[2] Bestände nach Malta verlegt wurden und dort später vernichtet wurden. Während der kurzen Verwendungszeit der dritten Serie stellte sich heraus, dass einige Voucher fehlerhaft waren; das Papier riss an der Stelle auf, an der der Metallfaden eingefügt war. Dadurch war es möglich, die Gutscheine in zwei Hälften zu teilen. Das Kriegsministerium bat die Bank of England, dieses Phänomen zu untersuchen. Nach Meinung des Papierhersteller beschränkte sich der Fehler hauptsächlich auf einige der 2/6-Gutscheine, die auf Papier gedruckt wurden, das mit den falschen Maschineneinstellungen geschnitten wurde. Damit war die Besorgnis des Kriegsministeriums zwar nicht ausgeräumt, aber das Problem zumindest eingegrenzt. Bis auf die Vernichtung einer kleinen Charge von 2/6-Gutscheinen wurden offenbar keine weiteren Maßnahmen ergriffen. Ob es nun daran lag, dass das Kriegsministerium besorgt darüber war, dass es keine Reserveserie mehr gab oder daran, dass die britische Regierung bereits die dauerhafte Stationierung britischer Truppen in Aden in Erwägung zog, 1961 gab das Kriegsministerium den Auftrag zum Entwurf nicht nur einer vierten Serie, die bereits 1952 erörtert worden war, sondern sogar auch für eine fünfte Serie an die Druckerei Bradbury Wilkinson. Sie legte dem Kriegsministerium am 7. Dezember 1961 Probedrucke der vierten Serie vor und eine Woche später auch die der fünften Serie. Im Gegensatz zu den älteren Scheinen war auf ihnen kein Druckereivermerk angegeben. Die Voucher der vierten Serie wurden in der ersten Hälfte des Jahres 1962 fertiggestellt und direkt nach Malta verschifft und gelangten von hier nach Aden. Obwohl die genaue Zahl der gedruckten Scheine nicht bekannt ist, schätzt man sie auf 43.500.000 Stück mit einem Wert von £7.075.000. Die Scheine wurden nie in Umlauf gesetzt. Im Zug des britischen Rückzugs aus Aden gelangte ein Teil der 143 Kisten wieder nach Großbritannien. Die meisten Scheine dürften aber vor Ort vernichtet worden sein, um die Transportkosten einzusparen. In Sammlungen kommen eigentlich nur die Werte zu 1/-, 10/- und £1 vor. Die beiden ersten Nominale stammen aus einem Verkauf von 1980 und kommen immer mit zwei 6 mm großen Lochungen vor, während die Pfundnote ebenfalls aus der Phillips-Auktion stammt. Abb. 4.1/2: BAFSV, 4th Series, o. D., 1/-, Vorder- und Rückseite. Abb. 5.1/2: BAFSV, 4th Series, o. D., 10/-, Vorder- und Rückseite. Abb. 6.1/2: BAFSV, 4th Series, o. D., £1, Vorder- und Rückseite. Die fünfte Serie kam über das Stadium der Entwürfe und Probedrucke nicht hinaus. Die wenigen bekannten Scheine sind extrem selten. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Am 11. Januar 1949 stellte De La Rue dem Auftraggeber £28.816 und 6 Shillings an Druckkosten, einschließlich der Kosten für die Gravur und Gestaltung der Scheine, in Rechnung. [2] Im Rahmen der Mountbatten-Reformen wurde das „Hauptnutzerprinzip“ einführte, das u. a. vorsah, dass alle Vorräte an dem Ort gelagert werden sollten, an dem sie am dringendsten benötigt wurden.
- Lexikon: Iquitos-Revolution
Die Iquitos-Revolution war eine von August 1921 bis Januar 1922 andauernde Revolution unter Hauptmann Guillermo Cervantes, die in der peruanischen Stadt Iquitos, einem Hafen am Amazonas, begann. Blick über den Amazonas auf die Stadt Iquitos 1924. Abb. gemeinfrei. Peru S606b: 1 Libra vom 1. Oktober 1921 mit Rundstempel auf der Rückseite. Abb. Detlef Hilmer ✝︎, München. Die von den Revolutionären ausgegebenen Geldscheine (Cheque Provisional) über 10, 20 und 50 Centavos sowie 1 Sol und 1/2, 1 und 5 Libras wurden Cervanteros (nach den Unterschriften von Cervantes und von Octavio de los Heros) genannt. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)
- Wilhelm Tell – Geschichte und Geschichten der Schweizer 5-Frankennote
Die vom Schweizer Grafiker Peter Balzer[1] entworfene 5-Frankennote der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mit einem Porträtmedaillon vom Wilhelm Tell auf der Vorderseite zirkulierte vom 3. August 1914 bis zum 1. April 1980 während fast 65 ½ Jahren. Der Schein war von allen Schweizer Banknoten mit Abstand am längsten im Umlauf. Damit ist er wie keine andere Schweizer Banknote Ausdruck der Stabilität der Schweizer Währung, mit der Abbildung des eine Armbrust schulternden Wilhelm Tell ein symbolischer noch dazu. Auch wenn die 5-Franken-Note in Format und Design recht unspektakulär daherkommt, hat sie einiges zu erzählen. Abbildung: Bild des Tell-Denkmals in Altdorf um 1900, Quelle: Library of Congress Prints and Photographs. 1913 machte sich der Schweizer Bundesrat Gedanken über die Auswirkungen einer Verknappung des umlaufenden Silbergeldes infolge eines kriegerischen Konfliktes auf den Zahlungsverkehr. Das war besonders deswegen von Bedeutung, weil die Schweiz Mitglied der Lateinischen Münzunion war und deshalb die im Umlauf befindlichen 5-Frankenstücke nicht nur solche Schweizer Gepräges waren, sondern aus verschiedenen Staaten der Münzunion stammten und eine Abwanderung dieser Münzen in andere Länder ebenso möglich erschien wie eine Unterbrechung des Zuflusses aus dem Ausland. Man beschloss daher die Herstellung einer Banknote zu 5 Franken als Reserve. Eine Banknote anstelle eines Bundes-Kassenscheins vorzusehen war insofern konsequent, als dass das Bankgesetz von 6. Oktober 1905 das Notenausgaberecht des Bundes nach Art. 39 der Bundesverfassung[2] allein der SNB übertragen hatte, diese jedoch nur zur Ausgabe von Noten im Nennwert ab 50 Franken und darüber ermächtigt wurde, mit Bundesratsbeschluss vorübergehend auch zu Noten im Nennwert von 20 Franken. Für eine 5-Frankennote fehlte die rechtliche Grundlage. Unmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, am 3. August 1914, erfolgte die erste Ausgabe des Scheins durch Bundesratsbeschluss vom gleichen Tag. Dabei gelangten die Scheine mit Druckdatum 1. August 1913 der Serien 1 A bis 2 P zur Ausgabe, von denen 4 Millionen Stück bereitlagen. Wegen der starken Nachfrage wurden bis 1915 zusätzlich 12 Millionen Stück (Serien 2 Q – 7 K) mit Druckdatum 1. August 1914 hergestellt und rasch ausgegeben, weitere je 2 Millionen Stück mit Datum 1. Januar 1916 (Serien 7L bis 8E) und mit Datum 1. Januar 1919 (Serien 8 F – 8 Z). Jede Serie umfasst 100.000 Scheine. Abbildung: Erstausausgabe der Banknote der Schweizer Nationalbank zu 5 Franken mit Datum 1. August 1913. Insgesamt gelangten zwischen 1914 und 1953 157,5 Millionen Scheine in den Umlauf. Daneben existieren Blanketten und Muster verschiedener Serien. Die letzte ausgegebene ist die Serie 54 O des Ausgabedatums 28. März 1952. Die SNB hat weitere Scheine mit den Ausgabedaten 15. Januar 1953 und 22. Oktober 1953 bis zu den Serien 63 Z herstellen lassen. Ausgegeben wurden diese aber nicht mehr. Interessanterweise erfolgte ein letztmaliger Druck der 5-Frankennote im Dezember 1962, als Orell Füssli auf Anforderung der SNB 35 im Offsetdruck hergestellte Scheine ohne Datum, Nummerierung und Unterschriften auslieferte. Der Grund für diese Kleinstbestellung lässt sich heute nicht mehr ermitteln. Zum 1. April 1980 wurde die 5-Frankennote (zusammen mit den Noten der 5. Serie) durch die SNB zur Einlösung aufgerufen. Sie war bis zum 30. April 2000 umtauschbar; 1.765.592 Stück[3] = 1,12 % der gesamt ausgegebenen Notenmenge wurden nicht wieder eingelöst. Die 5-Frankennote Tell kommt für die Ausgabedaten 1949 – 1952 auch heute noch recht häufig vor; selbst ungefaltete Exemplare sind zu Preisen von 20 bis 30 Euro im Schweizer Münzhandel leicht erhältlich. Deutlich seltener sind die Ausgaben von 1913 bis 1926, weil sie in der Zwischenkriegszeit zurückgezogen wurden. Gerade die Serie mit Datum 1. Januar 1916 ist heute schwer zu finden, auch die Erstausgabe vom 1. August 1913 ist gesucht; beide Daten kommen in der Regel nur in stärker gebrauchter Erhaltung vor. Eine Sammlung mit allen Daten zusammenzustellen erfordert daher gerade im Hinblick auf die Ausgaben der Jahre 1913, 1916 und 1919 etwas Geduld. Abbildung: Gebäude der Schweizerischen Nationalbank am Bundesplatz in Bern. Das für die Bargeldversorgung zuständige II. Department hat hier seinen Sitz. Quelle: Schweizerische Nationalbank. Hergestellt wurden die Scheine über den gesamten Zeitraum hinweg von der Druckerei Orell Füssli in Zürich. Man wollte für diesen niedrigen Nennwert, der zunächst nur als Reserve gedacht war, eine in der Schweiz ansässige Druckerei beauftragen[4], wobei insoweit mangels Alternativen nur Orell Füssli in Betracht kam. Die Herstellung erfolgte zunächst in Lithografie (Steindruck)[5], ab 1922 ging man zum Offsetdruck über. Für die Serien der Ausgabedaten 1921 und 1922 gibt es drei Varianten in der Druckausführung der Vorder- und der Rückseite: Einmal die Ausführung der Vorderseite im Offsetdruck und der Rückseite in Lithografie.[6] Bei der Lithografie (Steindruck) als Flachdruckverfahren wird mit der Abstoßung von Wasser und Fett gearbeitet. Dazu unterteilt man die Oberfläche des Steins in wasserabstoßende und wasseranziehende Bereiche. Die druckenden Bereiche sind fett- und somit druckfarbenfreundlich. Die nicht druckenden Bereiche stoßen durch die Befeuchtung mit Wasser die fettreiche Druckfarbe ab., sodann die Ausführung von Vorder- und Rückseite in Lithografie[7], schließlich ausschließlich im Offsetdruck hergestellte Scheine. Die deutlich größere Anzahl der Serien der Ausgabe 1921 wurde bereits in der Variante Offsetdruck/Lithografie hergestellt. Zwar konnte Orell Füssli die Lithografien zunächst noch schneller herstellen als die Offsetdrucke – alle 14 Tage konnten von den Lithografien vier bis fünf Serien zu 100.000 Scheinen geliefert werden, bei den teilweise in Offset hergestellten Scheinen waren es nur drei Serien[8]. Perspektivisch bot aber der Offsetdruck Vorteile in der Herstellung, unter anderen weil er preiswerter war. Auffällig sind Farbvarianten bei Scheinen der frühen Ausgaben vom 1. August 1913 und Teilen der Ausgabe vom 1. August 1914, die stark brauntönig sind. Die Scheine gehen sodann in eine braun-grüne Tönung über. Belegt sind für die Ausgabe 1939 Scheine mit stark grünlichem Unterdruck, ferner Musternoten der Ausgabe 1926 mit einem grün-bläulichem Unterdruck. Der Wechsel der Druckform von Lithografie zu Offset selbst führte nicht zu Farbveränderungen. Auch im Papier – das kein Wasserzeichen aufwies – gab es Varianten: Ab 1936 kam verbessertes Papier („Sihlpapier“) zur Anwendung, ab 1949 (Serien 42 G und später) wurde auf oberflächengeleimtes sogenanntes Ciba-Papier gedruckt. Abbildung: Banknote zu 5 Franken Datum 17. Mai 1939, Seriennummer 21 A 069743 – grüne Farbvariante. Während der jahrzehntelangen Zusammenarbeit zwischen SNB und Orell Füssli bei der Herstellung dieser Note gab es naturgemäß gute und weniger gute Zeiten. Die Korrespondenz in den Archiven des SNB zeigt: Man ging im Ton stets respektvoll miteinander um, wusste aber auch um seine Interessen und scheute sich bei sich bietender Gelegenheit nicht, den anderen gehörig unter Druck zu setzen. Auslöser von Divergenzen waren in der Regel seitens der SNB Qualitätsprobleme bei den von Orell Füssli ausgelieferten Scheinen, seitens Orell Füssli wirtschaftliche Zwänge, die Druckerei gehörig auszulasten und auskömmliche Margen zu verdienen. Klagen über die von Orell Füssli gelieferte Druckqualität gab es häufiger. Schon im Mai 1915 beklagte die SNB die mangelhafte Papierqualität von Scheinen der Serie 4 Q (das Papier sei zu dick), was grundsätzlich der Druckerei nicht zuzurechnen war, sondern der Papierfabrik Sihl. Dennoch lieferte Orell Füssli umgehend kostenfrei Ersatznoten. Im März 1916 wurde eine zu starke Blaufärbung bei der Serie 7 L beklagt, was nach Untersuchungen der Druckerei etwa 4000 Scheine betraf, die vermutlich nicht in den Umlauf gelangten. Auch bei der Serie 17 A der Ausgabe vom 2. Dezember 1926 gab es Mängel, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. So tauchte im Nummernkreis 42.000 bis 47.000 ein weißer Fleck im Druckbild des Tell-Medaillons in Höhe des Gürtels auf. Die SNB entdeckte diesen bei der Sortierung eingehender Noten im März 1928, und retournierte die betreffenden Scheine an Orell Füssli zur Neusortierung und zum Nachdruck ausgesonderter Exemplare[9]. Aus Sammlersicht würde sich lohnen darauf zu achten, ob Scheine mit diesem Fehler aus dem angrenzenden Nummernkreis der Serie 17 A in Umlauf gekommen sind. Ebenso gibt es aus den Nummernkreisen 32.000 und 37.000 dieser Serie Fehldrucke mit leicht verwischtem „nebligem“ Porträt, die die SNB als ausnahmsweise noch tauglich akzeptierte; wohl auch deshalb, weil sie der Notenreserve zugeführt werden sollten. Für den Sammler könnten daher die 5-Frankennoten der Serie 17 A vom 2.12.1926 bei genauer Betrachtung unentdeckte Varianten bereithalten. Interessante Varianten kann es auch bei den Serien 51 L, 53 A und 55 A (die nicht mehr zur Ausgabe gelangte) mit Ausgabedatum 1951 geben: Im Mai 1954 entdeckte die SNB Abweichungen im Papier, was Orell Füssli Anfang Juni 1955 bestätigte: Versehentlich erfolgten Drucke auf Wasserzeichenpapier, dass für Obligationen der Schweizerischen Kreditanstalt sowie zum Druck von Aktien der Fa. Saurer verwendet worden war. Ebenso gibt es Papierfehler in der Serie 42 T von 1949 – hier existieren Scheine, die auf Papier gedruckt wurde, das eigentlich für Lose der Schweizer Landeslotterie bestimmt war. Entstanden sind diese Fehldrucke beim Einrichten der Druckmaschinen, zu dem – um Banknotenpapier zu sparen – Restbestände von Papier aus anderen Druckaufträgen Verwendung fanden. Einige dieser Scheine fanden ihren Weg in die ausgelieferten Notenbestände. Wie es dazu kommen konnte, wurde nie geklärt. Diskussionen gab es auch über die Herstellungskosten, besonders heftig im Krisenjahr 1921. Im April bot Orell Füssli eine Preisreduktion bei den Druckkosten auf 5,75 Rappen je Schein an. Der SNB war dies zu wenig, sie ließ parallel Waterlow & Sons ein Angebot für die Erstellung einer 10-Frankennote unterbreiten[10] und stellte fest, dass dieses Angebot bei technisch besserer Druckausführung im Kupferdruck (auch aufgrund des vorteilhaften Wechselkurses des Franken zum englischen Pfund) deutlich günstiger war. Daraufhin forderte die SNB einen Preis von 5 Rappen je Note, appellierte am 30. August 1921 an Orell Füssli „recht und billig“ einen „bescheidenen“ Beitrag zur Senkung der heimischen Arbeitslosigkeit zu leisten und den Auftrag zu diesem Preis anzunehmen. Gleichzeitig drohte sie, die in London gedruckte 10-Frankennote in den Umlauf zu setzen, Orell Füssli den Druckauftrag für die 5-Frankennote ganz zu entziehen und die Scheine von den Original-Druckplatten durch Waterlow & Sons in England drucken zu lassen – das Argument der Schaffung heimischer Arbeitsplätze zählte insoweit scheinbar weniger. Es drohte für Orell Füssli neben einem Reputationsschaden durch den Verlust des Druckauftrages auch ein herber wirtschaftlicher Verlust, so dass man bereits tags darauf auf die Preisvorgabe der SNB einschwenkte. Zugleich musste Orell Füssli zusagen, die Druckqualität zu halten. Abbildung: Sammelaktie über 10 x 500 Franken der Schweizerischen Nationalbank, ausgegeben in Bern und Zürich am 6. Juni 1907. Quelle: EDHAC e.V. - Sammlung eines Mitglieds des Ersten Deutschen Historic-Actien-Clubs e.V. (EDHAC e.V.); gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=132964247. Über den gesamten Produktionszeitraum schwankten die Kosten für die Herstellung der Note. So stiegen sie Anfang der 1920er Jahre bedingt durch Lohnerhöhungen und Materialknappheit deutlich an, um dann während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre im Zuge fallender Löhne zu sinken, während die Preisentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg die Produktion wieder verteuerte. Zu Beginn der 1920er Jahre waren die Herstellungskosten höher als zu Beginn der 1950er, eine aus heutiger Sicht erstaunliche Tatsache. Die SNB war gegenüber Orell Füssli jedenfalls stets auf äußerste Sparsamkeit bedacht – sogar für die Versendungen fehlerhafter Scheine verwendete die SNB gebrauchte Geldsäcke, die man sich zurücksenden ließ. Orell Füssli merkte jedenfalls, dass man im Wettbewerb mithalten musste und für die SNB kein unersetzbarer Partner war. 1926 wurde eine verbesserte drucktechnische Ausführung des Scheins angeboten, bei der ein Druckgang analog der in England gedruckten 10-Frankennote von 1921 im Kupferdruck hergestellt werden sollte, das zu einem Druckkostenpreis von 4,2 Rappen je Schein zuzüglich Papier – der Preis für die bisherige Ausführung war inzwischen auf 3,7 Rappen gesunken. Probedrucke wurden der SNB im September 1928 vorgelegt, die von diesem Vorhaben jedoch Abstand nahm, weil die 5-Frankennoten inzwischen aus dem Umlauf zurückgezogen wurde. War im Jahr 1921 mit 12,5 Millionen Stück noch einmal ein Großauftrag erteilt worden[11], da die 5-Frankenstücke der Lateinischen Münzunion außer Kurs gesetzt wurden und daher ein Mangel an Zahlungsmitteln zu befürchten stand[12], entspannte sich mit Ausgabe der 5-Frankenmünze mit dem Motiv eines Alpenhirten 1922 die Lage, so dass am 11. Januar 1923 nur noch eine geringe Auflage von 2 Millionen Stück mit Ausgabedatum 1. Juli 1922 (Serien 14A – 14U) bestellt wurde, die vom 22. März 1923 bis 2. Juli 1923 seitens Orell Füssli ausgeliefert wurde. Mit Datum 2. Dezember 1926 wurden weitere 6 Millionen Scheine bestellt, die sämtlich als Reserve in den Tresoren der SNB verblieben. Im Oktober 1936 befanden sich nach Angaben des II. Departments der SNB nur noch 300.000 Scheine im Wert von 1,5 Millionen Franken im Umlauf[13], von denen sich viele vermutlich im Ausland befanden. Am 7. Oktober 1936 entschied das Direktorium des SNB, den Bestand an 5-Frankennoten (von denen noch 13,2 Millionen Stück in Reserve verfügbar waren, der sich hauptsächlich aus den Ausgabedaten 1921, 1922 und 1926 zusammensetzte) wieder zu erhöhen, um für den Fall „einer eintretenden Beunruhigung“ gerüstet zu sein. Man beauftragte im Oktober 1936 zunächst 3 Millionen Scheine[14], im März 1937 mit gleichem Ausgabedatum weitere 4 Millionen Scheine[15], die Orell Füssli zu einem Druckpreis von 3,1 Rappen pro Note ausführte – der Papierpreis (Hersteller war die Papierfabrik Sihl in Zürich) betrug 0,55 Rappen je Note, so dass sich die gesamten Herstellungskosten der Ausgabe 1936 auf 3,65 Rappen je Schein beliefen gegenüber noch 4,3 Rappen 1928 – ein Preisrückgang um rund 15%. Der Verfall der Preise infolge der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren wird hier deutlich. Das Ausgabedatum wurde auf den 22. Oktober 1936 festgesetzt; bereits am 13. November 1936 konnte Orell Füssli der SNB zufriedenstellende Probedrucke vorlegen – gut zehn Jahre, nachdem letztmals Scheine dieser Wertstufe gedruckt worden waren. In der Nachkriegszeit stiegen die Produktionskosten wieder; die Ausgabe vom 20. Januar 1949 etwa kostete bereits wieder 4 Rappen pro Schein. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Anfang September 1939 wurden die 5-Frankennoten der Jahrgänge 1922, 1926 und 1939 ausgegeben, sodann bis 1952 ungefähr im Zweijahres-Rhythmus neue Ausgaben beauftragt und anschließend emittiert. Mit jeder Ausgabe wurden der SNB durch Orell Füssli neben den nummerierten Scheinen der jeweiligen Serien mehrere Hundert unnummerierte Ersatznoten zur Verfügung gestellt, damit die SNB beschädigte oder fehlerhafte Exemplare aus den ausgelieferten Serien ersetzen konnte. Dazu verfügte die SNB über einen eigens von Orell Füssli zu diesem Zweck zur Verfügung gestellten Nummerator zum manuellen Aufbringen der Kontrollnummern. Es gibt also keine Ersatznoten; vielmehr wurden durch die SNB als Makulatur aussortierte Exemplare durch manuell mit der Kontrollnummer des aussortieren Scheins nachnummerierte Blanketten ersetzt. Auch wenn ein Betrag von 5 Franken zwischen 1914 und Anfang der 1950er Jahre nicht wenig Geld war, so war doch für Fälscher der geringe Nennwert des Scheins zu wenig attraktiv, um umfassende Aktivitäten zu dessen Nachahmung zu entfalten. Anfang 1916 tauchten Fälschungen auf, was zu einer Aussetzung des weiteren Drucks für einige Wochen führte. Es blieb bei Einzelfällen. In größerem Umfang sind Fälschungen der 5-Frankennote nicht bekannt geworden. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen: Ich danke Frau Baumann und Herrn Halbeisen vom Archiv der SNB für ihre freundliche Unterstützung. [1] * 20.9.1855 in Vaduz, † 29.11.1916 in Zürich. Balzer arbeitete 40 Jahre als Grafiker bei Orell-Füssli. [2] Schweizer Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 in der Fassung der Volksabstimmung vom 23. Dezember 1891. [3] Richter/Kunzmann, Die Banknoten der Schweiz, CH36. [4] Die Nennwerte ab 50 Franken wurden bei Waterlow & Sons in London gedruckt. [5] Bei der Lithografie (Steindruck) als Flachdruckverfahren wird mit der Abstoßung von Wasser und Fett gearbeitet. Dazu unterteilt man die Oberfläche des Steins in wasserabstoßende und wasseranziehende Bereiche. Die druckenden Bereiche sind fett- und somit druckfarbenfreundlich. Die nicht druckenden Bereiche stoßen durch die Befeuchtung mit Wasser die fettreiche Druckfarbe ab. [6] 1921 Serien 9 C, D, G, H, I, K, L, M, P, Q, T, U, V, W, Z; 10 A, B, C, F, G, H, I, M, N, O, P, S, T, U, V, W, X, Y, Z; 11 C, D, E, F, G, H. [7] 1921 Serien 9 N, O, R, S, X, Y, 10 D, E, K, L, Q, R; 11 A, B, I, K, ferner alle Serien (14A – 14U) der Ausgabe vom 1.7.1922. [8] Was vermutlich damit zu tun hat, dass die Scheine in der Druckerei von einer Druckmaschine zu einer anderen umdisponiert werden mussten, was mehr Aufwand verursachte. [9] Den zur Versendung verwendeten Geldsack erbat man von Orell Füssli ausdrücklich zurück. [10] Typ Neuenburgerin, Ausgabe vom 1. April 1921 Richter/Kunzmann RS2. Dieser Schein wurde der Ersatzserie zugeführt. [11] Diese Ausgaben wurden zwischen dem 4.2.1921 (Serie 9 A) und dem 14.12.1921 (Serie 13 Z) ausgeliefert, wobei Orell Füssli alle 4-5 Tage eine Serie zu 100.000 Scheinen an die SNB lieferte. Mit Datum 1.1.1922 ging es weiter. [12] Hanspeter Koch, Paul Burkhards Fünfliber, Zürich 2022 S. 18. [13] Protokoll des Direktoriums der SNB vom 7./8. Oktober 1935, Nr. 1080. [14] Serien 17 F – 18 K. [15] Serien 18 L – 19 Z.
- New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie: Gold-Gutscheine von 1923
Ende 1923 forderten Arbeitnehmervertreter in vielen Industriebetrieben die Einführung von wertbeständigem Geld, um die Lohn- und Gehaltszahlungen zu vereinfachen. In Hamburg wählte die New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie im November 1923 einen quasi illegalen Weg zur Ausgabe von wertbeständigem Notgeld. Die 1871 in Hamburg-Barmbek gegründete und heute noch bestehende New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie teilte zu ihren Gold-Gutcheinen zu 1, 2, 5, 10, 50 Pfennig und 1, 2, 5 Mark vom 1. November 1923 sinngemäß mit: Sie habe die Scheine wie andere Anstalten und Gemeinden aus der Not heraus ausgegeben und sich über das Verbot der Ausgabe von Notgeld hinweggesetzt. Um die gesetzlichen Bestimmungen des Reichsministers der Finanzen zu umgehen, bezeichneten sie die Scheine nicht als Notgeld, sondern als Kantinengeld, das nur von der Kantine in Zahlung genommen werden durfte. Es wurden Goldscheine im Wert von rund 50.000 Mark ausgegeben, was etwa einem Wochenlohn und der Hälfte der Monatsgehälter des Betriebes entsprach. New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie, Gold-Gutschein über 5 Mark. Der Goldgutschein wird nur von der Kantine der Gesellschaft in Zahlung genommen. Ausgegeben in Hamburg am 1. November 1923. Firmenleitung und Betriebsrat gemeinsam veranlassten die Ausgabe dieses Geldes, dessen Vorteil von beiden Seiten erkannt worden war: Es konnte von zweitägiger wieder zu wöchentlicher Lohnzahlung übergegangen werden. Die Frauen der männlichen Belegschaft brauchten nicht mehr vor den Fabriktoren auf Geld zu warten, um möglichst schnell einzukaufen und die Preise auf dem Lebensmittelmarkt zu beobachten; es trat eine allgemeine Beruhigung ein. Die Gold-Gutscheine hatten bei den Einzelhändlern im Umkreis der Fabrik größtes Vertrauen genossen und seien gern als Zahlungsmittel angenommen worden. Voraussetzung zu dem allgemeinen Vertrauen war die Bonität der Firma. Sobald genügend Goldmarkscheine der Hamburgischen Bank von 1923 zur Verfügung standen, wurden die quasi illegalen Gold-Gutscheine wieder eingelöst. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat/ Literaturhinweis: Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- Neuer Katalog zu deutschen Abstimmungsscheinen im heutigen Polen
Wiesław M. Pawłowski: Pieniądz Zastępczy na Warmii, Mazurach i Powiślu w Roku Plebiscytowym 1920 144 Seiten, durchgehend farbig illustriert, Format 165 mm x 240 mm, Festeinband mit Fadenheftung, Lublin 2023, Preis: 35,00 Euro. ISBN 978-83-945629-8-4. Der Buchtitel lautet in der Übersetzung „Ersatzgeld in Ermland, Masuren und Westpreußen im Plebiszitjahr 1920“. Der Autor, der bereits durch seinen Katalog über das Oberschlesische Notgeld bei uns bekannt geworden ist, legt mit dem neuen Katalog ein weiteres Werk zur deutsch-polnischen Notaphilie vor. Ein kurzer einführender Text erklärt, was es mit der Abstimmung in Ostpreußen auf sich hatte. Vorgestellt werden die Geldscheine aus 19 Kommunen sowie eine Münzausgabe. Obwohl das Buch in Polnisch verfaßt wurde, benötigt man für die Arbeit mit ihm keine polnischen Sprachkenntnisse und auch kein Wörterbuch. Bei jedem Ausgabeort wird zunächst die deutsche Gemeindebezeichnung genannt und dann die heutige polnische. Alle Notgeldscheine werden nach dem gleichen Schema vorgestellt. Das Vorgehen soll beispielhaft anhand der Nummer 01 Allenstein/Olsztyn demonstriert werden. Zunächst werden die Scheine zu 10 und 50 Pfennig einschließlich Varianten abgebildet. Der Magistrat wird als Emittenten genannt, es folgt das Ausgabedatum „1.04.1921“, der Name des Künstlers „Paul Tusche“ und der Druckerei „Flemming – Wiskott A. G. Glogau“, dann die Scheingröße und das Wasserzeichen – mit Abbildung – des verwendeten Papiers. Dann werden Unterschiede bei der Kennzifferngröße angegeben. Dann folgt eine Konkordanzliste mit den entsprechenden Katalognummern von Funk, Grabowski, Grzywocz, Kapinski, Keller, Menzel, Podczaski, Silkorski, Suchanek, Tieste und P.U.Z. Danach wird in gleicherweise die Serie vorgestellt, die von Heinz Schiestl entworfen wurde. Damit auch nicht polnisch sprechende Nutzer des Buches gut zurechtkommen, hat der Autor die angeführten Angaben bildlich dargestellt. Eine Landkarte des Abstimmungsgebietes mit den ausgebenden Orten runden die Darstellung ab. Nach dem Katalogteil werden die deutschen Geldscheintexte ins Polnische übersetzt. Postkartenabbildungen, Abbildungen von Abstimmungsbriefmarken sowie Angaben zu den Unterzeichnern der Wertzeichen ergänzen den Katalogteil. Im Anhang findet man dann noch ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Auf eine Bewertung der Gutscheine – dabei handelt es sich meist um Serienscheine – hat der Autor verzichtet. Dies mindert jedoch nicht den guten Gesamteindruck des Werkes. Das Buch wurde auf qualitativ hochwertigem Papier gedruckt. Alle Scheine und Münzen sind farbig in sehr guter Qualität abgebildet. Man merkt dem Buch an, daß es mit sehr viel Liebe zum Detail geschrieben wurde. Der Katalog ist jedem Sammler deutschen Notgelds zu empfehlen. Bei einer Auflage von nur 750 Exemplaren, wird der Katalog sicherlich schnell vergriffen sein. Zu beziehen ist er direkt beim Autor, E-Mail: notgeld-wmp@wp.pl. Uwe Bronnert
- Leserpost: "Wessi-Begrüßungsgeld"
Zehn Jahre nach dem Mauerfall gab es im Jahr 1999 ein "Wessi-Begrüßungsgeld"! Am 14. November 1999 fand in der brandenburgischen Hauptstadt Potsdam eine Vorstandsklausur der SPD statt. Hierüber berichtete die Rheinische Post Düsseldorf am 15. November 1999 unter der Schlagzeile „Wessi-Begrüßungsgeld“. Die Gesamthöhe des „Zwangsumtausches“ ist leider nicht bekannt. Die Nachdrucke haben das Format 128 mm x 56 mm. Thomas van Eck Anmerkung der Redaktion Nette Geschichte! Die wollen wir unseren Lesern auf keinen Fall vorenthalten. Hans-Ludwig Grabowski
- Bulgarien: Die letzten "Löwen" vor dem Euro?
Wie sicherlich bekannt möchte Bulgarien bzw. die aktuelle Regierung des Landes so schnell wie möglich der Eurozone beitreten, und damit Eurobanknoten und Euromünzen einführen. Das Design der letzteren wurde vor ein paar Wochen bekannt gemacht. Die gegenwärtige Regierung hoffte auf einen Beitritt zur Eurozone zum 1. Januar 2025. Aktuell sieht es jedoch eher nach dem 1. Juli 2025 aus. Damit liegt der Zeitraum bis zur geplanten (und erhofften) Einführung des Euros nun bei 8 bis 14 Monaten. Trotz der nicht mehr allzu weit entfernten Einführung des Euros hat die bulgarische Zentralbank im März 2024 eine Ausschreibung für die Produktion und Lieferung von Lewa-Banknoten herausgegeben. Die Ausschreibungsfrist endet am 16. April 2024. Hier nun einige Details der sehr detaillierten Ausschreibung: Bulgarische Nationalbank: Note zu 5 Lewa von 2009 (BUL-116b), Vorder- und Rückseite. Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. 5 Lewa Es sollen bis zu 20.000.000 Stück dieses Nennwertes produziert werden. Dabei soll der Preis nicht über 18,14 Euro (ohne Mehrwertsteuer) pro 1000 Stück liegen. Dieser Auftrag hat damit einen Wert von maximal 362.800 Euro. Zum 31. Januar 2024 waren knapp 31,6 Millionen Stück dieses Nennwertes im Umlauf. 10 Lewa Es sollen bis zu 20.000.000 Stück dieses Nennwertes produziert werden. Dabei soll der Preis nicht über 18,44 Euro (ohne Mehrwertsteuer) pro 1000 Stück liegen. Dieser Auftrag hat damit einen maximalen Wert von 368.800 Euro. Zum 31. Januar 2024 waren knapp 77,9 Millionen Stück dieses Nennwertes im Umlauf. 20 Lewa Es sollen bis zu 20.000.000 Stück dieses Nennwertes produziert werden. Dabei soll der Preis nicht über 18,99 Euro (ohne Mehrwertsteuer) pro 1000 Stück liegen. Dieser Auftrag hat damit einen maximalen Wert von 379.800 Euro. Zum 31. Januar 2024 waren knapp 97,6 Millionen Stück dieses Nennwertes im Umlauf. 50 Lewa Es sollen mindestens 21.000.000 und maximal 30.000.000 Stück dieses Nennwertes produziert werden. Dabei soll der Preis nicht über 40,26 Euro (ohne Mehrwertsteuer) pro 1000 Stück liegen. Dieser Auftrag hat damit einen Wert von 845.460 bis maximal 1.248.060 Euro. Zum 31. Januar 2024 waren etwa 240,1 Millionen Stück dieses Nennwertes im Umlauf. 100 Lewa Es sollen mindestens 40.000.000 Stück dieses Nennwertes produziert werden. Mit einer Option auf weitere 5.000.000. Dabei soll der Preis nicht über 43,72 Euro pro 1000 Stück liegen. Dieser Auftrag hat damit einen Wert von mindestens 1.748.800 Euro. Zum 31. Januar 2024 waren etwa 131,0 Millionen Stück dieses Nennwertes im Umlauf. Insgesamt liegt das Volumen dieser Ausschreibung damit bei 130 bis 135 Millionen Banknoten. Zum 31. Januar 2024 waren etwa 578,1 Millionen Banknoten in Bulgarien im Umlauf. In meinen Augen eine überraschend hohe Anzahl von neuen Geldscheinen, die vor der geplanten Einführung des Euro noch beschafft werden soll. Der Wert des Auftrags liegt zwischen (mindestens) 3.705.660 und (maximal) 4.108.260 Euro (ohne Mehrwertsteuer). Somit will sich die bulgarische Nationalbank offensichtlich eine ausreichende Reserve an Lewa-Banknoten für die nächsten Monate zulegen. Interessant und spannend wird sein, ob die Oberthur Filiale in Sofia die Ausschreibung gewinnt oder ob doch auch andere Druckereien eine Chance haben. Hinweis: Auch die dänische Zentralbank hat eine sehr detaillierte Ausschreibung für die Lieferung, Produktion und vor allem die Entwicklung der neuen Banknotenserie, die 2028/29 in Umlauf kommen soll, herausgegeben. Interessant an dieser Ausschreibung ist, dass die Zentralbank explizit darauf hinweist, dass sie viele Rechte am Design, an den Sicherheitsmerkmalen und anderen Dingen der neuen Geldscheine selbst behalten will. Ralf Faust
- G+D: Das Plädoyer der schwedischen Zentralbank pro Bargeld ist ein wichtiger Richtungsweiser
München, 25. März 2024 – Die schwedische Riksbank hat in einem aktuellen Bericht die unverzichtbare Rolle von Bargeld für sichere und jeden zugängliche Zahlungssysteme unterstrichen. Sie vollzieht damit einen Schwenk ihrer bisherigen Zahlungsmittel-Strategie. Giesecke+Devrient (G+D) sieht darin auch ein gewichtiges Argument für die Einführung digitaler Zentralbankwährungen in Ergänzung zu Bargeld. Dr. Wolfram Seidemann, CEO von G+D Currency Technology (Quelle: G+D). Die skandinavischen Länder gelten als Vorreiter bei digitalen Zahlungssystemen. In Schweden beispielsweise galt es bislang als erklärtes Ziel, innerhalb der nächsten zehn Jahre komplett auf Bargeld zu verzichten und zur bargeldlosen Gesellschaft zu werden. In ihrem aktuellen Jahresbericht zu Massenzahlungssystemen vollzieht die schwedische Riksbank jedoch einen Kurswechsel und rückt von dieser Projektion ab. Sie zieht damit die Konsequenzen aus den Erfahrungen, die das Land bislang bei der flächendeckenden Digitalisierung von Zahlungsmitteln gemacht hat. Der sichere Zugang zu digitalen Zahlungsmitteln kann nicht für alle Bürger jederzeit und überall gewährleistet werden und muss daher als mögliche Schwachstelle eingestuft werden. Als größtes Sicherheitsdefizit sieht die schwedische Zentralbank die Funktionsfähigkeit des digitalen Zahlungsverkehrs bei unvorhergesehenen Ereignissen wie Stromausfällen, beispielsweise nach Naturkatastrophen, oder auch in kritischen Situationen wie im Falle einer Cyber-Attacke. Mit den bestehenden digitalen Zahlungssystemen könne die notwendige Stabilität und Resilienz nicht gewährleistet werden. Das kann bislang nur Bargeld. Daher müssten sowohl der öffentliche wie der private Sektor seine Nutzung sicherstellen und eine entsprechende Infrastruktur für die Geldversorgung aufrechterhalten werden. Digitale Zahlungsmittel sind zudem – und das ist das zweite von der Zentralbank identifizierte Manko – nicht für alle Bevölkerungsgruppen jederzeit zugänglich und verfügbar. Etwa weil diese Menschen keinen Zugang zu digitalen Diensten haben oder damit nicht zurechtkommen. Bargeld ist nach wie vor das einzige Zahlungsmittel, das einfach, ohne Voraussetzungen genutzt werden kann und verfügbar ist. Die schwedische Zentralbank zieht daher den Schluss, dass im Zahlungsmittel-Mix der Zukunft Bargeld ein fester Bestandteil bleiben soll und fordert dafür auch einen entsprechenden rechtlichen Rahmen. Für das Münchner SecurityTech-Unternehmen Giesecke+Devrient sind dies gleichzeitig auch gewichtige Argumente für die Einführung einer zu Bargeld komplementären digitalen Zentralbankwährung, die die Vorteile von Scheinen und Münzen in der digitalen Welt abbildet. Die Riksbank arbeitet bereits an der E-krona als sogenannte Central Bank Digital Currency (CBDC) für Schweden. Im Euro-Raum wird die Entwicklung des digitalen Euro von der EZB vorangetrieben. Beide Projekte befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium: Sowohl die E-krona als auch der digitale Euro könnten schon in den kommenden Jahren eingeführt werden. CBDCs verbinden die Vorteile von Bargeld mit den Vorzügen digitaler Zahlungsmittel, einschließlich der Verfügbarkeit und Funktionsfähigkeit bei ausfallender Strom- oder Internetversorgung. Sie bilden somit ein gleichwertiges Pendant zu Bargeld. G+D begrüßt daher das eindeutige Statement aus Schweden: „Die schwedische Zentralbank hat erkannt, dass physisches Bargeld nach wie vor unverzichtbar ist“, erklärt Dr. Wolfram Seidemann, CEO von G+D Currency Technology. „Wirtschaft und Gesellschaft brauchen die Koexistenz analoger und digitaler Zahlungsmittel, die sich gegenseitig ergänzen.“ Pressemitteilung Über Giesecke+Devrient Giesecke+Devrient (G+D) ist ein weltweit tätiges Unternehmen für SecurityTech mit Hauptsitz in München. G+D macht das Leben von Milliarden von Menschen sicherer. Das Unternehmen schafft Vertrauen im digitalen Zeitalter, mit integrierten Sicherheitstechnologien in drei Geschäftsbereichen: Digital Security, Financial Platforms und Currency Technology. G+D wurde 1852 gegründet und beschäftigt heute mehr als 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2022 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 2,53 Milliarden Euro. G+D ist mit 123 Tochtergesellschaften und Gemeinschaftsunternehmen in 40 Ländern vertreten. Weitere Informationen: www.gi-de.com.
- Eindrücke von der Sběratel im März 2024
Am Freitag 22.3. und Samstag 23.3.2024 fand in Prag im Hotel Olympik wieder der Frühjahrstauschtag „Sběratel“ statt. Ich war ca. 2 Stunden vor Öffnung dort und konnte deshalb noch einen Parkplatz in der Nähe ergattern. Sběratel bedeutet übersetzt „Sammler“ und tatsächlich waren nicht nur Banknoten und Münzen, sondern auch Briefmarken, Postkarten und Comics vertreten. Der Schwerpunkt lag - wen wundert’s - auf tschechischen Angeboten. Dabei fiel dem langjährigen Sammler auf, wie sich die Preise vor allem für Stücke aus den ehemaligen Ostblockstaaten nach oben bewegt haben: Geldscheine, die man in den 1990er Jahren für ein paar Mark in den Souvenirläden bekam, sind heute nur noch für relativ hohe Preise zu haben. Die interessantesten Angebote waren die Fälschung eines 500-Kronen-Scheins FX62 sowie eine Ersatzbanknotenserie, die aus regulären Banknoten mit speziellen Klebemarken bestand und für Krisenfälle vorbereitet war. Die Zahl der Aussteller bzw. die Größe der Räume würde ich auf etwa das Zwei- bis Dreifache eines deutschen Philatelisten-Tauschtages schätzen, aber im Gegensatz zu diesem bot mindestens die Hälfte der Aussteller Münzen und Banknoten an. Die meisten Händler kamen aus der Tschechischen Republik, aber es gab auch deutsche Aussteller und solche aus anderen Nationen. Aus meiner Erinnerung würde ich jedoch die jährliche Herbstmesse auf dem PVA-Gelände als größer einschätzen. Soll man zu Tauschtagen gehen, wenn es doch alles bei ebay zu kaufen gibt? Eindeutig ja, denn der Tauschtag hat zwei Vorteile: Erstens findet man hier auch Dinge, die man gar nicht sucht, weil man überhaupt nicht weiß, dass es sie gibt und zweitens sind Tauschtage immer wichtig für Beziehungen und manche Dinge gibt es eben nicht im Netz. So habe ich auch an diesem Tag Bekannte getroffen, überraschende Entdeckungen gemacht und Literatur bekommen, die ich im Internet noch nicht gefunden habe. Die Sběratel findet dreimal jährlich an einem Freitag und darauffolgendem Samstag statt. Die nächsten beiden Termine sind der 6. und 7. September 2024 auf dem PVA-Gelände („Herbstmesse“) und der 22. und 23. November 2024 („Weihnachtsmesse“) im Hotel Olympik. Für die meisten Sammler dürfte der Herbsttermin zu empfehlen sein, da die Parkplatzsituation am Messegelände naturgemäß entspannter ist. Manfred Dietl
- Kantinengeld des Amerikanischen Roten Kreuzes in Deutschland
ARC steht für das American Red Cross, das als Hilfsorganisation am 21. Mai 1881 von der Lehrerin und Krankenschwester Clarissa H. Barton (1821–1912) in Washington/DC gegründet wurde. Ein Jahr später wurde das Amerikanische Rote Kreuz als US-Bundesbehörde registriert; die USA ratifizierten 1882 die Genfer Konventionen zum Schutz von Konfliktopfern. Vorrangig war das ARC auf den Militär- und Marinefürsorgedienst ausgerichtet – vor allem in den beiden Weltkriegen. Die Betreuung von verwundeten Soldaten, der zivilen Kriegsopfer, Blutspendeaktionen und Kriegsgefangenenhilfe waren neben dem Zivilschutz und der Katastrophenhilfe die Hauptaufgaben seit über 140 Jahren. Clara Barton als Krankenschwester während des US-amerikanischen Bürgerkriegs. Mit dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg seit Dezember 1941 kamen nach der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 neben den regulären US-Truppen ab Oktober 1944 auch die Angehörigen des ARC nach Deutschland. Während des Vormarschs durch West-Mittel-Europa verwendete man Verpflegungs-Bons – Gutscheine im umgerechneten Wert von 20 US-Cents in fünf Währungen. 12er Kupon-Schein für die Verwendung in Frankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Deutschland; diese Scheinen wurden auch auf rotem und dunkelblauem Papier gedruckt. Die US-Amerikaner bildeten im Juni 1945 ihre Besatzungszone aus den Ländern Hessen, Bayern, Württemberg-Baden und der Exklave Bremen. Es wurden elf Military Posts innerhalb der Occupation Zone of Germany eingerichtet: Hessen: MP Frankfurt, MP Wetzlar, MP Wiesbaden (Hauptquartier des ARC), Bayern: MP Augsburg, MP Fürth-Nürnberg, MP Garmisch, MP München, MP Würzburg, Württemberg-Baden: MP Heidelberg, MP Stuttgart, Bremen: MP Bremen. An vielen Standorten in der US-Besatzungszone wurden ARC-Hauptquartiere und entsprechende Stützpunkte eingerichtet. Für die Versorgung und Unterhaltung der Mitarbeiter und Krankenschwester wurden unterschiedliche Klubs, Bars und Kantinen geschaffen. Angehörige des Roten Kreuzes dienten auch in US-Militärkrankenhäusern. Das Amerikanische Rote Kreuz wurde in der Nachkriegszeit von PX-Läden und dem Army Exchange Service unterstützt. Auch versehrte US-Soldaten wurden in ARC-Klubs betreut. Und für diese Klubs, Bars und Kantinen wurden verschiedene Kleingeld-Gutscheine gedruckt und nach bestimmten Regeln ausgegeben und verwendet. Das ARC war natürlicher auch in den Evacuation Hospitals, den Lazaretts und Erholungsheimen der US-Armee sowie in den DP-Lagern in Aktion und dort untergebracht. Alle bisher bekannten Gutscheine (= chits) lauten meist auf ½ Mark, 1 Mark und selten auf 2 Marks. Diese liefen nur im Zeitraum 1945 bis 1946 um; Cents- und Dollar-Gutscheine jedoch bis 1948. Die Herstellung der sehr einfach gestalteten und nur einseitig gedruckten Gutscheine erfolgte vor Ort in deutschen Druckereien – z. B.: Billettfabrik Friedrich Fronhofer in Regensburg (Drucknorm N/0597). Die Wertmarken waren in sog. Booklets eingeheftet. Gutscheinheft, links – Gutscheine zu ½ Mark und 1 Mark, rechts; verwendet im 114th Evacuation Hospital in Limburg. Gutscheinheft, links – Gutscheine zu ½ Mark und 1 Mark, rechts; bis 1946 im Unteroffiziersklub des 250th Station Hospital in Regensburg verwendet. Eingang zum Bamberger ARC Club „Whispering Pines“. Gutschein 1 Mark, ausgegeben vom Bamberg Military Community PX, mit Abstempelung „BAMBERG RED CROSS“ / „BMC RED CROSS / SNACK BAR / A. E. S.“; es sind auch Gutscheine mit Aufdruck „Bamberg Mil. Com. Exchange” zu 1 und 2 Mark o. D. und gleichen Stempeln belegt. Gutschein im Wert von ½ Mark (One Coca-Cola) ARC Club Bayreuth links und ½ Mark mit Aufdruck „SNACK BAR, Bayreuth, Red Cross“ rechts; die Constabulary Regimenter waren militärische Polizeieinheiten der US-Armee (1945–1952) und galten als Sicherheits- und Grenztruppen; es sind auch Gutscheine über ½ Mark für die AES Ice Cream Bar in Bayreuth bekannt. Gutschein „One Coca-Cola“ (= ½ Mark), verwendet im American Red Cross Club in Hof; mit Kontrollnummer, mit Druckfehler „Bavarya” statt “Bavaria“; in Hof waren die 602nd ACWRON APO 321 und die Air Station APO 09684 stationiert. Flyer „Palmgarden Red Cross Club“ Frankfurt a. M., links – 50 Pfennig, verwendet im „Palmgarden Fountain“ (= ½ Mark), American Red Cross Club. Eingang zum ARC Club (= Albert-Schumann-Theater) Frankfurt a. M., links – 50 Pfennig, verwendet im „Schumann Fountain“ (= ½ Mark), American Red Cross Club. Wertmarke zu –,50 (Pfennig) „Anchorange Fountain“ ARC Club Frankfurt (diese Wertangabe kommt selten vor und entspricht den üblichen ½-Mark-Scheinen). Army Snack Bar, ARC Cross Road, Opernhaus/Staatstheater Stuttgart, links – 2 Mark (= 20 Cents ), auch Wertmarken zu 50 Pfennig und 1 Mark bekannt; X–R = Cross Roads (Special Service Military Community Stuttgart). ARC Service Club Mannheim, links – Gutschein zu ½ Mark Mannheim PX. Eingang zum ARC Eagle Club Wiesbaden, links – Gutschein für 1 Kaffee/2 Donuts, verwendet im beschlagnahmten Wiesbadener Kurhaus (vom 18. September 1945 bis September 1947 American Red Cross Club für US-Offiziere). Wertmarken zu 1 Mark, links vom ARC innerhalb des 107th Evacuation Hospital Würzburg verwendet. Es gab auch Essensmarken zu 1½ Mark. Außer den hier vorgestellten Kantinengeldern hat es mit größter Wahrscheinlichkeit weitere, bisher nicht gemeldete Belege gegeben. Die ARC-Scheine sind allesamt selten und kommen auf dem Sammlermarkt kaum vor. Ab 1947 gab das Rote Kreuz der US-Amerikaner in ihren Einrichtungen auch Wertscheine in US-Dollar und Cents aus. Bekannt sind die Dollar-Scheine für die US-Erholungsheime in Berchtesgaden, in Garmisch und am Chiemsee. Diese Clubs unterstanden dem USFET Special Service und dem ARC. Gutschein 1 Dollar, bis 30. April 1949 in allen Erholungsheimen in Oberbayern (bspw. „Berchtesgadener Hof“) gültig. Ungeklärt sind bisher die Gründe für die Verwendung der vier Wertstufen des A.R.C. River Clubs. Die 1933/34 erbauten Weser-Terrassen in Bremen wurden von den US-Besatzern beschlagnahmt, in "River Club" umbenannt und vom ARC bewirtschaftet. Im unbeschädigten Lokal fanden spezielle Partys, Dart-Wettbewerbe und Varieté-Shows statt; bei den 10-, 20-, 50- und 100-Dollars-Scheinen könnte es sich um Tombola-Scheine handeln. Der "River Club" schloss Mitte Oktober 1947 und wurde der Stadt Bremen zurückgegeben. Der ARC "River Club" befand sich in der Lüneburger Straße, links – 10 Dollar, mit der stilisierten Abbildung einer „doughnut dolly“, einer ARC-Krankenschwester; die 20-, 50- und 100-Dollars-Scheine hatten das gleiche Aussehen und die selbe Farbe. Auch in den zahlreichen Auffanglagern für DPs agierte das Amerikanische Rote Kreuz; im UNRRA-Lager Augsburg waren baltische und ukrainische DPs untergebracht, in den Dillinger Lagern polnische und litauische Personen. 50 Einheiten/Units, UNRRA-Camp Team 114 = Augsburg-Hochfeld für baltische und ukrainische DPs, links – 1 Unit, UNRRA-Camp „Ludwig“ Team 308 = Männerlager Dillingen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden erstmals nach der Besetzung Nordafrikas ARC-Ausgaben verwendet: in Constantine/Algerien, Rabat/Marokko und Bizerte/Tunesien, später auch in Europa und im pazifischen Kampfgebiet. Beispiele: 5-Lire- und 2-Francs-Gutscheine aus Italien und Frankreich. 5 Lire (= ca. 25 Cents), ARC-Offiziersklub aus Foggia, Region Apulien; 2 Francs (= ca. 50 Cents), ARC-Imbiss, häufigster Typ in Frankreich, aber auch schon in Algerien in unterschiedlichen Farben verwendet (auch Ausgaben zu 1 Franc; auch Fehldrucke mit „SNAK BAR“ statt „SNACK BAR“ bekannt. Aber auch schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab das ARC Kantinengeld aus. US-Truppen waren vom Dezember 1918 bis Dezember 1923 im Raum Koblenz stationiert und beteiligten sich an der alliierten Rheinlandbesetzung. 5 Cents, Canteen Coupon, ARC Station Hospital Coblenz. Mit der Einführung des US-amerikanischen Militärgelds (= Military Payment Certificates/MPC) ab 16. September 1946 erübrigte sich der Druck und die Verwendung der auf Mark lautenden Gutscheine/Kantinengelder des ARC. 5 Cents MPC (= ½ Mark); mit den anderen Scheinen zu 10, 25 und 50 Cents sowie 1, 5 und 10 Dollar(s) wurde die Serie 461 schon am 10. März 1947 wieder ungültig. Während des Zweiten Weltkriegs und danach dienten 71.000 Krankenschwestern im US-Militär, von denen 52 ums Leben kamen. Umgangssprachlich und kameradschaftlich wurden sie „Doughnuts dollies“ genannt. Diese Frauen waren alles Freiwillige, die vom Kriegsministerium ausgesucht und getestet wurden; sie mussten einen Hochschulabschluss und ein makelloses Führungszeugnis nachweisen. Die gebürtige Polin Maria-Klara „Ronny“ Rechen auf der Donau; Bescheinigung für ihren Dienst beim ARC. Bekannt sind die sog. ARC-Clubmobile, die bei der Betreuung der Soldaten mit Donuts und Kaffee versorgten. Bei den Truppen waren die tüchtigen Krankenschwestern auch für die R&R (Slang für „Rest and Recuperation“ = Ruhe und Erholung) verantwortlich. Die Clubmobile waren umgebaute Autobusse der US-Armee, die seit der Befreiung Frankreichs für die medizinische Versorgung dem Amerikanischen Roten Kreuz zur Verfügung gestellt wurden. GIs vor einem ARC Clubmobil, links – die „doughnuts dollies“ verteilten die bei den Soldaten beliebten und früher mit Nüssen gefüllten Krapfen. Michael H. Schöne Quellen: Aitkin, J., Arva, G, Freeland, K.: „American Red Cross in World War II Collectors Guide“, 2014, Port Clinton/USA https://de.wikipedia.org https://en.wikipedia.org https://wkgeschichte.weser-kurier.de https://www.redcross.org https://www.usarmygermany.com https://www.warhistoryonline.com https://www.womenhistoryblog.com
- Leserpost: "Heimatsfest" in Norderdithmarschen
Heute mal was zu den Serienscheinen 983.3a von Norderdithmarschen. Zunächst eine kleine Korrektur: es muss "Heimatsfest" heißen und nicht "Heimatfest". Bei dem 50 Pfennig-Schein passt die Bemerkung obere und untere Zeile nicht ganz, eher linke und rechte Zeile jeweils am Rand. Diese sind bei mir 57 mm bzw. 60 mm lang. Scans zur Veranschaulichung anbei. Mit freundlichen Grüßen Th. Neldner Anmerkung der Redaktion Vielen Dank für die Hinweise und Abbildungen. Sie haben Recht: Es muss tatsächlich "HEIMATSFEST" heißen, das da am 21. Mai 1921 in Heide gefeiert wurde. Die Serienscheine dazu sind in den Katalogen "Deutsches Notgeld, Band 1+2: Deutsche Serienscheine 1918 – 1922" unter 983.3 aufgeführt. In der Variante 983.3b mit der oberen Textzeile in 57 mm Länge war bislang nur der 20-Pfennig-Schein aufgeführt, der die beiden Überdruck-Textzeilen tatsächlich auch übereinander und nicht links und rechts am Rand aufweist. Ihr 50-Pfennig-Schein zeigt links ebenfalls eine nur 57 mm und rechts eine längere Textzeile. Daraus folgert, dass die Katalogisierung an dieser Stelle ergänzt werden kann: 983.3b obere bzw. linke Textzeile am Rand nur 57 mm lang: 20 Pf, 50 Pf. Hans-Ludwig Grabowski
- Wie eine Neuenburgerin die Druckerei Orell Füssli gefügig machte
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hielt bis in die 1990er Jahre neben den umlaufenden Banknoten zugleich Reservenoten bereit, um im Falle von Fälschungen umlaufender Banknoten diese schnell durch Austauschnoten ersetzen zu können. Bis in die 1950er Jahre spielte auch die Bevorratung im Falle eines plötzlich stark ansteigenden Banknotenbedarfs etwa infolge von Krisen eine Rolle. Abbildung: Schweizerische Nationalbank, 10 Franken vom 1. April 1921, nicht ausgegeben. Einzig bekanntes nummeriertes Exemplar. Verkauft in der SINCONA-Auktion 68 am 21. Oktober 2020 für Fr. 8.000,- zzgl. Aufgeld. Abbildung mit freundlicher Genehmigung der SINCONA AG. Zu dieser Notenreserve gehörte auch die 10-Frankennote mit dem Porträt einer Neuenburgerin und dem Datum 1. April 1921[1], die insofern etwas Besonderes darstellte, als dass ein solcher Notenwert von der SNB erstmals 1955 emittiert wurde und für die Ausgabe zum Zeitpunkt der Herstellung keine gesetzliche Grundlage vorlag[2]. Entworfen wurde der 13,5 mal 8,2 cm messende Schein von den Grafikern Gabriel Lory & Friederich Wilhelm Moritz, den Stich der Vorderseite besorgte James Drummond von der Banknotendruckerei Waterlow & Sons in London, wo die Noten auch gedruckt wurden. Die Gesamtauflage betrug 5 Millionen Stück,[3] eingeteilt in die Serien 1 A bis 2 Z. Warum die SNB die Herstellung einer 10-Frankennote bei Waterlow & Sons anfragte und beauftragte ist nicht bekannt. Möglicherweise suchte man nach einer Alternative zu der von der Druckerei Orell Füssli in der Schweiz hergestellten und umlaufenden 5-Frankennote, scheute sich aber, für denselben Nennwert eine andere Ausführung in Auftrag zu geben. Ende Dezember 1920 hatte Orell Füssli ungefragt und wohl auf Basis von Presseberichten, wonach die SNB die Herausgabe einer solchen Wertstufe vorbereite, auch die Herstellung einer 10-Frankennote angeboten und dabei Musterscheine vorgelegt, die mit Datum 20. August 1914 hergestellt worden waren. Entwürfe solcher Scheine sind bisher nicht bekannt geworden. Der Druckpreis sollte bei einer Auflage von 30 Serien à 100.000 Stück 8,8 Rappen je Schein betragen, wobei die SNB das Papier stellen sollte. Diese Offerte wurde von der SNB nicht angenommen – einerseits, weil man durch die Bindung von Druckkapazitäten bei Orell Füssli eine verzögerte Lieferung der 5-Frankennote befürchtete, andererseits, weil man auf ein Angebot der Banknotendruckerei Waterlow & Sons in London zur Herstellung von Scheinen dieser Wertstufe wartete. Im Februar 1921 erneuerte Orell Füssli seine Offerte und drängte auf die Erteilung eines Druckauftrags mit dem Ziel, zukünftig alle Notenabschnitte der SNB herstellen zu dürfen. Davon waren die technischen Kapazitäten von Orell Füssli jedoch weit entfernt, da man zu diesem Zeitpunkt nur Drucke im Steindruck und im Offsetdruck anbieten konnte, die beide gegenüber dem Stahlstich, wie bei den in London hergestellten Wertstufen zu 50 bis 1.000 Franken angewandt, nur einen verminderten Fälschungsschutz bot. Die SNB hatte Ende 1920 Waterlow & Sons im Rahmen der Angebotsanfrage vier Bilder von Neuenburgerinnen in Tracht zur Verfügung gestellt. Im Februar 1921 sandte Waterlow & Sons Entwürfe der Vorder- und Rückseiten des Scheins. Eine interne Prüfung durch das I. Department der SNB bestand der Entwurf mit „gut“ – eine etwas vorschnell und ohne gründliche Prüfung gefasste Entscheidung, da man irrig annahm, dass der Druck in gleicher Weise wie bei den Noten zu 50 bis 1.000 Franken ausgeführt werden sollte, was tatsächlich nicht der Fall war, da kein Stahlstich, sondern nur Kupferdruck zur Ausführung vorgesehen war, und das auch nur in der Hauptdruckplatte der Vorderseite. Allein das mit einem Hut versehene Frauenporträt der Neuenburgerin stieß auf Kritik, da die Frauen auf den anderen Noten der SNB allesamt „unbehutet“ waren. Am 19. Februar 1921 beantragte das für den Bargeldverkehr zuständige II. Departement der SNB bei der Direktion, Waterlow & Sons einen Druckauftrag über 5 Millionen Scheine zu einem Preis von 7,1 Rappen einschließlich Papier zu erteilen bei acht Wochen Lieferzeit für die erste Tranche und weiteren vier Wochen Lieferzeit für die zweite. Das Angebot von Waterlow & Sons war damit deutlich günstiger als das Angebot von Orell Füssli aus dem Dezember 1920, bei zudem gegenüber dem Offset besserer Druckausführung. Orell Füssli blieb bei diesem Druckauftrag auf der Strecke. Es sollte aber noch dicker kommen, denn der günstigere Preis von Waterlow & Sons für den Druck der Neuenburgerin sollte in den kommenden Monaten noch eine bedeutende Rolle bei einem anderen Druckauftrag spielen. Schon seit Ende 1920 befanden sich Orell Füssli und die SNB in Verhandlungen über die Druckkosten der von Orell Füssli gedruckten 5-Frankennote. Im April 1921 bot Orell Füssli eine Preisreduktion bei den Druckkosten auf 5,75 Rappen je Schein an. Der SNB war dies zu wenig. Sie forderte einen Preis von 5 Rappen je Note. Die Verhandlungen zogen sich hin, man überlegte eine Kostenreduktion durch Veränderung des Papierformates, doch ohne Ergebnis. Als die 10-Frankennoten von Waterlow & Sons im Sommer 1921 bei der SNB eingetroffen waren und tatsächlich zur Ausgabe hätten gelangen können, nutze die SNB diese Möglichkeit aus, dadurch gehörig Druck auf die Druckerei auszuüben: Sie appellierte am 30. August 1921 an Orell Füssli „recht und billig“ einen „bescheidenen“ Beitrag zur Senkung der heimischen Arbeitslosigkeit zu leisten und den weiteren Druckauftrag für die 5-Frankennote zu dem geforderten Preis von 5 Rappen je Schein anzunehmen. Gleichzeitig drohte sie, die in London gedruckte 10-Frankennote zeitnah in den Umlauf zu setzen, Orell Füssli den Druckauftrag für die 5-Frankennote ganz zu entziehen und die Scheine von den Original-Druckplatten durch Waterlow & Sons in England drucken zu lassen – das Argument der Schaffung heimischer Arbeitsplätze zählte insoweit scheinbar weniger. Es drohte für Orell Füssli neben einem Reputationsschaden durch den Verlust des Druckauftrages auch ein herber wirtschaftlicher Verlust. Bereits am folgenden Tag lenkte Orell Füssli gegenüber der SNB „mit Rücksicht auf … [die] Äußerungen, ev. die englische 10-Fr.Note in Zirkulation zu setzen“ ein und gab dem Preisdiktat der SNB nach – nicht ohne Hinweis darauf, dass man bereits große Opfer für die Aufbringung der Arbeitslosen-Unterstützung im Druckereigewerbe leisten würde und jedenfalls mit einem kräftigen Seitenhieb, dass „die heutigen Verhältnisse in der Schweizerischen Industrie nicht derart [seien], dass man es verstehen könnte in dieser Zeit erneut ausländisches Schweizergeld auszugeben …“. Nun war dieses Geld bereits ausgegeben, da die Scheine bereits gedruckt waren. Die Neuenburgerin hatte vorerst ihre Schuldigkeit als Preisbrecherin getan und konnte für die nächsten vier Jahre in die Reserve abtreten. Im Jahr 1925 befasste sich die SNB erneut mit dem Schein, da inzwischen Zweifel an der Fälschungssicherheit aufgekommen waren und man seitens der SNB erkannte, dass die Druckausführung doch nicht von der Qualität war, die man zwar nicht bestellt und bezahlt, aber erhofft hatte. 1925 übersandte die SNB Orell Füssli ein Musterexemplar des Scheins mit dem Auftrag, davon eine Fälschung anzufertigen, die Orell Füssli mit Schreiben vom 13. Oktober 1925 dann auch ablieferte. Ob und wie der „Fälschungsauftrag“ vergütet wurde, ist den Akten nicht zu entnehmen. Er muss wohl gelungen gewesen sein. Denn Zweifel an der Fälschungssicherheit des Scheins waren Gegenstand eines Gesprächs zwischen William Waterlow und Bankdirektor Schnyder von Wartensee anlässlich eines Besuches von Waterloo in Bern im Februar 1926. Die SNB hatte zu billig gekauft. Waterlow & Sons schlug den Austausch der Scheine gegen neu zu druckende Exemplare vor, die im Kupferdruck auf Vorder- und Rückseite und auf einem mehrfarbigen Unterdruck hergestellt werden sollten, und bot dafür Sonderkonditionen an. Mit Beschluss vom 18. März 1926 lehnte das Direktorium der SNB dieses Angebot ab, weil eine Inverkehrsetzung der Scheine nicht geplant war. Auch wenn man anerkannte, dass die Scheine für den regulären Zahlungsmittelumlauf ungenügend waren, hielt man sie als Reservenoten, die nur im Falle einer außergewöhnlichen Notlage ausgegeben werden sollten, doch für gut genug. Waterlow & Sons erhielt durch Hauptkassierer Bornhauser eine freundliche Absage sowie die übersandten Musterscheine zurück. Zu einer Ausgabe des Scheins kam es nie. Die Neuenburgerin verbrachte über 40 Jahre in den dunklen Tresoren der SNB, bis die Scheine schließlich 1962 vernichtet wurden. Dr. Sven Gerhard Anmerkungen: [1] Richter/Kunzmann, Die Banknoten der Schweiz RS2, Pick 31, The Banknote Book B306. [2] Das Bankgesetz von 6. Oktober 1905, durch das das Notenausgaberecht des Bundes gemäß Art. 39 der Bundesverfassung von 1874 in der Fassung von 1891 allein der SNB übertragen wurde, ermächtige diese nur zur Ausgabe von Noten im Nennwert ab 50 Franken und darüber, mit Bundesratsbeschluss vorübergehend auch zu Noten im Nennwert von 20 Franken. Für die Ausgabe der 5-Frankennote schuf ein Bundesratsbeschluss vom gleichen Tag die gesetzliche Grundlage. [3] Richter/Kunzmann, Die Banknoten der Schweiz, RS2.












