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Leserpost: "Buschnoten" von Deutsch-Ostafrika mit Druckfehler "Daressalan"

Aktualisiert: vor 3 Stunden

Hallo Herr Besler,

mir ist bei den "Buschnoten" zu einer Rupie von Deutsch-Ostafrika ein Schreibfehler aufgefallen.


In der Anlage sind Bilder des Druckfehlers "n" statt "m" in "Daressalam" wie zuvor beschrieben und klar erkennbar bei DOA-38b und c. Ich besitze die Scheine nur einmal und kann über die Häufigkeit keine Aussage machen.

Viele Grüße

R. Schwalier


Antwort der Redaktion

Die "Interims-Banknoten" der Deutsch-Ostafrikanischen Bank aus der Zeit des Ersten Weltkriegs inkl. der sog. "Buschnoten" sind wegen ihrer Geschichte und der Vielfalt an Ausführungen und Varianten ein besonders interessantes Sammelgebiet, in dem man immer wieder neue Entdeckungen machen kann. Besonders früh und intensiv hat sich damit

Dr. Arnold Keller beschäftigt, von dem sein Katalog "Das Papiergeld der deutschen Kolonien" in mehreren Auflagen erschien. Bereits 1925 erschien in der Zeitschrift "Das Notgeld" von ihm ein Artikel unter dem Titel "Das Kriegsnotgeld von Deutsch-Ostafrika". Sein Buch

"Das Papiergeld der deutschen Kolonien", das 1952 in kleiner Auflage im Eigenverlag erchien, bezeichnete er als Neubearbeitung dieses Aufsatzes. Der Katalog erschien dann nochmals 1962 im Eigenverlag und 1967 im Numismatischen Verlag Dombrowski. In seiner Arbeit geht Dr. Keller akribisch auf alle von ihm festgestellten Unterschiede bei den "Interims-Banknoten" ein, weshalb diese – wie auch bei vielen deutschen Notgeldscheinen – bis heute eine unverzichtbare Quelle ist.


In seinem Buch von 1967 schreibt er im Zusammenhang mit den "Buschnoten" der Deutsch-Ostafrikanischen Bank und dem "verstümmelten" Ortsnamen u.a.:

"Buschnoten Mit diesem Namen bezeichnet man die primitiv in der Wildnis hergestellten Noten zu 1, 5, 10 und 50 Rupien, die das Datum des 1. Juli 1917 tragen. Nach dreijährigem Kampf waren die Verteidiger Ostafrikas von der englischen Übermacht schließlich nach dem Süden der Kolonie abgedrängt worden. Der Bedarf an Papiergeld dauerte fort, um so mehr, als die in der Eisenbahnwerkstatt Tabora begonnene Ausprägung von Münzen wieder hatte eingestellt werden müssen. Es bestand aber keine Möglichkeit mehr, Scheine durch Druck herzustellen. Man mußte sich also auf ganz primitive Art helfen. Schon im Mai 1917 hatte man die Herstellung der Buschnoten vorbereitet, jedoch von Metalltypen. Man findet auch wirklich Noten mit scharfem rückseitigem Durchdruck des Satzes auf der Vorderseite, der also nicht von einem Gummistempel stammen kann. Gegen Mitte 1917 gingen die gedruckten Interimsnoten zu Ende. Mit Hilfe einer Gummitypen-Kinderdruckerei, die man als Spielzeug von Farmerkindern gefunden hatte (Schnee S. 286), stellte man nun die Buschnoten […] her."

Zu den 1-Rupien-Scheinen schreibt Keller weiter:

"Der Abdruck dieser Notenstempel ist fast immer unscharf und verschwommen […]. Typenunterschiede finden sich zwar auch, sind aber durch stärkeren oder schwächeren Druck und entsprechende Breitquetschung der Buchstaben leicht zu erklären und daher belanglos. Doch scheint der Ortsname bei dem abgeschrägten Stempel, wenigstens teilweise "Daressalan" (mit n am Ende) zu lauten."

Von einem "Druckfehler" kann man eigentlich nicht sprechen, weil die Scheine nicht gedruckt, sondern gestempelt wurden. Evtl. hat sich das "n" am Ende der Ortsbezeichnung "Daressalem" mit der Zeit so abgenutzt, dass es nur noch als "n" zu lesen war. Es kann aber auch sein, dass es überhaupt nicht mehr nutzbar war und durch ein "n" ersetzt wurde, weil kein "m" mehr in der Kinderdruckerei vorhanden war.


Fakt ist, dass ich selbst so ein Stück noch nicht in der Hand hatte. Auch in der sehr umfangreichen Sammlung Reichert, die als Basis für meine Neu-Katalogisierung des Sammelgebiets diente, war keine Buschnote mit "Daressalan" vorhanden.

Ich kann gern in der Neuauflage meines Katalogs "Die deutschen Banknoten ab 1871", die im Oktober 2026 erscheinen wird, auf diese Besonderheit hinweisen. Ein höherer Preis ist hier sicher gerechtfertigt.


ich wollte eben eine Anmerkung in die Neuauflage des Katalogs zu den deutschen Banknoten ab 1871 (ehem. „Rosenberg“) aufnehmen und habe deshalb meine eigene Sammlung angeschaut. Tatsächlich habe ich auch Exemplare mit „Daressalan“ (DOA-38b und 38f). Meine DOA-38b ist sogar im Katalog abgebildet. Vielleicht haben wir (Herr Reichert und ich) damals bei der Neu-Katalogisierung von DOA auch nicht darauf geachtet. Mir ist es bisher auch nicht aufgefallen gewesen!

Ich nehme die Ausführung mit „Daressalan“ als DOA-38F2 mit Aufpreis + 50 EUR auf!

Wenn es mir bisher nicht aufgefallen ist, obwohl ich selbst solche Scheine in der Sammlung habe, dann schlummern sicher noch viel mehr davon in Sammlungen …

Das ist gleichzeitig ein Aufruf an alle Sammler, selbst mal ihre DOA-Bestände zu sichten!


Zusätzlicher Hinweis: Man kann allerdings in einem Standardkatalog nicht auf alle Besonderheiten eingehen. Das Buch ist ja ohnehin unter meiner Bearbeitung und Autorenschaft schon zu einem beachtlichen Umfang angewachsen.


Hans-Ludwig Besler (Grabowski)


Ankündigung der Neuauflage 2026:


Hans-Ludwig Grabowski

Die deutschen Banknoten ab 1871

Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine


ISBN: 978-3-86646-279-3

Auflage: 24. Auflage 2026/27

Format: 14,8 x 21 cm

Abbildungen: durchgehend farbig

Cover-Typ: Hardcover

Seitenanzahl: ca. 880 Seiten

Preis: 39,90 EUR

Erscheinungstermin: Ende Oktober 2026


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