Leserpost: Zwei Indianer-Kinder mit Gesichtsbemalung



Ich hätte bezüglich eines brasilianischen Geldscheins wieder eine Frage an Sie. Eine schöne Banknote (siehe Abb.) zeigt zwei Indianerkinder (von welchen Ethnien?) mit Gesichtsbemalung. Als Ethnologe würde ich gerne mehr zu dieser Banknote und insbesondere zu den Gesichtsbemalungen erfahren ("Mein" Regionalgebiet liegt ganz woanders, nämlich in Polynesien.) Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir Infos zur Banknote geben könnten oder mir vielleicht mitteilen, wo ich anfragen könnte. Georg Schifko


Antwort der Redaktion


BRA-231b: 1000 Creuzeiros ohne Datum (1990), Vorderseite.
BRA-231b: 1000 Creuzeiros ohne Datum (1990), Rückseite.

Die auf der Rückseite der Banknote dargestellten Kinder mit Gesichts-Tätowierungen gehören den Karajá an, einem indigenem Volk, das in der Umgebung des Rio Araguaia in den brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso, Goiás, Tocantins und Pará in Zentral-Brasilien lebt. Ein markantes Zeichen der Karajá sind die zwei Kreise, welche sie auf ihre Wangen unterhalb der Augen tätowieren.

Ausgegeben wurde der Schein durch die Brasilianische Zentralbank (Banco Central do Brasil) im Jahr 1990. Es gibt zwei verschiedene Varianten:

  1. Unterschriften Zélia Maria Cordoso de Mello / Ibrahim Éris (1990), Unterschriftstitel "MINISTRA DA ECONOMIA, …", Serien 0001 – 6796, ausgegeben ab 31. Mai 1990.

  2. Unterschriften Marcillo Marques Moreira / Francisco Roberto André Gros (1991 bis 1992), Unterschriftstitel "MINISTRO DA ECONOMIA, …", Serien 6797 – 8453, ausgegeben ab 1991.


Im Standard Catalog World Paper Money, Vol. III – Modern Issues wird der Schein unter Barsilien Nummer 231 aufgeführt, wobei hier allerdings die Varianten vertauscht sind!

Variante a) wird hier mit "MINISTRO" und Variante b) mit "MINISTRA" aufgeführt. Es ist genau umgekehrt, so wie oben dargestellt.

Owen W. Linzmayer führt den Schein in seinem "The Banknote Book" unter B853 auf. Bei ihm stimmt die Aufstellung der Varianten!


Neben den beiden Karajá-Kindern sieht man auf der Rückseite Früchte und Fische, eine typische Karajá-Hütte sowie Erzeugnisse und Symbole der Karajá-Kultur.

Auf der Vorderseite ist links neben dem Porträt des Militärs und Abenteurers Cândido Mariano de Silva Rondon (1865 – 1958), der durch den Ausbau des brasilianischen Telegrafennetzes berühmt wurde, über der Umrisskarte des Landes eine Darstellung der ersten Telegrafenstation Brasiliens zu sehen.


Hans-Ludwig Grabowski


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