Das Papiergeld von Tannu-Tuwa 1921 bis 1944
- Michael H. Schöne

- 17. Nov. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Die erste Sowjet-Republik der Welt war die RSFSR (= Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik, ab 1936/37 Russische Sowjetische Föderative Sozialistische Republik). Andere Räte-Republiken nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland, Ungarn oder in der Slowakei hatten keinen Bestand und wurden niedergeschlagen. Nicht so die tuwinische Räte-Republik. Das südsibirische Gebiet um die 1914 gegründete russische Stadt Belozarsk galt ab 1921 mit dem Staatsnamen Tannu-Tuwa später als zweite Sowjet-Republik.
Das dünn besiedelte Gebiet, flächenmäßig etwa so groß wie das heutige Österreich, die Tschechische Republik und Luxemburg zusammen, war bis 1911 chinesisches Staatsgebiet. Mit dem Herauslösen der Äußeren Mongolei aus dem chinesischen Kaiserreich ging auch das tuwinische Gebiet für China verloren. Zaristische Truppen besetzten das buddhistisch geprägte Land und bildeten ein Protektorat. Die 1917 ausgerufene Republik scheiterte durch die Ereignisse während des russischen Bürgerkriegs. Erst am 14. August 1921 wurde die unabhängige Republik Tannu-Tuwa gegründet, die man 1926 in Tuwinische Volksrepublik umbenannte.

Abb. 1: Staatsgebiet der Republik Tannu-Tuwa/Tuwanische Volksrepublik zwischen der RSFSR/UdSSR und der Mongolei; in 12.000 Jurten lebten 1921 etwa 60.000 Einwohner.
Die Republik wurde erst nach der Sowjetisierung des Landes 1926 von der UdSSR anerkannt, das Turk-Volk benannte ihr Land nach dem Tannu-ola-Gebirge und dem eigenen Volksnamen.
Anfangs verwendete man zaristische und sowjetische Rubel sowie chinesische Geldscheine. Am 1. September 1922 erfolgte die Einrichtung des Finanzministeriums, das eine erste provisorische Währung in Umlauf gab. Das waren die staatlichen Kreditscheine aus der Zarenzeit, die das erste Staatssiegel und die Unterschriften des Vorsitzenden des Ministerrats, des Finanzministers und dem stellv. Regierungsberater für Finanzen zeigen. Verwendet hatte man Holzklischees; die Druckfarbe war „schmutzig-grün“ – nicht blau, wie vielfach angegeben. Die Überdrucke wurden ab Ende 1922/Anfang 1923 als neue Währung ausgegeben und lauteten auf Lan. Wladimir B. Nasarow aus Blagoweschtschensk fand in einer Truhe in einem alten Haus nahe der mongolischen Grenze einen 3-Lan- und einen 10-Lan-Schein und beschrieb die Originale in der Fachzeitschrift „Antikwariate“. Die allermeisten heute vorkommenden Lan-Scheine gelten als Fälschungen – wie auch die auf den folgenden Abbildungen.

Abb. 2: 1 Lan o. D., Provisorium – überdruckte Rückseiten russischer 1-Rubel-Kreditscheine von 1898 (1 Lan = 1 Rubel = 37 g Silber); auch Fälschungen sind bekannt (bspw. KN: НБ - 393).

Abb. 3: 3 Lan o. D., Provisorium – überdruckte Rückseiten russischer 3-Rubel-Kreditscheine von 1905; auch Fälschungen sind bekannt (bspw. KN: ѢЛ 533565).

Abb. 4: 5 Lan o. D., Provisorium – überdruckte Rückseiten russischer 5-Rubel-Kreditscheine von 1909; auch Fälschungen sind bekannt (bspw. KN: ЗЦ 870662).

Abb. 5: 10 Lan o. D., Provisorium – überdruckte Vorderseiten russischer 10-Rubel-Kreditscheine von 1909; auch Fälschungen sind bekannt (bspw. KN der Vs.: СК 775473).

Abb. 6: 25 Lan o. D., Provisorium – überdruckte Vorderseiten russischer 25-Rubel-Kreditscheine von 1909; das Siegel von Tuwa war ein Rechteck, das das buddhistische „Alha“ und eine alte mongolische Inschrift zeigt.
Am 25. Juli 1925 wurde die Tuwinbank* in der Hauptstadt Kysyl (1918 bis 1926 hieß die Stadt Chem-Beldyr, zuvor Belozarsk) als Staatsbank der Volksrepublik gegründet.
1934 wurden Scheine einer zweiten Übergangswährung ausgegeben: überdruckte sowjetische Rubel- und Tscherwonez-Scheine. In einem Linienrahmen über einem kreisrunden Ornament stand im latinisierten Tuwinisch, dass die Scheine nur in der T.A.R. (Tuwa Arat Respublik = Tuwinische Volksrepublik) gelten. Auffallend sind die verwendeten Serienbuchstaben ТУ (für Tuwa). Insgesamt wurde Scheine über 1.742.600 Rubel umgetauscht. Der Austausch der überdruckten Zaren-Rubel sollte vom 10. Dezember 1933 bis 15. Januar 1934 erfolgen – tatsächlich dauerte er bis Juni 1934.

Abb. 7: 1 Rublj Solotom, Vs., Provisorium – überdruckte Vorderseiten sowjetischer
1-Goldrubel-Schatzscheine von 1928.

Abb. 8: 3 Rublja, Vs., Provisorium – überdruckte Vorderseiten sowjetischer 3-Rubel-Schatzscheine von 1925.

Abb. 9: 5 Rublej, Vs., Provisorium – überdruckte Vorderseiten sowjetischer 5-Rubel-Schatzscheine von 1925, mit Aufdruck „ОБРАЗЕЦ“ (= Probe).

Abb. 10: 1 Tscherwonez, Vs., Provisorium – überdruckte Vorderseiten sowjetischer
1-Tscherwonez-Banknoten von 1926, mit Aufdruck „ОБРАЗЕЦ“ (= Probe).

Abb. 11: 2 Tscherwonza, Vs., Provisorium – überdruckte Vorderseiten sowjetischer
2-Tscherwonez-Banknoten von 1928, mit Aufdruck „ОБРАЗЕЦ“ (= Probe).
Diese Überdruck-Scheine wurden durch die erste Banknoten-Serie von 1934 im Umtauschkurs 1:1 zum Sowjetrubel ersetzt. Die neue Währung lautete auf AKŞA, der 100 KƟPEJEK entsprach.
Am 1. Januar 1936 wurde in der Republik eine Währungsreform durchgeführt. Gestempeltes sowjetisches Geld wurde durch neue Banknoten ersetzt. Die Serie umfasste 5 Werte zu 1, 3, 5, 10 und 25 Akşa. Die Scheine wurden bei Gosnak in Moskau gedruckt und hatten eine einheitliche Gestaltung der Vorder- und Rückseiten; sie unterschieden sich nur in den Hauptfarben und den Wertangaben. Der Umtausch erfolgte zum Wechselkurs: 1 Rubel =
1 Akşa im Gesamtwert von 2 Millionen Akşa.
Die Scheine unterschieden sich im Text, in den Unterschriften und in der Kennzeichnung der Musterdrucke:
1934 mit Passus über den Goldwert, 3 Unterschriften und Überdruck schräg ОБРАЗЕЦ in Rot auf Vorder- und Rückseiten;
1935 ohne Passus, 1 Unterschrift und Perforation ОБРАЗЕЦ. bzw. XEBIR.

Abb. 12: 1 Akşa 1934, Vs., Banknote der TAR, mit kyrillischem Aufdruck „ОБРАЗЕЦ“ (= Probe); rückseitig war der Aufdruck gespiegelt gedruckt.

Abb. 13: 1 Akşa 1935, Vs., Banknote der TAR, gelaufener Schein, bei Heritage Auctions versteigert; ein 10-Akşa-Schein wurde 2022 ebenfalls bei Heritage Auctions versteigert – Schätzpreis 20.000 US-Dollars.

Abb. 14: 1 Akşa 1935, Vs., Banknote der TAR, mit tuwinischem Aufdruck „XEBIR“ (= Probe).

Abb. 15: 1 Akşa 1935, Vs., Banknote der TAR, mit kyrillischer Perforation „ОБРАЗЕЦ“ (= Probe).
Eine Regierungskommission der TAR genehmigte dann am 11. August 1939 die Gestaltung einer neuen Banknotenserie. Erst am 1. März 1941 wurden Banknoten der Serie 1940 wiederum in den Nennwerten 1, 3, 5, 10 und 25 Akşa ausgegeben, die ebenfalls bei Gosnak gedruckt wurden. Der Umtausch der alten Banknoten war bis zum 1. September 1941 möglich. Die eingezogenen Scheine wurde am 5. Oktober 1941 amtlich vernichtet. Außenstehend waren 18.752 Akşa in folgenden Stückelungen:
4.822 Noten zu 1 Akşa,
1.560 Noten zu 3 Akşa,
1.217 Noten zu 5 Akşa,
224 Noten zu 10 Akşa und
37 Noten zu 25 Akşa.
Der Oberste Khural von Tannu-Tuwa beantragte am 17. August 1944 die Eingliederung des Landes in die Sowjetunion. Am 11. Oktober 1944 wurde die TAR dann als Autonome Sozialistische Sowjetrepublik Teil der RSFSR und am 1. Januar 1945 begann dort der Umlauf sowjetischer Banknoten. Bis zum 1. Mai 1945 konnten tuwinische Banknoten und Münzen der Serie 1940 in sowjetische Rubel zum Kurs von 1 Akşa = 3,50 Rubel umgetauscht werden. Danach war die tuwinische Währung Geschichte. Die tuwinischen Kopeken entsprachen den sowjetischen Kleinmünzen aus dieser Zeit.
Schon am Morgen des 22. Junis 1941, dem Tag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, hatte die tuwinische Volksrepublik Deutschland den Krieg erklärt und seine gesamten Goldreserven in Höhe von mehr als 30 Millionen Rubel an das sowjetische Finanzministerium überwiesen.

Abb. 16: 1 Akşa 1940, Vs., Banknote der TAR, gelaufener Schein, bei Heritage Auctions versteigert.

Abb. 17: 5 Akşa 1940, Vs., Banknote der TAR, mit kyrillischem Perforation „ОБРАЗЕЦ“ (= Probe); alle Musterscheine haben den Sbst. AA.

Abb. 18: 10 Akşa 1940, Vs., Banknote der TAR, Umlaufnote mit Serie A, Vorderseite.
Abb. Donald Ludwig.

Abb. 19: 10 Akşa 1940, Vs., Banknote der TAR, Umlaufnote mit Serie A, Rückseite.
Abb. Donald Ludwig.

Abb. 20: 25 Akşa 1940, Rs., Banknote der TAR.
Michael H. Schöne
Anmerkung:
* Bis 1932 war die Tuwinbank nur in der Stadt Kysyl tätig. Anschließend wurden Filialen in regionalen Zentren eröffnet: 1932 – in Chadan und Shagonar, 1937 – in Samagaltai und Kyzyl-Mazhalyk, 1938 – in Saryg-Sepe, Bai-Khaak und Turan, 1941 – in Toja.
Unter direkter Beteiligung der Tuwinbank entstand in der Republik der industrielle Goldbergbau und die Bank organisierte den Abbau zur Goldgewinnung.
Quellen:
Roman Nowoshejew: „Банкноты и монеты Тувы 1921-1944 гг.“, https://www.monetnik.ru




Kommentare