Nikolaus oder Weihnachtsmann? – Besinnliche Anmerkungen zu zwei Notgeldscheinen

Plätzchen, Lollis, Gummibärchen, Spielzeug – all das und manches mehr steckt am 6. Dezember in Kinder-Stiefeln, so sie geputzt vor die Tür gestellt wurden. Heimlich gebracht vom Nikolaus. Und dort, wo er in seinem roten Mantel, Bischofs-Mitra und Bischofsstab an die Türe klingelt, singen die Kleinen ihr Nikolaus-Lied oder sagen brav das volkstümliche Gedicht „Von drauß vom Walde komm ich her …“ auf. Sie sind ein wenig ängstlich, wenn er in sein goldenes Buch schaut, um die kleinen Schandtaten vorzutragen und dann doch zu fragen, ob die Kinder auch artig waren. Natürlich wird dies bejaht und die leuchtenden, erwartungsvollen Kinderaugen folgen dem Griff in den großen Sack, in dem die Süßigkeiten und Geschenke auf die Verteilung warten.

Dieser Brauch erinnert an den Todestag des Heiligen Nikolaus, der zwischen 280 und 286 in Patara in der heutigen Türkei geboren wurde. Mit 19 Jahren wurde er zum Priester geweiht und wenig später zum Bischof von Myra, dem heutigen Demre, etwa 100 Kilometer entfernt von Antalya gelegen. Während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Galerius Valerius Maximinus (305 – 311) geriet auch Nikolaus in Gefangenschaft und wurde gefoltert. Als Todestag gilt der 6. Dezember, das genaue Jahr ist nicht bekannt. Es dürfte zwischen dem Jahr 345 und 351 liegen. Nikolaus soll ursprünglich in der Kirche St. Nikolaus in Demre bestattet worden sein. Noch heute ist dort der leere Sarkophag, mit der aufgebrochenen Seitenplatte zu sehen. Italienische Seeleute raubten seine Gebeine im Jahr 1087 und brachten sie nach Bari. In der süditalienischen Stadt werden sie noch heute in der Basilika San Nicola von zahllosen Pilgern verehrt.


Um die Person des Heiligen Nikolaus ranken sich zahlreiche Legenden, wie die der „Mitgift-Spende“: Einst hatte ein Vater drei Töchter im heiratsfähigen Alter. Weil er so arm war, dass er ihnen keine Mitgift für eine standesgemäße Heirat geben konnte, sollten sie ihr Auskommen als Prostituierte finden. Dies erfuhr der noch Nicht-Bischof Nikolaus. Da er durch Erbschaft ein größeres Vermögen besaß, beschloss er, die Jungfrauen vor diesem Schicksal zu bewahren. In zwei aufeinander folgenden Nächten warf er je einen großen Goldklumpen durch das Zimmerfenster der drei jungen Frauen. Um zu erfahren, wer der edle Spender ist, legte sich der Vater auf die Lauer. In der dritten Nacht warf Nikolaus wieder ein Goldklumpen in das Zimmer der Töchter.

Der Vater, der dies sah, fragte ihn nach seinem Namen und dankte herzlich für die Geschenke. Aufgrund dieser Legende wird der Heilige Nikolaus oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln als Heiligenattribute dargestellt.

Der Ursprung, dass der Heilige die Kinder am 6. Dezember besucht und beschenkt, hat seinen Ursprung in dieser Legende, ferner aber auch in den mittelalterlichen Kloster- und Stiftsschulen. Am Tag des Festes der Unschuldigen Kinder, dem 28. Dezember, fanden die sog. Bischofs-Spiele statt. An diesem Tag wurde ein Schüler zum „Bischof“ oder „Abt“ bestimmt, der entsprechend gewandet die anderen Schüler für ihr Betragen belohnte oder bestrafte. Später wurden die Bischofs-Spiele auf den 6. Dezember, dem Nikolaustag, verlegt.

Da die evangelischen Reformatoren die Heiligenverehrung allgemein ablehnten, verblasste in den überwiegend protestantischen Gegenden der Nikolaus-Brauch. Martin Luther verlegte 1531 die Beschenkung der Kinder auf den 25. Dezember und an die Stelle des „Heiligen Nikolaus“ trat der „heilige Christ“, das spätere „Christkind“. Damit ist nicht das neugeborene Jesuskind gemeint, wie man annehmen könnte, sondern es hat seinen Ursprung in den Engeln oder engelähnlichen Gestalten von Krippenspielen und Weihnachtsumzügen.

Ab dem 19. Jahrhundert bekam des „Christkind“ Konkurrenz durch den säkularisierten „Weihnachtsmann“, wie das bekannte Weihnachtslied „Morgen kommt der Weihnachtsmann …“, dessen Text 1835 von Hoffmann von Fallersleben verfasst wurde, belegt. Der Weihnachtsmann tritt als rundlicher, freundlicher alter Mann mit langem, weißem Rauschebart, rotem und mit weißem Pelz besetzten Gewand und Mütze auf. Ferner hat er einen Sack mit Geschenken für die lieben und eine Rute für die bösen Kinder dabei und wird in manchen Landstrichen von Knecht Ruprecht begleitet.

Stadt Neustadt (Sachsen-Coburg), 1. Dezember 1918, 50 Pfennig, Vorderseite.
Stadt Neustadt (Sachsen-Coburg), 1. Dezember 1918, 50 Pfennig, Rückseite.

Auch auf deutschem Notgeld ist der Weihnachtsmann vertreten: Die Stadt Neustadt im einstigen Herzogtum Sachsen-Coburg (heute Bayern) gab unter dem Datum 1. Dezember 1918 einen 50-Pfennig-Notgeldschein aus, auf dessen Rückseite ein rotgekleideter Mann mit Kapuze und langem, weißen Rauschebart zu sehen ist, der sich auf dem Weg zur Bescherung befindet. In der rechten Hand hält er einen Wanderstab aus Holz und in der linken zwei Puppen, auf dem Rücken eine Kiepe mit Kinderspielzeug.


Stadt Sonneberg (Sachsen-Meiningen), 20. Februar 1920, 50 Pfennig, Vorderseite.
Stadt Sonneberg (Sachsen-Meiningen), 20. Februar 1920, 50 Pfennig, Rückseite.

Die nur wenige Kilometer von Neustadt entfernte Stadt Sonnenberg im ehemaligen Herzogtum Sachsen-Meinigen (heute Thüringen) setzte dem Weihnachtsmann auf dem 50-Pfennig-Schein vom 20. Februar 1920 ein Denkmal. Die Rückseite zeigt ihn im Profil in einem Oval stehend mit einem geschmückten Weihnachtsbaum in der rechten Hand und einem Holz-Schaukelpferd und einer Puppe in der linken. Für die Verzierung neben dem Oval standen Holzschnitzereien Pate.

Der Thüringer Wald war lange Zeit ein Zentrum der deutschen Spielzeugindustrie. In Sonneberg ist heute des Deutsche Spielzeugmuseum beheimatet und Neustadt bei Coburg wird auch als bayerische Puppenstadt bezeichnet.

Es ist immerhein beruhigend, der Weihnachtsmann ist keine Erfindung der Coca-Cola-Company, die 1931 die bekannte Figur des „Coca-Cola Santa Claus“ für eine ihrer Werbe-Aktionen „erfand“.


Uwe Bronnert

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