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"Code Talker" und Geldscheine in Fernost und im Indopazifik

Der Überraschungsangriff japanischer Flugzeuge auf den US-Marinehafen Pearl Harbor/Hawaii am 7. Dezember 1941 mit der Vernichtung eines Teils der US-Pazifikflotte hatte zur Folge, daß die USA am Tag darauf Japan den Krieg erklärte.

Nach dem Beschuss des polnischen Munitionsdepots auf der Westerplatte im Freistaat Danzig durch das deutsche Schulschiff „Schleswig-Holstein“ am 1. September 1939 und den folgenden Überfällen der deutschen Wehrmacht auf seine Nachbarländer ab 1940 wurde aus dem europäischen Krieg der Zweite Weltkrieg. Am 11. September 1941 erfolgte die Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die USA – am 22. Juni 1941 war die deutsche Wehrmacht in die Sowjetunion einmarschiert.


Schon im Sommer 1937 begann der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg mit Besetzung chinesischer Gebiete einschl. Hong Kongs und Teile der Mandschurei. Seit 1895 waren Formosa (Taiwan) und ab 1910 Korea (Chosen) japanische Kolonien. Bis Mitte 1942 hatte die japanische kaiserliche Armee die meisten Inseln Ozeaniens unter ihrer Kontrolle; auch das damalige Burma, die Philippinen, Teile Niederländisch-Ostindiens und Malaysias wurden von ihnen erobert.



Abb. 1: Asien/Australien/Pazifik, Rot = japanisch besetzte Gebiete und Beginn des Gegenangriff der US-Marine (Zentral- und Süd-Offensiven 1942).



Von Anbeginn der Gegenangriffe der US Army, Navy und der Air Force hatten die Landstreitkräfte sog. "Code Talkers" im Einsatz. Das waren Angehörige u. a. der Navajo, die in ihrer eigenen Sprache die Kommunikation zwischen einzelnen Kommandostellen ermöglichten. Man konnte auf die Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg aufbauen, wo amerikanische Ureinwohner in der Armee dienten, ihre Nachrichten aus dem Englischen in Navajo (Na-Dené) übermittelten und zurück ins Englische übersetzten. 1942 wurde 29 Navajo-Indianer rekrutiert – am Ende des Zweiten Weltkriegs waren es über 400 "Code Talker". Brauchte man 1942 noch eine halbe Stunde, dreizeilige Funksprüche zu verschlüsseln, zu übermitteln und anschließend wieder zu entschlüsseln, so schafften das die Navajos in 20 Sekunden. Dinge, die es in der Sprache der Ureinwohner nicht gab, umschrieb man mit neuen Bezeichnungen: bspw. gab es kein Navajo-Wort für „U-Boot“, die Code-Sprecher verwendeten den Begriff „besh-lo“, was übersetzt „Eisenfisch“ bedeutet. „Flugzeug“ wurde als „Kolibri“, „Bombenflugzeug“ als „schwangerer Vogel“ und „Bombe“ als „Ei“ übersetzt.


Die Japaner konnte diese Nachrichten weder deuten noch entschlüsseln; die Navajos (und Angehörige mindestens weiterer 14 anderer Native Americans, darunter Cherokee, Comanchen, Fox, Schoschonen, Sioux) waren zur Geheimhaltung verpflichtet und durften selbst mit ihren Familien nicht darüber sprechen. Die "Code Talker" entwickelten ein Wörterbuch mit 211 Begriffen (später auf 411 erweitert) für militärische Wörter und Namen,

die ursprünglich nicht in der Navajo-Sprache existierten.


Die Code-Sprecher wurden meist paarweise einer Einheit zugeteilt – während des Kampfes bediente eine Person das tragbare Funkgerät, während die zweite Person Nachrichten in der Muttersprache weiterleitete oder empfing. Ihre Arbeit war besonders im Pazifik sehr gefährlich, da japanische Soldaten absichtlich Offiziere, Sanitäter und Funker ins Visier nahmen. Die Arbeit von Hunderten von Code-Sprechern war für den Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg von entscheidender Bedeutung; sie waren bei vielen wichtigen Schlachten dabei, u. a. auch am Utah Beach während der Invasion im Juni 1944 in der Normandie.

Major Howard Connor, der 5. US-Marine-Division bestätigte „Ohne die Navajos hätten die Marines Iwo Jima niemals eingenommen.“


Abb. 2: Angehörige der Navajo als "Code Talker": Cpl. H. Bake, Jr. und PFC G. H. Kirk im Dezember 1943 in Bougainville/Salomon-Inseln.


Als 1968 das Code-Talker-System des Zweiten Weltkriegs öffentlich gemacht wurde, war die nationale Anerkennung zurückhaltend. Während es in den 1970er und 1980er Jahren wenig Anerkennung gab, wurden die Navajo und andere "Code Talkern" erst 2001 vom US-Kongress mit staatlichen Ehrungen und Wertschätzungen gewürdigt.

In den 2010er Jahren lebten noch etwa ein Dutzend früherer Code-Sprecher; Samuel Sandoval starb als letzter Navajo-"Code Talker" am 29. Juli 2022 im Alter von 98 Jahren.


Abb. 3: Veteran der Navajo-"Code Talker", bei einer Parade am 12. November 2012 in New York.



Beispiele für Navajo-Begriffe:

Geld, Währung

béeso

Münze, Teil des Geldes

béeso biyázhí

Penny (1 Cent)

sindáo

Nickel (5 Cents)

łitso

Dime (10 Cents)

dootł‘izh

Quarter (25 Cents)

naakiiyáál

1-Dollar-Note

t‘aała‘i béeso

5-Dollars-Note

‘ashdla‘ béeso

10-Dollars-Note

neeznáá béeso

20-Dollars-Note

naadiin béeso

50-Dollars-Note

‘ashdladiin béeso

100-Dollars-Note

neeznádiin béeso

Hallo

yá‘át‘ééh

Auf Wiedersehen

​hágooshįjįj

Guten Morgen

​yá‘át‘ééh abíní

​Bitte

​t‘aa shoodi

​Danke

​ahéhee‘

​Ja

aoo‘

​Nein

​dooda

Für die 1941/42 besetzten Gebiete fertigten die Japaner bis 1944 sog. Besatzungsgeld an, das sie mit unterschiedlichen Präfix-Serienbuchstaben kennzeichneten: B für Burma (1 Cent bis 100 Rupees), M für British Malaya (1 Cent bis 1000 Dollars), O für Ozeanien (Polynesien/Mikronesien/Melanesien – 1/2 Shilling bis 1 Pound), P für Philippinen (1 Centavo bis 1000 Pesos) und S für Sumatra/Niederländisch-Indien (1 Cent bis 100 Roepiah).


Wurde für die Scheine mit den Präfix-Buchstaben B bis P immer die englische Bezeichnung „The Japanese Government“ aufgedruckt, so trugen die für Niederländisch-Indien verwendeten Scheine anfangs die Entsprechung „De Japansche Regeering“ und später „Pemerintah Dai Nippon“ gefolgt von „Dai Nippon Teikoku Seihu“ (Kaiserliche Japanische Regierung).


Von den meisten JIM-Ausgaben (JIM = Japanese Invasion Money) sind viele Fälschungen bekannt (auch von den Alliierten gefertigt) sowie allerlei Fantasie-Scheine nachweisbar.


Abb. 4: 1 Rupee o. D. (B 1942), Vs., Ausgabe für Burma (mit Wasserzeichen).


Abb. 5: 1 Dollar o. D. (M 1942), Vs., 2. Ausgabe für Malaya (mit Wasserzeichen).


Abb. 6: 1 Pound o. D. (O Januar bis März 1942), Vs., seltene Ausgabe, ausgegeben auf den Gilbert-Inseln, den Salomonen, Neubritannien und Papua-Neuguinea = 1 Australisches Pfund.


Abb. 7: 1 Peso o. D. (P 1942), Vs., seltene Ausgabe, ausgegeben auf den Philippinen.


Abb. 8: 1 Gulden o. D. (S 1942), Vs., 3. Ausgabe für die niederl.-indischen Inseln.



Die US-Amerikaner trafen nach ihren siegreichen Kämpfen bis 1945 auf unterschiedliche Geldscheine, die japanischen Ursprungs waren und nach und nach ungültig, d. h. wertlos wurden.


Abb. 9: Sgt. Major W. B. Richard mit einer Kiste japanischer Gelder in Guadalcanal/Salomonen.


Abb. 10: Commander S. J. Wilson am 10. April 1945 nach der Einnahme von Manila durch die US-Amerikaner.


Abb. 11: unbekannter Sergeant der US Air Force 1945 auf einer Straße von Rangun/Burma.


Japanisches Besatzungsgeld war auch für die größte russische Insel Sachalin vorgesehen und eine ganze Serie in den Werten 10 und 50 Kopeken, 1 und 5 Rubel sowie 1 Tscherwonez mit dem Aufdruck Императорское японское правительство (Kaiserliche Japanische Regierung) gedruckt. Gebiete Sachalins wurden 1905 durch Japan teilweise und 1925 völlig annektiert. Nach der Kapitulation Japans kam die geteilte Inselgruppe im September 1945 wieder zur Sowjetunion.


Abb. 12: 1 Rublj o. D., Vs., für die japanische Besetzung Sachalins vorgesehen, nicht ausgegeben; die Rückseite ist identisch mit der 1-Dollar-Besatzungs-Ausgabe für Malaya.



Für die geplante Besetzung Japans durch die US-Amerikaner vergab das Bureau of Engraving and Printing (BEP) in Washington die meisten Druckaufträge an die Stecher-Traung Lithograph Corp. in San Francisco und nicht an die Forbes LMCo. in Boston; der kürzere Weg war wohl ausschlaggebend. Später druckte auch das BEP und die Druckerei des japanischen Finanzministeriums diese Sen- und Yen-Scheine. Man fertigte zwei Serien an: eine A-Serie und eine B-Serie. A-Scheine für die Befreiung Koreas (ab 7. September 1945 im Umlauf) und für die Besetzung Japans (ab 19. Juli 1946 im Umlauf) sowie die B-Serie für die Besetzung Japans (ab 6. September 1945 im Umlauf) und den Ryukyu-Inseln (ab 15. Juli 1948).

Mit A wurden gedruckt: 10 und 50 Sen sowie 1, 5, 10, 20 und 100 Yen; mit B: ebenfalls diese Wertstufen und ein 1000-Yen-Schein. Austauschnoten wurden mit dem Präfix-Buchstaben H statt einem A gekennzeichnet.


Abb. 13: 20 Yen o. D. (A 1945), Vs., in Höhe von reichlich 4,5 Mio. Yen bei Stecher-Traung gedruckt.


Abb. 14: 20 Yen o. D. (B 1945), Vs., in Höhe von reichlich 35,4 Mio. Yen

bei Stecher-Traung gedruckt.


Abb. 15: Kontrolle ganzer Druckbogen 10 × 20 Scheine zu 1 Yen der Serie A

bei Stecher-Traung Lithograph Corp. San Francisco.


Alle Scheine der Military Currency Yen-Währung galten noch bis zum 20. September 1958 auf Okinawa, der südlichsten japanischen Inselgruppe.


Aber auch die Australier hatten Besatzungsgeld für die Gebiete im indopazifischen Raum vorbereitet. Einerseits wurden Scheine zu 10 und 50 Yen der AMOC (Allied Military Occupation Currency) sowie für die australische British Commonwealth Occupation Force (BCOF) gedruckt, es ist aber auch ein Entwurf eines 100-Yen-Scheins bekannt; sie liegen alle im Archiv der Reserve Bank of Australia.


Ursprünglich sollten BCOF-Besatzungsscheine in den Werten 10 Shillings, 1, 5 und 10 Pounds gedruckt werden. Die Rückseiten sollten das Abzeichen der „Australian Commonwealth Military Forces“ mit einer stilisierten aufgehenden Sonne über der britischen Krone zeigen. Am 4. Februar 1944 wurde dieser Plan verworfen und am 1. März 1944 einigte man sich auf Besatzungsgeld in Yen-Währung: 1, 5, 10 und 50 Yen. Die Einreichung der Entwürfe wurde bei der Abteilung für die Notenausgabe vom 3. März 1944 mit dem Kommentar bestätigt, dass „das Design die Anforderungen erfüllen sollte, falls die Behörden entscheiden, eine Besatzungswährung auszugeben. Dies wird jedoch als sehr unwahrscheinlich angesehen. Entwürfe und Ausschnitte sind beigefügt.“


Abb. 16: 10 Yen o. D. (1944), Vs., mit der Bezeichnung „Allied Military Occupation Currency“.


Abb. 17: 50 Yen o. D. (1944), Vs., mit der Bezeichnung „Allied Military Occupation Currency“ .


Abb. 18: 50 Yen o. D. (1944), Vs., mit der Bezeichnung „British Commonwealth Occupation Force Japan“ und „ausgestellt vom gemeinsamen Stabschef, Australien“.



Die Währungsverhältnisse im indopazifischen Raum nahmen nach dem Sieg über Japan sehr unterschiedliche Entwicklungen. Stellvertretend dafür sind die sog. „Victory Notes“, die auf den Philippinen nach den Kämpfen im Oktober 1944 ausgegeben wurden. Das waren die in den USA vom BEP gedruckten Schatzscheine – ohne Datum und mit zusätzlichem rückseitigem Aufdruck.


Abb. 19: 1 Peso o. D. (1944), Rs., mit dem Aufdruck „VICTORY“ .



Am 20. Oktober 1944 landete US-General Douglas MacArthur auf der Insel Leyte und die Legende erzählt, dass er angeblich zehn Sets der ersten Victory-Scheine bei sich hatte.

Die Scheine von 1 bis 20 Pesos lagen aber schon ab dem 9. September 1944 bei den US-Finanzoffizieren vor, die Scheine zu 50 und 100 Pesos ab dem 29. November 1944 und die 500-Pesos-Noten erst im Februar 1946.


Abb. 20: 10 Pesos o. D. (1944), Vs., VICTORY/SERIES NO. 66.


Abb. 21: 20 Pesos o. D. (1944), Vs., Unterschriften: S. Osmeña/M. Guevara.


Abb. 22: 20 Pesos o. D. (1944), Vs., Treasury Certificate, aus dem F00000010-Set.



1949 wurden ähnliche Scheine, nun aber mit dem zusätzlichen Aufdruck „CENTRAL BANK/OF THE PHILIPPINES“ überdruckt. Diese Überdrucke wurden auf den Restbeständen der Victory-Scheine der Srie 66 von 1944 in Rot gefertigt. Das Rätsel um die Bedeutung der Serie 66 ist bis heute ungelöst. Eine Anfrage an das FBI erbrachte nur die vage Aussage, daß die „66“ auf das Alter des Bankpräsidenten Sergio Osmeña hinweist. Er war im Jahr 1944 tatsächlich 66 Jahre alt.


Abb. 23: 50 Pesos o. D. (1949), Rs., 163.000 Stück wurden aus 1944er Beständen der Victory-Scheine, Serie 66, überdruckt.


Michael H. Schöne


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