Geldscheine zum D-Day

An die Landung der Alliierten an der normannischen Küste in Frankreich erinnern sich jährlich viele Menschen zum 6. Juni, dem sog. D-Day. Während der „Operation Overlord“ gingen 1944 Truppen der USA, Großbritanniens und Kanadas von England aus an die feindlichen Strände.


Abb. 1: Landung amerikanischer Truppen am 6. Juni 1944 am Omaha Beach (Quelle: National Infantry Museum Foundation, Columbus, USA).

Zum Gedenken daran gibt es eine handvoll „fancy notes“ aus den USA und Frankreich, aber auch Sondermünzen aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Belgien, der Tschechischen Republik und Neuseeland.


Abb. 2/3: 1 Million Dollar 2015, Vs. General Eisenhower, Rs. Szenen der Landung US-amerikanischer Truppen.


Abb. 4: 0-Euro-Souvenirschein 1917 zum D-Day, Landkarte mit den Code-Namen Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword für die jeweiligen Landungsstrände nördlich von Caen.


Abb. 5/6: 2 Euro 2014, Sondermünze Frankreich (links); 2 Dollars 2019, Sondermünze Kanada (rechts).

Außer den US-amerikanischen, britischen und kanadischen Seeleuten, Soldaten und Fliegern kamen auch französische Einheiten bei der Landung im Juni 1944 zum Einsatz. Und sie brachten Geldscheine mit, die in den USA gedruckt waren. Noch in England wurde der Sold an alle Alliierten in französische Francs ausgezahlt, die zuvor noch niemand gesehen hatte.


Abb. 7: Männer der 5. Fallschirmbrigade betrachten das Geld, welches sie auf dem französischen Festland verwenden werden (fotografiert am 3. Juni 1944 auf dem englischen Flughafen Faiford bei Swindon in Gloucestershire).


Vorgeschichte:

Im Dezember 1943 traf man in Washington die Entscheidung zum Druck einer „Special Invasion Currency“ für die Verwendung bei der Besetzung europäischer Länder durch US-amerikanische und britisch-kanadische Truppen. Zuvor hatte der britische Botschafter dem US State Department gemeldet, daß die Londoner Regierung eine französische Landeswährung bevorzuge, die vom Französischen Komitee der Nationalen Befreiung zu genehmigen sei. Dadurch verzögerte sich die Entscheidung über die Geldschein-Frage für einige Wochen. Ende Januar 1944 erinnerte der britische Kriegsminister Sir James Grigg den mittlerweile zum SHAEF-Oberbefehlshaber ernannten General Dwight D. Eisenhower an die Klärung der Währungsfrage mit den Franzosen. Bis Anfang Mai 1944 wurde keine Einigung erzielt. Ende Mai schlug Eisenhower „eine Lösung der Verzweiflung“ vor und ließ eine Proklamation vorbereiteten. In dieser sollten neben den kursierenden französischen Francs-Noten („Metropolitan Francs“ = „Francs métropolitaine“) auch die Geldscheine der Alliierten („Supplemental French Francs Currency“ = „Francs français complémentaires“) zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärt werden. Die Proklamation sollte entsprechend der Frontlage veröffentlicht werden und die Franzosen über die „Zusätzlichen Französischen Francs“ informieren. Man stellte den Franzosen ein Ultimatum bis zum 28. Mai 1944.

Der Oberbefehlshaber und sein Stabschef bezweifelten zwar ihr Recht auf eine solche Verkündung und die Verwendung des Invasionsgelds – da war das Geld aber längst gedruckt und lag in England bereit.

Der Auftrag zum Druck für diese Geldscheine vergab das US-Kriegsministerium über das US-Finanzministerium und die Staatsdruckerei an die Privatdruckerei Forbes. In der geheimen „Operation Tom Cat“ wurden drei Lieferungen der „Supplemental Francs“ von New York aus über England nach Frankreich verschifft: die erste Lieferung am

15. Februar 1944, die letzte am 27. Juni 1944.


Abb. 8: Verpackung der „Supplement French Francs“ unter Aufsicht des Secret Service in der Druckerei Forbes – gut zu sehen sind Kisten mit je 32.000 Scheinen zu 100 Francs „XF 32/TOMCAT“.


Schon Tage vor der Invasion wurden die Truppen mit französischen Francs versorgt. Zum einen waren das die gültigen Francs-Noten der Banque de France und zum anderen die eigens in den USA gedruckten Geldscheine.

Vor dem D-Day kam General de Gaulle nach London und wurde von der bevorstehenden Landung der Alliierten informiert. Er brachte seinen Groll über die kleine Menge an vorhandenen BdF-Noten und die Unmenge an „Zusatz-Francs“ zum Ausdruck, sah das Vorrecht des Komitees beeinträchtigt und verbot die Übersetzung von 180 französischen Verbindungsbeamten auf das Festland. General de Gaulle lenkte bei der Währungsfrage nicht ein und sah sich verletzt, da in der Proklamation weder sein Name noch das Französische Komitee der Nationalen Befreiung erwähnt wurden und er „eine Art Übernahme der Macht in Frankreich durch ein Alliiertes Militärkommando“ vermutete. Er warnte außerdem davor, daß „die Ausgabe einer sogenannten französischen Währung in Frankreich ohne Zustimmung der fran-zösischen Behörden zu ernsthaften Komplikationen führen würde.“

Um die Kriegslage nicht zu beeinträchtigen, entschlossen sich US-Amerikaner und Briten zur Ausgabe des Invasionsgelds und der Festland-Francs. Die Währungsfrage spitzte sich Wochen später derweil immer mehr zu.


Abb. 9/10: 5 Francs Serie 1944, Vs. und Rs. mit Graffiti von Angehörigen des 5. US-Ranger-Bataillons, Datum: 6. Juni 1944 (Quelle: https://theddaystory.com Portsmouth, GB).


Abb. 11: Navy-Offizier Joseph P. Vaghi erklärt französischen Dorfbewohnern den Wert des Invasionsgelds (fotografiert am 19. Juni 1944 in St.-Laurent-sur-Mer/Omaha Beach).


Am 14. Juni 1944 kam François Coulet, ein Kommissar der erst zehn Tage zuvor in Algier ausgerufenen Provisorischen Republik, in die Normandie und wurde von der Bevölkerung stürmisch empfangen. Verwundert sah er erstmals die neuen Geldscheine vom „Typ Dollar“ und riet den Banken, dieses Geld nicht wieder in Umlauf zu bringen.

Der Legende nach soll General Charles de Gaulle nach seinem Eintreffen am 27. Juni 1944 in Frankreich mit der Faust auf den Tisch geschlagen und das Alliiertengeld mit der Trikolore auf den Rückseiten der Scheine als „Falschgeld“ bezeichnet haben; er verbot deren Umlauf. Beim Treffen de Gaulles mit US-Präsident Franklin Roosevelt am 6. Juli 1944 erpresste man die Franzosen. Roosevelt gab de Gaulle unmissverständlich zu verstehen: falls das französische Volk das Invasionsgeld nicht akzeptiere, würde er General Eisenhower ermächtigen, statt dessen „Yellow-Seal-Dollars“ der US-Amerikaner und „BMA“-Noten der Briten in Umlauf zu bringen – de Gaulle wäre dann für mögliche negative Auswirkungen verantwortlich. Danach lenkte General de Gaulle ein, forderte aber den Druck neuer Scheine mit der Auftragserteilung durch die Franzosen. Seine erhoffte Anerkennung als oberster französischer Staatschef durch die Alliierten erfüllte sich nicht.


Abb. 12: 50 Francs 1944, Musterschein mit Null-Numerierung.

Abb. 13: Rs. Ausgabe der „Supplemental Francs“, 50, 100, 500, 1.000 und 5.000 Francs 1944.

Abb. 14: Neue Rs. Ausgabe der „Committee French Francs“, ebenfalls von 50 bis 5.000 Francs.


Darüber hinaus sagte General de Gaulle, dass er über das Radio ankündigen würde, dass das Volk die Scheine nicht annehmen sollte, wenn das alliierte Hauptquartier dieses Geld ausgeben würde.

Die Verhandlungen zwischen den USA-Amerikanern und dem CFLN (Comité français de Libération nationale) ergaben Vereinbarungen zum Druck neuer Geldscheine noch 1944. Vier Druckaufträge Frankreichs gingen in die USA: der erste wurde vom CFLN erteilt, die anderen von der im August 1944 gebildeten GPRF (Gouvernement provisoire de la République française). Schon im Juli 1944 standen 104.000.000 „Flaggenscheine“ in 3.250 Holzkisten bei der Federal Reserve Bank of New York für den Transport nach Europa bereit.

Sie wurden fortan weiter verwendet und sollten bis zum Eintreffen neuer, geänderter Scheine (Rückseitenaufdruck „FRANCE“ statt der Trikolore) gesetzliche Zahlungsmittel bleiben. Die großformatigen Scheine liefen bis zum 15. Juni 1945 um und wurden durch die „Committee French Francs“ (auch „Provisional French Francs“, ohne den Aufdruck „ÉMIS EN“) ersetzt. Die kleinformatigen zu 2, 5 und 10 Francs blieben bis Juli 1946 in Umlauf.

Die erste Lieferung erfolgte am 31. August 1944, die Restlieferung am 2. Oktober 1945. Die Scheine waren in acht Kartons zu je 4.000 Stück in Kisten verpackt. Auf denen war der Codename „Mushroom“ der Operation aufgebracht. Im November 1944 befanden sich nochmals 10.000 Kisten mit insgesamt 320.000.000 Scheinen in einem New Yorker Wertdepot.

Deshalb unterscheidet man heute zwischen „Billets drapeau“ und „Billets France“. Alle Scheine wurden auf dem bekannten Wasserzeichenpapier mit „ALLIED MILITARY AUTHORITY“ gedruckt; sie tragen ebenfalls das Druckerzeichen „F“ für Forbes. Die kleinwertigen Scheine zu 2, 5 und 10 Francs wurden in der Folgeserie nicht wieder gedruckt.


Abb. 15: Francs 1944, 27 mm Ø, Messing.


Neben den beiden Serien der US-Amerikaner wurden später auch die im Juni 1945 in England gedruckten 500 und 1.000 Francs o. D. (1945) „Typ Marianne“ ausgegeben.

Eine weitere Besonderheit sind die 2-Francs-Münzen, die 1944 in der Philadelphia Mint geprägt wurden. Einen offiziellen Auftrag zur Herstellung hat es angeblich nie gegeben. Weder das US-Kriegsministerium noch die Franzosen hatten solche Münzen bestellt; auch die Briten kommen als Auftraggeber nicht infrage. Angeblich waren es Privatpersonen, die für diese Münzen verantwortlich sind, sie wurden über Marokko und Algerien dennoch nach Frankreich gebracht. Es wurden 50 Millionen Stück geprägt, die man 1949 aus dem Zahlungsverkehr nahm.


Michael H. Schöne

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