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Lexikon: Druckfirmen

Bei der Herstellung von Geldscheinen spielte zu allen Zeiten die Vorsorge für einen Fälschungsschutz durch Sicherungstechniken eine wichtige Rolle.

Da die auch Fälschern zugängliche Drucktechnik vor allem im 19. Jahrhundert große Fortschritte machte, wurden die Druckereien gezwungen, durch besondere Verfahren und

die Verwendung von Finessen und Schwierigkeiten den Entwicklungen der Drucktechnik ihrer Zeit immer einige Schritte voraus zu sein, um den Fälschern die Arbeit zu erschweren. So entstanden hochqualifizierte Spezialfirmen für den Druck von Geldscheinen und Wertpapieren.

Viele Länder verfügen über eigene staatliche Geldscheindruckereien. Meist stellten und stellen diese Staatsdruckereien nur die Scheine des eigenen Landes her (oft auch nur einen Teil davon, so in der Bundesrepublik Deutschland). Es gibt jedoch auch solche Druckereien, die für andere Länder Geldscheine produzieren.


Bekannte Staatsdruckereien, die Geldscheine herstellen, sind:

  • Reichsdruckerei (heutige Bundesdruckerei)

  • Bureau of Engraving and Printing

  • Druckerei der Banque de France

  • Wiener Staatsdruckerei

Daneben gab es früher und gibt es auch heute viele weitere bedeutende staatliche Druckereien mit einer Banknotenabteilung, so z. B. in Argentinien (Casa de Moneda de la Nacion), Belgien (Imprimerie Banque Nationale de Belgique), Brasilien (Casa da Moeda do Brasil), Chile (Casa de Moneda de Chile), Volksrepublik China, Dänemark, Griechenland (Idryma Trapezes Ellados), Indien, Italien (Officia della Banca d'Italia; Istituto Poligrafico dello Stato; Officina Carte-Valori), Japan, Norwegen, Polen (Polska Wytwórnia Papierów Wartościowych), Russland (Goznak), Schweden (Tumba Bruk), Spanien (Fabrica Nacional de Moneda y Timbre), Tschechische Republik (Státni Tiskárna Cenin), Ungarn u. a. In immer mehr industriell voll entwickelten Ländern entstanden solche Staatsdruckereien.


Brasilien: BRA-248a, Banknote des Banco Central do Brasil über 10 Reais ohne Datum (2000), Gedenkbanknote 500 Jahre Entdeckung Brasiliens, Druck: Casa da Moeda do Brasil, Vorder- und Rückseite.


Deutsches Reich: GER-73, Reichsbanknote der Deutschen Reichsbank über 500 Mark vom 27. März 1922, Druck: Reichsdruckerei in Berlin, Vorder- und Rückseite.


Frankreich: FRA-154e, Banknote der Banque de France über 100 Francs von 1990, Druck: Druckerei der Banque de France, Vorder- und Rückseite.


Russland: Werbeschein der staatlichen russischen Wertpapierdruckerei Goznak ohne Datum, Druck: Goznak, Vorder- und Rückseite.


Tschechoslowakei: CSK-97, Banknote der Tschechoslowakischen Staatsbank über 100 Korun von 1989, Druck: Státni Tiskárna Cenin, Vorder- und Rückseite.


Die vielen Privatfirmen anzuführen, die im Laufe der Papiergeldgeschichte in den einzelnen Ländern mit dem Druck von Geldscheinen beschäftigt waren, ist wegen der hohen Zahl unmöglich. Hier sollen nur einige der bedeutendsten erwähnt werden, vor allem solche Firmen, die auch bis in die Gegenwart für den Wertpapierdruck von Bedeutung sind:


Deutsches Reich, Königreich Bayern: BAY-3c, Banknote der Bayerischen Notenbank über 100 Mark vom 1. Januar 1900, Druck: Giesecke & Devrient, Leipzig, Vorder- und Rückseite.


Deutsches Reich, Freistaat Thüringen: Gra/Me 320.2a5, Serienschein der Stadt Eisenach über 50 Pfennig von 1921, Rückseite mit Luther als Junker Jörg bei der Bibelübersetzung auf der Wartburg, Druck: J. A. Schwarz, Lindenberg im Allgäu, Vorder- und Rückseite.


Deutschland

  • Dondorf & Naumann, Frankfurt (auch als Einzelfirmen Dondorf bzw. Naumann)

  • Giesecke & Devrient, Leipzig (später München und zusätzlich Leipzig)

Verschiedene Druckereien, die sich vor allem im Druck von Notgeld auszeichneten:

  • M. Du Mont-Schauberg, Köln

  • Edler & Krische, Hannover

  • Flemming-Wiskott, Glogau

  • J. P. Himmer, Augsburg

  • König & Ebhard, Hannover

  • Gebr. Parcus, München

  • Schleicher & Schüll, Düren (später Einbeck)

  • J. Adolf Schwarz, Lindenberg im Allgäu

Frankreich

  • Chaix, Paris (druckte Madagaskar 10 und 20 Francs, Typ 1926; Französisch Äquatorialafrika 1917; Indochina, Kleingeldscheine 1919)


Island: Banknote der Landsbank Islands über 10 Krónur nach Gesetz vom 15. April 1928 (ausgegeben 1946), Druck: Bradbury, Wilkinson & Co. Ltd., New Malden, Vorder- und Rückseite.


Schweiz: CHE-49h, Banknote der Schweizerischen Nationalbank über 100 Franken vom 23. Dezember 1965, Druck: De La Rue, London, Vorder- und Rückseite.


Großbritannien

  • Bradbury, Wilkinson & Co. Ltd., London (später New Malden, Surrey)

  • Thomas De La Rue & Co. Ltd., London (bis heute der weltweit bedeutendsten Banknotendruckerein, die für viele Länder Geldscheine druckt)

  • Waterlow & Sons Ltd., London, Watford und Dunstable

  • Barcley & Frey Ltd., London (z. B. China, Imperial Bank of China, Hongkong & Shanghai Banking Corporation, Imperial Chinese Railways, alle 1898 bis 1905)

  • Perkins & Bacon, London (Wohl die älteste englische Banknotendruckerei. Perkins kam 1818 nach London und hatte verschiedene Teilhaber. Er stellte eine der ersten Guillochiermaschinen für den Banknotendruck auf; Beispiele von bekannten Noten: brasilianische Noten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und viele Noten englischer Privatbanken)

  • Harrison and Sons, London (1750 gegründet, war ein weltweit führender Hersteller von Briefmarken und Banknoten)

Italien

  • Coen & Co. Bancnote, Milano (später Calcografia & Carte Valori), druckte einige spanische Banknoten von 1937 bis 1940.

  • Officina Carte-Valori Richter & Co., Napoli (druckte ab 1908 die Noten des Banco di Napoli).


Niederländisch Indien: NLI-72c, Banknote der Javasche Bank über 50 Gulden vom 12. August 1929, Druck: Joh. Enschede en Zonen, Haarlem, Vorder- und Rückseite.


Niederlande

  • Johann Enschede en Zonen, Haarlem

  • De Bussy, Amsterdam (druckte viele der niederländischen Münzbillets, auch für die niederländischen Kolonien).


Schweiz: CHE-75a, Banknote der Schweizerischen Nationalbank über 10 Franken ohne Datum (2016), Druck: Orell Füssli, Zürich, Vorder- und Rückseite.


Schweiz

  • Orell Füssli, Graphische Betriebe AG, Zürich

Republik China: CHN-84, Banknote der Bank of China über 5 Yuan von 1940, Druck: American Bank Note Company, Vorder- und Rückseite.


USA

  • American Bank Note Company, New York

  • Security Banknote Company

  • E. A. Wright Bank Note Co., Philadelphia

  • Hamilton Bank Note Co. (druckte Anfang des 20. Jahrhunderts Noten für verschiedene südamerikanische Staaten, so für Kolumbien und für Nikaragua).

  • The Homer Lee Bank Note Co., New York (druckte Ende des 19. Jahrhunderts Noten für Honduras, Kolumbien und Nikaragua).

Ferner folgende Druckereien, die alle von Fall zu Fall der US-amerikanischen Staatsdruckerei, dem Bureau of Engraving and Printing, bei ihrer Arbeit geholfen haben:

  • Forbes Lithograph Manufacturing Company, Boston

  • Tudor Press, Boston

  • Stecher-Traung Lithograph Corporation, San Franciso

  • State of California Bureau of Printing, Sacramento


Von den zahlreichen privaten Banknotendruckereien der Vergangenheit sind heute nur noch wenige übrig geblieben, die allerdings für die meisten kleineren Länder und auch noch für einige bekannte und größere Staaten Geldscheine herstellen. Es sind dies vor allem folgende bedeutende Spezialdruckereien:

  • American Bank Note Company, USA

  • Security Banknote Company, USA

  • Thomas De La Rue & Co., Großbritannien

  • Johann Enschede en Zoonen, Niederlande

  • Orell Füssli, Schweiz

  • Giesecke & Devrient, Deutschland


Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski

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