Anmerkungen zu einer „Note“ des Tesoría Nacional de Puerto Rico vom 4. Mai 1813


Tesoreria Nacional de Puerto Rico, 4. May 1813, 25 Pesos, Vorder- und Rückseite


Ende des 18. Jahrhunderts wurden in den spanischen Kolonien Amerikas erste Stimmen laut, die eine Loslösung vom Mutterland forderten. Die hier entstehenden revolutionären Bewegungen wurden durch die Schwächung Spaniens während der Napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel begünstigt und führten schließlich zum Zusammenbruch des spanischen Reichs auf dem amerikanischen Kontinent. Einzig Kuba und Puerto Rico verblieben unter spanischer Herrschaft.

Als am 16. September 1810 Mexiko die Unabhängigkeit erklärte, hatte dies auch direkte Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben und Geldwesen Puerto Ricos, da die Insel nunmehr nicht mehr von der königlichen Kasse in Mexico finanziell unterstützt wurde. Die Haushaltslage verschlechterte sich dramatisch, da man nicht nur die Ausgaben der spanischen Garnisonen, die an der Eroberung Santo Domingos teilgenommen hatten, tragen musste, sondern weil darüber hinaus Handel, Industrie und Landwirtschaft am Boden lagen. Gouverneur Salvador Meléndez Bruna setzte daher alle Mittel ein, um den völligen Ruin des Landes zu verhindern. Er bat in Caracas, Mexiko und Havanna um finanzielle Unterstützung, verkaufte Staatsgüter und führte neue Steuern ein. Dennoch war der wirtschaftliche Niedergang nicht zu verhindern.

In dieser Situation schlug der Contador Puerto Ricos, Juan Patiño, der Real Junta Hacienda (Vorstand des königlichen Schatzamtes) die Schaffung von Papiergeld vor. Dies stieß auf Einwände des Sindico (Treuhänder) Francisco Hernandez, des Fiscal Interino Dr. Juan Oliver, der wichtigen Kaufleute von San Juan und der Militärchefs. Andererseits sprach sich das Rathaus von San Juan, das Kirchenkapitel, Bischof Arizmendi, der Schatzmeister Bacener und der Fiscal de Hacienda Valldejuli für die Papiergeldausgabe aus, während Erstere andere weniger drastische Maßnahmen bevorzugt hätten, darunter die Reduzierung aller im Umlauf befindlichen Münzen, wie dies auf den Kleinen Antillen in Zeiten der Not der Fall war.

Das Schatzamt (Junta de Real Hacienda) beschloss schließlich am 13. August 1812 die Ausgabe von Papiergeld. Gemäß Dekret vom 31. August betrug die Erstausgabe 80.000 Pesos in Noten von einem und zwei Reales und vier Pesos. Der Peso wurde hierbei zu acht Reales gerechnet. In der Zeit von September 1812 bis September 1813 wurden insgesamt acht Gutscheinausgaben im Wert von einer halben Million Pesos emittiert: 52.000 Scheine zu 4 Pesos, 233.500 zu 8 Reales, 56.000 zu 4 Reales, 82.008 zu 2 Reales, 63.984 zu 1 Real und 32.500 zu einem halben Real. Sobald die Papierwährung in Umlauf gelangte, begann ihr Wertverfall. Mitte 1814 betrug ihr Wert nur noch ein Drittel des Nominalwerts.

Um weitere Einnahmen zu generieren, gab 1813 das Schatzamt (Tesorería Nacional) eine Anleihe zu 25 Pesos mit einer Laufzeit von einem Jahr und vier Monaten und einem Zinssatz von 6 Prozent aus. Die Anleihe wurde auf Büttenpapier gedruckt und hat die Maße 200 mm x 315 mm. Das Dokument wurde handschriftlich mit dem Namen des Anlegers, dem Ausstellungsdatum und laufender Nummer vervollständigt.

Der Urkundentext nennt die Rechtsgrundlage der Ausgabe und verbrieft dem Anleger einen Zinsanspruch in Silber. Wie die „Vales Reales de la Península“ des Mutterlandes, konnten sie durch Vermerk übertragen werden, sodass sie in gewisser Weise dem Papiergeld gleichgestellt waren. Obwohl nicht überliefert ist, ob ihre Annahme wie die der „Vales Reales“ unter bestimmten Bedingungen obligatorisch war, kann davon ausgegangen werden, da sie eine entsprechende handschriftliche Verpflichtung des Schatzmeister D. Juan Patiño, des Contador José Bacener sowie des Bürgermeisters D. Alejandro Ramírez tragen.

1814 gab man eine weiter Serie von Geldscheinen zu zwei Reales, drei und fünf Pesos aus und 1815 folgten Scheine zu drei und fünf Pesos, die bei der 1795 gegründeten Druckerei Murray, Draper, Fairman & Co in Philadelphia (Vereinigte Staaten) gedruckt wurden.

Das frühe Papiergeld Puerto Ricos ist ausgesprochen selten und erzielt besonders in den USA hohe Preise. Einzig die Anleihe aus dem Jahr 1813, von der in Spanien 2002 ein Lot von etwa 10 Exemplaren aufgefunden wurde, wird manchmal angeboten.


Literatur:

Luis Antonio Rodríguez Vázquez, Catálogo del Papeö Moneda de Puerto Rico (Emisiones Oficiales y Privadas), (1766 – 1933), Editiorial Arybet, Ponce, Puerto Rico 2006.


Uwe Bronnert

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