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British Armed Forces Special Vouchers, Teil 3

Die Operation Vista und die Voucher der Second Series und die sich anschließende Sixth Series Die Einführung der Voucher am 1. August 1946 hatte wohl nicht den erwünschten Erfolg gebracht, denn das Schwarzmarkt-Problem bestand weiter. Im Ministerium hatte man nicht mit dem Einfallsreichtum der britischen Soldaten und der örtlichen Bevölkerung gerechnet. Das Ministerium war bereits Anfang 1947 bereit, neue Maßnahmen zu ergreifen. Im März 1947 wurde hier beschloss, die Scheine der ersten Serie durch völlig neue Voucher zu ersetzen. Dabei sollten alle BAFSV-Bestände von nicht autorisierten Personen „demonetisiert“ werden. Unter strenger Geheimhaltung lief die Operation „VISTA“ an.

Die mit der ersten Serie ausgegebenen Token zu ½d und 1d sollten von der Aktion unberührt bleiben.


Wieder standen Gestaltung und Herstellung der Geldscheine unter erheblichen Zeitdruck. Daher verwendete die Druckerei für die Voucher der zweiten Serie das gleiche Grundlayout der vorhergehenden Serie. Auch die Größe der Scheine blieb gleich, so dass nur das Farbschema und das eigentliche Schriftband geändert werden mussten. Auf Anraten von

S. B. Chamberlain, dem General Works Manager der Druckerei der Bank of England, erhielten die Voucher zusätzlich den Aufdruck „Second Series“, um Verwechslungen zu vermeiden.

Die Präfixe der Scheine der zweiten Serie wurden von einem einzelnen auf einen doppelten Serienbuchstaben umgestellt und folgten dem Muster der ersten Serie. So erhielten die £1-, 10/-, 5/- und 2/6-Noten die Präfixe AA/x, BB/x, CC/x bzw. DD/x (x steht dabei für die Nummerierung der Scheine). Wie schon bei der ersten Serie wurden die kleineren Stückelungen nicht nummeriert. Bis zum 27. Juni 1947 waren alle neuen Entwürfe vom Kriegsministerium genehmigt und der Druck in vollem Gange.


Die Beschaffung des notwendigen Wertzeichenpapiers stellte sich auch dieses Mal als schwierig heraus, da das Kriegsministerium unbedingt Papier mit einem Metallstreifen wünschte. Der einzige Hersteller, der zu diesem Zeitpunkt in der Lage war, dieses Papier herzustellen, war Portals.[1] Das Unternehmen teilte jedoch der Druckerei De La Rue mit, dass sie die erforderliche Menge nicht in der vorgesehenen Zeit herstellen könne. Erst nachdem die Bank of England erheblichen Druck ausübte, erklärte sich Portals zur Lieferung bereit. Der Papierhersteller erhielt am 25. März 1947, eine Woche bevor De La Rue den Druckauftrag bekam, grünes Licht für die Herstellung des Papiers.


Es dauerte etwa fünf Monate, um den gesamten Auftrag fertigzustellen. Am 5. September 1947 lieferte die Druckerei 800 Kisten mit jeweils 50.000 Scheinen an die Bank of England.

Die Geldscheine wurden in den Tresor B6 übernommen, zusammen mit 24 Kisten mit BAFSV, die am 12. November 1947 von der Firma John Waddington in Leeds eingingen. Bei diesen 24 Kisten könnte es sich um Voucher der ersten Serie gehandelt haben, was darauf schließen lässt, dass die Firma Waddingtons am Druck der ersten Serie beteiligt war.


Die Voucher der zweiten Serie wurden in einer geringeren Auflage als die der ersten Serie gedruckt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Gesamtzahl der britischen Truppen in besetzten Gebieten rückläufig war. Außerdem war es nun möglich, den Bedarf der verschiedenen Stückelungen anhand der Erfahrungen, die durch die tatsächliche Verwendung der Gutscheine der ersten Serie gewonnen wurden, genauer einzuschätzen.


Für die 40 Millionen Wertzeichen fielen Herstellungskosten in Höhe von 38.800 Pfund an. Der Grund für den Anstieg der Kosten waren die in der Zwischenzeit gestiegenen Lohn- und Materialkosten sowie die Tatsache, dass alle Scheine nun auf Papier mit metallischem Sicherheitsfaden gedruckt wurden.


Zwischen 1948 und 1958 druckte De La Rue mindestens eine weitere Auflage von Voucher der zweiten Serie, um im Umlauf verschlissene Scheine zu ersetzen. Wie zuvor wurden diese Scheine auf Fadenpapier gedruckt. Sie sind vollkommen identisch mit den Scheinen der ersten Auflage. Anhand der Nummerierung lassen sich ggf. bei den vier höchsten Werten Scheine der zweiten Serie ermitteln, da bekannt ist, mit welchen Nummern Scheine der ersten Auflage aufhörten.


Am 8. Dezember 1947 informierte das Kriegsministerium das Hauptquartier der Britischen Rheinarmee über den bevorstehenden Austausch der BAFSV der ersten Serie. In der Nacht zum 12. Dezember 1947 gingen drei Eisenbahnwaggons mit Gutscheinen, bewacht von drei Offizieren und sechs weiteren Soldaten auf die Reise. Mit der Fähre „The Essex“ ging es von Harwich über den Ärmelkanal nach Zeebrügge.

Die für Deutschland bestimmte Sendung bestand aus 294 Kisten mit jeweils 50.000 Scheinen und einem Gesamtwert von 3.000.000 Pfund. Sie erreichte Hamburg am

16. Dezember 1947. Weitere 4.750.000 Scheine waren für das HQ (Hauptquartier) der britischen Truppen in Österreich in Klagenfurt bestimmt. Die 95 Kisten hatten einen Wert

von 1.315.625 Pfund. Der dritte Teil der Sendung ging nach Triest, Italien: 1,5 Millionen Scheine mit einem Wert von 384.375 Pfund. In Hamburg war man jedoch der Meinung, dass die Menge in der Anfangsphase der Operation nicht ausreichen würde und forderte weitere Wertzeichen im Wert von einer Million Pfund an. Zwischen dem 30. Dezember 1947 und

2. Januar 1948 gingen auf dem Luftweg weitere 3.300.000 (?) Vouchers ein.


In der zweiten Hälfte des Dezembers 1947 beschloss das Kriegsministerium, dass der Umtausch am 4. Januar 1948 erfolgen sollte. Aus unbekannten Gründen wurde dieser Termin jedoch auf den 6. Januar 1948 verschoben. Die Zahlmeister wurden am 28. Dezember über die bevorstehende geheime Aktion informiert und in den folgenden Tagen mit den neuen Zahlungsmitteln ausgestattet. Die kommandierenden Offiziere erhielten versiegelte Befehle mit Anweisungen für die Durchführung des Umtausches. Die Briefe durften nicht vor 00.01 Uhr des 6. Januars geöffnet werden. Die Befehle wiesen auch auf Radio-Sendungen des British Forces Network hin, die im Laufe des Tages ausgestrahlt würden. Offensichtlich wollte das Kriegsministerium den Überraschungseffekt nutzen. Dass es anders kam, verdankten die Briten einem US-amerikanischen Finanzbeamten des Europäischen Kommandos in Frankfurt am Main, der sein Wissen an den örtlichen Militär-Radiosender ausplauderte. Dieser berichtete am Nachmittag des 5. Januar in einer Sendung über den bevorstehenden Umtausch. Die gleiche Meldung wiederholte um 21.00 Uhr das American Forces Network.



Abb. 1.1/2: BAFSV, o. D., 3d, Vorder- und Rückseite.




Abb. 2.1/2: BAFSV, o. D., 6d, Vorder- und Rückseite.




Abb. 3.1/2: BAFSV, o. D., 1/-, Vorder- und Rückseite.




Abb. 4.1/2: BAFSV, o. D., 2/6, Vorder- und Rückseite.




Abb. 5.1/2: BAFSV, o. D., 5/-, Vorder- und Rückseite.




Abb. 6.1/2: BAFSV, o. D., 10/-, Vorder- und Rückseite.




Abb. 7.1/2: BAFSV, o. D., £1, Vorder- und Rückseite.





Obwohl es in den offiziellen Berichten heißt, dass kein großer materieller Schaden entstanden und die Operation erfolgreich verlaufen sei, konnten die Hamburger Schwarzhändler noch große Mengen der alten BAFSV zu den aktuellen Schwarzmarktpreisen von 400 bis 500 Reichsmark pro 1 Pfund BAFSV absetzen, während der offizielle Kurs bei 40 Mark pro Pfund lag.


Bereits um 12.00 Uhr war die Aktion praktisch abgeschlossen. Insgesamt 100.000 Soldaten und 20.000 Zivilisten waren davon betroffen. Urlauber und abwesende Soldaten konnten ihr Geld auch noch in den folgenden Tagen und Wochen umwechseln. Am 31. März 1948 galt der Umtausch als beendet und die alten BAFSV wurden an die Bank of England zur Vernichtung geschickt.


Um einen weltweiten Handel mit Voucher der ersten Serie zu verhindern, mussten auch die seit dem 6. Mai 1947 in Japan in Umlauf befindlichen Scheine ausgetauscht werden.

Da Melbourne erst am 30. Dezember 1947 darüber informiert wurde, erfolgte er in Japan wohl erst einige Tage später als in Europa. Wegen der hohen Transportkosten wurden die eingezogenen Geldscheine vor Ort vernichtet.


Als die BAFSV in Japan bei den British Commonwealth Occupation Forces (BCOF) eingeführt wurden, war das Kriegsministerium mehr oder weniger gezwungen, diese Gutscheine zu finanzieren. Im September 1949 gehörten dem BCOF jedoch keine britischen oder Commonwealth Truppen mehr an und das australische Kontingent war auf etwa 3.000 Mann geschrumpft. Kriegsministerium und Schatzamt in London waren daher der Meinung, dass sie für die in Japan noch umlaufenden Gutscheine im Wert von 250.000 Pfund nicht mehr einstehen müssten, da sie ja nur Australiern zugute kämen. 


Der Streit, der darüber in den nächsten Monaten entbrannte, ging schließlich wie das Hornberger Schießen aus. Nachdem im Juni 1950 die australische Regierung den Rückzug ihrer Soldaten aus Japan ankündigte, gab das Kriegsministerium jede Hoffnung auf, dieses Problem jemals lösen zu können.


Noch auf einem anderen asiatischen Schauplatz waren die Voucher vertreten. Am 11. April 1961 gelangten wohl die letzten drei Kisten auf dem Luftweg nach Singapur. Als im Dezember 1962 die Brunei-Rebellion ausbrach, wurden bei der Borneo-Operation offenbar Gutscheine der zweiten Serie als Kantinengeld benutzt. Nach dem Ende der Feindseligkeiten im Jahr 1966 wurden am 11. April 1967 insgesamt 41 Kisten mit Gutscheinen nach Großbritannien zurückgeschickt. Diese Sendung enthielt 28 ungeöffnete Kisten mit unbekanntem Wert und 13 Kisten mit gemischten Stückelungen im Wert von 301.000 Pfund.


1958 sollte der Schein zu 5 Pfund die zweite Serie vervollständigen. Sie hatte zwangsläufig ein völlig neues Design. Eigentlich hätte der Schein als höchster Wert nach dem bisherigen Präfixsystem die Serie AA erhalten müssen. Da AA jedoch bereits für den 1-Pfund-Schein der zweiten Serie verwendet worden war, erhielt der 5-Pfund-Schein den Serienpräfix EE. Gedruckt wurde er auf Papier mit Wasserzeichen. Gleichzeit wurden auch die anderen Nominale auf Wasserzeichenpapier nachgedruckt.




Abb. 8.1/2: BAFSV, o. D., £5, Vorder- und Rückseite.

Das Wasserzeichen ist deutlich am weißen Rand zu erkennen.



Trotz der Neuanfertigungen wurden am 1. November 1959 überraschend die BAFSV eingezogen, einzig in West-Berlin blieben sie bis zur Einführung der Dezimalwährung in Gebrauch.


Bei den Neudrucken fällt der 5-Shillings-Schein aus den Rahmen. Entweder er wurde mit einer neuen Druckplatte gedruckt oder die alte Gravur wurde überarbeitet, denn es lassen sich deutlich zwei Ausgaben mit unterschiedlichen Geheimzeichen unterscheiden. Während die alten Scheine den Präfix CC tragen, erhielt der neue Gutschein das Präfix CD.

Die maximale Auflage hat nicht mehr als 2.000.000 Stück betragen.




Abb. 9.1/2: BAFSV, o. D., 5/-, Vorder- und Rückseite. Gedruckt auf Papier mit Wasserzeichen.



Noch etwas fällt auf. Obwohl der Schein zu 5 Shillings mit Metallfaden im August 1960 noch vorrätig war, war er zu diesem Zeitpunkt auch in West-Berlin nicht mehr im Umlauf. Er scheint zwischen November 1959 und August 1960 aus dem Verkehr gezogen worden zu sein.

Der Grund dafür ist unklar, aber die Tatsache, dass etwa zur gleichen Zeit ein neuer Schein

in Auftrag gegeben und gedruckt wurde, könnte darauf hindeuten, dass eine Art Notlage eingetreten war, die die Armee dazu zwang, diesen Nennwert durch einen Schein mit Wasserzeichen und einem deutlich anderen Präfix zu ersetzen. Dies könnte auch erklären, warum die anderen Stückelungen auf Papier mit Wasserzeichen umgestellt wurden.

Die Notlage könnte sogar so gravierend gewesen sein, dass sie der eigentliche Grund für die vierte und fünften Serie im Jahr 1961 war.


Die Umstellung der britischen Währung auf das Dezimalsystem machte auch eine Neuausgabe der Pence-Werte notwendig, während die £1- und £5-Noten der zweiten Serie weiterhin in West-Berlin in Umlauf bleiben konnten.


Lange Zeit meinte man, dass Thomas De La Rue der einzige Drucker der 5-, 10- und 50-New Pence-Scheine sei. Wie man heute weiß, hatte das Verteidigungsministerium auch an Bradbury Wilkinson einen Auftrag für Scheine der sechsten Serie vergeben. Die Bradbury-Voucher wurden zwar gedruckt, aber soweit bekannt, nie in Umlauf gesetzt. Auf den ersten Blick sehen beide Ausgaben identisch aus. Betrachtet man die Scheine genauer, so fällt der Unterschied des Unterdruckmusters und die unterschiedliche Form der Buchstaben auf. Auch die Geheimzeichen auf den Scheinen sind bei den Druckereien verschieden, und die Qualität der Gravur scheint auf den De La Rue-Scheinen schärfer und präziser als auf den Bradbury-Scheinen. Unterschiedlich sind auch die Präfixe. Während die De La Rue-Ausgabe ein Präfix mit zwei Buchstaben über einer Ziffer aufweist, hat die Bradbury-Ausgabe einen einzelnen Buchstaben in einer fetteren Schrift über einer einzelnen Ziffer. Beide Ausgaben wurden auf Papier mit einem einfachen Wasserzeichen, bestehend aus Streifen mit Wellenlinien, gedruckt. Bei der De La Rue-Ausgabe verläuft das Wasserzeichen vertikal und bei der Bradbury-Ausgabe horizontal.




Abb. 10.1/2: BAFSV, o. D. 6th Series, 5 New Pence, Thomas De La Rue, Vorder- und Rückseite.




Abb. 11.1/2: BAFSV, o. D. 6th Series, 10 New Pence, Thomas De La Rue, Vorder- und Rückseite.




Abb. 12.1/2: BAFSV, o. D. 6th Series, 50 New Pence, Thomas De La Rue, Vorder- und Rückseite.




Abb. 13.1/2: BAFSV, o. D. 6th Series, 5 New Pence, Bradbury Wilkinson, Vorder- und Rückseite.




Abb. 14.1/2: BAFSV, o. D. 6th Series, 10 New Pence, Bradbury Wilkinson,

Vorder- und Rückseite.




Abb. 15.1/2: BAFSV, o. D. 6th Series, 50 New Pence, Bradbury Wilkinson,

Vorder- und Rückseite.





Im Jahr 1971, als die Sechste Serie eingeführt wurde, hatte der Army Council aufgehört zu existieren und nach der Reorganisation des Verteidigungsministeriums 1963/64 wurde er durch den Defence Council ersetzt. Als ausgebende Behörde erscheint daher bei der Sixth Series der Verteidigungsrat und es heißt jetzt "ISSUED BY THE DEFENCE COUNCIL".

Die sechste Serie war die letzte Ausgabe der BAFSV. Am 31. Dezember 1979 wurden auch in West-Berlin die Voucher aus dem Verkehr gezogen. Wie es scheint, bestand für eine weitere Verwendung eines besonders Kantinengelds bei den britischen Streitkräften kein Bedarf mehr.


Uwe Bronnert


Anmerkungen

[1] Die Papierfabrik Portals besteht seit 1711. Sie war und ist unter den Namen Portals Limited, Portals Paper Limited, Portals De La Rue Limited und derzeit als Portals International Limited bekannt. Das heutige Unternehmen mit Sitz in Bathford, Somerset, ist auf Papier für Banknoten und andere Sicherheitsdrucke wie Pässe spezialisiert.


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