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Argentinien: BOCADE – Ersatzgeld für die Provinz La Rioja

Aktualisiert: 15. Mai

Mitte Januar 2024 hat das Parlament der im Nordwesten des Landes gelegenen argentinischen Provinz La Rioja (flächenmäßig etwas größer als Bayern; Einwohner ca. 385.000) auf Initiative des Gouverneurs der Provinz, Ricardo Quintela, die Einführung sogenannter "Bonos de Cancelación de Deuda" (dt. "Schuldentilgungsanleihen" oder besser "Schuldscheine") beschlossen. 32 Abgeordnete des 36-köpfigen Provinzparlaments stimmten dafür. Die Anleihe sollte 45 Tage nach dem Parlamentsbeschluss in Umlauf gebracht werden. Das wäre Anfang März 2024 gewesen.


Es ist das erste Mal seit 2001/02, dass in Argentinien wieder Notanleihen/''Quasi-Geld''/Schuldscheine in Umlauf gebracht werden. Damals waren es die ''Letras de Cancelación de Obligaciones Provinciales'', die wegen des damaligen Zusammenbruchs der Konvertibilität des argentinischen Peso ausgegeben wurden.

Das Volumen dieser Anleihen mit der spanischen Abkürzung "BOCADE" beträgt 15 Milliarden argentinische Pesos (derzeit ca. 16,53 Millionen Euro).


Diese Anleihe wird in Stückelungen zu 1.000, 2.000, 5.000, 10.000 und 50.000 Pesos ausgegeben. Im Internet zirkuliert auch schon ein Bild dieser ''Quasi Geldscheine.''


Auf der Vorderseite ist Ángel Vicente “Chacho” Peñaloza, ein ''Caudillo'' und lokaler Kriegsheld der Provinz aus dem 19. Jahrhundert, zu sehen. Daher werden diese ''Quasi-Geldscheine'' in der Provinz nun auch "El Chacho" genannt.







Wer die Scheine gedruckt hat, und falls ja, welche Sicherheitsmerkmale sie besitzen, ist gegenwärtig nicht bekannt. Alle fünf Wertstufen haben offenbar die gleiche Größe, wie man es auch bei den argentinischen Banknoten kennt.

Die Provinzregierung hat nun, durch die vom Parlament beschlossene Verordnung, den Auftrag bei den lokalen Banken für die Annahme und Akzeptanz dieser Quasi-Geldscheine zu sorgen. Außerdem sind die Gemeinden der Provinz, die staatlichen Betriebe und Unternehmen, sowie die ''dezentralisierten, autonomen Einheiten'' der Provinz verpflichtet, die BOCADEs als vollständige oder teilweise Bezahlung zu akzeptieren.

Es ist geplant, dass die Bediensteten der Provinz 30% ihrers Gehaltes in Form der BOCADEs erhalten sollen und die restlichen 70% in argentinischen Pesos.


Der Präsident der Provinz gibt die Schuld für die Einführung der BOCADE dem neuen Präsidenten Argentiniens und seiner radikalen Wirtschaftspolitik, die zu  schweren Verwerfungen führt. Laut dem Gouverneur sei wegen der ''Grausamkeit,'' mit der die Reformen durchgeführt werden, die Provinz La Rioja gezwungen die BOCADE einzuführen, um die staatlichen Bediensteten weiterhin bezahlen zu können.


Argentinische Medien gehen davon aus, dass demnächst weitere Provinzen dem Beispiel La Riojas folgen werden (müssen) und eigenes Ersatzgeld' einführen.


Ralf Faust


Quellen (u.a.):

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