Aus privaten Sammlungen: Falsche Banknote zu 100 Mark der Preussischen Haupt-Bank von 1876!

Die hier vorgestellte Fälschung gibt Rätsel auf. Es handelt sich um eine nachgemachte Banknote der Preußischen Haupt-Bank zu 100 Mark aus den 1870er Jahren. Während die echte Banknote auf den 1. Mai 1874 datiert ist, irritiert die vorliegende Fälschung mit dem Datum 4. Januar 1876. Warum hat der Fälscher (oder die Fälscherin) ein von der echten Banknote abweichendes Datum gewählt? Noch dazu den 4. Januar 1876, als die Preußische Bank bereits nicht mehr existierte? Denn am 1. Januar 1876 war sie in die Deutsche Reichsbank umgewandelt worden.[1] Weitere Fehler fallen auf, so lautet die Nominalangabe in den Feldern oben links und rechts auf der Vorderseite bei dem Falsifikat schlicht „100 Mark“, beim Original dagegen „100 Mark 100“. Abweichungen sind auch beim Stil der Buchstaben und bei den Randverzierungen erkennbar.
Die Fälschung weist auf Vorder- und Rückseite handschriftliche Vermerke auf und zeigt deutliche Gebrauchsspuren (einschließlich hinterklebter Knickfalte), so als ob sie eine Zeitlang umgelaufen wäre. Man sollte annehmen, dass eine so hochwertige Banknote sorgfältig auf Echtheit geprüft wurde, bevor sie den Besitzer wechselte. Das durchschnittliche jährliche Arbeitseinkommen in Industrie und Handwerk lag in den 1870er Jahren zwischen 500 und 700 Mark, also bei etwa 50 Mark monatlich.[2] Ein Hundertmarkschein entsprach demnach etwa zwei Monatseinkommen. Auch wenn sich der Fälscher viel Mühe gemacht hat und die Handzeichnung einigen Aufwand und Ausdauer erforderte, sollte der Schein bei näherer Betrachtung eigentlich schnell als Fälschung aufgefallen sein.
Wie lange mag der Fälscher an seinem "Produkt" gearbeitet haben?
Bei einem Fälscherprozess im westfälischen Hamm im Jahr 1834 gab der Beschuldigte an,
für die Anfertigung einer gefälschten preußischen Kassenanweisung mit einem Nennwert von einem Thaler (Federzeichnung) anderthalb bis zwei Tage benötigt zu haben.[3]
An dem Zeitaufwand gemessen war die Fälschung einer 100-Marknote aufgrund des hohen Nominalwertes ein lukratives Geschäft – solange das Falsifikat nicht auffiel und der Fälscher nicht erwischt wurde.


Objekttyp:
Preussische Banknote (zeitgenössische Fälschung)
Sammlung:
Sammlung Hensengerth
Authentizität:
Original
Land/Region/Ort:
Deutsches Reich, Königreich Preußen, Berlin
Emittent:
Preussische Haupt-Bank
Nominal:
100 Mark
Datierung:
4. Januar 1876!
Vorderseite:
Links Wappen mit Schildhaltern, rechts: Borussia im Lorbeer-Eichenlaubkranz.
Rückseite:
Zwei Putten, einen Kranz mit Wertangabe haltend.
Material:
Papier
Format:
158 mm x 101 mm (entspricht der Original-Banknote)
Nummerierung:
No. 509754 c. (Serie c ist bislang nicht katalogisiert)
Druck:
Private Fälschung.
Zitate:
Zu G/K 314 (Grabowski/Kranz: Das Papiergeld der altdeutschen Staaten, 1. Auflage 2020)
Zu A 255 (Pick/Rixen: Papiergeld-Spezialkatalog Deutschland, 3. Auflage 1998)
Zu S454 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. I – Specialized Issues)
Dr. Bernd Sprenger
Anmerkungen
[1] Die neugegründete Deutsche Reichsbank in Berlin übernahm am 1. Januar 1876 die Aktiva und Passiva der Preußischen Bank.
[2] Vgl. Walther G. Hoffmann: Das Wachstum der Deutschen Wirtschaft seit der Mitte
des 19. Jahrhunderts, Berlin – Heidelberg – New York 1965, S. 468 f.
[3] Jens Heckl: Falsche Kassenanweisungen in Unna. Ermittlungen und Rechtsprechung zu einem westfälischen Präzedenzfall aus dem Jahr 1834, in: Nummi Docent! Festschrift für Peter Ilisch zum 65. Geburtstag am 28. April 2012, Osnabrück 2012, S. 351-362, hier S. 358.
Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
Literaturempfehlung:
Grabowski/Kranz.
Das Papiergeld der altdeutschen Staaten
Geldscheine der Staaten auf dem Gebiet des 1871 gegründeten Deutschen Reichs von den Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts
1. Auflage 2020
Battenberg Verlag
ISBN: 978-3-86646-188-8
Format 17 x 24 cm
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Preis: 49,90 Euro





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