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Leserpost: Fälschung zu 100 Billionen Mark von 1923

In dem Artikel "Hyperinflationen der 1920er Jahre als Folge des Ersten Weltkriegs, Teil 1" von Herrn Bronnert in Ihrem Newsletter 06/2022 ist eine Fälschung der Reichsbanknote vom 26. Oktober 1923 zu 100 Billionen Mark abgebildet.


Ich besitze auch so einen Schein, den ich als Fälschung erworben habe. Eine Kopie der Vorder- und Rückseite (siehe Abbildungen) füge ich bei. Der Schein macht einen recht gebrauchten Eindruck und hat ziemliche Ähnlichkeit mit dem in Ihrem Beitrag abgebildeten Schein. Gibt es auffällige Merkmale der Fälschung?

W. Reiß


Originale

DEU-153a: Echte Reichsbanknote (Reichsdruck) zu 100 Billionen Mark vom 26. Oktober 1923, Sammlung Gerber.


DEU-153M2: Echte Reichsbanknote (Muster eines Firmendrucks) zu 100 Billionen Mark vom 26. Oktober 1923, Sammlung Gerber.


Fälschungen

Abbildung einer Fälschung ohne Nummerierung, Sammlung Gerber.


Abbildung der Fälschung aus dem Artikel von Uwe Bronnert mit Kontrollnummer, aber ohne Serie bzw. Firmenzeichen.


Antwort der Redaktion

Was sofort ins Auge fällt, ist die abweichende Farbe der Nummerierung. Ich habe mal zwei Originale (Reichs- und Firmendruck) sowie eine weitere Fälschung zum Vergleich mit abgebildet. Bei Ihrem Schein wird ein Firmenzeichen (L) angegeben, während beim Schein von Uwe Bronnert nur eine Kontrollnummer vorhanden ist, eine Serie bzw. ein Firmenzeichen fehlt jedoch. Bei der abgebildeten Fälschung aus der Sammlung Gerber haben wir überhaupt keine Nummerierung. Allen drei Fälschungen ist aber gemein, dass die rechte Randeinfärbung deutlich sichtbar lediglich aufgedruckt ist und sich nicht im Papier befindet. Ebenso sind die Fasereinlagen, die sich bei Originalen im Papier befinden, bei den Fälschungen durch Aufdruck lediglich nachgeahmt. In der Randeinfärbung befindet sich bei den Originalen außerdem ein Distelstreifen als Wasserzeichen. Das ist bei den Fälschungen lediglich durch Aufdruck angedeutet, was am deutlichsten bei der Fälschung von Uwe Bronnert zu sehen ist. Damit haben wir schon die wichtigsten und offensichtlichsten Merkmale von Originalen und Fälschungen zusammengefasst. Dass Ihre Fälschung trotzdem so deutliche Gebrauchsspuren aufweist, ist nicht verwunderlich. Während der Inflation sind zahlreiche Fälschungen zum Teil auch lange in Umlauf gewesen. Durch die kaum zu überschauende Flut von immer neuen Ausgaben von Banknoten und Notgeldscheinen liefen sogar handgezeichnete Fälschungen und Fantasiescheine um, weil sich die Menschen kaum mehr die Mühe machte, Scheine auf Echtheit und Authentizität zu prüfen. Die Devise in der Zeit der Hyperinflation vor nunmehr 100 Jahren lautete, das Geld so schnell wie möglich auszugeben, bevor es erneut an Wert verloren hat. Aus diesem sehr einfachen, aber für jeden nachvollziehbaren Grund wurde die Hochzeit der Inflation auch als "Tanz auf dem Vulkan" bezeichnet.


Hans-Ludwig Grabowski

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