Die österreichische 5-Schillingnote von 1945

Zu den Nachkriegsausgaben der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zählt als niedrigster Nennwert die Banknote zu 5 Schilling mit Datum vom 4. September 1945[1]. Anders als das Datum es vermuten lässt, erfolgte die Erstausgabe des Scheines aber erst im Zuge der Währungsreform ab dem 11. Dezember 1947[2].


Von dem Schein gibt es eine Zweitauflage, die am linken Rand den Aufdruck „Ausgabe 1951“ zeigt[3]. Sie wurde ab der zweiten Jahreshälfte 1951 in Umlauf gesetzt, genaue Angaben dazu fehlen. Der Schein trägt die Unterschriften von Bankpräsident Hans Rizzi, Generaldirektor Frank Bartsch sowie dem Mitglied des Generalrates Kurt Honay.

Die Gestaltung des Scheines war nicht neu. Wie bei den anderen Scheinen der Erstausgabe nach Wiedereinführung der Schillingwährung im Dezember 1945 hatte die OeNB auf die Designs der bis Mai 1938 zirkulierenden Vorkriegsausgaben der Schillingnoten zurückgegriffen. Die 5-Schillingnote war hier eine Besonderheit, denn die Vorkriegsausgabe mit Datum vom 1. Juli 1927 war bereits zum 31. Januar 1936 außer Kurs gesetzt und durch eine silberne 5-Schillingmünze ersetzt worden. Es gab damit streng genommen keine Vorkriegsausgabe dieser Wertstufe. Zudem war der Schein bei seiner Neuausgabe im Dezember 1947 gestalterisch veraltet. Der Entwurf der beiden österreichischen Maler und Grafiker Rudolf Junk (* 23. Februar 1880 in Wien; † 20. Dezember 1943 in Rekawinkel, Niederösterreich) und Karl Sterrer (* 4. Dezember 1885 in Wien; † 10. Juni 1972) stammte aus dem Wettbewerb der OeNB von 1925 zur Gestaltung neuer Banknoten. Dabei war Rudolf Junk für die Ornamente und Karl Sterrer – beide haben auch andere österreichische Banknoten der ersten Republik gestaltet – für die Bilder verantwortlich. Der Schein symbolisiert Technik und Bergbau. Abgebildet ist auf der Rückseite der Eisenerz-Tagebau in Erzberg in der Steiermark, auf der Vorderseite ein junger Mann mit Zirkel und Zeichenbrett. Ornamente und Darstellung sind Ausfluss der Kunstrichtung der Neuen Sachlichkeit, die in den 1920er Jahren auch in Österreich Einzug hielt, 1947 aber bereits überholt war.
Die Erstausgabe wurde vermutlich bereits in der zweiten Jahreshälfte 1946 in einer Auflage von 14 Millionen Stück im Offset-Druckverfahren auf Papier ohne Wasserzeichen in der Druckerei für Wertpapiere der OeNB in Wien gedruckt. Im März 1951 beauftragte das Direktorium der OeNB einen Nachdruck von 10 Millionen Stück. Grund dafür war, dass zu diesem Zeitpunkt das Finanzministerium noch keine Ausgabe einer Münze zu 5 Schilling plante. Eine Münze zu 5 Schilling (in Aluminium) wurde dann doch ausgegeben, nämlich ab 25. Oktober 1952, woraufhin die Banknote zu 5 Schilling zum 27. Februar 1954 eingezogen wurde. Sie blieb bis zum 27. Februar 1957 umtauschbar. Auf dem Schein ist weder eine Kontrollnummer noch eine laufende Serie aufgedruckt, wie das bei den anderen österreichischen Banknoten der Zeit üblich war.
Den Produktionsschwierigkeiten in der Druckerei für Wertpapiere der OeNB in der Nachkriegszeit geschuldet, schwankt die Farbe der Erstausgabe 1945 erheblich von blaugrün zu schwarzblau. Auch die Papierqualität des Scheines ist mäßig, das Papier hält stärkeren Beanspruchungen nicht stand und reißt bereits nach wenigen Falzungen. Da die Scheine nicht nummeriert sind, lassen sich Farbschwankungen keinem Seriennummern-Bereich zuordnen, eine Seltenheit bestimmter Farbvarianten ist nicht zu ermitteln. Richter[4] berichtet zudem darüber, dass fehlerbedingt auch Scheine ohne Druck auf der Rückseite in Umlauf gekommen sein sollen.

Die Note zu 5 Schilling war wichtig, da sie im Zahlungsverkehr die Lücke zwischen der Münze zu 2 Schilling und der im Dezember 1947 erneut ausgegebenen Banknote zu 10 Schilling schloss. Die Kaufkraft des Scheins war nicht sehr hoch, sie halbierte sich inflationsbedingt zwischen seiner Erstausgabe im Dezember 1947 und der Einziehung Ende Februar 1954. Der historische Währungsrechner der OeNB[5] gibt für den Schein für Anfang 1948 eine Kaufkreis von heute EUR 7,33 an, für das Jahr 1954 waren es nur noch EUR 3,44 – beide Eurowerte sind mit Vorsicht zu verwenden, da das Warenangebot seinerzeit nicht mit demjenigen von heute vergleichbar ist. Als Indikatoren für die Kaufkraft des Scheins können ferner dienen, dass ein Kilogramm Brot in Wien 1949 1,90 Schilling, im Juli 1951 jedoch schon 3,60 Schilling kostete[6]. Auch ein Blick auf die Brief- und Telefongebühren gibt interessante Anhaltspunkte: Ab Juli 1951 etwa kostete das Inlandsporto für einen einfachen Brief innerorts 1 Schilling, im Fernverkehr 1,50 Schilling. Für ein dreiminütiges Telefonat von Wien nach Graz waren tagsüber 13,20 Schilling, von 19 Uhr abends bis 8 Uhr morgens 8,70 Schilling[7]
zu bezahlen. Festzuhalten bleibt: Der Schein war Klein- und Wechselgeld des täglichen Bedarfs. Entsprechend kommen die Scheine im Sammlermarkt heute in der Regel in gebrauchter Erhaltung vor.
Trotz der geringen Kaufkraft gibt es auch von diesem Schein Fälschungen, die sich im Falschgeld-Archiv der Banknoten- und Münzkasse der OeNB, das sich jetzt im Geldmuseum der OeNB befindet, erhalten haben. Neben einer Tuschezeichnung, bei der es sich vermutlich um ein Einzelstück gehandelt haben dürfte, dass nur bei schlechten Lichtverhältnissen in einer Kneipe nach dem Genuss einiger Viertel Wein als Original hätte durchgehen können, sind fotomechanisch hergestellte Fälschungen bekannt geworden,
die zumindest eine gute Eindrucksfälschung darstellen. Leider ist nicht überliefert, in welcher Filiale der OeNB diese Scheine vorgelegt wurden, und wo sie aufgetaucht sind. Gefährliche Fälschungen, wie sie etwa von der 100-Schillingnote der Ausgabe 1945 bekannt geworden sind[8], gibt es von der 5-Schillingnote der Ausgabe 1945 nicht.



Obwohl die Kaufkraft eines Geldbetrages von 5 Schilling in Österreich nach Außerkurssetzung des Scheins immer geringer wurde, beschäftige sich die OeNB noch 1955 mit Studien für eine neue Banknote dieser Wertstufe. Im Geldmuseum der OeNB[9] finden sich dazu Skizzen sowie ein Andruck (Bankprobe) einer Vorderseite vom 22. Dezember 1955, die neben Ornamenten das Gesicht eines jungen Mannes in einem Medaillon zeigt. Dabei war man gestalterisch seit Beginn der 1950er Jahre von den sogenannten „Idealköpfen“ auf Banknoten längst abgekommen und hatte sich Porträtabbildungen berühmter Österreicher zugewandt, so wäre das Porträt einer entsprechenden Persönlichkeit passender gewesen. Daneben existiert eine Bleistiftskizze für eine 5-Schillingnote aus demselben Zeitraum mit einem blumengeschmückten Mädchenkopf, die von Roman Hellmann stammte, der die ab 1956 ausgegebenen österreichischen Banknoten gestaltete.



Für Sammler ist die 5-Schillingnote von 1945 in beiden Varianten (Erstausgabe und Ausgabe 1951) erschwinglich – in guter gebrauchter Erhaltung (VF=very fine) muss man im Handel mit Preisen zwischen 30 und 40 Euro rechnen. In kassenfrischer Erhaltung ist der Schein dagegen selten, hier sind schon ca. 300 Euro anzusetzen.
Dr. Sven Gerhard
Anmerkungen
Pick 121, Richter (Papiergeld Spezialkatalog Österreich 1759-2010, Salzburg 2010) 273, Kodnar/Künstner (Katalog der österreichischen Banknoten, 3. Auflage Wien 2018), 228, The Banknote Book B225
Dazu Dr. Sven Gerhard, Der Geldumtausch in Österreich im Dezember 1947, https://www.geldscheine-online.com/post/der-geldumtausch-in-%C3%B6sterreich-im-dezember-1947-aus-3-wird-1.
Pick 126, Richter 283, Kodnar/Künstner 238, The Banknote Book B230,
Rudolf Richter, Papiergeld Spezialkatalog Österreich 1759-2010, Salzburg 2010, S. 138
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/1951_167_0/1951_167_0.pdf
S. dazu Dr. Sven Gerhard, Aus privaten Sammlungen: Eine gefährliche Fälschung, https://www.geldscheine-online.com/post/aus-privaten-sammlungen-eine-gef%C3%A4hrliche-f%C3%A4lschung
Referenz G 022a




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