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Die drei Währungsreformen vor 75 Jahren in Deutschland

Aktualisiert: 8. Feb.

Am 8. Mai 1945 streckte die Deutsche Wehrmacht ihre Waffen und kapitulierte in Berlin-Karlshorst vor den vier Alliierten: Das Deutsche Reich war geschlagen und wurde von den Truppen der Siegermächte besetzt – im Juni 1945 wurden die vier Militärregierungen eingerichtet. In der Mitteilung vom 2. August 1945 über die Dreimächtekonferenz von Berlin (= Potsdamer Abkommen) vereinbarten die alliierten Staatsführer Truman, Churchill und Stalin im Abschnitt B/Wirtschaftliche Grundsätze, Punkt 14: »Während der Besatzungszeit ist Deutschland als eine wirtschaftliche Einheit zu betrachten. Mit diesem Ziel sind gemeinsame Richtlinien aufzustellen hinsichtlich: ... e) der Währung und des Bankwesens ...«.


Abb. 1: Aufteilung des verbliebenen Deutschlands nach der letzten Fassung der Zonenprotokolle vom 13. August 1945: grün = britische Zone/britischer Sektor, rosa = sowjetische Zone/sowjetischer Sektor, gelb = französische Zone/französischer Sektor, violett = US-amerikanische Zone (mit der Enklave Bremen/Bremerhaven)/US-amerikanischer Sektor.











Das Bestreben, gemeinsame Bestimmungen für die zukünftige Verwaltung der vier Besatzungszonen und der vier Berliner Sektoren auszuhandeln und einzuhalten, scheiterte an den unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Interessen der jeweiligen Militärregierungen. Spätestens seit der Rede von Winston Churchill am 5. März 1946 in Fulton (Missouri) zerstritten sich die vier Siegermächte, die in den beiden Währungsreformen in West und Ost gipfelten.


Der stark zerrütteten Reichsmark stand nur eine geringe Warenproduktion gegenüber; Nahrungsmittel und Rohstoffe waren streng rationiert, Schwarzmarkt und Naturalhandel bestimmten den Alltag der Bevölkerung.

Eine Währungsreform mit einer gemeinsamen neuen deutschen Währung war erforderlich. Die sowjetischen und französischen Regierungen zeigten jedoch wenig Interesse an einer Reform. Sie benötigten viel Geld für den Unterhalt ihrer Truppen und gaben große Mengen an alliierter Militärmark aus. Dennoch einigten sich die Großen Vier auf Entwürfe neuer Geldscheine mit entsprechenden Probedrucken. Im März 1948 wurden die Bemühungen um eine gesamtdeutsche Währung aber endgültig beendet.

In Vorbereitung auf den kommenden „Tag X“ (Tag des nötigen Geldumtauschs) hatten die Westalliierten schon 1947 beschlossen, Geld für eine separate Währungsreform zu drucken; im Mai 1947 reiften erste Pläne darüber und im September 1947 erteilte die US-amerikanische Staatsdruckerei BEP erste Druckaufträge an die privaten Wertpapierdruckereien Forbes LMCo., Tudor Press Co. und die American Bank Note Co. Die ersten Auslieferungen an das BEP erfolgten Mitte November 1947. Mit dem Frachter „American Farmer“ kamen die ersten neuen Banknoten am 25. November 1947 in 4.800 Holzkisten über Bremerhaven nach Deutschland. Auf den Scheinen stand die neue Währungsbezeichnung „Deutsche Mark“.


Währungsreform West

Am 18. Juni 1948 verkündeten alle Rundfunkstationen in den Westzonen den bevorstehenden Währungsaustausch zum 20. Juni 1948. Zuvor waren im sog. „Konklave von Rothwesten“ nahe dem hessischen Kassel alle technischen und geldpolitischen Erfordernisse geregelt worden.

Mit der Einführung der D-Mark am 21. Juni 1948 wurden Löhne, Gehälter, Renten und Mieten im Verhältnis 1:1 umgewertet. Sparguthaben verloren dagegen an Wert. Preisbindungen wurden aufgehoben. Am folgenden Montag waren die Schaufenster wieder halbwegs voll, auch mit zum Teil zuvor zurückgehaltenen und gehorteten Waren und Lebens- und Genussmitteln. Spurlos verschwand der Schwarzmarkt. Am Sonntag konnten erwachsene Personen auch für ihren Haushalt die alte Reichsmark durch die neue Deutsche Mark umtauschen. Jeder durfte zunächst 40 Reichsmark zum Kurs 1:1 und einen Monat später weitere 20 Reichsmark zum selben Kurs umtauschen. Beträge darüber mussten eingezahlt werden, Guthaben wurden im Verhältnis 10:1 umgetauscht. Die Münzen blieben zu einem Zehntel ihres Nennwertes im Zahlungsverkehr. Reichsschulden in Form von Staatsanleihen erloschen, ebenso u. a. Guthaben von NS-Organisationen. Umgetauscht wurden die geltenden Reichsbanknoten, Rentenbankscheine und die Militärmarknoten der Alliierten.


Abb. 2: „Badische Zeitung“, Titelseite der Sonderausgabe vom 19. Juni 1948.


Abb. 3: Von der Reichs- zur D-Mark; Spiegel online 18. Juni 2008 (Quelle: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz).


Beispielsweise wurden in die kleine fränkische Marktgemeinde Roßtal 125.185 D-Mark in Kisten aus dem benachbarten Cadolzburg gebracht; 788 Anmeldungen mit dem Vordruck A wurden für 2.771 Einwohner vorgelegt.

Außerdem wurden in dem Dorf Militärmarkscheine in Höhe von 149 Mark abgeliefert. Insgesamt wurden 110.840 D-Mark ausgezahlt und die restlichen 14.345 D-Mark sowie das eingetauschte Altgeld mit einer „Abrechnung der Kartenstelle Roßtal“ vom Bürgermeister an Mitarbeiter des dortigen Ernährungsamtes übergeben.



Abb. 4: Altgeldmenge in Reichs-/Renten-Mark und Menge an neuer D-Mark (5-RentM-Scheine waren in den Angaben der RM-Scheine enthalten).


Differenzen in den Gegenrechnungen zu den Altgeld-Summen erklären sich dadurch, da einige Bewohner die nötigen 60 RM nicht vorlegen konnten.


Im Umtausch wurden am 20. Juni 1948 nur die sechs Wertstufen zu ½ und 1 DM (Druck: Forbes LMCo.) sowie 2, 5 und 20 DM (Druck: TudorPress Co.) und 50 DM (Druck: ABNCo.) ausgegeben; die 100-DM-Scheine kamen erst ab 15. Juli 1948 in Umlauf.

Am 4. Oktober 1948 trat das „Vierte Gesetz zur Neuordnung des Geldwesens (Festkontengesetz)“ vom 30. September 1948 in Kraft. Dort wurde festgelegt, dass 70 Prozent der Sperrkonten-Guthaben gestrichen wurden – 10 Prozent gingen bis 1954 auf ein Anlagekonto; die restlichen 20 Prozent wurden in der Umstellung von 100:6,5 gutgeschrieben: für 100 Reichsmark erhielt man 6,50 D-Mark. Insgesamt war die Währungsreform im Westen ein wirtschaftlicher Erfolg; trotz anfänglicher hoher Arbeitslosenzahlen kam die westdeutsche Wirtschaft in Schwung – der Lebensstandard stieg. Das nach dem damaligen US-Außenminister George C. Marshall benannte Wirtschaftsförderungsprogramm (European Recovery Program) war ein hilfreiches, aber auch eigennütziges Unternehmen der USA, das die Lieferung von Lebensmitteln, Industriegütern, Maschinen und Rohstoffen einschl. Kohle und Öl beinhaltete und aus Krediten finanziert werden musste.


Abb. 5: 5 D-Mark 1948, Vs., Banknote, aus der ersten Lieferung stammend.


Abb. 6: Restauszahlung der „Kopfgeld“-Quote im Juli 1948 von 20 D-Mark je Person.


Abb. 7: 100 D-Mark 1948, Vs., Banknote, aus der Erstausstattung stammend, sog. „Roter Hunderter“, in Größe der US-Dollars.


Zukunftsweisend und Optimismus verbreitend kann man die Rede von Dr. Heinrich F. Köhler werten, die der damalige Finanzminister von Württemberg-Baden am 19. Juni 1948 im Militärsender Radio Stuttgart hielt:

„Die Würfel sind gefallen: am Abend des 18. Juni sammelten sich die Menschen der vier Zonen der Besatzungsgebiete am Rundfunk, um die schicksalhafte Verkündung des 1. Gesetzes der Militärregierungen über die Währungsreform entgegenzunehmen. ... Die Währungsreform ist da. Die drei westlichen Alliierten haben es unternommen, die deutsche Geldwirtschaft und damit das deutsche Leben selbst und ohne Mitwirkung der Deutschen neu zu ordnen. ... Ohne eine Regelung der Geldwirtschaft wäre unser eigener Wiederaufbau – schon viel zu lange hingehalten – ebenso wenig möglich, wie der Zugang zu den Kraftfeldern, die der Marshallplan erschliessen will, noch lange abgesperrt und verschlossen geblieben. ... Aufs tiefste zu bedauern ist dabei, daß die östliche Zone nicht in das Reformwerk eingeschlossen werden konnte. Die drei westlichen Alliierten haben keine Zeit und Mühe gescheut, ihre östlichen Partner zu veranlassen, die politische Einheit des deutschen Landes durch eine Währungsreform vorzubereiten. Die Trennung einer Wirtschaft, die viele Jahrhunderte lang eng und sinnvoll verflochten war, reißt Wunden auf, deren Heilungsmittel noch niemand kennt. Es ist ein nationales Unglück, dessen Größe überhaupt noch nicht zu übersehen ist. Es bleibt nur die Hoffnung, dass Einsicht und Vernunft eines Tages über einen Standpunkt siegen werden, den wir zwar anhören, aber nicht verstehen können.

Die Reichsmark hat aufgehört zu existieren. 25 Jahre lang war sie der untrügliche Gradmesser des deutschen Lebens. An ihre Stelle tritt die Deutsche Mark.

Dieser Notenumtausch ist kein rein bankmäßiger Vorgang. Die Deutsche Mark muß einen anderen Weg gehen, wie die verblichene Reichsmark ihn gegangen ist ... Die volle Tragweite des Gesetzwerkes läßt sich heute noch nicht übersehen. Selbst die Frage, ob dieses Gesetz der Gesundung des Geldes dient, oder ob – den Mensch in den Mittelpunkt des Geschehens stellend – es die Wiederkehr der öffentlichen Wohlfahrt eröffnet, läßt sich noch kaum beantworten. ... Von der sozialen Gestaltung und Auswirkung des ganzen Gesetzeswerkes hängt es ab, ob es nur allein die Ordnung oder auch den ersehnten Segen bringen wird. Das Gesetz, das die drei Besatzungsmächte geben, zeigt, daß wir als Volk noch vor der Bewährung stehen. ... Es sind keine märchenhaften Sterntaler, die uns mühelos in den Schoß fallen: jede neue Mark setzt sich aus hundert Pfennigen zusammen, die erarbeitet werden müßen. ... Zwei Probleme allerdings harren noch dringend der Lösung: die Steuerreform und der Lastenausgleich. Sie beide werden erst die Wirksamkeit und Fruchtbarkeit des neuen Geldes ermöglichen.

Wenn Sie am morgigen Sonntag zum Umtausch des Geldes zu den Kartenstellen gehen, dann denken Sie doch bitte auch darüber nach, was dieser Gang bedeutet: Es ist die letzte Station des Passionsweges, auf den ein Adolf Hitler das deutsche Volk geführt hat. Die Währungsreform ist die Schlussbilanz dessen, was im Nebenzimmer des Sterneckbräus in München begann und in der bedingungslosen Kapitulation unseres Volkes in Reims besiegelt wurde. Jeder von uns, ob schuldig oder unschuldig, muß morgen den Wechsel einlösen, den das Dritte Reich ausgestellt hat. Wir wünschen aber auch, daß diese Bilanz einen Schlußstrich ziehen möge unter die deutsche Tragödie ...“

Insgesamt lagen am Tag des Währungstauschs neue Banknoten in Höhe von 8.853,52 Mio. D-Mark vor. Die Deutsche Bundesbank gibt die Erstausstattung stets mit 10.701,72 Mio. D-Mark an – das ist aber die Gesamtsumme zum 31. Dezember 1948.


Währungsreform Ost

Im Osten musste die sowjetische Militärregierung auf die separate Währungsreform reagieren; die Befürchtung war groß, dass Unmengen alter, wertloser Reichsmark in den Osten strömen könnten. In den Nachtstunden vom 21. Juni 1948 kündete man im (Ost-)Berliner Rundfunk eine Währungsreform für die Ostzone und Großberlin an.

Der legendäre SMAD-Befehl 111/48 vom 23. Juni 1948 enthielt die Bedingungen des Geldumtauschs. Die im Befehl enthaltenen Ausführungen schienen sozial gerechter: man konnte 70 Reichsmark in 70 „neue Reichsmark“ umtauschen. Spareinlagen bis 100 RM wurden ebenfalls 1:1 umgeschrieben – bis 1.000 RM im Verhältnis 5:1 sowie bis 5.000 Reichsmark 1:10 nach Prüfung des Kontos.


Abb. 8: „Tägliche Rundschau“, Ankündigung der Währungsreform in der SBZ und Großberlin, Titelseite vom 23. Juni 1948.


Da ostdeutsche DM-Banknoten noch nicht vorlagen, wurden die alten RM-/RentM-Geldscheine mit sog. Spezialkupons beklebt. Deshalb nannte man diese neue Währung auch „Tapetenmark“, „Klebemark“ oder „Berliner Rubel“. Kupons in der Menge von 6.425,0 Mio. Mark lagen im Osten schon seit dem Frühjahr 1948 vor; sie wurden in Leipzig gedruckt und dann in Höhe von 4.115,0 Mio. Mark für den Umtausch vorgelegt; davon liefen in Ostberlin und der Ostzone nur um die 2.000,0 Mio. Mark bei der Bevölkerung um.

Die sowjetische Militärregierung verbot sofort den Umlauf der D-Mark/West in ihrer Besatzungszone und Berlin, so dass schnellstmöglich, innerhalb weniger Tage, das Reichsgeld im Osten in einer groß angelegten Aktion mit den Spezialkupons beklebt werden musste und so als neue Währung diente.


Abb. 9: das Bekleben des alten Reichsgelds mit Kupons erfolgte auch im Berliner Gebäude der Deutschen Wirtschaftskommission.


Abb. 10: 10 Reichsmark mit aufgeklebtem 10er-Kupon 1948.


Am 19. Juni 1948 begannen die Klebeaktionen bspw. in den 21 Kreisen des Landes Mecklenburg. Schon mittags begannen 9.824 Personen in Tag- und Nachtschichten mit den Klebearbeiten; am 21. Juni 1948 lag dann das „neue“ Geld in Höhe von 570,0 Mio. vor. Getauscht wurde das Geld von 1.784.195 Personen in 822 festen und 59 mobilen Umtauschstellen.


In Sachsen hingegen erfolgte die Weisung zur Klebeaktion schon am 18. Juni 1948, 20.40 Uhr. Den Personen, die sich für Tag- und Nachtschichten von Freitag bis Sonntag verpflichten mussten, jeweils 2.000 Klebungen in sieben Stunden zu schaffen, wurde eine Verpflegung von 250 gr. Brot und Getränke sowie die Abgabe von 10 Zigaretten zugesichert. Etwa 10.300 regimetreue Mitarbeiter aus Schulen, Ministerien, der Post, Sparkassen und Banken usw. waren angehalten, diese gewaltige Arbeit zu bewältigen. Mit 1.027.565 Anträgen wurde Altgeld in Höhe von 863,818 Mio. RM umgetauscht. Offiziell beklebt wurden Scheine zu 1, 2 und 5 Rentenmark sowie Reichsbanknoten zu 5, 10, 20, 50 und 100 RM. 1000-RM-Scheine und alliierte Militärmarkscheine wurden nicht beklebt. Der Geldumtausch endete am 28. Juni 1948 und ab 25. Juli 1948 wurden durch SMAD-Befehl 124/48 die in Moskau gedruckten D-Mark/Ost-Banknoten in Verkehr gebracht; die beklebten Interimsnoten wurden zum 28. Juli 1948 ungültig.


Abb. 11: 10 D-Mark der Deutschen Notenbank (Ostberlin).


Währungsreform Westberlin

Dem Vorhaben der sowjetischen Militärregierung, ihre Geldreform auch in den Westbezirken Berlins durchzuführen, widersprachen die drei westlichen Stadtkommandanten energisch; Westberlin gehörte nicht zur sowjetischen Besatzungszone und nach Verhandlungen der „Großen Vier“ entschieden sich die drei westlichen Stadtkommandanten für die Einführung der D-Mark/West in den drei Westsektoren. Die Bedingungen des Geldtauschs waren die gleichen wie in Westdeutschland.


Abb. 12: „Die Neue Zeitung“ kündigt in ihrer kostenlosen Sondernummer vom 23. Juni 1948 eine Währungsreform auch für Westberlin an; ab 25. Juni 1948 konnte man Altgeld in die D-Mark/West umtauschen.


Schon am 19. Juni 1948 brachten neun US-Flugzeuge die D-Mark-Banknoten nach Westberlin. Dort bunkerte man 201,76 Mio. D-Mark im York House und ab dem 25. Juni 1948 konnten in 216 Umtauschstellen neue Geldscheine umgetauscht werden. Durch Vorlage eines B-gestempelten Personalausweises konnten Einzelpersonen bzw. Haushaltsvorstände der über 3,2 Mio. Einwohner ihr Altgeld einwechseln.


Zuvor wurden die angelieferten DM-Banknoten mit den gleichen B-Stempeln (33 mm Durchmesser) gekennzeichnet – aus Vorsicht vor inneren und äußeren politischen Ereignissen und aus statistischen Gründen. Das Londoner Foreign Office forderte, dass sich die D-Mark/West in Westberlin von der D-Mark in den Westzonen eindeutig unterscheiden soll. Als Kennzeichnung wurde vorgeschlagen, entweder die Banknoten zu überstempeln oder in Berlin nur eine bestimmte Nummernserie der neuen Noten auszugeben.

Man entschied sich für die Abstempelung und seit dem 14. August 1948 wurde die B-Kennzeichnung durch eine B-Perforation vereinfacht. Abgestempelt und/oder perforiert wurden alle D-Mark-Banknoten der Stückelungen ½ bis 100 DM – mit Ausnahme der 50-DM-Banknote o. D., (Grabowski WBZ-10, sog. „Liberty-Note“; die WBZ-22-Noten wurden amtlich nicht gekennzeichnet, das sind sog. Gefälligkeitsabstempelungen).


Abb. 13: Abstempelung von 5-DM-Scheinen in Westberlin (Quelle: phoenix-Dokumentarfilm „Operation Luftbrücke“, Bildausschnitt).


Abb. 14: 20 DM o. D., Vs., Austauschnote mit B-Stempel, etwa 800.000 Exemplare gedruckt.


Die Währungssituation zeigte ab 25. Juni 1948 in ganz Berlin dieses Paradoxon: in Ostberlin galten die alten Reichsbanknoten und Rentenbankscheine mit aufgeklebten Spezialkupons – der Umlauf von D-Mark/West war dort verboten. In Westberlin kursierten die neuen D-Mark/West-Geldscheine mit oder ohne B-Kennzeichnung. Die Ostmark wurde im Westteil der Stadt geduldet.


Der Kleingeldumlauf machte das Währungschaos noch schlimmer: die Reichsmünzen zu 5 und 10 Rpfg./RentPfg. blieben im Ostteil Berlins und in der SBZ im Nennwert bis zum 2. April 1949 im Umlauf – die 1-Pfennig-Münzen noch bis 31. März 1950. Die 50-Rpfg.-Münzen aus Aluminium galten nur bis 31. Oktober 1948.

Im Westteil waren alle Kleinmünzen bis zum 19. März 1949 umlauffähig – zu einem Zehntel ihres Nennwertes. Die 50-Pfennig-Münzen wurden in Westberlin schon am 14. Oktober 1948 ungültig. Ab 20. März 1949 war die D-Mark/West das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in Westberlin.

Zeitgleich mit der ostzonalen Währungsreform begann auf Weisung der sowjetischen Regierung am 24. Juni 1948 die Blockierung aller Zufahrtswege zu den Berliner Westsektoren. Am Vortag wurde kurz vor Mitternacht das Großkraftwerk Golpa-Zschornewitz abgeschaltet. Sämtlicher Schienen- und Straßenverkehr wurde gesperrt; auch Fußgänger durften nicht mehr aus Brandenburg nach Westberlin und der Verkehr auf dem Wasser wurde ebenfalls gestoppt. Die sog. Berlin-Blockade dauerte bis zum 12. Mai 1949.


Abb. 15: Berliner vor der sog. Wechselstube am S-Bahnhof Zoo in Westberlin (Quelle: Deutsches Historisches Museum; Inventar-Nr. F 63-1350).


Sofort nach Einführung der DM/West und DM/Ost eröffneten in Westberlin die legendären Wechselstuben. Aufgrund der Mangelversorgung im Osten und der Entlohnung der sog. Grenzgänger wurde die DM/Ost in DM/West und umgekehrt getauscht. Es festigte sich ein Wechselkurs von anfangs 1 DM/West für 2 DM/Ost.

Je nach politischen Ereignissen und wirtschaftlichen Entwicklungen kletterte der Umtauschkurs von 1:4 im Oktober 1948 bis 1:9 im März 1950. Bis zum Mauerbau 1961 in Berlin war es viele Jahre in Ostberlin üblich, dass Ostdeutsche/Ostberliner beim Kauf – auch für eine Bockwurst am Kiosk – ihre Personalausweise vorzeigen mussten. Westdeutsche/Westberliner sollten in Westgeld bezahlen, was aber meist umgangen wurde. Von offizieller Seite wurde in der Ostzone und der späteren DDR stets ein Wechselkurs von 1:1 vorgegeben. Ein Mindestumtausch in DDR-Mark für DDR-Besucher war ab Dezember 1964 stets zum Zwangskurs 1:1 vorgeschrieben. In einem Fall jedoch mussten Kassen und Banken den Umtausch von DDR-Mark in D-Mark ebenfalls im Verhältnis von 1:1 einwechseln. So konnten DDR-Bürger für ihre Fahrten nach der Bundesrepublik oder Westberlin sog. Zehrgeld (ursprünglich 70 DDR-Mark in 70 D-Mark) umtauschen; später reduzierte man die Geldmenge auf 15 DDR-Mark für 15 D-Mark.


Abb. 16: Eintrag des ausgezahlten Zehrgelds in einem DDR-Personalausweis für den Aufenthalt in der Bundesrepublik in Höhe von 15 D-Mark/West aus dem Jahr 1979.


Erstaunlicherweise wurde die Bezeichnung „Deutsche Mark“ für das neue Geld ab 1948 von der sowjetischen Militärregierung für das Ostgeld übernommen; erst mit der Einführung der Mark der Deutschen Notenbank 1964 erhielt die DDR-Währung einen neuen Namen.









Abb. 17: Edward A. Tenenbaum, Leutnant im Stab der US-Militärregierung und Assistent im Stab von Jack Bennett, Finanzberater des US-Militärgouverneurs Lucius D. Clay von 1946 bis 1950.


Nicht Ludwig Erhard, der erste Bundesminister für Wirtschaft und spätere Bundeskanzler, ersann den Begriff „Deutsche Mark“, sondern ein Offizier der US-Armee – schon 1946. Der Name geht auf Edward Tenenbaum zurück.






Seine Ehefrau erinnerte sich: „Er fragte mich, wie mir der Name »Deutsche Mark« gefiele ...“ und antwortete „... phantastisch, man muß es nur schöner aussprechen – deshalb sagen wir in Amerika ja auch »Deutschmark«“. Dieser Name blieb dann, erst als vorläufiger und schließlich als endgültiger Begriff, bestehen.


Michael H. Schöne


Quellen:

Fotos: BArch, Bild 146-1982-181-20; BArch, Bild 183-M0425-326, Otto Donath)

Deutsche Bundesbank: Monatsbericht März 2002

Wöhnl, Claudia: „Als man mit der Kuponmark bezahlte“ (https://www.sparkassengeschichtsblog.de/26. Juni 2015)

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