Wer war Michael D. Hillegas?

Vom Namen her könnte es sich bei Michael Hillegas um einen Holländer handeln – oder um einen Spanier. Falsch: es handelt sich um einen Deutschen. Genauer gesagt um einen Untertan der englischen Krone in den britischen Kolonien in Nordamerika. Der damalige König war jedoch auch ein Deutscher (König George II. war in Personalunion auch Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg).

Michael Hillegas war der erstgeborene Sohn des im badischen Sinsbach geborenen Auswanderers Georg Michael Hillengaß und seiner Ehefrau Margarethe geb. Schiebenstock. Der Vater „amerikanisierte“ seinen Namen nach der Ankunft in Pennsylvanien in George Michael Hillegas. Die Eltern kamen um 1724 nach Amerika und siedelten in Philadelphia. Dort wurde am 22. April 1729 Michael Hillegas geboren.


Abb. 1: 10 Gold-Dollars, Serie 1907 (Vernon/Treat1907–1909), mit einem Bildnis von Michael Hillegas.


Nach dem Tod von George Hillegas im Oktober 1749 übernahm der Sohn 1750 als Kaufmann die gut laufenden Geschäfte seines Vaters. Er verwaltete fortan das geerbte Vermögen; an Eisenhütten und Zuckerraffinerien war er beteiligt und besaß Handelsfirmen. Michael Hillegas war ein frühes Mitglied der 1743 gegründeten American Philosophical Society in Philadelphia, in der sich bedeutende Männer der Kolonie und auch spätere US-Präsidenten eingeschrieben hatten – wie z. B. Benjamin Franklin sowie George Washington, John Adams, Thomas Jefferson und James Madison.


Hillegas schloss sich dem Widerstand gegen das sog. Zuckergesetz an. Aufgrund der angewachsenen Kriegskosten und der beschlossenen Sicherung der Westgrenze gegen die Indianer wuchsen die Staatsschulden Großbritanniens auf 133 Millionen Pfund im Jahr 1763 an. Am 5. April 1764 unterschrieb der König das neue Zuckergesetz. Dieses Dekret bevollmächtigte zur direkten Besteuerung der Kolonisten mit dem erhofften Resultat, dass das Board of Trade eine jährliche Mehreinnahme von 45.000 Pfund in Form von Ein- und Ausfuhrzöllen auf Zucker aufwies. Hillegas diente kurzzeitig als Quartiermeister der Armee und gelegentlich als Kommissar.


Abb. 2: Porträt von Michael Hillegas (A. M. Archambault, um 1760).


Von 1765 bis 1775 war Michael Hillegas Mitglied der Pennsylvania Provincial Assembly; im Juni 1774 wählte man ihn zum Schatzmeister des Committee of Safety unter Benjamin Franklin. Am 29. Juli 1775 übertrug der Zweite Kontinentalkongress die Verantwortung für die Verwaltung der Finanzen der revolutionären Regierung an George Clymer und Michael Hillegas. Der Kongress forderte für jede einzelne der 13 Kolonien einen Beitrag für die kontinentale Regierung. Nach Clymers Rücktritt am 6. August 1776 übernahm Hillegas die alleinige Verantwortung für das Amt, das er bis zum Ende der amerikanischen Revolution innehatte; auch mit einem Großteil seines eigenen Vermögens unterstützte er die gemeinsame Sache.

Anne – die letzte Stuart-Königin von England, Schottland und Irland – erließ 1704 ein Münzpräge-Verbot in den amerikanische Kolonien, welches bis zum 10. Mai 1775 hielt, als die Mitglieder des Kontinentalkongresses die Schaffung einer eigenen Währung forderten und in Umlauf brachten: den Dollar als „Continental Currency“.

Ab dem 22. Juni 1775 ließ der Kongress 2 Millionen Dollars in Kreditscheinen drucken und am 25. Juli wurden 28 Bürger von Philadelphia vom Kongress angestellt, um diese Scheine zu unterzeichnen und zu nummerieren. Auch der erstgeborene Sohn von Michael Hillegas – Samuel Hillegas – gehörte zu den Erstunterzeichnern (am 10. Mai 1753 hatte M. Hillegas die 22jährige Henrietta Boude geheiratet; in ihrer Ehe wurden zehn Kinder geboren).


Abb. 3: 3 Dollars 1776, Vs., Druckerei: Hall & Sellers, Philadelphia.

Anfangs hatten die Kongress-Delegierten die Ausgabe von Kreditscheinen in den Wertstufen 1 bis 8 Dollars beschlossen und versprachen die Einlösung des Geldes im Vertrauen auf die revolutionäre Sache. So erhoffte man sich in- und ausländische Investitionen und damit auch die Finanzierung des Unabhängigkeitskriegs.

Die Unterschrift von Michael Hillegas hingegen findet man jedoch nur auf Wechsel-Zinsscheinen, die er als US-Schatzmeister unterzeichnete.

Die Scheine wurden in Form von vier Bögen gedruckt, von einem Ersten oben bis zu einem Vierten unten. Sie hatten das gleiche Datum, die gleiche Nummer und den gleichen Namen des Beziehers. Einer oder mehrere konnten gleichzeitig abgegeben werden, wenn dies für die Auslandszahlung erforderlich war.


Abb. 4: Zinsschein über 18 Dollars (= 90 Livres Tournois) vom 5. Januar 1782,

Vs. mit Wasserzeichen „UNITED STATES 4“ (= 4. Ausführung), unterschrieben von Michael Hillegas (Treasurer), Ausführungs-Nr. 533.


Wegen der vielen Gefahren und Risiken bei der Versendung nach Europa, insbesondere während des Krieges, wurden vier Exemplare jedes Scheins ausgefertigt und verschickt. Jeder einzelne Vierer-Schein, der es z.B. nach Paris schaffte, machte alle anderen ungültig und wertlos.

William G. Anderson beschrieb das 1983 in „The Price of Liberty“ so:

„Wenn der erste Schein verloren gegangen ist oder auf See erbeutet wurde ... würde der Inhaber den zweiten Schein senden, wenn er auch verloren ging, würde er den dritten senden und so weiter. In mehreren Fällen wurden vom Kongress genehmigte Duplikate ausgestellt, als alle vier auf See verloren gegangen waren ...“

Die jeweiligen Abschnitte 1 bis 4 hatten unterschiedliche Wasserzeichen „UNITED STATES 1“, „UNITED STATES 2“, „UNITED STATES 3“ bzw. „UNITED STATES 4“ und waren dadurch unterscheidbar. Und sie wurden in jedem Fall von den Commissioners der Continental Loan-Offices der Einzelstaaten gegengezeichnet.

In der Regel wurden diese Scheine in Paris, Amsterdam oder anderswo in Europa ausgezahlt – mit einer Verzinsung von 6 Prozent/jährlich – und deshalb meist auf Livres Tournois (1 $ = 5 Livres) oder eben auf entsprechende Währungen lautend.


Abb. 5: Doppelschein (Expl. 3 und 4) des Zinsscheins über 18 Dollars vom 12. September 1782, unterschrieben von Michael Hillegas (Treasurer).


Abb. 6: Kreditschein über 400 Dollars vom 26. März 1781, seltenes Exemplar mit der Unterschrift von Francis Hopkinson (Treasurer und Mitunterzeichner der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776).


Am 9. September 1776 änderte der Kontinentalkongress offiziell den Namen des Landes in „United States of America“, der Amtstitel von Hillegas änderte sich aber erst im März 1778: Treasurer of the U.S.A.


Die erste Verfassung der Vereinigten Staaten wurde am 17. September 1787 verabschiedet; das Finanzministerium bildete man aber erst am 11. September 1789. Alexander Hamilton legte den Amtseid als erster Finanzminister ab und am selben Tag reichte Hillegas seinen Rücktritt als Schatzmeister ein. Nachfolger in seinem Amt wurde Samuel Meredith, ein 48jähriger Hafenkommandant von Philadelphia und ehemaliger Brigadegeneral der Milizen von Pennsylvania.


Abb. 7: Grabstein für Michael Hillegas und seine jüngsten Tochter Mary Ann (1774–1817) auf dem Christ Church Burial Ground in Philadelphia.


Der Coinage Act of 1792 vom 2. April 1792 erklärte den damaligen spanischen Peso (Spanish Milled Dollar) mit einem Feingewicht von 371,25 Grains in Silber zur Hauptwährungseinheit der USA. Es galt fortan der Dollar zu 10 Dimes bzw. 100 Cents.

1792 gründete Hillegas mit zwei Partnern die Lehigh Coal Company. Nach zwölf Jahren in der Bundesregierung wurde Michael Hillegas Ratsherr und Berater des Bürgermeisters von Philadelphia. In den Jahren von 1792 bis 1804 war er auch stellvertretender Richter am Bürgermeistergericht von Philadelphia. Vor allem in der Zeit des Unabhängigkeitskriegs betrieb er Bodenspekulationen nicht nur im Bedford County und im Dunnigs Creek. Zeitgenossen beschrieben Hillegas als guten Flötisten und Geiger – und er betrieb den ersten Musikladen in den Kolonien und bot auch Instrumente an.

Michael Hillegas starb 12 Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau Henrietta am 29. September 1804 im Alter von 75 Jahren und wurde neben ihr und vielen prominenten Bürgern Philadelphias im Christ Church Burial Ground begraben.


Abb. 8: 10 Gold-Dollars, Serie 1922 (Speelman/White 1922–1929).


Im vorigen Jahrhundert ehrte man Michael Hillegas auf zwei ähnlichen Ausgaben der sog. Gold-Zertifkate – die von 1907 und von 1922. Das Porträt dafür gravierte G. F. C. Smillie.

Der Familienname Hillegas ist noch heute oft in den USA zu finden – ebenso der Name Hillengaß/Hillengass im süddeutschen Raum.


Michael H. Schöne

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