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Falschgeld in der DDR in den 1980er Jahren

Während nach der Währungsreform in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) im Juni 1948 und der Ausgabe neuer Banknoten durch die Deutsche Notenbank ab Ende Juli 1948 bis in die 1950er Jahre hinein in der DDR diverse Fälschungen im Geldumlauf auftauchten, ging das Aufkommen falscher Banknoten ab Mitte der 1950er Jahre stark zurück[1] .

Anfang der 1980er Jahre waren Fälschungen von Banknoten in Mark der DDR im Zahlungsverkehr unbedeutend. Für das Jahr 1982 verzeichnete die Staatsbank insgesamt nur drei Fälschungen im Gesamtwert von 110,- Mark. 1983 wurden drei falsche Banknoten zu 100 Mark der Ausgabe 1975 angehalten[2]  – es handelte sich um einfache Schwarzweiß-Kopien, die mit der Hand koloriert worden waren. Leider ist nicht mehr festzustellen, aus welcher Quelle diese Fälschungen stammten. Zum Vergleich: In der Bundesrepublik wurden 1983 durch die Deutsche Bundesbank 2156 gefälschte Bundesbanknoten mit einem Gesamtwert von 181.700 DM angehalten, 1982 waren es noch 3317 Stück im Wert von 250.700 DM gewesen[3].


Fälschung einer Banknote zu 100 Deutsche Mark Ausgabe Bbk I vom 1. Juni 1977 (zu Grabowski BRD-22, Ro. 278a).  Fälschungen von Bundesbanknoten fanden ihren Weg auch in die DDR. Quelle: Sammlung Uwe Bronnert.
Fälschung einer Banknote zu 100 Deutsche Mark Ausgabe Bbk I vom 1. Juni 1977 (zu Grabowski BRD-22, Ro. 278a). Fälschungen von Bundesbanknoten fanden ihren Weg auch in die DDR. Quelle: Sammlung Uwe Bronnert.
Fälschung einer Banknote zu 100 Deutsche Mark Ausgabe Bbk I vom 1. Juni 1977, Rückseite.
Fälschung einer Banknote zu 100 Deutsche Mark Ausgabe Bbk I vom 1. Juni 1977, Rückseite.

Mitarbeiter aus der Zentrale der Staatsbank der DDR in Berlin schulten Mitarbeiter in den Kreisfilialen im Erkennen von Fälschungen. Die Staatsbank setzte ab 1983 vereinzelt Banknotenprüfgeräte westlicher Bauart ein. Ein großflächiger Einsatz solcher Geräte scheiterte jedoch an den Kosten, so dass die Mitarbeiter von Banken und Interhotels, die mit Banknoten in Fremdwährungen in Kontakt kamen, in der Regel auf Schulungen, vertrauliche Merkblätter der Staatsbank über auftretende Fälschungen sowie Lupen angewiesen waren, um Fälschungen beim Geldumtausch zu erkennen. Mitteilungen an die Öffentlichkeit über Falschgeld erfolgten nicht.


Zudem lieferte die Staatsbank Meldungen von auftretenden Fälschungen an Interpol und erhielt von dort im Rahmen der Publikation „Journal de falsification et contrefaçons“ entsprechende Informationen von anderen Notenbanken. Auch über in der Bundesrepublik aufgetretenen Fälschungen und die dazu von der Bundesbank herausgegeben Merkblätter wusste man bei der Staatsbank Bescheid, so dass man dort 1983 etwa nachverfolgen konnte, dass von den neu in diesem Jahr in der Bundesrepublik aufgetreten falschen Banknoten zu 100 DM innerhalb einiger Monate elf Stück ihren Weg in die DDR gefunden hatten.

Auch in Polen und der Tschechoslowakei traten im selben Zeitraum Fälschungen von Banknoten in einheimischer Währung nur in geringem Umfang auf, jedoch mengenmäßig häufiger als in der DDR. In der Regel stammten diese Scheine von heimischen Fälschern und blieben Einzelfälle. Insgesamt war das Falschgeldaufkommen in heimischer Währung auch in diesen Ländern zu vernachlässigen.


Anders verhielt es sich jedoch mit falschen Banknoten in ausländischen Währungen, die seit Mitte der 1970er Jahren verstärkt in den RGW-Staaten und auch in der DDR auftauchten. Zwar blieben die Gesamtzahlen gering und stellten keine ernsthafte volkswirtschaftliche Gefahr dar. Für die devisenschwache DDR war jedoch das Risiko, beim Geldwechsel Fälschungen aufzusitzen und dadurch Verluste zu erleiden, nicht unbedeutend.

1982 waren falsche Münzen und Banknoten mit einem Gesamtwert von 20.986 Valutamark[4] bei in der Staatsbank eingegangen, 1983 waren es bereits 238 Fälschungen mit einem Gesamtwert von 30.704,50 Valutamark (VM). Etwa die Hälfte der Fälschungen wurde bei Inzahlungnahme nicht erkannt. Unter ihnen befanden sich 73 falsche DM-Banknoten und Münzen, aber etwa auch 26 falsche Banknoten zu 200 Französischen Francs der Ausgabe 1982[5] die, wie sich später herausstellte, durch zwei französische Monteure zwischen September und November 1983 unerkannt in Rostock abgesetzt wurden. Spitzenreiter aber waren Fälschungen von US-Dollarnoten, von denen 1983 insgesamt 123 Stück aus diversen Fälschungsklassen im Gesamtwert von 11.140 VM angehalten wurden. Diese Fälschungen tauchten in Berlin auf, anlässlich der Leipziger Messe sowie in der Hafenstadt Rostock, und zwar sowohl in Hotels, bei der Mitropa als auch in Tankstellen der Minol.


Das Auftreten von Dollarfälschungen bereitete der Staatsbank seit Ende der 1970er Jahre zunehmend Sorgen, zumal das Aufkommen falscher Dollars auch in anderen osteuropäischen Staaten zunahm, insbesondere in der Tschechoslowakei, in Ungarn sowie in Polen, wo der US-Dollar als inoffizielle Zweitwährung galt, und die FX-Zertifikate der PEWEX[6] und Baltona-Geschäfte[7] auf US-Dollar lauteten. Ein weiteres Ansteigen falscher Dollarnoten wurde auch in der DDR befürchtet, u.a. wegen des Aufkommens technisch ausgereifter Fotokopiergeräte in den westlichen Ländern und einer weiteren Zunahme des touristischen Reiseverkehrs.


Technisch waren die Wechselstellen kaum weiter aufzurüsten, auch die Kapazitäten für Schulungen durch die Staatsbank waren begrenzt[8]. Jedoch konnte ein Austausch zwischen den Notenbanken der RGW-Staaten ein weiterer Baustein zur Früherkennung von Fälschungen sein. Die National- bzw. Staatsbanken von Bulgarien, der Tschechoslowakei, Kuba, Polen, Rumänien, Ungarn, der UdSSR und der DDR verabredeten daher im August 1977 einen Austausch von jährlichen Berichten über das Falschgeldaufkommen in den jeweiligen Ländern, zu dem auch die Staatsbank der DDR in den Folgejahren zulieferte. Zudem verpflichteten sich die Banken zu einer gegenseitigen Warnung, sollte in einem Land eine größere Anzahl von Fälschungen auftreten. So berichteten etwa tschechoslowakische Behörden im April 1978 an das Generalkonsulat der DDR in Bratislava über ein verstärktes Auftreten falscher Banknoten in DM und US-Dollar an mehreren Orten in der Slowakei, deren Herstellung man im Ausland vermutete und die u.a. vor Tuzex-Geschäften und Hotels an Bürger verkauft wurden. Hinter der Verteilung dieser Fälschungen wurden organisierte kriminelle Strukturen vermutet. Schnell sah man das Risiko der Ausbreitung solcher Straftaten auch in anderen RGW-Staaten wie der DDR.


Befürchtungen, dass Fälschungen von Geldscheinen ausländischer Währungen die DDR überschwemmen würden, bewahrheiteten sich nicht. Das Falschgeldaufkommen auch in Fremdwährungen blieb in der DDR bis 1989 auf einem sehr niedrigen Niveau.

 

Dr. Sven Gerhard


Anmerkungen

  1. Dr. Peter Leisering, Falschgeld in der DDR, Berlin 2014, S. 235 ff.

  2. Es traten jedoch einige Münzfälschungen auf, die sich hauptsächlich in Automaten anfanden.

  3. Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank für das Jahr 1983, S. 136.

  4. Interessant ist, dass in diesem Zusammenhang in den Unterlagen Staatsbank der Begriff der Valutamark verwendet wird. Sie findet sich auch auf den Gutscheinen des VEB Deutfracht/Deutsche Seereederei Rostock zum Einkauf in den internationalen Basaren.

  5. Pick 155

  6. Pick FX 1 bis FX 46

  7. Pick FX47 bis FX56

  8. 1982 führte die Staatsbank Sektor Geldzeichen 10 Schulungen durch.


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