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Falsche Kupons der Kuponmark-Ausgabe 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands


Anlässlich der Währungsreform in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in (Groß-)Berlin am 24. Juni 1948 wurden als Provisorium zunächst mit Kupons[1]  beklebte Reichs- und Rentenmarknoten ausgegeben[2]. Diese waren nur einen Monat im Umlauf, bevor sie vom 25. bis 28. Juli 1948 erneut umgetauscht werden mussten gegen die auf Deutsche Mark lautende Banknoten der Deutschen Notenbank Ausgabe 1948.

Offiziell wurden die mit Kupons versehenen Banknoten als „Reichs- und Rentenmark mit aufgeklebten Spezialkupons“ bezeichnet, in den nachfolgenden Ausführungen wird der Begriff „Kuponmark“ verwendet.

 

Von den Kupons sind zeitgenössische Fälschungen bekannt. Sie kommen auch heute noch am Sammlermarkt vor, in der Regel die Wertstufe zu 50 Kuponmark. Aufgrund der kurzen Umlaufzeit der mit Kupons versehenen Scheine ist es vor dem Hintergrund der Zeitumstände erstaunlich, dass Fälscher ausreichend technische Möglichkeiten gefunden haben, innerhalb von vier Wochen Klischees für falsche Kupons herzustellen, Kupons zu drucken und zu zähnen, auf (wertlos gewordene) Reichs- und Rentenmark-Scheine aufzukleben, und diese dann in den Verkehr zu bringen.

 

Falsche Kupons lassen sich in der Regel an der unsauberen Druckausführung und der oft – aber nicht immer – unregelmäßigen Zähnung erkennen. Die Qualität der Fälschungen ist sehr unterschiedlich[3]. Von der Wertstufe zu 50 Kuponmark sind zudem Fälschungen bekannt, bei denen die Druckfarbe wasserlöslich ist. Ein Indiz für eine Fälschung kann daneben auch die auffällig dicke Verklebung des Kupons auf der Banknote sein, da die Fälschungen wohl nicht auf gummiertem Papier gedruckt, sondern mit Klebstoff auf den Scheinen angebracht wurden.

 

Gefälschter Kupon zu 20 Kuponmark, aufgeklebt auf 20 Reichsmark vom 22. Januar 1929 (Grabowski DEU-184a). Die Fälschung ist an der schlechten Ausführung von Druck und Zähnung gut zu erkennen, außerdem ist der Kupon nicht vorschriftsmäßig bündig am linken Rand des Druckbildes aufgeklebt.
Gefälschter Kupon zu 20 Kuponmark, aufgeklebt auf 20 Reichsmark vom 22. Januar 1929 (Grabowski DEU-184a). Die Fälschung ist an der schlechten Ausführung von Druck und Zähnung gut zu erkennen, außerdem ist der Kupon nicht vorschriftsmäßig bündig am linken Rand des Druckbildes aufgeklebt.

Zum Vergleich: Echter Kupon zu 20 Kuponmark, aufgeklebt auf 20 Reichsmark vom 22. Januar 1929, (Grabowski DEU-184a).
Zum Vergleich: Echter Kupon zu 20 Kuponmark, aufgeklebt auf 20 Reichsmark vom 22. Januar 1929, (Grabowski DEU-184a).

Untersuchungen zur Herkunft der Fälschungen wurden durch die Deutsche Notenbank nicht angestellt, das wohl aus zwei Gründen: Zum einen war die Zeit der Kuponmark mit dem Umtausch der Scheine abgelaufen. Die beklebten Noten waren nach dem 28. Juli 1948 wertlos. Ein Nachumtausch hat nicht stattgefunden und war auch gar nicht gewollt.

Zum anderen baute die Deutsche Notenbank erst Anfang 1949 Strukturen zur Falschgelderkennung auf, wie sie bei der Deutschen Reichsbank bestanden hatten[4].

 

In den Unterlagen der Deutschen Notenbank im Bundesarchiv Berlin befindet sich eine Akte zum Thema „Reichsmarknoten mit falschen Spezialkupons“. Sie enthält diverse Meldungen von Banken, die Scheine mit falschen Kupons im Rahmen des Umtauschs der Kuponmark Ende Juli 1948 angehalten und – entschädigungslos – eingezogen hatten. Die westdeutsche Zeitschrift „Der Spiegel“ berichtet in ihrer Ausgabe vom 30. Juli 1948 über die Einziehung von Noten mit falschen Kupons anlässlich des Umtauschs Ende Juli 1948 in Berlin[5].

Banken sandten die eingezogenen Noten zusammen mit Aufstellungen und Erklärungen

der Einlieferer an die neu gegründeten Deutschen Notenbank, die die Kupons prüfte und Fälschungen einem Depot „Reichsmark mit gefälschten Kupons“ hinzufügte.

Die Aufstellungen und Erklärungen wurden kommentarlos abgelegt. Ob sie vollständig sind und ein umfassendes Bild über den Umlauf von falschen Kuponmark in der SBZ im Juli 1948 abgeben können, ist unklar. Die Deutsche Notenbank hatte erst wenige Tage vor der Währungsreform die Rolle einer zentralen Notenbank für die SBZ übernommen,

die Emissions- und Girobanken der Länder der SBZ handelten noch weitgehend autark.

In den Akten fehlen Meldungen über falsche Kuponmark aus Sachsen.


Gefälschter Kupon zu 50 Kuponmark, aufgeklebt auf 50 Reichsmark vom 30. März 1933 (Grabowski DEU-210b). Die Farbe des Kupons ist heller als das Original und tendiert zu Hellgrau. Zudem ist die Druckfarbe wasserlöslich. Die Zähnung des Kupons ist recht gut gelungen.
Gefälschter Kupon zu 50 Kuponmark, aufgeklebt auf 50 Reichsmark vom 30. März 1933 (Grabowski DEU-210b). Die Farbe des Kupons ist heller als das Original und tendiert zu Hellgrau. Zudem ist die Druckfarbe wasserlöslich. Die Zähnung des Kupons ist recht gut gelungen.
Zum Vergleich: Echter Kupon zu 50 Kuponmark, aufgeklebt auf 50 Reichsmark vom 30. März 1933 (Grabowski DEU-210 c). Die Farbe des Kupons ist Graublau.
Zum Vergleich: Echter Kupon zu 50 Kuponmark, aufgeklebt auf 50 Reichsmark vom 30. März 1933 (Grabowski DEU-210 c). Die Farbe des Kupons ist Graublau.

 

Ohne eine genaue Erfassung jeder einzelnen Meldung vorgenommen zu haben, lässt sich aus den Unterlagen der Deutschen Notenbank jedenfalls folgendes entnehmen:

 

  1. Es sind Noten mit falschen Kupons in den Wertstufen zu 10, 20, 50 und 100 Kuponmark angehalten worden. Die Berliner Volksbank (Filiale Baumschulenweg) sowie die Volksbank Frankfurt/Oder zog zudem je eine Note mit einem als falsch eingestuften Kupon zu 5 Kuponmark ein. Die Garantie- und Kreditbank[6] Berlin reichte ebenfalls zwei Scheine mit vorgeblich falschen Kupons zu 5 Kuponmarkt ein, ferner einen zu 2 und drei zu 1 Kuponmark. Bei der Einlieferung der Zentrale der Berliner Volksbank indiziert der eingelieferte Betrag falscher Kuponmark in Höhe von insgesamt RM 24.166 ebenfalls falsche Kupons zu 1 und/oder 2 Kuponmark. Im Übrigen sind in den Unterlagen der Deutschen Notenbank falsche Kupons der Wertstufen zu 1 und 2 Kuponmark nicht belegt. Daher könnte bezweifelt werden, ob es sich bei den eingereichten Noten mit falschen Kupons zu 1 und 2 Kuponmark tatsächlich um Fälschungen gehandelt hat, da gerade die Druckausführung der Kupons zu 1 Kuponmark wegen des kleinen Formats in der Ausführung zuweilen unsauber ist und die Zähnung in den Druck reicht, so dass der Kupon als falsch eingestuft werden könnte.

  2. Mehr als die Hälfte der angehaltenen Fälschungen entfällt auf Kupons der Wertstufe zu 50 Kuponmark, der Rest verteilt sich auf die übrigen Wertstufen, wobei die Wertstufe zu 10 Kuponmark selten vorkommt. Dieses Bild spiegelt sich im heutigen Sammlermarkt wider, wo in der Regel Fälschungen der Wertstufe zu 50 Kuponmark, seltener auch zu 20 Kuponmark bekannt sind.

  3. Ein großer Teil der Meldungen stammt aus Berlin oder dem Berliner Umland; der Betrag der insoweit eingereichten Fälschungen liegt grob überschlagen bei deutlich über 100.000 Kuponmark. Die Emissions- und Girobank Brandenburg lieferte 52.250 Reichsmark mit falschen Kupons ein. Einzelne Meldungen liegen aus Halle, Neuruppin, Frankfurt (Oder) sowie aus Mecklenburg vor. Aus Thüringen wurden nur geringe Mengen gefälschter Kupons eingereicht[7], aus Sachsen gar keine.

  4. Auffallend sind größere Mengen eingereichter falscher Kuponmark durch sowjetische Institutionen in Berlin, etwa die Garantie- und Kreditbank[8] (23.385 RM), die Sowjetische Militäradministration (SMAD) und sowjetische Handelsorganisationen. Zum Vergleich: Die genossenschaftliche, auf Privat- und Gewerbekunden ausgerichtete Berliner Volksbank lieferte aus allen Filialen im sowjetischen Sektor Berlins Fälschungen für 58.291 Kuponmark ein.

  5. In keiner der gesichteten Erklärungen von Privatpersonen ergaben sich Hinweise auf einen möglichen Urheber der Fälschung. Oft wurde erklärt, den betreffenden Schein mit dem falschen Kupon beim Einkauf als Wechselgeld erhalten zu haben.

 

Vor diesem Hintergrund lassen sich folgende Annahmen aufstellen:

 

  1.  Wegen der kurzen Umlaufzeit und des Auftretens der Fälschungen hauptsächlich in und um Berlin ist anzunehmen, dass der überwiegende Teil der falschen Kupons in Berlin hergestellt wurde.

  2. Wegen der starken Abweichung der Qualität der bekannten Fälschungen sind mehrere Fälscher bzw. Fälscherbanden am Werk gewesen.

  3. Wegen der Notwendigkeit einer professionelle Druckausstattung zur Herstellung größerer Mengen falscher Kupons innerhalb kurzer Zeit in akzeptabler Qualität und eines weitreichenden Absatzes der Fälschungen im Handel waren professionelle Fälscherorganisationen am Werk, die Herstellung und Verteilung der falschen Kuponmark strukturiert organisieren konnten.

  4. Wegen des vergleichsweise hohen Anfalls von Fälschungen bei sowjetischen Institutionen scheint eine Beteiligung (westlicher) Geheimdienste bei der Herstellung und/oder Verbreitung von Fälschungen nicht ausgeschlossen, die in einer Zeit des beginnenden Kalten Kriegs und der Berlinblockade gezielt Scheine mit falschen Kupons bei Sowjet-Organisationen unterbrachten, um diesen zu schaden.


 

Der Beweis, ob diese Annahmen zutreffen oder nicht, wird sich nicht mehr erbringen lassen. Woher die in Sammlungen verfügbaren falschen Kupons stammen, wer sie im Juli 1948 hergestellt und in Verkehr gebracht hat, bleibt ein Stück weit Geheimnis der Zeitgeschichte.


Dr. Sven Gerhard


Anmerkungen

  1. Zu den Auflage- und Ausgabezahlen s. Dr. Sven Gerhard, Liefer- und Ausgabezahlen der Kupons zur Währungsumstellung in der SBZ im Juni 1948, https://www.geldscheine-online.com/post/liefer-und-ausgabezahlen-der-kupons-zur-w%C3%A4hrungsumstellung-in-der-sbz-im-juni-1948

  2. Dazu etwa Herbert Rittmann, Deutsche Geldgeschichte seit 1914, S. 360 ff., Michael h. Schöne, Die drei Währungsreformen vor 75 Jahren in Deutschland, https://www.geldscheine-online.com/post/die-drei-w%C3%A4hrungsreformen-vor-75-jahren-in-deutschland , Siegfried Seipold, „Kuponmark“ der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, DGW-Informationen 2009-1 S. 9 und 2009-2, S. 41

  3. S. Etwa die Bildtafel I bei Peter Leisering, Falschgeld in der DDR, Berlin 2014, nach S. 144, oder die Abbildungen bei Seipold, a.a.O., S. 43-45.

  4. Dazu Peter Leisering, a.a.O.  S. 17 ff.

  5. https://www.spiegel.de/politik/fehl-druck-a-4bfd501b-0002-0001-0000-000044418547

  6. Die 1920 als Garantie- und Kreditbank für den Osten gegründete Bank diente ursprünglich der Finanzierung von Geschäften mit der Sowjetunion. 1941 geschlossen und 1945 als Garantie und Kreditbank AG reaktiviert, war sie der Rechtsform nach eine Niederlassung der sowjetischen Staatsbank und Dienstleister der SMAD in Deutschland, über die u.a. die ostdeutschen Reparationszahlungen abgewickelt wurden. 1956 wurde die Bank nach Übertragung ihrer Aufgaben an die Deutsche Notenbank abgewickelt. Quelle: Wikipdedia.

  7. Durch die Emissions- und Girobank im Gesamtwert von 840 Kuponmark.

  8. Die 1920 als Garantie- und Kreditbank für den Osten gegründete Bank diente ursprünglich der Finanzierung von Geschäften mit der Sowjetunion. 1941 geschlossen und 1945 als Garantie und Kreditbank AG reaktiviert, war sie der Form nach eine Niederlassung der sowjetischen Staatsbank und Dienstleister der SMAD in Deutschland, über die u.a. die ostdeutschen Reparationszahlungen abgewickelt wurden. 1956 wurde die Bank nach Übertragung ihrer Aufgaben an die Deutsche Notenbank abgewickelt. Quelle: Wikipdedia.

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