Der "unbekannte" Entdecker: Christoph Kolumbus auf Geldscheinen
- Michael H. Schöne

- vor 12 Minuten
- 8 Min. Lesezeit
Fast jeder weiß, wer Christoph Kolumbus war – nicht jeder weiß aber, wie er wirklich war.
Der Amerikaner Aaron Goodrich meinte es jedoch zu wissen. In seinem Buch „A History of the Character and Achievements of the So-called Christopher Columbus“ (= Eine Geschichte des Charakters und der Leistungen des sogenannten Christoph Kolumbus) beschreibt er voller Abscheu dessen Leben.
Der bekannte Seefahrer wurde um 1451 in Genua geboren und galt viele Jahre als Entdecker Amerikas. Tatsächlich aber war er Vorbereiter der Besiedlung der „Neuen Welt“ durch europäische Siedler. Von Kolumbus existiert kein zeitgenössisches Porträt – alle Darstellungen wurden erst nach seinem Tod geschaffen.

Auf seinen vier Seereisen in spanisch-kastilischen Diensten landete Kolumbus jeweils in der heutigen Karibik. Er schrieb über seine Landung am 12. Oktober 1492 in sein Bordbuch:
„Um zwei Uhr morgens kam das Land in Sicht, von dem wir etwa 8 Seemeilen entfernt waren. Wir holten alle Segel ein und fuhren nur mit einem Großsegel, ohne Nebensegel. Dann lagen wir bei und warteten bis zum Anbruch des Tages, der ein Freitag war, an welchem wir zu einer Insel gelangten, die in der Indianersprache »Guanahaní« hieß. Dort erblickten wir allsogleich nackte Eingeborene. Ich begab mich, begleitet von Martin Alonso Pinzón und dessen Bruder Vicente Yánez, dem Kapitän der »Niña«, an Bord eines mit Waffen versehenen Bootes an Land. Dort entfaltete ich die königliche Flagge. Sofort sammelten sich an jener Stelle zahlreiche Eingeborene der Insel an. In der Erkenntnis, dass es sich um Leute handle, die man weit besser durch Liebe als mit dem Schwerte retten und zu unserem Heiligen Glauben bekehren könne, gedachte ich sie mir zu Freunden zu machen und schenkte also einigen unter ihnen rote Kappen und Halsketten aus Glas und noch andere Kleinigkeiten von geringem Wert, worüber sie sich ungemein erfreut zeigten. Sie erreichten schwimmend unsere Schiffe und brachten uns Papageien, Knäuel von Baumwollfaden, lange Wurfspieße und viele andere Dinge noch, die sie mit dem eintauschten, was wir ihnen gaben, wie Glasperlen und Glöckchen.“


Die Verehrung seiner Person, die Würdigung seiner Leistungen und seine geopolitische und historische Bedeutung sind auf vielen Banknoten Mittel- und Südamerikas sowie europäischer Länder belegt. Auf seiner ersten Schiffsreise (1492–1493) entdeckte er die heutigen Bahamas, ging auf Kuba an Land und erreichte auch Haiti/Dominikanische Republik.



Die Kleinen Antillen (Antigua, Dominica, Grenada, Guadeloupe), Puerto Rico und Jamaika fand Kolumbus auf seiner zweiten Fahrt (1493–1496). Auf diesen Inseln sind außer dem
5-Francs-Schein von Guadeloupe nur Briefmarken und Münzen mit dem Bildnis von Kolumbus ausgegeben worden.


Bei seiner dritten Reise (1498–1500) landete er auf Trinidad, kam so erstmals auf südamerikanisches Festland und entdeckte die Mündung des Orinoco. Auch die Banco Central de Venezuela gab eine Sondermünze zur Fünfhundertjahrfeier der „Entdeckung Amerikas“ aus; Geldscheine mit einer Abbildung Kolumbus‘ oder seiner Schiffe aus Venezuela gibt es nicht.

Mittelamerika erkundete Kolumbus auf seiner vierten Reise (1502–1504); er landete an den Küsten von Costa Rica, Honduras, Nicaragua und Panama.




Außerdem existieren einige Geldscheine von Ländern, dessen Strände Kolumbus nie betrat – sie zeigen sein Bildnis, seine Schiffe und Szenen seiner Landgänge. So z. B. aus Argentinien, Brasilien, Bolivien, Ekuador, El Salvador, Kanada, Mexiko, Uruguay und den USA. Der Währungsname „Colón“ (seit 1896 in Costa Rica – seit 1892 in El Salvador) geht auf den Entdecker Kolumbus zurück.













Schließlich sind die zahlreichen Banknoten der Banco de España und der Banca d‘Italia mit Motiven und Bildnissen zu erwähnen. Nachdem Kolumbus vergeblich in Portugal, Frankreich und England versuchte, die Unterstützung einer Erkundungsfahrt zu erhalten, erhielt er im April 1492 vom kastilischen Herrscherpaar auf dem spanischen Thron die entsprechende Genehmigung.





Eine Vielzahl von Geldscheinen mit dem Bildnis von Christoph Kolumbus wurde seit über
150 Jahren von der Wertpapierdruckerei American Bank Note Co. in New York gedruckt. Auch auf vielen Scheinen der sog. "Wildcat Banks" wurden Porträts von Kolumbus als Illustration verwendet – so. bspw. von der Druckerei Toppan, Carpenter & Co. (von der ABNCo. 1858 übernommen). In der „Chicago Tribune“ vom 16. Oktober 1892 wurde unter „Columbus as Various Artists Viewed Him” ein Tableau von Kolumbus-Bildnissen bzw. -Büsten abgebildet.


Es ist verwunderlich, dass man seit fast 200 Jahren und bis heute Abbildungen von Kolumbus auf Geldscheinen, zahlreichen Münzen und Briefmarken weltweit findet – obwohl das Wesen des Seefahrers nach heutigen moralischen Wertvorstellungen stark zu kritisieren ist. Die Nachforschungen und Studien zur Person Christoph Kolumbus beschrieb der Jurist Aaron Goodrich aus Minnesota in seinem 1874 veröffentlichten und lesenswerten, über 400-seitigen Buch (s. o.). Goodrich nennt ihn einen Mörder und Heuchler. Zeitzeugen bezeichneten ihn als brutal und zynisch. Indigenen wurden auf seinem Befehl hin die Hände abgeschnitten, da sie kein Gold fanden; Aufständige ließ er durch den Galgen hinrichten. Angeblich soll er seine Entdeckungen nach dem Logbuch eines gestrandeten Seemanns gemacht und ihn später ermordet haben.
Tatsächlich wurde Kolumbus am Ende seiner dritten Reise im August 1500 vom Untersuchungsrichter Francisco de Bobadilla verhaftet und in Ketten nach Spanien gebracht. Siedler hatten sich beim spanischen Königshaus über sein tyrannisches Verhalten und seine Misswirtschaft beschwert.
Erwähnenswert sind Zitate aus Goodrichs Buch über die Rebellion des Kolonialbeamten Francisco Roldán und die Hinrichtung von Adrián de Moxica im Jahr 1499:
„Die Einzelheiten dieser Rebellion bilden eines der schändlichsten Kapitel in der Geschichte von Kolumbus; sie verdeutlichen gleichermaßen seinen Verrat, seine Feigheit und seine Unfähigkeit zu regieren, außer durch grobe Tyrannei. ... Man berichtet, dass von allen Seiten Unmut und Hass gegen den Admiral geäußert wurden. ... Adrian de Moxica war in seiner Gewalt und ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren wurde er zum sofortigen Tode verurteilt.“
Kolumbus befahl den Wachen, den Seefahrer von den Festungsmauern in San Cristóbal in den Tod zu stürzen.
Nach seiner Rückkehr nach Spanien wurde Kolumbus von König Ferdinand II. begnadigt und er unterstützte Kolumbus’ vierte Reise finanziell. Dennoch fiel Kolumbus in Ungnade, als einstiger Admiral des Ozeanischen Meeres auf Lebenszeit, Vizekönig und Generalstatthalter auf jedem Stück Festland und jeder Insel, die er entdeckte; er starb am 20. Mai 1506 im spanischen Valladolid. Es gibt weiterhin offene Fragen zur tatsächlichen Herkunft Kolumbus’ und um die Entdeckungsreisen vor über 500 Jahren.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurden in lateinamerikanischen Ländern und den USA Kolumbus-Statuen als Protest niedergerissen. Der seit 1909 begangene „Columbus Day“ ist heutzutage umstritten; seit 2021 wird er in den USA durch den „Indigenous People’s Day“ ersetzt. „Día de la Resistencia Indígena“, „Día del Respeto a la Diversidad Cultural“, „Día de la Descolonización“, „Día de la Interculturalidad“ und „Día del Descubrimiento de Dos Mundos“ nennt man die Tage gegen das Gedenken an ehemalige Kolonisatoren in Lateinamerika.
Obwohl die belegten und verwerflichen Taten des einst glorifizierten Helden seit langem bekannt sind, hält man an Würdigungen von Kolumbus fest. So bilden Zentralbanken in Lateinamerika heute noch Kolumbus auf Münzen und Geldscheinen ab. Und selbst die Wertpapierdruckerei Thomas De La Rue druckte anlässlich der 500. Wiederkehr der Landung einen Erinnerungsschein zum IBNS-Kongresses in London.

Michael H. Schöne
Quellen:




Kommentare