Banknoten der Bank of Communications, ausgegeben in Harbin, datiert 1920

Aktualisiert: Mai 27

Diese Gruppe von Banknoten ist von besonderem Interesse, weil auf der Rückseite der Bankname und die Ortsangabe auch in russischer Sprache, also mit kyrillischen Buchstaben geschrieben sind. Die Auflistung im SCWPM (P.128 bis P.130B) lässt nicht vermuten, dass sich hier mehrere interessante Varietäten verbergen. Nachfolgend möchte ich beschreiben, was hierüber bisher bekannt ist.


Es gibt fünf Wertstufen: 1, 5, 10, 50 und 100 Yuan, wovon allerdings die beiden höheren Werte nie ausgegeben wurden. Von den 50- und 100-Yuan-Noten gibt es daher nur Probedrucke bzw. Muster. Alle diese Scheine wurden von der American Bank Note Company (ABNC) gedruckt.


Insgesamt finden sich drei verschiedene Unterschriftsvarianten, hier mit a, b und c bezeichnet. Diese verschiedenen Signaturen sind jedoch nicht bei allen Wertstufen bekannt. Von den sechs Einzelunterschriften konnte ich fünf namentlich entziffern.


Die drei Unterschriftskombinationen sind:


a) Unbekannt +張謇= Zhāng Jiǎn


b) 謝蔭昌 = Xiè Yīnchāng + 梁士詒 = Liáng Shìyí


c) + 吳興基 = Wú Xìngjī + 盧學溥 = Lú Xuépǔ


Die Harbin-Filiale der Bank of Cummunications wurde am 30.11.1913 eröffnet, im nördlichen Abschnitt der 4. Avenue. 

Es ist bekannt, dass Zhāng Jiǎn erst seit 1922 Bankdirektor („general manager“) war, ferner, dass er 1925 von Liáng Shìyí abgelöst wurde. Die drei in Umlauf gekommenen Wertstufen können also trotz des Datums „Jahr 9 der Republik“ und „1920“ frühestens 1922 ausgegeben worden sein. 1933 wurde Lú Xuépǔ Vorstandsvorsitzender der Bank of China. Noten mit seiner Unterschrift können nur 1933 und 1934 ausgegeben worden sein.


Dass es auf der Rückseite der Noten Worte in russischer Sprache gibt, ist der Tatsache geschuldet, dass in Harbin ein großer Bevölkerungteil aus Russen bestand. „Harbin“ wird eigentlich Hā'ěrbīn = 哈爾濱 geschrieben; weil im Chinesischen keine auf „r“ endende Silbe existiert, muss man sich behelfen und „Har“ wie „Hā'ěr“ schreiben.


Am 1.3.1932 gründeten die Japaner Mandschukuo (Manchukuo), wozu auch Harbin gehörte. Um die Menge des umlaufenden Geldes zu kontrollieren, wurden die verschiedenen, lokal kursierenden Banknoten auf der Vorderseite mit einem roten Siegel überdruckt; dieses Siegel war quadratisch und zeigt die Zeichen 监理官印 = offizielles Kontrollsiegel. Alle Noten, die dieses Siegel tragen, müssen also 1932 oder später ausgegeben worden sein.


Um die Notenvielfalt in dem neu gegründeten Staat zu überwinden, wurde die Zentralbank von Mandschukuo gegründet, die bald für den ganzen japanischen Satellitenstaat gültige Noten emittierte. Daneben wurden auch Münzen geprägt, nämlich in den Wertstufen 5 Li, 1 und 5 Fen sowie 1 Jiao. Die alten Noten, also auch die hier in Rede stehenden Banknoten der Bank of Communications mit Ortsangabe Harbin, durften noch bis zum 30. Juni 1934 zirkulieren.


Von den Noten sind verschiedene Probedrucke und Muster bekannt, die man wie folgt aufteilen kann:


(Abb.1: 10 Yuan, Probedruck ohne Kontrollnummer)

  • Noten ohne Seriennummer, Rückseite ohne Unterschrift, ohne das Wort „SPECIMEN“. Obwohl in der Literatur und von Händlern oft als Specimen bezeichnet, sind es eher Probedrucke.

  • Kontrollnummer "000000", Rückseite ohne Signaturen, ohne das Wort „Specimen“. Auch dies sind wohl eher Probedrucke, sie wurden in größerer Anzahl von der ABNC versteigert.

(Abb.2: „Specimen“ der 10-Yuan-Note)

  • Wie zuvor, aber mit rotem Aufdruck „SPECIMEN“ und zwei Lochungen

(Abb.3a: 5 Yuan, Specimen mit niedriger Nummer, Vorderseite)


  • Niedrige Kontrollnummern (z.B. "000047" oder "000148"), hinten mit Signaturkombination a), ohne rotes Siegel, mit den Worten „SPECIMEN“, „樣本券“ (in Schwarz) und unlesbarer Perforation.

(Abb.4: Specimen mit Kontrollstempel)

  • Normale Kontrollnummer, hinten mit Signaturen, mit Stempel „Specimen“ und 本樣“ (3 x in Rot) auf Vorder- und Rückseite, 8-fache Entwertungs-Lochung.

Bei der zuletzt aufgeführten Variante handelt es sich augenscheinlich um von den Japanern nach Anbringen des Krontrollsiegels als Muster abgestempelte Normalnoten, die also ursprünglich gar nicht als Muster vorgesehen waren.


Betrachten wir zunächst die drei ausgegebenen Werte: 1, 5 und 10 Yuan. Alle drei Wertstufen kommen jeweils mit und ohne japanischem Kontrollsiegel vor, das ergibt sechs verschiedene Möglichkeiten. Weitere Varianten entstehen durch die verschiedenen Unterschriftskombinationen. Insgesamt habe ich bislang neun verschiedene Varianten nachweisen können:


(Abb.5: 1 Yuan ohne Kontrollsiegel)


1) 1 Yuan ohne Kontrollsiegel: Signatur a).


(Abb.6: 1 Yuan mit Kontrollsiegel)


2) 1 Yuan mit Kontrollsiegel: Signatur b).


(Abb.7a/b: 5 Yuan ohne Kontrollsiegel, Vorderseite und Rückseite)


3) 5 Yuan ohne Kontrollsiegel: Signatur a) (nur Specimen).

4) 5 Yuan ohne Kontrollsiegel: Signatur b).

5) 5 Yuan mit Kontrollstempel: Signatur b).

6) 5 Yuan mit Kontrollstempel: Signatur c).

7) 10 Yuan ohne Kontrollstempel: Signatur a) (nur Specimen).


(Abb.8: 10 Yuan mit Kontrollsiegel, Signatur b)


8) 10 Yuan mit Kontrollstempel Signatur b).

9) 10 Yuan mit Kontrollstempel Signatur c).


Wie bereits erwähnt, wurden die 50- und 100-Yuan-Noten nicht ausgegeben. Von beiden Wertstufen existieren nur Probedrucke bzw. Specimen.


(Abb.9: 50 Yuan, „Specimen“)

(Abb.10: 100 Yuan, „Specimen“)


Weitere Varianten sind sicher noch zu entdecken. In Büchern, Verkaufskatalogen und Internet findet man zwar sehr viele Noten dieser Serie, jedoch ist meist nur die Vorderseite abgebildet.

Untervarianten können bzgl. der Kontrollnummer vorkommen, es gibt Nummern vom Typ "123455", "A123456" und "A123456H". Außerdem zeigen gewisse 5-Yuan-Noten ohne rotem Siegel zweimal den isolierten Kontrollbuchstaben „H“ auf Vorder- oder Rückseite. (wahrscheinlich für „Harbin“).


Erwin Beyer


Bildnachweise:

Privatsammler aus China (Abb.1, 10)

Yangming Auction, Erlaubnis durch Cai Xiaojun (Abb.2, 3, 4, 6)

www.banknote.ws , Erlaubnis durch P. Mösselberger (Abb.5, 7)

中國歷代大系, vol. 9, Erlaubnis durch Wu Chouzhong (Abb.9)


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