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Katalog zu den Wertscheinen der französischen Wirtschaftsunionen


Jacques Dutang, alias Kajacques:

Les Billets des Unions Economiques

Supplément: Les Monnaies Fondantes


315 Seiten, Broschur, durchgehend farbig bebildert,

Format 21 cm x 29,7 cm,

Eigenverlag 2025, Preis: 38,00 €.

ISBN 979-10-415-7170-3







Welcher Sammler kennt das nicht, da hat man einen Schein in Händen und weiß nichts rechtes damit anzufangen, weil man seine Bedeutung nicht kennt und ihn auch in keinem Katalog findet. Die Billets des Unions Economiques gehören sicherlich zu dieser Kategorie. Im vergangenen Jahr erschien das Buch von Jacques Dutang, alias Kajacques, der dieses Sammelgebiet in einem reich bebilderten Katalog vorstellt. Gleich im ersten Satz seiner kurzen Einführung räumt er mit alten Vorurteilen auf. So schreibt er:

Die fälschlicherweise als „Warenbons“ bezeichneten Geldscheine der Wirtschaftsunionen sind keine beim Kauf gewährten Rabatte. Es handelt sich auch nicht um „Notgeld“, da sie nicht ausgegeben wurden, um einen Bargeldmangel auszugleichen. Danach erklärt er, was es mit diesen Wertscheinen auf sich hat. Es folgt die Übersetzung des Einführungstextes: 1789 hatte die Revolution die Zünfte der Kaufleute zerstört, und es kam zu einer Rückkehr zum Individualismus. 1885 kam der Verkauf auf Abonnementbasis auf. Überall wurden „Handelshäuser” eröffnet, die von Fremden in der Stadt betrieben wurden. Sie verkauften alle Arten von Waren und boten Kreditmöglichkeiten an. Auf diese Weise wandte sich die Kundschaft vom kleinen Einzelhandel in ihrer Nachbarschaft ab. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden Filialisten, die über enorme finanzielle Mittel verfügten. (Au Bon Marché, Les Grands Magasins du Louvre, La Belle Jardinière, La Samaritaine, Manufrance, Les Galeries Lafayette … etc.) Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, wurden die Unions Economiques gegründet. Dabei handelt es sich um Finanzinstitute (Aktiengesellschaften), die Kunden akquirieren, ihnen Kredite gewähren und die Rückzahlung einziehen, jedoch ohne Zinsen. Mit den ausgestellten Wertscheinen kann man bei jedem der Union angeschlossenen Händler einkaufen und zahlt denselben Preis wie ein Barzahler. Der Vorteil für den Kunden ist also ein kostenloser Kredit in den Geschäften in seiner Nähe. Für den Händler bedeutet dies eine Steigerung seines Umsatzes, auch wenn er einen Beitrag an die Union abführt, wenn er die erhaltenen Banknoten zurückerhält. Dieser Beitrag deckt die Betriebskosten der Organisation. Alle Scheine der angeschlossenen Unions tragen den Vermerk: „Ich habe heute in dem auf der Liste der Lieferanten der Gesellschaft aufgeführten Geschäft Waren im Wert von X Franken ausgewählt“. GESCHICHTE: Es ist allgemein anerkannt, dass die erste Union 1901 in Lille gegründet wurde. Die Union von Limoges wurde zwar bereits 1881 gegründet, war jedoch ursprünglich nur ein Genossenschaftsladen für ihre Mitglieder und keine Vereinigung von Händlern. Eine der aktivsten war zweifellos die Union Economique de Saint-Quentin (Somme), die 1903 gegründet wurde und 1975 unter dem Namen „Société Picarde de Crédit U.E.“ verschwand. Sie übernahm unter anderem die Union Economique de Bevauvais und wurde 1975 selbst vom Crédit Moderne de Marseille übernommen, der auch die Unions de Nice, Toulon, Dijon und Boulogne sur Mer übernahm. Die Union des Saint-Quentin umfasste 120 Geschäfte und etwa hundert Mitarbeiter für 30.000 Kunden. Nur wenige von ihnen überstanden die Umstellung auf den Neuen Franc. DER VERBAND: Der erste Kongress der Wirtschaftsverbände fand 1906 in Tarbes auf Initiative des Wirtschaftsverbands von Tarbes statt, und der Verband der Wirtschaftsverbände und ähnlicher Gesellschaften Frankreichs wurde 1907 auf dem Kongress von Clermont-Ferrand offiziell gegründet. Im Jahr 1926 zählte der Verband 62 Mitgliedsverbände und erkannte 18 ähnliche Gesellschaften an. Für viele von ihnen habe ich noch keine Hinweise auf die Existenz von Wertscheinen gefunden.

Die Bons der Wirtschaftsunionen werden erstmals in ihrer Gesamtheit untersucht. Bislang wurde noch kein Buch zu diesem Thema veröffentlicht. Dutang listet und beschreibt im Katalog 507 Bons von 113 Emittenten aus 75 französischen Städten. Ein großer Teil der Wertzeichen wird farbig in Originalgröße abgebildet. Bei jedem Emittenten wird die genaue Bezeichnung des Unternehmens, der Firmensitz und meist das Unternehmenskapital genannt. Ferner wird oft auch die Druckerei genannt, die die Scheine herstellte. Es folgt eine Angabe der Maße der Bons. Bei zahlreichen Ausgaben wird auch die Anzahl der bekannten Stücke sowie die niedrigste und höchste bekannte Kontrollziffer angegeben. Die Billets des Unions Economiques haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den deutschen Kreditscheinen.

Der Anhang mit den französischen Schwundgeld-Ausgaben rundet den Katalog ab. Das erste Experiment fand in Frankreich 1934/35 in Nizza (Les Valores) statt. Am 26. April 1956 gründeten Georges Lardeau und Pierre Tournadere die „freie Gemeinde Ligières en Berry” und verteilten Rabattgutscheine auf Messen und Märkten. Da diese Gutscheine nur sehr wenig zirkulierten, führten sie „Bons d’achat“ (Einkaufsgutscheine) nach dem Vorbild des Valors ein. 1957 startete Marans in der Charente Maritime die gleiche Aktion. Diese Experimente endeten 1958 unter dem Druck der Steuerbehörden und der Banque de France.


Für Sammler französischer Geldscheine ist dieser Katalog ein Muss, aber auch allen anderen, die über den Tellerrand blicken wollen, kann er nur wärmstens empfohlen werden. Dass der Autor auf Bewertungen verzichtet hat, schmälert den Wert des Katalogs nicht.

Das Buch kann zum Preis von 38 € plus 5 € Versandkosten direkt beim Autor bezogen werden: https://www.kajacques.fr.


Uwe Bronnert

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