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G. F. C. Smillie - Der beste Graveur seiner Zeit

Aktualisiert: 8. Feb.

Aus vielen europäischen Ländern kennt man bedeutende Grafiker, Maler und Graveure ihrer Zeit, die sich der Gestaltung von nationalen und internationalen Wertpapierdrucken im Allgemeinen und Geldscheinen im Besonderen widmeten. In den USA hingegen war die „Smillie Family“ bekannt für die Ausgestaltung von Banknoten – eine Dynastie von Banknoten-Graveuren, die über Jahrzehnte in unterschiedlichen Firmen aktiv waren. George Frederick Cumming („Fred“) Smillie war ohne Zweifel der bekannteste und talentierteste Stecher. Viele US-Geldscheine tragen seine Handschrift.


Fred Smillie war der Enkelsohn von David und Elizabeth Smillie. Nach dem Tod seines Großvaters wanderte die Großmutter mit ihren Söhnen 1829 aus dem schottischen Edinburgh über New York nach Kanada aus. G. F. C. Smillie wurde im November 1854 in New York geboren. Sein Onkel James D. Smillie erkannte beizeiten das Talent seines Neffen und brachte ihm zusammen mit dem bekannten Graveur für Banknoten und Briefmarken, Alfred M. Jones, die Kunst des Gravierens bei. Mit nur 17 Jahren stellte ihn die American Bank Note Co. (ABNC) als Lehrling ein. Innerhalb weniger Jahre war er einer ihrer besten Graveure, der sich auf Porträts und menschliche Figuren spezialisiert hatte. Während seiner Arbeit bei der ABNC studierte Smillie Zeichnen an der Cooper Union und der National Academy of Design.


Smillie verließ 1887 die ABNC, um für seinen Onkel, William Cumming Smillie, Präsident der 1881 gegründeten Canadian Bank Note Co. zu arbeiten. Jedoch fühlte sich Fred Smillie in Montreal nicht wohl, zog ein Jahr später zurück in die USA und ließ sich bei der Homer Lee Bank Note Co. einstellen (diese Druckerei wurde 1891 von der American Bank Note Co. übernommen). Er wechselte 1890 zur Hamilton Bank Note Engraving and Printing Co. (BEP),

New York, und arbeitete auch für die Western Bank Note Co., Chicago.


Abb. 1: George Frederick Cumming Smillie, geb. am 22. November 1854 in New York, gest. am 21. Januar 1924 in Washington/DC.


Schon im März 1894 wechselte Smillie schließlich zum Bureau of Engraving and Printing in Washington und wohnte fortan im Nobel-Viertel Woodley Park, 2631 Connecticut Avenue, nahe des Smithsonian National Zoological Parks.

Am 5. Februar 1894 hatte ihm Leland M. Johnson, Leiter des BEP, auf seine Bewerbung geantwortet:







Sehr geehrter Herr: Ich habe die Beantwortung Ihres letzten Briefes verzögert, um Ihren Eintrittstermin zu klären, damit ich Sie in meiner Antwort darüber informieren kann. Ich habe jetzt Ihre Ernennung zum Graveur in diesem Büro mit einer Entlohnung in Höhe von 6.000,00 US$ pro Jahr entschieden und hoffe, dass Sie sich hier innerhalb von 30 Tagen oder so bald wie möglich zum Dienst melden können. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in dieser Zeit einige Entwürfe für Sie bereithalten werden und dass sie, wenn sie ausgeführt werden, zu Ihrem bereits guten Ruf als Graveur beitragen werden. Gestatten Sie mir abschließend, Ihnen zu Ihrer Ernennung zu gratulieren, da ich glaube, dass dies die beste ist, die jemals in diesem Büro gemacht wurde. Mit freundlichen Grüßen Leland M. Johnson, Chef des Büros P.S.: Bitte geben Sie keinem der Zeitungsleute Informationen bezüglich Ihres Termins, da ich es vorziehen würde, diese aus der Presse herauszuhalten, bis Sie nach Washington kommen. Ich werde Ihnen den Grund erklären, wenn wir uns sehen. LMJ

Das erwähnte Jahresgehalt von 6.000 US-Dollars im Jahr 1894 entspricht heute über 15.000 Euro Monatslohn. G. F. C. Smillie wurde später beim BEP unter Direktor James L. Wilmeth nicht nur ein Master Engraver, sondern ab 1917 auch der Leiter der Gravurabteilung; Chef des Office of Superintendent of Pictures Engravers. Dort erreichte seine Karriere ihren Höhepunkt. Berühmt wurde er als bester Graveur sowohl von Porträts als auch von sog. Vignetten.


Der dramatische Führungswechsel 1922 beim BEP unter Präsident Woodrow Wilson, der den künftigen Direktor Louis A. Hill ins Amt brachte, führte zu Smillies Entlassung. Bis dahin war sich Smillie seiner eigenen Fähigkeiten und der Bedeutung der beim BEP tätigen Graveure voll bewusst und verhandelte immer über bessere Löhne und Arbeitsbedingungen für sich und seine Kollegen. Das neue Management entließ ihn per Einschreibebrief und Fred Smillie war enttäuscht, dass sein 28-jähriges Engagement für das BEP nicht gewürdigt und er nicht persönlich informiert wurde. Das BEP hatte sich Jahre zuvor gerühmt, den bestbezahlten Graveur der Welt zu beschäftigen. Fred Smillie –so sagten Zeitzeugen – hatte wohl einen speziellen Charakter; das Verhältnis zu seinen ebenfalls bekannten Kollegen Thomas F. Morris und Charles Schlecht war angespannt – nicht so zu Marcus W. Baldwin. Beide schätzten sich sehr; ihr gemeinsames Unternehmen war jedoch nicht von Erfolg gekrönt.


Glücklicherweise war Smillies Können allgemein geschätzt, sodass er nicht lange arbeitslos war: die ABNC hieß ihn willkommen – mit offenen Armen. Dort traf er wieder auf seinen Partner M. W. Baldwind, der schon 1920 aus dem BEP ausschied. Gene Hessler erwähnt in „The Engraver’s Line“ über 300 Porträts und 135 Szenen, die Fred Smillie in seiner Zeit gravierte. Seine bekannteste Arbeit sind die Allegorien des Silberzertifikats zu 5 US-Dollars 1896 – ein Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens.


Abb. 2: Probedruck aus dem Jahr 1895 – 5-Dollars-Note Ausgabe 1896 mit handschriftlichem Vermerk „Proof after hardening Die“ (= Probedruck nach dem Aushärten der Matrize), auch die Vignette der Rückseite wurde von Smillie gestochen.



Eine weitere bekannte Arbeit ist auf der Nachfolge-Note von 1899 zu sehen. Als Vorlage für das Porträt des Indianerhäuptlings auf dem 5-Dollars-Schein diente Smillie ein Foto von Alexander Gardner. Aus gestalterischen Gründen ersetzte Smillie die Federn durch die Kriegshaube der Indianer und schuf so die endgültige Abbildung.


Abb. 3: Porträt des Indianerhäuptlings Thathóka Íŋyaŋke (= Running Antelope), das Bild löste Unmut aus, da Running Antelope als Häuptling mit einem Pawnee-Kopfschmuck abgebildet war, der ursprüngliche Sioux-Kopfschmuck war zu groß für die Gravur.


Abb. 4: zweifarbiger Proof mit dem Porträt des Indianerhäuptlings von 1899,

ohne Unterschriften/ohne Nummerierung.



Einer der frühesten Stiche von George F. C. Smillie ist auf mehreren Banknoten zusehen:

Unter der Aufsicht seines Onkels James Smillie entstand „The Reapers“ zwischen 1872 bis 1874. Fred Smillie veränderte eine Version von Alfred Sealey (aka Sealy) und seines ältesten Cousins James D. Smillie aus dem Jahr 1860. Als sog. „wanderndes Klischee“ kommt die auch „The Harvesters“ genannte Gravur auf nationalen und internationalen Geldscheinen vor:


Abb. 5: Gravur von Fred Smillie „The Reapers“ (= die Schnitterinnen). Diese Gravur kommt nicht nur auf Geldscheinen, sondern auch auf Schecks, Aktien und Wertpapieren vor.


Abb. 6: 2 Dollars 18..., McKean County Bank, Remainder.



Abb. 7: 1000 Peseta 1876, Rs., diese Banknote ist auf das Jahr 1876 datiert, wurde aber frühestens 1883 ausgegeben (Unterlagen geben an, dass von diesem höchsten Nennwert nur 100.000 Stück ausgegeben wurden).


Abb. 8: 20 Dollars 186_, Vs., The Waltham Bank, Massachusetts, Remainder, gedruckt bei der American Bank Note Co. N. Y. & Boston.



Abb. 9: 20 Pesos 1910, Vs., Banco de Morelos, Cuernavaca/Mexiko,

mit „The Reapers“ links und Druckerei-Angabe ABNCo. in der unteren Ornamentleiste.



Abb. 10: 1000 Korun 1919, Rs., „The Reapers“; es gab auch zwei weitere Scheine für die Tschechoslowakei, die jedoch von der ABNCo nicht umgesetzt wurden: 20 und 50 Korun vom 7. Juni 1919.


Zu finden ist die Gravur über viele Jahrzehnte auf weiteren Banknoten und Wertpapieren sowie Souvenirkarten:

  • USA/VA, Banknote: 20 Dollars 1861, Bank of Pittsylvania

  • USA/PA, Gutschein: 10 Cents 186_, Sutler G. Richard

  • Chile, Aktie: 500 Pesos 18__, Banco Agricola

  • Uruguay, Banknote: 10 Pesos 1888, Banco de España

  • USA/KS, Aktie: 25 Dollars 1888, Southern Kansas Railway Co.

  • Brasilien, 20 Mil Réis 1890, Banco Nacional do Brasil

  • USA/MA, Aktie: 10 Dollars 1910. Brockton MMCB Co.

  • Kolumbien, Banknote: 15 Pesos 1920, Crédito Caucano

  • USA/RI, Aktie: 10 Dollars 1927, American-British AB Ass.

  • USA/MN, Aktie: 100 Dollars 1986, Minneapolis-Moline Co.



Weitere Banknoten sind bekannt, ebenfalls Aktien, z. B. der Quaker Oats Co., General Mills, Inc., US-amerikanische Schecks der Merchants National Bank (Helena/MO 1888), der Genesee Valley National Bank (New York/NY 1900), der First National Bank (Parkersburg/WV 1881) sowie Werbedrucke/Werbeplakate der Prager Wertpapierdruckerei DAS (Dokumentační akciová společnost).

Auch für das Silberzertifikat 1 Dollar 1899 schuf Fred Smillie die auffällige Gravur des Weißkopfseeadlers auf dem Sternebanner mit dem Washingtoner Capitol im Hintergrund sowie die Porträts der Präsidenten Lincoln und Grant.


Abb. 11: Vignette für den Silber-Dollar 1899 mit der Unterschrift G. F. C. Smillies und dem Datum 1897.



Abb. 12: Proof 1 Dollar 1899, Vs., mit den Unterschriften J. W. Lyons und Ellis H. Roberts.



Als letzte bedeutende Arbeit von G. F. C. Smillie in der US-Staatsdruckerei BEP zählt man das Porträt George Washingtons – die Vorlage dafür war das unvollendete Gemälde aus dem Jahre 1796 von Gilbert C. Stuart.


Abb. 13: Vignette des Porträts von George Washington auf der Vorderseite des 2 Silber-Dollars von 1899, danach wurden über Jahrzehnte die 1-Dollar-Noten mit diesem Bildnis versehen (1918 bis 2023).


Abb. 14: 2 Dollars 1899, Vs., Silver-Dollar mit den Unterschriften J. W. Lyons und Ellis H. Roberts.


Abb. 15: 1 Dollar 1923, Vs., Staatsnote mit den Unterschriften H. V. Speelman/ Frank White (1923–1927).



David Smillie, Großvater von Fred Smillie, arbeitete im schottischen Edinburgh als Silberschmied und seine Nachfahren hinterließen bedeutende Arbeiten.

Dessen Sohn James Smillie (und Onkel von Fred Smillie) war das begabteste von allen neun Kindern. Seit früher Kindheit interessierte er sich für die Gravuren, die sein Vater auf Silberwaren anfertigte und zeigte ausgeprägte Fähigkeiten beim Skizzieren und Gravieren.

Nach 1836 fertigte James Smillie Gravuren für Banknoten in der Druckerei Rawdon, Wright & Hatch an; ebenbso für die National Bank Note Company (1861–68) und für die American Bank Note Company (1868-85). Vor seiner Zusammenarbeit mit der NBNCo. war er Teilhaber der Firma Rawdon, Wright, Hatch & Smillie (1841-43), die sich ausschließlich der Bildgravur von Banknoten widmete. Stellvertretend soll ein bekanntes Motiv gezeigt werden – als Vorlage dienten Gemälde des Schweizer Künstlers Karl Bodmer, der in seiner Zeit in den USA einige Jagdszenen malte.


Abb. 16: Gemälde „Indians Hunting the Bisons“ erstmals abgedruckt in „Graham’s Magazine“ 4/1845 bei Rawdon, Wright & Hatch.


Abb. 17: 1 Dollar 1840, Vs., State Bank of Illinois, gedruckt bei Rawdon, Wright & Hatch New York.



Einen Monat vor seinem Tod am 4. Dezember 1885 schuf James Smillie seine letzte Arbeit, die Gravur „Lions at Home“, datiert vom 6. November 1885.


Abb. 18: Gravur, bei der ABNCo unter Vignette Nr. V 44584 registriert.


Abb. 19: 20 Mil Reis 1891, Rs., Specimen.


Abb. 20: 500 Pesos 1913, Vs., Banco de Londres y Mexico.



James David Smillie (Cousin von Fred Smillie) zeigte schon früh Interesse und Begabung für das Zeichnen und Gravieren. In beiden Bereichen wurde er von seinem Vater James Smillie ausgebildet. Bereits aus dem Jahr 1851 sind von dem damals 18-Jährigen verschiedene Geldscheine bekannt, die bei Rawdon, Wright, Hatch & Edson gedruckt wurden.

Später arbeitete er für Toppan, Carpenter & Co., für die National Bank Note Co. sowie für die American Bank Note Co. (ABNC).

Bekannt sind von ihm auch die realisierten Noten der Bank of Brantford/Kanada und der als Remainder vorliegende Schein der Bank of Michigan.


Abb. 21: 5 Dollars 18__, Vs., Quinnipiack Bank, New Haven/Conn., gedruckt bei Toppan, Carpenter & Co. New York.


Abb. 22: 4 Dollars 1. November 1859, Vs., Bank of Brantford, gedruckt bei der ABNCo.


Abb. 23: 3 Dollars 18__, Vs., Bank of Michigan, gedruckt bei der ABNCo New York, mit Signum „Smillie“ rechts unten vom Mai 1861.



Interessant ist seine Bleistift-Radierung von der Dresdner Frauenkirche mit dem historischen „Gasthaus zum Grünen Baum“. Er arbeitete auch als Landschaftsmaler.


Abb. 24: Ansicht der Münzgasse in Dresden mit Blick auf die Frauenkirche,

mit der Signierung James D. Smillie, 1908.



Auch William Cumming Smillie (dritter Sohn vom „Gründervater“ James Smillie und weiterer Onkel von G. F. C. Smillie) war ebenfalls Graveur und Spezialist für Ornamente und Schriftzüge und einer der Gründer der British American Bank Note Co. in Kanada.

Seine Hauptarbeiten waren Stiche für die Briefmarkenproduktion.


Abb. 25: Stammbaum der Familie Smillie.



Auf dem Gebiet der Banknoten- und Briefmarken-Gravuren betätigten sich außerdem William Maine Smillie, George Henry Smillie und Walter de Forrest Smillie, Adoptivsohn von William C. Smillie. Charles Smillie war hingegen ein bekannter Fotograf seiner Zeit.


Michael H. Schöne


Quellen:

Rollins, Roland: „The Reapers Vignette by ABNC Revisited“

Smedley, Glenn B. „The Smillie family: American engravers and painters“, Numismatist Nr. 7/1958

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