Die Entwicklung des Finanzsystems der Provinz Jiangxi (1911–1927)

Die Entwicklung des Finanzsystems von Jiangxi ist äußerst komplex.

Nach der Xīnhài-Revolution 1911, bei der die kaiserliche Qing-Dynastie ihr Ende fand und die Republik China gegründet wurde, errichtete man sogleich eine neue Bank, die sich „THE KIANG SE BANK OF THE REPUBLIK“ (贛省民國銀行) nannte. Zunächst wurden die alten Noten der „Regierungshauptbank von Jiangxi“ mit einem Stempel der neuen Bank überdruckt. Das konnte natürlich nur eine Übergangslösung sein, und schon 1912 gab der erste (nachrevolutionäre) Gouverneur von Jiangxi, Mǎ Yùbǎo (馬毓寶), Banknoten mit seinem Porträt heraus, unter dem Porträt finden wir die Zeichen für „Gouverneur Mǎ von Jiāngxī“. Es gab 1-, 5- und 10-Yuan-Noten (Abb. 1, Cai).


Abb.1 10 Yuan mit Porträt von Gouverneur Ma.

Auch wurden auf Kupfer bezogene Noten ausgegeben. Hauptsächlich, um Militärkosten zu decken. Sie werden deshalb als Militärgeld angesehen. Die Noten zeigen vertikales Format und es gibt verschiedene Wertstufen, von 10 Mei bis 1 Chuan (Abb. 2).


Abb.2: 10 Mei vertikal, 2 grüne Drachen und Sonne.

Eine zeitlang wurde das Gebiet von Jiǔjiāng (九江) als eigenständiges Gebiet verwaltet, mit eigenem Gouverneur! Hier gründete man eine Bank, die sich selbst „THE KIANGSI BANK“ (贛省銀行) nannte. Diese Bank gab Noten aus, z.B. eine 100-Mei-Note, mit Ortsbezeichnung wie Jiǔjiāng oder Jí'ān (Abb. 3). Die Bank schloss 1916 ihre Pforten. (Später gab es eine Bank gleichen Namens für Gesamt-Jiāngxī).


Abb.3: 100 Mei, vertikal, schwarze Note, 6 Löwen (nur Vorderseite).

Ab 1916 versuchte man, eine neue Provinzbank zu gründen. Diese sollte „Jiāngxī-Bank“ heißen und halb staatlich, halb privat organisiert sein. Man druckte sogar schon die entsprechenden Banknoten. Aber wegen interner Machtkämpfe gelang es erst 1921 diese Bank zu eröffnen, nämlich als Liú Yìnchāng (瀏印昌) Finanzminister wurde. Sogleich gab man die schon gedruckten Noten mit Datum 1916 heraus. (Abb. 4, Cai)


Abb.4: 10 Yuan, orange und grün.

1923 wurden dann zwei weitere Banken gegründet, die (zweite) Gànshěng-Bank (贛省銀行), was auch „Jiāngxī-Bank“ heißt, und die Quángàn Gōnggòng-Bank (全赣公共銀行), was „Öffentliche Bank für ganz Jiāngxī“ bedeutet. Beide Banken waren wie die obige Bank Aktiengesellschaften, teils in staatlicher, zum Teil in privater Hand. Sie erhielten ebenfalls das Recht, Banknoten auszugeben, und sie machten sogleich von diesem Recht Gebrauch. (Abb. 5, Gansheng Bank 100 Wen) und Abb. Quangan Gonggong Bank (Abb. 6, Cai)




Abb.5: 10 Yuan, vertikal, Vorder- und Rückseite.


Abb.6: 1 Yuan orange, blau, schwarz, THE PUBLIC BANK OF KIANGSI.

1925 wurde das Finanzsystem der Provinz reformiert. Die Quángàn Gōnggòng-Bank verzichtete auf ihr Recht der Notenausgabe. Zugleich wurden die beiden anderen Banken zusammengelegt und traten nun unter dem neuen Namen „Lokalbank von Jiāngxī“  (江西地方銀行) auf. Man wollte eigentlich Aktien für 3.000.000 Yuan verkaufen, aber es kamen nur 810.000 Yuan zusammen, für den Rest musste man einen Kredit aufnehmen (zu 3% Zinsen pro Monat).

Zur ersten Notenausgabe wurde er Titel der alten Banknoten von 1924 mit dem neuen Namen in Rot überdruckt. (Abb. 7)


Abb.7: 10 Yuan, schwazer Notentitel rot überdruckt.

1926, nicht lange, bevor die Nordarmee in Jiāngxī einfiel, ließ Oberbefehlshaber Dèng Rúzuó (鄧如琢) Banknoten über 4.800.000 Yuan drucken, und das ohne jede Deckung. Es gab drei Notenserien, sie waren mit den Zeichen 復, 興 und 隆 gekennzeichnet.


Im selben Jahr eroberte die Nordarmee die ganze Provinz, ein „Finanzkomitee der Revolutionsarmee von Jiāngxī“ fror alle Konten bei der „Lokalbank von Jiāngxī“ ein und führte eine Währungsreform durch:  Silberbasierte Noten wurden zu 20%, kupferbasierte zu 50% ihres Nennwerts eingelöst und Noten mit den oben genannten Zeichen 復, 興 und 隆 verloren ihren Wert ganz.


Im März 1927 wurde dann die „Lokalbank von Jiāngxī“ für bankrott erklärt, eine neue Provinzbank sollte gegründet werden. In der Zwischenzeit sollte das Problem des Kleingeldmangels dadurch gelöst werden, dass ein neu gegründetes „Büro zur Stabilisierung des Marktes in Jiāngxī“ (江西平市錢號) Kupfergeldnoten emittieren sollte. Man wollte eigentlich Noten im Wert von 500.000 Chuan ausgeben, jedoch akzeptierten viele die neuen Scheine nicht, so dass man schließlich nur Noten für 100.000 Chuan ausgab. (Abb. 8)


Abb.8: 20 Mei, braun mit blauem Unterdruck.

1927 beschloss die Provinzregierung, durch das Schatzamt spezielle Scheine auszugeben. So genannte „Schatzamt-Noten zur Konsolidierung des Finanzsystems“ (江西整理金融庫券). Insgesamt wurden Scheine im Werte von 8.000.000 Yuan ausgegeben. Die Emission war mit einer Währungsreform verbunden. Die auf Silber basierenden alten Noten wurden im Verhältnis 2:1 umgetauscht, für die kupferbasierten Scheine setzte man fest: 1 Chuan (alt) = 1 Jiao (neu). (Abb. 9)


Abb.9: 1 Yuan, Nummer 817686.

Am 1. August 1927 besetzte eine Gruppe Kommunisten die Stadt Náncháng (南昌). Der führende Kopf hinter diesem Aufstand war der Russe Besso Lominadse, der Máo Zédōng Revolutionstheorie lehrte. Nach drei Tagen mussten die Kommunisten fliehen, von 30.000 Rebellen überlebten nur 2000. Obwohl der Aufstand misslang, wird der 1. August 1927 als Gründungstag der Chinesischen Befreiungsarmee angesehen.

Nur wenige Tage nach dem missglückten Aufstand wurde die „Yuminbank von Jiangsi“ (江西裕民銀行) gegründet, die sehr erfolgreich bis 1949 operierte und viele verschiedene Noten ausgab (Abb. 10).


Abb.10: 10 Mei, vorwiegend blaue Note.

Erwin Beyer

Abb. 2: Huáng Qí, Abb. 5:www.baidu.com („public domain“); Abb. 10: Erwin Beyer, alle anderen Yangming Auctions, Shanghai, Erlaubnis durch Cai Xiaojun.

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