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Geldscheinporträts: Lenin – Zum 100. Todestag

Aktualisiert: 30. Jan.

Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen.

​Geburtsname:

Wladimir Iljitsch Uljanow (Kampfname "Lenin")

Zur Person:

Politiker, kommunistischer Revolutionär, marxistischer Theoretiker

​Nationalität:

Russisch

​Lebensdaten:

22. April 1870 – 21. Januar 1924

​Geburtsort:

Simbirsk (ab 1924 Uljanowsk)

​Sterbeort:

Gorki bei Moskau

Wladimir Iljitsch Lenin (1920), Abb. gemeinfrei, restauriert mit KI.


Man würde sarkastisches Gelächter ernten, wollte man heute ernsthaft vorschlagen, "Lenin" einer Reaktualisierung zu unterziehen. Sein Name ist untrennbar mit der „stalinistischen Wende“, dem roten Terror und den Leiden des „real existierenden“ Sozialismus verbunden. Doch jenseits propagandistischer Umdeutungen seines Lebens ist es auch heute, 100 Jahre nach seinem Tod, lehrreich, sich mit ihm zu beschäftigen.

Wie kaum ein anderer hat er den Verlauf des 20. Jahrhunderts geprägt.




Der junge Lenin

Lenin - eigentlich Wladimir Iljitsch Uljanow - wurde 1870 in Simbirsk geboren. Im zaristischen, agrarisch geprägten, rückständigen Russland wuchs er in einer großbürgerlichen Intellektuellenfamilie auf. In seiner Jugend galt er als Musterschüler, legte seine Abschlussprüfungen mit Auszeichnung ab und war stets Jahrgangsbester. 1887 kam ein Bruch in sein Leben. Sein Bruder Alexander hatte als Student mit einer revolutionären Gruppe ein Attentat auf den Zaren vorbereitet. Der Plan flog auf und Alexander wurde hingerichtet. Die Familie Uljanow war fortan geächtet. Doch nicht nur der Tod seines Bruders prägte das Leben von Wladimir Iljitsch Uljanow, sondern auch die Lektüre marxistischer und sozialrevolutionärer Werke. Auch den exilierten Schriftsteller Nikolai Tschernyschewski, der für eine klassenlose Gesellschaft eintrat, verehrte Lenin sehr. In seiner Brieftasche trug er zeitlebens ein kleines Porträt von ihm. Lenin widmete sein Leben dem revolutionären Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft und die russische Zarenherrschaft.


Lenins Schicksal als Revolutionär

In den folgenden Jahren studierte Lenin Rechtswissenschaften in Kasan. Der Zugang zur Universität in St. Petersburg wurde ihm aufgrund der Vergangenheit seines Bruders verwehrt. Das Jurastudium war nur eine Nebenbeschäftigung. Unermüdlich setzte er sein Studium der marxistischen Theorie fort und beteiligte sich an Aufständen und Demonstrationen. Lenin begann auch eigene Schriften zu verfassen und tauschte sich mit politischen Mitstreitern wie Georgi Plechanow aus. 1895 gründete er den "Petersburger Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse". Als er im selben Jahr die illegale Zeitung "Die Sache der Arbeiter" vorbereitete, wurde er verhaftet. Das Urteil: 1000 Tage Verbannung nach Sibirien. Die Zeit in Sibirien versuchte er so produktiv wie möglich zu nutzen. In Sibirien heiratete er Nadeschda Krupskaja, eine politisch Gleichgesinnte, die ihn sein Leben lang begleiten wird.


Im Exil

Nach seiner Verbannung verließ Lenin wie viele andere russische Revolutionäre seine Heimat. Er ließ sich in München Schwabing nieder. Dort verfasste er eine seiner bekanntesten Schriften: "Was tun?". Darin beschäftigte er sich mit strategischen Fragen, die seine Erfahrungen mit der Repression im zaristischen Russland und seine Überlegungen zum Zustand der Sozialdemokratischen Partei Russlands widerspiegelten. In dieser Schrift kritisierte er vor allem die Strömungen, die er als ökonomistisch und syndikalistisch bezeichnete. Diese beschränkten sich auf den gewerkschaftlichen Kampf um bessere Arbeitsbedingungen in den Betrieben, während für Lenin auch der politische und theoretische Kampf von zentraler Bedeutung war. Lenins Ziel war es, die Ursache der Ausbeutung, das kapitalistische Lohnarbeitssystem, abzuschaffen. Seinen Parteigenossen warf er theoretische Beliebigkeit und Unschärfe vor. Lenin argumentierte, dass das revolutionäre Bewusstsein von außen in die Arbeiterschaft getragen werden müsse und forderte deshalb eine Kaderpartei mit Berufsrevolutionären.

Diese Auseinandersetzungen blieben nicht ohne Folgen: Auf dem Parteitag der russischen Sozialdemokraten 1903 in London trieb Lenin die faktische Spaltung der Partei voran. Er bezeichnete seine Anhänger als "Bolschewiki" (Mehrheitsfraktion) im Gegensatz zu den "Menschewiki" (Minderheit). Als 1905 in Russland ein landesweiter Aufstand gegen das Zarenregime ausbrach, jubelte Lenin. Doch bald erkannte er, dass die Hoffnungen der Bolschewiki unbegründet waren und mahnte zur Geduld. Die Revolution scheiterte, der Zar war zu Reformen bereit und konnte das Volk besänftigen.

Die nächsten Jahre verbrachte Lenin in Helsinki, Paris und Genf. Die politische Verfolgung zwang ihn zu ständigen Ortswechseln. Er widmete sich wieder verstärkt seinen marxistischen Studien. 1912 gab er die erste Ausgabe der "Prawda" (Wahrheit) heraus.

1916 veröffentlichte er die Schrift "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus".

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs schockierte Lenin. Mit Bestürzung nahm er die „vaterländische Linie“ der sozialdemokratischen Parteien Europas zur Kenntnis.

Lenin vermutete zunächst sogar, dass die Ausgabe des "Vorwärts", der von der SPD herausgegebenen Tageszeitung, die über die Zustimmung der Sozialdemokraten im Reichstag zu den Kriegskrediten berichtete, eine Fälschung der Ochrana, der russischen Geheimpolizei, sei, um die russischen Arbeiter zu täuschen. Er erkannte jedoch, dass im Chaos des Weltkrieges die Chance für eine Revolution liegen könnte.


Reise im plombierten Wagen

Februar 1917: Der Krieg hat seine Spuren hinterlassen. Russland befand sich in einer desolaten Lage, Unzufriedenheit machte sich breit. Die Proteste sind nicht mehr einzudämmen. Schließlich musste der Zar abdanken. Es bildete sich eine Doppelregierung aus Duma und Petrograder Sowjet.

Lenin war als halb-anonymer politischer Emigrant in Zürich gestrandet. Er hatte keine verlässlichen Kontakte nach Russland und erfuhr von den Ereignissen hauptsächlich aus der Schweizer Presse. Der Niedergang der Bolschewiki, die während des Krieges nicht zum Kampf gegen die Deutschen, sondern gegen die eigene Regierung aufgerufen hatten, und die Verfolgung durch die Ochrana hatten tiefe Spuren hinterlassen. Aber Lenin erkannte sofort die revolutionäre Veränderung. Er wusste, wenn er diesen Moment nicht nutzte, war die Chance vertan, vielleicht für Jahrzehnte. Er drängte auf eine Wiederholung der Februarrevolution. Sogar das Zentralkomitee seiner eigenen Partei machte sich über ihn lustig. Nach der bürgerlichen Revolution und dem Sturz des Zaren war Russland eines der demokratischsten Länder Europas mit einem beispiellosen Maß an Massenmobilisierung, Organisations- und Pressefreiheit. Doch Lenin blieb hartnäckig und verschriftlichte seinen Aufruf später in den sogenannten "Aprilthesen", in denen er unter anderem die Beendigung des Krieges, den Sturz der Regierung und „Alle Macht den Sowjets“ forderte. Dazu musste Lenin allerdings erst nach Russland reisen. Die Triple Entente lehnte seinen Visumsantrag ab. Erst das deutsche Auswärtige Amt ermöglichte die Reise. In einem Telegramm an die Oberste Heeresleitung schrieb dies: „Da wir ein Interesse daran haben, dass der Einfluss des radikalen Flügels in Russland die Oberhand gewinnt, erscheint eine eventuelle Durchreiseerlaubnis durch Deutschland angezeigt“.

Am Nachmittag des 9. April 1917 fuhr der Zug mit dem russischen Revolutionär und seinem Gefolge von Zürich über Mannheim, Frankfurt am Main und Berlin und erreichte am 10. April Saßnitz auf Rügen. In Petrograd wurde Lenin von seinen Anhängern empfangen. Seine "Aprilthesen" verbreiteten sich schnell. Als ihm ein Hochverratsprozess drohte, tauchte Lenin unter. Er setzte seine Aktivitäten aber intensiv fort. Die Auflage der "Prawda" stieg auf über 100.000 Exemplare. Lenin gelang es mehr und mehr, seine Parteigenossen von seinen Plänen zu überzeugen. Die Bolschewiki bereiteten nun den bewaffneten Aufstand vor, ihr zentraler Stratege war Leo Trotzki.

Der eigentliche Umsturz im Oktober 1917 verlief dann friedlicher als erwartet, die Garnisonen waren nicht bereit, die bürgerliche "Februarregierung" zu verteidigen. Am 8. November 1917 verkündete Wladimir Iljitsch Lenin die Umsturzdekrete, darunter das "Dekret über den Frieden", das Friedensverhandlungen mit den Mittelmächten ankündigte und zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk führte.


Nach der Revolution

Lenin wurde zum Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare gewählt. Die zentrale Frage war nun die Stabilisierung und Durchsetzung gegen die Gegner der Revolution. Dabei ging Lenin mit aller Härte vor, schreckte nicht davor zurück, Exempel zu statuieren und Hinrichtungen anzuordnen. Schon im Januar 1918 begann der Bürgerkrieg. Im ganzen Land kämpften bewaffnete Gruppen gegen die Pläne der Bolschewiki. Hauptgegner war die „Weiße Armee“ aus ehemaligen Offizieren, die für eine Militärregierung oder die Wiederherstellung der Monarchie eintraten. Unterstützt wurden sie von Teilen der Landbevölkerung, die sich durch die Bodenreform benachteiligt fühlten.

Ein wesentlicher Faktor für den Sieg der Bolschewiki war der Aufbau der "Roten Armee", die Trotzki ab Januar 1918 organisierte. Dabei griff er auf ehemalige zaristische Offiziere als Berater zurück, deren Familien er als Geiseln nehmen ließ, um sich ihre Loyalität zu sichern.

Am 29. Mai 1918 wurde die Wehrpflicht wieder eingeführt, Rangabzeichen, militärische Grußformen, Disziplinarstrafen bis hin zur Todesstrafe kamen hinzu. Trotzki erwies sich als begnadeter Militärstratege, der mit seinem berühmten Eisenbahnzug von Kriegsschauplatz zu Kriegsschauplatz eilte. Lenin war bereit, die Revolution mit eisernem Willen zu verteidigen. Der von Lenin geleitete Rat der Volkskommissare hielt es für notwendig, „die Sowjetrepublik von den Klassenfeinden zu säubern und sie deshalb in Konzentrationslagern zu isolieren. Alle Personen, die mit weißgardistischen Organisationen, Verschwörungen und Aufständen in Verbindung stehen, sind zu erschießen“. Der „rote Terror“ begann. Die Geheimpolizei Tscheka wurde gegründet und mit weitreichenden außergerichtlichen Vollmachten ausgestattet. Die Todesstrafe, die die Bolschewiki wie alle sozialistischen Parteien bis dahin konsequent abgelehnt hatten, wurde zum normalen Mittel der Unterdrückung sogenannter "Klassenfeinde". Wer als Klassenfeind galt, war unklar.

Im Juni 1918 wurden auch Sozialrevolutionäre und Menschewiki zu „Konterrevolutionären“ erklärt. Die Sozialrevolutionärin Fanny Kaplan verübte schließlich im August 1918 ein Attentat auf Lenin. Sie hielt ihn für einen „Verräter der Revolution“. Lenin erholte sich nie ganz von diesem Attentat. Die Kugel wurde erst 1922 aus seinem Hals entfernt, das Blei vergiftete ihn immer mehr. 1922 erlitt er einen ersten Schlaganfall. Schon vor seinem Tod gab es Ansätze zu einem Personenkult um ihn, der ihm sehr zuwider war. Die wachsende Macht Josef Stalins bereitete ihm Sorgen: „Genosse Stalin hat, indem er Generalsekretär geworden ist, eine unermessliche Macht in seinen Händen konzentriert, und ich bin nicht überzeugt, dass er es immer verstehen wird, mit dieser Macht vorsichtig genug umzugehen.“ Als Nachfolger hielt er ihn für ungeeignet: „Stalin ist zu grob.“ Er beklagte auch die Bürokratisierung. Beides – Stalin und Bürokratie – konnte Lenin nicht mehr verhindern. Am 21. Januar 1924 starb Wladimir Iljitsch Lenin im Alter von nur 53 Jahren. Nach seinem Tod entwickelte sich ein Personenkult um ihn. Sein Leichnam wurde einbalsamiert, ein Mausoleum errichtet. Er wurde in eine Reihe mit Karl Marx und Friedrich Engels gestellt.



Staatsbank der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken: 3 Tscherwonez von 1937 mit Porträt von Wladimir Iljitsch Lenin, Vorder- und Rückseite, Abb. Sammlung Grabowski.


Im heutigen Russland spielt Lenin keine große Rolle mehr. Sein Erbe ist verblasst, von kommunistischen Visionen ist wenig zu spüren. Für Putin dient Lenins Politik als Feindbild, um den Krieg in der Ukraine zu rechtfertigen. Er behauptet sogar, Lenin und die Bolschewiki hätten den ukrainischen Staat erst geschaffen.


Elias Heindl

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