Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 10

Fortsetzungsreihe, Teil 26


Druckverfahren und Sicherheitsmerkmale der Euro-Noten, Teil 3

Die EZB nennt als Druckverfahren bei der Herstellung des Untergrunddrucks der Vorderseite sowie des kompletten Rückseitendrucks pauschal den Offsetdruck. Dieser wird zwar auch angewendet, aber nur zum Aufdruck der fluoreszierenden Merkmale im Notenbild von Vorder- und Rückseite. Für die Untergrundmuster als solche kommt, wie weiland bei den ehemaligen DM-Noten, indirekter Hochdruck zur Anwendung. Die Bildmotive mit den verschiedenen Farben der Hochdruckplatten werden, wie beim Offsetdruck, zunächst an einen Sammelzylinder mit Gummituch und erst von dort auf das Papier abgegeben. Dies erfolgt im Simultandruck, also gleichzeitig für Vorder- und Rückseite, auf sogenannten Super-Simultanmaschinen. Dieses Verfahren garantiert höchste Passgenauigkeit und Bildqualität.


Eine echte 100-Euro-Banknote. Die Plattennummer P001G1 versteckt sich am Beginn des Minischrift-Textes links des Barock-Torbogens und lässt erkennen, dass dieser „deutsche“ Schein von der Druckerei Giesecke & Devrient hergestellt wurde (Kennbuchstabe P = G&D, R = Bundesdruckerei).


Der beim Kippen der Noten zu 5, 10 und 20 Euro goldfarben glänzende Perlglanzstreifen der Rückseite wird ebenso im Siebdruck aufgebracht wie die OVI-Wertzahl der Stückelungen ab 50 Euro. Der Streifen wird auch Iriodinstreifen genannt und war in ähnlicher Form bereits bei den Noten zu 50, 100 und 200 DM der Ausgabe BBk IIIA vorhanden. Iriodin® ist das Warenzeichen der Firma Merck für Perlglanz-Pigmente, die auf Basis des natürlichen Minerals Glimmer mit einer dünnen Schicht aus Metalloxiden, zum Beispiel Titandioxid oder Eisenoxid, umhüllt werden. Durch ein Zusammenspiel von Transparenz, Brechzahl, Beschichtung und Mehrfachreflexion entfalten sie vielfältige Farbeffekte, wie sie sonst nur in der Natur vorkommen. Beim Siebdruck wird die Farbe durch ein haarfeines Sieb gedrückt, wobei die nichtdruckenden Teile des Siebes farbundurchlässig sind. Der mittels dieses Verfahrens unter hohem Farbauftrag hergestellte Farbumschlag ist ein erstklassiges Sicherungsmittel. Die Wertzahl im Weißfeld der Rückseite der großen Stückelungen verändert dabei die Farbe von Magenta (Purpur) nach Grün bzw. Braun, je nach Lichteinfall. Bislang ist es noch keinem Fälscher gelungen, das OVI der Noten ab 50 Euro absolut originalgetreu zu imitieren. Auch hier müssen aus Kostengründen die kleineren Wertstufen auf diese Optically Variable Ink verzichten.

Und last but not least werden die Notennummern im direkten Hochdruck, also im Buchdruck, zweimal auf die Rückseite jeder Euro-Banknote aufgebracht, wobei die Nummer rechts oben in Schwarz erscheint und sich diejenige unten links der jeweiligen Wertfarbe anpasst. Beide Nummern werden mit leicht magnetisierter UV-Farbe gedruckt und dienen daher ebenfalls als Echtheitserkennungsmerkmal.

Die Herstellung der Euro-Noten erfolgt im Bogendruck, das heißt, es werden einzelne Papierbogen bedruckt. Die Druckereien in Frankreich verwendeten für die Herstellung der ehemaligen Francs-Noten wie auch für die Noten der Erstauflagen des Euro den Rollendruck. Hier wird, ähnlich wie bei der Herstellung einer Tageszeitung, von einer endlosen Papierrolle gedruckt, die erforderlichen unterschiedlichen Druckverfahren werden daher in einem einzigen Maschinendurchlauf ausgeführt. Da diese Technik aber sehr komplex ist und relativ viel Ausschuss produziert hat, zudem die Qualität des Druckergebnisses nicht immer befriedigen konnte, haben auch die Franzosen zwischenzeitlich auf den Bogendruck umgestellt. Das Papier der Euro-Scheine besteht aus reiner Baumwolle mit sehr kurzer Faserlänge und wird auf sogenannten Rundsiebmaschinen hergestellt. Die Baumwolle wird zunächst mittels Natronlauge und Wasserstoffperoxid gebleicht. Damit die kurzen Baumwollfasern zur Herstellung des Notenpapiers verwendet werden können, werden diese noch weiter gekürzt. Damit geht zwar eine Verbesserung der Qualität der Wasserzeichen einher, hat jedoch den Nachteil, dass sich die Reißfestigkeit („Reißlänge“) des Papiers geringfügig verschlechtert. Herstellungsbedingt ist auch die unterschiedliche Glätte der beiden Seiten des Papiers. Auf die glattere sogenannte Filzseite wird die Banknoten-Vorderseite, auf die etwas rauere Siebseite die Rückseite gedruckt. Zum Schluss erhält das Papier eine Oberflächenleimung. In Deutschland erfolgt die Herstellung durch die Papierfabrik Louisenthal in Gmund am Tegernsee, eine 1964 gegründete Tochtergesellschaft der Druckerei Giesecke & Devrient. Sie hatte ab 1967 auch das Papier für die DM-Noten geliefert. Das Flächengewicht des Euronoten-Papiers beträgt

87 g/m² mit einer Toleranz von +/- 4 g/m². Es enthält über die gesamte Fläche verstreut etwa

3 mm lange fluoreszierende Melierfasern in den Farben Rot, Grün und Blau. Das Papier selbst fluoresziert nicht, es bleibt unter UV-Licht dunkelviolett. Es ist der jeweiligen Notenfarbe entsprechend leicht getönt, wobei die Intensität der Tönung so gewählt ist, dass sie von Scannern nicht erkannt wird und Farbkopien somit erschwert werden.


Fortsetzung folgt …




Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld,

280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3.


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